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Asien: Der Kontinent der großen Zahlen

Die aktuellen politischen Geschehnisse rücken auch im Investment immer mehr in den Fokus – gerade in Zeiten des Superwahljahres. Auch in Asien tut sich dieses Jahr so einiges. Ein ETF-Experte beim Vermögensverwalter Franklin Templeton gibt einen Einblick, worauf Berater und Anleger achten sollten.

Interview mit Martin Bechtloff, ETF Distribution, Germany andAustria bei Franklin Templeton
Herr Bechtloff, zum Einstieg eine kurze Einschätzung zur aktuellen Lage in der Region Asien?

Sehr gerne, und vielen Dank für die Einladung zum Interview! Die aktuelle Lage am Asienmarkt hängt von vielen Faktoren ab wie geopolitischen Entwicklungen, von wirtschaftlichen Entwicklungen und auch von politischen Entscheidungen. Im Allgemeinen lässt sich aber sagen, dass wir mit Asien einen extrem vielfältigen und heterogenen Kontinent haben, der sich in den letzten Jahren sehr dynamisch entwickelt hat. Wir finden dort die mit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften überhaupt, wenn sie auf China oder Indien blicken, in den kommenden Jahren aber auch Länder wie Indonesien. Auch wird Asien, wie schon im letzten Jahr, in diesem Jahr über die Hälfte zum globalen Wirtschaftswachstum beisteuern. Daher ist der Kontinent für mich persönlich immer eine Region der großen Zahlen. An den Aktienmärkten finden wir extrem heterogene Entwicklungen, sodass man z. B. Indien mit China oder Japan nur schlecht vergleichen kann. Wichtig für uns im Westen ist: Die Region Asien, genau wie Europa oder Amerika, ist extrem vielfältig, und das sieht man dann zum Beispiel auch an geopolitischen Entwicklungen und den wirtschaftlichen Entwicklungen.

Gefühlt ging der Fokus in den letzten Jahren etwas weg von Asien – wohl auch aufgrund einer etwas schwächeren Performance aus der Weltmacht China. Wie geht es hier weiter?

Sie sprechen vom chinesischen Bärenmarkt, den wir am Aktienmarkt insbesondere 2023 gesehen haben. China ist aber nicht gleich Asien und nicht gleich Emerging Markets, wenngleich ein wichtiger Baustein. Ja, taktisch kam der chinesische Aktienmarkt unter Druck. Wir bei Franklin Templeton sind jedoch der Überzeugung, dass es langfristig immer noch sehr gute Gründe gibt, ihn nicht aus dem Blick zu verlieren, wie beispielsweise die günstigen Kurs-Gewinn-Verhältnisse. Man darf auch nicht vergessen, dass China in den Portfolios der Anleger auch in den letzten Jahren immer beliebter wurde, gerade weil es sich vorher ziemlich stark dynamisch entwickelt hatte. Die Frage nach der Einschätzung des chinesischen Marktes aber muss jeder Investor einzeln für sich beantworten.

Apropos China: Indien macht hier in vielerlei Hinsicht Konkurrenz und erlebt gerade einen Aufschwung. Spüren Sie dies auch bei Ihren Produkten?

In der Tat, ja, sowohl bei passiven als auch bei aktiven Investments. Die Gründe dafür sind vielfältig. Indische Aktien werden aus gutem Grund mit einer Prämie gegenüber den Schwellenländer-Aktien gehandelt. Die indische Wirtschaft entwickelt sich sehr dynamisch – bereits jetzt ist sie die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt und wird laut dem Internationalen Währungsfonds bis Ende des Jahrzehnts zur drittgrößten aufsteigen. Dieser wirtschaftliche Aufschwung hat sich auch an den Aktienmärkten bemerkbar gemacht, wodurch er in den letzten 20 Jahren zu einem der attraktivsten Märkte geworden ist. Und auch geopolitisch findet man in Indien verhältnismäßig stabile Rahmenbedingungen mit einer gegenüber ausländischen Investoren offenen Regierung und immer mehr global operierenden Konzernen, die ihre Produktion nach Indien verlagern.

Dann gibt es da noch Taiwan und Südkorea, die gerade durch die Tech-Branche einen regelrechten Boom erleben – Stichwort Halbleiterindustrie. Wie beurteilen Sie hier den aktuellen Hype?

Über 90% der modernsten Halbleiter (mit Blick auf KI) werden in Taiwan hergestellt und Südkorea dominiert inzwischen den Markt für Hochleistungschips mit einem Anteil von fast zwei Dritteln an der weltweiten Produktion. Beide Nationen sind also im Tech-Bereich auch aus globaler Perspektive sehr wichtig und dürften volkswirtschaftlich von dem Aufschwung in der Halbleiterindustrie profitieren. Infolgedessen liegen die Wachstumsprognosen beider Länder für 2024 deutlich über den Werten aus 2023.

Interessant beim Thema Taiwan und Südkorea ist auch, dass wir die Entwicklung dort in Zyklen beobachten: Seit etwa 2000 folgen diese einem relativ vorhersehbaren Muster von etwa sechs Quartalen vom Höhepunkt zum Tiefpunkt. Demzufolge befinden wir uns aktuell in der Halbleiter-Branche in einer Phase der Expansion. Ein interessanter Zeitpunkt, einen Blick auf beide Märkte zu werfen.

Zudem sind die Einstiegsbarrieren in der Halbleiterindustrie hoch. Denn neue Produktionsanlagen erfordern erhebliche Investitionen und lange Planungs- und Bauzeiten.

2024 ist Superwahljahr – auch in Asien. Inwiefern spielt das für uns im Westen als Anleger bzw. als Berater eine Rolle?

Wir haben sehr wichtige Wahlen in Asien schon gesehen und es kommen noch weitere wichtige. Diese Wahlen können aus Sicht der Anleger mit politischen Unsicherheiten verbunden sein, insbesondere natürlich, wenn es dort Machtverschiebungen gibt, aber auch bei Themen wie der Wirtschaftspolitik, Steuerpolitik, Regulierung und Handelspolitik. Das kann zu kurzfristigen Volatilitäten im Markt beitragen, auf die Investoren potenziell reagieren.

