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Franklin Templeton lanciert drei neue aktive Anleihen-ETFs

Der Vermögensverwalter Franklin Templeton legt drei neue aktiv-gemanagte Anleihen-ETFs für europäische Investoren auf. Zwei der neuen ETFs, die unter Artikel 9 der EU SFDR fallen, investieren in grüne Anleihen.

Franklin Templeton gibt die Auflegung von drei neuen aktiv verwalteten Anleihen-ETFs bekannt: den Franklin Euro IG Corporate UCITS ETF, den Franklin Sustainable Euro Green Sovereign UCITS ETF und den Franklin Sustainable Euro Green Corp 1–5 Year UCITS ETF. Mit den beiden letztgenannten baut Franklin das Angebot an grünen Anleihen-ETFs weiter aus.

So verfolgt der Franklin Sustainable Euro Green Sovereign UCITS ETF, der gemäß Artikel 9 der EU SFDR eingestuft ist, ein nachhaltiges Anlageziel, indem er ein Engagement hauptsächlich in den europäischen Markt für grüne Staatsanleihen bietet und dabei die Gesamtrendite maximiert.

Der Franklin Sustainable Euro Green Corp 1–5 Year UCITS ETF, der ebenfalls als Artikel 9 eingestuft ist, verfolgt ein nachhaltiges Anlageziel, indem er ein Engagement in den europäischen Markt für grüne Unternehmensanleihen mit einer kurzen bis mittleren Laufzeit von weniger als fünf Jahren bietet und dabei die Gesamtrendite maximiert.

Beide Green-Bonds-ETFs wollen ihre Anlageziele erreichen, indem sie mindestens 90% des Vermögens in nachhaltige Anlagen investieren und mindestens 75% des Vermögens in grüne Anleihen investieren, während der Rest aus konventionellen Anleihen besteht, die vom Portfoliomanagementteam als nachhaltige Anlagen eingestuft werden.

Euro IG Corporate ETF hat europäische Unternehmensanleihen im Blick

Das Anlageziel des Franklin Euro IG Corporate UCITS ETFs wiederum besteht darin, Erträge auf dem Markt für europäische Unternehmensanleihen zu erzielen und gleichzeitig das Kapital zu erhalten. Der Fonds, der nach Artikel 8 der EU-SFDR eingestuft ist, investiert hauptsächlich in auf Euro lautende Unternehmensschuldtitel mit Investment-Grade-Rating, die von europäischen Unternehmen begeben werden und mindestens 20% ihres Vermögens in ökologisch nachhaltige Anlagen und 1% in sozial nachhaltige Anlagen tätigen.

Für alle drei Fonds verweist Franklin Templeton auf eine günstige Kostenstruktur. Die Gesamtkostenquote für die beiden Green-Bonds-Fonds beträgt 0,18% und für den Franklin Euro IG Corporate UCITS ETF 0,15%. (bh)

Bild: © valiantsin – stock.adobe.com

 

Wie sich INNO INVEST als Haftungsdach aufstellt

Seit dem Start als klassische Vermögensverwaltung hat sich bei der in Darmstadt ansässigen INNO INVEST einiges verändert. So bietet das Wertpapierinstitut heute ein Haftungsdach und einen Maklerpool. Mehr darüber erzählt der Geschäftsführer Stefan Schmitt im Gespräch mit AssCompact.

Interview mit Stefan Schmitt, Geschäftsführer der INNO INVEST (Innovative Investment Solutions GmbH)
Herr Schmitt, INNO INVEST gibt es seit fast zehn Jahren, gegründet als traditionelle Vermögensverwaltung für Privat- und Geschäftskunden. Wie ist das Unternehmen denn heute aufgestellt?

Das ist richtig. 2014 startete die INNO INVEST als klassische Vermögensverwaltungsboutique. Heute ist unser Wertpapierinstitut anders aufgestellt. Wir haben uns als Vorreiter im digitalen Private Banking und Wealth-Management eta­bliert. Mit einem breiten Leistungsspektrum bedienen wir sowohl B2C- als auch B2B-Kunden.

Für Privatkunden und Unternehmer bieten wir unsere intelligente Vermögensverwaltung an – klassisch oder als Robo-Advisor –, die sich durch modernste Technologie und intelligentes Risikomanagement auszeichnet. Darüber hinaus haben wir mit Promisioo.de unsere hauseigene Onlinebroker-Plattform, auf der für unschlagbare 50 Cent pro Trade in Aktien, ETFs, Optionen und mehr investiert werden kann.

Im B2B-Geschäft, also für vertraglich gebundene Vermittler, bietet die INNO INVEST das innovativste Haftungsdach in Deutschland, und für §34f-Finanzanlagenvermittler den INNO-Maklerpool mit maximal 5% Anbindungskosten.

Mit Blick auf das Haftungsdach für vertraglich gebundene Vermittler: Gehen Sie davon aus, dass im Zuge der Provisionsdebatte für Anlageberater der Bedarf wächst?

Definitiv ja. Allerdings nicht nur aufgrund der Provisionsdebatte. Die Kleinanlegerstrategie der EU betrifft vornehmlich den Pool-Markt für 34f-Vermittler, die von hohen Bestandsprovisionen leben, sowie Neobroker, die mit dem Vergütungsprozess Payment for Order Flow (PFOF) herausgefordert werden.

Vertraglich gebundene Vermittler hingegen befinden sich eher im Bereich der Anlageberatung. Hier greift das Provisionsverbot nicht. Aber die Implementierung neuer Preis- und Abrechnungsmodelle sind gefragt. Beispielsweise stellen wir sehr vermehrt den Einsatz von Servicepauschalen fest, während gleichzeitig auf Ausgabeaufschläge immer öfter verzichtet wird.

Darüber hinaus machen sich aber auch immer mehr angestellte Vermögensverwalter und Private-Banking-Berater selbstständig. Deswegen steigen die Anfragen bei Haftungs­dächern, da strenge Vorschriften und komplexe BaFin-Regeln den Weg in die Unabhängigkeit stark erschweren. Hinzu kommen immer wieder neue BaFin-Auflagen, etwa beim Inhaberkontrollverfahren, im Wertpapier­institutsgesetz (WpIG) sowie durch die MiFID II. Ein Haftungsdach bietet daher oft eine attraktive Alter­native zur eigenen BaFin-­Erlaubnis – gerade für FinTechs, aber auch für Private Banker oder angestellte Vermögensverwalter sowie für wert­papieraffine Versicherungsmakler.

Ihr Angebot basiert vor allem auf einer digitalen Finanzplattform. Wie sieht diese aus?

