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Verzahnung digitaler Tools: Das tägliche Dilemma der Makler

Wie können Versicherungsmakler digitale Tools – vom MVP über Vergleichsrechner bis zu Extranets – reibungslos miteinander verzahnen? Diese Frage beschäftigt viele Maklerunternehmen. Wie weit ist die Branche und welche Ansätze schaffen echte Vernetzung?

Versicherungsmakler arbeiten heute mit einer Vielzahl digitaler Tools. Im Zentrum steht dabei das Maklerverwaltungsprogramm (MVP), flankiert von Vergleichsrechnern, Marketinglösungen, Versicherer-Extranets und diversen Versicherungsportalen. Doch jedes dieser Systeme arbeitet oftmals mit eigenen Datenformaten, Schnittstellen (APIs) und Sicherheitsanforderungen, was eine reibungslose Verzahnung erschwert. Entsprechend überrascht es kaum, dass die Systemintegration all dieser Tools laut AssCompact TRENDS-Studien weiterhin als größte digitale Herausforderung im Maklerbüro gilt.

Dabei ist der Digitalisierungsgrad in der Maklerschaft höchst unterschiedlich. Während einige Maklerunternehmen bereits weit entwickelte digitale Prozesse nutzen, kämpfen andere noch mit grundlegenden Fragen der Datenstruktur und Prozessqualität. Hinzu kommt, dass externe Partner wie Pools, Dienstleister oder Digitalisierungsberater die Systemwelt im Maklerbüro oft aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. So entsteht ein Gesamtbild, das gleichermaßen von wichtigen Fortschritten wie von strukturellen Bremsklötzen geprägt ist.

Zwischen Bewegung und Blockaden

Deutliche Fortschritte erkennt beispielsweise Bastian Roeder, Vorstand des Maklerpools BCA. Er sieht die Branche technologisch gut aufgestellt: „Als Förderer des digitalen Maklerbüros freut es uns zunächst sehr, dass viele Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler bereits heute digitale Plattformen wie unsere Vermittlerplattform DIVA und unsere Kunden-App ‚Ihr FinanzCockpit‘ nutzen, die Versicherungs- und Investmentprozesse sowie Kundenkommunikation integriert.“ Aus seiner Sicht heben Automatisierung, Datenstandardisierung und moderne KI enorme Potenziale, die Maklerbetrieben im Alltag spürbare Entlastung und neue Möglichkeiten bieten.

Julie Schellack, Partnerin der Martens & Prahl Holding, zu der mittlerweile 90 Maklerbetriebe gehören, teilt diesen grundsätzlichen Optimismus, weist jedoch auf die Voraussetzungen hin, die vielerorts noch nicht erfüllt sind. „Voraussetzung sind immer auch strukturierte Daten und klare Prozesse im Maklerunternehmen. Und viele Makler kämpfen mit der Datenqualität der Bestände.“ Viele ältere Versicherungsverträge seien nicht in der erforderlichen Qualität und Dichte im System gespeichert, und ein großer Teil der entscheidenden Risikodaten liege nach wie vor ausschließlich bei den Versicherern. Dieser Umstand erschwere eine saubere Automatisierung.

Den MVP-Herstellern bescheinigt Schellack, dass sie an den nötigen Schnittstellen arbeiten oder diese bereits bereitstellen. Engpässe gebe es trotzdem: Der Datenaustausch mit Versicherern funktioniere nur bedingt. GDV-Daten seien in die Jahre gekommen und als Stichtagsdaten oft nicht synchron zum tatsächlichen Maklerbestand. Auch die BiPRO-Standards, eigentlich als einheitliche Branchenlösung gedacht, litten unter unterschiedlichen Interpretationen und einer zu geringen Implementierung auf Versichererseite. Wenn nur wenige Versicherer beispielsweise den BiPRO-Standard 430.7 oder den Empfang von Vermittlerabrechnungen für die Lieferung von Provisionsdaten umsetzen, dann könne man kaum von einer funktionierenden Marktbreite sprechen, so Schellack.

Spürbare Folgen für Effizienz und Wachstum

Für Makler hat diese Situation spürbare Auswirkungen. Medienbrüche, manuelle Übertragungen und der ständige Wechsel zwischen Systemen kosten Zeit und erhöhen das Fehlerrisiko. Gleichzeitig erschwert eine fragmentierte Systemlandschaft die Skalierbarkeit digitaler Prozesse und begrenzt damit das Wachstumspotenzial. Der Alltag in vielen Betrieben ist geprägt von halb-digitalen Abläufen, die zwar moderne Tools einbeziehen, aber dennoch analoge Restprozesse enthalten. Ralf Kohl, Experte für Maklerprozesse bei maklerkonzepte.com und Mitinitiator des Netzwerks KI-Offensive, bringt dies prägnant auf den Punkt: „Das digitale Maklerbüro existiert – aber meist nur auf dem Papier. Die Technik ist da, aber sie greift nicht sauber ineinander. Viele Betriebe arbeiten mit modernen Tools, aber ohne durchgehenden Prozess.“

Nach Kohls Einschätzung fehlt es weniger an Technologie als an klaren Prozessarchitekturen und einem gemeinsamen Takt innerhalb der Branche. Jeder Versicherer setze Standards anders um, und viele Makler hätten Digitalisierungsmaßnahmen der vergangenen Jahre ohne übergreifende Struktur eingeführt. Als möglichen Lösungsweg bringt er No-Code-Plattformen wie make.com oder n8n ins Spiel, die offene Schnittstellen bieten und es erlauben, Anwendungen und Workflows ohne Programmierkenntnisse zu entwickeln. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass im Maklerunternehmen zunächst klare Prozesse definiert würden. Hierfür stünden sogar staatliche Fördermöglichkeiten wie die BAFA-Beratung für KMUs zur Verfügung.

Notwendigkeit einer gemeinsamen Branchenlösung

Julie Schellack setzt sich weiterhin für eine starke Branchenlösung ein. „Wir glauben weiter fest daran, dass, auch wenn die Softwarelandschaft gerade fragmentiert ist, es ein herrschendes System geben muss, in aller Regel das MVP des Maklers. In diesem sollten alle Informationen aus allen Systemen, Vergleichssoftware, Risikoermittlung usw. zusammenfließen.“ Eine zu große Verteilung relevanter Risikodaten über verschiedene Anwendungen hält sie für gefährlich. Zugleich warnt sie vor einer Monopolisierung des Datenaustauschs durch Einzelanbieter und fordert stattdessen eine gemeinsame, vereinsbasierte Plattformlösung analog zum BiPRO-Hub. Schon heute hätten es beispielsweise Versicherungsmakler aufgrund von IT-Abhängigkeiten schwer, einen Wechsel in andere Pool-Landschaften überhaupt noch umzusetzen.

