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Dritter ELTIF für Privatanleger von Neuberger Berman

Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Neuberger Berman geht bereits mit ihrem dritten European Long Term Investment Fund (ELTIF) für Private Equity an den Start. Der Vorgängerfonds habe nach Unternehmensangaben sein Zielvolumen derweil deutlich übertroffen.

Nachdem Neuberger Berman im Februar 2022 seinen zweiten europäischen Langzeitfonds (ELTIF) aufgelegt hatte (Private Equity für Privatanleger: Neuberger Berman startet Fonds) und dieser wohl eine hohe Nachfrage erfahren habe, legt das unabhängige US-Investmenthaus nun nach und bringt einen dritten Private-Equity-ELTIF für Privatanleger auf den Markt: den NB Direct Private Equity 2023 ELTIF. Damit will das Unternehmen einen noch besseren Marktzugang zu dieser Assetklasse schaffen.

Neuer ELTIF von Neuberger Berman

Der NB Direct Equity 2023 ELTIF investiert in unterschiedliche Arten von Private Equity mit einem Schwerpunkt auf Europa und Nordamerika. Das Portfolio ist nach Branchen, Unternehmensgrößen, Geschäftsmodellen und Lead Managern diversifiziert. Das Private-Equity-Team von Neuberger Berman, bestehend aus 280 Experten an zehn Standorten weltweit, verwaltet den Fonds. Die Mindestanlage für Anleger aus Europa beträgt 25.000 Euro. Das Kapital wird vollständig in Co-Investments angelegt.

Neuberger Berman weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass potenzielle Investoren sich bewusst sein sollten, dass eine Anlage in den Fonds mit hohen Risiken verbunden sei, unter anderem mit Marktrisiken. Es könne nicht garantiert werden, dass die Anlage Erträge erzielt. Hinzu kämen rechtliche, steuerliche und aufsichtsrechtliche Risiken sowie Risiken durch die Hebelung und Kreditaufnahme des Fonds, den hohen Wettbewerb am Markt für Anlagemöglichkeiten, die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen im Investmentmanagement, mögliche Interessenkonflikte, begrenzte Liquidität und die Langfristigkeit der Anlagen.

Eckdaten des NB Direct Private Equity 2023 ELTIF

Laut Neuberger Berman solle nur ein kleiner Teil des Gesamtportfolios in einem ELTIF angelegt werden. Ein ELTIF ist eine illiquide Langfristanlage mit einer Anfangslaufzeit von acht Jahren ab dem Final Closing. Das Board kann die Laufzeit um bis zu drei Jahre verlängern. Investoren können keine Anteile zurückgeben – der Fonds ist geschlossen. Die Haltedauer des Fonds ist fest und reicht bis zum Ende der Laufzeit. Weiterhin weist Neuberger Berman darauf hin, dass der Fonds Privatanlegern (mit Beratung) sowie professionellen Investoren angeboten wird. Mit einer Anlage werden allerdings keine Anteile an den Portfoliounternehmen erworben, sondern lediglich Anteile am Fonds.

Aller guten Dinge sind drei?

Mit dem neuen Fonds will Neuberger Berman an den Erfolg des zweiten ELTIFs NB Direct Private Equity Fund 2022 anknüpfen. Dieser konnte mit 210 Mio. Euro eingeworbenem Kapital sein ursprünglich geplantes Zielvolumen deutlich übertreffen. Bereits in 17 Unternehmen sei der Fonds investiert, so José Luis González Pastor, Managing Director bei Neuberger Berman. Das Kapital ihres ersten ELTIFs aus dem Jahr 2021 sei außerdem vollständig auf 27 Anlagen verteilt. Die Portfolios setzten auf wachstumsstarke Unternehmen, unter anderem aus den Sektoren Gesundheit, Bildung, IT, Dienstleistungen und Konsumgüter. (mki)

Bild: © Olivier Le Moal – stock.adobe.com

 

Aktive Fonds bleiben hinter ihren passiven Konkurrenten zurück

Im schwierigen Börsenjahr 2022 hatten die aktiven Fondsmanager die Gelegenheit, ihr Können zu beweisen – konnten diese allerdings nicht nutzen. Aktive Fonds performten weitläufig schwächer als ihre passiven Konkurrenten, wie das „European Active/Passive Barometer“ von Morningstar zeigt.

Rund alle halbe Jahre veröffentlicht das Finanzanalyseunternehmen Morningstar sein Aktiv-/Passiv-Barometer, in dem aktive und passive Fonds miteinander verglichen werden. Im März erschien der bereits zehnte Bericht. Fast 26.000 aktive und passive Fonds wurden auf ihre Performance im Jahr 2022 untersucht. Das verwaltete Gesamtvermögen lag bei etwa 5,1 Bio. Euro.

Und gerade bei fallenden Märkten hätte, so Morningstar, ein aktives Management bessere Chancen, durch den Markt zu navigieren, als eine passive Anlagestrategie. Der neue Bericht allerdings zeigt, dass die Lage letztes Jahr etwas anders verlief.

Aktive Fonds hinten dran

30,5% der aktiven Fonds in den 43 von Morningstar analysierten Kategorien übertrafen die Performance ihrer passiven Konkurrenten. Nur drei Aktienkategorien wiesen in diesem Zeitraum eine Erfolgsquote von 50% oder mehr für aktive Manager auf, heißt es im Aktiv-/Passiv-Barometer. Etwas besser trafen es jedoch die Manager im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. Aktive Anleihemanager konnten bei den steigenden Zinsen Wertpapiere mit kürzerer Duration kaufen und so das Zinsrisiko verringern. Die Duration ist die Empfindlichkeit des Kurses einer Anleihe gegenüber Zinsänderungen.

