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11. Mai 2026
Altersvorsorgedepot beschlossen: Wo stehen die Produktgeber?
Altersvorsorgedepot beschlossen: Wo stehen die Produktgeber?

Altersvorsorgedepot beschlossen: Wo stehen die Produktgeber?

Der Bundesrat hat am vergangenen Freitag die Reform der privaten Altersvorsorge endgültig verabschiedet – ab dem 01.01.2027 heißt es: Goodbye, Riester, hello, Altersvorsorgedepot. Was halten die Branchenverbände davon? Und auf welchem Stand sind aktuell die Versicherer und die Fondsgesellschaften?

Es ist soweit. Die Riester-Rente hat offiziell ausgedient. Das ist nun endgültig mit dem Beschluss des Bundesrats vom Freitag, 08.05.2026, fix. Denn da wurde die Reform der steuerlich geförderten privaten Altersvorsorge final abgesegnet – ohne weitere Änderungen zum Entwurf, über den im Bundestag am 27.03.2026 abgestimmt wurde.

Konkret heißt das: Ab dem 01.01.2027 wird es staatlich geförderte Kapitalanlageprodukte für Privatanleger geben – im Versicherungsmantel und erstmalig auch ohne Garantie und ohne Versicherungsmantel. Dabei wird es verschiedene Produkte geben, vorrangig kategorisiert in ein Standardprodukt und ein Nicht-Standardprodukt. Beim Standardprodukt gibt es einen Kostendeckel von 1,0% sowie maximal zwei Fonds als Anlagemöglichkeit. Außerdem wird es ein staatliches Angebot für dieses Standardprodukt geben. Beim Nicht-Standardprodukt haben die Produktgeber mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Wichtig auch: Es wird für Riester-Sparer die Möglichkeit geben, ihre Riester-Verträge in das neue Fördermodell umzusiedeln.

Was sagen die Branchenakteure? Und wie sind die Produktgeber zum jetzigen Stand aufgestellt?

Branche zur Altersvorsorgereform

Der GDV blickt anscheinend recht positiv auf die Reform – in seinem Statement, welches am Freitagmittag verschickt wurde, äußert sich Moritz Schumann, stellvertretender GDV-Hauptgeschäftsführer: „Mit der Reform wird die geförderte private Altersvorsorge breiter, individueller und die Förderung verständlicher. Rund 3,6 Millionen Selbstständige erhalten erstmals vollen Zugang zur Förderung. Bestehende Riester-Verträge bleiben geschützt. Genau diese Kombination aus Modernisierung und Verlässlichkeit ist wichtig.“

Kritisch sieht der Verband – wie bereits zuvor –, dass der Staat künftig erstmals selbst ein gefördertes Altersvorsorgeprodukt anbieten soll. Hier bleibe laut GDV entscheidend, dass dabei keine Wettbewerbsverzerrungen gegenüber privaten Anbietern entstehen und Verbraucher transparent zwischen unterschiedlichen Angeboten wählen können.

Auch der AfW Bundesverband Finanzdienstleistung (AfW) gibt sich vorsichtig optimistisch. Denn die stärkere Kapitalmarktorientierung und neue Vorsorgemöglichkeiten könnten dazu beitragen, die private Altersvorsorge wieder attraktiver zu machen. Entscheidend seien nun klare Verordnungsdetails zu den neuen Produkten, zur Zertifizierung, zu Kostenregelungen, zu Wechselmöglichkeiten, zum Umgang mit bestehenden Riester-Verträgen sowie zum Verhältnis von digitalen Abschlusswegen und qualifizierter Beratung. Auch solle ein staatlich organisiertes Standardangebot nicht dazu führen, dass der Eindruck entsteht, es sei automatisch sicherer als private Angebote. Daher werde man die Ausgestaltung dessen aufmerksam verfolgen.

Kritik vom BVK

Der Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute e. V. (BVK) übte die wohl deutlichste Kritik. Präsident Michael H. Heinz erklärt, dass mit dem Bundesratsbeschluss die Chance vertan wurde, wichtige Änderungen vorzunehmen. „Damit werden gleiche Wettbewerbsbedingungen untergraben und echter Verbraucherschutz durch qualifizierte Beratung erschwert.“

Mit dem ab 2027 einzurichtenden Staatsfonds entstehe eine „Rollenhybris des Staates, indem die öffentliche Hand gleichzeitig Regulierer, Kontrolleur und Produktanbieter“ werde. Damit verzerre, wenn nicht gar zerstöre sie den Wettbewerb.

Produktgeber gehen an die Arbeit

Aber sei es, wie es ist: Die Reform ist beschlossen. Und ohne entsprechende Produkte kommt die Förderung nicht an den Verbraucher. Noch gibt es wenig Kenntnis darüber, was die Versicherer und Fondsgesellschaften planen. Vor einigen Wochen hatte Vanguard zusammen mit growney ein Whitepaper-Produkt gelauncht, welches ab 2027 dann auch im Rahmen des Altersvorsorgedepots vermittelt werden kann.

