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Vom Co-Piloten zum Autopiloten: Wenn KI Arbeit übernimmt

KI wird im Maklerbetrieb bisher vor allem als Werkzeug verstanden, das Mitarbeiter schneller macht. Doch KI-Systeme können zunehmend selbstständig Arbeitsschritte ausführen. Für Makler verändert perspektivisch, wie Arbeit verteilt wird, und beginnt, die Verbindung zwischen Wachstum und Personalbedarf aufzulösen.

Ein Artikel von Daniel Dierkes, Gründer und Geschäftsführer von SureIn und Entwickler der KI-Plattform „Modus“

Die erste Generation generativer KI ist inzwischen im Arbeitsalltag vieler Makler angekommen. E-Mails lassen sich schneller formulieren, Dokumente auslesen, Gespräche zusammenfassen und Informationen innerhalb weniger Sekunden finden. Viele Aufgaben, für die Mitarbeiter bisher Zeit aufwenden mussten, können dadurch schneller erledigt werden. Das schafft spürbare Produktivitätsgewinne, verändert die grundsätzliche Arbeitsweise eines Makler­betriebs aber zunächst wenig. Der Mitarbeiter führt den Prozess weiterhin selbst aus. Der eigentliche Umbruch beginnt dort, wo KI nicht mehr nur Aufgaben vorbereitet, sondern die daraus entstehenden Arbeitsschritte selbst ausführt.

Von einzelnen Arbeitsschritten zum Autopiloten

Die Arbeit eines Maklers besteht selten aus einer einzelnen Aufgabe. Auf eine eingehende Kundenanfrage folgen meist zahlreiche Arbeitsschritte. Informationen müssen verstanden und eingeordnet, bestehende Kunden- und Vertragsdaten berücksichtigt, fehlende Angaben eingeholt, Dokumente geprüft, Angebote angefragt, nächste Schritte eingeleitet und der Vorgang dokumentiert werden. Ein KI-Co-Pilot kann einzelne Teile davon übernehmen. Er fasst eine E-Mail zusammen, extrahiert Informationen aus einem Dokument oder bereitet eine Antwort vor.

KI-Agenten gehen einen Schritt weiter. Sie erlernen individuelle Prozesse und Arbeitsweisen, können einen Vorgang verstehen, vorhandene Informationen einbeziehen, die nächsten notwendigen Schritte ableiten und diese zunehmend selbst ausführen – und mit jedem Fall und Datenpunkt werden sie besser. Autopilot bedeutet dabei nicht, dass ein Maklerbetrieb von heute auf morgen vollständig autonom arbeitet. Gerade in einer regulierten Branche wäre das weder realistisch noch sinnvoll.

Der Übergang findet schrittweise statt. Zunächst unterstützt die KI bei einzelnen Tätigkeiten, dann bereitet sie vollständige Vorgänge vor und schließlich führt sie Aktionen selbst aus. Mit wachsender Zuverlässigkeit verschiebt sich diese Grenze weiter. Der Mensch wird zunehmend dann eingebunden, wenn ein Fall vom Standard abweicht, eine fachliche Entscheidung erforderlich ist oder persönliche Beratung den Unterschied macht. Wie weit dieser Automatisierungsgrad gehen kann, unterscheidet sich je nach Prozess. Eine einfache Vertragsänderung lässt sich schneller automatisieren als eine komplexe Industrieausschreibung oder eine schwierige Schadenverhandlung. Für die wirtschaftliche Wirkung ist aber keine vollständige Autonomie notwendig. Entscheidend ist, wie viel eines Vorgangs Software zuverlässig übernehmen kann, bevor menschliche Expertise tatsächlich benötigt wird.

Ohne Kontext keine agentische Automation

Mehr Autonomie stellt deutlich höhere Anforderungen an Software. Eine KI kann eine professionelle E-Mail formulieren, ohne viel über den Maklerbetrieb zu wissen. Um einen Vorgang selbstständig zu bearbeiten, muss sie dagegen verstehen, um welchen Kunden es geht, welche Verträge bestehen, welche Risiken bekannt sind, was bereits kommuniziert wurde und welche Dokumente vorliegen. Sie muss außerdem wissen, wie der jeweilige Makler arbeitet, welche Informationen für einen bestimmten Prozess notwendig sind, welche Systeme und Partner einbezogen werden müssen und an welchen Stellen ein Mitarbeiter entscheiden oder freigeben soll.

Je mehr Arbeit Software übernimmt, desto wichtiger wird deshalb der Kontext, auf dessen Grundlage sie handelt. Genau hier liegt eine der zentralen Herausforderungen für die nächste Generation von Maklersoftware. Informationen aus Maklerverwaltungsprogrammen, CRM-Systemen, E-Mails, WhatsApp, Dokumenten, Vergleichsrechnern und weiteren Anwendungen müssen nicht nur verfügbar sein. Sie müssen im jeweiligen Vorgang zusammengeführt und für die nächsten Schritte nutzbar gemacht werden. Erst auf dieser Grundlage kann aus einer KI, die Informationen generiert, ein System werden, das zuverlässig handelt.

Ein Alltag, wenn der Autopilot übernimmt

Wie sich das konkret anfühlen kann, zeigt das Beispiel einer Gewerbeausschreibung. Heute beginnt ein solcher Vorgang häufig damit, Informationen aus E-Mails, Dokumenten, bestehenden Kundendaten und Gesprächen zusammenzutragen. Anschließend werden Fragebögen verschickt, fehlende Angaben nachgefordert, Daten in verschiedene Systeme übertragen, Rechner oder Versicherer angefragt und Angebote manuell gegenübergestellt. Ein Autopilot verändert diesen Ablauf grundlegend.

Eine neue Anfrage geht ein. Das System erkennt automatisch den Kunden und das zu versichernde Risiko. Es berücksichtigt bereits vorhandene Informationen und identifiziert, welche Angaben für die konkrete Ausschreibung noch fehlen. Statt dem Kunden einen umfangreichen Standardfragebogen mit zahlreichen möglicherweise irrelevanten Fragen zu schicken, stellt das System gezielt nur die Fragen, die für dieses individuelle Risiko tatsächlich noch beantwortet werden müssen. Antworten und Dokumente werden automatisch dem Vorgang zugeordnet und die Risikodaten laufend vervollständigt.

Sobald ausreichend Informationen vorliegen, kann der Autopilot passende Vergleichsrechner, Self-Service-Strecken oder andere digitale Zugangswege zu Versicherern ansteuern, die notwendigen Daten übergeben und Preise sowie Konditionen einholen. Die Ergebnisse werden strukturiert zusammengeführt und vergleichbar gemacht.

