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Smart Contracts: Zukunftsmodell für die Versicherungswelt?
10. Juli 2018

Smart Contracts: Zukunftsmodell für die Versicherungswelt?

Stellten sich die Menschen vor einigen Jahrzehnten noch durch fiktive Stellvertreter wie Neo im Blockbuster „Matrix“ oder den Robocop die Frage, wie weit die Verquickung von Mensch und Maschine gehen kann, so sind wir heute schon einen Schritt weiter. Jetzt lautet die Frage: Wie weit geht sie schon?


Stellten sich die Menschen vor einigen Jahrzehnten noch durch fiktive Stellvertreter wie Neo im Blockbuster „Matrix“ oder den Robocop die Frage, wie weit die Verquickung von Mensch und Maschine gehen kann, so sind wir heute schon einen Schritt weiter. Jetzt lautet die Frage: Wie weit geht sie schon?


Smart Contracts: Zukunftsmodell für die Versicherungswelt?

Auch aus der Assekuranz gibt es bereits praktische Antworten wie etwa die Fizzy-Police der AXA oder die automatisierte Bewerbungs-Sprachanalyse von Talanx.

Fizzy verarbeitet Schadenmeldungen in der Reiseversicherung via Blockchain vollautomatisch, und im Falle der Talanx stellen sich Manageranwärter einem Roboter, der mit ihnen ein automatisiertes Telefongespräch führt. Dadurch betreten beide Versicherer neues Terrain. Im Falle einer Fehlentscheidung stellt sich eine völlig neue Frage: Trägt eine künstliche Intelligenz die Verantwortung für ihre Entscheidungen? Kann sie das überhaupt? Und falls nicht, wer sonst?

„Schluss mit dem Kommunikationspingpong“

Mit Fizzy kommt neben der Blockchain noch ein weiteres Funktionselement zum Tragen: ein Smart-Contract-Netzwerk, bei dem digitale Vertragsdaten des Kunden mit einer globalen Flugverkehrsdatenbank verbunden sind. Das System basiert neben der Blockchain auf der Kryptowährung Ethereum und greift immer dann, wenn sich der Flug eines Versicherten um mehr als zwei Stunden verspätet. Und das ohne jede Schadenmeldung des Reisenden. Sowohl die Beiträge als auch die Auszahlung im Schadenfall erfolgen über die Blockchain. Um einen Betrug auszuschließen, ist Fizzy über einen sogenannten Smart Contract mit einer weltweiten Flugverkehrsdatenbank verknüpft. Dadurch „merkt“ die Versicherung, ob ein Flug ausfällt, und kann automatisch leisten.

Der „Blockchain Captive“-Prototyp der Allianz indes versichert die einzelnen Standorte großer Unternehmen überall auf der Welt mit einer firmeninternen Captive-Insurance. Die schrittweise Abhandlung im Schadenfall wird ebenfalls mittels eines Smart Contracts verkürzt, sodass die Leistung wesentlich schneller eintritt als mit einer gewöhnlichen Versicherung. „Mit Smart Contracts kann man dieses ganze Kommunikationspingpong absolut abkürzen. Die Kommunikation zwischen Versicherer und Endkunde wird kürzer und schlanker werden“, erklärt Christian Müller, Senior Consultant und Gründer der RWM-Group.

Ein ungeahntes Potenzial?

Die einfache Wenn-Dann-Logik lässt die Fantasie und teils auch die Herzen von Analysten und Unternehmensberatern höher schlagen. Sie sehen in Blockchain und Smart Contacts ein erhebliches Potenzial für die Versicherungswirtschaft, und das nicht nur im Hinblick auf Kosten- und Zeitersparnis im Rahmen automatisierter Entscheidungs- und Regulierungsprozesse, sondern auch für neue Produktwelten. So testeten Allianz und Munich Re unlängst die automatische Regulierung im Falle eintretender Naturkatastrophen. Im Gegensatz zum bisherigen Verfahren, bei dem Makler oder Intermediäre eine Transaktion erst manuell freigeben müssen, entscheidet hier die Blockchain über die Auszahlung. Das Ergebnis: geringere Kosten und schnellere Abwicklung im Vergleich zum manuellen Prozess, wie der GDV berichtet.

Auch für Mikroversicherungen ergeben sich laut einer Studie von McKinsey neue Anwendungsszenarien. So sehen die Experten Potenziale für automatische Versicherungsverträge im „Internet of Things“, dem „Internet der Dinge“. Hier könnten etwa Elektrogroßgeräte, die an das Internet angeschlossen sind, automatisch versichert und im Schadenfall auch reguliert werden.

„Der gesunde Hausmännerverstand wird nicht verschwinden“

Doch trotz aller technologischer Euphorie: Bei komplexeren Entscheidungen sei immer noch der Mensch gefragt, ist Christian Müller überzeugt: „Etwa wenn es um ethische Fragen geht, um die Frage nach einem Einzelschicksal, darf man die Entscheidung nicht einer Maschine überlassen.“ Das gelte ebenso bei ausgeklügelten Betrugsversuchen, die ein Smart Contract nicht erkennt, wie auch bei Versicherungen, die nur an einer einfachen Bedingung hängen. „Der gesunde Hausmännerverstand wird ganz sicher nicht verschwinden“, betont Müller.

Text: Lars-Eric Nievelstein, Redaktion NewFinance Mediengesellschaft




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