Passive Fonds, die Indizes mit allen Laufzeiten abbilden, seien Morningstar zufolge in dem Zinsumfeld eindeutig im Nachteil gewesen. In den zwölf Monaten bis Dezember 2022 lag die durchschnittliche Erfolgsquote für aktive Rentenmanager in den 23 von den Analysten untersuchten Kategorien bei 46%. Neun Kategorien wiesen eine Erfolgsquote von 50% oder mehr auf.

Langfristig niedrige Erfolgsquote

Auch im US-Bericht hätten nur 43% der aktiven Fonds überlebt und im Jahr 2022 besser abgeschnitten als ihre durchschnittlichen passiven Konkurrenten. Alles in allem bleiben die langfristigen Erfolgsquoten aktiver Manager somit niedrig, urteilt Morningstar. In den zehn Jahren bis 2022 lag die Erfolgsquote aktiver Manager in fast zwei Dritteln der 72 untersuchten Kategorien der verschiedenen Anlageklassen unter 25%. Nur in drei Kategorien (Global Equity Income, UK Equity Income und Immobilien Schweiz) erreichte sie einen Wert von über 50%. (mki)

Bild: © Thomas Reimer – stock.adobe.com

 

„Wir lehnen einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab“

Bestrebungen, den Staat als Anbieter in der privaten Altersvorsorge zuzulassen, sind ein Irrweg, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. Wie eine Reform der privaten Altersvorsorge aussehen könnte und welche Position der BVI in der Debatte über ein mögliches EU-Provisionsverbot bezieht, erläutert der Verbandschef im Interview.

Interview mit Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI
Herr Richter, welche Bilanz zieht die Branche angesichts des Ukrainekriegs, der Energiekrise und der Zinswende für das Jahr 2022?

Die Fondsbranche war widerstandsfähig. Trotz der Marktturbulenzen flossen Fonds netto 66 Mrd. Euro neue Gelder zu. Die Stützen waren Spezialfonds, die das Kapital institutioneller Anleger verwalten, und die inzwischen große Zahl von Fondssparplänen. Das verwaltete Vermögen ging von Anfang bis Ende 2022 zwar um 12% auf 3.804 Mrd. Euro zurück. Im Schlussquartal standen die Zeichen aber wieder auf Erholungskurs. In Europa bestätigte der deutsche Fondsmarkt erneut seine Spitzenposition. Deutschland ist nach Angaben der EZB mit einem Anteil von 28% der größte Fondsmarkt in der EU und auch beim Wachstum in den letzten fünf Jahren führend.

Wie sah es beim Neugeschäft der offenen Publikumsfonds aus? Für welche Asset-Klassen lief es gut und für welche nicht?

Aus Publikumsfonds flossen im Gesamtjahr netto 4 Mrd. Euro ab. Das ist deutlich weniger ist als in den Krisenjahren 2008 mit 27 Mrd. Euro und 2011 mit 15 Mrd. Euro. Mischfonds und Immobilienfonds führten die Absatzliste mit Zuflüssen an. Auch das Neugeschäft der Aktienfonds war noch positiv. Hier standen hohe Zuflüsse in Fonds mit globalem Anlageschwerpunkt Abflüssen aus Fonds, die in Europa investieren, gegenüber. Bei Rentenfonds sorgten die steigenden Zinsen für deutliche Abflüsse.

In den letzten Jahren sind nachhaltige Investments verstärkt in das Interesse von Anlegern gerückt. Hat die Nachfrage 2022 angehalten?

Ja. Fonds, die die Transparenzanforderungen an Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung erfüllen, erhielten über 5 Mrd. Euro neue Gelder. Inzwischen entfällt mit 604 Mrd. Euro knapp die Hälfte des verwalteten Publikumsfondsvermögens auf solche Produkte.

Seit vielen Monaten wird viel über Greenwashing-Vorwürfe debattiert. Die EU-Behörden wollen nun mehr Klarheit schaffen. Was halten Sie von dem Vorhaben?

Wir unterstützen das Vorhaben der EU-­Behörden, gegen Grünfärberei vorzugehen. Angesichts der vielen offenen Fragen zur Auslegung der EU-Regulierung ist der aktuelle Fokus der Behörden auf eine breit angelegte Marktuntersuchung zu Verdachtsfällen jedoch zu früh. Bevor man von Verdachtsfällen spricht, müssen erst die Kriterien für nachhaltige Investitionen im Sinne der Offenlegungsverordnung geklärt werden.

Auf EU-Ebene wird noch ein wichtiges Thema für Ihre Branche erneut diskutiert: ein Provisionsverbot für Wertpapiere. Das finden Sie sicherlich nicht gut.

Stimmt. Ein Verbot von Provisionen nur für Wertpapiere ist nicht akzeptabel. Es verzerrt den Wettbewerb zwischen Wertpapieren und Versicherungen und schadet den Verbrauchern. Wir wollen, dass das Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung erhalten bleibt. Vor allem für Kleinanleger hat die Provisionsberatung Vorteile: Wer viel anlegt, zahlt viel, und wer wenig anlegt, zahlt wenig. Zudem bleibt die Beratung kostenfrei, wenn der Sparer nichts kauft.

Wären Sparer denn bereit, für eine Finanzberatung ein gesondertes Honorar zu bezahlen?

