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Nachhaltige Versicherungspolicen sind nur nettes Beiwerk – warum eigentlich?
29. April 2016

Nachhaltige Versicherungspolicen sind nur nettes Beiwerk – warum eigentlich?

Vor wenigen Jahren war Nachhaltigkeit ein großes Thema, auch bei Versicherungen. Etwa als Öko-Anlage der Spargelder oder bei Einschluss von Alternativmedizin in Krankenversicherungen. Durchgesetzt hat sich der Trend – Ausnahmen bestätigen die Regel – nicht, auch wenn es in einer aktuellen Pressemitteilung heißt, dass 85% der Kunden zu einem nachhaltigen Versicherer wechseln würden.


So lange ist es noch gar nicht her, dass sich in Podiumsdiskussionen der großen Branchenveranstaltungen Versicherungsvorstände, Makler, Berater und entsprechende Interessensvertreter zum Thema Nachhaltigkeit positionierten. Mittlerweile haben andere Themen Ökologie und Nachhaltigkeit überholt und dieser Moment gehört sowieso der Digitalisierung. Grüne Policen und Investments erscheinen da eher als nettes Beiwerk.

Nun veröffentlichte in den vergangenen Tagen die Beratungsfirma zeb eine Mitteilung, wie Kunden zu grünen und nachhaltigen Policen stehen. Die zeb-Umfrage wurde im Auftrag des Versicherungsmaklers grün versichert GmbH durchgeführt. Demnach würden bei gleichem Preis und gleicher Leistung 85% aller Kunden zu einem nachhaltigen Versicherer wechseln. Viele der Befragten würden es darüber hinaus generell ablehnen, dass ihre Beiträge in bestimmte Branchen investiert werden. So meinen 87% der Teilnehmer, ihnen sei es wichtig, keine Unternehmen zu fördern, die Raubbau an der Natur betreiben. Gut 50% sprachen sich gegen Investments in Atomenergie oder Kohlekraft aus.

Mangel an Angeboten, Mangel an Beratung

Zu viele Angebote gibt es bisher allerdings nicht. Die Concordia oeco etwa, die Positiv- und Negativkriterien für die Anlage ihrer Kundengelder formuliert hat; oder die transparente-Vorsorgeversicherungen, die vom Verein für alternative Versorgungskonzepte (VAV) im Zusammenspiel von neue leben, VOLKSWOHL BUND und Stuttgarter kreiert wurden. In der Krankenversicherung zeigt die Barmenia Flagge in Sachen Nachhaltigkeit, etwa in der Geldanlage oder Kostenübernahme für Alternativmedizin. Auch in der Sachversicherung gibt es Beispiele. So nennt zeb Produkte der Versicherungsgruppe die Bayerische und der NV-Versicherung, die in Kooperation mit grün versichert entwickelt wurden. Die Versicherer garantieren, mindestens jenen Teil ihrer Beitragseinnahmen in nachhaltige Anlagen zu investieren, der aus den „grünen“ Tarifen stammt. Darüber hinaus erhalten die Kunden Mehrleistungen bei nachhaltiger Lebensweise. Andere Versicherer bieten Preisnachlässe in der Kfz-Versicherung für ökologisches Fahrverhalten an. Warum also nicht auch Nachlässe in der Kfz- oder Hausratversicherung gewähren, wenn sich der Kunde bei einem Schaden für gebrauchte Ersatzteile entscheidet?

Doch auch wenn das Angebot überschaubar ist, ließe sich mit ihnen ein Start wagen. Aber Fabrice Gerdes, Geschäftsführer der grün versichert GmbH, die auch mit anderen Maklern kooperiert, kommt zu dem Schluss: „Dass nachhaltige Versicherungen kaum nachgefragt werden, liegt allem Anschein nach nicht an mangelndem Interesse – sondern an fehlender Beratung und Vermittlung.“

Frauen, Nachhaltigkeit, Kunden-Apps

Interessanterweise sind nachhaltige Versicherungen ebenso aus den Schlagzeilen verschwunden wie ein anderes Branchen-Trendthema: nämlich mehr Frauen für die Beratung und den Vertrieb zu gewinnen. Maklerinnen und Finanzberaterinnen verstärken das Interesse an grünen Policen, auch weil sich ihre Kunden und Kundinnen vermehrt an ökologischen und sozial-ethischen Anlagen und Vorsorge orientieren. Darüber wird heute nur noch selten gesprochen. Und es bleibt die Frage, warum die neuen Kunden-Apps bzw. Makler-Kunden-Apps das Thema bisher noch nicht für sich entdeckt haben. Die Anbieter, die so oft auch auf die Share-Economy der jüngeren Generation verweisen, könnten hier doch einen guten Ansatzpunkt finden und Vergleichsangebote nicht nur über den Preis generieren. (bh)





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