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Assekuranz 08. April 2011

„Herausforderung für die Produktentwickler aller Versicherungsunternehmen“

Dietmar Bläsing

(ac) Seit Bekanntgabe durch das Bundesfinanzministerium (BMF), stellt sich die Frage, welche Folgen die Senkung des Rechnungszinses für die Lebensversicherer für Folgen haben wird. Daneben beschäftigt sich die Branche mit der Diskussion um die steuerliche Förderung von Investmentfonds. Ein AssCompact-Interview mit Dietmar Bläsing, Vertriebsvorstand der VOLKSWOHL BUND Versicherungen.

AssCompact: Herr Bläsing, Ende Februar war es heraus: Der Rechnungszins wird auf 1,75% gesenkt. Zuvor wurde viel über die Höhe der Zinssenkung spekuliert. Ist die Senkung nun zu hoch ausgefallen?

Dietmar Bläsing: Die Mathematiker der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV) sowie der GDV hatten nach eingehender Analyse eine Senkung auf 2,0% empfohlen – ein Wert den auch unsere Aktuare für angemessen eingestuft haben. Dass das BMF nun mit 1,75% über diesen Vorschlag hinausgegangen ist, stellt die Produktentwickler aller Versicherungsunternehmen vor Herausforderungen und wird zu einem verstärkten Wettbewerb um attraktive Produktideen führen – das sind Rahmenbedingungen, in denen wir uns schon in der Vergangenheit sehr wohl gefühlt haben.

AC: Fürchten Sie keinen Einbruch im Neugeschäft?

DB: Die Lebens-/Rentenversicherung bleibt nach wie vor die beste Lösung für die private bzw. betriebliche Altersvorsorge. Der Rechnungszins bestimmt nur einen Teil der tatsächlichen Leistungen. Er bestimmt nicht darüber, wie rentabel die Versicherung tatsächlich ist. Mit einer laufenden Verzinsung in Höhe von 4,35% gehören wir weiterhin zu den leistungsstärksten Unternehmen am Markt. Wir haben daher keine Befürchtung, dass das Neugeschäft aus diesem Grund zurückgehen sollte.

AC: Gibt es andererseits vielleicht sogar auch eine gewisse Erleichterung, dass die Garantien, die Sie geben müssen, nicht mehr so hoch sind?

DB: Nein. Wir stehen zu Garantien in der Lebensversicherung und waren nicht nur in der Vergangenheit beim Management dieser Garantien sehr erfolgreich. Wir sind auch auf zukünftige Herausforderungen sehr gut vorbereitet. Ein höherer Rechnungszins wäre für uns kein Problem oder Grund zur Sorge gewesen.

AC:

Wird es bis Jahresende nun eine Art Schlussverkauf – eventuell auch mit gewissen Anreizen im Vertrieb – geben?

DB: Die Erfahrungen vergangener Rechnungszinsanpassungen haben gezeigt, dass der Vertrieb sehr wohl in der Lage ist, Kunden frühzeitig über sämtliche Auswirkungen der Änderungen aufzuklären. Für diejenigen, die bislang bezüglich ihrer Vorsorge noch gezögert haben, ist die Sicherung eines höheren Garantiezinses für Jahrzehnte sicher ein gutes Argument, die Entscheidung nicht länger auf die lange Bank zu schieben. Daher rechnen wir durchaus mit einem erhöhten Neugeschäft – insbesondere in der zweiten Jahreshälfte. Die Notwendigkeit zusätzlicher Anreize dafür sehen wir nicht.

AC: Wie werden die Lebensversicherer langfristig reagieren? Geht es nun in Richtung Garantiemodelle moderner Art?

