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Warum Versicherungsnehmer ihre Lebensversicherung kündigen
14. September 2015

Warum Versicherungsnehmer ihre Lebensversicherung kündigen

Mit einigen überraschenden Ergebnissen wartet eine Studie über den Zweitmarkt für Lebensversicherungen auf. So heißt es dort etwa, dass über 70% der LV-Besitzer von der Möglichkeit, ihre Police verkaufen zu können, Kenntnis haben. Zudem seien finanzielle Engpässe beim Versicherungsnehmer nicht mehr der Hauptgrund für die Kündigung einer Police. Und: Die Zweitmarktexperten richten einen Appell an die Versicherer.


Eine repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Bundesverband Vermögensanlagen im Zweitmarkt Lebensversicherungen e.V. (BVZL) hat ermittelt, warum die Deutschen ihre Lebensversicherung kündigen oder verkaufen wollen. An der Spitze stehen demnach Zweifel an der Rentabilität der Lebensversicherung. Ein Drittel derjenigen, die schon einmal eine Lebensversicherung gekündigt oder verkauft bzw. dies erwogen haben, sind überzeugt, dass sich Lebensversicherungen als Geldanlage immer weniger lohnen. Und 14% dieser Gruppe geben vor diesem Hintergrund als Motiv an, dass sie ihr Geld besser, zum Beispiel in Form von Aktien oder Fonds, anlegen wollen bzw. wollten. 22% sind zudem ausdrücklich skeptisch, wieweit Lebensversicherungen überhaupt noch eine sichere Form der Geldanlage darstellen. Nur noch bei 21% der Befragten hängen die Kündigungs- und Verkaufsüberlegungen nach wie vor mit der eigenen wirtschaftlichen und finanziellen Situation zusammen. Das sind weniger, als dies noch 2007 in einer diesbezüglichen Allensbach-Umfrage war.

 

Warum Versicherungsnehmer ihre Lebensversicherung kündigen
Bekanntheit der Verkaufsoption

Während noch Ende Juli Max Ahlers, Geschäftsführer des LV-Aufkäufers Policen Direkt, gegenüber AssCompact die zu geringe Bekanntheit des Zweitmarkts in der Bevölkerung als größtes Hemmnis für Verkäufe angeführt hat, besagt die Studie, dass die Verkaufsoption der Mehrheit der Bevölkerung und vor allem großen Teilen der aktuell Lebensversicherten durchaus bekannt ist: 60% der Bevölkerung, 72% derjenigen, die derzeit eine LV besitzen, haben nach eigener Auskunft davon gehört, dass man eine Lebensversicherung während der Vertragslaufzeit auf dem Zweitmarkt veräußern kann. Eine erstaunlich hohe Zahl, muss doch in Deutschland bisher bei Abschluss einer Lebensversicherung – anders als in Großbritannien – nicht auf diese Möglichkeit hingewiesen werden.

Transparenz-Appell an Versicherer

Der BVZL sieht die Studienergebnisse als Ermunterung, die Informationen für Verbraucher, Makler, Vermittler und potenzielle Investoren auszuweiten sowie identifiziertes Optimierungspotenzial – zum Beispiel Aufklärung und Information über die Einfachheit des Verkaufsprozesses oder den Erhalt eines Resttodesfallschutzes bei Verkauf der Police – im Sinne der veräußerungswilligen Policenbesitzer schnellstmöglich umzusetzen. Zudem verweist der BVZL auf das aktuell positive Marktumfeld: So betrage die Ankaufswahrscheinlichkeit für angebotene Policen seit Beginn des Jahres wieder über 60%.

In Richtung Versicherungsgesellschaften appelliert der BVZL als größter institutioneller Versicherungsnehmer, die Transparenzanforderungen an die Wertemitteilungen zu erfüllen. Von den Zweitmarkt-Experten klar favorisiert würde in diesem Fall als Ergebnis eine einheitliche Branchenlösung ohne Vorgaben und Handeln der Politik und des Gesetzgebers.

BVZL-Vorstand Ingo Wichelhaus stellt aber auch klar: „Sollte sich die Branche der Erstversicherer in dieser Frage jedoch weiterhin so wenig bewegen, wird verstärkt auch dieser Weg und eine zukünftig noch engere Kooperation mit anderen Verbänden und Verbraucherschutzorganisationen in dieser Sache definitiv gesucht und nicht mehr ausgeschlossen.“ (bh)





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