Wo, würden Sie anhand ihrer Anlageprodukte sagen, liegt derzeit der Investitionsschwerpunkt bei Asien? Was wären gute Ansätze?

Wir beobachten seit letztem Jahr, dass die Investoren in den Schwellenländern und in Asien immer granularer vorgehen. Vor allem beliebter werden Aktieninvestments in Schwellenländern und Asien „ex Japan“, und neuerdings eben auch „ex China“.

Auch stellen wir seit etwa eineinhalb Jahren eine sehr starke Nachfrage nach indischen Aktienlösungen fest – und zwar anhaltend. Derart durchweg positives Investoreninteresse ist für einen Aktienmarkt durchaus bemerkenswert.

Vergessen werden sollte aber auch nicht, dass auch China in jüngster Zeit wieder mehr nachgefragt wird. Peking hatte vor einigen Wochen ein größeres Stützungspaket zur Stärkung und Stabilisierung des heimischen Aktienmarkts veröffentlich, und das war auch im Interesse der Anleger reflektiert.

Wie sieht das in den Fondspolicen aus?

Ursprünglich war das Interesse an asiatischen Anlageprodukten gestartet durch Aktienfonds mit Schwerpunkt auf „Asian Growth“, also das asiatische Wachstum, welches eben langfristig mit hohen Wachstumszahlen, auch verglichen mit denen in Europa, überzeugt. Daher möchten die Anleger gerne auch dort investiert sein, wo künftig das Wachstum stattfindet, gerade wenn sie in ihren Fondspolicen so einen langen Anlagehorizont haben.

Wir merken aber gleichzeitig, dass die Anleger die Asien-Investments noch nicht so griffig finden, weil die Märkte der Anlegerschaft weniger vertraut sind. Deswegen ist dann bei Versicherungsnehmern und Investoren auch im Fondspolicen-Bereich und bei Beratern der Informationsbedarf groß. Wir als Asset-Manager betreiben da gerne Aufklärung.

Eine Frage an den ETF-Experten: Vor welchem Hintergrund sind ETFs mittlerweile in Fondspolicen so stark vertreten?

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen sind die Fondspolicen-Anbieter durch die deutsche Aufsicht gefragt, den Kunden „Value for Money“ zu liefern, wodurch natürlich die Kosten in den Vordergrund gerückt sind. ETFs bieten davon tendenziell geringere.

Gleichzeitig sollen die Kunden breit aufgestellt sein, und diese breite Diversifizierung bieten ETFs. Auch bei den Versicherern bemerken wir eine steigende Nachfrage nach kompletten ETF-Modellportfolios, die dann von Anlegern auch in Fondspolicen genutzt werden können.

Als dritter Aspekt ist hier die steigende Nachfrage bei Versicherungsnehmern und Maklerinnen und Maklern zu nennen. Diese fragen immer öfter explizit ETF-Lösungen nach.

Sollte man Asien zukünftig stärker im Auge behalten?

Wichtig ist, Asien als heterogenen Kontinent wahrzunehmen und dementsprechend die Länder stärker einzeln zu bewerten. So können Anleger auch immer granularer in Asien investieren.

In Zukunft sollten wir in Asien auch weiterhin ein enormes Wirtschaftswachstum sehen. Und wenn wir Marktentwicklung eng ans Wirtschaftswachstum gekoppelt betrachten, dann wird an Asien kein Weg vorbeiführen.

Diesen Beitrag lesen Sie auch in AssCompact 06/2024 und in unserem ePaper.

Bild: © Martin Bechtloff, Franklin Templeton

 
Ein Interview mit
Martin Bechtloff

Franklin Templeton und Amundi kooperieren mit Neobrokern

Gleich zwei namhafte Fondsgesellschaften haben ihre Zusammenarbeit mit großen Neobrokern bekannt gegeben. Franklin Templeton und Amundi arbeiten bei ihren ETF-Angeboten nun mit diesen zusammen und bringen ihre Produkte auf die Plattformen.

Geldanlage über Neobroker wird immer populärer. Primär die junge Generation wagt den Schritt an die Börse über die Investments per App. Auch das Angebot wird dabei immer größer – Trade Republic, finanzen.net zero, Scalable Capital, N26, Traders Place, um nur einige bekannte Vertreter zu nennen. Und auch die Anzahl der angebotenen Produkte auf den Plattformen steigt.

Zu diesen Angeboten gesellen sich, je nach Broker, nun auch einige von Franklin Templeton und Amundi, die beide eine Kooperation mit Neobrokern verkündeten.

Amundi kooperiert mit Scalable Capital

Der französische Vermögensverwalter Amundi, der größte in Europa, startet eine neue Partnerschaft mit Scalable Capital. Scalable Capital ist als zweitgrößter Neobroker der größte Konkurrent zu Trade Republic und verfügt über eines der größten ETF-Angebote unter den europäischen Brokern. Mit der Partnerschaft haben die Kunden von Scalable Capital nun Zugang zu einer Auswahl von ETFs aus dem Hause Amundi. Insgesamt umfasst die Produktpalette mehr als 300 ETFs auf verschiedene Anlageklassen, Regionen und Sektoren.

Franklin Templeton kooperiert mit Trade Republic und justTRADE

Der Asset-Manager Franklin Templeton, der mit etwa 1,4 Bio. US-Dollar verwaltetem Vermögen ebenfalls zu den großen Unternehmen seiner Branche zählt, geht seinerseits eine Partnerschaft mit Trade Republic und justTRADE ein. Kunden dieser beiden Plattformen in Deutschland und Österreich können darüber nun in alle ETFs der Franklin Templeton ICAV-Palette investieren, wie es in der Unternehmensmitteilung heißt. Bei ICAV handelt es sich um den französischen Namen der „Collective Investment in Transferable Securities“-Verordnung, kurz „UCITS“, unter der ETFs in Europa operieren müssen. Franklin Templeton geht diesen Schritt, um seine Vertriebsaktivitäten in Deutschland und Österreich über die jeweiligen digitalen Plattformen auszubauen.