Private Banking und Wealth-Management sehen heute anders aus als noch vor ein paar Jahren. Die Zeiten, in denen Anträge in Papierform ausgedruckt, versandt und unterschrieben zugeschickt werden müssen, sind definitiv vorbei. Als modernes Wertpapierinstitut und FinTech sind wir mit unserer hauseigenen Wealthtech-Plattform daher so gut aufgestellt, dass wir die gesamte Wertschöpfungskette im Wertpapiergeschäft volldigital abwickeln können.

Sämtliche Prozesse werden digital dargestellt, etwa die Protokollierung der Anlageberatung, die Depoteröffnung, der Abschluss einer Vermögensverwaltung bis hin zum digitalen Order-Tool. Gleichzeitig erkennt unsere künstliche Intelligenz (KI) in der Beratungssoftware Dokumentationsfehler, unterstützt Akquisitionsprozesse effizient und erledigt vollautomatisiert die Provisionsabrechnung. Grund­lage ist die eigenentwickelte Wealthtech-Plattform. Über die Plattform wickelt die INNO INVEST auch das gesamte eigene Kundengeschäft ab.

Welche Services bieten Sie darüber hinaus?

Neben den genannten Geschäftsfeldern punkten wir mit innovativen Lösungen in den Bereichen Investment-APIs und digitaler Beratungssoftware. Diese Tools bieten Kunden und Partnern die Möglichkeit, gezielter und effizienter in die Welt der Wertpapiere einzusteigen.

Die Investment-APIs ermöglichen die nahtlose Integration von Finanzlösungen in bestehende Anwendungen und Plattformen, während die digitale Beratungssoftware eine MiFID-II-konforme Beratung und Dokumentation sicherstellt. Als modernes Wertpapier­institut verbinden wir modernste Technologie, individuelle Vermögensverwaltung und ein breites Dienstleistungsangebot – von der Vermögensverwaltung über das Haftungsdach bis hin zum Online-Brokerage.

Lassen Sie uns noch über den Maklerpool für 34f- und 34h-Vermittler sprechen, den Sie eingangs erwähnten und den Sie im Frühjahr gestartet haben. Wie kam es zu diesem Schritt – die Konkurrenz ist ja nicht gerade klein?

Üblicherweise werden von tradierten Maklerpools heute noch 10% und mehr als Courtage-Abzug veranschlagt. Das ist definitiv zu teuer. Für uns gibt es daher keinen besseren Zeitpunkt, in den Markt einzusteigen. Immerhin möchten wir nur maximal 5% Anbindungskosten haben und als Preisführer wahrgenommen werden. Darüber hinaus befindet sich der Pool-Markt aktuell in einer starken Konsolidierungsphase. Margen-Erosion und stark steigende Kosten belasten die Branche – insbesondere auch getrieben durch den Fortschritt der Digitalisierung. Das ist unsere Chance.

Die Konsolidierung haben Sie angesprochen. Welche Entwicklung erwarten Sie hier?

Unter den deutschen Maklerpools wird es definitiv zu einem großen Qualitäts- und Preiskampf kommen. Durch den Einstieg von Investoren wurde die Dynamik an Übernahmen kleinerer Pools sogar beschleunigt.

Meine Vermutung ist, dass klassischen Pools nichts anderes übrig bleiben wird, als ihre internen Margen zu erhöhen. Gleichzeitig steigen die internen Entwicklungskosten, um den digitalen Mindeststandard zu erreichen. Auf angebundene Vermittler werden definitiv Preiserhöhungen zukommen, in dem Anbindungskosten erhöht werden. Da klingen 5% bei der INNO INVEST am Ende sehr attraktiv.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 10/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © INNO INVEST

 

Inside the Market: Der Kapitalmarkt in Unruhe

Die Märkte haben es derzeit gewiss nicht einfach – dafür gibt es zu viele negative Einflüsse. Der Kongress Investment auf der DKM in Dortmund wurde mit der Diskussionsrunde „Inside the Market“ eröffnet, in der vier Experten die aktuelle Marktlage analysierten.

Hohe Zinsen, eine hohe Inflation, Rezessionsängste. Als Privatanleger hat man es derzeit nicht leicht – wo also hingehen? Welcher Anlageklasse sein Geld anvertrauen? Die Börse ist gebeutelt, und das sorgt für Unsicherheit. Und auch wenn es am Ende zwar sicher ist, dass sich der Markt irgendwie weiterdreht, würde man sich doch freuen, wenn man den richtigen Kurs fahren würde.

Um den Weg zu ebnen für einen erfolgreichen Kongress Investment auf der DKM in Dortmund, war der erste Programmpunkt hier die Diskussionsrunde „Inside the Market“ über die aktuelle Lage am Kapitalmarkt. Teilgenommen haben Charles Neus, Head of Retirement Solutions beim German Branch von Schroders Investment Management, Martin Stenger, Director of Sales bei Franklin Templeton in Deutschland, Jan Strobel, Business Development Manager Germany bei Setanta Asset Management, und, als Vertreter der Versicherer, Thomas Buchholz, Leiter Partnervertrieb bei der LV 1871. Die Diskussionsrunde lief unter der Moderation von Frank O. Milewski, Chefredakteur der Cash. Media Group GmbH.

Aktiv statt passiv und Multi-Asset?

Die vier Diskutanten waren sich recht einig: Jetzt ist die Zeit für aktives Anlegen. Denn die Lage sei sehr angespannt und die Märkte volatil. Jan Strobel ließ anklingen, dass es vielleicht eine sinnvolle Strategie sei, sich in den nächsten Monaten und Jahren wieder auf aktives Portfoliomanagement zu konzentrieren und nicht nur passiv Märkte zu kaufen. Auch Martin Stenger sieht, gerade aufgrund der geopolitischen Lage, aktive Anlagen derzeit eher als Kerninvestments und passiv mehr als Zusatzanlagen. Außerdem sei eine breite, globale Aufstellung wichtiger als je zuvor.

Charles Neus betonte allerdings, dass die grundsätzliche Frage bei der Beratung sein sollte, wer einem gegenüber sitzt. Vor allem aber, wenn sich jemand noch nicht so gut mit den Märkten auskennen sollte und auch aufgrund der derzeitigen Volatilität, bei der sich die Situation jeden Monat ändern könnte, sei Multi-Asset „das A und O“.

Aktien „klar vorne“

Bei der Analyse der Asset-Klassen seien Aktien derzeit ganz vorne, meldete Strobel. Die Bond- und Immobilien-Komponente sei dagegen unter Druck geraten. Neben den Aktien gebe es höchstens auf der Rohstoffseite eine positive Entwicklung.

