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Altersarmut wird bestimmte Gruppen treffen
27. Juni 2017

Altersarmut wird bestimmte Gruppen treffen

Der Wandel auf dem Arbeitsmarkt lässt das Risiko für Altersarmut weiter steigen. Betroffen sind vor allem alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte, wie eine Studie der Bertelsmann Stiftung zeigt. Auch die so genannten Babyboomer, die ab 2022 in Rente gehen, sind zunehmend von Altersarmut bedroht. Die aktuellen Rentenreformvorschläge können laut Studie allerdings den Trend nicht umkehren.


Der Arbeitsmarkt hat sich in den vergangenen Jahren stark verändert. Wie sich dieser Wandel auf das Risiko der Altersarmut auswirkt, hat die Bertelsmann Stiftung im Rahmen einer Studie untersucht. Demnach wird bis zum Jahr 2036 das Risiko, im Alter von Armut bedroht zu sein, weiter ansteigen. Dies gilt vor allem für alleinstehende Frauen, Langzeitarbeitslose und Geringqualifizierte. Die Gründe für diesen Trend sehen die Autoren zum einen in der Zunahme von unterbrochenen Erwerbsbiografien und prekären Arbeitsverhältnissen im Niedriglohnsektor, zum anderen im Absinken des Rentenniveaus bedingt durch die demografische Entwicklung und rentenrechtliche Veränderungen. Die zum Ausgleich geschaffenen Instrumente der privaten Altersvorsorge würden nicht flächendeckend greifen.

Künftig droht jedem fünften Rentner Altersarmut

Die Studie bietet erstmals auch Erkenntnisse zum Risiko der Altersarmut für die Babyboomer, also die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er und 1960er Jahre, die ab 2022 in den Ruhestand gehen. Für die künftigen Rentner dieser Generation wird das Risiko der Altersarmut von etwa 16% in den Jahren 2015 bis 2020 auf 20% ab 2035 anwachsen. Folglich wäre jeder fünfte deutsche Neurentner ab 67 Jahren von Altersarmut bedroht.

Von armutsgefährdet ist die Rede, wenn das monatliche Netto-Einkommen unter 958 Euro liegt. Darüber hinaus gehen die Studienautoren von einem weiteren Anstieg der Grundsicherungsquote aus: Demnach werden 7% der Neurentner in Zukunft staatliche Unterstützung benötigen (2015: 5,4%), weil das Einkommen nicht für den Lebensunterhalt reicht. Die Analyse prognostiziert auf Grundlage repräsentativer Haushaltsdaten die Alterseinkommen aus gesetzlicher, privater und betrieblicher Altersvorsorge von 2015 bis 2036.

Arbeitsmarktwandel bringt deutsches Rentensystem in Bedrängnis

Die Studienautoren unterstreichen, dass das deutsche Rentensystem nicht ausreichend auf die steigende Zahl von Personen mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, längeren Phasen der Erwerbslosigkeit und geringen Einkommen vorbereitet sei. In den aktuellen Rentenreformvorschläge sehen sie keinen Weg, den Trend hin zu einer steigenden Altersarmut umzukehren. Die Vorschläge müssten sowohl die Risikogruppen als auch die veränderten Erwerbsbiografien und die Situation an den Kapitalmärkten besser berücksichtigen. Für ein geringeres Armutsrisiko gelte es, flexiblere und sicherere Übergängen im Erwerbsverlauf zu schaffen und Risikogruppen besser zu integrieren.

DIA sieht Risiko der Altersarmut für die Masse nur langsam steigen

Erst vor Kurzem kam eine Studie im Auftrag des Deutschen Instituts für Altersvorsorge (DIA) zu dem Schluss, dass das Risiko der Altersarmut in Deutschland gemessen an der Gesamtheit der Senioren bis 2030 nur geringfügig zunehme. Allerdings sehen auch die Autoren der DIA-Studie einzelne Gruppen unter den Älteren künftig einer erheblich höheren Gefahr ausgesetzt, im Alter von Armut betroffen zu sein. Darunter fallen etwa Personen, die zum Beispiel durch einen vorgezogenen Renteneintritt oder längere Erwerbsunterbrechungen einen geringeren Rentenanspruch erwerben. Die DIA-Experten plädieren dafür, Strategien zur Vermeidung von Altersarmut an diesen Gruppen auszurichten, statt zum Beispiel pauschal niedrige Renten aufzustocken. (tk)