DB: Auch in der Vergangenheit haben wir gesehen, dass neue Garantiemodelle – wie die dynamischen Hybridprodukte – am Markt eine große Akzeptanz finden können. Die Garantiewerte klassischer Produkte vermindern sich durch den geringeren Rechnungszins deutlich; umgekehrt wird der Bedarf der Kunden nach Garantien für ihre Altersvorsorge unvermindert bestehen bleiben. Das wird neuen Garantieformen durchaus den Boden bereiten. Man darf aber nicht vergessen, dass auch „moderne“ Garantieformen letztendlich ein Abwägen zwischen Sicherheit und Chancen darstellen. Es wird daher noch wichtiger werden, den Vertriebspartnern die Chance-Risikoprofile verschiedener Produkte transparent darzustellen. Mit dem Volatium® Ansatz von MORGEN & MORGEN, den wir mit unseren Produkten und Tools verfolgen, sind wir diesbezüglich bereits jetzt der Branche ein gutes Stück voraus.

AC: Bestandsverträge sind von der Zinssenkung nicht betroffen. Das heißt, Sie haben noch einige hohe Garantien im Bestand. Macht es Ihnen Sorge, diese aktuell auf der anderen Seite am Kapitalmarkt zu erwirtschaften?

DB: Nein. Wie bei allen Lebensversicherern enthalten unsere Bestände eine breite Mischung an Zinsgarantien und unsere Kapitalanlage ist seit jeher darauf ausgerichtet, diese Garantien insbesondere durch eine umsichtige Anlagepolitik abzubilden. Dazu gehört auch die ständige Analyse möglicher Kapitalmarktszenarien und die angemessene Vorsorge für ungünstige Entwicklungen – weit über das hinaus, was zum Beispiel im Rahmen der Stress-Tests der BaFin extern eingefordert wird. Die Kapitalmärkte zeigen zwar inzwischen wieder Tendenzen nach oben, aber auch für ein längerfristiges Zinstief sind wir gut gerüstet. Unser Fitch-Finanzstärke-Rating „AA-“, das wir bereits seit 2004 durchgehend erhalten haben, unterstreicht dies eindrucksvoll.

AC: Es gibt Vorschläge, dass in der Altersvorsorge Investmentfonds künftig steuerlich verbessert werden sollen. Was halten Sie davon?

DB: Unser Geschäftsmodell unterscheidet sich stark von dem anderer Finanzmarktakteure. Nicht jede Form des Sparens ist als langfristige Altersvorsorge tauglich. Es ist ein Irrtum, wenn Investmentfonds mit Alterssicherung gleichgesetzt werden. Nur Lebensversicherer erzeugen in der Gemeinschaft langfristige Garantien, die das Kapital ihrer Kunden schützen und gleichzeitig das biometrische Risiko der Langlebigkeit absichern. Vor diesem Hintergrund sehen wir eine steuerliche Gleichstellung als bedenklich an.

AC: Bei Verbraucherschutzverbänden stehen Lebensversicherungen nicht besonders hoch in der Gunst. Bekommen etwaige Aussagen gegen die Lebensversicherungen nun weiteren Aufwind?

DB: Gerade die Versicherungswirtschaft hat beim Verbraucherschutz neue Maßstäbe gesetzt. Die tiefgreifende Reform des Versicherungsvertragsrechts ab 2008 dient mittlerweile als Vorbild für andere Branchen. Auch Verbraucherschützer sollten erkennen, dass das Ziel der gesetzlichen Vorgabe des Höchstrechnungszinses die Risikotragfähigkeit der Versicherungsunternehmen im Sinne aller Versicherten stärken soll. Auch wenn Gegner der Lebensversicherung ihre Kritik jetzt befeuern – echte Alternativen bieten sie nicht.

AC: Was würden Sie Maklern empfehlen, wie sie am Markt, also beim Kunden, mit der neuen Situation umgehen können?

DB: Vermittler sollten sich weiterhin auf das konzentrieren, was sie am besten können: die individuelle Beratung ihrer Kunden, die Analyse und Bewertung sämtlicher Risiken, die Ermittlung des konkreten Absicherungsbedarfs, die Auswahl geeigneter Versorgungslösungen bei leistungsstarken Anbietern. Sie werden erkennen, dass Lebens- bzw. Rentenversicherungen durch ihre umfassenden Leistungen, die Absicherung biometrischer Lebensrisiken und ihre hohe Flexibilität auch künftig unverzichtbar sind.

AC: Herr Bläsing, vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview mit Herrn Bläsing lesen Sie auch in der Aprilausgabe der AssCompact auf Seite 40f.

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