Beim Thema Zinsen waren sich die Diskutanten insgesamt einig, dass dieser langfristig nicht ausreiche, um die Inflation auszugleichen. Strobel betonte klar, dass es nicht um Kapitalerhalt, sondern um Kapitalaufbau im Sinne der Altersvorsorge gehe. Hier müsse man die Inflation „vom Norden“ anschauen. Laut Stenger gelinge dies mit den Zinsen derzeit noch nicht, hier schaue man immer noch „von unten“ drauf. Thomas Buchholz von der LV 1871 sieht in diesem Zusammenhang ebenfalls die Aktien als zielführendstes Mittel, denn man müsse den positiven Realzins im Auge behalten, und das schaffe man eben auf der Aktienseite. Die Aufgabe der Versicherer sei dabei, so Buchholz, den Kunden die Angst vor der Aktienanlage zu nehmen.

Digitale Rentenübersicht: Man ist gespannt

Auch die digitale Rentenübersicht fand einen Platz in der Diskussionsrunde – und traf auf vorsichtigen Optimismus, denn, so Stenger, wenn die Rentenübersicht es möglich macht, zu sichten, was ich für meine Rente schon gemacht habe, dann wäre diese Übersicht durch den Bundesadler abgedeckt. „Was will man denn mehr?“

Neus begrüßt grundsätzlich das Vorhaben der digitalen Rentenübersicht, gab aber zu Bedenken, dass man erst abwarten müsse, ob sie in Deutschland auch so gut funktioniert und dargestellt wird, wie sie dies in anderen angelsächsischen Ländern tue.

Ähnlich halten es die beiden mit der Fokusgruppe private Altersvorsorge. Für Stenger, der stellvertretende Vorsitzende des BVI-Ausschusses Altersvorsorge, ist das Ziel der Fokusgruppe vorerst erfüllt – die Frage sei nun allerdings, was im Gesetz ankommt. Und auch Neus setzt Hoffnung auf die weiteren Entwicklungen. Denn Tatsache sei, dass es ohne Hilfe des Gesetzgebers nie funktioniert habe, aus dem Deutschen jemanden zu machen, der fürs Sparen auch zum Kapitalmarkt greift. Dass Altersvorsorge mit diesem nun kombiniert werden soll, könnten „wir alle nur begrüßen“. (mki)

Bild: © DKM

 

So investierten Asset-Manager in den letzten fünf Jahren

Das Institut für Vermögensaufbau und der Anbieter von Wealth Management Software QPLIX stellen den Trendmonitor Vermögensverwaltung 2023 vor. Mehr als 54.000 reale Kundenportfolios wurden ausgewertet und geben darüber Auskunft, in welche Anlagen in den letzten fünf Jahren Geld floss.

Über 100 unabhängige Vermögensverwalter nahmen an der Erstellung des Trendmonitors Vermögensverwaltung 2023 teil. Die Studie wurde vom Institut für Vermögensaufbau (IVA) und dem Wealth-Software-Anbieter QPLIX durchgeführt. Untersucht wurden über 54.000 reale Kundenportfolios. Damit sei der Trendmonitor die größte und fundierteste Auswertung dieser Art im deutschsprachigen Raum, so die Unternehmen in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Die anonymen und aggregierten Portfoliobestandsdaten wurden von den Depotbanken V-BANK, DAB BNP Paribas, Deutsche Bank, Baaderbank und Donner & Reuschel bereitgestellt. Im nun ersten Trendmonitor analysieren IVA und QPLIX die Zusammensetzung der Portfolios 2022 (Aktien, Fonds, Renten) sowie Verschiebungen während der vergangenen fünf Jahre. Auch enthält die Studie Sonderauswertungen zur Ukraine-Krise (Energie, Rüstung), zur Corona-Pandemie (Pharma, Home-Office) sowie zu Trendthemen wie ESG und Kryptowährungen. Auch ermittelt der Trendmonitor die 20 beliebtesten Aktien der Deutschen und vergleicht die Struktur kleinerer mit der größerer Depots.

Ukraine-Krieg und Energie

Eine Erkenntnis des Trendmonitors ist, dass sich vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs seit 2022 der Anteil von Rüstungskonzernen verdopple – allerdings von einem niedrigen Niveau. 2019 lag der Anteil der Rüstungstitel schon einmal deutlich höher. Der Abwärtstrend könnte sich allerdings dauerhaft umgekehrt haben. Am größten seien die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs dagegen im Energiesektor. „Über Beteiligungen an Energieunternehmen nahmen die Vermögensverwalter die Profite dieser Sonderkonjunktur in Folge der hohen Strom- und Gaspreise im ersten Halbjahr 2022 gerne stellvertretend für ihre Mandantinnen und Mandanten mit“, so Deck.

Tech-Unternehmen und Corona

Generell beschleunigt sich auch der Trend in Richtung Technologieunternehmen rasant. Denn die US-amerikanischen Tech-Megakonzerne hätten ihren Anteil in den Depots beinahe verdoppelt, sagt IVA-Vorstand Andreas Ritter. Home-Office-relevante Aktien wie Videokonferenz-Anbieter hätten ihren Anteil sogar verdreifacht. Dieser Trend habe sich sogar stabilisiert. Weiterhin gab es laut Ritter eine Corona-Sonderkonjunktur im Healthcare-Bereich – und zwar seit dem ersten Quartal 2020 und im Jahr 2021. Mit der Pandemie zusammen flaute diese jedoch wieder ab.

„America first“ – goodbye „Old Europe“

Wenn es um Investitionen in die Zukunft geht, setzen Vermögensverwalter immer stärker auf US-Aktien, wie der Trendmonitor zeigt. Der Anteil europäischer Papiere ist seit 2018 konstant rückläufig. Der Anteil der Euro-Länder ist im Untersuchungszeitraum sogar insgesamt um mehr als zehn Prozentpunkte gefallen – 2022 erstmals unter 30%. Natürlich stehe diese Entwicklung auch in Zusammenhang mit der Beliebtheit der US-Tech-Riesen und der starken Performance des US-Aktienmarktes, so Ritter.

China dagegen verliert im Regionen-Ranking in den vergangenen Jahren kontinuierlich Anteile, was laut dem IVA-Vorstand nicht nur an den gestiegenen geopolitischen Risiken liegen dürfte, sondern auch an der allgemein schwächelnden Konjunktur.

Niedrigzinsphase

2021 gab es ein Hoch beim Aktienanteil in den Depots – nämlich 60%. Rentenpapiere sanken 2022 erstmals unter die Schwelle von 20%. Allerdings zeigten neueste Portfolioveränderungen schon die Vorboten einer Zinswende, wie aus dem Trendmonitor hervorgeht. Die durchschnittlichen Restlaufzeiten innerhalb der Rentenportfolios sanken 2021 deutlich.

