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„Auch institutionellen Investoren bietet das FNG-Siegel Vorteile“
20. Juli 2015

„Auch institutionellen Investoren bietet das FNG-Siegel Vorteile“

Das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) hat kürzlich den Start eines einheitlichen Siegels für für nachhaltige Publikumsfonds bekannt gegeben. Wie wird dieses vergeben, was soll damit bewirkt werden und welche Rolle spielt ein Nachhaltigkeitssiegel für institutionelle Investoren wie Versicherer? Nachgefragt bei Volker Weber, Vorstandsvorsitzenden des FNG.


Das Forum Nachhaltige Geldanlage (FNG) hat kürzlich den Start eines einheitlichen Siegels für für nachhaltige Publikumsfonds bekannt gegeben. Wie wird dieses vergeben, was soll damit bewirkt werden und welche Rolle spielt ein Nachhaltigkeitssiegel für institutionelle Investoren wie Versicherer? Nachgefragt bei Volker Weber, Vorstandsvorsitzenden des FNG.


„Auch institutionellen Investoren bietet das FNG-Siegel Vorteile“
Herr Weber, ist ein solch komplexes Thema wie Nachhaltigkeit mit einem einheitlichen Siegel abbildbar?

Den Begriff der Nachhaltigkeit mit einem Siegel ganzheitlich zu erfassen ist nicht möglich und auch nicht unser Anspruch. Nachhaltigkeit ist ein normatives Konzept, das damit auch eine starke individuelle Komponente hat. Was ein Anleger von einem nachhaltigen Fonds erwartet, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch, von Investor zu Investor. Dennoch gibt es unserer Meinung nach einige Mindestanforderungen, die in die Kategorie eines nachhaltigen Fonds gehören. Diese orientieren sich an international anerkannten Standards wie dem Global Compact der Vereinten Nationen oder den Kernarbeitsnormen der internationalen Arbeitsorganisation ILO. Diese Mindestanforderungen bilden Kriterien ab, zu denen ein großer gesellschaftlicher Konsens besteht und die daher intersubjektiv für eine nachhaltige Entwicklung als zentral erachtet werden.

Darüber hinaus bieten wir den Bewerbern ein Stufenmodell, um sowohl der Vielfalt im Markt als auch den unterschiedlichen Nachhaltigkeitsverständnissen auf Seiten der Anleger gerecht zu werden. Beispielsweise gibt es Fonds, die bestimmte Bereiche, zum Beispiel biologische Landwirtschaft oder Erneuerbare Energien, fördern oder die nur in Unternehmen investieren, die in einer Branche die höchsten Nachhaltigkeitsstandards aufweisen. Daneben gibt es ein breites Set an dialogorientierten Ansätzen, mit denen sich in punkto Nachhaltigkeit viel erreichen lässt. Diese Vielfalt an Wegen und Möglichkeiten unterstützt und fördert das FNG-Siegel.

Daneben soll das Stufenmodell einen Wettbewerb um Nachhaltigkeit zwischen den Fonds initiieren und so die Entwicklung des Marktes vorantreiben helfen. Aber auch das Siegelkonzept selbst versteht sich als evolutionär. Es soll jedes Jahr weiterentwickelt werden und so dazu beitragen, die Standards im Bereich Nachhaltiger Geldanlagen immer weiter anzuheben. Hierfür erwarten wir auch wichtige Impulse vom Siegelkomitee. Dieses Gremium repräsentiert zentrale zivilgesellschaftliche Akteure und spricht Empfehlungen für die Siegelvergabe aus.

Welche Kriterien müssen die Fonds erfüllen, um das Siegel zu erhalten?

Die Einstiegsschwelle für den Erhalt des Siegels bilden der Transparenz Kodex von Eurosif und das FNG-Nachhaltigkeitsprofil. Zudem muss der Fondsanbieter einen Nachweis liefern, dass mindestens 90% des Portfolios des entsprechenden Fonds nach ESG-Kriterien analysiert werden. Diese Voraussetzungen sollen die Transparenz des Fonds garantieren und die Qualität der Nachhaltigen Geldanlage für den Anleger nachvollziehbar darstellen. Darüber hinaus haben wir einen Katalog von Mindestanforderungen zusammengestellt. Dieser umfasst den Ausschluss von Waffen und Kernenergie und die Kriterien des UN Global Compact: Menschen- und Arbeitsrechten sowie die Bekämpfung von Korruption, Bestechung und Umweltzerstörung. Bei Investitionen in Staatsanleihen kommt zudem noch das Thema der Demokratie dazu.

Wie bereits erwähnt, beinhaltet das Siegelkonzept über die Mindestanforderungen hinaus auch ein Stufenmodell, welches sich in vier Kategorien untergliedert: Produktstandards, institutionelle Glaubwürdigkeit, Selektions- und Dialogstrategien. Die Einstufung richtet sich nach der individuellen Umsetzung verschiedener nachhaltiger Anlagestrategien – so kann der Fondsanbieter selbst entscheiden, in welchen Bereichen er sich für mehr Nachhaltigkeit engagieren möchte. Bis zu drei Sterne sind letztlich auf dem Siegel-Logo erreichbar.

Ab wann werden die ersten Fonds voraussichtlich ein FNG-Siegel erhalten?

Die Bewerbungsphase für die Erstvergabe läuft bereits seit Anfang Juli und endet am 18.09. dieses Jahres – bis dahin können sich Fondsanbieter noch bewerben. Die offizielle Vergabe des FNG-Siegels findet dann am 12.11. in Berlin statt. Ab dann wird das FNG-Siegel jährlich neu verliehen.

Werden die Fonds nach der Vergabe des FNG-Siegels weiterverfolgt?

Wenn sich das Portfolio des Fonds verändert, sind die Fondsanbieter selbst aufgefordert, diese Änderungen umgehend mitzuteilen. Dann wird geprüft, ob der Fonds weiterhin die Siegelbedingungen in seiner Kategorie erfüllt. Darüber hinaus behält sich der Auditor das Recht vor, die ausgezeichneten Fonds auch ohne Vorankündigung jederzeit zu überprüfen. Das ist in den Verfahrensbedingungen so festgehalten.

Welche Rolle spielt ein Nachhaltigkeitssiegel speziell für institutionelle Investoren wie Versicherer?

Wir haben bereits mehrfach Anfragen von institutionellen Investoren zum FNG-Siegel erhalten. Auch war diese Gruppe neben anderen Stakeholdern in den Entwicklungsprozess des Siegels eingebunden. Daher wissen wird, dass seitens dieser Gruppe Interesse besteht. Institutionellen Investoren bietet das FNG-Siegel beispielsweise den Vorteil, dass sie ihre nachhaltigen Anlagestrategien unkompliziert nachweisen können. Natürlich profitieren sie ebenso wie Privatanleger von reduzierten Such- und Informationskosten. (mh)




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