Technologieoffene Ansätze

In der Tat nehmen Maklerpools außerhalb von Maklerholdings und -zusammenschlüssen seit geraumer Zeit eine Schlüsselrolle als digitale Dienstleister ein. BCA-Vorstand Roeder erklärt, man arbeite an einem integrierten digitalen Ökosystem. Die Zielsetzung seien dabei weniger manuelle Arbeitsschritte, mehr Zeitgewinn für Beratung und Acquisition im Maklerbetrieb. Sein Vorstandskollege Roman Schwarze weist jedoch darauf hin, dass viele Makler noch mit Systemlandschaften aus Alt- und Neuprogrammen arbeiten, die ursprünglich gar nicht auf moderne Schnittstellen ausgelegt wurden. „Die dafür nötige Datenqualität und -struktur muss erst aufwendig hergestellt werden. Als Servicemanufaktur für Versicherungsmakler und Finanzanlagenvermittler sehen wir genau darin unsere Aufgabe: Komplexität herausnehmen, Prozesse vereinfachen und unsere Vertriebspartner entlasten.“

Besonders wirkungsvoll seien aus seiner Sicht zentrale Plattformlösungen, die durch Automatisierung, KI und vertriebsunterstützende Tools ergänzt werden. Gleichzeitig betont auch er die Bedeutung technologieoffener Ansätze und flexibler Automatisierungsplattformen wie Make.com oder n8n, die heterogene IT-Landschaften verbinden können, ohne tief in bestehende Systeme einzugreifen. Ergänzend müssten integrierte Plattformlösungen weiterentwickelt werden, die Versicherungs- und Investmentvertrieb zusammenführen, Automatisierung und KI nutzen und gleichzeitig die Nutzerfreundlichkeit sicherstellen. „Ebenso wichtig ist die Kooperation innerhalb der Branche: Softwarehersteller, Vertriebe und Vermittler sowie Produktgeber müssen gemeinsam Lösungen entwickeln, statt in Konkurrenz zu agieren, heißt es vonseiten der BCA.

Zusammenspiel als Erfolgsfaktor

Die Diskussion zeigt deutlich: Die Digitalisierung im Maklerbüro ist weniger eine Frage fehlender Technologien als vielmehr eine Herausforderung gemeinsamer Standards, sauberer Prozesse und echter Konnektivität. Während Pools, MVP-Hersteller und Beratungsnetzwerke unterschiedliche Lösungswege betonen – von zentralen Plattformökosystemen über API-getriebene Branchenlösungen bis hin zu flexiblen No-Code-Automatisierungen – besteht Einigkeit darüber, dass die Zukunft nur in einem Zusammenspiel aller Marktteilnehmer liegt. Erst wenn Datenqualität, Schnittstellenoffenheit und Prozessarchitektur konsequent zusammengedacht werden, kann das digitale Maklerbüro nicht nur auf dem Papier existieren, sondern in der Realität seinen vollen Mehrwert entfalten.

Problem erkannt, aber noch nicht gebannt

Für Versicherungsmakler, die weiterhin mit Medienbrüchen, Insellösungen und ineffizienten Prozessen hadern, bleibt aktuell immerhin die Erkenntnis, dass die Probleme branchenweit erkannt sind und die eingeschlagene Richtung grundsätzlich stimmt. Gleichzeitig wird deutlich, dass es wohl keine klare Ziellinie gibt, sondern nur einen dauerhaften Entwicklungsprozess, der kontinuierliche Anpassungen, Investitionen und Zusammenarbeit erfordert. (bh)

 

 

KI: Leicht zu nutzen – aber schwer, richtig einzusetzen

KI hat längst Einzug in die Versicherungsbranche gehalten und gewinnt auch im Maklermarkt an Relevanz. Um das Potenzial voll auszuschöpfen und Mehrwerte für das eigene Unternehmen zu generieren, gilt es, KI durchdacht einzusetzen und hierfür konkrete Voraussetzungen zu schaffen.

Ein Artikel von Sandro Mund, Head of IT bei der bbg Betriebsberatungs GmbH

Die Technologie ist nicht neu – doch ihre leichte Verfügbarkeit verändert alles. Was früher Spezialwissen, Infrastruktur und hohe Investitionen erforderte, steht heute per Browserzugang bereit. Damit entsteht jedoch eine Illusion: dass das Anwenden eines Tools bereits Kompetenz bedeutet. Künstliche Intelligenz lässt sich schnell ausprobieren – aber sie sinnvoll einzusetzen, ist anspruchsvoll. Unternehmen, die KI aus Angst vor Rückstand „irgendwie einführen“, handeln reaktiv – und selten erfolgreich. Die Situation erinnert an den Goldrausch: Viele suchten Gold, doch verdient haben vor allem jene, die Werkzeuge, Wege und Strukturen bereitstellten. Auch bei KI liegt der wahre Wert nicht in der bloßen Nutzung, sondern darin, reale Probleme zu identifizieren und systematisch zu lösen.

KI als weites Feld

In diesem Artikel wird der Begriff künstliche Intelligenz (KI) überwiegend im Sinne von großen Sprachmodellen (Large Language Models, LLMs) verwendet. Diese Systeme basieren auf neuronalen Netzen und gehören zum Bereich des maschinellen Lernens. Der Begriff KI ist jedoch deutlich breiter und umfasst viele weitere Ansätze, darunter regelbasierte Systeme, Computer Vision, Entscheidungsmodelle, Re­inforcement Learning und weitere algorithmische Methoden.

Wo KI heute wirklichen Nutzen schafft

Künstliche Intelligenz überzeugt vor allem durch zwei Eigenschaften: Sie ist leicht zugänglich und vielseitig einsetzbar. Aufgaben, die früher Spezialsoftware oder zeitintensive Recherche erforderten, lassen sich heute mit einer einzigen Anfrage erledigen. Moderne Systeme können unterschiedlichste Datenformate – Texte, Tabellen, E-Mails, Bilder oder Dokumente – zusammenführen und daraus verwertbare Informationen ableiten. Besonders in der Wissensarbeit entsteht dadurch eine spürbare Entlastung: Archive, Produktbeschreibungen oder Prozessdokumentationen müssen nicht mehr manuell durchsucht werden – eine gut formulierte Frage reicht.