Medientrends ESG und Kryptowährungen

Dass mediale Aufmerksamkeit nicht analog mit der Wirklichkeit korreliert, zeigen laut der Mitteilung von IVA und QPLIX die „Hype-Themen“ ESG und Kryptowährungen. Denn hier belege der Trendmonitor weder eine Verschiebung in Richtung ESG-konformer Unternehmen noch die Geburt einer neuen relevanten Anlageklasse durch Kryptowährungen. In professionell verwalteten Depots bewege sich ihr Anteil eher im Promille-Bereich, so QPLIX-Marketing-Director und Co-Autor des Trendmonitors Sebastian Deck.

Der Trendmonitor soll künftig regelmäßig als Kooperation zwischen QPLIX und IVA veröffentlicht werden. Eine derartig genaue Analyse der Portfolios sei insbesondere deswegen im Vergleich zu Umfragen interessant, da sie keine reinen Stimmungen wiedergeben, sondern konkret zeigen würden, welche finanziellen Auswirkungen Anlageprofis bestimmten Entwicklungen wirklich beimessen und wie sie im Auftrag ihrer Mandantinnen und Mandanten darauf reagieren, erläutert QPLIX-Marketing-Director und Co-Autor Sebastian Deck. (mki)

Bild: © Christian – stock.adobe.com

 

J.P. Morgan AM mit neuem aktiven ETF auf globale Anleihen

Die Vermögensverwaltungstochter von J.P. Morgan, J.P. Morgan AM, hat einen neuen aktiven Anleihen-ETF gelistet. Der Fonds zielt auf ein diversifiziertes Investment in globale Anleihen ab.

Aktive ETFs haben in den letzten zwölf Monaten ein starkes Wachstum verzeichnet, wie kürzlich das Analysehaus Scope Fund veröffentlichte (AssCompact berichtete: Aktive ETFs verbuchen deutliches Wachstum). Diese zeichnen sich dadurch aus, dass sie das größte Verkaufsargument der passiven ETFs, die günstigen Gebühren, mit der Expertise eines Portfolio-Management-Teams vereinbaren sollen, indem sie sich an einer Benchmark orientieren, ein Portfoliomanager die Titelauswahl und die Gewichtung allerdings an die Marktverhältnisse anpasst.

J.P. Morgan AM ist in diesem Markt auch in Deutschland der aktivste Anbieter. Die Vermögensverwalter-Tochter der US-Großbank hat jetzt einen neuen Anleihen-ETF auf den Markt gebracht – den JPM Active Global Aggregate Bond UCITS ETF. Dieser soll auf Basis der bewährten globalen Aggregate-Bond-Strategie des Unternehmens ein diversifiziertes Investment in globale Anleihen ermöglichen und ist damit der erste aktive Anleihen-ETF dieser Art, so J.P. Morgan AM.

Neuer globaler Anleihen-ETF von J.P. Morgan AM

Der JPM Active Global Aggregate Bond UCITS ETF deckt als Kernallokation ein breites Spektrum an Anleihemärkten ab, so das Unternehmen in einer Mitteilung. Dazu zählen Staats- und Unternehmensanleihen, staatsnahe Emittenten, Schwellenländer-Bonds sowie verbriefte Anleihen in 25 lokalen Währungsmärkten.

Das Portfolio-Team wird geleitet von Myles Bradshaw, Iain Stealey und Linda Raggi und wird von einem globalen Research-Team mit über 70 quantitativen und fundamentalen Research-Analysten unterstützt. Es setzt auf eine Wertpapierauswahl nach dem Bottom-Up-Prinzip, die mit einer Sektorallokation nach dem Top-Down-Prinzip verbunden wird. Gleichwohl könnten Chancen auch durch Sektorrotation genutzt werden. Ziel sei es, langfristig den Bloomberg Global Aggregate Index Total Return USD Unhedged nach Abzug der Gebühren zu übertreffen. Der ETF wird gemäß EU-SFDR-Verordnung als Artikel 8 eingestuft.

Der JPM ACtive Global Aggregate Bond UCITS ETF wird seit dem 18.10.2023 an der London Stock Exchange, der Deutschen Börse Xetra, der Schweizer Börse und Borsa Italiana notiert. Die Gesamtkostenquote liegt bei 30 Basispunkten. (mki)

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Nachhaltig investieren: Der Wille ist da

Eine aktuelle von der Fondsgesellschaft Invesco beauftragte Umfrage zeigt, dass das Interesse an nachhaltigen passiven Anlageprodukten wächst. Doch es gibt immer noch Gründe, warum die Anleger doch noch ohne ESG-Faktoren investieren. Hauptsächlich wünschen sie sich mehr Informationen.

Nachhaltige passive Anlageprodukte geraten mehr in den Fokus von Privatanlegern. Das ergibt eine aktuelle Umfrage, die von Invesco in Auftrag gegeben wurde und 1.000 deutsche befragte Privatanleger umfasst. Laut der Mitteilung von Invesco halten deutsche Privatanleger eine Portofolioallokation von 35% in börsengehandelten Fonds (ETFs) mit ESG-Schwerpunkt für ideal. Die Mehrheit (54%) der deutschen Privatanleger will das Engagement in ESG-ETFs in den nächstne drie Jahren erhöhen.

Außerdem wollen 80% der Investoren, die derzeit nicht in ESG-ETFs investiert sind, ein derartiges Engagement in den nächsten drei Jahren in Betracht ziehen, so Invesco. Damit sich ESG-ETFs in Zukunft mehr durchsetzen, müssen Invesco zufolge vor allem Wissenslücken geschlossen werden.

ETFs für ESG-Anlagen

Die Umfrage zeigt, dass viele Investoren ETFs nutzen, um in ESG-Themen zu investieren. Fast drei Viertel derjenigen, die in ESG investieren, nutzen ETFs für mindestens einen Teil dieses Exposures, und bei diesen Anlegern machen ESG-ETFs mehr als ein Drittel (38%) der Gesamtportfolios aus.

Darüber hinaus ergab die Umfrage ein großes Interesse an einer Ausweitung des ESG-ETF-Engagements in den kommenden Jahren. Von den Anlegern, die bereits in ESG-ETFs investieren, erwartet die Mehrheit (54%), ihr Engagement künftig auszuweiten, während nur 6% beabsichtigen, es zu reduzieren.

Bei denjenigen, die aktuell nicht in ESG-ETFs investiert sind, gebe es laut Invesco eine „große Aufgeschlossenheit“ für diese Anlageprodukte. Denn 80% gaben an, in den nächsten drei Jahren Investitionen in ESG-ETFs in Betracht ziehen zu wollen, während nur 16% dies nicht tun wollen Das Interesse sei dabei über alle Portfoliogrößen ähnlich ausgeprägt und offenbar weitgehend unabhängig von der Investmenterfahrung.

