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Geplante Gesundheits-Apps der PKV-Versicherer erreichen Bundestag
12. Januar 2015

Geplante Gesundheits-Apps der PKV-Versicherer erreichen Bundestag

Wer Gesundheits- und Fitnessdaten über sich selbst sammelt und diese an seinen Versicherer weiterleitet, wird belohnt. So lautet das Versprechen, das die geplanten Gesundheits-Apps der PKV-Versicherer geben. Die Kritik an den Vorhaben ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Nun hat die Diskussion in Form einer Kleinen Anfrage vonseiten der Fraktion DIE LINKE auch die Politik erreicht. Gleich 37 Fragen sind darin formuliert.


Wer Gesundheits- und Fitnessdaten über sich selbst sammelt und diese an seinen Versicherer weiterleitet, wird belohnt. So lautet das Versprechen, das die geplanten Gesundheits-Apps der PKV-Versicherer geben. Die Kritik an den Vorhaben ließ erwartungsgemäß nicht lange auf sich warten. Nun hat die Diskussion in Form einer Kleinen Anfrage vonseiten der Fraktion DIE LINKE auch die Politik erreicht. Gleich 37 Fragen sind darin formuliert.


Geplante Gesundheits-Apps der PKV-Versicherer erreichen Bundestag

Die Planungen zum Produkt „Vitality“ haben bereits begonnen, verkündete die Generali Versicherungsgruppe im November vergangenen Jahres. Das Konzept beinhaltet, dass Kunden Daten über ihr Fitnessverhalten, ihren Gesundheitszustand oder beispielsweise auch ihre Medikamenteneinnahme in einer App sammeln und diese dann dem Versicherer zur Verfügung stellen. Die Daten dienen schließlich als Grundlage eines Belohnungssystems, das beispielsweise Rabatte für Life-Style-Aktivitäten enthält. Die Kunden sollen zudem motiviert werden, ihre Lebensgewohnheiten zu verbessern. Auch andere große Versicherer wie Allianz oder AXA sollen über ähnliche Modelle nachdenken.

Die Vorhaben der Versicherer haben schnell eine Diskussion darüber ausgelöst, welchen Nutzen die Versicherer aus der Datensammlung ziehen werden. Auch die Partei DIE LINKE beschäftigt sich nun mit den Fragen rund um die Gesundheits-Apps und stellte eine Kleine Anfrage an die Bundesregierung. Dort heißt es: „Für die Versicherungen ergibt sich der Nutzen eines solchen Angebots aus den genaueren Informationen, die sie über ihre Versicherten haben. Sie erlangen gegenüber Wettbewerbern einen Wettbewerbsvorteil, die diese fraglichen Datensammlungen nicht durchführen. Eine gewisse Risikoselektion zugunsten der stärker datensammelnden Unternehmen scheint gewiss, da Kundinnen und Kunden, die ein ‚gutes Risiko‘ darstellen, eher bereit sein dürften, ihre Daten weiterzugeben als die, die ein ‚schlechtes Risiko‘ darstellen. Das führt auch dazu, dass Kundinnen und Kunden, die aus Gründen der Privatsphäre diese Daten für sich behalten wollen, von den Versicherern möglicherweise Nachteile zu erwarten haben, im Gegensatz zu datenweitergebende Kundinnen und Kunden.“ DIE LINKE fürchtet, dass zukünftig Versicherungswillige abgelehnt werden, die sich nicht bereiterklären, bei der Datensammlung mitzumachen. Risikozuschläge und Boni könnten zudem gezielter eingesetzt werden. Eine dermaßen verstärkte Individualisierung führe aber zu einer Entsolidarisierung in der privaten Krankenversicherung, so die Oppositionspartei. Benachteiligt würden zudem Menschen mit Behinderungen und oder auch chronisch oder häufig Kranke.

DIE LINKE will nun in 37 Fragen von der Bundesregierung beispielsweise wissen, ob diese Bedenken gegenüber den geplanten Vorhaben der Versicherer hat und ob diese eine gesetzliche Regulierung anstrebe. Sie wirft auch die Frage auf, ob eine Art „Positivliste“ dessen, welche Daten erhoben werden dürfen – ähnlich wie bei Sozialversicherungen geregelt – als Lösung erachtet wird. Weitere Fragen drehen sich um datenrechtliche und verfassungsrechtliche Themen.

Als Gegenleistung: Mehr Daten über Versicherungsunternehmen?

Gefragt wird unter anderem auch: „Wäre es sinnvoll, den vermehrten Daten über die Eigenschaften der Kundinnen und Kunden bezüglich ihrer Versicherungsfähigkeit auch vermehrte Daten über die Vertrauenswürdigkeit von Versicherungsgesellschaften gegenüberzustellen, wie zum Beispiel Ablehnungsquoten, geführte Prozesse, Kapitalmarkt-Ratings, Aufklärung über die Nachteile der Nutzung verschiedener Produkte für die Kundinnen und Kunden von offizieller Stelle u. a.?“

Eine Antwort der Bundesregierung steht noch aus. Letztlich geht es ähnlich wie im Bereich der Telematikverfahren in der Kfz-Versicherung um die Privatsphäre, den Datenschutz und den Ge- bzw. Missbrauch von Daten durch Unternehmen. In der Kfz-Versicherung ist die anfängliche Euphorie über Telematiktarife zumindest in Deutschland verflogen. Selbst die Versicherer sehen für die nächsten Jahre eher eine verhaltene Entwicklung. (bh)




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