Viele Modelle liefern inzwischen auch Quellen, Vergleichsargumente oder Alternativen. Doch diese scheinbare Präzision darf nicht täuschen: Ergebnisse müssen weiterhin überprüft werden. Sprachmodelle erkennen Muster – sie verstehen nicht. Sie generieren Wahrscheinlichkeiten, keine Wahrheit. Gleiches gilt für Daten: KI kann Informationen aus verschiedenen Systemen verbinden und Zusammenhänge sichtbar machen – doch welche Daten genutzt werden, wie aktuell sie sind und ob sie korrekt interpretiert wurden, bleibt in der Verantwortung des Menschen.

Wirksame Einsatzfelder entstehen daher vor allem dort, wo Daten digital verfügbar sind, Aufgaben sich wiederholen und Ergebnisse schnell überprüft werden können.

Was jetzt zählt: Voraussetzungen schaffen

Wer künstliche Intelligenz einführen möchte, sollte sich vernetzen, Erfahrungen austauschen und vorhandene Möglichkeiten bewusst prüfen. Viele Unternehmen besitzen bereits Software mit integrierten KI-Funktionen, ohne sie zu nutzen – allein dieses Wissen ist oft ein unterschätzter erster Schritt. Gleichzeitig braucht es Klarheit darüber, welche Prozesse von Automatisierung profitieren und welche Aufgaben unverändert bleiben sollten. Abläufe müssen verstanden werden, bevor man versucht, sie zu verbessern.

Ebenso entscheidend sind strukturierte Daten, gemeinsame Standards und funktionierende Schnittstellen. Ohne sie entstehen isolierte Lösungen, die langfristig mehr Aufwand erzeugen, als Nutzen stiften. Eine verlässliche technische Basis mit aktuellen, zentral verwalteten Daten ist daher unverzichtbar.

Erfolgreicher Umgang mit KI bedeutet auch, die eigene Arbeitsweise infrage zu stellen. Wer nach einem Fehlschlag aufgibt, kommt nicht weit. Fortschritt entsteht durch Iteration: ausprobieren, lernen, verbessern. Technologien werden leistungsfähiger, Schnittstellen tiefer integriert und Anwendungen zunehmend automatisiert. Profitieren wird, wer früh beginnt und seine Systeme anschlussfähig gestaltet.

Vom Tool zur Infrastruktur

Der Einstieg gelingt am besten schrittweise. Zunächst lohnt sich der Einsatz der Funktionen, die bereits in vielen Anwendungen verfügbar sind: Textoptimierungen, Übersetzungen, Präsentationen oder Meeting-Zusammenfassungen. Das schafft schnelle Erfolge und Akzeptanz.

Im nächsten Schritt werden Systeme miteinander verbunden, damit KI kontextbezogen arbeiten kann – zum Beispiel durch Zugriff auf E-Mails, Chatverläufe, Dokumente oder CRM-Daten. Viele Lösungen ermöglichen dies inzwischen mit relativ wenig Aufwand.

Die größte Herausforderung entsteht jedoch dort, wo KI zu einem festen Bestandteil der Unternehmensarchitektur wird. Dann reichen Standardlösungen nicht mehr aus: Daten müssen strukturiert, gepflegt und überwacht werden; Schnittstellen brauchen Standards; Sicherheit, Governance und Compliance werden Pflicht. Plug-and-Play endet hier – Expertise und saubere Umsetzung werden unverzichtbar.

Doch genau hier entsteht der entscheidende Mehrwert: wenn KI nicht nur unterstützt, sondern automatisiert, beschleunigt und skaliert.

Auf die gelungene Integration kommt es an

Der erfolgreiche Einsatz von KI wird nicht daran gemessen, wie viele Tools genutzt werden, sondern wie gut sie integriert und in Wertschöpfung übersetzt werden. KI ersetzt keine Strategie – sie verstärkt sie. Unternehmen, die jetzt Kompetenzen aufbauen, Daten nutzbar machen und KI in ihre Prozesse einbetten, schaffen sich einen Vorsprung, den andere kaum aufholen werden.

Die Entwicklung geht weiter – rasant. Mit jedem Modell wächst das Potenzial. Profitieren werden vor allem diejenigen, die jetzt beginnen, Erfahrungen zu sammeln, Strukturen aufzubauen und KI nicht nur zu nutzen, sondern zu verstehen.

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Ein Artikel von
Sandro Mund

Digital Insurance Podcast: KI, DORA & Altsysteme

In der neuen Folge des Digital Insurance Podcast sind Johannes Rath, Vorstandsmitglied der SIGNAL IDUNA Gruppe, und Jens Lapinski, Gründer von Angel Invest, zu Gast bei Jonas Piela. Im Gespräch geht es um Early-Stage-Investments, die DORA-Regulierung und die echte Arbeit hinter der Corporate Innovation.

In der neuesten Episode des „Digital Insurance Podcast“ spricht Moderator Jonas Piela mit zwei Hochkarätern der deutschen Innovationsszene über die größte Herausforderung der Digitalisierung: Wie überführt man innovative Ideen erfolgreich in die starren Strukturen eines Versicherungskonzerns? Zu Gast in Berlin sind Johannes Rath, Vorstand Transformation, Strategie & Operations der SIGNAL IDUNA Gruppe, und Jens Lapinski, Gründer von Angel Invest, einem Super Angel Fonds. Die Experten diskutieren, warum die bloße Beobachtung von Innovationen nicht mehr ausreicht und welche organisatorischen Maßnahmen notwendig sind, um künstliche Intelligenz und Start-up-Lösungen effektiv zu implementieren.

Die Hürde: Vom Proof of Concept zum Kerngeschäft

Das Gespräch beleuchtet die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit in vielen Unternehmen. Johannes Rath beschreibt die typische Spannung: Führungskräfte sehen auf Konferenzen beeindruckende Technologien, etwa Avatare für den Vertrieb, doch die Organisation kämpft intern noch mit der Modernisierung der Kernsysteme oder mangelhafter Datenqualität, die für KI-Anwendungen benötigt wird. Jens Lapinski verstärkt den Handlungsdruck durch den Verweis auf die exponentielle Entwicklung im KI-Bereich: „Die Kosten für KI-Modelle sind um den Faktor Tausend gefallen in den letzten paar Jahren“, während die Qualität rasant gestiegen sei. In diesem Umfeld, so Lapinski, sei Zögern fatal. Unternehmen müssten schnell handeln, um den Anschluss nicht zu verlieren.