Martin Bechtloff, der für den ETF-Vertrieb für Deutschland und Österreich bei Franklin Templeton verantwortlich zeichnet, erläutert, dass es für ETFs im Retail-Bereich in Europa ein großes ungenutztes Potenzial gebe und dies in Zukunft ein wichtiger Wachstumsbereich sein werde. Bei deutschen und österreichischen Privatanlegern seien Sparpläne sehr beliebt, und durch die Zusammenarbeit mit Neobrokern erhöhe Franklin Templeton den Zugang und die Sichtbarkeit bei jüngeren Anlegern. (mki)

Bild: © Steve – stock.adobe.com

 

NAO ermöglicht Investments in Infrastruktur-ELTIF per App

Das Berliner FinTech NAO, ein Broker mit Fokus auf spezielleren Geldanlagen wie Aktienanleihen, Private Equity oder Private Debt, bietet seinen Nutzern nun die Möglichkeit, in einen neuen Infrastruktur-ELTIF von UBS Asset Management zu investieren. Die Mindestanlagesumme liegt bei 1.000 Euro.

Der European Long-Term Investment Fund (ELTIF) wird so langsam salonfähiger. Seit Anfang des Jahres sind aufgrund der ELTIF-2.0-Verordnung der Europäischen Union die Vertriebsauflagen und die Investitionsauflagen für Anleger deutlich weniger streng, wodurch sich die Angebote an ELTIFs bei den Fondsgesellschaften langsam häufen. Häufig werden ELTIFs als Vehikel für die Anlageklasse Private Equity gesehen.

Investments in Infrastruktur-ELTIF bei NAO

Auch die Asset-Management-Sparte der Schweizer Großbank UBS hat kürzlich einen ELTIF aufgelegt, der in Infrastruktur investiert, was das Berliner FinTech NAO nun als Gelegenheit nutzt, diesen in sein Angebot aufzunehmen. Bei NAO lässt sich per Smartphone in alternative Anlageklassen wie Private Debt, Private Equity, Commercial Real Estate oder Hedgefonds investieren – und jetzt eben auch in den Infrastruktur-ELTIF von UBS AM namens UBS (Lux) Infrastructure Opportunities.

Die Mindestanlagesumme bei dem ELTIF liegt dank des Co-Investment-Ansatzes von NAO, wie es in einer Unternehmensmitteilung heißt, lediglich bei 1.000 Euro. Der Fonds verfolgt eine Zielrendite von 8 bis 10% p. a. nach Kosten und Gebühren.

Darin investiert der UBS-ELTIF

Ann-Katrin Kaiser, Investment Specialist bei USB Asset Management Real Estate & Private Markets, erläutert in der NAO-Mitteilung, dass Sachwerte schon immer eine geringe Korrelation zu börsennotierten Aktien aufwiesen, was in Zeiten der Marktvolatilität besonders attraktiv sei. Insbesondere Infrastrukturanlagen seien widerstandsfähiger gegenüber makroökonomischer Volatilität und profitieren von politischem und strukturellem Rückenwind.

Laut NAO-Gründer und CEO Robin Binder investieren Anleger damit in konkrete Projekte, die Teil unserer unmittelbaren Umwelt und der Welt sind, wie man sie kennt, was bspw. Investitionen in Windparks, Solaranlagen oder Glasfasernetze sein könnten. (mki)

Bild: © desinko – stock.adobe.com

 

Finanzberater erwarten mehr ESG-Geschäft

Nachhaltigkeit und ESG sind in der näheren Vergangenheit nicht mehr so im Fokus – doch das könnte sich in den nächsten Jahren wieder ändern. Eine Umfrage von Vontobel zeigt: Finanzberater glauben, dass ESG-Themen beim Beratungsgeschäft wieder eine größere Rolle spielen wird.

Eine neue globale Studie von Vontobel hat ergeben, dass immer mehr Finanzberater, nämlich 62%, ESG-Aspekte in die Beratung ihrer Kunden integrieren. 2021 waren es noch 53%. Das Ergebnis, so Vontobel, zeigt, dass nachhaltige Angebote in der Beratung weiter an Bedeutung gewinnen – trotz des Gegenwinds und des politischen Rückschlags, den nachhaltige Anlagen in den letzten zwei Jahren erfahren haben.

Bei diesen Erkenntnissen handelt es sich um Ergebnisse aus der Vontobel Advisor ESG-Studie 2024. Sie befragte 300 Finanzberater und Vermögensverwalter in 15 Ländern in Europa, Nord- und Südamerika sowie im asiatisch-pazifischen Raum nach ihren Ansichten zu verschiedenen Aspekten und Herausforderungen von ESG-Investitionen.

ESG-Themen gewinnen an Dynamik

Auf die Frage, wieviel Prozent ihres gesamten Geschäftsvolumens aktuell in ESG investiert ist, gaben 54% der Berater weltweit an, dass derzeit weniger als 10% in diesen Bereich investiert sind. In Europa ist die Wahrscheinlichkeit der Umfrage zufolge am größten, dass ein größerer Teil des Geschäfts in diesem Bereich investiert ist: 24% investieren mindestens ein Viertel ihres Gesamtgeschäfts in Produkte mit ESG-Bezug, verglichen mit 16% in APAC und 11% in Amerika.

Es wird erwartet, dass diese Zahl in den kommenden Jahren steigen wird, da ESG-Themen in allen untersuchten Regionen weiter an Dynamik gewinnen, so Vontobel. Berater in allen drei Märkten gehen davon aus, dass dieser Bereich in den nächsten drei Jahren wachsen wird, wobei mehr als 63% erwarten, dass sie am Ende dieses Zeitraums 10% oder mehr in Produkte mit ESG-Bezug investiert haben werden. Diese Dynamik ist jedoch nicht übergreifend. Bei den Beratern, die nur begrenzt oder gar nicht in ESG investieren, war der überwiegende Grund (80%), dass sie ESG einfach für einen Trend halten.

Bedenken über Auswirkungen von ESG auf Erträge schwinden

Eine bemerkenswerte Entwicklung sind Vontobel zufolge auch die schwindenden Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen von ESG-Kriterien auf die Finanzerträge. Die meisten Berater sind nämlich nun der Meinung, dass ESG-Investitionen einen neutralen bis positiven Einfluss auf die Anlageperformance haben, wobei 65% glauben, dass sie die Performance überhaupt nicht beeinträchtigen. Am stärksten ist dies in Europa der Fall, wo 76% der Berater der Meinung sind, dass sie neutrale bis positive Auswirkungen haben.

