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Nachhaltiges Investieren: Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit?

Nachhaltiges Investieren liegt im Trend, die Produktlandschaft wächst. Und auch die politische Arena mischt in der Finanzberatung ordentlich mit. Doch haben die Beteiligten damit noch das Kundeninteresse im Blick? Oder laufen das Anspruchsniveau der Kundschaft und die Wirklichkeit bei nachhaltigen Investments zunehmend auseinander?

Ein Artikel von Dr. Alexander Ströhl, AssCompact

Nachhaltige Kapitalanlageprodukte sammeln seit Jahren immer mehr Geld von Anlegerinnen und Anlegern ein. Erst 2021 hat laut Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) das Gesamtvolumen ethisch-ökologischer Investments einen neuen Rekordwert erreicht. Und während der Gesamtmarkt laut Bundesverband Investment und Asset Management e. V. (BVI) 2021 um rund 25% angestiegen ist, kletterten die Investments in nachhaltige Kapitalanlagen laut FNG sogar um 65%.

Nachhaltiges Investieren liegt also im Trend. Doch was bedeutet diese Marktdynamik für Finanzberatung und Produktgeber? Und wie gehen Finanzmarktteilnehmer mit der zunehmenden Regulierung um? Das AssCompact Sonderthema „Nachhaltiges Investieren“ wirft in den Beiträgen und Interviews ein Schlaglicht auf die gegenwärtigen Marktentwicklungen und auf die Herausforderungen aus verschiedenen Perspektiven.

Der Blick auf die Finanzberatung

Erfreulich ist, dass sich immer mehr Finanzberaterinnen und Finanzberater mit nachhaltigen Investments auseinandersetzen und für Anlegerinnen und Anleger wertvolle Lotsen im Dickicht der „grünen“ Produktlandschaft sein können. Und entgegen so mancher Beobachtung schlugen sich nachhaltige Kapitalanlagen während der aktuellen Polykrise aus Krieg, Inflation und Energiemangel vergleichsweise gut, wie die Finanzberaterin Jennifer Brockerhoff berichtet. Im Interview stellt die Expertin für nachhaltige Geldanlagen klar, dass mit Blick auf die Effekte eines nachhaltigen Investments – Stichwort Impact – eine ehrliche Aufklärung der Kundschaft zwar einen durchaus sensiblen, zugleich aber ungemein erfolgversprechenden Aspekt der Finanzberatung darstellt.

Doch die Finanzberatung wird sich demnächst vergleichsweise stark verändern. Denn spätestens im Frühsommer 2023 müssen Beraterinnen und Berater nach dem Willen des Gesetzgebers ihre Kundschaft nach deren Nachhaltigkeitspräferenzen fragen – wie es bereits seit August 2022 bei der Vermittlerschaft im Bereich von Versicherungsanlageprodukten der Fall ist. Häufig werden der damit einhergehend größere Bearbeitungsaufwand sowie die bestehenden Unsicherheiten aufgrund der unzureichenden Datenverfügbarkeit – Stichwort Haftungsfalle – angeführt. Nichtsdestoweniger ergeben sich auch Chancen. Welche das genau sind, ist im Beitrag der AWADO Rechtsanwaltsgesellschaft nachzulesen.

Der Blick auf aktive und passive Investments

Doch passen die Fondsprodukte der Branche überhaupt zu den Nachhaltigkeitsvorstellungen der Kundschaft? Eine wichtige Frage, die es in der Beratung rechtzeitig zu klären gilt, denn sonst sind Enttäuschungen schnell vorprogrammiert. Gerade die Rückstufung von sogenannten Artikel-9-Fonds laut EU-Offenlegungsverordnung auf Artikel-8-Fonds hat sicherlich für manche Irritation gesorgt. Der Vorwurf des „Greenwashing“ liegt da nicht mehr fern. Doch warum sahen sich die Produktgeber zu dieser Korrektur veranlasst? Der Beitrag des Instituts für Vermögensaufbau (IVA) hat sich mit dieser Frage näher beschäftigt.

Angetrieben durch den Boom passiver Anlagen haben Fondsgesellschaften mittlerweile auch zahlreiche nachhaltige Produktvarianten bei ETFs am Markt gestartet. Doch wie nachhaltig kann ein passives Investment überhaupt sein, gerade dann, wenn es in etwa genauso viele Nachhaltigkeitsvorstellungen wie Anlegerinnen und Anleger gibt? Der Beitrag von UBS Asset Management schildert Chancen und Konflikte, die aufgrund unterschiedlicher Nachhaltigkeitsvorstellungen bei Anlegerinnen und Anlegern entstehen können.