Das Lösungsmodell: Ein Ökosystem für den Praxistransfer

Die SIGNAL IDUNA hat bereits 2017 begonnen, ein eigenes Innovations-Ökosystem aufzubauen, unter anderem durch den Berliner Hub „Signals“, eine strategische Google-Partnerschaft und als Investor im Fonds von Angel Invest. Rath erklärt, wie dieses Netzwerk genutzt wird, um Innovationen gezielt ins Unternehmen zu holen. Der Konzern identifiziert in agilen Formaten wie „Quarterly Business Reviews“ konkrete Business-Probleme – von regulatorischen Anforderungen wie DORA bis hin zu Effizienzsteigerungen im Kundenservice. Diese Probleme werden dann aktiv an das Ökosystem herangetragen, um passende Start-up-Lösungen zu finden. „Es geht nicht darum, Innovationspreise zu gewinnen“, betont Rath. Vielmehr sei Innovation die Antwort auf Kostendruck und den demografischen Wandel. Bis 2030 werden rund 30% der Belegschaft das Unternehmen altersbedingt verlassen.

Lektionen und Ausblick: Reife und langfristiges Denken

Der Aufbau dieser Struktur erforderte Geduld. Als wichtigste Lektion nennt Rath die Notwendigkeit des „Durchhaltens“. Viele Innovationsinitiativen scheitern, weil ihnen die langfristige Perspektive fehle. Zudem habe man gelernt, Start-ups erst ab einer gewissen Reife – etwa der Series A – anzubinden, nachdem frühe Versuche mit unfertigen Produkten scheiterten. Heute liegt der Fokus klar auf KI. Nachdem die SIGNAL IDUNA bereits ein internes Wissens-Tool auf Google-Gemini-Basis („Kosi“) sowie KI-Agenten im Kfz-Bereich einsetzt, sei der nächste Schritt die Entwicklung „agentischer Systeme“, um die Produktivität im gesamten Konzern zu steigern.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Diese Skills brauchen Makler, um souverän auf der KI-Welle zu stehen

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer monatlichen KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

Insbesondere auf der DKM 2025 wurde sichtbar, wie stark sich die Versicherungsbranche in Richtung KI entwickelt. Von kleinen KI-Helfern bis zu komplexen KI-Komponenten in MVPs ist alles vertreten. Hinzu kommt eine große Vielzahl an nicht versicherungsspezifischen KI-Tools für Präsentationen, Bilder, Videos und KI-Automationen.

Sinnvoller KI-Einsatz

Doch nicht jede KI-Lösung bringt echten Nutzen. Makler benötigen die Fähigkeit, KI-Tools nach Alltagsrelevanz, praktischer Umsetzung, Datenqualität und rechtlicher Nutzung zu bewerten.

Hier gilt es zu verstehen, wo und an welcher Stelle der Einsatz von KI wirklich unterstützen kann und wo sie nur als „Spielerei“ angesehen werden muss. Diese Bewertungskompetenz wird zum ersten wichtigen Filter im Makleralltag.

Externe und interne Datenkompetenz

Zwei Arten der Datenkompetenz werden künftig über den erfolgreichen Einsatz von KI im Maklerbüro entscheiden. Wer hier nicht fit ist, baut auf Sand. Makler müssen verstehen, wie KI-Systeme arbeiten, um deren Ergebnisse einordnen zu können. Modelle wie ChatGPT erzeugen Antworten auf Basis von Daten und statistischen Wahrscheinlichkeiten. Sie können überzeugend klingen und trotzdem falsch liegen. Ein Grundverständnis darüber, woher und wie ChatGPT, Claude, Gemini und Co. ihre Antworten nehmen, ist wichtig, um KI-Aussagen fachlich korrekt zu bewerten und Kunden sicher zu begleiten.

Auslagern oder selbst machen?

Der Wunsch nach KI-Automationen ist groß. Doch oft wird dabei nicht bedacht, dass jeder KI-unterstützte Prozess im Maklerbetrieb saubere, vollständige und strukturierte Daten benötigt. Ohne gepflegte Daten entstehen fehlerhafte Analysen und unbrauchbare Empfehlungen. Nur wenn diese Basis stimmt, kann KI Prozesse automatisieren, Bestände analysieren oder Kommunikation unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig zu wissen, wo und an welcher Stelle das Thema KI besser ausgelagert werden kann bzw. von einem KI-Experten übernommen werden sollte. Das gilt aktuell vor allem für die Implementierung von individuellen KI-Automationen oder dem besonders spannenden Thema KI-Sichtbarkeit.

Gerade beim Thema KI-Automationen erwecken Werbeversprechen manchmal den Anschein, als wäre die Umsetzung im Handumdrehen erledigt und kinderleicht. In Wahrheit sieht es doch eher anders aus: Prozessanalyse, Datenqualität, Schnittstellen (APIs) und die DSGVO erfordern oft mehr technisches Verständnis als gedacht. Hier ist Entscheidungskompetenz gefragt: Wann investiere ich meine eigene Zeit („selbst machen“) und wann ist es wirtschaftlich sinnvoller, das Thema KI-Implementierung auszulagern?

Den Kunden nicht aus dem Auge verlieren

Bei dem ganzen Trubel rund um KI und neue KI-Tools, die den Arbeitsalltag des Maklers erleichtern sollen, wird an der einen oder anderen Stelle etwas sehr Wichtiges vergessen: Nämlich die Tatsache, dass die Kunden mehr und mehr Dialoge mit ChatGPT und Co. führen. Kunden nutzen KI, bevor sie einen Makler kontaktieren. Sie führen menschenähnliche Gespräche zum Thema Versicherungen. Makler müssen in der Lage sein, diese Vorinformationen einzuordnen und falsche Annahmen zu korrigieren. Der Makler muss erkennen können, wo sich der Kunde im Informations- und Beratungsprozess befindet, wenn er den Kontakt aufnimmt. Die Rolle des Maklers in der Beratung wandelt sich.

Die Sprache der KI sprechen

Prompting, also die Fähigkeit, KI klare und zielführende Anweisungen zu geben, entwickelt sich mehr und mehr zu einer neuen Basiskompetenz in der Unternehmerwelt. Wer ChatGPT wie eine Google-Suche nutzt, hat das Potenzial von KI noch nicht erkannt. Prompting wird fester Bestandteil des beruflichen Alltags des Maklers.