Der Sachbearbeiter startet damit nicht mehr bei null. Er erhält einen vorbereiteten Vorgang mit strukturiertem Risiko, vollständigen Informationen, eingeholten Angeboten und einer aufbereiteten Entscheidungsgrundlage. Seine Aufgabe besteht nicht darin, Informationen zusammenzusuchen und von System zu System zu übertragen. Er prüft die Ergebnisse, bewertet die relevanten Unterschiede und entscheidet dort, wo seine fachliche Erfahrung gefragt ist.

Damit verändert sich auch die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Software. Der Mitarbeiter arbeitet zunehmend datengetrieben. Statt selbst jeden einzelnen Prozessschritt auszuführen, bekommt er Entscheidungen vorbereitet, kann die Ergebnisse und relevanten Kennzahlen prüfen und die Automatisierung dort freigeben oder korrigieren, wo es notwendig ist. KI ersetzt damit nicht die Expertise des Mitarbeiters. Im besten Fall verstärkt sie sie. Sie liefert Vorschläge, macht Zusammenhänge sichtbar und schafft die Kapazität, sich intensiver mit komplexen Risiken und Kunden auseinanderzusetzen.

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Wenn Maklerpools auf KI treffen: Konkurrenz oder Chance?

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Ein Artikel von
Daniel Dierkes

Snoopr: KI „AVA“ zeigt Maklern, was sie gerade tut

Wie behalten Makler die Kontrolle, wenn eine autonome KI zunehmend ihre Arbeit übernimmt? Snoopr setzt mit ihrer KI „AVA“ auf eine neuartige Benutzeroberfläche, die sichtbar macht, was die KI gerade tut oder bereits erledigt hat. Makler können so die Schritte nachvollziehen.

Klassische Benutzeroberflächen führen Menschen durch Masken, Funktionen und vorgegebene Prozesse einer Software. Snoopr setzt bei ihrer autonome Versicherungs-KI AVA auf eine andere Vorgehensweise: Der Makler beschreibt, welche Arbeit erledigt werden soll und welche Leitplanken gelten. AVA entscheidet selbst, welche Informationen und Systeme sie dafür benötigt und wie sie den Auftrag bearbeitet. „Der Makler bestimmt das Ziel. AVA organisiert die Arbeit“, heißt es hierzu von Snoopr.

Fokus auf Transparenz

Damit Makler nachvollziehen können, wie die KI arbeitet, setzt Snoopr auf das folgende Prinzip: Bei AVA folgt die Oberfläche der Arbeit der KI: Mit einem Auftrag entsteht sukzessive die dafür relevante Umgebung. Kunden, Verträge, Nachrichten und Dokumente kommen hinzu, AVA stellt Verbindungen her, dokumentiert Erkenntnisse, sieht Zusammenhänge und verfolgt Auffälligkeiten. „Die Oberfläche ist nicht vorab für einen bestimmten Prozess angelegt. Sie entsteht dynamisch aus dem Auftrag und aus dem, was AVA bei ihrer Arbeit entdeckt“, wie Snoopr erläutert.

„Wenn KI-Agenten nicht mehr nur unterstützen, sondern Arbeit für uns übernehmen, verändert sich auch die Aufgabe der Benutzeroberfläche“, erklärt Markus Heussen, Gründer von Snoopr. „Sie muss uns nicht mehr durch jeden Arbeitsschritt führen. Sie muss uns nachvollziehbar zeigen, was die KI für uns tut, und uns die Möglichkeit geben, einzugreifen. Je autonomer KI arbeitet, desto wichtiger wird diese Transparenz.“

Vom einzelnen Auftrag zum Autopiloten

Makler können AVA einzelne Aufträge geben und ihr bei der Arbeit zusehen und mitwirken. Wiederkehrende Arbeit können sie AVA im Autopiloten dauerhaft übertragen. Der Makler bestimmt, was AVA übernehmen soll, worauf sie besonders achten und wann sie ihn einbeziehen soll. Selbstständig von der KI erledigte Arbeit lässt sich im Nachgang über die neue Oberfläche nachvollziehen.

AVA kümmert sich um die Versicherungspost

Ein erster Einsatzbereich ist die tägliche Versicherungspost. Statt Nachrichten und Dokumente selbst zu sichten und daraus die nächsten Arbeitsschritte abzuleiten, kann der Makler diese Arbeit von AVA übernehmen lassen. Über die b-OX Plattform von b-tix können mehr als 700 unterschiedliche BIPRO-Geschäftsvorfälle von mehreren hundert Risikoträgern eingehen werden. AVA kann diese Post jeden Morgen nach den Wünschen des Maklers selbstständig bearbeiten, Informationen Kunden und Verträgen zuordnen und strukturierte Daten an angeschlossene Maklerverwaltungsprogramme weitergeben. Für ihre Aufträge kann AVA BIPRO-Services, b-OX, angebundene Maklerverwaltungsprogramme, Dokumente, Produktwissen und weitere Versicherungsservices nutzen. AVA für individuelle Makleraufträge befindet sich laut Snoopr derzeit im Pilotbetrieb. (tik)

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Digital Insurance Podcast: KI-Update Oktober

KI verändert die Kernprozesse der Wertschöpfung rasant. Im neuen „Digital Insurance Podcast“ analysieren Thomas Fröhlich und Dr. Josef Adersberger, wie KI-Modelle die Softwareentwicklung transformieren und welche strategischen Entscheidungen Versicherer treffen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

In der aktuellen Folge des Digital Insurance Podcast spricht der KI-Experte Thomas Fröhlich mit Dr. Josef Adersberger, Managing Director und Co-Founder von QAware, darüber, wie sich künstliche Intelligenz und Automatisierung heute wirklich pragmatisch und profitabel im Unternehmensalltag verankern lassen.

Die beeindruckende Zahl des Monats dieser Podcast-Episode lautet 30.401. Dies entspricht der Menge an Codeänderungen, die das KI-Unternehmen Anthropic mittlerweile pro Tag mit eigenen Systemen erzeugt. Im Vergleich zum Juni desselben Jahres stellt dies eine Verzehnfachung dar. Diese exponentielle Produktivitätssteigerung durch sogenannte agentische Softwareentwicklung zeigt einen klaren Trend für die Zukunft. Der eigentliche Programmieraufwand wird drastisch minimiert, wodurch sich der Flaschenhals in der IT-Entwicklung künftig von der reinen Code-Erstellung hin zur Entscheidungsfindung und zum Anforderungsmanagement verschiebt. Zukünftige Arbeitsweisen werden in der Assekuranz zunehmend aus kleinen, agilen Tandems bestehen, in denen Produktmanager und Ingenieure gemeinsam mit KI-Agenten agieren.

