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Stammaktionäre der ÖKOWORLD AG starten Stiftungsgründung

Die Gründer der auf nachhaltige Geldanlagen ausgerichteten Fondsgesellschaft ÖKOWORLD werden ihre Stammaktien in eine neu zu errichtende Stiftung einbringen. Ziel dieser soll es sein, die Ausrichtung des Unternehmens dauerhaft zu erhalten.

Im August 2023 trennte sich der Vermögensverwalter ÖKOWORLD AG aufgrund von unterschiedlichen Vorstellungen über die Entwicklung des Unternehmens vom Gründer Alfred Platow (AssCompact berichtete: Änderungen in der Führungsspitze von Ökoworld). Doch ganz ausscheiden aus der zukünftigen Entwicklung wird dieser wohl nicht. Denn Platow und sein Co-Gründer Klaus Odenthal sowie weitere Stammaktionäre haben laut einer Unternehmensmitteilung dem Aufsichtsrat nun mitgeteilt, dass sie ihre Stammaktien in eine neu zu errichtende Stiftung einbringen werden. Entsprechend würden beide nun die inhaltlichen und juristischen Schritte einleiten, um sämtliche Stammaktionäre für die Stiftung zu gewinnen.

Der Aufsichtsrat und der Vorstand begrüßen der Mitteilung zufolge die Initiative der Gründungsgesellschafter und weiterer Stammaktionäre sehr. Dieser Schritt gebe der ÖKOWORLD AG in ihrer „bewährten Unabhängigkeit“ eine sichere Perspektive mit Blick auf die Nachhaltigkeitsstrategie und sei damit ganz im Interesse der Kunden und Mitarbeitenden.

Werteorientierung soll sichergestellt werden

Mit der Stiftung wollen Platow und Odenthal sicherstellen, dass die Werteorientierung des von ihnen im Jahre 1975 gegründeten Unternehmens dauerhaft erhalten bleibt, so die Mitteilung von ÖKOWORLD. In der Präambel der Satzung des Unternehmens ist diese mit folgendem Wortlaut verankert: „Die ÖKOWORLD AG ist ein Dienstleistungsunternehmen der Versicherungs- und Finanzdienstbranche dessen verantwortlich handelnde Personen sich einer ganzheitlichen Denkweise verpflichtet fühlen. Ökologische und soziale Verantwortung sind wesentliche Unternehmensziele und integraler Bestandteil der auf langfristige Wertsteigerung ausgerichteten Unternehmensstrategie.“

Platow sei es „unendlich wichtig, dass allen wirtschaftlichen Herausforderungen zum Trotz Gewinnstreben niemals dazu führen darf, die Grundsätze der Menschlichkeit hintenanzustellen“. Ziel der Stiftung sei es, dies als Verpflichtung allen Akteuren immer wieder nahe zu bringen.

Andrea Machost aus dem Vorstand von ÖKOWORLD blickt positiv auf die Initiative der Stammaktionäre: „Wir wollen die Bedeutung von ÖKOWORLD als führenden Anbieter nachhaltiger Anlagen in Deutschland bei privaten und institutionellen Kunden weiter ausbauen und freuen uns über die Unterstützung durch die Gründungsgesellschafter und die kommende Stammaktionärsstiftung.“ Sie fügt außerdem hinzu: „Differenzen in der Vergangenheit über die Unternehmensausrichtung verlieren mit dieser gemeinsamen Perspektive ihre Bedeutung.“ (mki)

Bild: © TensorSpark – stock.adobe.com

 

Das sind die besten Fonds und Anlagegesellschaften

Das Analysehaus Scope Fund Analysis verleiht zum 18. Mal die Scope Awards für herausragende Leistungen in den Bereichen liquide und alternative Investments. Insgesamt wurden 12.000 Fonds und knapp 1.900 Asset-Manager und Zertifikatanbieter untersucht.

Die europäische Ratingagentur Scope hat gemeinsam mit ihrem Medienpartner Handelsblatt die besten Fonds, Anlagegesellschaften und Zertifikatanbieter in 54 Kategorien ausgezeichnet. Am 16.11.2023 wurden in Frankfurt die Preise verliehen, Barbara Schöneberger führte durch die Veranstaltung.

Die Scope-Analysten suchten sich aus rund 12.000 Fonds und etwa 1.900 Asset-Managern und Zertifikatanbietern die besten heraus.

Scope Awards für Investmentfonds (UCITS)

Im Bereich UCITS-Fonds wurden Asset-Manager und Fonds in insgesamt 30 Kategorien gewürdigt. Gleich zwei Preise konnte sich z. B. Deka Investment in den Kategorien „Rentenfonds“ und „Aktien Dividende“ sichern. Bei „Multi Asset“ wurde die Deutsche-Bank-Tochter DWS ausgezeichnet. Ebenfalls zweimal ausgezeichnet wurde Robeco in den Bereichen „Aktien Emerging Markets (AM)“ und „ESG Aktienfonds“. Als besten Universalanbieter identifizierte die Jury J.P. Morgan AM aufgrund seiner sehr breiten Produktpalette. Der Award für den besten Spezialanbieter ging in diesem Jahr an drei Gewinner: Lupus alpha (für Deutschland), Flossbach von Storch (Österreich) und die Luzerner Kantonalbank (Schweiz).

Der beste ESG Universalanbieter ist Carmignac. Die nachhaltigen Fonds des Unternehmens machen beachtliche 90% seines verwalteten Vermögens aus. Und den Award für den besten ESG Spezialanbieter nahm Metzler AM in Empfang. Als einer der ersten deutschen Vermögensverwalter unterzeichnete er bereits 2012 die Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren der Vereinten Nationen. Ebenfalls nennenswert ist der Award im Bereich „Innovations“, den dieses Jahr BlackRock für seine iBonds-ETFs erhielt.

Scope Awards für Alternative Investmentfonds (AIF)

Bei den Alternativen Investmentfonds wurden Asset-Manager in insgesamt 20 Kategorien ausgezeichnet. In gleich drei dieser Kategorien heißt der Gewinner Deka Immobilien: Real Estate Global, Retail Real Estate Europe und Real Estate Logistics. Union Investment Real Estate erhielt den Award in der Kategorie Retail Real Estate Germany. Ihr breit diversifizierter Publikumsfonds übertrifft in puncto Rendite, die anhaltend hoch ist, seine Konkurrenten in der Vergleichsgruppe.

Die DWS nahm den Preis für das Segment Infrastructure Equity entgegen. Auch sie konnte die Jury mit der Performance ihrer Infrastrukturinvestments überzeugen. Darüber hat die DWS im April 2023 den ersten europäischen offenen Infrastrukturfonds für Privatkunden erfolgreich gestartet.

Scope Awards für die besten Zertifikatanbieter

An die Anbieter von Investmentzertifikaten vergab Scope Auszeichnungen in vier Kategorien: Bester Primärmarktanbieter ist die DekaBank, im Bereich Sekundärmarkt hat Societé Générale die Jury überzeugt. Der Trading Award ging dieses Jahr an BNP Paribas. Den ESG Award im Bereich Zertifikate sicherte sich die Landesbank Baden-Württemberg. (mki)

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„Sehen Trend hin zu Serviceentgelten“

Seit Juni dieses Jahres ist Jan Schepanek Geschäftsführer der FIL Fondsbank (FFB), einem der größten Fondsanbieter in Deutschland. Es sind schwierige Zeiten, um solch ein Unternehmen zu lenken. Im Interview verrät er unter anderem, wie sich die FFB im Markt schlägt und was für die Zukunft geplant ist.