Nur wenige. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar könnte sich das nur jeder sechste Deutsche vorstellen. Ein Provisionsverbot würde zu einer Beratungslücke bei Kleinanlegern führen. Viele Verbraucher würden weniger oder keine Beratung mehr in Anspruch nehmen. Das hätte zur Folge, dass sie sich – entgegen dem erklärten Ziel der EU-Gesetzgeber – von den Kapitalmärkten abwenden. Sie würden keine Finanzprodukte mehr kaufen oder dies ohne Beratung tun – mit entsprechend höherem Risiko.

Viele Fürsprecher eines Provisionsverbots verweisen in dieser Debatte gerne auf England oder die Niederlande, wo es keine Provisionen mehr gibt. Überzeugen Sie diese Vergleiche?

Nein. In England, wo Provisionen seit zehn Jahren verboten sind, gibt es eine Beratungslücke. Die englische Finanzaufsicht FCA hat belegt, dass Sparer mit kleineren Anlagebeträgen faktisch von der Beratung ausgeschlossen sind und die Beratungskosten bei komplexeren Sachverhalten wie der Altersvorsorge unverhältnismäßig hoch sein können. Der Beratungsmarkt hat sich an Vermögen mit mindestens höheren fünfstelligen Pfundbeträgen ausgerichtet. Ähnliches gilt für die Niederlande. Dort sind Provisionen ebenfalls verboten, jedoch ist der Bedarf an privater Vorsorge und damit Anlageberatung aufgrund der starken betrieblichen Altersvorsorge gering.

Bleiben wir bei der Altersvorsorge. Viele Kundengelder fließen in Produkte, die in Fonds investieren. Welche Rolle kommt der Fondswirtschaft bei der Altersvorsorge hierzulande zu?

Die Fondswirtschaft ist der größte Verwalter von Altersvorsorgekapital. Die Menschen haben zwar oft über Kapitallebensversicherungen oder ihre Betriebsrente einen anderen Zugang, aber verwaltet wird letztlich ein großer Teil dieses Kapitals in Fonds. Laut einer Umfrage verwalteten unsere Mitglieder Mitte letzten Jahres 1.730 Mrd. Euro für Altersvorsorgezwecke. Das war knapp die Hälfte des von der Branche insgesamt verwalteten Vermögens. Diese Zahlen unterstreichen, dass Fonds der Motor der Altersvorsorge sind.

Der BVI ist ja auch Mitglied in der von der Regierung einberufenen Fokusgruppe private Altersvorsorge. Die Gruppe soll zwei Prüfaufträge bearbeiten. In einem der Aufträge geht es um einen öffentlich verantworteten Fonds mit einem kostengünstigen Angebot mit Abwahlmöglichkeit in der privaten Vorsorge. Das klingt sportlich.

Bestrebungen, den Staat als Anbieter in der privaten Altersvorsorge zuzulassen, sind ein Irrweg. In der sozialen Marktwirtschaft setzt der Staat die Regeln und ist Schiedsrichter. Sobald der Schiedsrichter selbst mitspielt, ist der Wettbewerb weder fair noch marktwirtschaftlich. Deshalb lehnen wir einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab. In allen Ländern mit staatlich organisierten Lösungen im Alterssicherungssystem sind diese nicht in der privaten Säule angesiedelt.

Im zweiten Prüfauftrag geht es um die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höherer Rendite als Riester. Das ist doch eine Steilvorlage für Sie, oder?

Ja. Hierzu haben wir bereits Ende November letzten Jahres das Konzept des Fondsspardepots vorgestellt. Die starke Nachfrage nach Fondssparplänen ist Beleg für die Akzeptanz und Nutzung als Altersvorsorgeinstrument in der Bevölkerung. Kernelement unseres Konzepts ist ein Depot für Fondssparpläne, die ausschließlich für die Altersvorsorge abgeschlossen werden und mindestens bis zum Ende des 60. Lebensjahres laufen. Die Förderung erfolgt über einen gesonderten Freibetrag auf die bis zur Auszahlung erzielten Gewinne. Dieser Freibetrag wächst kontinuierlich mit der Anspardauer. Damit kann die Politik einen starken Anreiz zum renditeorientierten und langfristigen Sparen für die Altersvorsorge setzen.

 

„Wir lehnen einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab“

 

So funktioniert das BVI-Fondsspardepot

Der Fondsverband BVI schlägt für die Reformierung der privaten Altersvorsorge ein sogenanntes Fondsspardepot vor.

Wird die Riester-Rente damit überflüssig?

Nein, unser Fondsspardepot hat mit der Riester-Rente nichts zu tun. Wir wollen eine neue Möglichkeit zum privaten Altersvorsorgesparen schaffen. Bei der Riester-Rente besteht allerdings dringender Reformbedarf. Sie hat trotz veralteter Rahmenbedingungen mit knapp 16 Millionen Verträgen eine hohe Verbreitung und gehört zu den erfolgreichsten geförderten Modellen in Europa. Durch die Zulagenförderung werden untere Einkommensgruppen erreicht. Vereinfachungen bei der Förderung könnten die Verbreitung in dieser Bevölkerungsgruppe ankurbeln. Ein wesentliches Hemmnis liegt jedoch in der gesetzlich vorgegebenen 100-prozentigen Garantiepflicht auf die eingezahlten Beiträge. Dem Sparer sollte es ermöglicht werden, ein attraktives Produkt ohne oder mit gewünschtem Garantieniveau zu wählen. Dies könnte die Regierung mit einem Federstrich umsetzen.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 03/2023, S. 48 ff., und in unserem ePaper.