„E“, „S“ und „G“ unterschiedlich bedeutend

Die drei ESG-Kriterien („E“ für Umwelt, „S“ für Soziales und „G“ für Governance oder gute Unternehmensführung) sind für die Anleger unterschiedlich bedeutend, meldet Invesco. 38% der Befragten gaben an, dass für sie das Kriterium Umwelt am wichtigsten sei, Governance folgt auf Platz 2 mit 23% und soziale Aspekte auf Platz 3 (17%). 32% bezeichneten dabei die Förderung erneuerbarer Energien als wichtigsten Umweltfaktor, danach folgten der Schutz der natürlichen Ressourcen und der Artenvielfalt (23%) sowie die Vermeidung von Umweltverschmutzung und Abfall (19%).

Der am häufigsten genannte soziale Faktor (30%) war die Wahrung der Menschenrechte durch die Verhinderung ausbeuterischer Arbeitspraktiken. Auf Platz 2 und 3 folgten die Bekämpfung von Armut und Ungleichheit (23%) sowie die Förderung von Vielfalt, Gleichheit und Integration (19%).

Im Governance-Bereich legten die Anleger bei den Unternehmen, in die sie investieren, am meisten Wert auf eine angemessene Vergütung und geeignete Anreize für Führungskräfte. Dies wurde von 34% der Befragten als wichtigster Faktor genannt.

Wunsch nach mehr Information

Das Interesse an nachhaltiger Anlage über ESG-ETFs ist da, jedoch wünschen sich die Anleger mehr Informationen, sowohl über die am Markt erhältlichen Produkte als auch über die positiven realwirtschaftlichen Auswirkungen von Investitionen in ESG-ETFs.

Als Hauptgrund, nicht in ESG-ETFs zu investieren, nannte knapp ein Drittel der Befragten (32%) das Gefühl, nicht genug über die verfügbaren Optionen zu wissen, um eine derartige Investition zu tätigen. An zweiter und dritter Stelle folgten die Unfähigkeit, einen den eigenen Werten entsprechenden ETF zu finden (29%) sowie die Präferenz für einen aktiven ESG-Ansatz (21%).

Auf die Frage, was die Anleger am meisten dazu bewegen würde, ihr Engagement in ESG-ETFs zu erhöhen, nannten 53% der Befragten ein besseres Verständnis dafür, ob ihre Investitionen eine positive Wirkung haben. Damit war ihnen dieser Aspekt sogar wichtiger als die Aussicht auf höhere Renditen im Vergleich zu anderen Anlageoptionen (32%). (mki)

Über die Umfrage

Die deutsche Umfrage ist Teil einer größer angelegten Invesco-Befragung von 5.500 Anlegern in siebeneuropäischen Märkten – Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Spanien, den Niederlanden, Schweden und der Schweiz. Der Bericht zu dieser Befragung, der über Invesco zu beziehen ist, vergleicht die Durchsetzung von ESG und ESG-ETFs in den verschiedenen Märkten und verdeutlicht ein europaweit großes Interesse an nachhaltigen passiven Strategien.

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BlackRock: ETF-Neugeschäft sinkt dritten Monat in Folge

Der Vermögensverwalter BlackRock hat seinen ETP-Marktreport für September veröffentlicht. Dieser zeigt, dass bereits der dritte Monat in Folge Rückgänge beim Neugeschäft mit ETFs und anderen börsengehandelten Produkten zu verzeichnen waren. Angestiegen sind jedoch die Zuflüsse auf Aktien-ETPs.

Börsengehandelte Indexfonds, also ETFs, nehmen bei der Geldanlage eine immer größere Rolle ein. Vor allem die jüngere Generation der Anleger betreten damit erstmals den Kapitalmarkt (AssCompact berichtete: BlackRock: Immer mehr junge Menschen investieren in ETFs). Und auch im September 2023 verzeichneten ETFs gehörige Zuflüsse, wie der monatliche ETP-Marktreport von BlackRock zeigt. Doch das Neugeschäft mit ETFs und anderen börsengehandelten Produkten verringerte sich zum dritten Mal in Folge.

Insgesamt verzeichneten ETFs und andere ETPs im September demnach 63,1 Mrd. US-Dollar an Zuflüssen im weltweiten Neugeschäft. Im August waren es noch 65,7 Mrd. US-Dollar. Gestiegen sind dabei die Nettozuflüsse auf Aktien-ETPs (50,5 Mrd. US-Dollar), doch aufgezehrt wurde dieses Wachstum durch einen Rückgang der Käufe von ETPs auf festverzinsliche Wertpapiere (15,4 Mrd. US-Dollar). Abflüsse gab es dabei bei Rohstoff-ETPs und zwar in Höhe von 3,5 Mrd. US-Dollar.

US-Aktien-ETPs im Aufschwung

Die Belebung der Aktienströme im September ist BlackRock zufolge auf erhöhte Allokationen in US-Aktien-ETPs zurückzuführen. Diese verzeichneten Zuflüsse in Höhe von 35,1 Mrd. US-Dollar, was eine deutliche Steigerung zu den Zuflüssen im August (11,0 Mrd. US-Dollar) darstellt und wieder dem Niveau von Juni und Juli entspricht. Darüber hinaus setzte sich im September der Trend der Zuflüsse in japanische Aktien-ETPs fort, die vor allem durch Käufe in der Asien-Pazifik-Region angetrieben werden. Die Zuflüsse in Aktien-ETPs aus Schwellenländern gingen im September auf 3,3 Mrd. US-Dollar zurück, während die Zuflüsse in europäische Aktien negativ blieben (-1,6 Mrd. US-Dollar).

Rückgang bei festverzinslichen Wertpapieren

Der größte Teil der Zuflüsse in ETPs auf festverzinsliche Wertpapiere entfiel laut BlackRock im September auf Zinspositionen, die einen Zuwachs von 16,9 Mrd. US-Dollar verzeichneten. Damit setzte sich ein Trend fort, der schon im gesamten Jahresverlauf zu erkennen ist. Im September wurden die Ströme von ETPs auf festverzinsliche Wertpapiere jedoch durch den Verkauf von Spread-Anlagen belastet. Im gesamten Jahresverlauf liegen die Zuflüsse in ETPs auf festverzinsliche Wertpapiere nun bei 235,1 Mrd. US-Dollar. Hochzinsanleihen verzeichneten im September den zweiten Monat in Folge Abflüsse (-1,8 Mrd. US-Dollar), während Investment-Grade-Anleihen mit Abflüssen in Höhe von 4,1 Mrd. US-Dollar die größten Abflüsse seit März 2020 und damit die zweithöchsten in ihrer Geschichte verzeichneten.

