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Immer mehr ältere Menschen im Würgegriff der Wohnkosten
03. Juli 2019

Immer mehr ältere Menschen im Würgegriff der Wohnkosten

Die steigenden Wohnkosten in Deutschland werden vor allem für ältere Menschen immer mehr zur Belastung bis hin zur Überbelastung. Das geht aus einer aktuellen Studie von DIW und DZA hervor. Demnach müssen zwei Drittel der älteren Mieterhaushalte über 30% ihres Einkommens für Wohnen aufbringen.


Die steigenden Wohnkosten in Deutschland werden vor allem für ältere Menschen immer mehr zur Belastung bis hin zur Überbelastung. Das geht aus einer aktuellen Studie von DIW und DZA hervor. Demnach müssen zwei Drittel der älteren Mieterhaushalte über 30% ihres Einkommens für Wohnen aufbringen.


Immer mehr ältere Menschen im Würgegriff der Wohnkosten

Die wachsenden Wohnkosten hierzulande stellen insbesondere für ältere Menschen ab 65 Jahren zunehmend ein Problem dar, zumal ihre Einkommen nicht im selben Maße steigen. In der Folge werden Wohnkosten für immer mehr ältere Menschen zur Belastung; für etliche von ihnen stellen sie sogar eine Überbelastung dar. Zu diesen Ergebnissen kommt eine gemeinsame Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und des Deutschen Zentrums für Altersfragen (DZA). Die Analyse basiert auf Daten des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) und des Deutschen Alterssurvey.

Im Schnitt fallen 34% des Einkommens für Miete und Nebenkosten an

Laut Studie gaben Mieterhaushalte mit einer Referenzperson ab 65 Jahren im Jahr 2016 durchschnittlich 34% ihres Einkommens für Wohnen aus – das heißt für Miete und Nebenkosten. Dagegen mussten Eigentümerhaushalte lediglich 15% ihres Einkommens für die laufenden Wohnkosten ausgeben, also für Zins- und Tilgungszahlungen von Immobilienkrediten sowie Nebenkosten. Seit 1996 haben die Wohnkosten für Mieter ab 65 Jahren deutlicher zugelegt (+101%) als für Eigentümer (+77%).

 

Immer mehr ältere Menschen im Würgegriff der Wohnkosten

 

Anteilig gibt es unter Älteren mehr Eigentümerhaushalte als noch vor 20 Jahren (45% gegenüber 56%), aber dieser Umstand sei laut DIW und DZA insbesondere darauf zurückzuführen, dass immer mehr Ältere aus den höheren Einkommensklassen über Wohneigentum verfügen. Demgegenüber wohnt die Mehrheit der älteren Haushalte mit niedrigen Einkommen zur Miete. Unter den 20% mit den niedrigsten Einkommen in dieser Altersklasse beläuft sich der Mieteranteil auf 66%. Insbesondere diese Gruppe ist von den stark steigenden Wohnkosten extrem belastet.

Überbelastung bei 38% der älteren Mieterhaushalte

Von einer hohen Belastung ist die Rede, wenn für die Wohnkosten eines Haushalts 30% und mehr seines Nettoeinkommens anfallen. Dies lag der Studie zufolge im Jahr 2016 bei zwei Drittel der Mieterhaushalte mit einer Referenzperson ab 65 Jahren vor. Bei 38% der Mieterhaushalte liegt sogar eine Überbelastung durch die Wohnkosten vor, da sie 40% und mehr des Haushaltseinkommens für Miete und Nebenkosten aufbringen müssen. Im Jahr 1996 zeigte sich noch ein anderes Bild: 38% der Mieterhaushalte waren von einer hohen Belastung (über 30%) und 22% von einer Überbelastung (über 40% des Einkommens) betroffen.

Wohnraum für viele Senioren unbezahlbar

„Ältere Menschen mit niedrigen Einkommen leben deutlich häufiger zur Miete als andere in dieser Altersklasse und gerade sie sind mit einem rasanten Anstieg der Wohnkosten konfrontiert. Das heißt: Wohnraum ist für zunehmend viele Seniorinnen und Senioren unbezahlbar“, unterstreicht die Studienautorin Laura Romeu Gordo vom DZA. Vor allem für allein lebende Mieter ab 65 Jahren ist die Lage prekär: Sie müssen im Schnitt über ein Drittel ihres Einkommens für die laufenden Kosten ihrer Wohnung aufbringen.

Maßnahmen zur Abhilfe

Die Studienautoren schlagen mehrere Lösungsansätze vor, darunter die Förderung des Wohneigentums. Diese Maßnahme würde sich allerdings erst langfristig auswirken, da der Wohnungs- oder Häuserkauf meist eher in jüngeren Jahren erfolgt. „Ein zweiter Ansatz, ist für ausreichende Einkommen der Betroffenen zu sorgen“, erklärt Markus Grabka, Verteilungsforscher am DIW Berlin und Studienautor. „Die dynamisierte Anpassung des Wohngelds, die die Bundesregierung plant, ist sicherlich ein Schritt in diese Richtung.“ Als dritten Lösungsansatz führen die Studienautoren den sozialen Wohnungsbau an. Sie plädieren für den Bau von mehr Sozialwohnungen, vor allem in und um Großstädte. „Hierbei sind die Bedürfnisse älterer Menschen zu beachten, zum Beispiel kleine, barrierefreie Wohnungen“, so Laura Romeu Gordo. (tk)

Bild: © weyo – stock.adobe.com



Kommentare

von Bernd Michalski am 06.07.2019 um 14:33 Uhr
Wenn ich diese Studie lese, habe ich den Eindruck, dass der Auftraggeber die Bau- und Immobilienwirtschaft war.
Bei den sogenannten „Maßnahmen zur Abhilfe“ geht es ausschließlich um Zuwendungen des Staates. Der begriff Fördergelder hört sich erst einmal wohlwollend und vorausschauend an. Im Grunde genommen sind es aber Subventionen, also Steuergelder, die in einer Bauwirtschaft gepumpt wird, die die schlechteste operative Leistungsfähigkeit und Produktivität aller Wirtschaftszweige in Deutschland hat.
Subventionen für den Eigenheimbau, Subventionen für das Wohngeld und Subventionen für Mietwohnungen für jedes Einkommen.
Für die jährlich geforderten 120.000 Neubauwohnungen für jedes Einkommen, die auch Sozialwohnungen genannt werden, wären das jährlich ca.10Milliarden Euro.
In Frankreich ist es Alltag, dass Kommunen in den Ausschreibungen Kostengrenzen von 1.200€/m² ansetzen, die auch von den beteiligten Architekten und Baubetrieben eingehalten werden. Einer Studie der BBU zufolge, fängt das im Umfeld Berlin-Brandenburg bei 2.400€/m² erst an.

Alle, die vom augenblicklichen Zustand der Wohnungsknappheit für jede Altersgruppe profitieren, weil deren Einkommen bzw. Honorare durch die Höhe der Baukosten bestimmt werden, haben kein Interesse an niedrige Baupreise und werden deshalb daran nicht wirklich etwas ändern wollen. Also Baubetriebe, Makler, Architekten, Projektentwickler, Notare, Steuerbehörde oder auch die Fonds-Verwalter. Dazu kommen noch Diejenigen, die indirekt Vorteile bekommen.

Warum also nicht Zustände, wie in Frankreich. Man muss es nur wollen.


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