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Investment 14. Februar 2012

In jedem Jahr Gewinne erzielen

Von Jörg Schubert, Leiter Investment Solutions der Bantleon AG

Sie werden als Alleskönner verkauft, als Investmentfonds, die in jeder Marktphase Geld verdienen können. Doch die Realität sieht anders aus: Längst nicht alle Absolute-Return-Fonds, Mischfonds und vermögensverwaltenden Fonds erzielen in jedem Jahr eine positive Rendite. Aber genau diesen „Absolute Return“ fordern viele sicherheitsorientierte Anleger. Clevere Finanzberater können mit der richtigen Auswahl zufriedene Kunden an sich binden. Börsenkurse stürzen in den Keller, auf dem Parkett greift Panik um sich. Doch an einigen Investmentfonds zieht das Desaster fast spurlos vorbei. Seit Ausbruch der jüngsten Finanzmarktkrise im Jahr 2008 wird deutlich, welche Asset Manager auch in schwierigstem Umfeld das Kapital der Anleger schützen und sogar mehren können. Seitdem machen extreme Schwankungen bei Aktien- und Anleihenkursen die Vermögensanlage zu einem Balanceakt. Der Gewinn mehrerer Monate kann binnen weniger Tage aufgezehrt werden. In diesem Umfeld können sich nur jene Fondsmanager behaupten, die das Kapital zwischen verschiedenen Anlageklassen aktiv steuern und in jedem Marktumfeld eine positive Rendite anstreben. Bekannt sind diese Multitalente als Absolute-Return-Fonds, Mischfonds und vermögensverwaltende Fonds.

Aber was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? Und wie finden Finanzberater die für ihre Kunden passenden Fonds? Ein Blick in die Vergangenheit verdeutlicht das Problem: Dem Anspruch, in allen Kapitalmarktphasen positive Erträge zu erzielen, wurden beispielsweise längst nicht alle der 195 seit mindestens drei Jahren in Deutschland zugelassenen Absolute-Return-Fonds gerecht. Dies zeigte unlängst eine Studie des Vermögensverwalters Lupus alpha: Auf Sicht von drei Jahren per Ende Juni 2011 erzielte gut ein Drittel eine negative Rendite. Nur 40% erreichten in dem Zeitraum eine Rendite über dem Geldmarkt. Und im ersten Halbjahr 2011 erzielte sogar nur rund ein Drittel der untersuchten Absolute-Return-Fonds eine positive Rendite. Anleger hätten ihr Geld also besser auf ein Tagesgeldkonto eingezahlt – dabei hätten sie zumindest kein Geld verloren. Ähnlich ernüchternd ist die Bilanz von Mischfonds und vermögensverwaltenden Fonds, die seit dem Beginn der jüngsten Finanzmarktkrise in wachsendem Umfang angeboten werden.

„Absolute Return“ ist nicht eindeutig

Das Problem für Finanzberater beginnt schon mit der sehr unterschiedlichen Definition dieser Produkte: Mal versprechen Anbieter, Verluste zu begrenzen, mal werden für rollierende Drei-Jahres-Zeiträume positive Renditen in Aussicht gestellt und manchmal wird einfach nur mit guten Ratings oder anderen Auszeichnungen geworben. Sicherheitsorientierten Anlegern hilft das aber nicht. Ein gutes Rating beispielsweise bedeutet lediglich, dass ein Fonds innerhalb seiner Kate-gorie gut abschneidet, eine stetig positive Performance hingegen ist damit nicht gewährleistet. Und wer möchte schon zusehen, wie seine Kunden Geld verlieren? Ein wichtiges Kriterium ist, dass ein solcher Investmentfonds nach Kosten jedes Jahr ein positives Ergebnis erzielt – und das bei täglicher Liquidität. Nur dann kann der Anleger jederzeit ohne Verluste an sein Geld kommen. Das zumindest bedeutet im ursprünglichen Sinn „Absolute Return“ – jedes Jahr ein absoluter, positiver Ertrag.

