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Fondsvertrieb 2017: Zwischen Comeback und Konzentration
11. August 2017

Fondsvertrieb 2017: Zwischen Comeback und Konzentration

Die deutsche Fondsbranche boomt wie (fast) nie zuvor. Im ersten Halbjahr 2017 flossen ihr die zweithöchsten Mittel aller Zeiten zu. Doch längst nicht alle Produkte und Anbieter verzeichnen einen Boom. Eine Fondsgruppe hat derweil allen Unkenrufen zum Trotz ein beachtliches Lebenszeichen gesendet.


Der deutschen Fondsbranche flossen laut dem Branchenverband BVI im ersten Halbjahr 2017 netto 79,1 Mrd. Euro zu. Nur im Rekordjahr 2015 sammelten sie von Anfang Januar bis Ende Juni mehr ein. Der Treiber im Neugeschäft bleiben offene Spezialfonds mit Zuflüssen von 49,2 Mrd. Euro. Das von offenen Spezialfonds verwaltete Vermögen hat sich seit Anfang 2011 fast verdoppelt auf nunmehr 1,55 Bio. Euro. Größte Gruppe hierbei sind Versicherer mit rund 600 Mrd. Euro insgesamt und 16,4 Mrd. Euro neuen Geldern im ersten Halbjahr 2017.

Ungleiche Verteilung

Doch nicht nur bei professionellen Investoren, sondern auch bei Privatanlegern boomen Investmentfonds. Unterm Strich sammelten Publikumsfonds bis Ende Juni 36,4 Mrd. Euro ein. Der Boom im Publikumsfondsgeschäft ist aber keineswegs gleichmäßig verteilt. Auf der Produktseite dominieren Mischfonds die Absatzliste der Publikumsfonds. Mit 18,8 Mrd. Euro entfielen auf sie mehr als die Hälfte der Zuflüsse im Publikumsgeschäft. Besonders beliebt sind dabei Produkte, die etwa zu gleichen Teilen in Aktien und Anleihen investieren. Auf sie entfiel mehr als die Hälfte der neuen Gelder. Insgesamt hat sich das Volumen der Mischfonds allein seit Anfang 2013 von 123 auf 251 Mrd. Euro mehr als verdoppelt. Aus wertgesicherten Fonds, Geldmarktfonds oder auch Hybridfonds zogen Anleger dagegen erneut Geld ab.

Aktienfonds senden Lebenszeichen

Aktienfonds bleiben mit 368 Mrd. Euro verwaltetem Gesamtvermögen die größte Gruppe der Publikumsfonds. Nach einigen schwierigen Vorjahren mit milliardenschweren Abflüssen schien die Zeit des klassischen Aktienfonds aber schon abzulaufen. Einige Experten haben schon den vertrieblichen Abgesang auf diese Fondsgruppe angestimmt. Im ersten Halbjahr 2017 haben sich Aktienfonds aber wieder zurückgemeldet. Insgesamt flossen ihnen unter dem Strich 5,8 Mrd. Euro zu. Vom Aussterben des klassischen Aktienfonds kann daher trotz Multi-Asset- und Mischfondsboom nicht gesprochen werben.

 Zwischen Comeback und Konzentration
Starke Konzentration

Ganz klar kann dagegen von einem anderen Trend gesprochen werden: der Konzentration auf wenige Anbieter. Von den vom BVI ermittelten 36,4 Mrd. Euro Nettomittelaufkommen entfielen mehr als 30 Mrd. Euro auf gerade einmal zehn Gesellschaften. Nur sieben davon schafften den Sprung über 1 Mrd. Euro. Die Spitzenposition geht dabei an Deutsche AM vor Allianz Global Investors und Union Investment. Direkt dahinter folgt bereits Flossbach von Storch. Mit über drei Mrd. Euro hat sich die Kölner Fondsboutique mittlerweile fest zwischen den Töchtern der großen Bankgesellschaften etabliert. Bei letzteren schnitt die Sparkassentochter Deka mit Zuflüssen von gerade einmal 424 Mio. Euro vergleichsweise schwach ab.

 Zwischen Comeback und Konzentration
Immobilienfonds besonders konzentriert

Stark gefragt waren bei den offenen Publikumsfonds auch Immobilienfonds. Über alle Gesellschaften hinweg flossen ihnen rund 2,8 Mrd. Euro zu. Der Markt wird allerdings gerade einmal von einer Handvoll Anbieter dominiert. Allein auf die Deka Gruppe und Union Investment entfallen zusammen mehr als 2,5 Mrd. Euro. Danach folgt bereits mit großem Abstand Commerz Real. Der Tochter der Commerzbank flossen unterm Strich 682 Mio. Euro in Immobilienfonds zu. Mit Deutsche AM konnte nur noch eine weitere Fondsgesellschaft dreistellige Millionenbeträge für Immobilien-Publikumsfonds einsammeln. Credit Suisse flossen auf der anderen Seite fast 650 Mio. Euro ab, sodass sich die Marktkonzentration weiter verstärkt hat. (mh)





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