Trotz dieses wachsenden Vertrauens allerdings stehen die Berater bei der Empfehlung von ESG-Investitionen weiterhin vor mehreren Herausforderungen. Die größten Hindernisse sind dabei uneinheitliche Standards, Metriken und Taxonomien. 88% der Berater geben an, dass diese eine gewisse oder sehr große Herausforderung darstellen. Als weitere Gründe nannten sie das unzureichende Angebot an nachhaltigen Produkten in allen Anlageklassen (82%), die sich entwickelnden ESG-Vorschriften (81%) und den Mangel an ESG-Daten, Research und Informationen (80%).

Generation Z setzt auf nachhaltige Geldanlagen

Passend zu den in der Vontobel-Studie ermittelten Erwartungen der Finanzberater gibt es auch eine anlegerfokussierte Untersuchung zu nachhaltigen Investitionen, durchgeführt vom Meinungsforschungsinstitut forsa und in Auftrag gegeben von der Gothaer. Diese hat nämlich ergeben, dass die Generation Z bei der Geldanlage großen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Für 55% der Befragten aus dieser Altersgruppe ist der Nachhaltigkeitsaspekt eher wichtig oder sehr wichtig. Bei der Frage, welcher Aspekt ihnen hierbei am wichtigsten ist, nennen 41% der Umfrageteilnehmer aus der Generation Z Umwelt- und Klimaschutz. Und 54% der Teilnehmer aus der Generation Z würden sogar eine geringere Rendite in Kauf nehmen, um nachhaltig zu investieren. (mki)

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Wie turbulent werden die Märkte im Superwahljahr noch?

Das Superwahljahr mit zahlreichen politischen Wahlen ist in vollem Gange. Das hat auch einen Einfluss auf den Kapitalmarkt. Doch wie volatil ist er angesichts der so wichtigen Ereignisse? Die EU-Finanzmarktaufsicht ESMA und auch mehrere Investmentgesellschaften äußern sich.

Politik, Wirtschaft und die Märkte – wie sich diese drei Phänomene entwickeln, lässt sich nur schwer vorhersagen. Aber dass sie irgendwie zusammen- und auch voneinander abhängen, ist wohl klar ersichtlich. Da ist ein Jahr wie dieses mit zahlreichen Wahlen ein besonders spannendes. Das wissen auch die Experten und äußern sich dementsprechend mit an die Anleger gerichteten Prognosen.

U. a. dabei sind an der Stelle Janus Henderson Investors, Principal Asset Management, Amundi und auch, in einem Handelsblatt-Interview, die Präsidentin der European Securities and Markets Authority (ESMA), Verena Ross.

Märkte werden nervös

In dem Interview vermeldet die ESMA-Chefin Unruhen an den Anleihe- und Aktienmärkten, die seit der Europawahl zugenommen hätten. Die politische Lage in Europa sei neben den geopolitischen Konflikten und der Zinswende nun also wieder Thema bei den Investoren. Für Nervosität sorgen Ross zufolge dementsprechend die anstehenden Wahlen in Frankreich, anderen EU-Staaten, aber auch den USA im November.

Trotzdem aber, so Ross, seien die Risiken durch die Zinswende und durch geopolitische Konflikte weiter da. Ein relativ kleines Ereignis könne ausreichen, um eine Marktkorrektur auszulösen.

Doch sollten sie das?

Seema Shah, Global Chief Strategist bei Principal Asset Management, warnt seinerseits in einem Marktkommentar, sich in irgendeiner Weise auf Prognosen zu Wahlen einzulassen und diese als Anlass zu Portfoliokorrekturen herzunehmen. Die jüngsten Wahlüberraschungen in Mexiko, Indien und der EU hätten die Volatilität deutlich gemacht, die durch unvorhergesehene politische Ergebnisse verursacht werden kann. Diese Ereignisse würden die Risiken verdeutlichen, die entstehen, wenn man sich bei Anlageentscheidungen auf Umfragen vor den Wahlen verlässt, da unerwartete Ergebnisse die Aktienmärkte und Währungen schnell erschüttern könnten. Angesichts der bevorstehenden kritischen Wahlen in Frankreich, Großbritannien, Japan und den USA sollten Anleger also Resilienz priorisieren und es vermeiden, übereilt Portfolioanpassungen auf Grundlage prognostizierter Wahlergebnisse vorzunehmen.

Viel auf dem Spiel

Auch Mahmood Pradhan, Head of Global Macro Economics, Anna Rosenberg, Head of Geopolitics, und Paresh Upadhyaya, Director of Fixed Income and Currency Strategies am Amundi Investment Institute haben sich vor allem mit Fokus auf die US-Wahlen im November geäußert. Das Team hat die aktuellen Aussagen der beiden Kandidaten Donald Trump und Joe Biden analysiert. Eine Fortsetzung der Politik der letzten vier Jahre könnte demnach auf den Anleihemärkten zu höheren langfristigen Renditen führen, insbesondere angesichts der Verschlechterung der US-Finanzlage, die keine der beiden Parteien in Angriff nehmen will. Eine Trump-Regierung hingegen dürfte wesentlich höhere Zölle einführen, die Abschiebung von Einwanderern ohne Papiere vorantreiben und versuchen, den Inflation Reduction Act (IRA) zu verwässern. Solche Maßnahmen könnten laut Amundi Inflation und Renditen in die Höhe treiben.

Und wie lief es sonst?

Mark Pinto, Head of Americas Equities, und Chris Benway, Director of Research bei Janus Henderson Investors, haben sich ihrerseits u. a. die Frage gestellt, wie die Kurse in vergangenen Wahljahren, vornehmlich in US-Wahljahren, verliefen. Und die gute Nachricht hierbei: Aktien hätten historisch gesehen trotz Wahlsorgen zugelegt. Die Experten untersuchten die Marktrenditen in US-Präsidentschaftswahljahren von 1937 bis 2024 und haben festgestellt, dass auch in diesen die Marktrenditen durchschnittlich um 10,1% gewachsen seien. Bislang spiegle der Markt 2024 diesen Trend auch wider, denn der S&P 500 ist im bisherigen Jahresverlauf bis zum 13.06.2024 um 14,6% gewachsen. Hauptverantwortlich dafür seien starke Unternehmensgewinne und langfristige Wachstumstrends.

