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IDEAL: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“
22. Dezember 2016

IDEAL: „Unsere Erwartungen wurden übertroffen“

Als sensationell bezeichnet die IDEAL die Marktakzeptanz ihres UniversalLife-Produkts. Dessen Geschäftsanteil soll perspektivisch deutlich gesteigert werden. Digitalisierung, Kundenstruktur, Pflegereform und Gesamtwirtschaft sind die Themen, die den Versicherer zudem beschäftigen. AssCompact befragte dazu Rainer M. Jacobus, den Vorstandsvorsitzenden der IDEAL Versicherungsgruppe.


Rund ein Jahr ist Ihr digitales Rentenprodukt UniversalLife auf dem Markt. Die Einführung des Konzeptes war Ihrerseits mit hohen Erwartungen verknüpft. Haben diese sich in punkto Vertrieb erfüllt?

Ohne hier konkrete Zahlen zu nennen, unsere Erwartungen wurden nicht nur erfüllt, sondern sogar übertroffen. Rund 5% unseres Neugeschäfts in diesem Geschäftsjahr stammen aus Abschlüssen der IDEAL UniversalLife. Das Produkt wird sensationell vom Markt angenommen und gilt als eines der innovativsten Produkte der letzten Jahrzehnte innerhalb der Versicherungsbranche. Wir sind also sehr zufrieden und peilen perspektivisch einen Geschäftsanteil von 50% an.

Gleichzeitig war es auch das erste Angebot, das sich nicht an Senioren richtete, die Kernzielgruppe der IDEAL. Inwiefern hat sich die Ausrichtung Ihres Hauses nun verändert?

Die bisherige weitgehende Fokussierung auf die Zielgruppe 50plus war bis dato die absolut richtige Wahl. Unter den heutigen Bedingungen aber wäre es falsch, sich in der Kundenstruktur so einzuschränken. Wir sind weit weg vom Vollsortimenter und wollen auch keiner werden. Unsere Zukunft liegt in der Vermarktung intelligenter plattformgestützter Versicherungsprodukte, auch über andere Versicherer.

Ihre bisherigen Erfahrungen sprechen also für eine weitere Digitalisierung von Produkten?

Mit Einführung der digitalen Plattform der UniversalLife sind wir mehr denn je davon überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein. Die Digitalisierung ist nicht mehr aufzuhalten und berührt nahezu alle Lebensbereiche. Der Onlinehandel boomt, das mobile Internet ist auf dem Vormarsch. Es wäre fatal, sich dieser Entwicklung zu verschließen. Deshalb halten wir an der begonnenen Digitalisierungsstrategie fest und bauen unsere IT- und Prozesslandschaften weiter aus. Wir sehen uns selbst als FinTech, sonst wäre unsere „Versicherungsfabrik“ auch nicht so erfolgreich.

In der Pflegeversicherung stehen einige Veränderungen an. Welche Auswirkungen haben die Änderungen wie die neuen Pflegegrade auf die Pflegerentenversicherung, wie Sie sie anbieten?

Die Neudefinition des Pflegebegriffs, die Überführung der bisherigen drei Pflegestufen in fünf Pflegegrade und das neue Begutachtungsverfahren haben bei Neuabschluss sowohl kalkulatorische Auswirkungen auf die Tarife der Pflegerentenversicherung als auch auf das Bedingungswerk. Die Beiträge für die finanzielle Absicherung im Pflegefall werden definitiv steigen. Unseren Bestandskunden bieten wir – ohne erneute Gesundheitsprüfung – zunächst einen Wechsel-Tarif und nachfolgend einen Aufstockungstarif zur Anpassung ihres Pflegefallschutzes an. Für alle Neukunden wurde ein neuer Tarif entwickelt, der auf dem neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und den Pflegegraden beruht.

Wie beurteilen Sie die Preissteigerungen in der „Pflegekrankenversicherung“?

Es gibt Indizien, dass die Beiträge für Pflegetagegelder, die Sie hier ansprechen, vorerst nicht sehr stark erhöht werden. Wir vermuten aber, dass sobald die ersten Statistiken speziell zum Pflegegrad 1 vorliegen, die privaten Krankenversicherer mit Preissteigerungen nachziehen werden. Aber grundsätzlich wird sich an der Glaubensfrage nichts ändern: Wünscht sich der Kunde verlässliche, stabile Beiträge und steigende Leistungen, dann kann das nur eine Pflegerentenversicherung bieten.

Auch für die Pflegerentenversicherung gilt der Höchstrechnungszins. Dieser sinkt nächstes Jahr. Erschwert sich dadurch der Vertrieb weiter?

Ja, auf den ersten Blick bestimmt. Die Senkung des Garantiezinses sorgt für eine Verteuerung der Tarife, denn für die gleiche garantierte Leistung muss der Kunde künftig höhere Beiträge zahlen. Der Abstand zu den Pflegetagegeldtarifen wird sich damit wahrscheinlich noch vergrößern. Also zunächst einmal – und rein kostentechnisch betrachtet – kein positives Signal für den Vertrieb. Doch wie schon erwähnt, die Vorteile einer Pflegerentenversicherung sind hinlänglich bekannt.

Welche Geschäftsentwicklungen erwarten Sie im Jahr 2017, auch im Vergleich zu 2016?

Wir erwarten nach dem Rekordjahr 2016 ein eher schwieriges Geschäftsjahr 2017. Dennoch sind wir zuversichtlich, dass wir auch im kommenden Jahr wieder ordentliches Neugeschäft in die Bücher nehmen können. Zum einen haben wir neue, starke Kooperationspartner gewonnen und zum anderen bleiben unsere Lebenprodukte nicht zuletzt wegen ihrer überdurchschnittlich hohen Überschussbeteiligung sehr attraktiv. Ich bin überzeugt, dass wir auch für 2017 Kapitalerträge erwirtschaften werden, die uns eine wettbewerbsfähige Überschussbeteiligung für unsere Kunden ermöglicht.

Was denken Sie, wird die Branche und die Versicherungsmakler im nächsten Jahr am meisten beschäftigen?

Für die Versicherungsbranche werden sicher die Digitalisierung und das makroökonomische Umfeld weiterhin große Herausforderungen darstellen. Zudem stehen die Umsetzung der IDD und weitere Regulierungsmaßnahmen auf der Agenda. Ich glaube auch, dass wir ein LVRG II oder ähnliches sehen werden. Alles in allem Bedingungen, die den Versicherungsvertrieb nicht gerade einfacher gestalten. Alle unabhängigen Vermittler stehen vor der Herausforderung, künftig rückläufige Vergütungen durch Mehrgeschäft zu kompensieren und Verwaltungsaufwände durch Automatisierung und Digitalisierung zu minimieren.





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