Der Blick auf Produktanbieter

Ökofonds-Pionier Alfred Platow wiederum bereitet es zunehmend Sorgen, dass sich die Stimmen in der Rüstungsindustrie mehren, Waffenproduzenten künftig als sozial nachhaltig einzustufen. Er fragt sich daher, wie es überhaupt noch gelingen kann, in Sachen Nachhaltigkeitswende weiter positiv zu bleiben.

Richtig positiv denkt man bei der MehrWert GmbH. Denn mangels geeigneter nachhaltiger Fondsprodukte hat das auf nachhaltige Versicherungs- und Finanzprodukte spezialisierte Maklerhaus ein eigenes Produkt am Markt gelauncht. Im Interview erzählt der Geschäftsführer von den Besonderheiten des eigenen Produkts.

Für Anlegerinnen und Anleger, die neben ethisch-ökologischen Kriterien auch Wertstabilität wünschen, eignet sich eine Kapitalanlage in nachhaltige Edelmetalle. Welcher Impact damit zu erzielen ist und wie dabei die Qualitätssicherung erfolgt, erläutert ein Händler von fair gewonnenen Edelmetallen im Interview.

Bild: © Maren Winter – stock.adobe.com

 

Ist Nachhaltigkeit bei Geldanlage nur „eine Modeerscheinung“?

Aktuell gibt es kaum gesellschaftliche oder auch ganz alltägliche Fragen, bei denen Nachhaltigkeit nicht zum Thema wird. Laut Umfrage des Deutschen Instituts für Vermögensbildung und Alterssicherung habe Nachhaltigkeit jedoch mittlerweile weniger Einfluss auf die Geldentscheidungen privater Anleger.

Nachhaltigkeit ist derzeit in zahlreichen Lebensbereichen und gesellschaftlichen Fragestellungen in aller Munde und eigentlich, so sollte man meinen, auch bei der Geldanlage. Der Fondsverband BVI meldete im Februar einen klaren Wachstumstrend bei nachhaltigen Kapitalanlagen im Jahr 2022 (AssCompact berichtete: Nachhaltiger Fondsmarkt trotzt dem schwierigen Umfeld).

Dennoch scheint die Relevanz des Themas etwas nachzulassen. Das Deutsche Institut für Vermögensbildung und Alterssicherung (DIVA) befragt regelmäßig die deutschen Bürgerinnen und Bürger nach dem Interesse der privaten Haushalte an nachhaltig eingestuften Geldanlagen. Fazit: Privatanleger legen aktuell wohl weniger Wert auf die „grüne Investition“.

Für zwei Drittel spielt Nachhaltigkeit keine Rolle

Von den 2.000 Befragten hätten laut DIVA lediglich 37,7% bestätigt, dass Nachhaltigkeit Einfluss auf ihre Geldentscheidungen habe. Michael Heuser, wissenschaftlicher Direktor des DIVA, weist in diesem Zuge darauf hin, dass das Thema also bei zwei Dritteln bei ihrer Geldanlage keine Rolle spiele. Im Sommer 2022 seien es noch weniger als 60% gewesen. Laut Heuser scheine die Glaubwürdigkeit des Themas Nachhaltigkeit bei den Geldanlegern abzunehmen: „Inzwischen halten über 41% der Befragten nachhaltige Geldanlagen bloß für eine Modeerscheinung. Als wir im Sommer 2021 erstmals fragten, waren das noch 37,3%.“

Ist Nachhaltigkeit bei Geldanlage nur „eine Modeerscheinung“?

Bemerkenswert ist es dem DIVA zufolge, dass Befragte mit höheren Einkommen die größeren Zweifel an nachhaltigen Geldanlagen hegten. 46,4% von ihnen – und damit erkennbar mehr als mittlere (39,5%) und niedrige (38,4%) Einkommen – sehen darin eine Modeerscheinung. Bei den Beziehern höherer Einkommen habe sich der Wert seit der Erstbefragung im Sommer 2021 (36,7%) um fast zehn Punkte erhöht. Dies sei eine schlechte Nachricht, denn naturgemäß könnten Besserverdienende den größten finanziellen Beitrag zur Transformation leisten, so Heuser.