Bild: © Stefan Gröpper Photography bzw. © peterschreiber.media – stock.adobe.com; Grafik: © BVL

 
Ein Interview mit
Thomas Richter

Deka wirft VW-Aktien aus nachhaltigen Anlageprodukten

Die Fondsgesellschaft Deka Investments entfernt einem Medienbericht zufolge die Volkswagen-Aktie aus ihren nachhaltigen Finanzprodukten. Der Entscheidung liegt eine kritische Bewertung der US-Ratingagentur MSCI zugrunde.

Wie die „Wirtschaftswoche“ am Donnerstag berichtete, zieht die Investmentbank Deka Investments eine klare Linie zwischen ihren nachhaltigen Anlageprodukten und den Aktien des Autokonzerns Volkswagen (VW). Deka-Fondsmanager sind nun nicht mehr dazu befugt, VW-Aktien in ihre nachhaltigen Produkte aufzunehmen.

VW-Aktien „nicht mehr investierbar“

„Volkswagen ist aus unserer Sicht nicht mehr investierbar, wenn es um nachhaltige Finanzprodukte geht“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, klar und deutlich gegenüber der Wirtschatfswoche. Am 04.11.2022 veröffentlichte die US-Ratingagentur MSCI einen Report, in dem von „Anschuldigungen wegen Zwangsarbeit in der Geschäftstätigkeit“ von VW die Rede ist. Dabei gehe es wohl in erster Linie um potenzielle Menschenrechtsprobleme in China.

In der Kategorie „Soziales“ erhielt VW daher die maximale Abwertung, die „Red Flag“. Die darin enthaltenen Unterrubriken „Arbeitnehmerrechte und Lieferkette“ und „Arbeitsbeziehungen“ wurden ebenso mit der Red Flag „prämiert“. Laut Speich gehe es bei dem MSCI-Report um mögliche Verstöße gegen den „Global Compact“, die Nachhaltigkeitsregeln der Vereinten Nationen definieren.

Keine VW-Investitionen mehr bei Deka

Die Wirtschaftswoche spekuliert, dass sich die schwerwiegenden Folgen für die VW-Aktie wohl in Grenzen halten könnten, da sich das Unternehmen größtenteils in den Händen von Ankeraktionären wie der Porsche-Piëch-Familie und des Landes Niedersachsen befinde. Probleme könne es allerdings bei der Geldbeschaffung geben. Speich zufolge sei VW als einer der größten Unternehmensanleiheemittenten „dringend angewiesen“ auf die Refinanzierung mittels Anleihen. Durch die Entwicklung könne VW bei der Refinanzierung „empfindlich getroffen“ werden.

VW im Gespräch mit MSCI

Nach Informationen der Wirtschaftswoche habe Volkswagen nach der Abwertung sofort versucht, mit MSCI ins Gespräch zu treten. Bisher sei die Ratingagentur aber nicht von ihrer Position abgewichen. Auf Anfrage der Wirtschaftswoche habe VW lediglich bestätigt, dass man sich im Gespräch mit MSCI befinde. (mki)

Bild: © nmann77 – stock.adobe.com

 

Das Comeback der Anleihen

2022 musste man an der Börse herbe Verluste einstecken. Doch mit steigenden Zinsen und einer sich etwas entspannenden Wirtschaftslage steht ein Comeback bevor. Alexis Renault, Leiter High Yield bei ODDO BHF AM, schildert, warum Anleihen in den Portfolios der Anleger wieder mehr Gewicht bekommen sollten.

Ein Artikel von Alexis Renault, Globaler Leiter High Yield bei ODDO BHF Asset Management

Das Jahr 2022 dürfte in vielerlei Hinsicht in die Geschichtsbücher eingehen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte weitreichende Konsequenzen. Die Weltwirtschaft leidet noch immer unter den Folgen des resultierenden Angebotsschocks. Die stark angestiegenen Energiepreise und die in Mitleidenschaft gezogenen Lieferketten haben die Inflationsraten weltweit in die Höhe getrieben. In der Folge mussten die Zentralbanken die Zinsen schnell und massiv erhöhen, um die Nachfrage an das verringerte Angebot anzupassen. Kaufkraftverluste der Konsumenten, Produktions- und Investitionsrückgänge infolge der höheren Inflation und Zinsen sowie die anhaltenden Probleme in China haben weltweit zu einer Wachstumsverlangsamung und in der Folge zu deutlichen Verwerfungen an den Kapitalmärkten geführt.

Ein Jahr für hochverzinsliche Alternativen

Während über lange Zeit Anleihen von dem langfristigen Trend zu sinkenden Zinsen profitiert haben, hat der von den Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung eingeleitete Zinsanstieg dem im letzten Jahr ein Ende gesetzt. Unabhängig von der Bonität mussten die Anleger 2022 deutliche Verluste hinnehmen. Laut unseren Analysen weisen Unternehmensanleihen mit den steigenden Zinsen nun aber möglicherweise wieder attraktive Bewertungen auf. Auch als diversifizierende Allokation in einem Portfolio bietet die Anlageklasse Vorteile. Für Anleger mit höherem Risikoappetit lohnt sich angesichts der hohen Volatilität am Aktienmarkt ein Blick auf hochverzinsliche Anleihen, sogenannte High-Yield-Bonds. Laut unseren Analysen sind Anleihen im High-Yield-Segment mit den steigenden Zinsen nun wieder attraktiv bewertet. Dort bieten sich Chancen wie seit vielen Jahren nicht mehr.

