AssCompact - Facebook AssCompact - Google+ AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Whats App AssCompact - Whats App

Provisionsausweis zum Nachteil der Versicherungsmakler
24. Juni 2014

Provisionsausweis zum Nachteil der Versicherungsmakler

Vermittler sollen nach Wunsch des Gesetzgebers künftig Provisionen in Euro und Cent ausweisen. Dem Kunden soll damit transparent gemacht werden, wie viel der Vermittler an seinem Vertrag verdient. Bei Versicherungsmaklern wird dann der höchste Betrag stehen.


Das Lebensversicherungsreformgesetz (LVRG), das noch im Juli umgesetzt werden soll, beinhaltet eine Provisionsoffenlegung. Der Satz „Der Versicherungsvermittler hat dem Versicherungsnehmer die ihm für den Abschluss des Vertrages mit dem Versicherungsunternehmen vertraglich vereinbarte Provision als Gesamtbetrag in Euro mitzuteilen. Er hat dies nach § 62 zu dokumentieren“, soll entsprechend in das VVG aufgenommen werden.

In seltener Eintracht wehrt sich die Branche gegen den Provisionsausweis. Er bringe weder einen schlüssigen Produktvergleich noch die erwartete Transparenz, warnen Versicherer und Vermittlerverbände. Die Kosteninformationen wären für den Versicherungsnehmer nur dann hilfreich, kritisiert der GDV etwa in seiner entsprechenden Stellungnahme, wenn sie den Vergleich zwischen verschiedenen Produkten erleichtern und eine bedarfsgerechte Entscheidung ermöglichen würde. Das treffe jedoch für die vertragsindividuelle Abschlussprovision nicht zu. Im Gegenteil sei ein Produktvergleich auf Basis der Abschlussprovisionen für den Verbraucher sogar irreführend. Denn die Abschlussprovisionen seien im Gegensatz zu gleichbleibenden, einkalkulierten Abschluss- und Vertriebskosten stark vom Vertriebsweg und den damit verbundenen unterschiedlichen Dienstleistungen abhängig. Für Lebensversicherungsverträge zielführender sei ein Ausweis der Gesamtkostenbelastung als Minderung der Wertentwicklung durch Kosten in Prozentpunkten, so die Versicherer.

Provision abhängig vom Vertriebsweg

In der Praxis vereinbart ein Anbieter für ein und dasselbe Produkt je nach Vertriebsweg unterschiedliche Abschlussprovisionen. Diese können je nach unterschiedlichem Vertriebsweg und damit verbundener Dienstleistung bei einem durchschnittlichen Vertrag um mehrere Hundert Euro variieren. Am vermeintlich teuersten wäre das Produkt beim Versicherungsmakler, gefolgt vom Versicherungsvertreter. In einer Rangliste käme dann der Vermittler, der in einem mehrstufigen Vermittlungsverhältnis steht. Beim Bankvertrieb wird es am vermeintlich günstigsten. Viele Fragen stellen sich also: Wie werden Provisionen „richtig“ ausgewiesen, wenn ein Pool dazwischen geschaltet ist oder der Vermittler in einer Vertriebsorganisationen tätig ist? Und wie soll der Kund das verifizieren? Und wie soll er dies der erbrachten Leistung gegenüber stellen?

Provisionsausweis für alle Sparten

Interessanterweise soll der Provisionsausweis nicht nur Lebensversicherungsverträge betreffen, sondern auch die Schaden-/Unfallversicherung und die private Krankenversicherung. Es geht dabei also nicht mehr nur um die Stärkung der Lebensversicherung, sondern um eine generelle Regelung. Vermittler müssen sich auf diese Entwicklung einstellen.

Am 30.06.2014 findet im Finanzausschuss übrigens die Anhörung von Sachverständigen zu dem Gesetz statt. Ein reiner Vermittlerverband scheint dazu nicht eingeladen zu sein. (bh)

Siehe dazu auch: Branchenverbände und Gewerkschaft wenden sich gemeinsam gegen Provisionsoffenlegung



Kommentare

von Jürgen Diefenbach am 24.06.2014 um 10:00 Uhr
Warum sollen die Versicherungsvermittler als einzige Berufsgruppe ihren Verdienst offen legen ? Sind Autohäuser, Kleiderverkäufer und z.B. Getränkehändler ebenfalls verpflichtet ihr Einkommen zu offenbaren ?
Und die "Volksvertreter", welche dieses Gesetz beschließen, weigern sich, ihre Nebeneinkünfte zu benennen.

Warum wird für Versicherungsvermittler nicht ein Gesetz wie bei den Rechtsanwälten eingeführt, damit jedem Versicherungsvermittler sein Honorar nach dem "Versicherungsvermittlervergütungsgesetz" zusteht.
Oder wir regeln unser Einkommen ähnlich der Arzthonorare und jeder Vermittler bekommt monatlich sein festes Einkommen, auch wenn er nicht arbeitet.

Aber mit uns können und werden die Politiker dies ja machen, da wir diese nicht als Berater anstellen und auch nicht in unsere Aufsichtsräte berufen ( können ) - mangels Geld. Mithin fehlt uns die Lobby.