Praxisbeispiel zeigt extremes Einsparpotenzial bei Regulatorik

Dass diese technologischen Quantensprünge bereits in der harten Realität der Versicherer angekommen sind, belegt ein im Podcast diskutiertes Projekt eines großen deutschen Versicherers. Ein aus lediglich zwei Personen bestehendes Team konnte mithilfe von sieben KI-Agenten innerhalb von nur zehn Wochen eine produktionsreife und regulatorikkonforme Lösung für das hochkomplexe Solvency-2-Reporting (SFCR) entwickeln. Diese Software bewältigt Vorgaben aus 3.200 Seiten Regulatorik, umfasst über eine halbe Million Zeilen Code und erzielt eine Aufwandsersparnis von 80 Prozent bei der Erstellung der Reports. Ein derartiger Erfolg verdeutlicht, dass mit direkten Vorstandsmandaten, mutigen Hypothesen und dem temporären Verzicht auf langwierige Unternehmensprozesse Innovationssprünge möglich sind, die auf konventionellem Weg schätzungsweise das Zehn- bis Zwanzigfache an Zeit beansprucht hätten.

Digitale Souveränität und die europäische KI-Alternative

Neben der reinen Effizienzsteigerung widmet sich die Episode intensiv der Frage der Datensicherheit und der strategischen Unabhängigkeit. Mit neuen Modellen des europäischen Anbieters Mistral stehen leistungsstarke Alternativen zur Verfügung, die sich ideal für datensensible Automatisierungen von Massenprozessen in der Versicherungswirtschaft eignen und dabei helfen, teure Token-Kosten von US-amerikanischen Modellen zu vermeiden. Dies ist entscheidend für eine zentrale Zukunftsfrage der Branche, nämlich wer künftig das digitale Betriebssystem der Versicherer kontrolliert. Während große Tech-Konzerne, IT-Dienstleister und etablierte Kernsystem-Anbieter versuchen, ihre Plattformen tief in den Unternehmen zu verankern, bietet die künstliche Intelligenz den Versicherern nun die greifbare Chance, eigene, souveräne Systeme aufzubauen und sich aus potenziellen Abhängigkeiten zu befreien.

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Hier geht es zur Folge: KI-Update Oktober
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

Weitere Podcasts
 

iSurance startet KI-gestützten Marktplatz für Maklerbestände

Die iSurance Group, mittelständischer Versicherungsmakler aus Köln, hat maklerverkaufen.de ins Leben gerufen – ein Marktplatz für Maklerbestände mit KI-gestützter Bestandsbewertung. Die Plattform steht ab sofort zur Verfügung.

Nachfolge ist und bleibt ein dominierendes Thema in der Maklerbranche – und auch die künstliche Intelligenz mischt mehr und mehr mit. Von der Kölner iSurance Finanz- und Versicherungsvermittlungs UG gibt es nun einen neutralen Marktplatz für den Verkauf und die Nachfolge von Versicherungsmaklerbeständen: maklerverkaufen.de

Mit MaklerVerkaufen bietet iSurance eine neutrale, KI-gestützte Bestandsbewertung, damit Makler den Wert ihres Bestands einordnen können, so heißt es in einer offiziellen Pressemitteilung. Das Angebot ist ab sofort verfügbar.

Das Problem: Nachfolge ohne verlässliche Orientierung

Der Generationswechsel in der Versicherungsvermittlung gilt als eine der größten strukturellen Herausforderungen der Branche. Ein wachsender Teil der aktiven Maklerinnen und Makler steht in den kommenden Jahren vor der Bestandsübergabe. Rund zwei Drittel der Makler sind 50 Jahre und älter, erläutert iSurance unter Berufung auf das AfW-Vermittlerbarometer von 2024.

Wer einen Bestand verkaufen will, der brauche eine Bewertung, der er vertrauen kann. Für Verkäufer sei oft schwer zu erkennen, ob eine Einschätzung von einem Marktteilnehmer mit eigenem Kaufinteresse stammt.

Orientierung, Vorbereitung, Betreuung

Genau hier setze MaklerVerkaufen an, heißt es. Die Bewertung halte hier nicht ein Pool oder ein Aufkäufer in der Hand, sondern es handle sich um einen neutralen, KI-gestützten Bestandsmarktplatz. Das Prinzip: KI geschult mit eigenem Bewertungsalgorithmus. Drei KI-Modelle verschiedener Anbieter bewerten den Bestand bzw. das Unternehmen anhand des eigens für die Branche entwickelten Bewertungsalgorithmus, gleichen ihre Einschätzungen ab und ermitteln so eine Kaufpreisspanne.

Bewertet werden bis zu zehn Dimensionen – von Finanzkennzahlen und Kundenstruktur über Marke, Übertragbarkeit und Anbindungen bis zur KI-Resilienz als zunehmend wichtigem Faktor für Käufer. Je mehr belastbare Kriterien ein Makler bereitstellt, desto genauer die Einschätzung. Die konkrete Gewichtung bleibt bewusst nicht öffentlich, um Manipulation auszuschließen.

Vertraulichkeit bis zur Einigung

Einen öffentlich einsehbaren Marktplatz gibt es bei MaklerVerkaufen nicht. Einsicht erhalten ausschließlich verifizierte Käufer, nach Unterzeichnung einer Vertraulichkeitsvereinbarung (NDA) und Anerkennung der AGB. Den Namen des Verkäufers sieht ein Käufer erst mit der Einigung im Portal, und nur, wenn er verifiziert ist, das NDA unterzeichnet hat und der Name freigegeben wurde. Der Kontakt läuft über das Portal, die Unterlagen bleiben geschützt.

Verkäufer zahlen 0%, Käufer zahlen bei Einigung eine Erfolgsprovision von 6%. Mitglieder iSurance-Familie (MaklerHaus-Community) zahlen 1% statt 6%. Der Käufer-Zugang ist kostenlos. (mki)

Lesetipp der Redaktion: So grundlegend verändert KI die Versicherungsvermittlung
 

Neue Technologiekompetenz für Versicherungswelt von morgen

Mit der Bestandsübernahme des Neodigital-Portfolios gelang dem Digitalversicherer Adam Riese ein echter Meilenstein. Welche Wachstumsperspektiven zeichnen Julian Grauer und Sven Tippelt, Geschäftsführer von Adam Riese, für die kommenden Jahre im umkämpften Maklermarkt?

Interview mit Julian Grauer und Sven Tippelt, Geschäftsführer der Adam Riese GmbH
Herr Grauer, Adam Riese ist kürzlich mit der Bestandsübernahme des Neodigital-Portfolios auf eine Million Kundinnen und Kunden gewachsen – ein steiler Wachstumspfad. Wie geht es Ihnen mit dem Kundenzuwachs?