Doch solche Fonds zu finden, ist schwierig, wie ein Blick in die Datenbank der Ratingagentur Morningstar zeigt: Allein die Kategorie „Mischfonds EUR defensiv“ enthält mehr als 490 Fonds, die Kategorie „Mischfonds EUR ausgewogen“ über 550. Und von den defensiven Mischfonds haben nur etwas mehr als 100 im Jahr 2011 überhaupt ein positives Ergebnis erzielt. Nach Abzug der Inflation blieb nur bei etwa 35 Fonds dieser Kategorie ein Gewinn. Und im Krisenjahr 2008 war die Bilanz ähnlich ernüchternd. Diese Ergebnisse machen deutlich, wie heterogen das Angebot ist – ganz gleich, ob das Produkt als Absolute-Return-Fonds, Mischfonds oder vermögensverwaltender Fonds bezeichnet wird.

Nicht von kurzfristiger Performance blenden lassen

Um dennoch eine gute Auswahl zu treffen, ist eine Kombination mehrerer Kennzahlen sinnvoll. Grundsätzlich sollte man sich nicht von kurzfristigen Performanceentwicklungen blenden lassen, sondern den Fokus auf die Ertragsstabilität über längere Zeiträume legen. Wichtige Eigenschaften sind: Jedes Jahr ein attraktiver positiver Ertrag – auch in
Finanzmarktkrisen, Geringe Wertschwankungen, Konzentration auf die Basisanlageklassen für sicherheitsorientierte Anleger (Aktien, Anleihen, Geldmarkt), Transparentes Fondsvermögen, Tägliche Liquidität

Hilfreich können auch die Analysen vermögensverwaltender Fonds sein, wie sie beispielsweise die MMD Multi Manager GmbH anbietet. Das Unternehmen wertet dafür regelmäßig zahlreiche Kennziffern von Investmentfonds aus, die für sicherheitsorientierte Anleger geeignet sein könnten. Orientierung will auch die Ratingagentur Scope bieten, die im Jahr 2011 damit begonnen hat, die mehr als 2.000 Mischfonds mit Vertriebszulassung in Deutschland quantitativ und qualitativ zu analysieren. In einer Untersuchung von über 140 defensiven vermögensverwaltenden Fonds, die Scope Analysis im Juli 2011 veröffentlicht hat, prüfte Scope den Kapitalerhalt auf Sicht der vergangenen drei Jahre. Dieser Zeitraum wurde bewusst gewählt, stellte er doch die Fähigkeiten der Vermögensverwalter auf eine harte Probe, weil er mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine sehr volatile Phase an den internationalen Kapitalmärkten abbildet. 22% der von Scope untersuchten Fonds haben den Kapitalerhalt nach drei Jahren nicht erreicht. 34% der Fonds haben zwischenzeitlich sogar 10% oder mehr verloren (Maximum Drawdown). Auf der anderen Seite gab es Scope Analysis zufolge auch erfreuliche Ergebnisse: Jeder vierte Fonds schaffte demnach nicht nur den Kapitalerhalt oder eine positive Performance nach den drei volatilen Jahren, sondern konnte die während dieser Phase aufgetretenen Verluste auf 5% und somit auf ein für sicherheitsorientierte Anleger erträgliches Maß begrenzen, wie es bei Scope heißt.

Kapitalerhalt als wichtigstes Kriterium

Fazit: Finanzberater haben zumindest bei sicherheitsorientierten Anlegern die Qual der Wahl. Es reicht nicht aus, sich auf die Produktversprechen der Anbieter von Absolute-Return-Fonds, Mischfonds oder vermögensverwaltenden Fonds zu verlassen. Große Unterschiede bei der Strukturierung der Portfolios und den Managementmethoden haben in der Vergangenheit zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen geführt. Und daran dürfte sich auch künftig nichts ändern. Wer sicherheitsorientierte Anleger als zufriedene Kunden binden möchte, wird „Kapitalerhalt“ als wichtigstes Auswahlkriterium wählen müssen. Und das bedeutet: jedes Jahr ein positives Ergebnis. Die Fondsauswahl schrumpft damit zwar deutlich, aber das macht die Arbeit ja auch ein bisschen einfacher.

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