Interview mit Jan Schepanek, Geschäftsführer der FIL Fondsbank
Herr Schepanek, die FIL Fondsbank zählt zu den größten deutschen Fondsplattformen. Wie schlagen Sie sich in dem volatilen Marktumfeld? Und welche Kennzahlen können Sie uns dazu geben?

Die FFB schafft es, sicher und erfolgreich durch das aktuelle Umfeld zu navigieren und schlägt sich sehr gut. In den vergangenen Jahren ist unser Geschäft erfreulich stark gewachsen. Nach zwei Rekordjahren (2021 und 2022) im Nettomittelaufkommen, in denen wir verglichen mit dem Markt überdurchschnittlich gewachsen sind, steuern wir 2023 auf unser drittbestes Ergebnis zu. Mit dieser Entwicklung sind wir mehr als zufrieden. Zum Ende des dritten Quartals administrieren und verwalten wir bei der FFB ein Vermögen von über 35Mrd. Euro in mehr als 650.000 Kundendepots.

Woher kommt das meiste Geschäft? Und welche Rolle spielen Pools?

Der Großteil unseres Geschäfts stammt aus dem sogenannten Advisory-Bereich, also aus der Zusammenarbeit mit freien Vermittlern. Diese betreuen rund 600.000 Endkundinnen und -kunden mit einem Fondsdepot bei der FFB. Pools spielen hierbei eine maßgebliche Rolle, da viele Vermittler einem Pool angeschlossen sind. Folglich zählen Pools zu unseren wichtigsten Geschäftspartnern, mit denen wir die Kooperation noch weiter ausbauen wollen, u. a. über die Optimierung der vertikalen Integration mit unseren Partnern durch passende Schnittstellen. Zudem planen wir, vermehrt auf Co-Kreation zu setzen und Produktlösungen für Finanzanlagenberater und Endkundinnen und -kunden gemeinsam mit unseren Geschäftspartnern zu entwickeln.

Die Kleinanlegerstrategie der EU-Kommission ist immer wieder in aller Munde, auch wenn ein Provisionsverbot vorerst wohl nicht geplant ist. Wie bewerten Sie diese Entscheidung?

Zuallererst möchte ich darauf hinweisen, dass Provisionen seit der Einführung von MiFID II nur noch unter bestimmten Qualitätskriterien erhoben werden dürfen. Im Rahmen der Kleinanlegerstrategie der EU-Kommission ging es darum, ob ein komplettes Provisionsverbot, unabhängig von Qualitätskriterien, umgesetzt werden soll. Hiervon sollte lediglich die Anlageberatung ausgeschlossen werden. Ob dieses generelle Verbot provisionsabhängiger Vergütung kommt, ist meiner Meinung nach noch nicht endgültig entschieden. Die EU-Finanzkommissarin Mairead McGuinness hat ihre Pläne eines Verbots „vorerst“ zurückgenommen, wie sie sagt. Im Laufe des Gesetzgebungsprozesses wird hierüber sicherlich noch diskutiert werden. Aber selbst wenn es kein direktes Verbot geben wird, sehen wir einen Trend hin zu Service­entgelten. Dieser Trend wird durch das steigende Bedürfnis der Endanlegerinnen und -anleger nach Transparenz getrieben. Ich persönlich glaube, dass Vermittler von der höheren Transparenz und folglich auch von einem möglichen Provisionsverbot profitieren würden.

Ist die Branche – Fondsplattformen, Berater, Fondsgesellschaften – heute überhaupt noch abhängig von Provisionen?

Es gibt durchaus alternative Vergütungsmodelle, sodass weder Fondsplattformen noch Finanzberater oder Fondsgesellschaften von Provisionen abhängig sind. Unseren Beobachtungen zufolge befinden wir uns bereits in einer Übergangsphase von Provisionen hin zu Serviceentgelten. Unsere Daten stützen dies: Heute wird knapp jedes zweite neue Depot auf unserer Plattform mit einem Serviceentgelt-Modell eröffnet. Vor fünf Jahren war es noch etwa jedes fünfte Depot.

Da es Stand heute kein generelles Provisionsverbot in Deutschland gibt, sind auch Kombinationsmodelle aus Serviceentgelten und Provisionen denkbar. Wichtig ist für Finanzberater meines Erachtens, dass sie sich Gedanken über ihr Preismodell machen und auf Rückfragen der Kundinnen und Kunden vorbereitet sind. Denn diese legen, wie schon erwähnt, einen hohen Wert auf Transparenz. Wir als Depotbank begleiten unsere angeschlossenen Finanzberater gerne bei diesem Prozess, indem wir ihnen Aufträge über Serviceentgelte bereitstellen und auch die Abrechnung übernehmen.

Auch die Fondsplattformen trifft eine Konsolidierungswelle. Mit FNZ entsteht gerade eine große Gruppe und auch über den potenziellen Verkauf der FIL Fondsbank wurde schon gesprochen. Käme dies für Sie infrage?

Die merkliche Konsolidierung auf dem Markt für Fondsplattformen liegt darin begründet, dass es sich um ein Skalengeschäft handelt. Auch wir waren seinerzeit mit der Übernahme von Depots vom Bankhaus Metzler erfolgreich an der Konsolidierung beteiligt. Wir können uns aktuell über starkes Wachstum freuen, das auf unseren engen Beziehungen zu unseren Geschäftspartnern beruht. Unserer Meinung nach ist der Bedarf an Unterstützung und Beratung bei Privatkundinnen und -kunden immens, da wir eine erhebliche finanzielle Bildungslücke in Deutschland beobachten und gleichzeitig die Komplexität bei den Anlagemöglichkeiten zunimmt. Folglich sind die Fundamentaldaten für Fondsplattformen sehr gut. Da wir sowohl einen steigenden Beratungsbedarf seitens Endkundinnen und -kunden als auch eine erhöhte Nachfrage nach Anlagen in Publikumsfonds erwarten, sehen wir auch für unser Geschäft weiteres Wachstumspotenzial. Derzeit evaluieren wir, wie wir unsere Möglichkeiten, weiter zu wachsen, beschleunigen können.

Werden derartige Veränderungen oder auch die neuen Player wie Neobroker mehr Menschen den Zugang zu Vermögensaufbau und Altersvorsorge erleichtern?

Kundinnen oder Kunden haben einen bestimmten Bedarf. Diesen müssen Anbieter erkennen und konkret adressieren. Will eine Privatperson zum Beispiel fürs Alter vorsorgen oder kontinuierlich Vermögensaufbau betreiben, eignen sich Fonds oft als Lösung. Wir gehen davon aus, dass sich der Anteil von Fonds am Haushaltsvermögen in den kommenden Jahren noch deutlich erhöhen wird.

Die Fundamentaldaten für Fondsplattformen sind also gut. Wir dürfen allerdings nicht isoliert auf die Lösungen schauen, sondern müssen auch andere Faktoren wie die Digitalisierung im Auge behalten. Jüngere Anlegerinnen und Anleger erwarten eine digitale Lösung, um fürs Alter vorzusorgen oder Vermögen aufzubauen. Das ist auch einer der Gründe, warum sich Neobroker insbesondere bei der jüngeren Zielgruppe großer Beliebtheit erfreuen. Ich bin allerdings der Meinung, dass Finanzberater aufgrund der gering ausgeprägten Finanzbildung in Deutschland weiterhin eine wichtige Rolle spielen werden.