Gute Prompts entscheiden über die Qualität der Ergebnisse. Wer präzise formulieren kann, spart Zeit, erhält bessere Antworten und vermeidet Missverständnisse. Das Schreiben von Anweisungen wird damit zu einer täglichen Kernkompetenz, ähnlich wie früher das strukturierte Formulieren von E-Mails oder Angeboten. Makler, die diese Fähigkeit beherrschen, haben einen direkten Vorteil im Wettbewerb, weil sie KI als echten Assistenten nutzen können und nicht nur als bloße Spielerei.

Rechtliche Kompetenz wird unverzichtbar

KI bringt auch rechtliche Herausforderungen mit sich. Datenschutz, Urheberrecht, Modellfehler, Halluzinationen und der EU AI Act verlangen ein Grundverständnis der Risiken. Makler müssen einschätzen können, welche Anwendungen sicher einsetzbar sind und wo Vorsicht geboten ist. Dazu gehört auch das Bewusstsein, dass KI Fehler machen kann und die Verantwortung immer beim Menschen liegt. Ein solides rechtliches Basiswissen schützt sowohl den Makler als auch die Kundenbeziehung.

Agilität, radikale Neugier und kontinuierliches Lernen

Wer bereit ist zu lernen und KI als Chance begreift, kann auch in einer zunehmend von KI unterstützten Welt erfolgreich bleiben. Makler benötigen Offenheit gegenüber Künstlicher Intelligenz. Agilität wird zu einem wesentlichen Erfolgsfaktor. KI ersetzt Makler nicht. Sie verändert die Rolle und erweitert die unternehmerischen Potenziale. Wer früh beginnt und das Thema Künstliche Intelligenz mit „radikaler Neugier“ herangeht, wird souverän auf der großen KI-Welle mitsurfen können.

KI-Starterpaket als Einstieg

Die bbg Betriebsberatungs GmbH bietet einen praxisnahen KI-Selbstlernkurs an, mit dem insbesondere Makler, die sich bisher noch kaum mit dem Thema künstliche Intelligenz beschäftigt haben, ideal starten können. Die Inhalte sind verständlich erklärt und flexibel nutzbar. Der Kurs vermittelt grundlegendes Wissen, zeigt konkrete Anwendungsbeispiele und erleichtert den ersten sicheren Einstieg in die Arbeit mit KI im Vertriebsalltag. Mehr Infos unter: ki-starterpaket.asscompact.de

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KI: Nur wenige Versicherungsmakler kennen die neuen Regeln

Künstliche Intelligenz durchdringt zunehmend den Makleralltag. Viele Tools sind längst im Einsatz. Doch nur 11% der Versicherungsmakler wissen, welche Anforderungen damit verbunden sind, seit die KI-Verordnung neue Regeln aufstellt. Der Rest wünscht sich mehr Unterstützung.

„Wissen Sie, welche KI-Tools in Ihrem Betrieb im Einsatz sind?“ Diese Frage könnte manchen Versicherungsmakler bereits in Bedrängnis bringen. Würde man dann noch nachhaken – etwa für welchen konkreten Zweck die Tools genutzt werden, wie sie in den Arbeitsprozess eingebunden sind oder welcher Mitarbeiter welche Anwendung verwendet – wäre die Antwort wohl häufig lückenhaft.

Mittlerweile sehen 64% der Versicherungsmakler KI grundsätzlich positiv, und 50% stufen den Einsatz von KI im eigenen Unternehmen als wichtig ein, so die aktuellen AssCompact TRENDS. Es ist nur eine Vermutung, aber die Werte dürften weiter steigen, sobald die konkreten Nutzenpotenziale von KI im Arbeitsalltag weiter sichtbar werden. Viele Tools enthalten KI-Funktionen heute ohnehin standardmäßig.

KI-Verordnung noch nicht in der Maklerschaft angekommen

Mit der wachsenden Normalisierung von KI im Arbeitsalltag rücken jedoch auch rechtliche und organisatorische Fragen stärker in den Fokus. Und hier tritt über den EU AI Act die europäische KI-Verordnung (KI-VO) auf den Plan. Sie schreibt vor, dass der Einsatz von KI-Anwendungen in Unternehmen bestimmten Regeln folgen muss. Das reicht von Transparenzanforderungen über Risikomanagement bis hin zu Dokumentationspflichten. Zudem klassifiziert die Verordnung KI-Systeme nach vier Risikostufen: inakzeptabel, hoch, begrenzt und niedrig.

Doch die bereits erwähnte AssCompact TRENDS Studie zeigt: Viele Versicherungsmakler sind darauf noch nicht ausreichend vorbereitet. Zwar gibt es beispielsweise schon seit geraumer Zeit Leitfäden von Verbänden, etwa des AfW-Verbandes, und auch Versicherer und Maklerpools stellen Informationen bereit, trotzdem geben nur knapp 11% der Makler in der Studie an, dass sie die Inhalte der Verordnung recht gut kennen. Rund 41% haben noch gar nichts von der neuen Verordnung gehört, während knapp die Hälfte die Verordnung zwar kennt, die genauen Inhalte aber kaum. Klar: So kann es auch nicht gelingen, die geforderten Regelungen zu erfüllen. Und so besteht auch weiterhin weitgehend große Unsicherheit darin, ob die Verordnung überhaupt für den eigenen Maklervertrieb relevant ist.

Praxisbezug bei Maklern: Software, Schulungen, Leitfäden gefragt

Sie ist es auch deshalb, weil die Verordnung keine Unterscheidung nach Unternehmensgröße macht. Dennoch schrecken laut Studie noch 37% der Versicherungsmakler davor zurück, sich intensiver mit den Inhalten der Verordnung auseinanderzusetzen. Rund 61% hoffen stattdessen auf eine praxisnahe Aufbereitung, wobei offenbleibt, was genau damit gemeint ist.

Häufig genannt werden der Wunsch nach konkreten Praxisleitfäden, Checklisten und Mustertexten. Am größten ist der Wunsch jedoch nach rechtssicheren Softwarelösungen sowie nach Webinaren und Schulungen. Entsprechende Angebote existieren zum Teil bereits, beispielsweise in Form von Schulungen bei der DMA (Deutsche Makler Akademie). Aber selbst wenn beispielsweise rechtssichere KI-Softwarelösungen über Maklerpools eingesetzt werden, ist es sinnvoll, sich darüber klar zu werden, wo und wie diese Anwendungen konkret genutzt werden.