Kommentare

von Uwe Hummel am 27.06.2017 um 11:05 Uhr
Das Thema Altersarmut ist ein Dauerbrenner und wird von den halbherzigen Reformen und dem klaren Bekenntnis zu dringend notwendigen Beitragserhöhungen zu Gunsten von Wählerstimmen vom politischen Hofstaat wie eine heiße Kartoffel hin und hergeschoben.
Tatsächlich ist die Altersarmut doch das Ergebnis der ständigen Kürzung des Rentenniveaus , das auch durch die Riesterrente nicht gelöst werden konnte. Der eigentliche Grund für die Riesterrente war doch die Kürzung des Rentenniveaus in 2005 und das Verhindern des Anstiegs der Rentenversicherungsbeiträge auf 22 %. Die Riesterrente sollte nur die Differenz dieser Rentenniveaukürzung von damals 3 % ausgleichen, mehr nicht. Die nächsten reduzierungen des Rentenniveaus sind ja schon vorbereitet, was die Lage zusätzlich verschärft. Die Rentenkasse wurde über Jahre hinweg durch versicherungsfremde Zusatzleistungen geradezu geplündert.
Dass die zuständigen Stellen in der Rentenkasse einen Anstieg der Kosten nicht berücksichtigen konnten und ein Milliardenloch von über 2 MRD € entsteht, nachdem man die Beiträge 2015 auf 18,7 % reduziert hat zeugt nicht gerade von Weitsicht.
Solchen unfähigen Menschen sollte man seine "Grund"- Altersvorsorge eigentlich nicht anvertrauen.
In Zeiten von Vollbeschäftigung ist so etwas nicht erklärbar.

Ja das Rentensystem bedarf einer totalen Kernsanierung. Das bisherige von der Hand in den Mund wird mittelfristig nicht mehr funktionieren.
Mein Vorschlag wäre eine dreiteilige Rente:
- gesetzliche Grundrente
- kapitalgedeckte Pflichtrente
- freiwillige private Altersversorgung
Der bisherige Rentenbeitrag wird gesplittet

Den gesetzlichen Teil könnte man mit einer "Grundrente" z. Bsp. 850 € p.m. bedienen
Die kapitalgedeckte Rente wird aus dem Differenzbetrag des eigentlichen Rentenbeitrags bezahlt, diese sollte anders als die gesetzliche Rente und Rüruprente auch vererbbar sein , was dem staatlichen Enteignungsmonopol der bisherigen Praxis bei der gesetzlichen Rente diametral entgegensteht.
Die Enteignung ( Geld weg ) ist für sehr viele ein Argument weder eine Riester -, noch eine Rüruprente abzuschließen.
Wer kann oder möchte sollte daneben zusätzlich freiwillig vorsorgen, was ich als zertifizierter Ruhestandsplaner natürlich dringend empfehle.


Natürlich haben wir einen sehr hohen Rentnerbestand, die eine hohe Rente beziehen aber ohne einen Schnitt in der Finanzierung wird das Problem nicht zu lösen sein und zukünftige Generationen massiv benachteiligen. Die bisherigen Bezieher der Rente und derzeit rentennahe müsste man aus Steuergeldern zwischenfinanzieren bis das neue System greift. Wir können uns als Land ja auch leisten aber Milliarden in Rettungspakete wie für Griechenland leisten, die wir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nie wieder zurückbekommen werden. Als Dank wurde unsere Kanzlerin sogar auf Hakenkreuzbildern verunglimpft.
Deutsche Steuergelder stehen auch den deutschen Steuerzahlern zu und sollten nicht durch fehlgeleitete Europavisionäre veruntreut werden.Im Übrigen kommen diese Gelder ja auch wieder in den Wirtschaftskreislauf und somit auch wieder in Form von Steuren zurück.Zu niedrige Renten sind eher ein volkswirtschaftliches Problem, denn wer als Rentner keine Mittel hat kann auch weniger kaufen, und zahlt auch keine Steuern.
Das größte Hindernis sind die politischen Parteien selbst , denn eine solche Änderung könnte Wählerstimmen kosten und damit einhergehend ein Machtverlust sowie einen bisher üblichen Griff in die Rentenkasse unmöglich machen, was in der Vergangenheit durchaus gerne von allen Parteien betrieben oder gebilligt wurde.Es muss dringend ein Ende der Selbstbedienung durch den politischen Hofstaat herbeigeführt werden.







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