Was ist überhaupt eine nachhaltige Geldanlage?

Norman Wirth, Vorstand des Bundesverbands Finanzdienstleistung AfW, einer der Trägerverbände des DIVA, sieht an dieser Stelle Politik und Finanzwirtschaft gleichermaßen gefordert. Es sei noch nicht einmal geklärt, was eine nachhaltige Geldanlage überhaupt sein solle. Daher brauche man nachvollziehbare Kriterien, die von der Politik kommen müssten. Dass die Energiegewinnung durch Atomkraft und fossiles Erdgas als nachhaltige Übergangstechnologie einbezogen wird, sorge für ihn ebenfalls für Unverständnis. Laut Wirth seien die regulatorischen Vorgaben der Politik „nahezu unverständlich, viel zu kompliziert und komplex“. Das müsse sich ändern, um mehr Akzeptanz bei den Vermittlern und ihren Kunden für das Thema zu generieren.

Ansprache und Aufklärung

Für Heuser ist ein weiterer entscheidender Grund für die bisherige Zurückhaltung der Anleger die fehlenden Kenntnisse. Nachhaltigkeit spiele in vielen wichtigen Lebensbereichen wie Mobilität, Energie oder Ernährung inzwischen eine größere Rolle als bei der Geldanlage. Das mangelnde Interesse könne also nicht aus fehlender Einsicht resultieren. Der DIVA-Direktor schließe aus der Umfrage, dass viele die Möglichkeiten und Relevanz nachhaltiger Geldanlage gar nicht kennen würden.

Wirth bestätigt dies mit Blick auf die Beratungspraxis der Mitglieder seines Verbandes: „Investiert ein Kunde am Ende in einen nachhaltig ausgerichteten Fonds, ist es in neun von zehn Fällen der Berater, der den Kunden auf diese Möglichkeit angesprochen hat. Will die Politik bei diesem Thema vorankommen, sollte sie auf die Stärkung der Berater setzen. Sie sind im Grunde ihre Verbündeten.“ An dieser Stelle äußert Wirth auch seine klare Position zum aktuell in der Diskussion befindlichen Provisionsverbot für Anlageprodukte (AssCompact berichtete: Die Debatte um ein Provisionsverbot ist zurück). Diese sei „vor diesem Hintergrund kontraproduktiv“.

Über die Umfrage

Die Umfrageergebnisse basieren auf einer Sonderbefragung des DIVA im Rahmen des halbjährlich ermittelten Deutschen Geldanlage-Index (DIVAX-GA). Rund 2.000 Bürgerinnen und Bürger in Deutschland gaben Auskunft über ihre Ansichten zum Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage. Die Studie wurde im Auftrag des DIVA von INSA-CONSULERE durchgeführt. Die Ergebnisse sind auf der Website des DIVA zu finden. (mki)

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Lesen Sie auch: „Nachhaltige“ Fonds sind in Energiekrise CO2-lastiger geworden

 

Rekordwerte bei weltweiten Dividenden 2022

Wie die Investmentgesellschaft Janus Henderson Investors meldet, gab es 2022 bei globalen Dividenden Rekordausschüttungen zu verzeichnen - u. a. wegen stark erhöhten Ausschüttungen bei Öl- und Gasproduzenten. 2023 soll das Dividendenwachstum weitergehen.

Vor einigen Wochen meldete bereits Allianz Global Investors ein Rekordwachstum der Dividendenausschüttungen am MSCI Europe im letzten Jahr (AssCompact berichtete: Dividendenausschüttungen 2023: Allzeithoch in Europa erwartet), jetzt meldet die britisch-amerikanische Investmentgesellschaft Janus Henderson Investors eine ähnliche Entwicklung bei globalen Dividenden. Um 8,4% sind diese 2022 auf einen Rekordwert von 1,56 Bio. US-Dollar gestiegen. Bereinigt um den US-Dollar-Anstieg gegenüber den meisten Währungen sowie um niedrigere Sonderdividenden und andere technische Faktoren war das bereinigte Wachstum mit 13,9% sogar noch stärker, heißt es von Janus Henderson.

Zwölf Länder mit Rekordausschüttungen

Das weltweite Dividendenwachstum war so kräftig, dass zwölf Länder Rekordausschüttungen in US-Dollar verzeichneten, darunter die USA, Kanada, Brasilien, China, Indien und Taiwan. Doch auch viele andere Länder hatten Rekorde zu verzeichnen, z. B. Frankreich, Deutschland, Japan und Australien.