Die FFB bietet nun volldigitale Vermögensverwaltung an. Wie wichtig ist dieser Schritt und Digitalisierung allgemein für Ihr Geschäft?

Wie bereits erwähnt, ist es wichtig die Kundenbedürfnisse in den Vordergrund zu stellen, um relevante Services anbieten zu können. Mit der VermögensverwaltungPlus haben wir eine Lösung lanciert, die wir gemeinsam mit unseren Vertriebspartnern entwickelt haben. Sie ermöglicht es Finanzberatern aufgrund der attraktiven Kostenstruktur, eine neue Zielgruppe zu erschließen, und eignet sich folglich auch für Anlegerinnen und Anleger mit kleineren Anlagevolumina und für Sparpläne.

Die Digitalisierung ist aber auch wichtig, um Skaleneffekte zu erzielen. Denn diese erreicht man nur mit hochautomatisierten und -digitalisierten Prozessen. Folglich ist die Transformation hin zu einem digitalen Geschäftsmodell eine unserer höchsten Prioritäten. Hier haben wir bereits einige relevante Schritte unternommen und im vergangenen Jahr beispielsweise einen Chatbot für unser Direktgeschäft eingeführt.

Die Reform der Altersvorsorge geht schleppend voran, wird aber so langsam angeschoben. Wie sehen Sie mögliche Reformschritte?

Unserer Meinung nach war es höchste Zeit, eine zusätzliche kapitalmarktorientierte Finanzierungskomponente wie das Generationenkapital in die gesetzliche Rentenversicherung einzuführen. Um eine nachhaltige Entlastung zu ermöglichen, müssen regelmäßige Mittelzuweisungen stattfinden. Grund­sätzlich sollten wir meiner Meinung nach jedoch noch weit mehr Anreize zur privaten Altersvorsorge am Kapitalmarkt im Sinne einer gerechten Partizipation schaffen. Ebenso sollte Deutschland die finanzielle Bildung verbessern, um informierte Anlageentscheidungen zu ermöglichen.

Welche Unterstützung bieten Sie Vermittlern als weiterführende Services und Tipps an?

Wir arbeiten sehr eng mit den uns angeschlossenen Vermittlern zusammen und bieten ihnen schon lange in unterschiedlichsten Formaten Informationen zu relevanten Themen an. So initiieren wir beispielsweise einmal pro Jahr eine Roadshow, bei der wir in verschiedenen Städten haltmachen und im direkten Kontakt in einen intensiven Austausch mit unseren Partnern gehen. Ebenso publizieren wir seit diesem Jahr einmal pro Quartal das Print-Magazin „Insights“. Darin beleuchten wir pro Ausgabe ein Thema, das für das tägliche Geschäft relevant ist. Natürlich sind wir auch digital unterwegs und stellen auf dem Infoportal „FFB Fondsgespräche online“ Marktanalysen, Neuigkeiten, Praxistipps oder auch die Anlagestrategien unserer Fondspartner vor.

Des Weiteren bieten wir auch Web-Seminare mit Fondspartnern, Video-Tutorials zu unserem FFB Frontend und Experten-Trainings an. Da wir hier eine sehr positive Resonanz hatten, wollen wir diese interaktiven Maßnahmen zukünftig weiter ausbauen. Unser Ziel ist, den Beratern in ihrem Berufsalltag mit wertvollen Informationen zur Seite zu stehen und sie beim Geschäftsausbau zu unterstützen.

Frauen werden immer mehr als Zielgruppe genannt und angesprochen. Es gibt weiterhin ein Gender Pension Gap. Sehen Sie dies auch als eine Ihrer Aufgaben, hierauf aufmerksam zu machen?

Die Altersvorsorge und Finanzbildung sind zwei zentrale Themen für uns. Wir sehen es als eine unserer zentralen Aufgaben, die Menschen zu befähigen, ihr Vermögen langfristig sinnvoll zu verwalten und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie man am besten für den Ruhestand vorsorgt.

Es ist wahr, dass Frauen andere finanzielle Bedürfnisse haben. Das belegt unsere jährliche Umfrage zu Frauen und Finanzen. So haben Frauen beispielsweise oft weniger Rente zur Verfügung als Männer. Wir machen unsere Kundinnen auf diesen Umstand aufmerksam, damit sie diese Rentenlücke mit langfristigen Investitionen bestmöglich schließen können. Ebenso haben wir anhand unserer Umfragen herausgefunden, dass Frauen eine persönliche Beratung wichtiger ist als Männern. Diese und weitere Informationen aus unserer Umfrage haben wir an unsere Vermittler weitergegeben, damit sie Frauen zielführend beraten können.

Entfernt damit verbunden ist die Frage, ob Diversität in Fondsmanager-Teams bessere Ergebnisse erzielt und vielleicht auch Kundinnen mehr anspricht, weil die Titelauswahl dann anders ausfallen würde?

Uns liegen Diversität und Inklusion sehr am Herzen und auch ich setze mich persönlich stark für dieses Thema ein. Hierzu gehört jedoch viel mehr als nur die Geschlechtervielfalt, sondern beispielsweise auch die Vielfalt in Bezug auf Alter, geografische Herkunft, sexuelle Orientierung oder Weltanschauung. Wir sind der Überzeugung, dass eine vielfältige Belegschaft für unseren Geschäftserfolg von zentraler Bedeutung ist. Auch Studien belegen, dass gemischte Teams einen größeren unternehmerischen Erfolg erzielen. Dies gilt sicherlich auch im Fondsmanagement.

Ihre nächsten großen Schritte und Pläne sind?

Es ist uns ein wichtiges Anliegen, die Partnerschaften mit unseren Vertriebspartnern weiter zu stärken. Aus diesem Grund haben wir unser Vertriebsteam ausgebaut und entwickeln unsere Produkte stetig weiter. Ein weiteres übergeordnetes Ziel ist, ein noch besseres Erlebnis zu kreieren. Um dies zu erreichen, fokussieren wir uns auf die vertikale Integration mit unseren Partnern und verbessern die Schnittstellen. Außerdem wollen wir unser Angebot für Sparerinnen und Sparer ausbauen und ein eigenes Angebot für Tagesgeld auf den Markt bringen. Dieses soll unsere bestehenden Lösungen ergänzen. Insgesamt haben wir uns viel vorgenommen und freuen uns darauf, neue Lösungen für Finanzberater und Endkundinnen und -kunden einzuführen.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 11/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Jan Schepanek, FIL Fondsbank

 
Ein Interview mit
Jan Schepanek

Flossbach von Storch bietet bAV-Lösung für Unternehmen an

Der Vermögensverwalter Flossbach von Storch erweitert sein Dienstleistungsangebot für Unternehmen. Diese können zukünftig die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung ihrer Mitarbeiter über die FvS-Vermögensverwaltung investieren.