Julian Grauer Über den Kundenzuwachs und die Zusammenarbeit mit Neodigital freuen wir uns sehr! Für uns ist diese Entwicklung ein echter Meilenstein: Sie stärkt unsere Position im Markt und unterstreicht unsere Rolle als Wachstumstreiber in der Württembergischen Versicherungsgruppe. Gleichzeitig sehen wir die Bestandsübernahme auch als Herausforderung: Der Wachstumspfad ist für uns damit keineswegs abgeschlossen – im Gegenteil: Wir stehen am Beginn einer neuen Entwicklungsphase, die viele Chancen bietet, aber auch mehr Verantwortung, schneller, besser und serviceorientierter als die Marktteilnehmer zu sein.

Welche Wachstumsperspektiven sehen Sie im umkämpften Markt für Adam Riese in den kommenden fünf Jahren?

JG In den kommenden Jahren möchten wir unsere steigende Markenbekanntheit bei Vertriebspartnern und Endkunden nutzen, um unseren Erfolg weiter auszubauen. Dazu gehört auch, dass wir unsere Produktpalette erweitern.

Gleichzeitig eröffnet uns die Zusammenarbeit mit Neodigital neue technische Möglichkeiten, die wir gezielt einsetzen möchten, um sowohl für Kundinnen und Kunden als auch für Maklerinnen und Makler einen spürbaren Mehrwert zu schaffen.

Herr Tippelt, 2027 feiert Adam Riese sein zehnjähriges Jubiläum. Mit welchem Anspruch wurde das Unternehmen gegründet und welche Meilensteine haben diese Dekade besonders geprägt?

Sven Tippelt Adam Riese wurde 2017 mit dem Anspruch gegründet, Versicherungen einfacher und transparenter zu machen sowie die Digitalisierung des Versicherungsmarktes aktiv mitzugestalten. Für unseren Risikoträger, die Württembergische Versicherung, sind wir damit eine besonders agile Mannschaft.

Meilensteine waren für uns natürlich die erfolgreichen Einführungen unserer Versicherungsprodukte: 2017 sind wir mit der Privathaftpflichtversicherung an den Markt gegangen. Als zweites Produkt haben wir eine Rechtsschutzversicherung entwickelt, über die Jahre sind dann eine Hausrat-, Tierhalterhaftpflicht-, Unfall-, Wohngebäude- und zuletzt 2023 eine E-Bike-Versicherung hinzugekommen.

Außerdem fokussieren wir uns seit 2022 neben dem Direktvertrieb stark auf den Maklermarkt. Die Zusammenarbeit mit Neodigital und der damit verbundene Wachstumsschub stellen sicherlich unseren nächsten großen Meilenstein dar.

Wie hat sich Adam Riese vom Start-up zu einem etablierten Akteur im Versicherungsmarkt entwickelt? Was ist entscheidend für den Erfolg?

ST Wir bei Adam Riese sind davon überzeugt, dass unsere konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen unserer Kundschaft und unserer Vertriebspartnerinnen und -partner das Fundament für die erfolgreiche Etablierung im Markt gebildet hat. Sie erzeugt Verlässlichkeit – in meinen Augen das zentrale Gut in unserer Branche – gegenüber Kundinnen und Kunden sowie gegenüber Partnern.

Konkret heißt das: Die täglichen Prozesse, etwa in der Schadenbearbeitung, bei Bestandsänderungen oder der Policierung, müssen schnell, zuverlässig und präzise funktionieren. Das mag selbstverständlich klingen, doch um im Markt Fuß zu fassen, mussten wir als junges Unternehmen erst einmal beweisen, dass diese Abläufe bei uns funktionieren.

JG In Verbindung mit unserem Markenauftritt und dem stetigen Ausbau unserer Vertriebsaktivitäten konnten wir so unsere Präsenz schrittweise ausbauen – in den vergangenen Jahren zunehmend auch im Maklermarkt. Das Vertrauen, das uns dabei innerhalb des Konzerns entgegengebracht wurde, hat uns außerdem ermöglicht, unsere Prozesse nach eigenen Vorstellungen zu gestalten und neue Themen schnell und agil umzusetzen.

Die Zusammenarbeit mit Neodigital umfasst nicht nur die Übernahme des SHU-Bestands, sondern auch die Nutzung der technologischen Plattform von Neodigital. Welche Rolle spielt diese Plattform künftig für Adam Riese?

ST Die technologische Plattform von Neodigital wird das Fundament für die Abwicklung unseres Geschäfts bilden. Dort werden zukünftig unsere Produkte abgebildet, und auch die Vertrags- und Schadenbearbeitung werden über die Plattform laufen. Darüber hinaus wird sie eine zentrale Rolle für Prozesse spielen, die wir über Schnittstellen unseren Vertriebspartnern zur Verfügung stellen.

Mit der Nutzung der Plattform werden sich außerdem unsere technischen Möglichkeiten erweitern: So können wir zukünftig zusätzliche Funktionen im Kunden- und Maklerportal zur Verfügung stellen und neue Services schneller umsetzen.

Was hat Neodigital zum richtigen Partner für Adam Riese gemacht? Und welche neuen Möglichkeiten entstehen dadurch?

JG In der Zusammenarbeit mit Neodigital bündeln wir komplementäre Stärken: Wir bei Adam Riese bringen unsere Marken- und Vertriebsstärke ein, Neodigital seine technologische Kompetenz. Das macht uns zu idealen strategischen Partnern, zumal die digitale Exzellenz von Neodigital perfekt zu unserem Geschäftsmodell passt. Aus der Partnerschaft entstehen für uns neue Möglichkeiten, unsere Produkte, Prozesse und Services gezielt und zeitsparend für Kundinnen, Kunden und Vertriebspartner weiterzuentwickeln. Damit schaffen wir die Grundlage für weiteres Wachstum.

Welche Entwicklungen ergeben sich zukünftig produktseitig für Adam Riese?

JG Mit der neuen Plattform profitieren wir von einer höheren Geschwindigkeit in der Produktentwicklung, sodass wir uns bereits jetzt Gedanken über weitere Adam-Riese-Produkte machen. Dabei diskutieren wir neue Produktideen sowohl im Kompositbereich als auch in anderen Sparten intensiv.

Welche Vorteile sehen Sie für Vertriebspartner, die mit Adam Riese zusammenarbeiten, und wie wird das Unternehmen diese weiterentwickeln?

