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27. November 2014

Der deutsche Dachfondspionier

Von Michael Herrmann, AssCompact

Hinter jedem guten Fonds steckt ein guter Fondsmanager – und damit auch ein Mensch. Was diese konkret machen und vor allem welche Persön­­lichkeiten hinter den Portfolios stecken, zeigt AssCompact in der neuen Serie „Fondsmanager im Porträt“. Den Auftakt macht ein Mann, der sich mit Fondsmanagern bestens auskennt: Eckhard Sauren.


Sein Büro würden wohl die meisten Menschen als Traum­arbeitsplatz bezeichnen. Mitten in Köln, 21. Stock des KölnTurms im Mediapark – bester Ausblick auf den Kölner Dom. Eckhard Sauren hat dafür aber keinen wirklichen Blick mehr. Gefragt nach der wunderbaren Aussicht von seinem Arbeitsplatz hebt er nur kurz den Kopf von seinen Unterlagen. „Ist schon nett“, merkt er knapp an. Dann geht es weiter mit der Aufarbeitung der Tagespost wie zum Beispiel Medienberichten über seine Dachfondsgesellschaft SAUREN, die mittlerweile über 2,6 Mrd. Euro verwaltet. Es sei schließlich schon wichtig zu wissen, was über einen geschrieben wird. Allzulange will Eckhard Sauren sich damit aber nicht aufhalten. Und deshalb packt er mit einem kräftigen Griff den Stapel Zeitschriften und sortiert den Großteil davon nach rascher Prüfung aus.

Effizient und organisiert

Schnell geht Sauren wieder über zum Tagesgeschäft. E-Mails prüfen, beantworten und sich einen Überblick über das aktuelle Marktgeschehen verschaffen – von Dax über Dow bis Rex. Auch dabei verliert er sich nicht lange in Details. Und entsprechend verlaufen die Gespräche mit seinen Mitarbeitern. Freundlich und aufmerksam, aber immer auf den Punkt. Statt endlos zu diskutieren, lautet die Marschroute: Machen. Ob er bei einem verwalteten Vermögen von 2,6 Mrd. Euro noch immer den Überblick über alle ­Vorgänge hat? „Ja. Und heute gibt es ja auch gute technische Möglichkeiten für eine effiziente Organisation.“ Effizient habe man bei SAUREN aber auch schon in den Anfangszeiten gearbeitet.

Der deutsche Dachfonds-Pionier

Doch auch wenn er sich immer den Überblick über alle Vorgänge bei ­SAUREN verschafft, vertraut er bei den Details voll und ganz auf seine Mitarbeiter und spannt sie gezielt ein. Jeder hat seine klare Aufgabe – von der Durchführung von Orders über Marketing bis hin zur Voranalyse interessanter Fonds – oder besser Fondsmanager. Denn ­Eckhard Sauren sucht nicht nach den besten Fonds, sondern nach den besten Fondsmanagern. Mit dieser Devise ist er vor gut 20 Jahren gestartet. Im Alter von gerade einmal 20 Jahren gründete der Handwerkersohn seine eigene Investmentgesellschaft. Damals galt er als Exot, denn bis dato interessierte sich kaum jemand für die Persönlichkeit ­eines Fondsmanagers. Eckhard Sauren jedoch spürte bei eigenen Versuchen nach den besten Aktien zu suchen schnell, wie komplex die Zusammenstellung eines erfolgreichen Fonds­portfolios ist – und dass die Person des Fondsmanagers dabei das A und O ist. Deshalb begab er sich nicht mehr auf die Suche nach guten Aktien, sondern nach den besten Fondsmanagern.

Ständiger Kontakt und gezielte Kontrolle

Probleme diese zu erreichen, hatte man laut Vorstandskollege Hermann-Josef Hall, mit dem er sich nach wie vor das Chef-Büro bei SAUREN teilt, selbst in den Anfangszeiten nicht. Auch damals hat es schließlich schon Telefone gegeben. Die Gesellschaften hätten zu jener Zeit zwar sehr verwundert reagiert, ­warum man denn einen Fondsmanager sprechen wolle, letztlich habe man sie aber fast immer an den Hörer bekommen. Auch heute noch ist das Telefon ein wichtiges Arbeitsmittel Saurens. „Wenn ein Fonds unerwartet starke Ausschläge nach oben oder unten aufweist, fragen wir beim Fondsmanager nach, was da los war“, sagt Sauren. Die wichtigsten Aussagen solcher Telefonate halten ­Sauren und sein Investmentteam auf ­Papier fest. Kommt ihnen dabei etwas Spanisch vor, prüfen sie die Aussagen der Fondsmanager nach. Man glaube nicht, wie manche Profis schon durch einfache Fragen ins Schlingern geraten und dann versuchen, etwas aufzutischen. „In der Regel merkt man zwar recht schnell, ob einer ehrlich ist. Eine gezielte Nachkontrolle ist manchmal aber auch wichtig“, sagt Sauren.