Die betriebliche Altersversorgung (bAV) wird in den aktuellen Zeiten des Fachkräftemangels immer wichtiger, um Mitarbeiter an Unternehmen zu binden. So bietet auch der Vermögensverwalter Flossbach von Storch seinen Mitarbeitern eine solche Lösung – und erweitert damit jetzt auch sein Dienstleistungsangebot nach außen. Das geht aus einer Pressemitteilung sowie einem auf der Homepage des Unternehmens veröffentlichten Interview mit Gründer und Vorstand Kurt von Storch hervor.

bAV-Lösung für mittelständische Unternehmen

Demnach können Unternehmen künftig die Beiträge zur bAV ihrer Mitarbeiter in Form einer wertpapiergebundenen Direktzusage über die FvS-Vermögensverwaltung investieren. Dabei stehe ihnen der gleiche Zugang offen, den auch die Flossbach von Storch AG für die bAV ihrer eigenen Mitarbeiter nutzt. Die jeweiligen Portfolios werden aktiv gemanagt und global diversifiziert und orientieren sich dabei an den Bedürfnissen des jeweiligen Unternehmens.

Ziel ist es, so Flossbach von Storch, langfristig attraktive Renditen für die Vorsorgesparer zu erwirtschaften. Das bAV-Angebot richte sich nicht nur an die Mitarbeiter, sondern könne auch für Gesellschafter-Geschäftsführer eine sinnvolle Lösung sein.

Partnerschaft mit adesso

Flossbach von Storch lege bei seinem bAV-Angebot besonderen Wert auf Transparenz und Nachvollziehbarkeit, weswegen die bAV jederzeit über einen digitalen Zugang einsehbar sei, verkündet Kurt von Storch in dem Interview auf der Flossbach-von-Storch-Homepage. Hier könne nachverfolgt werden, in welche Anlageklassen und Einzeltitel und in welchen Weltregionen investiert wird. Transparenz gelte auch bei der Vergütung: Wesentliche Bestandteile der Dienstleistung würden mit einer fixen All-in-Gebühr abgegolten.

Besonders eigne sich die bAV von Flossbach von Storch für mittelständische Unternehmen, und es können bestehende, aber noch nicht rückgedeckte, Zusagen in die bAV-Lösung übertragen werden.

Die digitale Plattform für die Verwaltung der bAV wird von adesso benefit solutions gestellt, welches auch die bAV administriert und als Aktuar und Rechtsberater agieren kann. (mki)

Bild: © Flossbach von Storch AG

 

Wie Vermögensverwalter in schwierigem Terrain Geld verdienen

Nach Jahren kontinuierlichen Wachstums sind Vermögensverwalter mit einem herausfordernden Marktumfeld konfrontiert. Das überwiegend provisionsbasierte Geschäftsmodell wird stark unter Druck gesetzt. Philipp Bulis von Oliver Wyman klärt auf, wie Asset-Manager die Herausforderungen bewältigen können.

Ein Artikel von Philipp Bulis, Principal der Financial Services Practice von Oliver Wyman

Mit mehr als 2 Bio. Euro Assets under Management (AuM) an liquidem Finanzvermögen und mehr als 12 Mrd. Euro Erträgen p. a. zählt die Industrie der Vermögensverwalter zu den wichtigsten Finanzbranchen Deutschlands. Trotz ihrer Größe und Bedeutung ist der Durchdringungsgrad digitaler Angreifer, der FinTechs, mit unter 5% Marktanteil bis dato aber gering. Digitale Lösungen tragen meist zu einem verbesserten Kundenerlebnis bei, ersetzen aber noch nicht die Beratungsleistung an sich – die persönliche und zugeschnittene Beratung und der damit verbundene Zugang zum Kunden nehmen weiterhin einen festen Platz im Vermögensverwaltungsangebot ein und generieren signifikante Erträge.

„Goldenes Jahrzehnt“ im Rücken – mit schlechteren Rahmenbedingungen nach vorne

Getrieben von jahrelang niedrigen Zinssätzen und damit steigenden Marktpreisen sind die Assets under Management deutscher Vermögensverwalter zwischen 2017 und 2022 um 6% p. a. gestiegen. Obwohl die Ertragsmargen in den letzten Jahren durch Wettbewerbsdruck bereits stagnierten oder sogar leicht rückläufig waren, überkompensierten die steigenden Volumina den negativen Margeneffekt. Allerdings trübten schon vorher zwei Faktoren das Bild der Branche: Zum einen leiden insbesondere die größeren Institute und Privatbanken oft unter schwächerer Profitabilität mit einer Cost-Income-Ratio von deutlich über 80%. Zum anderen beträgt die Kreditpenetration und damit verbunden der Anteil des Zinseinkommens an den Erträgen häufig weniger als 20%. Die Erträge sind zumeist noch an das verwaltete Vermögen gekoppelt – sinkt dieses bei rückläufigen Finanzmärkten, fallen auch die Erträge der Vermögensverwalter schwächer aus.

Am Markt bildet sich nun ein solches Negativszenario: Eine hohe Inflation hat die Zentralbanken zu starken Zinserhöhungen gezwungen, die Finanzmärkte werden herausfordernder und für Vermögensverwalter wird es somit noch schwieriger, künftig Geld zu verdienen. Hinzu kommt, dass sie aufgrund des bislang limitierten Kreditgeschäftes ertragsseitig nur wenig am steigenden Zins partizipieren.

Da die Kosten zugleich meist zu mehr als zwei Dritteln aus Fixkosten bestehen und nicht im selben Maße flexibel an das verwaltete Vermögen gekoppelt sind, ist die Profitabilität vieler Vermögensverwalter nachhaltig bedroht.

Die gute Nachricht: Vermögensverwaltung bleibt relevant

Für Kunden besitzt die Vermögensberatung und -verwaltung nach wie vor eine sehr hohe Bedeutung und das Vertrauen wie die persönliche Beratung spielen eine entscheidende Rolle. Die entsprechende Expertise und Fähigkeiten, den Kunden zu beraten und anzuleiten, werden auch in Zukunft vergütet werden. Bemerkenswert sind hier die unabhängigen Vermögensverwalter, die mit einer sehr persönlichen Beratung und Beziehung punkten und so höhere Preise und Ertragsmargen durchsetzen können. Der Fokus sollte daher darauf liegen, mit den Bestandskunden mehr von diesem Wert zu generieren und andererseits mehr wertvolle Neukunden anzuziehen.

Wie sieht der erste Schritt konkret aus?

In der Praxis haben sich zur Steigerung der Erlöskraft Initiativen entlang von drei Stoßrichtungen bewährt, die zum Teil miteinander verlinkt und in weniger als zwölf Monaten auch kurzfristig realisierbar sind. Die Maßnahmen unterteilen sich in:

  • Steigerung der Erlöse mit Bestandskunden: Dies beinhaltet u. a. das Anpassen der eigenen Preisstrukturen und der gewährten Sonderkonditionen bzw. die Steigerung der Mandats- oder Kreditquote. Oft sind diese Aktivitäten jahrelang nicht überprüft worden, sodass Anpassungen zügig einen signifikanten Mehrwert erzielen können.
  • Steigerung der Erlöse mit Neukunden: Dies beinhaltet u. a. das systematischere Ansprechen von Neukunden (z. B. auch über das systematische Aufsetzen eines Empfehlungsmanagements) sowie die proaktive Analyse und Vermeidung von Abflüssen oder Kundenabwanderungen.
  • Steigerung der Erlöse mit anorganischen Aktivitäten: Dies beinhaltet u. a. das Abwerben von Assets, einzelnen Kundenbetreuern oder ganzen Teams. Viele Vermögensverwalter praktizieren dies schon heute, die Realisierung birgt aber oftmals die größten Unsicherheiten und dauert am längsten.