ST Der Vorteil in einer Zusammenarbeit mit Adam Riese liegt in unserer prozessualen Stärke, die wir mit leistungsstarken Produkten und schnellen Services verbinden. Unsere digitalen Prozesse werden wir über die neue Plattform weiter ausbauen und automatisieren; neue Funktionen können wir somit auch deutlich schneller für Maklerinnen, Makler und Endkundinnen und -kunden bereitstellen. In unserer Entwicklung als Digitalversicherer ist das ein echter Sprung nach vorn. Dies ermöglicht uns außerdem, uns dort Zeit für individuellen Service zu nehmen, wo persönlicher Kontakt entscheidend ist.

JG Was unsere Produkte angeht, halten wir an einem hohen Qualitätsanspruch fest und wollen die Zeit bis zur Marktreife neuer Tarife spürbar verkürzen. Die technologische Weiterentwicklung bringt zudem auch wirtschaftliche Vorteile mit sich: Trotz eines hohen Deckungsgrades können wir unseren Kundinnen und Kunden weiterhin attraktive Preise anbieten.

Statt am Ziel sehen wir uns also an einem neuen Startpunkt in unserer Entwicklung: Mit einer Kombination aus Vertriebs-Know-how und technologischer Kompetenz setzen wir unseren Weg fort – schneller, einfacher und noch besser auf die Anforderungen von Kundinnen, Kunden und Vertriebspartnern ausgerichtet.

Lesen Sie auch: Adam Riese lanciert neue Wohngebäudeversicherung

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Digital Insurance Podcast: Wege zum neuem Kernsystem

In der neuen Folge des Digital Insurance Podcast begrüßt Moderator Jonas Piela Claus Hunold, den Vorstand Vertrieb und Marketing beim Roßdorfer Versicherer die Haftpflichtkasse. Beide sprechen darüber, warum ein neues Kernsystem weit mehr als nur eine neue Software bedeutet.

In einer neuen Ausgabe des „Digital Insurance Podcast“ ist Claus Hunold, Vorstand Vertrieb und Marketing der Haftpflichtkasse VVaG, zu Gast bei Moderator Jonas Piela. Das Gespräch dreht sich um eine ungewöhnliche Herangehensweise an die Kernsystemmigration. Während der Austausch eines Bestandsführungssystems klassischerweise als reines IT-Projekt gilt, wurde das Vorhaben bei der Haftpflichtkasse konsequent unter die Führung des Vertriebs und des Produktmanagements gestellt. Claus Hunold macht deutlich, dass ein neues System am Ende des Tages kein technologischer Spielplatz, sondern eine reine Business-Maschine sein muss, die die Zukunftsfähigkeit des gesamten Unternehmens sichert. Das bisherige, rund 30 Jahre alte System stieß zunehmend an seine Grenzen und bot nicht mehr die Flexibilität, die für den modernen Maklermarkt notwendig ist.

Standardisierung versus Maklerbedürfnisse

Ein zentraler Aspekt der Transformation ist die konsequente Ausrichtung auf den Standard der neuen Software-Architektur. Hunold betont, dass viele Migrationsprojekte daran scheitern, dass alte, historisch gewachsene Prozesse eins zu eins in das neue System übertragen werden sollen. Die Haftpflichtkasse wählte einen anderen Weg: Um die Komplexität zu reduzieren, wurden von über 100 Alttarifen lediglich eine Handvoll in das neue System überführt. Aus Vertriebssicht erfordert dies eine intensive Kommunikation und Begleitung der Maklerpartner, da Tarife umgestellt und angepasst werden müssen. Für Hunold steht fest, dass sich der Erfolg des Projekts daran misst, wie gut das System aus Sicht des Kunden rückwärts aufgerollt wird. Ziel sei es, die Time-to-Market für neue Produkte drastisch zu verkürzen und gleichzeitig die Effizienz durch automatisierte Dunkelverarbeitung, etwa im Schadenfall, zu steigern.

Die Herausforderung des Change Managements

Neben den technischen Hürden identifiziert der Vertriebsvorstand das Change Management als die eigentlich größte Herausforderung des Projekts. Da das neue Bestandsführungssystem wie eine Herzverpflanzung wirkt, verändern sich die Prozesse für die Mitarbeiter im gesamten Unternehmen massiv. Von der Arbeitssteuerung bis hin zur Organisation müssen die Teams engmaschig abgeholt und der Sinn der Veränderungen kontinuierlich vermittelt werden. Für die kommenden zwölf Monate hat sich das Unternehmen ambitionierte Meilensteine gesetzt, um mit den ersten Produkten live zu gehen und die Migration erfolgreich abzuschließen.

Hier geht es zur Folge:
Über den Podcast

Jonas Piela berät die Versicherungswirtschaft hinsichtlich der digitalen Transformation in seiner Rolle als Managing Director bei Piela & Co. Digital Consultants. Außerdem betreibt er den Digital Insurance Podcast, für den er mit Managern aus der Branche über die Herausforderungen der Digitalisierung spricht. Zu finden ist der Podcast unter anderem bei Google, Apple und Spotify sowie unter insurancemedia.de/podcast.

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Kfz: Afori und Comparit geben Kooperation bekannt

Afori und Comparit starten eine strategische Partnerschaft im Bereich Kfz-Versicherung: Afori bindet seine KI-Agenten direkt an die API von Comparit an. Damit soll die Kfz-Wechselsaison für Makler zu einem großen Teil automatisiert laufen.

Afori, Wachstumspartner für Maklerunternehmen mit einer marktführenden KI Plattform, und Comparit, Anbieter von Vergleichssoftware, geben ihre strategische Partnerschaft bekannt. Dazu verbindet Afori seine spezialisierten KI-Agenten über die API mit dem Vergleichsrechner von Comparit. Zur Wechselsaison 2026 können Vermittler für ihre Kunden mit Beitragserhöhung neu rechnen und umdecken, ohne Daten von Hand zu übertragen, teilen die Unternehmen mit.

Kfz-Jahresendgeschäft enormer Aufwand

Für Makler heiße „Kfz-Wechselsaison“ Wochen manueller Arbeit: Fahrzeugdaten mit HSN und TSN, SF-Klasse, Fahrer und Fahrleistung zusammensuchen, in den Rechner übertragen, Angebote vergleichen und Kunden anschreiben. Das Kfz-Jahresendgeschäft sei jedes Jahr ein enormer Aufwand im Backoffice, ohne dass es wirklich zum Umsatz beitrage, so Fabian Wesemann, Mitgründer und CEO von Afori. „Mit Comparit schließen wir die Lücke zwischen Bestandsdaten und Tarifrechner. Der Makler berät, die KI rechnet das Angebot und bereitet eine personalisierte E-Mail vor.“

End-to-End in einem Prozess

Die Kfz-Tarifoptimierung bilden Afori und Comparit erstmals End-to-End in einem Prozess ab, wie die beiden Unternehmen mitteilen. Das Ganze funktioniert dann so: Afori liest die neuen Kfz-Prämien per BiPRO oder aus einem Export des Versichererportals und wählt alle Kunden mit deutlicher Beitragssteigerung aus. Dann liest Afori die Unterlagen, die im Maklerverwaltungsprogramm bereits vorliegen, z. B. Versicherungsschein, Nachtrag, letzter Antrag oder Beitragsrechnung. Daraus zieht sich die KI Werte wie Fahrzeug, SF-Klasse, Fahrer und Deckungsumfang.