High Yield – eine wesentliche Anlageklasse für das Portfolio

Hochverzinsliche Anleihen sind längst kein Nischensegment mehr und erreichen in Europa ein Gesamtvolumen von mehr als 350 Mrd. Euro. High-Yield-Anleihen werden zur Finanzierung von Unternehmen aus einem breiten Spektrum von Sektoren verwendet, das von Industriegütern über Dienstleistungen bis hin zum Gesundheitswesen reicht. Mit mehr als 350 Emittenten ist der Euro-High-Yield-Markt auch gut diversifiziert.

Potenziell attraktives Risiko-Ertrag-Profil

Hochverzinsliche Anleihen werden von vielen Anlegern allgemein als riskante Anlageklasse angesehen. Das Risiko einer Anlageklasse lässt sich an den Schwankungen ihrer jeweiligen Wertentwicklung messen. Mittel- bis langfristig ist die Volatilität am High-Yield-Markt geringer als bei Aktien. Ein Grund dafür ist, dass die High-Yield-Anleihen eines Unternehmens in der Kapitalstruktur Vorrang vor dem Eigenkapital haben. Hochverzinsliche Anleihen haben auch tendenziell kürzere Laufzeiten und sind daher einem geringeren Zinsänderungsrisiko ausgesetzt als Investment-Grade-Anleihen. Angesichts der höheren Renditen und der kürzeren Duration bieten Euro-High-Yield-Anleihen unserer Analyse zufolge einen wesentlich größeren Puffer gegen steigende Renditen als Staatsanleihen oder auch Unternehmensanleihen guter Bonität.

 

Das Comeback der Anleihen

 

Grafik: Volatilität von Aktien und Hochzinsanleihen im Vergleich

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

Geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen

Eine weitere wichtige Frage ist, ob die Beimischung einer Anlageklasse die Diversifizierung des Portfolios verbessert. Hierzu müssen Anleger die jeweilige Korrelation mit anderen Anlageklassen analysieren, d. h. ob sie sich mehr oder weniger im Gleichlauf entwickeln. Hochzinsanleihen korrelieren in geringerem Maße mit Aktien, und die Korrelation mit Staatsanleihen liegt sogar bei nahezu null. Dies liegt daran, dass die Rendite einer Hochzinsanleihe im Wesentlichen durch die Risikoprämie bestimmt wird, die von der Fähigkeit des Unternehmens abhängt, seine Schulden zu bedienen, und nicht sehr empfindlich auf Zinserhöhungen reagiert. Daher trägt eine Beimischung von Hochzinsanleihen zur Diversifizierung eines Multi-Asset-Portfolios bei.

Integration von Hochzinsanleihen ins Portfolio

Wie Aktien, Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen sind Hochzinsanleihen daher eine wichtige Anlageklasse für Anleger. Diese sollten jedoch beachten, dass Investitionen in Hochzinsanleihen das Risiko eines Kapitalverlusts mit sich bringen. Für den Anlageerfolg ist daher ein stringenter Investmentansatz entscheidend, der auf den folgenden Säulen beruht:

  • Fundamentale Kreditanalyse zur Bewertung der Qualität eines Unternehmens und seiner Fähigkeit, Schulden zu bedienen und zurückzuzahlen
  • Ein gut diversifiziertes Portfolio mit mehr als hundert Emittenten aus verschiedenen Wirtschaftszweigen
  • Eine rigorose Verkaufsdisziplin, um die Qualität eines Portfolios aufrechtzuerhalten und jede Verschlechterung bei der Qualität ausgewählter Unternehmen zu antizipieren
„Buy & Maintain“

Potenziell attraktiv ist der Markt für spekulative Hochzinsanleihen auch in Form von Laufzeitstrategien, die gegenüber einer Direktanlage in Anleihen zwei Vorzüge bieten: eine gute Kalkulierbarkeit der zu erwartenden Endfälligkeitsrendite und eine diversifizierte Auswahl an Titeln im Portfolio. Das ermöglicht es Anlegern, das Verhalten einer Anleihe nachzubilden und gleichzeitig von einem hohen Maß an Diversifizierung sowie von den Ressourcen der Verwaltungsgesellschaft zu profitieren, um im Rahmen einer „Buy and Maintain“-Strategie Qualitätsemittenten auszuwählen und die Positionen anzupassen, wenn sich die Lage eines oder mehrerer Unternehmen verschlechtert.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 03/2023, S. 54 f., und in unserem ePaper.

Bild: © vegefox.com – stock.adobe.com; Grafik: © BofA, ODDO BHF AM GmbH, per 12/2022

 
Ein Artikel von
Alexis Renault

DWS startet offenen europäischen Infrastrukturfonds

Die DWS hat die Auflegung eines neuen Infrastrukturfonds angekündigt, über den auch Privatkunden investieren können. Weiterhin gibt die DWS eine Unterlassungserklärung zu irreführenden Werbeaussagen ab, die im Zuge einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eingefordert wurde.

Premiere für die DWS: Der Frankfurter Vermögensverwalter hat nun einen neuen Fonds „DWS Infrastruktur Europa“ im Angebot. Mit diesem sollen nicht nur institutionelle Investoren, sondern in erster Linie auch deutsche Privatkunden in konkrete Infrastrukturprojekte in Europa investieren können. Möglich mache dies das im August 2021 in Deutschland in Kraft getretene Fondsstandortgesetz.

Der Fonds sei, so die DWS in einer Mitteilung, das erste Angebot der angekündigten Familie von Investmentlösungen der DWS, die sich auf verschiedene Aspekte der europäischen Transformation konzentriert.

