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Finanzen 27. August 2010

Miesmacher und Medien machen missmutige Märkte

Deutschland gegen den Rest der Welt? Uns geht es insgesamt gesehen ziemlich gut, nicht nur relativ, im internationalen Vergleich. Und – normalerweise ein wichtiges Kriterium für die Finanzmärkte – es geht uns viel besser als zum Jahreswechsel 2009/2010 erwartet. Zudem: keine Inflation, Zinsen sogar auf historischem Tief, der Export floriert, die Unternehmen sind voller Optimismus. Dieser überträgt sich allerdings nicht auf die Börsen: Die Investoren blicken überängstlich auf Amerika mit seinen Sorgen (Immobilienmarkt), auf das leidende Japan und zittern vor nachlassender China-Dynamik. Dazu scheinen die Märkte förmlich auf neue Finanzkrisen-Eruptionen zu warten. Jüngstes Beispiel für die Vernachlässigung des Positiven: der allgemein stark beachtete Ifo-Geschäftsklima-Index. Dieser hat sich im August weiter leicht verbessert und somit seinen deutlichen Anstieg vom Juli bekräftigt. Die Unternehmen beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage erneut positiver als im Vormonat, die deutsche Wirtschaft ist im stabilen Sommerhoch.

Dazu ein passender Rückblick: Pressemitteilung Nr. 284 vom 13.08.2010. Es war die Nachricht der Woche: 2,2 % Zuwachs des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP) im zweiten Quartal. Ein solches Wachstum zum Vorquartal gab es noch nie im vereinigten Deutschland. Das Statistische Bundesamt beginnt seine Mitteilung mit dem Satz „Die deutsche Wirtschaft holt rasant auf“ und fährt wenig später fort: „Der zum Jahreswechsel 2009/2010 ins Stocken geratene Aufschwung der deutschen Wirtschaft hat sich damit eindrucksvoll zurückgemeldet.“

Gibt es irgendeinen Grund, sich über Pressemitteilung Nr. 284 nicht zu freuen? Oh ja, es gibt sogar viele – jedenfalls nach der Beurteilung vieler Medien. Denn von denen wird nicht etwa eine wirklich gute, überraschend gute Entwicklung in die Öffentlichkeit transportiert, sondern sie wird umgehend mit allen erdenklichen Bedenken und Einschränkungen vermischt. Dazu stehen genügend Volkswirte, Analysten und andere Denker bereit, die mehrheitlich zum permanenten Warnen neigen, nach dem Motto: Ich will mir später nicht vorwerfen lassen, zu optimistisch gewesen zu sein. Die Kassandras vermehren sich rapide. Die Neigung der Medien, positive Nachrichten ständig zu zerpflücken, um (vermeintliche) Schwachstellen aufzuspüren, ist ein fatale Entwicklung.

Jetzt ist der Dax unter die 6000er-Marke gefallen. Mit besorgter Miene verfolgen Marktkommentatoren eine „bedenkliche“ Schwäche der Aktienkurse. Immer mehr „Experten“ richten sich bereits auf einen trüben Herbst ein. Lassen Sie sich bitte nicht anstecken! Es ist nichts passiert, nichts wirklich Negatives. Der Dax ist in den Sommermonaten schon wiederholt unter diese nicht besonders wichtige Marke gefallen. Gewiss, die Anleger dürfen Risiken nicht verdrängen – man sollte aber auch die Chancen im Auge behalten. Für wirklich langfristig denkende Investoren mit einem Zeithorizont von mindestens fünf bis zehn Jahren sind gerade deutsche Aktien schon jetzt ein Kauf.

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