KI-Risiken erkennen und Kompetenzen im Betrieb aufbauen

Zuallererst sollten sich Versicherungsmakler darüber im Klaren sein, welche KI-Risiken im eigenen Betrieb eine Rolle spielen können. Während die Einrichtung eines einfachen Chatbots in der Regel als geringes Risiko einzustufen ist, hätte etwa eine Kreditwürdigkeitsprüfung auf Basis von ChatGPT eine ganz andere Qualität. Darauf weist auch der AfW in seinem Leitfaden hin.

Der erste Schritt ist eine klare Bestandsaufnahme: Welche KI-Anwendungen laufen im Betrieb, und erfüllen sie die Vorgaben der KI-VO? Auch die DSGVO-Konformität darf nicht vernachlässigt werden. Entscheidend bleibt außerdem die Transparenz: Kunden sollten erkennen können, wenn KI zum Einsatz kommt. Entscheidend wird letztlich sein, dass Versicherungsmakler im eigenen Betrieb entsprechende Kompetenzen aufbauen und dieses Wissen kontinuierlich an die rasanten Entwicklungen im KI-Bereich anpassen. (bh)

Über die Studie

Die Online-Befragung zur Studie „AssCompact TRENDS IV/2025“ wurde vom 29.09.2025 bis 12.10.2025 durchgeführt. Nach einer Qualitätsprüfung flossen die Stimmen von 311 Vermittlerinnen und Vermittlern aus der Finanz- und Versicherungsbranche in die Stichprobe ein, die ein sehr gutes Abbild der Assekuranz- und Finanzvermittlerinnen und -vermittler hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsstruktur darstellt. Die Studie kann bei AssCompact erworben werden.

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KI-Einsatz im Maklerhaus: Nachgefragt bei SÜDVERS

Auch in Maklerhäusern kommt zunehmend KI zum Einsatz. Dabei gilt es zugleich, die KI-Kompetenz der Mitarbeiter im Blick zu behalten. Auf welche Strategien SÜDVERS rund um den KI-Einsatz setzt, erklären Florian Karle, geschäftsführender Gesellschafter der SÜDVERS, und Alexander Meitinger, Head of IT.

Herr Karle, welchen Stellenwert hat KI bei SÜDVERS?

Florian Karle Bei uns gehört KI ganz klar zur strategischen Agenda – und zwar mit hoher Priorität. Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels müssen wir auf unserem Wachstumskurs massiv auf Automatisierung setzen.

Wie stellen Sie KI-Kompetenz im eigenen Betrieb sicher?

Florian Karle 2025 haben wir damit begonnen, eine KI-Umsetzungsstrategie zu erarbeiten, deren technisches Roll-out in diesem Jahr geplant ist. Ein wichtiger Punkt: Die KI-Kompetenz unserer Mitarbeitenden. Dafür wird es entsprechend der Empfehlung des Bundesverbands Deutscher Versicherungsmakler (BDVM) schon bald Mitarbeiterschulungen geben. Dabei ist uns nicht nur wichtig, dass unsere Mitarbeitenden KI „können“ und im Alltag nutzen, sondern, dass sie auch sicher und compliance-gerecht mit KI umgehen. Denn obgleich KI enormes Potenzial bietet, birgt sie bei falschem Umgang auch viele Risiken. Risiken, denen wir mit KI-kompetenten Mitarbeitenden nachhaltig vorbeugen.

Zu Ihren Kunden zählen auch weltweit agierende KI-Firmen. Inwiefern erhalten Sie hieraus Impulse für neue Technologien im eigenen Unternehmen?

Florian Karle Der Austausch mit den KI-Firmen ist in den Anfängen. Wir beraten vor allem noch deren Interessen für den deutschen Markt. Aktuell nimmt unsere Geschäftsführung an einer Workshop-Reihe zu KI-Lösungen teil, die von einem Unternehmen aus unserem Netzwerk angeboten wird.

Herr Meitinger, wie erfolgt der Umgang mit dem AI Act bei Ihnen im Unternehmen?

Alexander Meitinger Um unseren strategischen Zielen nachkommen zu können, bilden wir uns hier immer weiter und lassen uns von KI-Spezialisten beraten. Bei allem, was wir tun, haben wir auch den AI Act im Blick und stellen sicher, dass wir immer rechtskonform handeln.

Arbeiten Sie auch an eigenen KI-Lösungen?

Alexander Meitinger Grundsätzlich setzen wir auf kommerzielle Tools, die uns mit KI im Arbeitsalltag unterstützen. Wenn es für bestimmte Bedürfnisse kein passendes Tool am Markt gibt, entwickeln wir durchaus auch mal selbst eine adäquate Lösung – so zum Beispiel im letzten Jahr ein KI-Tool zur autonomen Protokollierung. Dies ist aber nicht die Regel.

In welchen Bereichen profitieren Sie bislang denn vor allem von KI?

Alexander Meitinger In unserem Arbeitsalltag etabliert hat sich beispielsweise KI, um unser Kundenportal mit aktuellen und transparenten Daten zu füllen. Hier werden verschiedene Dokumente automatisch ausgelesen, sodass wir unseren Kunden analoge Daten in Echtzeit zur Verfügung stellen können. Das bietet ihnen einen ungemeinen Mehrwert.

Und wo setzen Sie perspektivisch in Sachen KI Schwerpunkte?

Alexander Meitinger Im Rahmen unserer KI-Strategie fahren wir tatsächlich bewusst ein bisschen zweigleisig. Einerseits lassen wir verschiedene kleinere Pilotprojekte parallel anlaufen, um deren Tauglichkeit zu testen. Gleichzeitig sammeln wir aber mit Blick auf die größeren Themen derzeit proaktiv Anwendungsfälle aus dem Business heraus, um dann zu priorisieren. Hier gehen wir sehr überlegt und strategisch vor: Höchste Priorität haben Business-Cases, die wir mittels KI mit einem echten Mehrwert besetzen können.

Wo sehen Sie perspektivisch die größten Potenziale von KI?

Florian Karle KI steht aus meiner Sicht noch ganz am Anfang – sowohl im Alltag als auch im Business. Ich bin aber davon überzeugt, dass KI das Leben deutlich vereinfachen wird, wenn man sich für die Technologie interessiert und öffnet. Wo wir vor 20 Jahren noch mit dem Atlas auf dem Schoß nach Adressen und Wegen gesucht haben, geben wir heute einfache Befehle an das Navigationssystem. So ähnlich wird es sich mit der KI auch weiterentwickeln.

Am Ende des Tages ist es aber immer der Mensch, der darüber entscheidet, wie erfolgreich die KI uns macht. Soll heißen: KI wird den Menschen nicht ersetzen, sie ist vielmehr auf den KI-kompetenten Menschen angewiesen.