Unsere Erfahrung zeigt, dass es empfehlenswert ist, nach kurzer Diagnose die Initiativen im Bereich der Bestandskunden oder der Neukunden zuerst anzugehen. Hier lassen sich innerhalb von sechs bis zwölf Monaten erste Erfolge erzielen, bevor andere Initiativen ausgeweitet werden. Ebenfalls ratsam ist es, die Incentivierung der eigenen Kundenbetreuer kritisch zu prüfen, was unserer Erfahrung nach aber zumeist eine komplexere Anpassung erfordert.

Ergebnisse für einen dauer­haften Wettbewerbsvorsprung

Die genannten Investitionen zahlen sich aus Sicht von Oliver Wyman schon für kleine Institute zügig und nachhaltig aus. Folgende Ergebnisse haben wir beispielsweise erfolgreich umgesetzt:

  • Anpassung der heutigen Preis- und Sonderkonditionsstruktur auf ein marktübliches Niveau
  • Eine Erhöhung der provisionsbasierten Erträge um +15% durch Bereinigung der Sonderkonditionen bei gleichzeitig unter 0,5% Kundenabwanderung
  • Eine Erhöhung der provisionsbasierten Erträge um +20% durch Konzeption neuartiger Angebote

Allen genannten Ergebnissen gemein ist, dass sie sowohl die Ertragsbasis als auch mittelfristig die Stimmung unter den Mitarbeitern nachhaltig verbessern und zugleich die zukünftige Investitionsfähigkeit des Hauses sicherstellen. Für eine erfolgreiche Umsetzung ist es unabdingbar, dass die Geschäftsleitung diese Strategie unterstützt, mitträgt und im eigenen Haus priorisiert.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 11/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Manoj – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Philipp Bulis

FinTech startet ersten deutschen Krypto-Robo-Advisor

Das FinTech Rudy Capital in Frankfurt am Main bringt den ersten Krypto-Robo-Advisor in Deutschland auf den Markt. Ziel ist, Geldanlagen in Kryptowährungen zugänglicher zu machen. Der Start soll planmäßig Anfang 2024 erfolgen.

Die Anlage in Kryptowährungen ist für Privatanleger nach wie vor etwas zu intransparent und volatil, um „so richtig“ zum Mainstream zu werden. Doch ein deutsches FinTech will da Abhilfe schaffen. Zwei ehemalige Studenten von Professor Philipp Sandner, Gründer des Frankfurt School Blockchain Centers, haben den ersten deutschen Krypto-Robo-Advisor namens Rudy entwickelt.

Hinter dem Unternehmen Rudy Capital stehen die beiden Gründer Philipp Schulden und Thomas Faber. Geplanter Start des Krypto-Robo-Advisors: Anfang 2024, wie in einer Unternehmensmitteilung verkündet wird. Derzeit kann man sich auf der Homepage des Unternehmens noch auf die Warteliste setzen lassen, um als einer der Ersten sein Krypto-Investment-Portfolio über Rudy erstellen lassen zu können.

Zwei verschiedene Strategien bei Rudy

Rudy verfügt über zwei verschiedene vollautomatische Anlagestrategien: die „Growth-Strategien“ und die „Steady-Strategien“. Die Growth-Strategien setzen auf Preissteigerungen von Kryptowerten wie beispielsweise Bitcoin und Ethereum. Die Steady-Strategien hingegen konzentrieren sich darauf, kontinuierliches Einkommen zu erzielen, unabhängig von den Schwankungen der Kryptowährungskurse. Dies geschieht, indem die Nutzer dem Kryptowährungsmarkt Liquidität bereitstellen. Zum Beispiel können sie Zinsen verdienen, indem sie Kryptowährungen verleihen, oder sie können Gebühren verdienen, indem sie Kryptowährungen für den Handel zur Verfügung zu stellen. Die Steady-Strategien bieten gegenüber den Growth-Strategien eine höhere Sicherheit, da sie nicht allein auf Kurssteigerungen setzen.

Sicherheit gegen Hackerangriffe

Die Steady-Strategien sollen, so heißt es in der Mitteilung von Rudy Capital, ein erhöhtes Maß an Sicherheit gewährleisten. Denn diese seien nicht nur gegen die Unwägbarkeiten volatiler Märkte, sondern auch gegen systemische Risiken wie beispielsweise Hackerangriffe auf Smart Contracts abgesichert. Dies sind automatisierte Vertragsprotokolle auf der Blockchain, die definierte Aktionen ausführen, sobald vorher festgelegte Bedingungen erfüllt sind. Rudys Sicherheitssysteme seien so konzipiert, dass sie proaktiv auf Anomalien, zum Beispiel Hackerangriffe, reagieren und die Anlagen der Kunden umgehend sichern.

Individuelle Risikoprofile

Wie bei Robo-Advisors häufig der Fall, können Rudy-Nutzer entscheiden, wie sicher oder risikofreudig sie ihr Geld investieren möchten, indem sie ihr Risikoprofil mittels eines Fragebogens konfigurieren. Rudy erstellt dann basierend darauf ein personalisiertes, risikooptimiertes Portfolio aus den sicheren Steady-Strategien und den risikoreicheren Growth-Strategien zusammen. Daraufhin erfolgt dann eine laufende und vollautomatisierte Anpassung der Strategien an die Marktentwicklungen.

Liquide Investitionen

Laut Rudy Capital können die Anleger ihre Investitionen jederzeit wieder in Euro umwandeln. Verwaltet werden die Vermögensverwerte von einer Drittverwahrungsstelle, die unter der Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) steht. Investoren behalten die volle Kontrolle über ihre Investments – Rudy passt derweil automatisch und kontinuierlich das Portfolio im Hinblick auf die vom Kunden gewählten Investmentstrategien an, betont das Unternehmen. (mki)

Bild: Philipp Schulden (links), Thomas Faber (rechts), Gründer von Rudy. © Rudy

 

Kappungsgrenze am Dax: Die Branche ist uneins

Die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx hat eine Branchenumfrage durchgeführt, ob die Kappungsgrenze für Unternehmen am Dax erhöht werden soll. Auch gegenüber der Presse haben sich mehrere Verbände und Fondsgesellschaften geäußert – die Meinungen gehen auseinander.

Manche Indexanbieter setzen bei ihrem Aktienindex eine sogenannte Kappungsgrenze ein. Diese reguliert, wie hoch die Gewichtung eines in dem Index gelisteten Unternehmens ausfallen darf. Hintergrund ist, zu verhindern, dass ein Unternehmen im Index zu schwergewichtig wird – also die Diversifikation zu wahren. Auch die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx setzt eine solche Kappungsgrenze beim Deutschen Aktienindex (Dax) ein. Aktuell liegt sie bei 10%.

2022, nachdem der Gaskonzern Linde immer wieder diese 10% überschritten und folglich aus dem Dax ausgestiegen war, hatte man bereits eine Branchenumfrage durchgeführt, ob die Kappungsgrenze auf 15% erhöht werden soll (AssCompact berichtete: Wird die Kappungsgrenze am DAX erhöht?). Damals stimmten noch 58% der Teilnehmer dagegen und sie blieb bei 10%. Doch die Frage lässt dem Indexanbieter Stoxx wohl keine Ruhe und hat eine erneute Befragung durchgeführt, die nun zum 08.11.2023 zu Ende gegangen ist. Verkündet werden sollen die Ergebnisse schon bald, am 22.11.2023. Doch bereits jetzt haben sich verschiedene Branchenvertreter und -verbände geäußert.