Automobilhersteller an der Spitze in Deutschland

Beim deutschen Dividendenwachstum entfielen zwei Drittel auf die Automobilhersteller. Mercedes übernahm erstmals seit 2018 wieder den Spitzenplatz in Deutschland, wie Daniela Brogt, Head of Sales für Deutschland und Österreich bei Janus Henderson Investors, anmerkt. Es habe jedoch in fast allen Sektoren Zuwächse gegeben. 97% der deutschen Unternehmen im Janus Henderson Global Dividend Index hätten ihre Ausschüttungen erhöht oder konstant gehalten.

Insgesamt seien 43,3 Mrd. Euro ausgezahlt worden, was den Höchststand von 2018 zwar übertreffe, insgesamt aufgrund der Euro-Schwäche in US-Dollar jedoch niedriger sei. Auf bereinigter Basis hätten deutsche Unternehmen 2022 mit einem Plus von 33,5% überproportional zum Dividendenwachstum in Europa beigetragen.

Öl- und Gasproduzenten erhöhten Dividenden stark

Um satte zwei Drittel erhöhten Öl- und Gasproduzenten ihre Ausschüttungen, sowohl durch regelmäßige Ausschüttungen als auch durch einmalige Sonderdividenden. Dies sei laut Janus Henderson bedingt durch die steigenden Energiepreise. Diese Erhöhungen trugen fast ein Viertel zum weltweiten Dividendenanstieg 2022 bei. Die Ausschüttungen wurden fast überall erhöht, wobei die Unternehmen der Schwellenländer das stärkste Wachstum verzeichnet hätten.

Banken und andere Finanzwerte, insbesondere in den USA, Großbritannien und Europa, trugen ein weiteres Viertel zum Jahreswachstum bei und knüpften damit an die starke Erholung der Dividenden nach der Pandemie im Jahr 2021 an. Darüber hinaus sorgten hohe Frachtkosten bei Transportunternehmen weltweit für Auftrieb, während die steigende Nachfrage und die höheren Preise für Autos und Luxusgüter dazu führten, dass diese Sektoren die wichtigsten Treiber für das Dividendenwachstum in Europa waren. Niedrigere Rohstoffpreise führten derweil dazu, dass die Ausschüttungen im Bergbau von ihrem Rekordhoch 2021 zurückgingen.

Trotz einiger klarer Sektorengewinner war das Wachstum dennoch breit gestreut. Weltweit erhöhten 88% der Unternehmen ihre Dividenden oder hielten sie konstant.

Rundum Wachstum

Geografisch betrachtet stiegen die Dividenden in den Schwellenländern, im asiatisch-pazifischen Raum ohne Japan und in Europa auf bereinigter Basis um etwa ein Fünftel. Das Wachstum in den USA war weniger als halb so hoch wie in den übrigen Ländern. Dies lag Janus Henderson zufolge vor allem, dass die USA weniger von einigen der großen Sektortrends des Jahres 2022 beeinflusst wurden, aber auch daran, dass die US-Dividenden während der Pandemie sehr stabil waren und sich daher weniger stark erholten. Dennoch lag das US-Wachstum über seinem langfristigen Durchschnitt.

In Japan wurde das Gesamtwachstum durch den schwachen Yen erheblich beeinträchtigt – dennoch stiegen die Dividenden auf bereinigter Basis immerhin um ein Sechstel. In Großbritannien stiegen sie um 12,1%.

Prognose für 2023: Geringeres Wachstum

Für 2023 sieht Janus Henderson einen weiteren Anstieg der Dividenden kommen – allerdings einen langsameren als noch letztes Jahr. Die Zahlungen würden am Ende bei 1,6 Bio. US-Dollar liegen, was einem Anstieg von 2,3% auf Gesamtbasis und einem bereinigten Anstieg von 3,4% entspräche.