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Digital Insurance Podcast: Social Engineering im Cybersecurity-Kampf

In der neuen Episode des Digital Insurance Podcast spricht Jonas Piela mit Wolfgang Müller, Bereichsleiter bei der IDEAL Versicherung. Es geht um die Bedeutung von Awareness-Schulungen und effektivem Risikomanagement.

In der neuesten Folge des „Digital Insurance Podcast“ diskutiert Gastgeber Jonas Piela mit Wolfgang Müller, Bereichsleiter bei der IDEAL Versicherung, über die wachsende Bedrohung durch Cyberkriminalität und die Herausforderung, eine Balance zwischen Sicherheit und Produktivität zu finden. Müller betont, dass sich die Natur von Angriffen dramatisch verändert hat: Anstelle physischer Überfälle dominieren heute digitale Attacken, die gezielt den Menschen ins Visier nehmen.

Mensch bleibt größte Schwachstelle

Während technische Abwehrmechanismen wie Firewalls und SIEM-Systeme immer fortschrittlicher werden, bleibt der Mensch die größte Schwachstelle. Kriminelle nutzen Social Engineering, um menschliche Eigenschaften wie Angst, Neugier oder Zeitdruck auszunutzen. Durch geschickt gefälschte E-Mails, die scheinbar von vertrauenswürdigen Quellen stammen, werden Mitarbeiter dazu verleitet, schädliche Links anzuklicken oder Anhänge zu öffnen. Dies ermöglicht Angreifern, Schadsoftware zu installieren und in Unternehmensnetzwerke einzudringen. Besonders perfide Methoden wie der „CEO-Betrug“, bei dem sich Angreifer als Vorgesetzte ausgeben, um schnelle Geldtransfers zu veranlassen, stellen eine ernste Gefahr dar. Gerade für die Versicherungsbranche, deren Geschäftsmodell auf Vertrauen basiert, ist diese Art der Manipulation hochriskant.

IDEAL setzt auf mehrschichtige Strategie

Um dieser Bedrohung zu begegnen, verfolgt die IDEAL Versicherung eine mehrschichtige Strategie. Im Zentrum steht die kontinuierliche Sensibilisierung der Mitarbeiter durch regelmäßige Schulungen und Awareness-Kampagnen. Mit simulierten Phishing-Angriffen, etwa in Form von fingierten Gewinnspielen, wird die Aufmerksamkeit der Belegschaft geschärft. Ein etabliertes Meldesystem ermöglicht es jedem, verdächtige E-Mails schnell und unkompliziert zu melden, was zur Früherkennung von Angriffen beiträgt.

Technisch setzt das Unternehmen auf die intelligente Überwachung des Datenverkehrs, um anomale Aktivitäten wie unerwartet große Datenuploads zu erkennen, die auf einen Datenabfluss hindeuten könnten. Kritische Prozesse, wie hohe Überweisungen, sind durch ein Vier-Augen-Prinzip abgesichert. Müller unterstreicht zudem die Bedeutung externer Partnerschaften. Spezialisierte Dienstleister und forensische Experten sind entscheidend, um im Ernstfall, beispielsweise bei einem Ransomware-Angriff, schnell und professionell reagieren zu können.

Spagat zwischen maximaler Sicherheit und betrieblicher Effizienz

Die größte Herausforderung bleibt der Spagat zwischen maximaler Sicherheit und betrieblicher Effizienz. Zu restriktive Maßnahmen können die Produktivität hemmen. Daher ist ein ausgewogenes System entscheidend, das technische Sicherungen mit der menschlichen Wachsamkeit kombiniert.

Abschließend wirft Müller einen Blick in die Zukunft und warnt vor neuen Gefahren durch künstliche Intelligenz. KI-gestützte Angriffe, wie hochpersonalisierte E-Mails oder täuschend echte Deepfake-Anrufe von Vorgesetzten, werden die Bedrohungslage weiter verschärfen. Dies erfordert eine ständige Anpassung der Abwehrstrategien und eine noch intensivere Schulung der Mitarbeiter, um für die Cyberbedrohungen von morgen gewappnet zu sein.

Hier geht es zur aktuellen Folge:
Über den Podcast

Seit April 2020 veröffentlicht Jonas Piela regelmäßig Gespräche zur digitalen Transformation mit Vorständen und Managern der Versicherungswirtschaft. Sein Ziel ist, dass seine Zuhörer einem lockeren Gespräch unter Gleichgesinnten lauschen und so Ideen und Anregungen für die eigene Arbeit mitnehmen. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Baloise: Neuer Tarifrechner für Antragsprozesse Leben

Mit „base“ bietet Baloise Vertriebspartnern einen neuen Tarifrechner für Berechnungs-, Beratungs- und Antragsprozesse im Leben-Geschäft. Damit will der Versicherer seine Vertriebspartner bei der Erstellung digitaler und plausibilisierter Leben-Anträge unterstützen.

Der Versicherer Baloise treibt die Digitalisierung seiner Prozesse in der Lebensversicherung voran und stellt mit „base“ seinen Vertriebspartnern eine neue, zentrale Plattform bereit. Unter base-baloise.de bündelt Baloise Berechnungs-, Beratungs- und Antragsprozesse für das Leben-Geschäft. Vertriebspartner sollen somit bei der Erstellung vollständig digitaler und plausibilisierter Anträge im Bereich Leben unterstützt werden. Wie das Unternehmen weiter mitteilt, setze base auf eine benutzerfreundliche Oberfläche und ist ausgelegt für die Nutzung auf unterschiedlichen Endgeräten. Durch ein Responsive Design und den Einsatz eines Single-Page-Application-Ansatzes (SPA) würden Anwender von kurzen Ladezeiten, einer flüssigen Navigation und einer deutlich verbesserten Usability profitieren. Die Berechnungen lassen sich laut Baloise „in ansprechender Optik“ auch auf einem Tablet und Smartphone durchführen.

„Bei der Entwicklung von base haben wir insbesondere viele Impulse unserer Vertriebspartnerinnen und Vertriebspartner umgesetzt“, erklärt Sascha Bassir, Vorstand Baloise Vertriebsservice AG. „Damit schaffen wir die Grundlage für eine einfache, schnelle und qualitativ hochwertige digitale Leben-Beratung.“ (tik)

Weitere Meldungen rund um neue Services und Tools lesen Sie in der Rubrik „Software“.
 

vers.diagnose setzt bei Dokumentenanalyse auf KI

Bei der digitalen Risikoprüfung bietet vers.diagnose nun eine KI-gestützte Dokumentenanalyse. Makler und Versicherer können somit unstrukturierte Informationen wie PDF-Dokumente, Scans oder Freitexte analysieren lassen. Hierbei kooperiert vers.diagnose mit den Versicherungsforen Leipzig und Senacor.

