„Die Nähe zu den Geschäftspartnern ist für uns entscheidend“ | AssCompact - Nachrichten
AssCompact - Facebook AssCompact - Google+ AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Whats App AssCompact - Whats App

„Die Nähe zu den Geschäftspartnern ist für uns entscheidend“
10. Juli 2018

„Die Nähe zu den Geschäftspartnern ist für uns entscheidend“

Die LV 1871 will Versicherungsmakler mit Unternehmensstabilität und mit neuen digitalen Services, aber vor allem durch ihre Nähe zu den Geschäftspartnern für sich gewinnen. Auf Produktseite soll es im Oktober Neuerungen bei der fondsgebundenen Rente geben.Interview mit Hermann Schrögenauer, Vertriebsvorstand der LV 1871.


Herr Schrögenauer, die LV 1871 gehört zu den finanzstarken Versicherern. Ist eine hohe Solvabilitätsquote heute ein ausschlaggebendes Vertriebsargument?

Unbedingt. Schon allein, weil der Vermittler nach § 61 VVG verpflichtet ist, sich dieses Thema im Rahmen seiner Beratungs- und Dokumentationspflicht anzusehen. Entscheidend ist hierbei die Nachhaltigkeit – Stabilität müssen Sie als Unternehmen über mehrere Jahre zeigen. Und zeitgleich am besten auch noch auf der Kapitalanlageseite überzeugen. Beides tun wir.

Was bedeutet dies für die aktuelle Geschäftsentwicklung?

Stabilität, lokale Präsenz und Investitionen in die Zukunft, ganz im Sinne unserer Vermittler. Unsere im Markt bekannte Finanzstärke und Solvenz sowie unsere Kapitalanlageperformance bilden eine Säule. Die zweite Säule ist unsere lokale Präsenz mit Filialdirektionen und betreuendem Außendienst in ganz Deutschland. Wir sind der Überzeugung, dass auch im Zeitalter der Digitalisierung die Nähe zu den Geschäftspartnern entscheidend ist. Beides ermöglicht uns die dritte Säule: relevante Investitionen in die Zukunft, für uns und unsere Geschäftspartner. Beispielsweise die digitale Vermittlerpost, aber auch Produktinnovationen wie zum Beispiel unser neues Risikolebenprodukt Delta Direkt.

Das BU-Geschäft soll auch weiterhin im Fokus der LV 1871 stehen. Es ist im Allgemeinen auch ein Stabilisator für das gesamte Lebengeschäft. Welchen Anteil nimmt das Geschäft ein?

Berufsunfähigkeitsversicherung und Altersvorsorge – beide sind unsere wichtigen Standbeine und in etwa gleich stark. Mit Ersterer gehören wir nach Einschätzung von Fitch zu den Top-10-Playern am deutschen Markt. Und unsere Prämien in der BU sind noch nie erhöht worden.

Der Fokus liegt auch hier auf dem Thema Vollversicherung, die dem Geschäftspartner Haftungssicherheit gibt und den Kunden mit Leistung überzeugt. Das ist das Idealbild. Hieran arbeiten wir laufend. Dafür haben wir auch den Abschluss der Golden BU noch einfacher gemacht: Zielgruppenorientiert erfolgt die vereinfachte Risikoprüfung komplett online mit nur wenigen Fragen. Wir setzen dabei auf Einfachheit und Verlässlichkeit für Vermittler und Kunden.

Arbeitskraftsicherung ist ja ein großes Thema im Maklermarkt. Gehen Sie den Weg, auch „Alternativen“ zur BU anzubieten?

Ja, mit unserer Golden IV Invaliditätsabsicherung. Dabei stellen wir sicher, dass die finanziellen Folgen abgesichert werden, die bei Invalidität durch Unfall, bestimmte Krankheiten, Verlust von Grundfähigkeiten und bei Pflege­bedürftigkeit entstehen. Eine BU ist und bleibt aber für mich der Königsweg in der Absicherung des Kunden.

Sie wollen der Risikoleben über die Delta Direkt neue Impulse geben. Aber ist das Segment nicht doch eher sehr standardisiert und oft auch schon online direkt abschließbar?

Das haben wir Anfang des Jahres bereits getan. Individualisierbare Produkt­module und dennoch Prozessverschlankung und Abbau von Redundanzen. Mit nur vier Risikofragen kommt der Geschäftspartner zum Antrag bei einem modularen Produkt. Der Erfolg gibt uns Recht: Mehr als doppelt so viele Vermittler wie zuvor haben unsere neue Risikolebensversicherung seit Start im Januar verkauft.

Sie gehen in diesem Jahr mit einer neuen fondsgebundenen Rente auf den Markt. Wie wird die neue Rentenversicherung aussehen?

