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„Die P&R-Insolvenz kam nicht für jeden Marktteilnehmer überraschend“
16. April 2018

„Die P&R-Insolvenz kam nicht für jeden Marktteilnehmer überraschend“

Die Insolvenz von P&R schlägt hohe Wellen. Nach Magellan hat es zum zweiten Mal einen großen Anbieter von Direktinvestments in Schiffscontainer erwischt. Entsprechend groß ist die Verunsicherung bei Kunden und Vermittlern – auch von anderen Anbietern. Was bedeutet die Pleite für diese? AssCompact hakt nach bei André Wreth, Geschäftsführer der Solvium Capital GmbH.


Nach Magellan hat es mit P&R nun auch den zweiten großen Anbieter von Containerdirektinvestments in Deutschland erwischt. Hat Sie die Insolvenz von P&R überrascht?

Beide Anbieter – P&R und Magellan – haben sich der Presse und der Öffentlichkeit gegenüber sehr wortkarg gegeben und auch nie Leistungsbilanzen vorgelegt. Viele Vertriebspartner haben sich darauf verlassen, dass das Unternehmen rund 40 Jahre lang alle Zahlungsverpflichtungen erfüllt hat. Wie man jetzt sieht, war das zu wenig. Das Unternehmen hatte schon Wochen vor der Insolvenz Auszahlungen zu spät bzw. gar nicht geleistet. Insofern war eine Insolvenz nicht für jeden Marktteilnehmer überraschend.

Finanztest hatte zudem bereits im Sommer eine Mietunterdeckung in dreistelliger Millionenhöhe moniert. Wie sieht die Situation diesbezüglich bei Solvium aus?

Solvium Capital arbeitet seit der Gründung aktiv mit Medien und Analysten zusammen. Viele unserer mittlerweile mehr als 50 Angebote sind von Analysten geprüft worden. Verschiedene Medien und Institute haben unsere Produkte bzw. unser Unternehmen ausgezeichnet. Wichtiger aber sind unsere Transparenzberichte die wir seit 2014 jährlich veröffentlichen. Ein Wirtschaftsprüfungsunternehmen hatte damals alle relevanten Vertragsunterlagen für das Jahr 2013 eingesehen und die wesentlichen wirtschaftlichen Daten geprüft und bescheinigt. Aus unserem „Portfoliobericht“ ging hervor, dass alle Basis- und Bonusmieten vertragsgemäß und in voller Höhe ausgezahlt worden waren. Zudem wurde bescheinigt, dass die Mietzahlungen an die Investoren aus den laufenden Mieteinnahmen der Gesellschaft erbracht worden waren. Diese haben wir dann auch in der Folge jährlich fortgesetzt und auch mit dem Portfoliobericht 2017 die 100%-Erfüllungsquote bei all unseren Investments nachgewiesen und bescheinigt bekommen.

Mit welchen Maßnahmen wollen Sie eine ähnliche Situation verhindern?

Nach unseren Informationen hat P&R große Pakete von Containern im Wert von Mrd. Euro an Reedereien vermietet, darunter auch an die Reederei Hanjin, die 2016 insolvent ging. Wir arbeiten mit rund 100 mittelgroßen Reedereien zusammen, deren Bonität wir überprüfen. Wir wollen keine Klumpenrisiken. Das wichtigste aber für die Anleger ist, dass wir für verschiedene Produktlinien auch verschiedene Objektgesellschaften gründen, die nur Zahlungsverpflichtungen den Anlegern gegenüber haben. Ganz allgemein hat auch der Gesetzgeber geholfen, denn seit der Prospektpflicht durch das Kleinanlegerschutzgesetz sind solche Angebote wie die von P&R, die zuerst nicht mehr zahlen konnten, vom Markt verschwunden.

Wie wollen Sie Anleger und Vermittler davon überzeugen, dass Container trotzdem ein attraktives Investment bleiben?

Der Markt für Containervermietung ist solide, ja, er ist sogar für unsere Vermietmanager besser als vor zwei Jahren. Der Markt ist sehr transparent, denn es ist ein internationaler Massenmarkt und die Daten über Preise und Auslastung sind leicht zu recherchieren. Wir gehen unseren Weg weiter, Medien und Öffentlichkeit umfassend über unsere wirtschaftliche Lage zu informieren. Dafür stehen wir bei unseren Anlegern und Vertriebspartner und damit sind wir bisher gut gefahren. (mh)



Kommentare

von Jan Lanc am 16.04.2018 um 20:09 Uhr
Also wenn das jemanden überrascht hat dann ist das genauso neu wie die Tatsache das S&K über viele Jahre betrogen haben und die Vermittler sich blind gestellt haben.



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