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Wie stabil sind die PKV-Versicherer und was heißt das für den Beitrag?
10. November 2017

Wie stabil sind die PKV-Versicherer und was heißt das für den Beitrag?

In den nächsten fünf Jahren werden nicht wenige PKV-Versicherer Prämienanpassungen vornehmen müssen, die über der medizinischen Inflation liegen. Das hat eine aktuelle Studie des Bund der Versicherten (BdV) und Zielke Research Consult ergeben. Dazu haben sie die Solvabilitätsberichte der privaten Krankenversicherer analysiert.


Der Bund der Versicherten (BdV) hat zusammen mit Zielke Research Consult die Solvabilitätsberichte der privaten Krankenversicherer untersucht. Alle Versicherer sind verpflichtet diese Berichte nach den noch jungen Aufsichtsregeln von Solvency II zu veröffentlichen. Die gestern vorgestellte Untersuchung macht anhand verschiedener Kennzahlen die Stabilität der PKV-Versicherer fest.

Ausreichende Solvenzquote

Gemäß Zielke-Analyse weisen alle 40 Gesellschaften eine reine Solvenzquote von über 100% aus, nur 9% haben Übergangsmaßnahmen beantragt. Allerdings ist die allgemeine Aussagekraft der Solvenz bei PKV-Versicherern eher gering, denn die Unternehmen können durch Beitragsanpassungen schnell reagieren. In den Worten des BdV heißt das, dass der Kunde die Solvenz der Gesellschaften sicherstelle. Höhere Bedeutung misst der BdV dagegen den Informationen zu Kapitalanlagen und Gewinneinschätzung bei.

Licht und Schatten bei Gewinnerwartungen

Und dort wird mit höheren Gewinnen als in der Lebensversicherung gerechnet. So liegt laut Analyse der Durchschnitt der erwarteten Gewinne/Eigenmittel bei knapp 71% (bei Leben bei 8%). Die höchsten Gewinne erwarten dabei die Unternehmen W&W, Vigo und die Mecklenburgische. Vier Versicherer weisen keine Gewinnerwartung auf, eine negative Gewinnerwartung hat jedoch kein Versicherer, so dass alle Geschäftsmodelle wirtschaftlich tragfähig sind. Allerdings kritisiert der BdV, dass 21 Versicherer Probleme hätten, eine aus Verbrauchersicht akzeptable Gewinnerwartung auszuweisen.

Genügen risikoarme Kapitalanlagen?

Mit Blick auf die Kapitalanlagen stellt Zielke Research Consult fest, dass die Krankenversicherer ein noch risikoärmeres Investmentportfolio als die Lebensversicherer fahren. Der Analyse folgt die Befürchtung, dass damit die medizinische Inflation, also die Preissteigerungen im medizinischen Sektor, kaum abgefedert werden können. So seien 19 Versicherer mit zu hohen Anteilen in Staatsanleihen investiert. Eine hohe Staatsanleihen-Quote würde aber tendenziell das Risiko von Beitragsanpassungen steigen lassen.

Beitragsanpassungen über der medizinischen Inflation

Anhand der genannten und anhand weiterer Kennzahlen hat der BdV außerdem bewertet, bei welchen Versicherern es mittel- und langfristig zu Beitragsanpassungen kommen werde: Bei 16 Unternehmen sieht der BdV die Tendenz zu einer Prämienanpassung innerhalb der nächsten fünf Jahre, die über die medizinische Inflation hinausgeht, bei sieben Gesellschaften würden sich die Prämien im Gleichschritt mit den Kostensteigerungen in der Medizin entwickeln. Für 13 Unternehmen hält der BdV eine Prämienentwicklung darunter für am wahrscheinlichsten. Analyst Carsten Zielke räumt allerdings ein, dass längerfristige Einschätzungen zu Beitragsanpassungen aus den Solvenzberichten nicht ableitbar seien. Wie der BdV die Prämienstabilität der einzelnen Versicherer einschätzt, hat er in Ampelfarben dargestellt und ist in den Studienergebnissen (https://www.bundderversicherten.de/stellungnahmen/solvabilitaetsberichte) nachzulesen.

Transparenz bleibt Mangelware

Insgesamt bemängeln die Studienersteller die Transparenz der Solvenzberichte. Insbesondere die Berichte der großen PKV-Gesellschaften wären intransparent. Lediglich zehn Unternehmen hätten einen umfassenden, verständlichen und nachvollziehbaren Solvenzbericht vorgelegt. Am transparentesten waren dabei die Berichte der HALLESCHEN, der uniVersa und der Signal. (bh)





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