Die Plattform vers.diagnose baut ihr Angebot in der digitalen Risikoprüfung biometrischer Produkte aus und führt eine KI-gestützte Dokumentenanalyse ein. Künftig haben Makler und Versicherer die Möglichkeit, unstrukturierte Informationen wie beispielsweise PDF-Dokumente, Scans oder Freitexte automatisch analysieren und vorstrukturieren zu lassen. Versicherer könnten so unterschiedlichste Ausprägungen von Risikovoranfragen effizienter bearbeiten, wie es von Unternehmensseite hierzu heißt. Makler würden bei der Aufbereitung komplexer Anträge deutlich entlastet – bei gleichzeitig hoher Rechts- und Prozesssicherheit.

Kooperation mit Versicherungsforen Leipzig und Senacor

Die Weiterentwicklung basiert auf einem gemeinsamen Vorprojekt mit den Versicherungsforen Leipzig und dem IT-Dienstleister Senacor Technologies AG. Senacor fungiert dabei als Technologie- und Beratungspartner – insbesondere im Bereich KI. Zudem schließen vers.diagnose und die Versicherungsforen Leipzig eine strategische Partnerschaft, um die Digitalisierung im deutschen Versicherungsmarkt weiter voranzutreiben.

„Mit der Erweiterung von vers.diagnose um KI-gestützte Dokumentenanalyse können wir aktuellen und zukünftigen Anforderungen noch besser begegnen. Heute geht es um Hausarztberichte in PDF- oder Bildformaten, morgen um Daten aus der elektronischen Patientenakte oder anderen medizinischen Datenquellen. Diese effizient abzubilden, ist ein zentraler Bestandteil von vers.diagnose“, erklärt Fabian Van Lancker, Geschäftsführer von vers.diagnose.

„In unserem bisherigen Projekt lag der Fokus auf einer Lösung für Versicherer. In vielen Gesprächen wurde jedoch schnell deutlich, dass die Verbindung zur Vertriebsseite entscheidend ist, um das grundlegende Problem ineffizienter Voranfragen wirklich zu lösen“, erläutert Justus Lücke, Geschäftsführer Versicherungsforen Leipzig. (tik)

Weitere Meldungen rund um neue Services und Tools lesen Sie in der Rubrik „Software“.
 

Digital Insurance Podcast: Lebensversicherung im digitalen Wandel

Die neue Episode des Digital Insurance Podcast von Jonas Piela widmet sich der Zukunft digitaler Versicherungsdienstleistungen zwischen nativen Apps und Webanwendungen. Beleuchtet wird auch das Dilemma der digital vernachlässigten Lebensversicherung.

In der neuesten Folge des „Digital Insurance Podcast“ spricht Moderator Jonas Piela mit Percy Wippler, Bereichsleiter IT bei der IDEAL Versicherung. Das zentrale Thema: die Zukunft digitaler Versicherungsdienstleistungen. Wippler vertritt dabei eine interessante These: Die Zukunft liegt nicht in nativen Apps, die auf einem Smartphone installiert werden müssen, sondern in modernen Web-Anwendungen. Er argumentiert, dass native Apps für Versicherer oft „keinen Mehrwert“ bieten und Web-Apps die eigentliche Zukunft darstellen.

Das Dilemma der digital vernachlässigten Lebensversicherung

Wippler beleuchtet im Gespräch, warum gerade die Lebensversicherung oft als digital vernachlässigtes Feld gilt. Das Kernproblem sei die extrem niedrige Interaktionsfrequenz. Während bei einer Kfz-Versicherung häufiger Schäden gemeldet werden oder sich Tarife ändern, tritt das versicherte Ereignis in der Lebensversicherung meist nur ein einziges Mal ein. Abgesehen von seltenen Anlässen wie einem Umzug, einer Änderung der Bankverbindung oder einer Kündigungsanfrage gäbe es für den Kunden kaum einen Grund, sich regelmäßig mit seinem Vertrag zu beschäftigen. Eine dedizierte native App für diesen Zweck zu installieren, sei für die meisten Kunden daher nicht attraktiv.

Web-Apps als flexible und kosteneffiziente Alternative

Der IT-Leiter der IDEAL kritisiert den Aufwand für native Apps. Diese müssten teuer für verschiedene Betriebssysteme entwickelt, in App-Stores geladen und ständig aktualisiert werden. Am Ende, so Wippler, benötigten sie ohnehin eine Internetverbindung, um aktuelle Daten anzuzeigen. Die Lösung sieht er in modernen Web-Anwendungen, oft auch als Progressive Web Apps bezeichnet. Diese bieten laut Wippler heute „unglaublich coole“ Möglichkeiten und können fast alles, was native Apps auch können, wie etwa die Nutzung von Face-ID zur Anmeldung oder den Zugriff auf die Kamera für Dokumenten-Uploads. Der entscheidende Vorteil: Sie erfordern keine Installation und sind über einen einfachen Link erreichbar.

Strategiewechsel: Vom starren Portal zum dynamischen Service

Wippler geht im Podcast noch einen Schritt weiter und stellt auch den Nutzen von starren Kundenportalen infrage, für die sich Nutzer erst aufwendig registrieren müssen. Oftmals, so seine Kritik, müsse der Kunde einen langwierigen Prozess durchlaufen, inklusive Warten auf einen Registrierungsbrief, nur um dann festzustellen, dass die gewünschte Funktion im Portal gar nicht existiert. Die IDEAL verfolge daher einen anderen Ansatz: Einzelne Services, wie eine Adressänderung, werden direkt auf der Webseite angeboten und erfordern nur eine einfache Verifizierung statt eines vollen Logins. Nur wenn sensible Daten, wie der aktuelle Rückkaufswert, abgefragt werden, wird der Kunde dynamisch zu einer vollwertigen Registrierung aufgefordert.

Über den Podcast

Der „Digital Insurance Podcast“ wird von Jonas Piela, Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants, moderiert und beleuchtet die Herausforderungen der digitalen Transformation in der Versicherungsbranche. Die aktuelle Folge ist auf allen gängigen Podcast-Plattformen verfügbar sowie unter https://pielaco.com/podcast.

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