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Assekuranz 26. Januar 2012

Wie attraktiv ist die Lebensversicherung noch?

(ac) Die ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur stellte zum zehnten Mal in Folge ihre Analyse zur Gewinnbeteiligung deutscher Lebensversicherer vor. 67 Unternehmen nahmen in diesem Jahr teil. Das entspricht einem Marktanteil von 87,36%. „Die laufende Verzinsung von Lebens- und Rentenversicherungen fällt in 2012 im Marktdurchschnitt erstmals unter die 4%-Marke und damit auf den historisch niedrigsten Stand“, teilte Dr. Reiner Will, Geschäftsführer der ASSEKURATA Assekuranz Rating-Agentur, auf der heutigen Pressekonferenz in Köln mit. Demnach sinkt die Verzinsung für private Rentenversicherungen, die wichtigste Tarifart im Neugeschäft, auf 3,91 %. Im Vorjahr wurden diese noch mit 4,07 % verzinst. Der Abwärtstrend bei der laufenden Überschussbeteiligung hat sich beschleunigt. So fällt die laufende Verzinsung bei den Rentenversicherungen um 0,16 Prozentpunkte, gegenüber 0,11 Prozentpunkten im Vorjahr. „Die Kapitalmarktverwerfungen, das heißt Niedrigzinsen und Bonitätsverschlechterungen bei Rentenpapieren, machen sich auch in der Überschussbeteiligung der Lebensversicherungskunden bemerkbar“, stellte Dr. Will fest. Von den Absenkungen sind alle betrachteten Produkte betroffen. Der Durchschnitt der laufenden Verzinsung über alle untersuchten Tarifgenerationen und Produktarten geht von 4,09% auf aktuell 3,94% zurück.

Auch Gesamtverzinsung rückläufig

Auch in der Gesamtverzinsung, das heißt unter Berücksichtigung aller deklarierten Überschusskomponenten, entwickelt sich die Überschussbeteiligung bei allen betrachteten Produkten rückläufig. Hierbei sinken die arithmetischen Mittelwerte zwischen 0,07 (Riester-Rente) und 0,20 Prozentpunkte (Kapitallebensversicherung). Im Ergebnis werden die maßgeblichen Versichertenguthaben der Kapitallebensversicherung sowie der privaten Rentenversicherung in 2012 durchschnittlich mit 4,73% beziehungsweise 4,66% verzinst. Die Riester-Rente erhält eine Gesamtverzinsung von 4,49%, die Basis-Rente von 4,66%.

Problem der unterschiedlichen Zinsträger

Allerdings lassen sich die Werte für die Verzinsung der Versichertenguthaben nicht uneingeschränkt miteinander vergleichen, da die Gesellschaften die Zinssätze auf unterschiedliche Zinsträger beziehen. Beispielsweise kann eine Deklaration von 4,20% auf einen höheren Zinsträger genau so viel wert sein wie eine Deklaration von 4,35% auf einen geringeren Zinsträger, was in den Prozentsätzen aber nicht zum Ausdruck kommt. Bei 30 Unternehmen konnte Assekurata einen Zinsträger ermitteln, der zu einer optisch positiveren Darstellung der Deklarationssätze führt. Daneben finden sich in der Studie aber auch namentlich sieben Gesellschaften, deren Zinsträger zu einer optischen Benachteiligung führt. „Einen besseren Vergleich ermöglichen hier Darstellungen von Beitragsrenditen, weil sie eine einheitliche Bezugsgröße haben“, erklärt Dr. Will. In der Studie 2012 untersucht Assekurata deshalb wieder sowohl die garantierte als auch die illustrierte Beitragsrendite anhand einer unverbindlichen Beispielrechnung. Im Ergebnis liegt die garantierte Beitragsrendite im arithmetischen Durchschnitt mit 0,92 % deutlich unter dem Vorjahreswert von 1,39 %, was in Anbetracht des um 0,50 Prozentpunkte abgesenkten Garantiezinses nicht verwundert. Die illustrierte Beitragsrendite unter Berücksichtigung aller deklarierten Überschussanteile notiert im Jahr 2012 im arithmetischen Mittel bei 3,66 % (Vorjahr 3,80 %).