DAI befürwortet Erhöhung der Dax-Kappungsgrenze

Das Deutsche Aktieninstitut unterstützt in einem Pressestatement den Vorschlag, die Kappungsgrenze des Dax und seiner Auswahlindizes von 10% auf 15% anzuheben. Damit würde der Dax zu international vergleichen Indizes aufschließen. Der S&P 500 in den USA habe eine Grenze von 23%, der italienische FTSE MIB liege ebenfalls bei 15%. Und beim FTSE 100 in Großbritannien gebe es überhaupt keine Kappungsgrenze.

Doch ein Index solle in erster Linie die Kapitalmarktwirklichkeit gut abbilden. Unternehmen mit einer besonders hohen Marktkapitalisierung sollten realitätsgetreu im Index berücksichtigt werden, findet das DAI. Auch würden Unternehmen, die ein im Vergleich zu den anderen Indexunternehmen überdurchschnittliches Wachstum aufweisen, derzeit am Kapitalmarkt bestraft werden, indem insbesondere Indexfonds Anteile jener Unternehmen verkaufen müssten. Zusätzlich könnten Anleger dann auch nicht von diesem Wachstum profitieren.

Die Gefahr, dass ein Anteil eines Unternehmens von bis zu 15% die Risikodiversifizierung innerhalb des gesamten Indexes bedrohe, sehe das DAI nicht. Investoren in anderen Ländern könnten offenbar auch mit höheren Indexgewichten einzelner Unternehmen in den wichtigen Indizes umgehen. Aber: Generell gelte, dass die Diversifikationsmöglichkeiten innerhalb eines Indexes mit der Zahl der Unternehmen steigen. Dies setze aber auch eine ausreichende Zahl an großen börsennotierten Unternehmen voraus – in Deutschland gebe es diese schlicht nicht.

Gemischte, aber tendenziell positive Stimmen kommen vom Deutschen Investor Relations Verband (DIRK), der im Zuge einer Umfrage unter über 250 börsennotierten deutschen Unternehmen festgestellt habe, dass rund 60% der antwortenden Unternehmen eine Erhöhung der Kappungsgrenze bevorzugen würden, während rund 40% eine solche Anhebung nicht befürworten würden, so eine Mitteilung des Verbands.

Skepsis von den Fondsgesellschaften

Die Fondsgesellschaften nehmen eher die Gegenposition ein. In einer Stellungnahme des Fondsverbands BVI beispielsweise heißt es, dass alle Finanzindizes breit diversifiziert sein sollen, damit (aktive Vermögensverwalter) in möglichst viele Bestandteile eines Finanzindex investieren können. Dass der Vorschlag von Stoxx, die Kappungsgrenze anzuheben, die Marktattraktivität der deutschen Dax-Indizes erhöhen wird, sei zweifelhaft. Für den BVI würde eine Anhebung der Kappungsgrenze im Normalfall keine angemessene Risikoverteilung auf dem Markt widerspiegeln. Auch könne die Liquidität für kleinere im Index gelistete Unternehmen verringert werden.

Auch sei durch den Paragrafen 206 des Kapitalanlagegesetzbuches und durch die OGAW-Richtlinie vorgeschrieben, dass UCITS-Fonds, die sich nicht an einem Index orientieren, nicht mehr als 10% ihres Vermögens in ein einzelnes Unternehmen investieren dürfen – um eben gegen ein Klumpenrisiko abgesichert zu sein.

AllianzGI: Verwendung des Dax wäre „herausfordernd“

Auf jene OGAW-Richtlinien, nämlich die sogenannte „5–10–40-Regel“ verweist auf Nachfrage von AssCompact auch Christoph Berger, CIO Equity Europe bei Allianz Global Investors (AllianzGI). „Gemäß der aktuellen 5–10–40-Regel dürfen nur 10% des Nettoinventarwertes eines Fonds in einen Emittenten investiert werden. Diese Regel gewährleistet für Anleger in aktiven Fonds eine breite Risikostreuung. […] Bei einer erhöhten Kappungsgrenze wird die Verwendung des Dax als Benchmark aber herausfordernd.“

Aufgrund der Veränderung der Gewichtung im Dax wäre es also mitunter so, dass es im Hinblick auf Regularien nicht mehr möglich, diese in Fonds abzubilden. „Letztendlich sollte die Börse ein Regelwerk festlegen, welches sicherstellt, dass die Dax-Indexfamilie weiterhin die breite Diversifikation der deutschen Wirtschaft repräsentiert. Gleichzeitig sollten die Indizes als Benchmark für aktive Fonds geeignet bleiben, die in deutsche Aktien investieren“, so Berger. (mki)

Bild: © Ljudmila – stock.adobe.com

 

Vanguard beendet Direktvertrieb in Deutschland

Die Online-Plattform Vanguard Invest, mit der Anleger direkt in Produkte des US-Vermögensverwalters investieren konnten, ist am 07.11.2023 eingestellt worden. Kunden können ihre Anteile nun verkaufen oder in ein anderes Depot übertragen.

Anfang 2022 war der hauseigene Robo-Advisor Vanguard Invest Anlageservice des US-amerikanischen Vermögensverwalters in Deutschland an den Start gegangen (AssCompact berichtete: Fonds-Riese Vanguard startet eigenen Robo-Advisor), ehe das Angebot im Januar 2023 mit Vanguard Invest Direkt um die Option, sein Portfolio selbst zu managen, erweitert wurde (AssCompact berichtete: Vanguard Invest startet hauseigene Plattform für Selbstanleger). Über die Plattform konnten Anleger direkt in Produkte des zweitgrößten Vermögensverwalters der Welt investieren.

Doch damit ist ab sofort Schluss, wie ein Unternehmenssprecher von Vanguard auf Nachfrage von AssCompact bestätigt. Die Plattform Vanguard Invest ist am Dienstag, 07.11.2023, in Deutschland eingestellt worden. Damit haben deutsche Kunden nicht mehr die Möglichkeit, via Direktvertrieb in Vanguard-Produkte zu investieren.

„Back to the roots“

Als Vanguard 2017 in den deutschen Markt eintrat, bediente der Asset-Manager seine Kunden hauptsächlich über Vertriebspartner und Anlageplattformen wie Direktbanken und Neobroker, ehe das Direktangebot Vanguard Invest eingeführt wurde. Etwa ein Jahr und neun Monate später habe Vanguard sein deutsches Geschäft überprüft, so der Unternehmenssprecher – mit dem Ziel, Anlegern in Deutschland den besten Zugang zu Vanguard-Produkten zu ermöglichen. Tatsache hierbei: Das deutsche Angebot von Vanguard über Vertriebspartner sei nach wie vor die erste Wahl für Anleger. Gleichzeitig müsste man noch die notwendige Größe erreichen, um den Vanguard-Invest-Service effizient zu betreiben. Daher habe das Unternehmen die „schwierige Entscheidung getroffen“, die Plattform Vanguard Invest zu schließen.

Man wolle allerdings Menschen in Deutschland weiterhin beim Investieren unterstützen, denn mehr als eine Million deutsche Anleger würden Fonds und ETFs von Vanguard verwenden. 60% seines gesamten Nettozuflusses in passiv gemanagte Börsenfonds in Europa verbuche Vanguard in Deutschland. Auch wenn Vanguard Invest eingestellt wird, werde das Unternehmen seine Fonds, ETFs und Dienstleistungen weiter in Deutschland über Vertriebspartner und Anlageplattformen anbieten.