Ein Risiko für die Märkte in Wahljahren allerdings sei ein angefochtenes und/oder verzögertes Wahlergebnis. Denn schließlich hasst der Markt Unsicherheit. Jeder Kommentar, der darauf hindeutet, dass diese Gefahr tatsächlich besteht, könnte also in den kommenden Monaten für Volatilität sorgen – und zwar bis ein Wahlsieger bekannt gegeben wird.

Tatsache sei laut Janus Henderson, vielleicht beruhigenderweise, aber auch: Abgesehen von der Gefahr eines umstrittenen Ergebnisses dürfte die Wahlrhetorik die Stimmung an den Märkten kaum belasten, da beide Hauptkandidaten bekannte politische Konzepte anbieten und in diesem Jahr andere wichtige Trends im Vordergrund stehen. Diese Markttreiber sind u. a. die Zinsentwicklung, das Wirtschaftswachstum, die Inflation und die Unternehmensgewinne, aber auch starke säkulare Trends wie die Fortschritte bei der künstlichen Intelligenz und der wachsende Markt für Medikamente gegen Fettleibigkeit. Diese Faktoren und nicht das politische Rennen selbst würden laut Janus Henderson wahrscheinlich eine größere Rolle dabei spielen, ob Anleger in den kommenden Monaten weiter in Aktien investieren oder eine defensive Haltung einnehmen. (mki)

Bild: © melody_a_m – stock.adobe.com

 

Vermögensverwalter müssen Gewinnrückgänge hinnehmen

Die Vermögensverwalter in Europa stehen vor großen Herausforderungen: sinkende Gewinne, ein wachsendes Gefälle zwischen den besten und den weniger erfolgreichen Unternehmen sowie die zunehmende Bedeutung passiver Fonds. Das zeigt eine Auswertung von McKinsey.

Die europäische Vermögensverwaltungsbranche durchlebt derzeit eine Phase starker Veränderungen. Laut dem 26. jährlichen McKinsey Asset Management Survey aus dem Jahr 2023 sind die Gewinne rückläufig und die Lücke zwischen den erfolgreichsten und den weniger erfolgreichen Vermögensverwaltern wächst. McKinsey legt in einer Unternehmensmitteilung zur Umfrage neun interessante Beobachtungen aus den Ergebnissen dar.

Profiteinbruch und divergente Wachstumsdynamiken

Die Gewinne der Branche sind um ein Drittel gegenüber ihrem Höchststand zurückgegangen. Trotz einer Erholung der verwalteten Vermögen (AUM) um etwa 9% im vierten Quartal 2023 zeigen sich tiefere strukturelle Probleme: Die Gewinne bei den europäischen Asset-Managern sind im zweiten Jahr in Folge gesunken und liegen nun 32 % unter dem Allzeithoch von 2021.

Das Profitabilitätsgefälle zwischen den besten und den restlichen Vermögensverwaltern hat sich außerdem weiter vergrößert. Während die Top-Quartile ihre Einnahmen steigern und Kosten effektiv managen konnten, mussten die weniger erfolgreichen Quartile Einbußen hinnehmen. Der Unterschied in den Gewinnmargen beträgt nun 28 Prozentpunkte, zehn Punkte mehr als 2018.

Passive Fonds und Marktvolatilität

Passive Fonds haben in den letzten Jahren deutlich schneller als aktive Fonds zugelegt, insbesondere in Zeiten hoher Marktvolatilität. Seit 2014 wuchsen die verwalteten Vermögen passiver Fonds jährlich um durchschnittlich 11 % schneller als die aktiver Fonds. In volatilen Jahren wie 2018, 2022 und 2023 betrug der Unterschied in den Nettozuflüssen rund 470 Mrd. Euro.

Entwicklungen in den Privatmärkten

Die Privatmärkte erleben aufgrund makroökonomischer Gegenwinde eine Verlangsamung. Die Mittelbeschaffung in Europa blieb 2023 mit 243 Mrd. US-Dollar nahezu stabil, lag jedoch 27% unter dem Höchststand von 2021. Einzig Private Equity konnte das Fundraising um 57% steigern und einen neuen Rekord verzeichnen.

Trotz der Herausforderungen zeigt eine McKinsey-Umfrage unter über 300 globalen LPs, dass 43% der Befragten planen, ihre Allokationen in private Märkte in den nächsten drei Jahren zu erhöhen.

Preisgestaltung und Leistung

Die Preisgestaltung kann bei aktiv verwalteten Anleihenfonds eine schwache Leistung teilweise kompensieren. Seit 2021 verzeichneten Fonds mit hohen Gebühren Zuflüsse von 83 Mrd. Euro, während Fonds mit geringeren Gebühren Abflüsse von 59 Mrd. Euro hinnehmen mussten. Im Gegensatz dazu ist bei aktiv verwalteten Aktienfonds vor allem die Performance entscheidend: Fonds mit hoher Performance konnten Zuflüsse von 83 Mrd. Euro verzeichnen, während andere Fonds Abflüsse von 127 Mrd. Euro erlitten.

ESG-Investments: Chancen und Herausforderungen

Obwohl die Region EMEA bei den in ESG investierten AUM führend ist, hat das Wachstum in diesem Bereich nachgelassen. Seit 2021 sind die ESG-Fonds in der EMEA-Region jährlich nur um 1% gewachsen. In den Privatmärkten hingegen ziehen Impact- und Dekarbonisierungsfonds weiterhin starke Zuflüsse an.

Trotz der allgemeinen Stagnation bieten sich für Anbieter mit einem differenzierten Angebot weiterhin attraktive Möglichkeiten, insbesondere angesichts des Bedarfs an Kapital zur Erreichung der Netto-Null-Ziele.