DWS Infrastruktur Europa

Der als offenes Infrastruktur-Sondervermögen konzipierte DWS Infrastruktur Europa investiert in nicht-börsennotierte Infrastrukturprojekte und -unternehmen, die entsprechende Projekte entwickeln und betreiben. Schwerpunkt des Fonds sind Projekte zu erneuerbaren Energien im EU-Raum, denen zur Diversifizierung Infrastrukturanlagen aus den Sektoren Digitalisierung, Versorgungswirtschaft oder Projekte, die auf umweltfreundlichen und nachhaltigen Transport gerichtet sind, beigemischt werden können.

Gemanagt wird der Fonds, neben einem „bestens vernetzten DWS-Team“, wie es in der Mitteilung heißt, von Dr. Peter Brodehser, der seit Herbst 2022 die Infrastrukturexpertise der DWS in Frankfurt aufgebaut hat und weiterhin ausbaut.

Anlagemöglichkeit für Privatkunden

Aufgrund sehr hoher Mindestanlagesummen waren direkte Investitionen in konkrete Infrastrukturprojekte bislang vornehmlich institutionellen Investoren vorbehalten. Mit dem Fondsstandortgesetz von August 2021 kann die DWS den DWS Infrastruktur Europa nun als offenes Infrastruktur-Sondervermögen auflegen. Dann sind auch Beiträge ab 50 Euro möglich. Der empfohlene Anlagehorizont ist mit mindestens drei bis fünf Jahren mittel- bis langfristig.

Europa in der Investitionspflicht

Laut DWS müsse Europa in den kommenden Jahrzehnten erhebliche Investitionen tätigen, um seine Volkswirtschaften umzugestalten, externe Abhängigkeiten von außen zu verringern und eine nachhaltige Industrielandschaft aufzubauen, wenn der Kontinent seinen derzeitigen hohen Lebensstandard sichern und die Grundlagen für künftigen Wohlstand schaffen will. Auf den DWS Infrastruktur Europa sollen neue Investmentlösungen der DWS folgen, die nicht nur bereits identifizierte Transformationsbereiche abdecken, sondern Anlegern auch die Möglichkeit bieten sollen, gezielt in verschiedene Anlageklassen zu investieren.

DWS gibt Unterlassungserklärung wegen Greenwashings ab

Weiterhin gab die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg am Mittwoch, 08.03.2023, bekannt, dass die DWS eine Unterlassungserklärung wegen irreführender Werbeaussagen abgegeben habe. Die Verbraucherzentrale hatte im Oktober 2022 beim Landgericht Frankfurt am Main Klage gegen die DWS eingereicht, nachdem sie auf eine erste Abmahnung wegen Greenwashings vorerst nicht reagiert hatte.

Hintergrund der Abmahnung war u. a. eine Werbung für den DWS Invest ESG Climate Tech Fonds. Darin wurde damit geworben, Anleger würden mit ihrem Fondsvermögen zu 0% in Unternehmen aus bestimmten kontroversen Sektoren wie Kohle oder Rüstungsgüter investieren. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sei diese Werbung irreführend gewesen, weil nicht transparent erläutert werde, wie die DWS zu diesen Angaben gelangt.

Werbung wird unterlassen

Am 07.03.2023 hat die DWS nun die geforderte Unterlassungserklärung abgegeben und sich somit dazu verpflichtet, die beanstandete Werbung ab dem 22.03.2023 zu unterlassen. Im Rahmen der Klage der Verbraucherzentrale wäre vor dem LG Frankfurt ein Verhandlungstermin am 10.03.2023 angesetzt gewesen. Dieser ist nun hinfällig. Die Verbraucherzentrale verkündet in ihrer Mitteilung, dass sie die geänderte Werbung „zu gegebener Zeit“ erneut prüfen werde. (mki)

Bild: © tonefotografia – stock.adobe.com

 

So hat die ETF-Branche 2022 in Europa performt

ETFs erfreuen sich weltweit immer größerer Beliebtheit. In einem in jeglicher Hinsicht schwierigen Jahr 2022 hatte die Börse einen schweren Kampf auszutragen. Wie hat sich die europäische ETF-Branche in dem Zeitraum geschlagen? AssCompact hat die wichtigsten Zahlen in einer Bildergalerie zusammengefasst.

Bild: © studio v-zwoelf – stock.adobe.com

 
von
 

Schroders erweitert mit erstem ELTIF Zugang zu Private Assets

Die britische Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders Capital bringt ihren ersten europäischen langfristigen Investmentfonds an den Start, den Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023. Der Fonds operiert gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung.

ELTIFs, oder auch „europäische langfristige Investmentfonds“, sind geschlossene Investmentvehikel, die Privatanlegern einen besseren Zugang zu Private Markets-Investitionsbereichen mit langfristigem Kapitalbedarf, wie Infrastruktur und Immobilien, sowie zu kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen sollen. So schreibt der hauptsächlich in London sitzende Vermögensverwalter Schroders Capital, der nun seinen ersten ELTIF auf den Markt bringt – den Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023.

Schroders reagiert damit wohl auf die vom EU-Parlament beschlossene Änderung der Verordnung über ELTIFs. Bislang konnten Privatanleger nur in ELTIFs investieren, wenn sie über ein freies Vermögen von 100.000 Euro oder mehr verfügten - und dann auch nur mit einer Mindestanlagesumme von 10.000 Euro. Diese Anforderungen entfallen nun mit dem Beschluss des EU-Parlaments. Auch auf Vermittlerseite werden die Abfrage-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten vereinfacht, indem sie den Vorgaben der EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie MiFID II angepasst werden.