Kontrolle liegt bei Makler

Betont wird, dass der Makler die Kontrolle behält. Er sehe zu jedem Wert, aus welchem Dokument dieser stammt, und gebe jede Kundenansprache frei. Wenn eine Angabe noch nicht vorhanden ist, fragt Afori direkt bei den Kunden nach.

Angebote in Echtzeit

Comparit wiederum rechnet nun für die Kunden in Echtzeit die Angebote des Marktes. Der Makler konfiguriert die automatische Auswahl von Angeboten einmalig nach seinen Beratungskriterien. Afori wählt schließlich drei passende Tarife aus und formuliert eine persönliche Kundenmail. Das Nachfassen der Angebote, Rückfragen zu den Tarifen und den Antragsprozess kann der Makler im Anschluss KI-gestützt im Vorgangsmanagement von Afori steuern. Auch der Wechselantrag lasse sich direkt aus Afori über Comparit stellen. (lg)

Lesen Sie auch:
Vergleichsprogramme: „Markt braucht neutralen Anbieter“
Die Favoriten der Makler in der privaten Kfz-Versicherung
 

So grundlegend verändert KI die Versicherungsvermittlung

Künstliche Intelligenz hat Einzug gehalten in die Versicherungsvermittlung und führt zu einem Wandel von Arbeitsprozessen und Geschäftsmodellen. Warum die DKM dem Thema erstmals einen eigenen Kongress widmet.

Ein Beitrag von Tobias Knörrer, Geschäftsführer der bbg Betriebsberatungs GmbH, und Daniel Dierkes, Gründer und Geschäftsführer von SureIn und Modus

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz verändert die Versicherungsvermittlung in einem Tempo, das vor wenigen Jahren kaum vorstellbar gewesen wäre. Neue Anwendungen und technologische Fortschritte eröffnen Möglichkeiten, die weit über die bisherigen Formen der Digitalisierung hinausgehen.

Für Vermittler stellt sich damit nicht mehr nur die Frage, wo KI heute sinnvoll eingesetzt werden kann, sondern auch, wie die Technologie ihre Arbeitsweise und Geschäftsmodelle langfristig verändern wird.

Mit dem KI-Navigator widmet die DKM 2026 dieser Entwicklung erstmals einen eigenen Kongress. Er soll Orientierung bieten, aktuelle Entwicklungen und Zukunftsperspektiven beleuchten und den Austausch über Chancen, Herausforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten fördern.

Denn mit den technologischen Möglichkeiten wachsen auch die Fragen: Welche Anwendungen schaffen heute bereits einen echten Mehrwert? Welche Entwicklungen werden die Branche in den kommenden Jahren prägen? Und wie können Unternehmen die Chancen der Technologie nutzen, ohne die damit verbundenen Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren?

Neue Anforderungen an die Versicherungsvermittlung

Die Versicherungsvermittlung steht vor erheblichen strukturellen Herausforderungen. Kunden erwarten schnelle Reaktionszeiten, individuelle Beratung und digitale Services. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Dokumentation, Datenverarbeitung und die Qualität der Betreuung.

Hinzu kommt der demografische Wandel. Viele Vermittler stehen in den kommenden Jahren vor dem Ruhestand, während qualifizierte Fachkräfte immer schwieriger zu gewinnen sind.

Das stellt insbesondere wachstumsorientierte Maklerunternehmen vor eine grundlegende Herausforderung: Mehr Kunden und Verträge bedeuten traditionell auch mehr operative Arbeit. Zusätzliche Angebote, Vertragsänderungen, Schadenfälle und Kundenanfragen erfordern zusätzliche personelle Kapazitäten.

Die Digitalisierung hat hier bereits viel bewegt. Maklerverwaltungsprogramme, Vergleichsrechner und Kundenportale unterstützen zahlreiche Tätigkeiten. Dennoch müssen Mitarbeiter weiterhin Informationen zwischen unterschiedlichen Systemen zusammenführen, Vorgänge koordinieren und viele Arbeitsschritte manuell ausführen. Genau hier eröffnet künstliche Intelligenz neue Möglichkeiten, die weit über die bisherige Digitalisierung hinausgehen.

Neue Möglichkeiten für Versicherungsmakler

Während erste KI-Anwendungen vor allem bei der Erstellung von Texten, der Recherche und der Aufbereitung von Informationen unterstützen, erweitern technologische Fortschritte das Spektrum möglicher Einsatzgebiete. Für die Versicherungsvermittlung betrifft das nahezu alle Bereiche des Geschäfts. Von der individuellen Kundenberatung und dem Vertrieb über die Analyse von Versicherungsbeständen bis hin zur Automatisierung administrativer Tätigkeiten entstehen neue Möglichkeiten, bestehende Prozesse zu verbessern und neue Formen der Kundenbetreuung zu entwickeln.

Dabei geht das Potenzial weit über reine Effizienzsteigerungen hinaus. KI kann Vermittler dabei unterstützen, Kundenbedürfnisse besser zu verstehen, Beratungsangebote individueller zu gestalten und neue Geschäftspotenziale zu erschließen. Gleichzeitig können automatisierte Abläufe Mitarbeiter entlasten und zusätzliche Kapazitäten für persönliche Beratung, Kundenbeziehungen und Wachstum schaffen.

Langfristig könnte KI damit nicht nur die tägliche Arbeit verändern, sondern auch die Organisation und die wirtschaftlichen Möglichkeiten von Vermittlerunternehmen grundlegend beeinflussen.

Zwischen Potenzial und praktischer Umsetzung

Bei aller Dynamik ist eine differenzierte Betrachtung notwendig. Viele KI-Anwendungen befinden sich noch in frühen Entwicklungsstadien. Die Integration bestehender Systeme, die Qualität verfügbarer Daten und der Umgang mit sensiblen Kundeninformationen stellen weiterhin hohe Anforderungen. Hinzu kommen Fragen der regulatorischen Verantwortung, des Datenschutzes und der Nachvollziehbarkeit automatisierter Entscheidungen.

