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Wie Vermittler in die Stressfalle geraten – und wieder hinausfinden
11. Januar 2017

Wie Vermittler in die Stressfalle geraten – und wieder hinausfinden

Viele Vermittler und Mitarbeiter in Versicherungsunternehmen sind übermäßig gestresst. Doch Schuld sind gar nicht immer die Arbeitsbedingungen, häufig ist der Druck auch self-made. Frank M. Scheelen, Gründer der Unternehmensberatung SCHEELEN® AG, stellt fünf typische stressverstärkende Denk- und Verhaltensmuster vor – und gibt Tipps, wie man ihnen entgegenwirken kann.


Die Kundenansprüche nehmen zu, die Arbeitsbelastung steigt – die Folge: Stress auf voller Linie. 85% der Mitarbeiter in der Versicherungsbranche fühlen sich durch ihre Arbeit übermäßig belastet, hat eine aktuelle Umfrage des Branchendienstes deutsche-versicherungsbörse.de (dvb) ermittelt. Ähnliches dürfte für die selbstständigen Vermittler gelten, denen ein schlechtes Image und mangelnde Wertschätzung zusätzlich zusetzen. Doch ob Vermittler oder Mitarbeiter im Versicherungsunternehmen, für beide gilt: Ursachen für psychisches Leiden sind nie allein die Arbeitsbedingungen.

Schuld an diesem stressfördernden Verhalten sind bestimmte Glaubenssätze bzw. früh gelernte Fühl- und Verhaltensmuster, die als emotionale innere Antreiber wirken. Insbesondere die stressverstärkenden Muster „Sei stark!“, „Beeil dich!“, „Streng dich an!“, „Sei perfekt!“ und „Sei gefällig!“ sind typisch für Freiberufler. Um es nicht so weit kommen zu lassen, müssen die Glaubensmuster als eigene Stressmuster erkannt sowie reflektiert werden. Wer so verfährt, investiert quasi in sich selbst zugunsten einer besseren Work-Life-Balance. Und nicht zuletzt profitiert auch das Unternehmen, weil die Leistung seiner Mitarbeiter erhalten bleibt.

Stressmuster 1: „Sei stark!“

Sich bloß nicht schwach zeigen – das ist ein weitverbreitetes Phänomen in der Versicherungsbranche. Gerade Vermittler, aber auch viele Führungskräfte des Versicherungsvertriebs und anderer Abteilungen glauben, dass sie stets Haltung bewahren müssen. Sie wollen der Fels in der Brandung sein – selbst wenn sie schon lange nicht mehr können.

Um nicht ernsthaft krank zu werden, ist ein Umdenken erforderlich. Denn wer als stark gilt, ist Einstellungssache. Tatsächlich sind es nicht die, die immer weiter machen und nichts sagen. Stark sind vielmehr die, die „Stopp“ sagen können, die sich mitteilen, wenn sie ihre Belastungsgrenze erreichen. Denn wer ausspricht, wenn ihm etwas zu viel wird, beweist Mut und zeigt, dass er gut für sich sorgen kann.

Stressmuster 2: „Beeil dich!“

Gerade viele Vermittler wollen Motor sein, Dinge voranbringen. Und sie wollen vor allem dabei keine Zeit verschwenden! Häufige Folge: Dinge werden in ewiger Hetze erledigt – selbst dann, wenn es gar keine richtige Veranlassung mehr dazu gibt. Der Glaubenssatz „Beeil dich!“ treibt die Leute vor sich her. Schnell zu sein, wird zur Maxime – und automatisch dann auch wichtiger als erfüllt zu sein.

Wer diesen inneren Antreiber in sich spürt, muss sich quasi umprogrammieren. Dies gelingt in der Regel, indem man sich ganz bewusst täglich kleine Auszeiten nimmt: Kurze Pausen von drei bis fünf Minuten, in denen man entspannt, reichen schon aus. Wichtig ist jedoch, diese Phasen zum „Herunterkommen“ auch wirklich wahrzunehmen. In der Regel wird so klar: Auch ohne ständige Eile kann viel erreicht werden.