Erstmals Pflicht zur zinsabhängigen Nachreservierung

Der für die Ermittlung der Deckungsrückstellung zu berücksichtigende Referenzzinssatz liegt in 2011 bei 3,92% und damit unter dem Höchstrechnungszins der Tarifgeneration mit 4,00% Garantiezins. Somit mussten die Lebensversicherer für diese Verträge 2012 erstmals Zinszusatzreserven bilden. Assekurata hat hierzu in der Studie die Daten von 54 Unternehmen zusammengetragen. Im arithmetischen Mittel liegt das Verhältnis der gebildeten Zinszusatzreserve zur gesamten Deckungsrückstellung bei 0,24%. „Für den Gesamtmarkt entspricht dies auf Basis der Geschäftsjahresdaten 2010 einem Volumen von schätzungsweise 1,5 Mrd. Euro beziehungsweise einem Anteil von durchschnittlich etwa 10% des erwirtschafteten Rohüberschusses. Dabei liegt der höchste Wert bei 0,89%, lediglich eine Gesellschaft musste aufgrund ihres jungen Bestandes keine Nachreservierung vornehmen. Um einen Eindruck für das Geschäftsklima zu erhalten, hat Assekurata in der diesjährigen Studie die Lebensversicherer auch gefragt, welche Wachstumschancen sie im anstehenden Geschäftsjahr sehen.

Branchenweit leicht positive Wachstumseinschätzung

Insgesamt sehen die Versicherer ihre Wachstumschancen für das Jahr 2012 neutral bis leicht positiv. Dabei ist keine der Gesellschaften sehr positiv oder sehr negativ eingestellt. Das mit Abstand beste Stimmungsbild herrscht im Segment der Berufsunfähigkeitsversicherung. Kein Versicherer hat hier negative Erwartungen. Immerhin elf Gesellschaften sehen für sich hier sogar sehr gute Wachstumschancen. Pessimistisch schätzen die Teilnehmer hingegen die Chancen in der konventionellen Lebens- und Rentenversicherung ein. Lediglich eine von 44 Gesellschaften verspricht sich in diesem Geschäftsfeld sehr positive Wachstumschancen. „Das Kapitalmarktumfeld, in dem die Lebensversicherer Garantieverzinsungen und eine darüber hinausgehende Gewinnbeteiligung erwirtschaften müssen, hat sich merklich verschärft“, stellte Dr. Reiner Will fest. „Kritisch in dieser Situation ist, dass die Talsohle noch nicht erkennbar ist und die Investoren noch kein ausreichendes Vertrauen in die Sicherung des Euro haben. Für die Lebensversicherer wiegt zudem schwer, dass ein Wechsel bei der Politik der Niedrigzinsen bzw. des billigen Geldes nicht erkennbar ist.“ Ohne Zweifel leidet die Attraktivität der konventionellen Lebensversicherung durch die erneute Absenkung der Überschussbeteiligung. Laut Dr. Reiner Will ist das Produkt für Bestandskunden aber unverändert sehr attraktiv. Hier sprechen vor allem die vergleichsweise hohen Garantien für das Produkt. „Die Kapitalmarktentwicklung ist auch an den Kunden nicht spurlos vorübergegangen, Renditeerwartungen von 5 % und mehr dürften im Neugeschäft der Vergangenheit angehören.“ Die Neigung, sich langfristig zu binden, geht daher zurück. Hier ist ein Paradigmenwechsel bei den Versicherern notwendig. Weniger sollten die Renditeversprechen, sondern vielmehr die eigene Sicherheit und Verlässlichkeit im Vordergrund stehen. Dazu gehört auch eine offensive Kommunikation darüber, dass mehr Eigenleistung für die Altersvorsorge notwendig ist und die Lebensversicherung zur Einkommenssicherung im Rentenalter besonders geeignet ist, da sie eine echte biometrische Risikovorsorge für die Langlebigkeit der Bürger bereitstellt.

Leserkommentare

28.01.12 Bockholt, Heinrich Prof.

Die LV-Gresellschaften mpssen von sich aus deutlich machen, ob sie bei neuen LV-Abschlüssen mit 1,75% Rechnungszins mit höherer Performance von z.B. 3,5% einen Teil dieses Erfolges dazu verwenden, die alten LV´s mit einem Garantiezins von 4% oder mehr subventionieren oder nicht. Diese vertrauensbildende Maßnahme ist für alle Beteiligten sehr wichtig.
Prof. H. Bockholt, Koblenz

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