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Was man von der Nobelstiftung über Vermögensstruktur lernen kann
10. Dezember 2018

Was man von der Nobelstiftung über Vermögensstruktur lernen kann

Am 10.12. werden jedes Jahr die Nobelpreise vergeben – am Todestag des Dynamiterfinders Alfred Nobel. Von der Strategie seiner Stiftung können Anleger auch heute noch lernen, meint Dr. Klaus Mühlbauer, Referent für Kapitalmarktseminare und Autor des Buchs „Die 111 wichtigsten Fragen zur Vermögensanlage“.


Am 10.12. werden jedes Jahr die Nobelpreise vergeben – am Todestag des Dynamiterfinders Alfred Nobel. Von der Strategie seiner Stiftung können Anleger auch heute noch lernen, meint Dr. Klaus Mühlbauer, Referent für Kapitalmarktseminare und Autor des Buchs „Die 111 wichtigsten Fragen zur Vermögensanlage“.


Was man von der Nobelstiftung über Vermögensstruktur lernen kann

Der geniale Tüftler und clevere Geschäftsmann Alfred Nobel wurde durch seine Erfindungen zum „Sprengmeister der Welt“. Von großen Zweifeln über sein Lebenswerk geplagt, setzte Alfred Nobel sein Testament auf, das den größten Teil seines Vermögens in eine Stiftung einbrachte. Die Erträge daraus werden seitdem an die Preisträger der fünf Nobelpreis-Disziplinen ausgeschüttet:

  • Friedensbemühungen
  • Physik
  • Chemie
  • Medizin
  • Literatur

Zudem finanziert seit 1968 die Schwedische Reichsbank den Alfred Nobel Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften.

Vermächtnis mit langfristigem Ziel

Alfred Nobel verfolgte mit seinem Vermächtnis ein langfristiges Ziel. 90% der erwirtschafteten Erträge werden an die Preisträger ausgeschüttet. 10% decken die Stiftungskosten und dienen als Sicherheitspuffer. Diese Denkweise kann sich auch jeder private Kapitalanleger zu Nutzen machen: Aus seinem während seines Erwerbslebens aufgebauten Vermögens, sollen regelmäßige Erträge in der Ruhestandsphase zur Finanzierung des „täglichen Lebens“ fließen. Ein Sicherheitspuffer sorgt zudem für ein höheres Maß an monetärer Flexibilität.

Auszahlungsniveau über mehr als 100 Jahre real stabil

Bei der ersten Verleihung des Nobelpreises im Jahr 1901, also der ersten Ausschüttung der Stiftung, konnten jedem der fünf Preisträger – umgerechnet in die heutige Zeit – 700.000 Euro gut geschrieben werden. 2017 konnten die Nobelpreisträger sogar 860.000 Euro auf Ihren Konten verbuchen. Die Stiftungsverwalter haben es also geschafft, das Auszahlungsniveau über mehr als 100 Jahre real – also nach Abzug der Inflation – auf einem vergleichbar hohen Level zu halten. Und gerade im aktuellen geldpolitischen Umfeld niedriger Zinsen und wahrnehmbarer Inflation gibt es einige Parallelen zu historischen Einflüssen auf die Nobelpreisstiftung. Es lässt sich für seine eigene Geldanlage einiges lernen:

  • Bestandsgrößen: Entscheidend ist nicht der nominale Anlagebetrag, sondern der reale Anlagebetrag, bei dem die Inflation bereits abgezogen ist.
  • Stromgrößen: Nicht der monatliche Geldbetrag, welcher aus einem Vermögen zufließt, ist von Bedeutung. Vielmehr geht es um Waren und Dienstleistungen, welche man für diesen Geldbetrag tatsächlich kaufen kann.

In den vielen Jahre Ihres Bestehens durchlebte die Nobelstiftung viele Höhen und Tiefen. Die Geschichte der Nobelstiftung ist geprägt durch Inflation und durch die Bedeutung einer passenden Vermögensstruktur. Zu Beginn wurde das gesamte Stiftungskapital in schwedischen Staatsanleihen angelegt. Diese Anlagestrategie hatte jedoch bereits nach wenigen Jahren zur Folge, dass durch die geringen Renditen und die herrschende Inflation der reale Wert von Kapitalsockel und Ausschüttungen sank. Noch wollte man aber von der ausschließlichen Geldanlage in schwedischen Staatsanleihen nicht abweichen. Als Ventillösung dieses Dilemmas befreite das Parlament die Nobelstiftung im Jahr 1946 von der Einkommensteuer. Das ist insofern von besonderer Bedeutung, als die Stiftung zu dieser Zeit der größte einzelne Steuerzahler Schwedens war.

Öffnung für neue Anlagen

Bereits 1953 stand die Nobelstiftung jedoch erneut vor dem Aus. Das Klumpenrisiko der alleinigen Investition in schwedische Staatsanleihen war schlichtweg zu groß geworden. Nur ein gesunder Vermögensmix aus Geldwerten (z.B. Staatsanleihen) und Sachwerten (z.B. Aktien und Immobilien) bot die Sicherheit zum Erhalt der Kapitalsubstanz. Somit konnte erstmalig auch in Aktien investiert werden. Das Risiko von Aktienmarktschwankungen nahm man also bewusst in Kauf, weil nur durch ein solides Maß an Aktieninvestments die Stiftung überhaupt erhalten werden konnte.

Regelmäßige Überprüfung der Strategie

Die bewährte Anlagestrategie wurde mehrmals in der Geschichte intensiven Prüfungen unterzogen. Zuletzt durchlebte die Nobelstiftung schwere Zeiten zu Beginn der Finanzkrise 2008. Für Anfang des Jahres 2008 ist folgende Vermögenstruktur der Stiftung dokumentiert:

  • 64% Aktien
  • 20% Festverzinsliche Wertpapiere
  • 16% Immobilien und alternative Anlagen

Der Konkurs der Investmentbank Lehman Brothers am 15.09.2008 und der anschließende Crash an den internationalen Aktienmärkten hat das Stiftungsvermögen dramatisch absinken lassen. Aber nur durch eine gute Vermögensstreuung konnten seitdem weiter gute Erträge erwirtschaftet werden.

Die heutige Vermögensaufteilung ist wie folgt strukturiert:

  • 50% Aktien
  • 20% festverzinsliche Wertpapiere
  • 30% alternative Investments (z.B. Immobilien, Hedgefonds, etc.)

Diese Anteile können +/-10% um diese vorgegebene Struktur variieren.

Sachwerte als Vermögensschutz

Vor Inflation schützende Sachwerte sind fester Bestandteil des Stiftungsvermögens. Die Investition auch in Aktien zahlte sich also trotz der damit einhergehenden Schwankungen aus. Vor vielen Jahren brachte der Komiker Danny Kaye das Zusammenwirken von Geld- und Sachwerten auf den Punkt: „Geld alleine macht nicht glücklich. Man braucht auch Aktien, Gold und Grundstücke.“


Dr. Klaus Mühlbauer Dr. Klaus Mühlbauer




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