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Datensammlung durch Versicherer – Schreckgespenst oder Medienhype?
29. Juli 2015

Datensammlung durch Versicherer – Schreckgespenst oder Medienhype?

Pkw-Blackbox, Gesundheits-App –verschiedene Versicherer haben angekündigt, in den Telematik-Bereich einzusteigen und entsprechende Tarife auf den Markt zu bringen. In diesem Zusammenhang geistert das Schreckgespenst „Datenmissbrauch“ immer wieder durch die Medien. Verbraucherschützer reden vom „gläsernen Versicherungsnehmer“ und machen Stimmung gegen die Neueinführungen.


Die Allianz hat vor einigen Tagen bekannt gegeben, dass der Versicherungskonzern in das Telematik-Geschäft einsteigen will, und hat Vergünstigungen für Pkws mit sogenannter Blackbox angekündigt. Je enger ein Fahrer sich an die Verkehrsvorgaben hält und je nachhaltiger sein Umgang mit seinem Fahrzeug, desto größer die Vergünstigungen, so das Unternehmen. Auch die Generali plant für 2016 die Einführung eines Vergünstigungssystems zu den Themen „Fitness“ und „Gesundheit“. Per Telemonitoring-App können Versicherungskunden Daten wie Vorsorgetermine und sportliche Aktivitäten an das Unternehmen übermitteln.

Vorteile für den Versicherungsnehmer

In einem ersten Schritt sollen Rabatte bei Vertragspartnern wie Fitnessstudio oder Sportausstatter einzulösen sein, in einem zweiten Schritt sollen die Versicherungstarife dann umso günstiger werden, je mehr Bonuspunkte gesammelt wurden. Ein positiver Nebeneffekt des Monitorings könnte ein erzieherischer Effekt sein, der durch das Bewusstsein der Datenschreibung entsteht. Ein gesünderer Lebensstil und ein angemessenes Verkehrsverhalten können einen Beitrag dazu leisten, das persönliche Risiko zu senken.

Kritik von Verbraucherschützern

Verbraucherschützer warnen allerdings vor einem Schritt in die falsche Richtung. „Es gibt keine harmlosen Daten“, betont Klaus Müller, Vorsitzender des Verbraucherzentrale Bundesverbandes in einem Interview mit der Badischen Zeitung zum Thema. Sollten sich alle Systeme untereinander vernetzen, sieht er in den nächsten Jahren eine umfangreiche Überwachung auf Verbraucher zukommen. Kritiker sehen darüber hinaus den Solidaritätsgedanken einer Versicherung an sich infrage gestellt. Bei individuellen Tarifen sichere jeder Versicherungsnehmer nur sein eigenes persönliches Risiko ab und nicht mehr das Durchschnittsrisiko einer großen Gruppe. Damit würden die Tarife für Versicherte mit erhöhtem Risiko immens in die Höhe steigen.

Datensammlung mit langer Tradition

Generali-Chef Giovanni Liverani hingegen zeigt sich überrascht von der Kritik, die die neuen Produkte auf sich ziehen. In einem Interview mit der WirtschaftsWoche verteidigte er die geplante Neuerung. „Es ist mir ein Rätsel, warum manche Deutsche ihrer Versicherung so weit vertrauen, dass sie ihnen 30 Jahre lang jeden Monat Geld überwiesen, aber bei Daten ein solches Misstrauen herrscht“, so der Vorstandsvorsitzende. Tatsächlich hat die Datensammlung in Deutschland schon eine längere Tradition. Seit 15 Jahren speichert und verarbeitet die Payback GmbH von mittlerweile 20 Millionen aktiven Nutzern die Daten über ihre Einkaufsgewohnheiten und verkauft diese an ihre Partner. Darüber hinaus sind rund 22 Millionen Deutsche mit einem eigenen Konto auf Facebook vertreten und verbreiten dort unbedarft Geburtstagsdaten, Freundeslisten, Meinungen und Urlaubsfotos.

Code of Conduct

Verbraucherschützer Klaus Müller spricht sich im Hinblick auf den Umgang mit persönlichen Daten für ein Gesetzeswerk aus, das den Datenschutz für Deutschland und in Europa verbindlich regelt. Die Versicherer haben hier zumindest schon einen Schritt in diese Richtung getan. Im Gegensatz zu den nicht organisierten Social-Media- und Shoppingbonus-Unternehmen ist der Datenschutz ein wichtiges Thema in der Versicherungswirtschaft. Ein selbst auferlegter vom GDV ins Leben gerufener Datenschutzkodex legt die Richtlinien für den Umgang mit personenbezogenen Daten fest, denen die Versicherer verbindlich folgen. (sg)





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