Das können Kunden jetzt tun

Die Kunden wurden ebenfalls am Dienstag über die Schließung informiert. Diese können nun entweder ihre Bestände vor dem 08.12.2023 über das Vanguard Invest Portal verkaufen oder aber ihre erworbenen Anteile in ein Depot bei einem anderen Anbieter übertragen – wobei nicht alle Anbieter Wertpapierübertragungen, Fonds- oder ETF-Anteile akzeptieren.

Im Falle eines Verkaufs erhalten Kunden die Verkaufserlöse abzüglich etwaiger Steuern innerhalb von fünf bis elf Tagen. Nach der Schließung des Depots erhalten Kunden außerdem einmalig eine Kulanzzahlung von 25 Euro für anfallende Handelsgebühren. (mki)

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ÖKOWORLD: Das hat die neue Unternehmensleitung vor

ÖKOWORLD hat bewegte Monate hinter sich. Nach dem Rückzug von Gründer Alfred Platow übernahmen im August 2023 drei neue Vorstände das Ruder. Wie wollen sie den Anbieter weiterentwickeln? Und wie denken sie über den Vertrieb von nachhaltigen Kapitalanlagen?

Interview mit Katrin Hammerich, Andrea Machost und Torsten Müller, Vorstandsmitglieder der ÖKOWORLD AG
Vorgänger Alfred Platow prägte die ÖKOWORLD AG über Jahrzehnte. Was bedeutet sein Abschied für das Unternehmen?

Andrea Machost Der Generationswechsel ist für ÖKOWORLD ein markanter Einschnitt. Alfred Platow hat unser Unternehmen fast 50 Jahre lang erfolgreich aufgebaut und weiterentwickelt. Er hat es geprägt. Er hat viel bewegt und sehr viel erreicht. Unsere dunkelgrünen Nachhaltigkeitsfonds verwalten heute ein Vermögen von rund 3 Mrd. Euro. Dieses Geld gibt uns wichtigen Einfluss auf Unternehmen, und diesen Einfluss nutzen wir, um unsere Welt sozial, ökologisch und ethisch nachhaltiger zu machen. An dieser Strategie hat sich nach dem Ausscheiden von Alfred Platow selbstverständlich nichts geändert. Unser engagierter Einsatz für eine bessere und nachhaltigere Welt geht mit dem neuen Führungsteam unverändert und mit voller Kraft weiter.

Welche neuen Möglichkeiten mit Blick auf Kunden und Produkte ergeben sich für ÖKOWORLD mit dieser personellen Neuaufstellung an der Spitze?

Katrin Hammerich Das neue Vorstandsteam wird die erfolgreiche Arbeit des Firmengründers fortsetzen. Hierfür hat das neue Vorstandsteam drei wichtige Handlungsfelder definiert: „Neue Themen“, „Neue Produkte“ und „Neue Zielgruppen“. Bei einigen nachhaltigen Themen wollen wir den Dialog intensivieren. Beispielsweise plant die Bundesregierung die Einführung einer kapitalgedeckten Rente. Hier geht es um nicht weniger als die Sicherheit der Rentenzahlung künftiger Generationen. Bei diesem Thema muss unbedingt darauf geachtet werden, dass die angelegten Gelder nur in Unternehmen investiert werden, die zu 100% ethisch, ökologisch und sozial werteorientiert aufgestellt sind.

AM Sowohl auf der Anlageseite als auch im Vorsorgebereich sehen wir Chancen für eine Weiterentwicklung unserer dunkelgrünen Produkte. Beispielsweise wollen wir für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge auch ratierliche Anlagen mit in unser Angebot aufnehmen. Zusätzlich planen wir, unsere Aktivitäten im Bereich der betrieblichen Altersvorsorge weiter auszubauen.

Torsten Müller ÖKOWORLD war in der Vergangenheit stark auf eine ältere Zielgruppe ausgerichtet. Das wollen wir ändern. Wir wollen in Zukunft deutlich stärker auch jüngere Menschen ansprechen, ohne unsere bisherige Zielgruppe zu vernachlässigen. Jüngere Menschen sind überaus umweltbewusst und engagieren sich sehr stark für Nachhaltigkeit und gegen den Klimawandel. Diese Veränderung wird Einfluss haben auf unsere Aktivitäten in den Bereichen Marketing und Vertrieb.

In den letzten Jahren hat das Bewusstsein für nachhaltige Kapitalanlagen stetig zugenommen. Welche Top-Herausforderungen und Top-Chancen sieht die neue Vorstandschaft gegenwärtig für ÖKOWORLD in diesem Wachstumsmarkt?

TM Allein in Deutschland liegt das Gesamtvolumen nachhaltiger Geldanlagen inzwischen bei mehr als 500 Mrd. Euro. Das zeigt, dass sehr viele Anlegerinnen und Anleger ihr Geld auch tatsächlich nachhaltig investieren wollen. Und da wir diejenigen sind, die sich seit Gründung im Jahr 1975 auf ethisch-ökologische Geldanlagen spezialisiert haben und ausschließlich zu 100% nachhaltige Fonds anbieten, sehen wir hier weiterhin große Wachstumschancen. Viele Verbraucher sind inzwischen verunsichert und was wir brauchen, ist dringend mehr Orientierung für die Verbraucher.

KH Ja, leider ist nicht überall Nachhaltigkeit drin, wo Nachhaltigkeit draufsteht. Das führt zu einer deutlichen Verunsicherung der Verbraucher. Das sehen wir beispielsweise auch bei Stiftung Warentest. In der September-Ausgabe von Finanztest wurden rund 1.000 nachhaltige Fonds auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht. Rund die Hälfte ist bereits beim ersten Screening durchgefallen und nur 8 von 1.000 erhielten die Bestnote von fünf Sternen  darunter natürlich die zwei getesteten ÖKOWORLD-Fonds. Von dieser Transparenz brauchen wir dringend mehr. Auch wir sehen uns hier in der Verpflichtung, für noch mehr Transparenz zu sorgen. Nachhaltigkeit ist ein komplexes Thema und wir müssen in einfachen, aber klaren Botschaften den Kundinnen und Kunden vermitteln, dass unsere Fonds echte Nachhaltigkeit enthalten.

Nachhaltigkeit kann auf viele Arten interpretiert werden – von Umweltschutz über soziale Verantwortung bis hin zu guter Unternehmensführung. Bislang dominiert am Markt die Berücksichtigung von Umweltschutzbelangen. Wird sich das in absehbarer Zeit verändern? Und wie reagiert ÖKOWORLD darauf?

AM ÖKOWORLD war schon immer der Meinung, dass Nachhaltigkeit mehr ist als nur Umweltschutz. Deshalb haben wir bereits vor über 20 Jahren entschieden, dass wir bei unseren Fonds nur dort investieren, wo neben unseren ökologischen Anforderungen auch unsere ethischen und sozialen Bedingungen erfüllt werden. Diese breite Definition von Nachhaltigkeit ist für unsere Gesellschaft und für unseren Planeten extrem wichtig. Leider fehlen hier immer noch allgemeingültige strenge Regeln. Einen Ansatz in die richtige Richtung liefern hier die EU-Taxonomien. Nur leider ist dieser Prozess sehr politisch, weshalb hier zu viele Kompromisse gemacht werden. Es ist beispielsweise ein absolutes Unding, dass Atomkraft laut der EU-Taxonomie als nachhaltige Energie eingestuft wird. Und bei der Social-Taxonomie kommt die EU leider aus politischen Gründen aktuell überhaupt nicht voran. Das ist sehr schade, denn eine EU-weite Definition von menschenwürdiger Arbeit und angemessenen Lebensstandards würden wir als ersten Schritt in die richtige Richtung sehr begrüßen.