Gruß Jürgen Diefenbach

von Rainer Stieber ... am 24.06.2014 um 10:23 Uhr
Die Offenlegung der Provisionen ist ein Streitpunkt, seitdem dieses Thema von der EU Deutschland erreicht hat.
Das Thema wird völlig überbewertet, da die Qualität der Beratung mit der Höhe der Provision nichts zu tun hat.
Auch Verbraucherschutzverbände und Versicherungsberater liefern nicht selten schlechte Qualität ab und produzieren unnötige Kosten. Einer der Gründe liegt sehr oft in der mangelnden Marktübersicht.

In dem Gesetz wird nun gefordert, dass der Vermittler in der Dokumentation den Betrag einzutragen hat, den er tatsächlich erhält.
Erster Denkfehler: Dieser nun einzutragenden Betrag hat selten etwas mit dem Betrag an Vertriebs- oder Abschlußkosten zu tun, den der Kunde über seinen Beitrag bezahlen muss.
Für einen Produktvergleich ist er also untauglich.
Im Produktinformationsblatt wird der Betrag an Vertriebskosten ausgewiesen, der dem Kunden tatsächlich berechnet wird. Dieser Betrag kann auch zum Vergleich herangezogen werden.

Zweiter Denkfehler: Der Betrag wird in die Dokumentation eingetragen. Die Dokumentation muss dem Kunden vor Vertragsschluss zugehen. Zu diesem Zeitpunkt findet in aller Regel kein Vergleich mehr statt, die Nennung dieses Betrages ist also sinnlos.

Auch wenn es den Verbraucheerschützern und manchen Beamten um Herrn Maas schwerfällt, will man echte Vergleichbarkeit der Produkte, dann muss der Kunde über alle Kosten vor einer Entscheidung, also vor Beginn der Beratung informiert sein. Dies spricht eindeutig für Produktmerkblätter, die die tatsächlich anfallenden Kosten deutlich machen. Wobei neben den Vertriebskosten auch Verwaltungs- und sonstige Kosten aufzuführen sind, die dem Kunden im Rahmen seiner Zahlungen berechnet werden. Dies müsste dann auch für Finanzinstrumente und Kapitalanlagen gelten.
Komisch, dass diese echte Transparenz keiner so wirklich will.
Anscheinend wird die Augenwischerei und eine unnötige Neiddebatte bevorzugt.

von Hans-Ulrich Söl... am 26.06.2014 um 13:06 Uhr
Die Veröffentlichung der Gesamtkosten eines Vertragsabschlusses ist völlig gerechtfertigt, insoweit stimme ich dem Europaparlament auch zu. Es geht aber noch einen Schritt weiter und verlangt die Offenlegung der Vermittlerprovisionen "als Gesamtbetrag in Euro".

Wo wird hier das Recht auf informelle Selbstbestimmung der Vertreterschaft gewahrt ?

Jede Provisionsvereinbarung wird individuell mit dem Unternehmen getroffen und somit wird das interne Vertragsverhältnis zwischen dem Vemittler und dem Unternehmen tangiert!

Bei jeder erzwungenen Ausweisung der Vermittlerprovision wird also gegen geltendes Recht verstoßen und der Datenschutz mit Füßen getreten !

Vielleicht gibt es ein paar Juristen hier im Forum, die dazu einen Kommentar abgeben können.












von Axel Würsching ... am 28.06.2014 um 03:48 Uhr
Sie haben recht, in der Tat kann der Kunde die Provision für seinen Vertrag nicht verifizieren, da abhängig vom Vertriebsweg. Allerdings können das vorallem die Ausschließlichkeitsvertreter ebensowenig. Streng genommen müssten dann auch die Bonifikationen und Gehälter von Vetriebsdirektoren, Orgaleiter, Vertriebsbereichsleiter, Geschäftsstellenleiter und überhaupt des gesamten Vertriebswasserkopfes der Versicherer offengelegt werden. Denn alle diese Herrschaften verdienen ihr Geld von den Beiträgen der Kunden und der Leistung der Vertreter. Und welcher Vertreter weiss schon, wieviel Provision pro Vertrag an seine Vertriebsbereichsleitung tatsächlich gezahlt wird. Er kennt eben nur den Teil, der bei ihm ankommt. Aber eben nur so kann Transparenz der Vertriebskosten pro Vertrag hergestellt werden. Ob das Produkt beim Versicherungsmakler dann noch am teuersten wäre, ist zu bezweifeln, zumal der Makler im Gegensatz zum Vertreter keinen Direktoren und Vertriebsleitern untersteht.

So gesehen wäre eine derartige Offenlegung nicht nur für den Kunden, sondern auch für Makler und Vertreter von Vorteil.




AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat die Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung im ersten Halbjahr 2016 unter die Lupe genommen. Demnach verzeichnen die Kassen einen Überschuss von 600 Mio. Euro. Im Vorjahreszeitraum erfassten die gesetzlichen Krankenkassen noch ein Defizit von 492 Mio. Euro. Als Grund für den nun vorliegenden Überschuss nennt die Zeitung die zu Jahresbeginn 2016 erhöhten Zusatzbeiträge. Doch diese können noch weiter steigen.