Trendverschiebung bei Themen-ETPs

Bei sektoralen ETPs kam es im September zu einer Verschiebung der bisherigen Trends. Der Energiesektor (0,8 Mrd. US-Dollar) und der Technologiesektor (0,6 Mrd. US-Dollar) waren die einzigen beiden Sektoren, die Zuflüsse verzeichnen konnten. Die Zuflüsse im Technologiesektor trotzen dabei Verkäufen von US-Tech-ETPs (-2,9 Mrd. US-Dollar), während die Zuflüsse im Energiesektor zugunsten von US-Engagements ausfielen.

Bedeutung von ETFs wächst

David Wenicker, Head of iShares & Wealth für Deutschland bei BlackRock, erläutert den Report weiterhin insofern, dass die „beträchtlichen Mittelzuflüsse“ zweierlei über das Anlegerverhalten aussagen würden. Zum einen würden festverzinsliche Wertpapiere bei den aktuellen Renditeniveaus und den hohen Volatilitäten der Märkte eine immer wichtigere Rolle in den Portfolios spielen. Außerdem seien festverzinsliche Wertpapiere immer beliebter und die Zahl der neuen Nutzer nehme ständig zu, was die wachsende Bedeutung von ETFs in den Portfolios zeige. Für das vierte Quartal rechnet Wenicker angesichts des anhaltenden Inflationsdrucks und der Zurückhaltung der Zentralbanken eine generationenübergreifende Chance, mit Anleihen Erträge zu erzielen. (mki)

Bild: © Maximusdn – stock.adobe.com

 

Warum generative KI relevant für Investmentmanager ist

KI ist spätestens seit ChatGPT in aller Munde. Da gibt es die urheberrechtlichen Fragestellungen bei von KI generierten Texten oder die Beeinflussung verschiedener Berufsbilder durch KI. Und auch die Investmentbranche bleibt von dem Diskurs darum nicht verschont.

Ein Artikel von Michael Berns, Director AI & FinTech bei PwC Deutschland, und Dr. Utz Helmuth, Managing Director, AM Leader bei Strategy&

Nach Jahren des Umsatz- und Gewinnwachstums rücken Kosten für Asset-Manager wieder in den Fokus. Die Operating Expenses per Assets under Management sind derzeit auf dem höchsten Stand seit 2018 und bei einer nach wie vor hohen Inflationsrate von über 6% ist ein weiteres, überproportionales Wachstum der Kosten zu erwarten. Gleichzeitig nimmt der Kampf um Talente in einer alternden deutschen Bevölkerung weiterhin zu.

Trotz des Kosten- und Personaldrucks gilt es, neue Anlageideen zu generieren, die sich in einem immer stärker werdenden Wettbewerb behaupten können. Mithilfe von generativer KI wollen Asset-Manager diesen Punkten nun entgegenwirken.

Wofür „GPT“ steht:
  • G wie Generative: Sprache (als auch Code, Bilder, Testdaten etc.) durch ein nuanciertes Verständnis generieren oder zusammenfassen können
  • P wie Pre-trained: vortrainiert, d. h. mitgegebenes Verständnis von Inhalten in sehr vielen Themenfeldern. In der Vergangenheit mussten Modelle sehr aufwendig in Supervised Learning, also mit Feedbackschleife, trainiert werden.
  • T wie Transformer: Die vorherrschende Architekturform für Large-Language-Models (LLMs)
Wo generative KI zukünftig eingesetzt werden kann

Generative KI kann entlang der gesamten Asset-Management-Wertschöpfungskette eingesetzt werden. Dabei beschränken sich die Möglichkeiten nicht nur auf Effizienzsteigerungen, auch zur Umsatzsteigerung und Qualitätssicherung ist KI einsetzbar.

Sales und Marketing

Besonders größere Häuser haben in den letzten Jahren bereits sehr viel in den Ausbau digitaler O Kanäle sowie zum Teil auch in Chatbots mit Personalisierung investiert. Durch den Einsatz von ChatGPT, aber auch BloombergGPT, FinGPT und anderen Large-Language-­Modellen (LLMs) lässt sich die Funktionalität nochmals wesentlich erweitern. Die Modelle sind bereits in der Lage, Finanzzahlen zu erkennen und auf ein umfangreiches Finanzwissen zurückzugreifen. Als nächste Ausbaustufe in diesem Bereich sind personalisierte Empfehlungen und Ideen bereits absehbar.

Ähnliches gilt für die Erschaffung neuer Produkte, die Fähigkeit, Trends zu erkennen, und unter Umständen auch das Etablieren neuer Investmentregeln/Faktoren wie z. B. für Smart-Beta-ETFs.

Portfoliomanagement & Trading

Schon seit vielen Jahren wird KI im Bereich Market Research, also z. B. bei der Analyse von Nachrichten und sozialen Medien in Echtzeit bei der sogenannten Sentiment-Analyse angewendet. Auch wenn die Verwendung von reinen GPT-Modellen hier (noch) nicht relevant ist – momentan haben sie noch keinen Anschluss an aktuelle Daten, da die Modelle auf Basis von Datenreihen trainiert wurden, die 2021 enden –, so kann man sich durchaus hybride Lösungen vorstellen, die das in Zukunft leisten können. Im Bereich Hedge Funds und im Bereich Algorithmic Trading gibt es bereits seit Jahren voll automatisierte, teilweise auf KI basierende Handelssysteme auf spezielle Einzelwerte oder für Nischenmärkte (Arbitrage etc.). Insofern ist es eine Frage der Zeit, bis die Automatisierung hier weiter fortschreitet.

Auch im Bereich Simulation/Optimierung wird schon seit Jahren KI eingesetzt, um die Anzahl der Szenarien zu erweitern und Muster zu erkennen. Diese wurden in der Vergangenheit hauptsächlich auf maschinellem Lernen und strukturierten Daten basierend durchgeführt. Die Verfügbarkeit von LLMs gibt nun die Möglichkeit, relativ einfach große unstrukturierte Datenmengen/Sprache/News miteinzubeziehen.

Operations

Im Bereich Operations wurde in den letzten Jahren hauptsächlich in Robotic Process Automation (RPA) investiert. In Teilen lag der Fokus aber auch schon auf Intelligent Process Automation (IPA) unter Einbeziehung von künstlicher Intelligenz. Hinzu kamen Anwendungen aus dem Bereich Natural Language Generation (NLG), die z. B. Texte zusammenfassen oder Reports aufgrund einer sehr flexiblen Anzahl von Markt-/Dateninputs generieren konnten.