Es gibt eine wachsende Debatte darüber, ob nachhaltige Kapitalanlagen auch konkurrenzfähige Renditen im Vergleich zu traditionellen Anlagen bieten können. Wie begegnet ÖKOWORLD diesem Thema und welche Argumente haben Sie für Skeptiker?

TM Selbstverständlich müssen nachhaltige Fonds auch eine marktkonforme Rendite bringen. Aber das können sie auch. Nehmen wir mal unseren größten Fonds: ÖKOWORLD ÖKOVISION Classic. Dieser hat in den vergangenen zehn Jahren sieben Mal eine zweistellige Rendite geschafft, einmal war die Rendite einstellig und nur zweimal war sie leider negativ. Besonders im Jahr 2022 hat uns der Ukraine-Krieg schwer zu schaffen gemacht. Dieser hat einen regelrechten Boom bei Unternehmen mit fossilen Energien ausgelöst. Aber daran ist nichts nachhaltig. An einer solchen Entwicklung können und wollen wir deshalb auch nicht partizipieren.

Angesichts der globalen Herausforderungen wie Klimawandel, soziale Ungleichheit und Biodiversitätsverlust: Welche Rolle spielt ÖKOWORLD in der Gestaltung einer nachhaltigeren Zukunft und wie wollen Sie das Unternehmen in den nächsten Jahren strategisch ausrichten?

AM Wir wollen weiter wachsen. Je mehr Kundinnen und Kunden ihr Geld in unsere Fonds anlegen, desto mehr Einfluss können wir im Sinne von sozialer, ökologischer und ethischer Nachhaltigkeit auf Unternehmen, Politik und Gesellschaft ausüben. In einer global entwickelten Wirtschaft ist Geld das entscheidende Mittel, um Veränderungsprozesse voranzutreiben. Wir wollen gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden die Gesellschaft nachhaltig, ökologisch und sozial verändern.

Jüngst bezog unter anderem das Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. Stellung zur Nachhaltigkeitsabfrage in der Finanzanlagenvermittlung. Das Fazit: zu komplex, zu wenig anlegerfreundlich. Ist dieses Fazit für ÖKOWORLD nachvollziehbar?

KH Diese Einschätzung teile ich. Deshalb haben wir uns auch als ein wichtiges Ziel gesetzt, für mehr Transparenz im Markt für Nachhaltigkeitsfonds zu sorgen. Wir müssen den Investorinnen und Investoren verständliche und zugleich nachvollziehbare Guidelines an die Hand geben, mit deren Hilfe sie leichter erkennen können, wer wirklich nachhaltig ist und wer nur Greenwashing betreibt.

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Ein Artikel von
Andrea Machost
Katrin Hammerich
Torsten Müller

Global verwaltetes Vermögen ist 2022 stark gesunken

Die hohen Inflationsraten, steigende Zinsen sowie geopolitische Spannungen haben zu einem merklichen Rückgang des global verwalteten Vermögens geführt. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Marktanalyse. Die Allianz SE zählt demzufolge zu den Top-Ten-Vermögensverwaltern der Welt.

Im Jahr 2022 verzeichneten die 500 größten Vermögensverwalter der Welt einen Rückgang der verwalteten Vermögenswerte (Assets under Management, AuM) um –13,7% auf 113,7 Bio. US-Dollar. Dies stellt den ersten signifikanten Rückgang seit der globalen Finanzkrise 2008 dar. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Marktanalyse des Thinking Ahead Institute (TAI) – ein Analysehaus unter dem Dach des global tätigen Versicherungsmaklers WTW.

Inflations- und Wachstumssorgen sind nach wie vor groß

Diese Entwicklung basiere dem TAI zufolge vor allem auf den Marktkorrekturen im Laufe des Jahres bei Aktien und Anleihen. Während etwa japanische Investmentmanager besser abschnitten und nur einen Rückgang von –5,5% hinnehmen mussten, erlebten nordamerikanische Vermögensverwalter einen Rückgang von –14,2% und europäische (einschließlich des Vereinigten Königreichs) Manager einen überdurchschnittlichen Rückgang von –16,8%.

Jessica Gao, Direktorin des TAI, kommentiert diese Dynamik: „Während des gesamten Jahres 2022 mussten die Anleger inmitten erheblicher Turbulenzen, hoher Inflation und Zinsen sowie geopolitischer Spannungen Verluste hinnehmen, die einen Großteil der während des rekordverdächtigen Jahres 2021 erzielten Gewinne zunichte machten. In unseren Gesprächen mit Vermögensverwaltern haben wir immer wieder darauf hingewiesen, dass die Zinssätze weiter steigen werden und die Inflations- und Wachstumssorgen nach wie vor groß sind, was darauf hindeutet, dass die Vermögensverwalter noch nicht aus dem Schneider sind.“

Passive Anlageformen holen auf

Außerdem interessant: Die aktuelle Studie zeigt auch eine fortschreitende Entwicklung bei der Verteilung von aktiv und passiv verwalteten Vermögenswerten zugunsten der passiven Anlageformen. Passiv verwaltete Fonds machten 2022 nämlich bereits rund 35% des Gesamtvermögens aus, ein Anstieg um 4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr. Trotzdem bleibt ein Großteil von rund 65% des global investierten Kapitals aktiv verwaltet.

Bei den Anlageklassen führten die Rückgänge an den Aktien- und Anleihemärkten zu einer leichten Verschiebung der Gewichtungen. Auf Jahressicht stieg der Anteil aller Investitionen in alternative Kapitalanlagen wie Private Equity auf 7,1% an. Im Gegensatz dazu führten die Marktrückgänge zu einer Verringerung der kombinierten Aktien- und Anleiheallokation um 2,4 Prozentpunkte auf einem aber weiterhin hohen Anteil von rund 79%.

Allianz SE befindet sich unter den Top-Ten weltweit

Die Rückgänge der global verwalteten Vermögenswerte hinterließen auch Spuren in den Bilanzen der Top-20-Vermögensverwalter weltweit. Ihr Anteil am Gesamtvermögen sank von 45,2% im Jahr 2021 leicht auf 44,2% im Jahr 2022. BlackRock bleibt trotz eines Rückgangs der AuM von etwas über 10 Bio. US-Dollar auf etwas rund 9,6 Bio. US-Dollar im Jahr 2022 der weltweit größte Vermögensverwalter, gefolgt von der Vanguard Group (7,3 Bio. US-Dollar). Fidelity Investments (3,7 Bio. US-Dollar) und State Street Global (3,5 Bio. US-Dollar), die auf den Plätzen 3 und 4 rangieren, sahen ihre Vermögenswerte auf unter 4 Bio. US-Dollar sinken. Der international tätige Versicherer Allianz SE schaffte es als erster europäischer Vermögensverwalter mit AuM in Höhe von 2,3 Bio. US-Dollar auf Rang 7. (as)

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