AssCompact - Facebook AssCompact - Google+ AssCompact - Twitter AssCompact - Xing AssCompact - Youtube

Fondsfrauen: „Wir brauchen einen Kulturwandel“
16. April 2015

Fondsfrauen: „Wir brauchen einen Kulturwandel“

Im Interview spricht Anke Dembowski, eine von drei Gründerinnen des neuen Netzwerks „Fondsfrauen“, über die neu ins Leben gerufene Fraueninitiative, die Frauenquote und ob Frauen nicht doch die besseren Fondsmanager sind.


Das Fondsfrauen-Netzwerk ist Ende des letzten Jahres gegründet worden und hatte im Februar seine Auftaktveranstaltung. Wie ist die Resonanz in der Branche und sind Sie zufrieden mit den Mitgliederzahlen des Netzwerks?

Das Thema der beruflichen Gleichstellung von Frauen liegt ja aktuell in der Luft, wie wir zum Beispiel auch an der Verabschiedung der 30-prozentigen Frauenquote für Aufsichtsräte von Großunternehmen und verschiedenen anderen Diversity-Regeln sehen. Das verschafft uns Fondsfrauen Rückenwind und offenbar haben die Damen in der Fondsbranche großes Interesse an einem unternehmensübergreifenden Netzwerk für Frauen. Wir hatten am 23.02.2014 unsere Auftaktveranstaltung in Frankfurt, auf der wir unsere Ziele und Aktivitäten vorgestellt haben. Mittlerweile haben sich knapp 450 Mitglieder auf unserer Homepage registriert, und wir sind selbst ein wenig überrascht, wie rasch wir diese Zahl erreicht haben. Das motiviert meine beiden Kolleginnen Anne Connelly, Manuela Fröhlich und mich natürlich, weiter Gas zu geben, um für mehr Aufmerksamkeit und Chancengleichheit für Frauen einzutreten.

Warum ist eine solche Initiative denn überhaupt nötig? Was sind Ihre Zielsetzungen?

Natürlich gibt es Vorurteile und hier und da offene Diskriminierung gegen Frauen. Aber wir möchten keineswegs nur jammern und sagen, Frauen würden immer benachteiligt. Oft sind es auch die Frauen selbst, die sich bestimmte Jobs nicht zutrauen und sich womöglich gar nicht erst bewerben. Wir möchten den Frauen Mut machen, sich ebenso auf qualifizierte Jobs zu bewerben wie Männer. Schließlich kommen aus den Wirtschaftsfakultäten mindestens ebenso viele hochqualifizierte Frauen wie Männer. Aber in unserer Fondsmanager-Studie, die wir künftig jedes Jahr durchführen wollen, haben wir festgestellt, dass nur 8% der Fondsmanager in Deutschland weiblich sind. Uns interessiert, warum so viele Frauen nicht in der Königsklasse unserer Branche – dem Fondsmanagement – ankommen, und wollen helfen, dies zu ändern. Unser Ziel ist, diese Quote in den kommenden fünf Jahren auf 30% zu erhöhen.

Wie wollen Sie das schaffen?

Beispielsweise führen wir ein Mentoring-Programm ein, bei dem erfahrene Frauen aus der Branche jüngeren Kolleginnen für ein Jahr als Sparringspartner und Hinweisgeber zur Seite stehen. Außerdem sorgen wir durch die von uns organisierten regionalen Treffen für gute Möglichkeiten, sich untereinander auszutauschen und zu vernetzen. Dabei haben wir festgestellt, dass es durchaus viele qualifizierte und erfolgreiche Frauen in unserer Branche gibt, aber es könnten natürlich mehr sein. Wir Frauen müssen uns hier gegenseitig unterstützen und motivieren, eben netzwerken – das tun die Männer schließlich auch.

Sie hatten ja gerade angesprochen, dass in Deutschland nur 8,4% aller Fondsmanager weiblich sind. Österreich liegt hier mit einem Anteil von 10,12% vor der Bundesrepublik – sind unsere Nachbarn denn frauenfreundlicher? Welche Gründe gibt es generell für den niedrigen Frauenanteil in der Branche?

Richtig, diese beiden Zahlen haben wir in unserer diesjährigen Fondsmanagerinnen-Studie herausgefunden, aber ich glaube nicht, dass man daraus schließen kann, dass unsere Nachbarn generell frauenfreundlicher sind. Fakt ist: Sowohl ein Frauenanteil von 10,1% als auch einer von 8,4% sind zu niedrig – das ist schlichtweg Verschwendung von Talent, in diesem Fall von weiblichem Talent. Über die Gründe für den geringen Frauenanteil sagen diese Zahlen natürlich nichts. Wir interessieren uns sehr dafür, woran das liegt, aber das muss man in einer anderen Studie herausfinden. Unsere Vermutung geht in die Richtung, dass es an der oft schwierigen Vereinbarkeit von Beruf und Familie liegt. Allerdings kann es das allein nicht sein. Dann müssten ja zumindest alle Frauen, die keine Familie haben, Karriere machen, und dem ist nicht so. Es muss also weitere Gründe geben.