Wenn die Berge zum Propheten kommen

Ist ein Manager auf Basis der ersten Analysen interessant, bittet Eckhard Sauren sie zum persönlichen „Casting“. „Es ist einfach noch einmal etwas ganz anderes, wenn man sich direkt unterhält. Mimik, Gestik und Blicke verraten oft sehr viel und können eben nicht am Telefon beurteilt werden“, so Sauren. Hierfür reist er mehrmals im Jahr zu Konferenzen, ­Branchentreffen und natürlich auch zu den jeweiligen Gesellschaften. Saurens ­wöchentlicher Terminplan ist voll mit ­entsprechenden Terminen. Mittlerweile kommen Fondsmanager aber auch selbst nach Köln. Eine Aufnahme in einen der SAUREN-Dachfonds verspricht schließlich nicht nur neue Gelder, sondern auch eine gehörige Portion Renommee.

Die SAUREN Golden Awards, die von der Kölner Dachfondsgesellschaft seit 2002 an die qualitativ besten Fondsmanager vergeben werden, gelten als eine der wichtigsten Auszeichnungen der Fondsbranche – vergleichbar mit dem Oskar oder den Golden Globes der Filmindustrie. Zwar ohne Diskussionen über Kleider und Dramen auf dem roten Teppich, aber wie bei den Hollywood-Pendants achten Konkurrenten und ­Medien auch bei den SAUREN Golden Awards genau darauf, wer bei der jährlichen Gala ausgezeichnet wird oder mehr Goldmedaillen erhält – und letztlich wird natürlich auch rege darüber getuschelt, wer sich mit weniger Medaillen als im Vorjahr ­zufrieden geben muss oder gar leer ausgegangen ist.

Teamarbeit

Basis der Preisverleihung ist die tagtägliche qualitative Analyse der Managerpersönlichkeiten durch das vierköpfige Investmentteam um Eckhard Sauren, Hermann-Josef Hall, Ansgar Guseck und Matthias Weinbeck. Wie der Großteil der Kölner Dachfondsgesellschaft sind alle vier seit vielen Jahren an Bord. Das sei auch wichtig: „Wir können uns untereinander total vertrauen. Das vierköpfige Investmentteam arbeitet seit über zwölf Jahren zusammen.“ Zur Vorbereitung auf die persönlichen Gespräche studiert Sauren die während der vorherigen Telefonate und ­Analysen festgehaltenen Notizen. In den Gesprächen geht er ­diese ­konzentriert durch. Auch seine Kollegen des Investmentteams nehmen aufmerksam an den Terminen teil und machen sich Notizen, um das Gespräch später zusammen aufzuarbeiten. ­Besonders Sauren wirkt aber hochkonzentriert während der Fonds­manager-Casting. Die Hand ans Kinn gepresst sitzt er am Rande des Tischs und hat sein Gegenüber fest im Visier.

Detailfragen statt Small-Talk

Ziel der Nachfragen ist es, hinter die Fassage der Hochglanz­prospekte der Gesellschaften zu gelangen. Mit den üblichen Fondspräsentationen hält sich das Investmentteam bei den persönlichen Gesprächen daher nicht lange auf. Auch für Small-Talk bleibt allenfalls bei der Begrüßung und Verabschiedung Zeit. Stattdessen löchern Sauren und sein Investmentteam das Gegenüber mit Detailfragen. Genau dafür müsse er immer ­einen Überblick über die aktuellen Marktentwicklungen haben. „Wenn ein Fonds 10% verloren hat, kann ein Fondsmanager O ­immer noch gute Arbeit geleistet haben. Wenn seine Vergleichsgruppe etwa zeitgleich 20% verloren hat, würde die Outperformance immer noch plus 10% betragen“, erläutert Sauren. Wie wichtig es ist, die entscheidenden Kennzahlen und Kriterien bei der Aktienbewertung und -auswahl zu kennen, merkt man beim „Casting“ der Fondsmanager. Geraten diese ins Schlingern oder weichen sie vom Thema ab, haken Sauren und seine Kollegen punktgenau bei den entscheidenden Details nach – zum Beispiel ob Umsatz- oder Gewinnzahlen für die jeweilige Branche wichtiger sind oder wie hoch die Margen in bestimmten ­Geschäftsbereichen eines Unternehmens sind. So locken sie die Fondsmanager aus ihren Standardvorträgen über Philosophie und Strategie des Fonds. „Die sind ohnehin nur Marketing­material, das die Fondsmanager schon hunderte Male abgespult haben. Wenn sie das nicht einmal können, dann ist ihnen sowieso nicht zu helfen“, so Sauren. Letztendlich seien viele Fonds­manager sogar froh, dass sie mal etwas anderes erzählen dürfen.