Diese Möglichkeiten werden durch die Anwendung von LLMs deutlich erweitert, sodass die Texte immer schwerer von menschlichen Texten zu unterscheiden sind.

Know Your Customer war in den letzten Jahren ein weiteres großes Betätigungsfeld für KI. Durch die Verwendung von hausinternen LLMs lassen sich Enhanced-Due-­Diligence-Prozesse nochmals wesentlich beschleunigen. Grund dafür ist unter anderem die Verbesserung der Genauigkeit durch Einbeziehung von in- und externen Daten.

IT

Eine der Voraussetzungen für den Einsatz von skalierbarer KI, insbesondere von eigenen Large-Language-Modellen, ist eine moderne Big-Data-Infrastruktur. In den letzten Jahren hat sich der Bereich IT mit dem Einsatz von KI-Lösungen zu Server/Cloud/Cybersicherheitsoptimierung stark entwickelt. Zusätzliche Anwendungsmöglichkeiten für GPT finden sich im Bereich Softwareentwicklung (Wissenstransfer, Beschleunigung der eigentlichen Entwicklung durch Lösungen wie Copilot etc.).

Business Management und Support

Besonders im Bereich Virtual Onboarding Assistant lässt sich das enorme Wissen von GPT ideal mit dem firmeneigenen Wissen verbinden. KI ist auch dafür bekannt, Muster in großen Datenmengen zu erkennen. Im Business Management und Support wird KI vor allem in den Bereichen Risikomanagement und Qualitätssicherung genutzt.

Fazit und Ausblick

Generative KI bietet erhebliches Einsparpotenzial für die Branche entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Konservativ geschätzt lassen sich je nach Asset-Manager ein bis zu sechs Basispunkte durch generative KI einsparen, was der deutschen Asset-­Management-Branche 500 Mio. bis 1 Mrd. Euro an jährlichen Kosteneinsparungen ermöglicht.

Trotzdem gilt es abzuwägen, wo generative KI im Asset-Management eingesetzt werden kann. Zwar ist es eine verlockende Vorstellung, generative KI für vollautomatisierte Anlageentscheidungen zu nutzen. Die Beschränkung der jetzigen GPT-Modelle, die mit über einem Jahr alten Daten „trainiert“ wurden und mangelnde Transparenz vorweisen (Audit, Rückverfolgbarkeit), sprechen bis auf Weiteres dagegen.

Daher eignet es sich aus Compliance- und Reputationsgründen kaum für das Treffen von Anlageentscheidungen.

Trotzdem: Die Dynamik der letzten Monate hat deutlich gezeigt, dass die Entwicklung im Bereich LLMs in zwei Hauptrichtungen geht: zum einen die Veröffentlichung von kommerziellen Modellen mit immer mehr Parametern, zum anderen wesentlich kleinere, auf spezielle Themenfelder angepasste Open-Source-Modelle. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier sehr starke Hybridmodelle entstehen werden, die mehr Transparenz bieten können. Es bleibt spannend!

Diesen Beitrag lesen Sie auch in AssCompact 10/2023 und in unserem ePaper.

Bild: © Lucky Ai – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Dr. Utz Helmuth
Michael Berns

Wird die Kappungsgrenze am DAX erhöht?

Die Deutsche-Börse-Tochter Stoxx führt eine Umfrage zur Erhöhung der Kappungsgrenze am Deutschen Aktienindex durch. Bislang liegt sie bei 10%, doch bei genug Zustimmung könnte das Limit auf 15% erhöht werden. Die Veränderung könnte auch für die Subindizes TecDAX & Co. eingeführt werden.

Diversifikation – fast schon so etwas wie ein Zauberwort am Kapitalmarkt. Damit kann oberflächlich die Streuung des Portfolios auf verschiedene Anlageklassen wie Aktien, Anleihen, ETFs und Sachwerte gemeint sein. Innerhalb der Klassen spricht man dann auch von Diversifikation, wenn man bspw. Aktien aus Industrie- und Schwellenländern oder von Unternehmen verschiedener Größen kauft.

Und bei Investments in einen konkreten Index wird gerne vom Indexanbieter versucht, die Diversifikation aufrechtzuerhalten, indem man ein Limit auf die Gewichtung setzt, die die Aktien eines Unternehmens im Index haben dürfen. Eine solche sogenannte Kappungsgrenze gibt es auch beim Deutschen Aktienindex (DAX). Eines der 40 gelisteten Unternehmen darf maximal 10% des Index ausmachen, was auch dazu führt, dass ETF-Anbieter Aktien des entsprechenden Unternehmens verkaufen müssen. Die Deutsche Börse bzw. das Tochter-Unternehmen Stoxx wirft nun erneut die Frage auf, ob die Kappungsgrenze für den DAX und seine Subindizes von 10% auf 15% erhöht werden soll.

Erhöhung der DAX-Kappungsgrenze auf 15%?

Die Umfrage steht allen Marktteilnehmern bis zum 08.11.2023 offen. Bei der letzten Marktkonsultierung im April 2022 hatten sich noch 58% der Teilnehmer gegen eine Erhöhung der Kappungsgrenze ausgesprochen, was im Juni 2022 von Stoxx schließlich auch übernommen wurde. Doch eine Erhöhung der Grenze werde laut dem Dokument der Deutsche-Börse-Tochter zur Umfrage immer noch im Markt diskutiert. Mit einer Erhöhung wolle man die Fähigkeit der DAX-Indizes, die Performance des deutschen Markts zu repräsentieren, verbessern.

So lautet jedenfalls die offizielle Variante. Einige Medien referenzieren in diesem Zusammenhang übereinstimmend den Austritt des Gas-Konzerns Linde, der Anfang des Jahres den DAX verlassen hatte – u. a. auch, weil er die 10%-Marke regelmäßig überschritten hatte. Das irische Unternehmen war der Auffassung, dass die daraus folgenden Aktienverkäufe, die in Indexfonds vorgenommen werden mussten, die Kursentwicklung gebremst hätten. Jetzt sind die Linde-Aktien ausschließlich in New York handelbar – denn dort gibt es derartige Kappungsgrenzen nicht.

Umsetzung der Kappungsgrenze auch während des Quartals?

Ebenfalls Teil der Umfrage ist der Vorschlag des „Intra-quarter capping“. Aktuell wird die Kappungsgrenze im DAX immer bei den vierteljährlichen Prüfungen geltend gemacht. Beim „intra-quarter capping“ wäre dies dann auch innerhalb eines Quartals möglich. Diese Regelung werde allerdings nur dann eingeführt, so Stoxx, wenn auch die Kappungsgrenze auf 15% erhöht werden sollte. Das „intra-quarter capping“ würde dann greifen, wenn ein Unternehmen mehr als 20% der DAX-Gewichtung am Ende eines Börsentages ausmacht.