Schroders Capital mit Artikel-8-ELTIF

Der Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023 werde sich laut Schroders auf Private Equity-Buyout- und Wachstumsinvestitionen im unteren und mittleren Marktsegment konzentrieren. Der Fokus liege dabei auf europäischen Firmen. Allerdings will Schroders bei dem Fonds die Flexibilität aufrechterhalten, auch in außereuropäische Unternehmen mit einem hohen operativen Engagement in Europa zu investieren.

Bei diesen Unternehmen handle es sich in der Regel um qualitativ hochwertige, in Familienbesitz befindliche oder von Gründern geführte Unternehmen, die einen Partner für ihre nächste Wachstumsphase suchen. Der ELTIF soll in den Bereichen Industrie Unternehmensdienstleistungen, Konsumgüter, Technologie und Gesundheitswesen investieren. Der Zeithorizont sei Schroders zufolge dabei mittel- bis langfristig und liege zwischen drei und sieben Jahren. Der Fonds weist ökologische und/oder soziale Merkmale gemäß Artikel 8 EU-Offenlegungsverordnung auf, wie Schroders meldet.

Private Assets für Privatanleger

In erster Linie wolle man mit dem Fonds Privatanlegern einen besseren Zugang zu Private Assets bieten. Karine Szenberg, Head of Europe bei Schroders, findet, dass die „soliden Erträge und Diversifizierungsverteile“ von Private Assets einem breiteren Spektrum von Anlegern verfügbar gemacht werden sollten. Alexander Prawitz, Leiter der Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch, sieht die Assetklasse der Private Equity als „nach wie vor komplex! An, beobachte aber auch in Deutschland und Österreich ein wachsendes Interesse daran. Daher brauche die private Anlegergruppe die zusätzliche Unterstützung durch einen „erfahrenen Asset Manager“.

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Altersvorsorge bleibt bei vielen auf der Strecke

Eine im Auftrag von Union Investment durchgeführte Studie zeigt einmal mehr: Private Altersvorsorge ist bei vielen Menschen kein großes Thema. Noch nicht einmal die Hälfte der Befragten beschäftigt sich damit – und das, obwohl die meisten wissen, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichen wird.

Es steht derzeit nicht gut um die Altersvorsorge in Deutschland. Wie eine Studie des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft kürzlich zeigte, sehen sich die 30- bis 59-Jährigen für ihren Ruhestand nicht gut aufgestellt. Viel Luft nach oben für mehr Vorsorgeausgaben bleibe ihnen allerdings nach eigener Einschätzung auch nicht (AssCompact berichtete: GDV: Generation Mitte erwartet finanzielle Abstriche im Alter).

Die Frankfurter Aktiengesellschaft Union Investment hat ebenfalls eine Studie zum Thema Altersvorsorge in Auftrag gegeben, die vom Marktforschungsinstitut Forsa durchgeführt wurde. Befragt wurden dabei rund 1.000 Menschen im Alter von 20 bis 59 Jahren, die in privaten Haushalten über Finanzen entscheiden – es wurden also noch etwas jüngere Entscheider in den Pool der Befragten aufgenommen. Das Ergebnis aber war ähnlich besorgniserregend wie bei der GDV-Studie.

Wissen um mangelnde Altersvorsorge

Vielen ist den Umfrageergebnissen zufolge zwar bewusst, dass die gesetzliche Rente nicht ausreichend sein wird. Drei Viertel der Befragten (76%) gaben an, dass sie ihren aktuellen Lebensstandard damit wohl nicht halten können. Außerdem gehen 70% davon aus, dass sie im Rentenalter einen Teil der Lebenshaltungskosten aus dem Ersparten bestreiten müssen. Und dennoch: Nur knapp die Hälfte der im Rahmen des Anlegerbarometers befragten Personen (49%) hätten sich laut Studie mit dem Thema private Altersvorsorge beschäftigt – fünf Prozentpunkte weniger als vor einem Jahr; satte 20 Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren.

 

Altersvorsorge bleibt bei vielen auf der Strecke

 

Unter den 20- bis 29-jährigen Befragten haben sich sogar nur 31% mit dem Thema befasst. Vor zehn Jahren waren es 49%, so Union Investment. Giovanni Gay, Vorstandsmitglied bei Union Investment, mahnt, dass gerade junge Menschen das Thema private Altersvorsorge nicht „verbummeln“ und eher früher als später damit beginnen sollten.

Drei von zehn Befragten haben kein Altersvorsorgeprodukt

Insgesamt allerdings hätten 72% der Befragten mindestens eine private Altersvorsorge abgeschlossen, 36% sogar mehrere. 44% seien sich sicher, dass sie finanziell gut für das Alter vorgesorgt hätten. Vielleicht blicken gerade deshalb so viele Menschen entspannt auf das Thema private Altersvorsorge, mutmaßt Union Investment. Aber: Fast drei von zehn Befragten besitzen laut den Studienergebnissen nach wie vor kein Produkt, das sie im Alter finanziell zusätzlich absichert (28%). Unter ihnen seien mit 55% besonders viele junge Menschen.

Die meisten unter denen, die eine private Altersvorsorge besitzen (34%), sparen monatlich zwischen 100 und 200 Euro an. Beinahe genauso viele (30%) schaffen es sogar, 200 Euro und mehr pro Monat für das Alter zurückzulegen. Gay weist an dieser Stelle darauf hin, dass es klar sei, dass in der aktuellen Situation natürlich nicht jeder so viel Geld auf die Seite legen könne. Doch auch mit kleinen monatlichen Beiträgen könne man schon investieren und Schritt für Schritt Geld für später ansparen.

Aktien als Bestandteil der privaten Altersvorsorge?