Wir werden auf der DKM unsere Produktneuerungen bei der fondsgebundenen Rente vorstellen. Dabei tragen wir ein weiteres Mal dem Wunsch vieler Vermittler nach Einfachheit Rechnung und arbeiten an einer einfachen, aber sinnvollen Vorsorge für alle Bürger. Außerdem dürfen sich die Vermittler auf viele neue Investmentansätze freuen. Innovativ werden wir mit dem Thema Provision umgehen – hier werden wir neben dem traditionellen Modell auch NAV und andere anbieten, damit wir möglichst viele Berater dort abholen, wo sie gerade sind.

Wird die Finanzstärke des Unternehmens auch eingesetzt, um in Services für Vertriebspartner und Kunden zu investieren?

Bei uns steht der Geschäftspartner als Mensch im Mittelpunkt – wir werden ihn nicht alleine lassen. Zusammen mit Geschäftspartnern und Kunden verstehen wir uns als Gemeinschaft und machen damit aus unserer Firmierung als Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit ein klares Versprechen. Sichtbares Zeichen dafür sind unsere persönlichen Ansprechpartner vor Ort. Keiner nimmt uns hier Geld aus dem System. Wie viel Druck das macht, kenne ich nur zu gut aus dem Konzernumfeld meiner Vorarbeitgeber.

Als Maklerversicherer muss Ihnen viel an einer guten Entwicklung des Maklermarkts liegen. Wie sehen Sie denn die Perspektiven für Makler?

Alle reden vom großen Maklersterben. Fakt ist aber: Alle Vertriebswege schrumpfen – der Maklermarkt ist der einzige Vertriebsweg, der zulegt. Im Jahr 2017 war der freie Vermittlermarkt erstmals der stärkste Vertriebsweg. Ich mache mir deshalb um den Makler und die Perspektiven für Makler keine Sorge. Gerade beim Jungmakler Award sehe ich immer sehr engagierte und kreative Ansätze beim Nachwuchs, sodass ich mich sehr freue, in diesem Jahr in der Jury sein zu dürfen. Außerdem werden im Bereich der Banken enorme Kapazitäten frei, die wir in der freien Vermittlerschaft auffangen und vielen Beratern eine gute Zukunft geben können. Dies wird auch zu einer Verjüngung der Branche führen.

Die Regulierung mit IDD-Umsetzung und der diskutierte Provisionsdeckel in der Lebensversicherung dürften weitere Veränderungen herbeiführen. Wie positionieren Sie sich zu diesen Themen?

Die Digitalisierung wird an dieser Stelle viele Themen lösen. Zum Beispiel: Technikaffine Geschäftspartner können bei uns IDD-konforme Beraterstrecken nutzen – wir stellen dafür extra ein Tool für die Geeignetheits- und Angemessenheitsprüfung zur Verfügung. Mit QuickRisk bieten wir ein eigenes Risikoprüfungstool an, mit dem Vermittler eine schnelle Orientierung bei medizinischen Voranfragen erhalten. Unsere Maklerpost ist inzwischen auch digital abrufbar. So löst man die mit IDD und anderen Regularien einhergehende zunehmende Bürokratie. Trotz aller Automatisierung ist es bei uns eine Herzensangelegenheit, den Menschen immer in den Mittelpunkt zu stellen.

Digitalisierung hilft uns, die Regulierung in den Griff zu bekommen. Erstens sinkt der bürokratische Aufwand. Zweitens macht es die Beratung sicherer und in vielen Fällen auch effizienter und schneller, sodass der Vermittler auch bei einem LVRG II ein gutes Einkommen generieren und auch weiterhin „den kleinen Mann“ beraten kann. So wird der Makler auch künftig das Thema Altersarmut bekämpfen.

Inwieweit können Versicherer denn unternehmensübergreifend etwas tun, um Makler zu unterstützen?

Unser Fokus ist der freie Vermittler. Seine Interessen sehen wir am stärksten vertreten im Bundesverband Finanzdienstleistung AfW. Deshalb sind wir hier eine enge Kooperation eingegangen als Fördermitglied und mit einer eigenen Kampagne. Denn: Für den Vermittler gehen wir durchs Feuer.

Das Interview lesen Sie auch in AssCompact 07/2018, Seite 28 f.

Hermann Schrögenauer Hermann Schrögenauer




AssCompact Abonnement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Monopolkommission beklagt in einem aktuellen Sondergutachten wettbewerbliche Defizite in GKV und PKV, die die Effizienz der Krankenversicherung mindern und zu unnötigen Kosten für die Versicherten führen. Ein Katalog mit insgesamt 13 Empfehlungen des Expertengremiums soll Abhilfe schaffen, doch der PKV-Verband warnt vor drohender Unsolidarität.