Gerade in der Versicherungsvermittlung, in der Vertrauen, fachliche Expertise und langfristige Kundenbeziehungen eine zentrale Rolle spielen, wird es entscheidend sein, technologische Möglichkeiten mit geeigneten Kontrollmechanismen und menschlicher Verantwortung zu verbinden.

Für Vermittlerbetriebe bedeutet das: Nicht jede neue KI-Anwendung schafft automatisch einen wirtschaftlichen Mehrwert. Entscheidend ist, welche konkreten Probleme gelöst werden, wie zuverlässig die Technologie im täglichen Betrieb funktioniert und ob sich die Ergebnisse tatsächlich nachweisen lassen.

Neben der Technologie selbst wird deshalb auch die organisatorische Umsetzung immer wichtiger. Mitarbeiter müssen in die Veränderungen eingebunden, Prozesse hinterfragt und neue Arbeitsweisen entwickelt werden.

Der KI-Navigator: Eine neue Plattform für die Branche

Der Kongress wird von der bbg Betriebsberatungs GmbH gemeinsam mit SureIn und Modus gestaltet. SureIn und Modus bringen dabei ihre Erfahrungen aus dem Betrieb eines digitalen Gewerbe- und Industriemaklers sowie der Entwicklung spezialisierter KI-Software für Versicherungsmakler ein.

Im Mittelpunkt steht ein breiter Blick auf die technologische Entwicklung und ihre Auswirkungen auf die Branche. Das Programm verbindet strategische Perspektiven, praktische Erfahrungen und konkrete Anwendungsbeispiele. Fachleute aus der Versicherungswirtschaft, Vertreter von Technologieunternehmen und Vermittler diskutieren, welche Möglichkeiten KI bereits heute eröffnet und wie sich die Versicherungsvermittlung in den kommenden Jahren verändern könnte.

Ein weiterer Bestandteil ist eine gemeinsame Untersuchung von AssCompact und Modus zum aktuellen Stand der KI-Nutzung in der Versicherungsvermittlung. Sie soll Einblicke geben, welche Anwendungen bereits eingesetzt werden, welche Erwartungen Vermittler mit KI verbinden und wo die größten Herausforderungen bei der praktischen Einführung liegen.

Der KI-Navigator soll damit nicht nur Wissen vermitteln, sondern den Dialog darüber fördern, wie die Branche die Chancen künstlicher Intelligenz aktiv gestalten kann.

Die Zukunft der Versicherungsvermittlung gemeinsam gestalten

Künstliche Intelligenz wird die Versicherungsvermittlung nicht von heute auf morgen vollständig verändern. Doch die technologischen Fortschritte der vergangenen Jahre zeigen, dass sich die Möglichkeiten schneller entwickeln, als viele noch vor Kurzem erwartet hätten.

Die entscheidende Frage wird künftig nicht allein sein, ob Vermittlerunternehmen KI einsetzen. Vielmehr wird es darum gehen, wie sie die Technologie sinnvoll in ihre Arbeitsabläufe integrieren, welche neuen Möglichkeiten dadurch entstehen und wie sich die Zusammenarbeit zwischen Menschen und Technologie verändert.

Dabei geht es nicht darum, die persönliche Beratung oder die Bedeutung des Vermittlers infrage zu stellen. Im Gegenteil: Wenn KI administrative und operative Arbeit übernimmt, kann mehr Raum für die Tätigkeiten entstehen, die den eigentlichen Wert der Versicherungsvermittlung ausmachen: Vertrauen, individuelle Beratung und langfristige Kundenbeziehungen.

Die Zukunft der Versicherungsvermittlung sollte nicht allein von Technologieanbietern definiert werden. Sie muss im Dialog zwischen Vermittlern, Versicherern, Technologieunternehmen und Branchenexperten gestaltet werden. Mit dem KI-Navigator wollen wir genau dafür eine Plattform schaffen.

Hier geht es zur Programmübersicht der DKM 2026: die-leitmesse.de

 
Ein Artikel von
Daniel Dierkes
Tobias Knörrer

Alte Leipziger digitalisiert BU-Leistungsantrag

Die Alte Leipziger erweitert ihre Services in der Berufsunfähigkeitsversicherung. Versicherte können einen möglichen BU-Fall nun digital anmelden. Zudem baut der Versicherer sein Angebot rund um die psychische Gesundheit aus.

Der neue Service „e-Leistung“ ergänzt nun die Palette der digitalen Prozesse der Alten Leipziger im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung. Versicherte haben damit die Option, die erforderlichen Angaben für die Erstanmeldung eines möglichen Berufs- oder Arbeitsunfähigkeitsfalls online zu erfassen und die Unterlagen direkt zu übermitteln. Während e-Risiko bereits seit Juni die Risikoprüfung in der Beratung unterstützt, setzt die Alte Leipziger mit e-Leistung nun beim möglichen Leistungsfall an. So werden Kunden von der Risikoprüfung bis zur Leistungsanmeldung digital begleitet. Die persönliche Betreuung bleibe dabei erhalten, Versicherte hätten im Leistungsfall nach wie vor einen festen Ansprechpartner, wie die Alte Leipziger unterstreicht. Auf Wunsch lässt sich der Leistungsantrag auch telefonisch gemeinsam aufnehmen.

Psychische Gesundheit: Unterstützung für junge Menschen

Zugleich erweitert der Versicherer seine Services rund um die psychische Gesundheit: Junge BU-Kunden zwischen 10 und 21 Jahren können nun bei psychischen Belastungen von einem kostenfreien Orientierungsgespräch Gebrauch machen. Psychologen des Kooperationspartners IVP unterstützen Jugendliche und junge Erwachsene, ihre Lage einzuordnen. Sie entwickeln neue Perspektiven und suchen die passenden Hilfen. Das Angebot ergänzt bestehende Gesundheitsservices der Alte Leipziger wie etwa Risikoselbsttests, ein Terminservice für die Suche nach psychotherapeutischer Unterstützung sowie Online-Programme bei Stress, Depressionen, Angststörungen oder Burn-out. (tik)

Weitere News rund um neue Services, Tools und Dienstleistungen finden Sie in unserer Rubrik „Management & Vertrieb“.
 

Wenn Kunden mit dem KI-Agenten ins Maklerbüro kommen

Leona Spauszus ist Trainerin und Speakerin für künstliche Intelligenz im Versicherungsvertrieb. Als KI-Pionierin zeigt sie, wie KI den Arbeitsalltag von Vermittlern und Führungskräften im Vertrieb effizienter macht. Für AssCompact gibt sie in ihrer KI-Kolumne praxisnahe KI-Tipps speziell für Makler.

