Ein Artikel von Stefan Gaedicke, Leiter bKV LKH
Die betriebliche Krankenversicherung (bKV) hat sich in den vergangenen Jahren zu einem bedeutenden Geschäftsfeld für Vermittler entwickelt. Den Unternehmen wird sie jedoch überwiegend als Mitarbeiter- Benefit präsentiert. Es folgen lange Entscheidungsprozesse, die teils auch mal Jahre dauern können, wobei sich Arbeitgeber am Ende häufig gegen die Einführung einer bKV entscheiden – aus vermeintlich zu hohen Kosten oder bereits ausgeschöpften Sachbezugsgrenzen.
Zwar ist die bKV ein Benefit, aber ihr entscheidender Vorteil liegt darin, hohe Personal- kosten, die durch Fehlzeiten und Fluktuation entstehen, zu senken – und das, obwohl eine bKV mit zusätzlichen Personalkosten verbunden ist.
Fehlzeiten und Fluktuation als Kostenfaktor
Unternehmen in Deutschland verzeichnen im Durchschnitt rund 22 Fehltage pro Mitarbeiter und Jahr. Bei geschätzten Kosten von etwa 450 Euro pro Fehltag summiert sich dies auf rund 10.000 Euro pro Mitarbeiter jährlich. Diese sehr hohen Fehlzeiten bedeuten für Unternehmen eine erhebliche finanzielle Belastung.
Neben den Fehlzeiten spielt die Mitarbeiterbindung eine zentrale Rolle. Gerade im aktuellen Arbeitsmarkt ist es für Unternehmen zunehmend schwierig, qualifiziertes Personal zu gewinnen und langfristig zu halten. Die Kosten für die Neubesetzung sind erheblich: Durch Recruiting, Einarbeitung und Produktivitätsverluste entsteht den Unternehmen bis zur Neubesetzung das ca. 1,2-Fache eines Jahresgehalts.
bKV als Mehrwert
Bei diesen personellen Herausforderungen setzt die bKV an. Durch die positiven Auswirkungen einer bKV können bei Unternehmen sofort Fehltage eingespart und Kosten reduziert werden. Eine bKV signalisiert den Mitarbeitenden Wertschätzung und Fürsorge und entlastet sie konkret bei Gesundheitskosten. Mit einer bKV erhalten Mitarbeitende Leistungen wie Facharztterminservices oder telemedizinische Beratung rund um die Uhr. Termine können so zeitnah wahrgenommen werden, Diagnosen und benötigte Behandlungen früher stattfinden. Das kann dazu beitragen, krankheitsbedingte Ausfallzeiten zu verkürzen oder sogar zu vermeiden.
Ergänzt wird das um Vorsorgeleistungen in der bKV, die aus Zeit- oder Kostengründen häufig aufgeschoben werden. Hier bietet die LKH ein besonderes Extra an: Sie bezuschusst Gesundheitsevents im Unternehmen wie den Vorsorge-Check direkt am Arbeitsplatz. Mittels eines mobilen Labors können Mitarbeitende in rund 20 Minuten etwa 60 zentrale Gesundheitswerte überprüfen lassen. Dabei lassen sich bei rund 60% der Teilnehmenden Auffälligkeiten erkennen, die potenziell zu späteren Ausfallzeiten führen können.
Messbare Effekte auf Fehlzeiten
Die LKH hat im Herbst 2025 in einer eigens beauftragten Studie durch die Sirius Campus GmbH rund 500 Entscheider von kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) befragt, was sie von einer bKV erwarten und welche Erfahrungen sie nach der Einführung gesammelt haben. Die Ergebnisse waren eindeutig: 27% der Unternehmen erwarten, dass sich langfristige Fehlzeiten reduzieren, bei jedem zweiten Unternehmen (49%) ist das schon eingetreten.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Mitarbeiterbindung: 41% erwarten, dass sich der oder die Mitarbeitende dadurch wertgeschätzt fühlt – realisiert wird dieser Effekt bei rund 56% der Unternehmen.
Wirtschaftlichkeit im Fokus
In vielen Tarifkonstellationen amortisieren sich die Kosten einer bKV bereits dann, wenn pro Mitarbeiter und Jahr nur ein einziger Fehltag vermieden wird. Die bKV ist demnach kein zusätzlicher Kostenfaktor, sondern eine nachhaltige Investition in Gesundheit und Unternehmenserfolg und wird sich immer stärker als dritte Säule in der Gesundheitsversorgung etablieren.
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