Die Untersuchung brachte auch heraus, dass wohl immer mehr Menschen Aktien als Bestandteil der privaten Altersvorsorge für geeignet halten – aktuell seien es 50% der Befragten, vor sechs Jahren waren es nur 42%.

Zur Studie

Das Marktforschungsinstitut Forsa hat im November 2022 im Auftrag von Union Investment 1.008 Menschen im Alter von 20 bis 59 Jahren befragt, die in privaten Haushalten über Finanzen entscheiden. Die Befragten nahmen an einer Online-Umfrage teil und konnten sich Zeit und Umgebung der Bearbeitung selbst aussuchen. Bei Umfragewerten, die sich nicht zu 100% addieren, gibt die Differenz den Anteil der unschlüssigen Befragten an. (mki)

Bild: © Thomas Reimer – stock.adobe.com

Lesen Sie auch: Finanzkompass 2023: Frauen haben Aufholbedarf in der Altersversorgung

 

BaFin stellt Mängel bei Governance von ODDO BHF fest

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht hat bei der Frankfurter Privatbank ODDO BHF SE bei einer Sonderprüfung festgestellt, dass die Vorgaben des Kreditwesengesetzes nicht in allen Bereichen erfüllt wurden. Ein Sprecher des Unternehmens hat sich auch gegenüber AssCompact geäußert.

Eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation soll gewährleisten, dass Kreditinstitute die gesetzlichen Bestimmungen einhalten und tun, was betriebswirtschaftlich notwendig ist. Wie dies zu geschehen ist, ist in § 25a Absatz 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) festgehalten. Ein wesentlicher Teil der ordnungsgemäßen Geschäftsorganisation ist ein angemessenes und wirksames Risikomanagement, was die laufende Risikotragfähigkeit von Kreditinstituten sicherstellen soll.

Eine ebensolche ordnungsgemäße Geschäftsorganisation soll die in Frankfurt am Main sitzende Privatbank ODDO BHF SE auf Anweisung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sicherstellen. Im Vorfeld hatte das Unternehmen der BaFin zufolge gegen die Anforderungen verstoßen, wie in einer Sonderprüfung festgestellt und in einer Mitteilung der BaFin vom 03.03.2023 mitgeteilt wurde. Vor allem bei der Governance von Anforderungen an die IT und deren Management hätte ODDO BHF SE die gesetzlichen Vorgaben des KWG nicht erfüllt.

Sicherheit in der IT

Unter anderem müssen Kreditinstitute ein angemessenes Notfallmanagement festlegen, vor allem für ihre IT-Systeme. Die Anforderungen an die IT wurden in einem Rundschreiben „Bankaufsichtliche Anforderungen an die IT“, oder kurz „BAIT“, vom November 2017 formuliert. Unter der Governance von Anforderungen an die IT verstehen die BAIT die Struktur zur Steuerung sowie Überwachung des Betriebs und der Weiterentwicklung der IT-Systeme – einschließlich der dazugehörigen IT-Prozesse auf Basis der IT-Strategie.

Die BAIT führen laut BaFin aus, welche Prozesse und Tätigkeiten dies konkret sind und wie sie ausgestaltet sein sollen. Sie stellen auch klar, dass die Geschäftsleitung für das Management der Governance-Struktur zuständig ist und dafür sorgen muss, dass alle Anforderungen an die IT-Governance eingehalten werden.

IT-Strategie und Informationsrisiko

Außerdem machen die BAIT z. B. deutlich, dass Kreditinstitute eine nachhaltige und konsistente IT-Strategie und ein adäquates Informationsrisiko- und Informationssicherheitsmanagement haben müssen, und wie diese ausgestaltet sein sollen. Gemäß den BAIT müsse zudem jedes Kreditinstitut ein Identitäts- und Rechtemanagement und ein IT-Notfallmanagement vorhalten, das nach bestimmten Gesichtspunkten strukturiert ist.

Am 17.11.2022 hatte die BaFin der Frankfurter Bank mitgeteilt, dass die Mängel zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen des KWG beseitigt werden und so eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation sichergestellt werden müsse. Seit dem 24.12.2022 ist diese bestandskräftig. Neben den gesetzlichen Anforderungen hat die BaFin weiterhin zum 10.01.2023 zusätzliche Eigenmittelanforderungen gegenüber ODDO BHF SE angeordnet. Dieser Bescheid ist seit dem 23.01.2023 bestandskräftig.

Ergänzung vom 03.03.2023 um 12:07 Uhr: Statement von ODDO BHF

Ein Sprecher von ODDO BHF hat sich am Freitagmittag mit einem Statement zu der veröffentlichten Mitteilung der BaFin an AssCompact gewandt. Dieses lautet wie folgt: "Wir stimmen den Feststellungen der BaFin vorbehaltlos zu. Bereits vor der Prüfung durch die BaFin haben wir aus eigener Initiative ein Programm gestartet, das darauf abzielt, die Strukturen in der IT entsprechend weiter zu stärken. Dadurch ergänzen wir die erheblichen strukturellen Investitionen in IT, Organisation und Prozesse, die in den vergangenen sechs Jahren seit Übernahme der BHF-Bank erfolgt sind. ODDO BHF SE in Deutschland ist heute wieder ein stabiler, profitabler Pfeiler der ODDO BHF Gruppe. Die prüfungsbedingten Kapitalanforderungen erfüllt die Bank bereits heute. Darüber hinaus wird die Bank das Jahr 2022 erneut mit einem guten Ergebnis abschließen."

Weiterhin wird darauf hingewiesen, dass die Ratingagentur Fitch das Rating von ODDO BHF auf Gruppenebene auf BBB+ angehoben habe. (mki)

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