Unverwaltete Vermögenswerte und KI-Potenziale

Die Zinsanstiege und die Marktvolatilität haben den Anteil unverwalteter finanzieller Vermögenswerte erhöht. Mit etwa 70 Bio. Euro machen sie nun 73% der gesamten finanziellen Vermögenswerte aus. Wenn die Zentralbanken die Zinsen senken, könnte das derzeit auf der Seitenlinie stehende Kapital von rund 22 Bio. Euro eine große Chance bieten.

Generative KI könnte der Branche einen erheblichen Produktivitätsschub verleihen. Der kombinierte globale Wert durch traditionelle und generative KI wird auf etwa 60 Mrd. US-Dollar geschätzt. Asset-Manager sollten die Potenziale in den Bereichen Inhaltssynthese, Kodierung, Erstellung kreativer Inhalte und Kundenengagement nutzen, wobei Produktivitätsgewinne von bis zu 80% möglich sind.

Konsolidierungsdruck und M&A-Aktivitäten

Der Konsolidierungsdruck in der Branche wächst angesichts geringer Effizienz. Die durchschnittliche Kosten-Ertrags-Quote europäischer Vermögensverwalter ist seit 2021 um neun Prozentpunkte auf 65% gestiegen. Trotz eines Rückgangs der M&A-Aktivitäten im Jahr 2023 könnte eine Verbesserung des mittelfristigen Wirtschaftsausblicks zu einer Wiederbelebung führen.

Fazit

Die europäische Vermögensverwaltungsbranche sieht sich mit erheblichen Herausforderungen wie Gewinnrückgängen, einer aufklaffenden Schere zwischen den stärksten und schwächsten Unternehmen und unterschiedlichen Wachstumsdynamiken konfrontiert. Doch mit gezielten Investitionen und einer Anpassung an die neuen Marktbedingungen können Vermögensverwalter diese Herausforderungen in Chancen verwandeln und in einem sich radikal verändernden Umfeld erfolgreich bestehen, erläutert McKinsey. (mki)

Bild: © 78art – stock.adobe.com

 

Was ist die Zukunft der Kapitalanlage?

Am 18. und 19.06.2024 fand auf Schloss Bensberg bei Köln wieder die FinPro-Fachtagung der V.E.R.S. Leipzig GmbH statt. Auf der Veranstaltung konnten sich knapp 300 Investoren austauschen und über aktuelle Trends und Herausforderungen in der Kapitalanlage diskutieren.

Bereits zum elften Mal veranstaltete die V.E.R.S. Leipzig Gmbh auf Schloss Bensberg bei Köln die FinPro-Fachtagung für innovative Finanzprodukte. Teil nahmen 290 Expertinnen und Experten und institutionelle Investoren aus Versicherungen, Versorgungswerken sowie Pensions- und Sterbekassen. Im Fokus stand der Austausch über aktuelle Trends und Herausforderungen in der Kapitalanlage.

Schwerpunkte und brennende Fragen in der Kapitalanlage

Die diesjährige Agenda spiegelte die aktuellen Fragestellungen und Herausforderungen wider, die institutionelle Investoren beschäftigen, so die V.E.R.S. Leipzig in einer Unternehmensmitteilung zur Veranstaltung. In den verschiedenen Vorträgen und Diskussionsrunden wurden insbesondere die Auswirkungen geopolitischer Entwicklungen, die Inflationsdynamik sowie nachhaltige Investmentstrategien beleuchtet. Die Teilnehmenden hatten zudem die Gelegenheit, sich in Networking-Pausen intensiv auszutauschen und neue Kontakte zu knüpfen.

Zu den Highlights der Veranstaltung gehörte z. B. die Keynote von Gerald Weber, Chief Investment Officer der Vienna Insurance Group, mit dem Thema „Geopolitische Dynamik und volatile Märkte – die Renaissance der Diversifikation“. Darin ging es insbesondere darum, wie führende institutionelle Investoren ihre Portfolios anpassen und auf Veränderungen reagieren können, in Zeiten geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten. Auch die US-Wahl 2024 stand im Mittelpunkt, nämlich beim Vortrag „US-Wahl ‚24 – Demokratie und Weltwirtschaft in Gefahr?“ von Elmar Theveßen, Leiter des ZDF-Studios Washington, der die möglichen wirtschaftlichen und politischen Auswirkungen der bevorstehenden US-Wahl auf die globalen Märkte beleuchtete.

Podiumsdiskussion zu Fußball als Geldanlage

Passend zur aktuell stattfindenden Fußball-Europameisterschaft in Deutschland gab es auch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Fußball als Investmentobjekt?!“, an der u. a. Ex-DFB-Sportmanager und Ex-Bayern-München-Vorstand Matthias Sammer teilnahm. Die Diskussion beleuchtete verschiedene Aspekte von Investitionen in Fußballvereine und -infrastruktur. Die Teilnehmer betonten, dass es einen Unterschied zwischen strategischen und finanziellen Investitionen gibt. Während die Renditeerwartungen geringer als bei anderen Asset-Klassen sind, wurde hervorgehoben, dass langfristige Kurssteigerungen durch fundierte, sportliche Expertise erreicht werden kann.

Die Diskutantinnen und Diskutanten betonten, dass Investitionen in Fußballligen gegenüber Investitionen in einzelne Vereine oder Spieler vorzuziehen seien, da diese weniger vom sportlichen Erfolg abhingen. Zudem erforderten Investitionen in den Fußball immer auch fundierte sportliche Beratung und nicht nur reines Kapital. Langfristige Partnerschaften und Vertrauen seien deshalb entscheidend, auch wenn der Einfluss auf ESG-Aspekte oft begrenzt sei. (mki)

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Sind die hohen US-Aktienkurse Grund zur Sorge?

Möglicherweise unterschätzen die Märkte, was höhere Zinsen für die Bewertungen von Aktien bedeuten. Eine Expertin des Vermögensverwalters Vanguard gibt ihre Einschätzung ab, wie die derzeitige Lage am US-Aktienmarkt zu bewerten ist.