Vorhin hatten Sie die Frauenquote erwähnt – was halten Sie davon und fordern Sie diese auch für die Investmentbranche?

Ich muss sagen, dass ich früher gegen eine Frauenquote war – schon allein deshalb, damit Frauen in guten Positionen nicht als „Quotenfrauen“ abgestempelt werden. Aber mittlerweile gab es viele Lippenbekenntnisse, dass man sich für einen höheren Frauenanteil einsetzen wolle, aber wirklich bewegt hat sich nicht viel. Laut Daten des DIW sank der Frauenanteil in den Vorständen der DAX-30-Unternehmen sogar durchgehend von 7,8% Ende 2012 auf 5,5% im Juli 2014. Die alten Frauen- und Männerbilder sind wohl zu stark eingegraben in die Köpfe, und zwar bei beiden Geschlechtern. Daher brauchen wir einen Kulturwandel, und offenbar gelingt der nur mit gesetzlichem Druck, eben einer Quote. Sind erst einmal mehr Frauen in verantwortungsvollen Positionen, zieht das weitere Frauen nach. Dann werden Frauen in Führungspositionen als normal wahrgenommen und nicht mehr als bemerkenswerter Sonderfall. Vielleicht können wir dann die Frauenquote wieder abschaffen, weil wir sie nicht mehr benötigen, aber solch ein kultureller Wandel braucht vermutlich seine Zeit.

Studien haben ergeben, dass gemischte Investment-Teams erfolgreicher sind. Sind Frauen gar die besseren Fondsmanager?

„Frauen sind die besseren Fondsmanager“ wäre natürlich eine klasse Headline – ich bin ja selbst Journalistin. Aber so einfach lässt sich das nicht sagen. Sicher ist aber, dass Frauen und Männer unterschiedlich arbeiten und auch unterschiedlich investieren. Das haben wissenschaftliche Studien übrigens sowohl für Privatanleger als auch für professionelle Investoren und Fondsmanager ergeben. Beispielsweise investieren Frauen im Durchschnitt konservativer und traden seltener als Männer. In bestimmten Marktszenarien schneiden daher Frauen besser, und in anderen die Männer besser ab. Aber die ganz wilden Geldmacher der Investmentbanken, die ihren Firmen am Ende Milliardenverluste eingebrockt haben – ich denke da an Nick Leeson, Yasuo Hamanaka, Jérôme Kerviel oder Kweku Adoboli – die waren alle männlich.

Wie sieht es auf der Kundenseite aus: Investieren Frauen ihr Geld lieber in Fonds, die von Frauen gemanagt wurden? 2012 haben Forscher der Universität Mannheim herausgefunden, dass Männer von Frauen verwaltete Fonds sogar meiden würden. Hat hier mittlerweile ein Umdenken stattgefunden?

Richtig, diese Studie hat Professor Alexandra Niessen-Ruenzi von der Universität Mannheim 2012 veröffentlicht. Ihre Ergebnisse zeigen, dass von Frauen gemanagte Fonds im Schnitt 15% weniger Zuflüsse als die von Männern geführten Fonds haben. Das liegt laut den Studienergebnissen an Vorurteilen der Anleger – männlicher und weiblicher. Professor Alexandra Niessen-Ruenzi wird übrigens auf unserem Fondsfrauen Gipfel am 26.01.2016 in Mannheim ihre aktuellen Studienergebnisse vorstellen. Sie fragten, ob bereits ein Umdenken stattgefunden hat? Kürzlich wurden verschiedene Studien veröffentlicht, nach denen die Aktienentwicklung von Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil im Management signifikant besser ist. Zu diesem Thema gibt es übrigens bereits einen Index – den Women in Leadership Index – und erste Produkte, in die man investieren kann. Sallie Krawcheck von Ellevate Asset Management hat in den USA einen Indexfonds vorgestellt, der in Firmen investiert, die weibliche Führungskräfte fördern. Und ein weiteres Produkt soll es möglicherweise auch bald in Europa geben. (sg)





AssCompact Abonement

Sie wollen das AssComapct Magazin und/oder den AssCompact Newsletter abonnieren? Klicken Sie hier

Sie sind bereits Leser des AssCompact Magazins und möchten Ihre Daten ändern? Klicken Sie hier

Empfohlener Artikel

Hohe Beitragssteigerungen in der PKV bleiben 2016 aus. Auf das Neugeschäft hat dies aber keinen Einfluss: Immer weniger Kunden entscheiden sich für den Abschluss einer PKV-Vollversicherung. Zudem geht ASSEKURATA davon aus, dass die Beiträge aufgrund eines sinkenden Rechnungszinses in naher Zukunft wieder deutlich höher steigen könnten.