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8. September 2016
„Generation Mitte“ schätzt gesellschaftliche Lage überwiegend negativ ein

„Generation Mitte“ schätzt gesellschaftliche Lage überwiegend negativ ein

Laut einer Allensbach-Umfrage im Auftrag des GDV sehen die 30- bis 59-Jährigen die gesellschaftlichen Lage und Entwicklung in Deutschland – trotz positiver Bewertung des eigenen Lebens – derzeit überwiegend negativ: ansteigende Skepsis gegenüber Zuwanderung, wachsende soziale Unterschiede, mangelnde Leistungsgerechtigkeit.

Die hohe Zahl der Flüchtlinge hat in der „Generation Mitte“ zu einer gewachsenen Skepsis gegenüber Zuwanderung geführt. In einer repräsentativen Allensbach-Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) e.V. bewerteten zwei Drittel der befragten 30- bis 59-Jährigen die Integrationschancen der Flüchtlinge als weniger oder gar nicht gut. Im Vergleich zu 2014 haben sich die Einstellungen der „Generation Mitte“ zur Zuwanderung somit deutlich verschoben: Die Befragten betonen die Risiken von Zuwanderung mittlerweile weit stärker als ihre Chancen.

Gute persönliche Bilanz, aber Rentendebatte verunsichert

Mit ihrer persönlichen Lage zeigen sich die 30- bis 59-Jährigen außerordentlich zufrieden: 75% bezeichnen ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut; vier von zehn Befragten sagen, dass sich ihre wirtschaftliche Lage in den vergangenen fünf Jahren verbessert habe. Unter den persönlichen Sorgen der 30- bis 59-Jährigen haben jedoch zwei besonders zugenommen: die Angst vor Kriminalität und die Zweifel, den Lebensstandard im Alter halten zu können. Zwei Drittel der Befragten geben an, durch die aktuelle Rentendebatte verunsichert zu sein. GDV-Präsident Alexander Erdland warnte in diesem Zusammenhang davor, Grundsatzentscheidungen der Rentenpolitik alle paar Jahre infrage zu stellen: „Die Glaubwürdigkeit des Altersversorgungssystems hängt ganz maßgeblich von der Konsistenz der politisch Handelnden ab. Der aktuelle Bieter-Wettbewerb zur Wunschhöhe des Rentenniveaus sendet ein falsches Signal aus.“ Angesichts des demografischen Wandels sei ein intelligenter Ausbau der kapitalgedeckten Vorsorge unverzichtbar.

Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland ungerecht

Neben der Zuwanderung bewertet die mittlere Generation auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich kritisch. 70% nehmen einen wachsenden Abstand bei Einkommen und Vermögen wahr, zwei Drittel halten die Einkommens- und Vermögensverteilung in Deutschland für ungerecht. Gleichwohl spricht sich die Mehrheit der „Generation Mitte“ gegen Gleichmacherei oder mehr staatliche Umverteilung aus – das Leistungsprinzip ist in den Wertvorstellungen fest verankert. Dass jeder vom Lohn für seine Arbeit auch leben kann und dass für die gleiche Arbeit das gleiche Geld gezahlt wird, gehört für die mittlere Generation zu den grundlegenden Vorstellungen von sozialer Gerechtigkeit. Derzeit sieht aber nur eine Minderheit der Befragten diese Anforderungen als erfüllt an.

Über die „Generation Mitte“

Die mehr als 35 Millionen 30- bis 59-Jährigen in Deutschland stehen mitten im Berufsleben, erziehen Kinder und finanzieren die sozialen Sicherungssysteme. Sie stellen 70% der Erwerbstätigen dar und erwirtschaften 82% der steuerpflichtigen Einkünfte. Die „Generation Mitte“ ist damit im wahrsten Sinne des Wortes der „Leistungsträger“ der Gesellschaft. Der GDV beauftragt das Institut für Demoskopie Allensbach seit 2013 dieser breiten Bevölkerungsschicht einmal jährlich „den Puls zu fühlen“ und ihre Einstellungen, Erwartungen und Ängste zu erforschen. In diesem Jahr standen die Themen Gerechtigkeit, Zuwanderung und Altersvorsorge im Fokus der repräsentativen Befragung. (ad)