Ein Artikel von Qian Wang, Chief Economist Asia-Pacific und Global Head of the Vanguard Capital Markets Model

Höhere Zinsen können die Kurse an den Finanzmärkten unter Druck setzen. Der US-Anleihemarkt hat das Hochzinsumfeld inzwischen weitgehend eingepreist, wie die deutlichen Kursrückgänge an den Anleihemärkten in den letzten zwei Jahren zeigen. Anders die Lage am Aktienmarkt, wo die Kurse neue Rekordstände erreicht haben. Möglicherweise blicken Anlegerinnen und Anleger zu sorglos auf die steigenden Bewertungen.

US-Aktienbewertungen: Stand der Lage

Aktienbewertungen zeigen an, wie die Märkte den Wert eines Unternehmens einschätzen – und wirken im Moment etwas schwindelerregend. Das nachstehende Diagramm bildet eine gängige Kennzahl für die Bewertung von US-Aktien ab: das zyklisch bereinigte Kurs-Gewinn-Verhältnis (CAPE). Um die Auswirkungen von Konjunkturzyklen zu glätten, setzt das CAPE die aktuellen Aktienkurse in Relation zu den inflationsbereinigten 10-Jahres-Gewinnen je Aktie. Im Januar 2024 lag das CAPE für US-Aktien nun bei über 30 und damit auf einem der höchsten Stände der letzten 70 Jahre.

Was wir jedoch als Fair Value einer Aktie ansehen, hängt zum Teil vom wirtschaftlichen Umfeld ab, zu dem neben Zinsen und Inflation auch die Marktvolatilität gehört. In Zeiten niedriger Zinsen, niedriger Inflation und geringer Volatilität können höhere Aktienbewertungen durchaus gerechtfertigt sein. Warum? Weil niedrige Zinssätze auch niedrigere Abzinsungssätze bedeuten – und damit niedrigere Kosten für eine heutige Beteiligung an den künftigen Gewinnen eines Unternehmens.

Die US-Aktienkurse haben neue Höchststände erreicht, gleichzeitig sind unsere Fair-Value-Schätzungen aufgrund der steigenden Zinsen jedoch gesunken. Die wachsende Kluft zwischen den Aktienkursen und den Ergebnissen unserer Analyse hat dazu geführt, dass die Bewertungen heute etwa 30% über unserer Fair-Value-Schätzung liegt.

Dazu muss man wissen: US-Aktien waren selten so teuer wie heute. Die Bewertungen liegen aktuell im 99. Perzentil und wurden seit 1950 nur von der Dotcom-Blase und der Phase nach dem Ende der Covid-Lockdowns übertroffen (siehe nachstehende Grafik).

Wie sich die Bewertungslücke bei US-Aktien schließen könnte

Sinkende Zinsen könnten dazu beitragen, die Bewertungslücke zu schließen. Bei der Eindämmung der Inflation ist die Fed allerdings bisher hinter ihren Zielen zurückgeblieben, weshalb wir einen schnellen Kurswechsel für unwahrscheinlich halten. Denkbar ist sogar, dass die Fed die Zinsen in diesem Jahr überhaupt nicht mehr senkt, und wenn doch, dann wahrscheinlich nicht in einem Ausmaß, das unsere Fair-Value-Schätzungen deutlich verschieben würde. Jedenfalls halten wir es für unwahrscheinlich, dass die Fair-Value-Spanne ab 2025 wieder auf das Niveau des Jahres 2020 steigt. Die Ära der Nullzinsen ist Geschichte.

Wahrscheinlicher ist daher, dass sich die Lücke durch sinkende Aktienkurse schließen wird.

Hohe Bewertungen, steigende Risiken

Sind die hohen US-Aktienkurse Grund zur Sorge?

Das von Vanguard berechnete Fair-Value-CAPE von US-Aktien beruht auf einem statistischen Modell, welches das CAPE um Zinseffekte und Inflation bereinigt. Die statistische Modellspezifizierung ist eine Vektor-Fehlerkorrektur (VEC) mit drei Variablen: Gewinnrenditen von Aktien, nachlaufende 10-Jahres-Inflation und 10-Jahres-Treasury-Renditen, geschätzt über einen Zeitraum von Dezember 1940 bis Januar 2024. Für weitere Informationen siehe As US Stock Prices Rise, the Risk-Return Trade-Off Gets Tricky aus der Vanguard Serie Global Macro Matters (2017). Sinkt das Fair-Value-CAPE, muss die Aktienrisikoprämie (ERP) steigen; steigt das Fair-Value-CAPE, sollte die Aktienrisikoprämie sinken.

Was Aktienbewertungen aussagen – und was nicht

Bewertungen sind ein guter Indikator für langfristige Aktienrenditen. Für die weitere Entwicklung der US-Aktienmärkte sind die hohen Bewertungen dieser Tage daher ein schlechtes Zeichen.

Doch auch wenn die Bewertungen aktuell zweifellos hoch sind, ist kurzfristig ein weiterer Anstieg durchaus möglich. Für Timing-Strategien sind Bewertungen ungeeignet, und selbst über längere Zeiträume sind Bewertungen keine unfehlbaren Indikatoren für Mehr- oder Minderrenditen.

Trotz unserer eher mageren 10-Jahres-Prognosen für den US-Aktienmarkt raten wir Anlegerinnen und Anlegern daher von drastischen Veränderungen ihrer Asset-Allokation ab.

Ein Mittel gegen hohe Aktienbewertungen: Diversifizierung

Unabhängig von unseren US-Aktienprognosen trägt eine Mischung aus nicht perfekt korrelierten Anlagen dazu bei, das Portfoliorisiko zu reduzieren. Genau wie ausgewogene Ernährung die Gesundheit fördert, bietet ein ausgewogenes Portfolio Anlegerinnen und Anlegern eine gute Chance, ihre langfristigen finanziellen Ziele zu erreichen.

Da der Übergang zu höheren Zinsen noch nicht abgeschlossen ist, ist auch in diesem Jahr weitere Volatilität denkbar. Multi-Asset-Anlegerinnen und -Anleger mit einer strategischen Asset-Allokation aus globalen Aktien und Anleihen sollten jedoch langfristig für Geduld und Disziplin belohnt werden. Da Timing-Strategien in der Praxis selten erfolgreich sind, empfehlen wir Anlegerinnen und Anlegern, Kurs zu halten und sich auf langfristige Ergebnisse zu konzentrieren, denn so haben sie aus unserer Sicht langfristig die besten Erfolgschancen.