Immer genug Fondsmanager in der Hinterhand

Sorgen um eine ausreichende Zahl herausragender Fonds­manager macht sich Sauren nicht. „Viele gute Fondsmanager machen sich irgendwann mit einer Fondsboutique selbst­ständig, um ihre Investmentphilosophie ohne die Fesseln einer großen Gesellschaft umzusetzen. Das ist gut für uns, denn ­dadurch entstehen regelmäßig neue interessante Fonds“, sagt Sauren. Im Gegensatz zu klassischen Großinvestoren wie ­Pensionskassen, die oft nur in Fonds mit einem gewissen ­Mindestvolumen und Track Record investieren dürfen, scheut Sauren diese Neulinge keinesfalls. „Einzig ausschlaggebender Punkt ist die Person des Fondsmanagers. Überzeugt er uns, ­investieren wir – egal wie groß oder alt der Fonds ist.“ Ein zu ­hohes Volumen könne sogar zum Problem werden. „Bei einem Fondsvolumen von mehreren Mrd. Euro wird es schwierig, in unentdeckte Nebenwerte zu investieren ohne beim Kauf und Verkauf den Markt zu beeinflussen“, so Sauren. Selbst ein guter Fondsmanager habe dann Probleme die entsprechenden Aktien zu einem vernünftigen Preis zu kaufen und verkaufen – vor ­allem, wenn es schnell gehen muss. Insgesamt habe man auch außerhalb der SAUREN-Portfolios noch zahlreiche über­zeugende Fondsmanager in der Hinterhand. So könne man kurzfristig gut reagieren, wenn ein Fonds aus den SAUREN-Portfolios getauscht werden muss – zum Beispiel aufgrund ­eines Managerwechsels.

Ausgezeichneter Aufwand

Was Sauren von den Fondsmanagern verlangt, setzt er auch selbst um: Die ­eigene klare Anlagephilosophie konsequent und zielstrebig verfolgen – und weiterzuentwickeln. Zusammen mit ­seinen Mitarbeitern brütet Sauren immer auch an neuen Fondsideen. Er brachte mit Auflegung des Sauren Global Growth im März 1999 nicht nur einen der ersten in Deutschland zugelassenen Dachfonds auf den Markt, sondern hat es seither auch immer wieder geschafft, sinnvolle Anlagelösungen zu kreieren – zuletzt ­etwa mit neuartigen Absolute Return-Dachfonds. Auch beschreitet das ­SAUREN-Team zur Selektion attraktiver Anlageideen immer wieder neue Wege. Bei Berücksichtigung steuerlicher ­Aspekte können sich etwa auch bei ­Auslandsfonds neue Optionen eröffnen, die ­Sauren, Hall und Co. gerade ausloten.

Dauerhaft 1. Liga

Die Akribie, mit der Eckhard Sauren und seine Kollegen die Qualitäten der Fondsmanager analysieren, zahlt sich aus. Über 80% der ausgewählten Zielfonds-­Manager haben nach der Aufnahme in ­eines der SAUREN-Portfolios ihren ­Vergleichsindex geschlagen. Die Dachfonds des Kölner Anbieters landen daher in Rankings regelmäßig vorne und ­werden von Morningstar, Lipper und ­anderen Fonds-Analysehäusern ausgezeichnet. Eckhard Sauren ist damit längst in der 1. Liga der deutschen Fondslandschaft angekommen – und zuversichtlich, dass er dort dauerhaft bleiben wird. Im Gegensatz zu seiner zweiten Leidenschaft: dem 1. FC Köln. Am Wochenende trifft man Sauren daher regelmäßig im Stadion in Köln Müngersdorf. ­Seine monatliche Videobotschaft hat er nach dem jüngsten Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga sogar mit FC-Schal eröffnet. Und so wundert es nicht, dass Besucher beim Eintritt in die Sauren-­Büros von einem Gips-Geißbock mit Original-Unterschriften von Kölner ­Spielern empfangen werden. Den bekam Eckhard Sauren zum 20-jährigen Firmenjubiläum seiner Dachfondsgesellschaft geschenkt. Den Pappmaschee-Hennes nimmt Sauren in der täglichen Arbeit aber ähnlich wahr wie den wunderbaren Ausblick aus dem Chef-Büro. Die Pflicht ist letztlich eben wichtiger.

AssCompact hat mit Eckhard Sauren über seine Arbeit als Dachfondsmanager gesprochen. Das ­Interview kann hier abgerufen werden.


Eckhard Sauren Eckhard Sauren




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