„Ich habe meine Versicherungen schon einmal von meinem eigenen KI-Agenten prüfen lassen.“ Dieser oder vergleichbare Sätze könnten in Zukunft häufiger fallen. Für Versicherungsmakler stellen sich dann zentrale Fragen: Wann kommen sie bei diesem neuen, KI-gestützten Beratungsablauf ins Spiel? Und wie verändern sich die Schnittstellen zum Kunden?

ChatGPT-Chat versus KI-Agent

Aktuell nutzen Kunden meist einzelne Funktionen von ChatGPT, Claude, Gemini & Co. Sie laden zum Beispiel Versicherungsbedingungen hoch und lassen diese vergleichen oder nutzen die Browserfunktion, mit der ChatGPT Maklerwebsites aufrufen und direkt einen Termin beim Makler buchen kann.

Ein KI-Agent macht die Recherche und den Versicherungsvergleich für den Kunden nun deutlich einfacher. Er kann mehrere dieser Funktionen miteinander verbinden und gleichzeitig oder nacheinander eigenständig ausführen. Der KI-Agent erhält vom Kunden einen Auftrag oder ein Ziel, wie zum Beispiel: „Ich möchte bei meinen Versicherungen sparen.“ Anschließend führt der KI-Agent diesen Auftrag für den Kunden aus.

Wie solche persönlichen KI-Agenten funktionieren können, zeigen neue Entwicklungen wie Muse von Meta und Dots von OpenAI. Muse kann laut Meta einen eigenen Browser nutzen, Formulare ausfüllen und Termine buchen. Dots arbeitet mit verbundenen Apps und einem eigenen Cloud-Computer.

Wichtig: Weder Muse noch Dots sind bisher speziell für den deutschen Versicherungsmarkt ausgelegt. Die zugrunde liegenden Funktionen lassen sich aber grundsätzlich auch auf Aufgaben rund um Versicherungen übertragen.

Der KI-Agent im Versicherungsordner des Kunden

Damit ein KI-Agent für einen Kunden den aktuellen Versicherungsschutz bewerten und neue Angebote vergleichen kann, braucht er Zugriff auf dessen Daten und Unterlagen sowie eine Verbindung zu geeigneten Tarifrechnern. Ein möglicher Ablauf könnte so aussehen:

  • Freigabe des Ordners: Der Kunde erlaubt dem Agenten den Zugriff auf lokale Dateien oder einen Cloud-Speicher. Dort liest der Agent Policen, Beitragsrechnungen und Nachträge aus.
  • Strukturierte Übersicht: Die KI fasst Versicherungsarten, Beiträge, Leistungen, Selbstbeteiligungen und Kündigungsfristen zusammen.
  • Bedarfs- und Zielabfrage: Der Agent klärt, was der Kunde erreichen möchte: Beiträge senken, Lücken schließen oder Leistungen optimieren? Fehlen Angaben, fragt die KI nach.
  • Tarifvergleich: Der Agent ruft zugängliche Vergleichsdatenbanken oder Tarifrechner auf und gibt die erforderlichen Angaben ein.
  • Ergebnisaufbereitung: Der Agent stellt Alternativen gegenüber und schlägt nächste Schritte vor. Denkbar ist auch, dass er eine konkrete Empfehlung formuliert.
Wann kommt der Makler ins Spiel?

Ein naheliegender Zeitpunkt für die Weiterleitung zum Makler ist kurz vor einer Kündigung oder einem Neuabschluss. Der Agent könnte sagen: „Ich habe eine Alternative gefunden. Bevor du deinen bisherigen Schutz veränderst, solltest du die Auswertung mit deinem Makler besprechen. Soll ich einen Termin für dich vereinbaren?“ Mit Zustimmung des Kunden könnte er dann einen Termin buchen oder die Zusammenfassung bereits per E-Mail an den Makler weitergeben.

Eine Übergabe kann auch erfolgen, wenn dem KI-Agenten Unterlagen fehlen, Gesundheitsangaben unklar sind oder Bedingungen schwer vergleichbar erscheinen. Der Agent kann den Kunden dann darauf hinweisen, dass seine Analyse keine ausreichende Grundlage für eine Entscheidung bietet, und ein Gespräch mit dem Makler vorschlagen.

Wo eine KI-Auswertung Lücken haben kann

Die Qualität einer Auswertung hängt davon ab, welche Unterlagen und Angaben dem Agenten vorliegen und ob er sie korrekt erkennt. Veraltete Policen, fehlende Nachträge oder veränderte Lebensumstände, etwa Nachwuchs, neue Hobbys oder ein Immobilienerwerb, können im Ergebnis fehlen. Auch mündliche Absprachen kann der Agent nur berücksichtigen, wenn der Kunde sie mitteilt.

Zudem stoßen KI-Agenten an zwei entscheidende Grenzen:
  • Eingeschränkte Marktübersicht: Ein KI-Agent kann nur die Tarife vergleichen, auf deren Daten er tatsächlich zugreifen kann. Wenn professionelle Maklervergleichssysteme und bestimmte Sondertarife für Endkunden-KIs nicht ohne Weiteres zugänglich sind, kann beim Kunden der Eindruck eines vollständigen Marktvergleichs entstehen, obwohl möglicherweise relevante Angebote fehlen.
  • Risikoprüfung und Gesundheitsfragen: Bei Personenversicherungen wie BU oder PKV reicht ein Beitragsvergleich nicht aus. Gesundheitsangaben, Vorerkrankungen und Annahmerichtlinien müssen sorgfältig berücksichtigt werden. KI kann bei der Aufbereitung unterstützen, aber weder eine verbindliche Risikoprüfung durch den Versicherer noch die fachliche Bewertung durch den Makler ersetzen. Unvollständige oder fehlerhafte Angaben können später erhebliche Auswirkungen auf den Versicherungsschutz haben.

Für den Makler heißt das: Eine KI-Auswertung kann ein guter Impulsgeber sein, ersetzt aber nicht die fachliche Prüfung. Auch wenn der Kunde bereits eine konkrete Empfehlung mitbringt, bleibt die fachliche Verantwortung für die eigene Beratung beim Makler.

Praxistipp für Versicherungsmakler

Mit fiktiven oder anonymisierten Testordnern lässt sich schon heute ausprobieren, wie verschiedene KI-Tools Policen auslesen und aufbereiten. So werden typische Fehler und fehlende Angaben sichtbar. Echte Kundendaten sollten dafür nur genutzt werden, wenn der Einsatz datenschutzrechtlich und organisatorisch geklärt ist.

Kunden kommen künftig möglicherweise mit mehr Vorwissen und einer konkreten KI-Empfehlung. Wer sich als Makler schon jetzt auf diesen Wandel einstellt und die Schnittstellen zu KI-Agenten versteht, kann diese Entwicklung als Chance nutzen.

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