Frauen im Fokus der Assekuranz
Prof. Dr. Petra Gruner von der Hochschule Coburg weiß, wovon sie spricht, wenn es um Frauen in der Assekuranz geht. Sie ist selbst eine von ihnen, dabei sehr erfolgreich und bringt viele Jahre an Erfahrung aus dem Bildungsbereich der Finanz- und Versicherungswirtschaft mit. Und diese braucht, das weiß nicht nur Gruner, Menschen mit guter Qualifikation. Ob diese Männer oder Frauen sind, ist zweitrangig. Dies wurde auch auf dem letzten Nordbayerischen Versicherungstag deutlich, auf dem die Teilnehmer über das Thema Frauen immer wieder auch auf den Fachkräftemangel der Branche im Allgemeinen zu sprechen kamen. Einen wesentlichen Unterschied gibt es laut Gruner allerdings doch: Frauen schöpfen ihr Qualifizierungspotenzial öfter nicht aus. Grund dafür ist vor allem der Spagat zwischen Beruf und Familie, den viele von ihnen vollziehen müssen.
Ein weiteres Potenzial für den Arbeitsmarkt der Branche sieht die Professorin auch in der Weiterbildung bereits beschäftigter Arbeitnehmer. Dieses Potenzial werde jedoch insgesamt noch zu wenig von den Arbeitgebern erkannt und gefördert: Im aktuellen Jahrgang des berufsbegleitenden Bachelors Versicherungswirtschaft wurde laut Gruner lediglich einer von 40 Teilnehmern von seinem Unternehmen gezielt unterstützt.
BaFin und die Frauen
Auch bei der BaFin ist seit diesem Jahr eine Frau an der Spitze. Bei der Aufsichtsbehörde wird bereits einiges für die Förderung von Frauen getan. Sie hat einen Gleichstellungsplan entwickelt, der auf eine paritätische Verteilung von Männern und Frauen abzielt. Außerdem sind familienfreundliche Kern- und Rahmenarbeitszeiten, individuelle Teilzeitregelungen und Telearbeitsplätze für die rund 2.000 Beschäftigten der BaFin möglich. Dennoch: Von den Teilzeitarbeitern der BaFin sind neun Zehntel Frauen und auch Elternzeit wird lediglich zu einem Zehntel von Männern in Anspruch genommen.
Das Beispiel BaFin zeigt also: Wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht, sind es noch immer fast ausschließlich die Frauen, die bereit sind, Kompromisse einzugehen. Der Fokus bei der Diskussion um Vereinbarkeit von Familie und Beruf muss vor allem dahin gehen, dass Männer in gleichem Maße bereit sind, Familienaufgaben zu übernehmen und temporär auf Einfluss und Geld zu verzichten. Nur dann wird Frauen nachhaltig der Weg in die Führungsebenen geöffnet.
Männer noch immer viel besser bezahlt
Prof. Dr. Sonja Bischoff untermauerte auf dem Versicherungstag diese These, indem sie deutlich machte, dass mehr Frauen in Führungspositionen auch aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten notwendig sind: „Der richtige Mensch muss am richtigen Platz arbeiten, alles andere ist ökonomischer Unsinn“, so Bischoff. Bereits in den 80er Jahren hatte die Professorin für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre Betrachtungen zur ökonomischen Bedeutung von Frauen in Führungspositionen durchgeführt. Und dennoch: Der Beruf des Top-Manager ist für Frauen über die Jahre nicht attraktiver geworden. Dies hängt in erster Linie damit zusammen, dass Frauen noch immer eklatant schlechter bezahlt werden als Männer in der gleichen Position.
Laut einer von Sabine Brunotte, Geschäftsführerin von BrunotteKonzept und Mitglied im VDVM, gemeinsam mit der Deutschen Versicherungsbörse durchgeführten Studie beträgt der Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen insgesamt 23%, bei Finanz- und Versicherungsdienstleistungen sind es sogar 29%.
Vorurteile und statistische Diskriminierung
Bischoff bestätigt, dass erst mit steigendem Einkommen der Wille zum beruflichen Aufstieg bei Frauen wächst. Sie empfiehlt daher eine konsequent leistungsorientierte Unternehmenskultur, in der sich die Bezahlung der angestellten Führungskraft am Modell des Unternehmers orientieren solle. Dadurch entstünde auch mehr Flexibilität hinsichtlich Arbeitszeit und Arbeitsort. „Nicht Teilzeit, sondern Vollzeit mit unternehmerischer Handlungsfreiheit und Verantwortung ist das Erfolgsrezept für Frauen und Unternehmen in der Zukunft“, resümiert Bischoff. Gerade in der Phase des Aufstiegs würden Frauen jedoch häufig durch Vorurteile gegenüber ihrem Geschlecht am Erfolg gehindert.
Besonders schlecht sind die Karrierechancen von „gebärfähigen“ Frauen zwischen 30 und 44 Jahren, wie die Studie von Brunotte belegt. Während dieser langen Phase der „statistischen Diskriminierung“ werden Frauen oft von Männern auf der Karriereleiter überholt. Besonders in Großunternehmen sei dies stark ausgeprägt. Je größer der Betrieb, umso geringer der Frauenanteil in Führungspositionen, so Brunottes Studie weiter.
Aufstiegswille scheitert an „Gläserner Decke“
In der Branche besteht also Handlungsbedarf. Auf dem Versicherungstag wurde auch über Handlungsoptionen diskutiert. Laut Dr. Susanne Pauser, Personalleiterin bei HUK-COBURG, sei es längst ökonomische Notwendigkeit, mehr Frauen zu beschäftigen, weshalb sie harte Kennzahlen wie eine Frauenquote für notwendig hält. Noch immer herrschen in der Branche zudem stark ausgeprägten Hierarchien vor, so der Tenor der Diskussionen. Frauen mit Aufstiegswillen stoßen oft an die „Gläserne Decke“, die sie von bestimmten Macht- und Verantwortungspositionen im Gegensatz zu Männern abhält. Um diese zu durchbrechen benötigen Frauen ein größeres Selbstbewusstsein, mehr Einsatzkraft und ein schnelleres Aufstiegstempo als Männer.
Die Branche muss auch an ihrem Image feilen und Machtstrukturen überdenken. Am Ende des Forums gab es eine Wortmeldung, die dies bestätigte: „Wer Frauen bei Vertriebsveranstaltungen in Hasenkostüme steckt, der wird wohl kaum das Interesse haben, dass sie nach oben kommen. Gegen diese Einstellung hilft keine Quote der Welt, sondern nur ein grundlegendes Umdenken.“ Diese Anmerkung kam von einem Mann.
Autorin: Toni Kuhn
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