Bild: © Vanguard; Grafik: Berechnungen von Vanguard auf Grundlage von Daten der Webseite von Robert Shiller sowie dem US Bureau of Labor Statistics, dem Federal Reserve Board, Refinitiv und Global Financial Data.

 
Ein Artikel von
Qian Wang

Amundi senkt Verwaltungskosten für zahlreiche ETFs

Amundi, der größte europäische Vermögensverwalter, hat im Rahmen des Preiskampfs im Fondsgeschäft seine Verwaltungskosten für einige seiner ETFs gesenkt. Das Unternehmen will dadurch Kosteneinsparungen an seine Kunden weitergeben.

Der französische Asset-Manager Amundi reduziert für einige seiner ETFs die Verwaltungskosten. Das teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Hintergrund sei demnach, Kunden von Skaleneffekten profitieren lassen zu wollen.

Amundi-ETFs werden günstiger

Insgesamt 22 der über 300 börsengehandelten Indexfonds werden im Rahmen der Gebührensenkung günstiger, so Amundi. Sie gilt u. a. für ETFs auf US- und Euro-Aktien bspw. den S&P 500 und den EURO STOXX 50, mit und ohne ESG-Komponente, sowie US-Staats- und Euro-Unternehmensanleihen. Die stärkste Reduktion dürfte der Amundi MSCI Japan ESG Climate Net Zero Ambition CTB UCITS ETF EUR Acc erfahren. Dieser hatte vorher eine TER von 0,45% p. a., jetzt nur noch 0,15% p. a.

Amundi senkt Verwaltungskosten für zahlreiche ETFs

Möglich seien die Senkungen durch die Größenvorteile von Amundi, wodurch das Unternehmen Kosteneinsparungen an seine Kunden weitergeben könne. „Wir wissen, wie wichtig Kosteneffizienz bei Investitionen ist. Daher werden die Gebührensenkungen Anlegern helfen, ihre Anlageziele zu erreichen, ohne Kompromisse bei der Qualität einzugehen“ erläutert Benoit Sorel, Global Head of Amundi ETF, Indexing & Smart Beta die Kostensenkungen. (mki)

Grafik: © Amundi Asset Management; Bild: © Stockwerk-Fotodesign – stock.adobe.com

 

Viele VL-Berechtigte wissen nicht, dass sie förderberechtigt sind

Laut einer repräsentativen Forsa-Umfrage, die im Auftrag von Union Investment durchgeführt wurde, weiß eine beachtliche Anzahl an Menschen, die beim Sparen mit vermögenswirksamen Leistungen förderberechtigt sind, nichts von ihrem Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage.

Im Zuge des Zukunftsfinanzierungsgesetz wurde die Förderung bei vermögenswirksamen Leistungen (VL) zum Jahresbeginn 2024 deutlich ausgeweitet. Die Grenze für die Förderung verdoppelte sich auf ein zu versteuerndes Jahreseinkommen von 40.000 Euro für Alleinstehende und 80.000 Euro für Verheiratete/Lebenspartnerschaften.

Allerdings sei diese massive Ausweitung weitgehend unbekannt, wie nun eine aktuelle, repräsentative Forsa-Umfrage zeigt, die ursprünglich Union Investment in Auftrag gegeben hatte. Dementsprechend war vielen förderberechtigten Befragten nicht bekannt, dass sie eigentlich einen Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage hätten.

Ausweitung der Förderung bei VL weitgehend unbekannt

85% der Befragten wussten laut der Mitteilung von Union Investment zur Umfrage nichts von der Ausweitung der Förderung. Entsprechend gaben rund 60% der VL-Berechtigten an, keinen Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage zu haben. Dies dürfte allerdings bei den meisten eine Fehleinschätzung sein, denn durch die Gesetzesänderung stieg die Zahl der anspruchsberechtigten Personen laut einer Berechnung von empirica von knapp 8 Millionen auf nun rund 21 Millionen Arbeitnehmer, so Union Investment.

Kerstin Knoefel, Leiterin Privatkunden bei Union Investment, schätzt, dass nun 70% aller Arbeitnehmer einen Anspruch auf die Arbeitnehmersparzulage hätten. Die Tatsache, dass die Ausweitung der Fördergrenzen nahezu unbekannt sei, sei „fatal“, da die Menschen dadurch bis zu 480 Euro verschenken würden.

Steigendes Einkommen zieht häufigeres VL-Angebot nach sich

Erfreulich sei der hohe Bekanntheitsgrad vermögenswirksamer Leistungen. Bei der Befragung gaben nahezu alle Befragten (95%) an, diese Sparform zu kennen. Bei 72% der Menschen bot der Arbeitgeber VL an. Auffällig war hierbei der Unterschied zwischen den Einkommen. Bei Beschäftigten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von weniger als 3.500 Euro boten 67% der Arbeitgeber VL an. Bei den Befragten mit einem Einkommen von mehr als 5.000 Euro im Monat waren es hingegen 89% der Arbeitgeber.

Jeder dritte Arbeitnehmer nutzt die vom Arbeitgeber angebotenen VL nicht

Fragte man die Umfrageteilnehmer, deren Arbeitgeber VL anbietet, ob sie einen entsprechenden VL-Vertrag besitzen, bejahten dies 63%. 3% gaben sogar an, mehrere Verträge abgeschlossen zu haben. Dies bedeute laut Knoefel jedoch im Umkehrschluss, dass knapp jeder dritte Arbeitnehmer die angebotene Leistung nicht in Anspruch nehme. Vermutlich liege dies an der Unkenntnis über die Funktionsweise von VL oder nicht ausreichender Finanzbildung. Arbeitgeber und Banken müssten hier die Beratung intensivieren. (mki)

Zur Umfrage

Das Marktforschungsinstitut Forsa hat im April 2024 im Auftrag von Union Investment 1.002 Menschen im Alter von 16 bis 67 Jahren befragt (VL-Berechtigte, ohne Selbständige/Freiberufler). Die Befragten nahmen an einer Online-Umfrage teil und konnten sich Zeit und Umgebung der Bearbeitung selbst aussuchen. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100% addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an.

Bild: © peshkova – stock.adobe.com