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Run-off und Verkauf von LV-Beständen beunruhigt Makler
11. Oktober 2017

Run-off und Verkauf von LV-Beständen beunruhigt Makler

„Wie hältst Du es mit der Lebensversicherung?“ Diese Frage erreicht die Lebensversicherer in den vergangenen Tagen hundertfach. Sie kommt von Kunden und von Versicherungsmaklern, die beunruhigt sind. Auslöser ist der geplante Verkauf zweier großer Lebensversicherungsbestände.


Die klassische Lebensversicherung ist in den vergangenen Jahrzehnten mit starken Argumenten für die Altersvorsorge vermittelt worden. Die Niedrigzinsphase hat die Situation verändert. Die aktuellen Diskussionen um den Run-off oder Verkauf von rund zehn Millionen Lebensversicherungsverträgen vonseiten der Generali und der ERGO sorgen nun für weitere Unsicherheit. Das veranlasst auch Versicherungsmakler zu zahlreichen Nachfragen bei ihren Versicherungspartnern. Die Fragen dürften immer die gleichen sein: „Wie geht Ihr mit Eurem Bestand an klassischen Lebensversicherungen um?“, „Plant Ihr auch einen Run-off oder einen Verkauf?“, „Wie steht es um meine Kunden?“

NÜRNBERGER betont Verantwortung für Kunden und Makler

Die Diskussionen beunruhigen die Branche. In den vergangenen Tagen fanden sich hier deutliche Worte. So sprach der Bund der Versicherten (BdV) von einem Erdbeben, Journalist Herbert Fromme (Versicherungsmonitor) von einem PR-Desaster. Seither gibt es auch immer wieder öffentliche Bekundungen vonseiten der Versicherer. Vor wenigen Tagen äußerte sich Dr. Markus Faulhaber, Vorstandsvorsitzender der Allianz Lebensversicherungs-AG, dahingehend, dass ein Verkauf für die Allianz kein Thema sei. Dr. Armin Zitzmann, Vorstandsvorsitzender der NÜRNBERGER Versicherung, bezog ebenfalls Stellung: „Kunden und Makler wählen den Versicherer, dem sie ihre Altersvorsorge anvertrauen, mit großem Bedacht aus – in der Erwartung, dass dieser für sie die bestmögliche Rendite erwirtschaftet. Die NÜRNBERGER Lebensversicherung (NLV), die rund drei Millionen Verträge im Bestand hat, steht zu ihrer Verantwortung gegenüber Kunden und Maklern. Deshalb kommt ein Run-off für die NLV nicht in Frage. Sie kann dieses Versprechen geben, weil sie ihre Geschäftspolitik unabhängig von ausländischen Großkonzernen gestalten kann.“ Von den großen Versicherern hat sich die Talanx laut Zeitungsberichten ebenfalls gegen einen Verkauf entschieden, die AXA prüfe, wie zu lesen war. Basler Leben und ARAG Leben haben den Verkauf an die Frankfurter Leben-Gruppe schon hinter sich.

BaFin muss Verkauf genehmigen

Während ein Run-off keine Genehmigung der BaFin benötigt, muss jeder Verkauf von der Aufsichtsbehörde genehmigt werden. Vor Kurzem erklärte Dr Frank Grund, Exekutivdirektor Versicherungs- und Pensionsfondsaufsicht bei der BaFin, im AssCompact Interview: „Run-off bedeutet ja, dass der Versicherer kein Neugeschäft mehr zeichnet und den Bestand lediglich abwickelt. Es kann auch nur ein Teil des Geschäfts betroffen sein, also bestimmte Tarife. Das bedarf keiner Genehmigung durch die BaFin. Wir kommen erst ins Spiel bei einer sogenannten Bestandsübertragung oder bei einem Verkauf des Unternehmens. Bei beiden Formen stellen wir hohe Anforderungen an die Wahrung der Belange der Versicherten.“ Ein Mitspracherecht darüber, ob sein Vertrag verkauft wird, hat der Kunde gemäß Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG) allerdings nicht. Bei den bisherigen Aufkäufen hieß es bisher aber immer, für die Versicherten ändere sich nichts. Aufgrund geringerer Verwaltungskosten könne man an den bisherigen Konditionen und Bedingungen festhalten. Wie sich die Verträge tatsächlich entwickeln werden, wird erst die Zukunft zeigen.

Geschäftsmodell private Altersvorsorge in Gefahr?

Ob nun Run-off oder nicht: Die Branche mahnt mittlerweile zur Ruhe. Denn dass neben der Aufsicht auch der Gesetzgeber genau hinsehen wird, wie sich der Lebensversicherungsmarkt weiter entwickelt, dürfte den Branchenteilnehmern klar sein. Für 2018 steht die Evaluierung des LVRG an. Und in den Koalitionsverhandlungen wird man genau achtgeben, wie die Lebensversicherer mit ihrem Geschäftsmodell private Altersvorsorge umgehen. Versicherungsmakler dürften die Entwicklungen – trotz bereits eingeleiteter Diversifizierung ihrer Geschäftsmodelle – aus existenziellen Gründen sowieso weiter mit Interesse verfolgen. (bh)





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