So geht es weiter

Nach Ablauf der Umfragefrist wird Stoxx die Ergebnisse am 22.11.2023 verkünden – ebenso mögliche Veränderungen zur Methodologie des DAX. Je nach Ausgang der Konsultation soll die Erhöhung der Kappungsgrenze dann zur März-Prüfung am 18.03.2024 und das „intra-quarter capping“ zur Juni-Prüfung am 24.06.2024 eingeführt werden. (mki)

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Sinkende Kosten am ETF-Markt: Finanzberater aufgepasst!

Geringe Kosten gelten als zentrales Argument für ETFs. Der wachsende Markt und der technologische Fortschritt befeuern den Wettbewerb um das kostengünstigste Angebot immer wieder. Berater, die ihren Kunden ETFs empfehlen, sollten allerdings auch weitere Parameter unbedingt im Blick behalten.

Ein Artikel von Christopher Pawlik, Sales Executive bei Vanguard

Seit der Erstnotiz der ersten beiden ETFs an der Deutschen Börse im Jahr 2000 schreiben die börsennotierten Indexfonds eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Heute, gut 20 Jahre später, umfasst das Angebot in Europa rund 2.000 ETFs, die zur Jahresmitte 2023 fast 1,5 Bio. Euro Anlegergelder verwaltet haben.

Die Argumente, die für ein Investment in ETFs sprechen und immer mehr Anleger überzeugen, sind dabei weit älter als die beiden Produkte, die 2000 an der Deutschen Börse in Frankfurt starteten. Ein passives Investment in einen etablierten Börsenindex sorgt für eine breite Diversifizierung, die spätestens seit Markowitz Portfoliotheorie als wichtiger Erfolgsfaktor für die Kapitalanlage gilt – sprichwörtlich illustriert von Indexfonds-Pionier und Vanguard-Gründer John Bogle: „Suche nicht nach der Nadel, kaufe den Heuhaufen.“

Niedrige Gebühren: Wichtig, aber nicht alles

Insbesondere das Kostenargument überzeugt viele Anleger. Nicht verwunderlich ist deshalb, dass ETF-Anbieter sich in einem immer wiederkehrenden Wettbewerb um das günstigste Produkt befinden – vor allem, wenn es um Core-Produkte geht, die wichtige Standardmärkte abdecken.

Für Anleger und Finanzberater ist das begrüßenswert. Denn je geringer die Kostenbelastung, desto besser ist das langfristige Anlageergebnis. Allerdings sollten die Kosten eines ETFs in Form der ausgewiesenen Gesamtkostenquote (Total Expense Ratio, kurz TER) nie das alleinige Auswahlkriterium sein. Denn günstig heißt bekanntermaßen nicht zwangsläufig preiswert.

Möglichst geringe Abweichung

Finanzberater sollten bei der Auswahl der richtigen ETFs darauf achten, dass der zugrunde liegende Index möglichst genau abgebildet wird, denn das spricht für einen qualitativ hochwertigen ETF. Denn negative Abweichungen von der Indexperformance wirken sich wie eine indirekte Kostenbelastung aus – dem Anleger entgeht ein Teil des Ertrags, den der Index erzielt hat. Wie gut ein ETF den Index langfristig abbildet, zeigt zum Beispiel die Tracking Difference (TD), also die Differenz von Fonds- zu Indexperformance.

Um die TD niedrig zu halten, sollten Finanzberater einen ETF auswählen, der vorzugsweise in alle bzw. eine sehr große Zahl der im Index enthaltenen Wertpapiere investiert, statt sich mit einer mehr oder weniger repräsentativen Auswahl zu begnügen. Ein Beispiel dafür ist der Vanguard FTSE All World UCITS ETF, der derzeit etwa 90% der 4.163 Wertpapiere im FTSE All World Index enthält.

Die Spreads beachten

Entscheidend ist darüber hinaus eine möglichst hohe Handelsliquidität. Sie sorgt für geringe Spanne von Kauf- und Verkaufskursen, sogenannte Spreads, und damit wiederum für ein besseres Anlageergebnis. Denn hohe Spreads können die Gesamtrendite beeinträchtigen: Je höher sie sind, desto geringer fällt am Ende die Rendite des Investments aus. Wichtig ist dabei, dass die Liquidität auch in extremen Marktphasen sichergestellt ist. Insbesondere beim langfristigen Investieren sind diese Kennzahlen von zentraler Bedeutung. Es bietet sich darüber hinaus an, nicht nur das Produkt im Blick zu haben, sondern auch auf einen Anbieter zu vertrauen, der diese Langfristigkeit in der eigenen Produktphilosophie widerspiegelt.

Ganzheitlich und persönlich beraten

Diese Aspekte sollten Berater berücksichtigen, wenn sie ETFs in Kundenportfolios einsetzen. Denn nur so ist gewährleistet, dass sie tatsächlich ausschließlich im Kundeninteresse beraten. Zudem sollten Finanzberater ihren Kunden helfen, die ursprünglichen Ideen hinter Indexfonds und ETFs im Auge zu behalten. In Zeiten einer immer weiter steigenden Zahl von Strategie- und Themen-ETFs wird dieser Aspekt der Beratung zunehmend wichtiger. Fondsgesellschaften, die eine klar strukturierte Produktpalette anbieten, die sich an diesen Grundideen orientiert, und darüber hinaus den Beratungsprozess unterstützen, erleichtern diese Aufgabe.

Dabei sollten die Finanzplanung ganzheitlich gedacht und persönliche Bedürfnisse berücksichtigt werden. Im Rahmen einer Finanzberatung können private Investoren einen Vorsorgeplan erstellen, der auf die individuellen Ziele und finanziellen Verhältnisse zugeschnitten ist. Gerade in schwierigen Marktphasen sollte der Berater Anleger dabei unterstützen, Disziplin zu wahren und keine übereilten Entscheidungen zu treffen.

Breite Streuung

Um langfristige Investmentziele zu erreichen, ist in den meisten Fällen ein breit gestreuter ETF auf einen weltweiten Aktienindex eine gute Wahl. Hier punktet beispielsweise der FTSE All World, der sowohl Industrie- als auch Schwellenländer umfasst.

So einfach und transparent ETFs also auch sind: Wenn es um die konkrete Produktauswahl geht, die zur Anlagestrategie passen soll, zahlt sich ein genauerer Blick aus. Berater, die ihre Kunden souverän durch den zunehmend unübersichtlichen ETF-Markt navigieren, sind daher immer gefragter und wichtiger.

Bild: © Vanguard

 
Ein Artikel von
Christopher Pawlik