Fondsbranche wittert Geschäft

Klar, die Fondsbranche scharrt mit den Hufen. Denn erstmals kann man ohne Versicherungsmantel staatlich gefördert am Kapitalmarkt investieren. Was planen die anderen Fondshäuser? AssCompact hat bei zwei Größen nachgefragt: BlackRock und der DWS.

Die DWS befinde sich derzeit in der fortgeschrittenen Entwicklung ihrer künftigen Produktlösungen im Kontext der Altersvorsorgereform, so erklärt Thorsten Ritzheim, Experte für private Vorsorge und Vermögensaufbau bei der DWS. Ziel sei, die sich daraus ergebenden Möglichkeiten gezielt zu nutzen und innovative, kundenorientierte Angebote zu gestalten. Die Beratung will die DWS wohl aber definitiv als Vertriebsweg erhalten. Denn auch wenn im Rahmen der Altersvorsorgereform künftig auch stärker direkt entscheidende Kundinnen und Kunden adressiert werden, sei die DWS überzeugt, „dass eine solide und langfristig ausgerichtete Altersvorsorge eine sorgfältige Planung erfordere. Gerade vor dem Hintergrund, dass entsprechende Verträge oft über Jahrzehnte bestehen, bleibt eine qualifizierte und professionelle Beratung aus unserer Sicht ein zentraler Erfolgsfaktor“, so Ritzheim.

Dementsprechend werde der Makler- und Beratermarkt auch künftig ein wichtiger Bestandteil der Altersvorsorge sein. Allerdings würde die DWS es begrüßen, wenn sich weitere Versicherungsmakler auch stärker im Investmentbereich engagieren und ihre entsprechenden Qualifikationen erweitern würden, denn regulatorische Anforderungen würden die Altersvorsorgezulassungen, die Makler vermitteln dürfen, begrenzen. Damit ist wohl das Altersvorsorgedepot ohne Garantie gemeint, welches nur mit einer Zulassung entsprechend § 34f GewO vermittelt werden darf.

BlackRock beobachte derzeit, dass der Markt für fondsgebundene Versicherungen an Bedeutung gewinne und auch ETFs in diesem Segment zunehmend eine zentrale Rolle spielen. Vor diesem Hintergrund gewinne auch das Umfeld, in dem diese Produkte vertrieben werden – einschließlich des Versicherungsmaklermarkts – an Relevanz. Für BlackRock sei das unit-linked-Segment ein wichtiger Wachstumsbereich, in dem das Unternehmen Versicherer mit einer breiten Palette an Produkten unterstütze. Ziel sei es dementsprechend, leistungsfähige Investmentbausteine bereitzustellen, die den steigenden Anforderungen von Versicherern und Kunden gerecht werden.

Und die Versicherer?

Die Versicherer haben ebenfalls noch keine konkreten Produkte am Start, jedoch haben sich bereits am Freitag einige Unternehmen klar dazu bekannt, Anfang 2027 entsprechende Produkte im Portfolio zu haben, so bspw. die W&W-Gruppe. Jacques Wasserfall, Vorstandsvorsitzender der Württembergischen Lebensversicherung, kündigte in einer Mitteilung an, dass man mit einem „vielfältigen und modernen Produktangebot am Markt sein“ werde, welches qualifizierte Berater auch in die Lage versetzen werde, für jede Situation die passende Lösung zu finden.

Ähnliches ließ auch die Alte Leipziger am Freitag verlauten. Das Unternehmen werde zum 01.01.2027 neue geförderte Altersvorsorgeprodukte anbieten. Geplant sei neben dem gesetzlich vorgeschriebenen Standardprodukt ein Produktangebot mit modernen, fondsbasierten Lösungen und „umfangreichen Gestaltungsmöglichkeiten“.

Beide Versicherer wiesen auch darauf hin, dass es eine individuelle Entscheidung sei, ob man einen bestehenden Riester-Vertrag in die neue Förderung umsiedeln solle. Hierfür brauche es eine individuelle Beratung als Basis. Die Alte Leipziger stellt hierfür auch einen Förderrechner zur Verfügung, mit dem sich errechnen lässt, ob ein Wechsel in die neue Förderwelt sinnvoll ist.

Und auch die Allianz Leben äußerte sich auf Nachfrage von AssCompact. Ab Januar 2027 werde man in allen drei Kategorien – Altersvorsorgedepot, Altersvorsorgevertrag und Standarddepot – ein „attraktives Angebot“ anbieten. Denn man sehe bei der Allianz Leben in Verträgen mit staatlicher Förderung einen wichtigen Baustein, um die Vorsorgelücke im Alter zu schließen und generell auch in die Zukunftsvorsorge einzusteigen.

Die Allianz bietet außerdem wie die Alte Leipziger einen Fördervergleichsrechner an, mit dem Riester-Sparer die alte Fördersystematik mit der neuen Förderung vergleichen können, basierend auf persönlichen Angaben. (mki)