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Streuen, schaufeln, räumen – wer muss zur Schippe greifen?
27. November 2017

Streuen, schaufeln, räumen – wer muss zur Schippe greifen?

Schneeräumen ist in erster Linie Sache des Hauseigentümers oder Vermieters. Er kann den Winterdienst auch dem Mieter übertragen, sofern in der Hausordnung oder im Mietvertrag so geregelt. Was zu beachten ist, erklärt ein Experte der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg.


 Die kalte Jahreszeit ist angebrochen und damit heißt es auch wieder Gehwege von Schnee befreien und bei Glatteise streuen. Doch wer ist für den Winterdienst verantwortlich und wozu sind Mieter oder Vermieter im Winter verpflichtet? Auf dem Online-Präventionsportal „PolizeiDeinPartner.de“ erklärt Dr. Peter Grieble, Versicherungsexperte bei der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, worauf zu achten ist.

Vermieter in der Pflicht

In erster Linie ist es Pflicht des Hauseigentümers oder Vermieters, sich um das Schneeräumen und die Eisbeseitigung zu kümmern. Er kann auch seine Mieter dazu verpflichten, allerdings nur, wenn eine entsprechende Regelung in der Hausordnung oder im Mietvertrag getroffen wurde. Mieter ohne vertragliche Verpflichtung müssen nicht zur Schneeschaufel greifen. Damit seien sowohl Mieter als auch Eigentümer in der Gefahr, belangt zu werden, erläutert Dr. Grieble. Mieter, die nicht genau wissen, ob sie für den Winterdienst verantwortlich sind, sollten dies sicherheitshalber mit dem Vermieter abklären.

 Wann und wie oft ist zu räumen?

Von wann bis wann Schnee geräumt und gestreut werden muss, gibt die jeweilige Stadt oder Gemeinde vor. In der Regel müssen Gehwege und Zugänge zum Haus werktags von 7 Uhr morgens bis 20 Uhr abends von Schnee und Eis befreit werden. An Sonn- und Feiertagen ist das erst ab 9 Uhr notwendig. Wie oft Eigentümer oder Mieter Schnee räumen und streuen müssen, ist abhängig vom Wetter: Bei starkem Schneefall genügt einmal am Tag nicht. Berufstätige müssen folglich tagsüber für Ersatz sorgen. Nur weil man nicht da sei, wäre man nicht automatisch entschuldigt, wie Dr. Grieble betont. Im Zweifelsfall gelte es, einen Nachbarn oder Hausmeisterdienst zu beauftragen. Wer wegen Krankheit oder Urlaub nicht selbst schippen kann, muss sich um einen Vertreter bemühen, um im Schadenfall nicht haftbar gemacht zu werden.

Was passiert, wenn jemand hinfällt?

Rutscht ein Passant oder Hausbewohner auf einem nicht geräumten oder gestreuten Weg aus, wird ein Bußgeld fällig. Außerdem müssen Schmerzensgeld und Behandlungskosten gezahlt werden. Bei Mietern kommt die private Haftpflicht dafür auf, bei Vermietern übernimmt die Haus- und Grundbesitzerhaftpflicht. Vernachlässigt man den Winterdienst und verletzt sich ein Passant schwer, kann auf zivilrechtliche Konsequenzen unter Umständen auch eine Strafanzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung folgen.

Wenn das Wetter plötzlich umschlägt

Anders verhält es sich, wenn ein plötzlicher und unerwarteter Kälteeinbruch eintritt und im Laufe des Tages auf einmal starker Schneefall einsetzt oder Blitzeis. „Optimal wäre natürlich, wenn ich es in einem solchen seltenen Fall trotzdem organisieren kann, dass vor meiner Tür gestreut oder der Schnee geräumt wird – ansonsten sollte ich selbst früher von der Arbeit zurückkommen und streuen“, so Dr. Grieble. Im Hinblick auf den Versicherungsschutz würde im Schadenfall genauer geprüft, ob der Wetterumschwung vorhersehbar war.

Achtung Dachlawine

Sind wegen starker Schneemassen Dachlawinen zu befürchten, ist es insbesondere die Pflicht des Vermieters oder Hausverwalters, die Gefahr zu beseitigen bzw. diese auch zu versichern. Der Mieter sollte dem Vermieter aber darüber informieren, dass sich der Schnee einen halben Meter hoch auf dem Dach türmt. Wird ein Dach durch massiven Schneedruck eingedrückt oder stürzt in Folge dessen sogar ein, zahlt die Wohngebäudeversicherung. Wie Dr. Grieble erläutert, müsse für Schneedruck eine Zusatzvereinbarung über Elementarschäden getroffen werden. (tk)





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