Stressmuster 3: „Streng dich an!“

Der Glaubenssatz „Streng dich an!“ ist vielen Menschen eigens, denn er wird häufig schon in der Kindheit gepredigt. Folge: die Überzeugung, dass man sich Erfolge hart erarbeiten muss. Nicht selten verstärken Motivationstrainer diese Einstellung, rufen sie doch dazu auf, sich hohe Ziele zu setzen. All dies führt dazu, dass die Grenzen der eigenen Belastbarkeit viel zu hoch gesteckt werden. Nur schwer Erreichbares wird als wirklich wertvoll betrachtet, die gesetzten Ziele sind aber oftmals schlicht nicht mehr realistisch.

Wer zu übertriebenem Ehrgeiz neigt, sollte sich diesem zunächst richtig bewusst werden. Wie häufig nutzt man Formulierungen wie: „Wenn ich mir Mühe gebe ...“, „Ich könnte es versuchen ...“, „Das wird schwierig, aber ...“? Auch Feedback von Kollegen und von Freunden ist hilfreich. Danach gilt es, die eigenen Ziele realistisch umzuformulieren!

Zudem sollten es sich Menschen mit dem „Streng dich an!“-Syndrom zur Aufgabe machen, regelmäßig andere Menschen um Hilfe zu bitten. Und zwar bei Herausforderungen, die sie grundsätzlich auch alleine bewältigen könnten.

Stressmuster 4: „Sei perfekt!“

Gründlich und fehlerfrei zu arbeiten, ist ein Anspruch, der im Job im Prinzip vorausgesetzt wird. Doch gerade in der Versicherungsbranche artet der Anspruch häufig in Perfektion aus und wird regelrecht zum Zwang. Viele Mitarbeiter und Vermittler glauben ständig, ihre Qualität noch weiter steigern zu müssen, noch besser zu beraten, keine Fehler machen zu dürfen. „Sei perfekt!“ lautet ihr Glaubenssatz, wodurch sie unter höchstem Druck fortdauernd mehr als nötig arbeiten – und sich dennoch selbst nie gerecht werden.

Wichtig ist die Einsicht dafür, dass Fehler „nun mal passieren“ und Perfektion in ihrer Absolutheit nicht erreichbar ist! Sich dies immer wieder bewusst zu machen, scheint banal, ist aber sehr hilfreich! Ein zusätzlicher Weg aus der Perfektionsfalle: Einfach mal bewusst Fehler einbauen. Dann nämlich wird klar werden, dass die Fehler, die man macht, den anderen zum Großteil gar nicht auffallen. Ein wichtiger Aha-Effekt, um die Dinge in Zukunft mit mehr Gelassenheit angehen zu können!

Stressmuster 5: „Sei gefällig!“

Sich ständig viel mehr im Job aufzubürden als eigentlich zu bewältigen ist, ist weitverbreitet – und eine weitere Stressquelle. Selbst wenn die Kapazitäten längst ausgeschöpft sind, werden noch Projekte angenommen, wird hier und da noch Hilfe zugesagt etc. Warum ist das so? Oft steht ein starkes Bedürfnis dahinter, von allen akzeptiert und gemocht zu werden. Und das ist durchaus auch bei stark erscheinenden Managern der Fall.

Für alle, die diesem Stressantreiber unterliegen, gibt es zwei große Aufgaben: öfter Nein zu sagen und zu üben, nicht gefällig zu sein, etwa indem man in Meetings eine andere Meinung als die vorherrschende vertritt. Das ist am besten dann machbar, wenn einem die Angelegenheit, um die es geht, nicht so wichtig ist. Wer dies öfter macht, wird allmählich mutiger, auch mal „quer zu schießen“ und Aufgaben abzulehnen. Denn je öfter man etwas tut, desto mehr gewöhnt man sich daran. Dann erscheint es auch als weniger schlimm, Projekte einfach mal abzulehnen.

Den Artikel lesen Sie auch in AssCompact 01/2017, Seite 72f.

Von Frank M. Scheelen Von Frank M. Scheelen




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