Ganz gewiss seien die Dividendenaussichten für 2023 jedoch noch nicht, sagt Jane Shoemake, Client Portfolio Manager für Global Equity Income bei Janus Henderson Investors. Inflation, das Ausmaß weiterer Zinserhöhungen und geopolitische Risiken würden das Bild trüben. Außerdem werde der Cashflow der Unternehmen sowohl durch die geringere Nachfrage als auch durch die höheren Kosten für die Kreditbedienung unter Druck geraten. Dies schränke den Spielraum für Dividendenwachstum ein. Aus sektoraler Sicht sei ein weiterer derartiger Anstieg der Energiedividenden, wie es ihn 2022 gab, unwahrscheinlich. Die Ausschüttungen im Bergbau hängen von den jeweiligen Rohstoffpreisen ab. Eine wichtige Rolle dürfte auch die Wiedereröffnung Chinas spielen, die das Wirtschaftswachstum weiter ankurbeln dürfte, sobald die aktuelle Welle von Corona-Infektionen vorüber ist.

Shoemake hält insgesamt, trotz aller Ungewissheiten, ein weiteres Dividendenwachstum 2023 für möglich, denn ausschlaggebend sei, dass Dividenden weit weniger volatil seien als Gewinne, und die globale Dividendendeckung, also das Verhältnis zwischen Gewinnen und Dividenden, sei derzeit hoch. (mki)

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Raisin kämpft mit Beschwerden über Zinsplattform "Weltsparen"

Aktuell gibt es von Kundenseite vermehrt Beschwerden über die Zinsplattform „Weltsparen“. Sie wird vom Fintech Raisin betrieben. Grund hierfür sei die besonders hohe Nachfrage auf Raisins Zinsplattformen.

Auf der Bewertungsplattform Trustpilot machen sich derzeit Kundenbeschwerden über die Zinsplattform „Weltsparen“ breit, wie das Versicherungsjournal unter Berufung auf einen Bericht des Handelsblatts vom Montag, 27.02.2023, meldet. In erster Linie werde über Verzögerungen bei der Auszahlung hoher Geldbeträge geklagt, aber auch falsche Kontoanzeigen und schlechter Kundenservice würden genannt.

„Weltsparen“ wird vom Berliner FinTech Raisin betrieben und bietet Anlegern Zugang zu aktuellen Tages- und Festgeldangeboten in Europa, aber auch die Einrichtung von beispielsweise ETF-Sparplänen oder Investitionen in Kryptowährungen. Lupenreine Sicherheit beim angelegten Geld ist aber Verbraucherorganisationen wie Finanztip oder Stiftung Warentest zufolge bei Weltsparen nicht ganz garantiert, schreibt das Versicherungsjournal. So heißt es bei jenen Portalen oft, dass einige Partnerbanken nicht immer alle wichtigen Sicherheitskriterien erfüllen, z. B. eine Einlagensicherung.

Bafin wird aktiv

Laut der Meldung des Handelsblatts hätten sich Kunden auch bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) beschwert. Gegenüber der Zeitung bestätigte die Bafin die Beschwerden und sagte, dass man diesen nachgehe. Zu Einzelheiten dürfe man sich jedoch nicht äußern.

Ergänzung vom 02.03.2023 um 12:29 Uhr: Keine Untersuchung vonseiten der Bafin

Ein Unternehmenssprecher von Raisin meldete am Donnerstag gegenüber AssCompact, dass die ursprüngliche Meldung des Handelsblatts nicht akkurat gewesen sei. Die Zeitung habe dies mittlerweile auch eingeräumt. Die Bafin bearbeite lediglich, gemäß ihrer Pflicht, eingehende Beschwerden. Eine Untersuchung der Beschwerden seitens der Bafin finde demnach nicht statt.

Raisin mit stärkstem Wachstum der Firmengeschichte

Weltsparen-Betreiber Raisin selbst habe die Probleme eingeräumt. Begründet seien sie laut einem Unternehmenssprecher durch das gestiegene Interesse an Sparprodukten in Zeiten der Zinswende. Seit einigen Monaten gebe es eine besonders hohe Nachfrage auf Raisins Zinsplattformen. Dementsprechend seien auch mehr Kundenanfragen zu bearbeiten. Allein von Juni 2022 bis Februar 2023 ging die Summe der über Raisin angelegten Gelder auf mehr als 36 Mrd. Euro nach oben – eine Steigerung von 44%. In Kombination mit einem höheren Krankenstand und Urlaub sei es so zu Engpässen gekommen. „Vereinzelt“ längere Antwortzeiten bei der Beantwortung von E-Mail-Anfragen sei die Folge. Der Kundenservice habe allerdings von Oktober bis Januar ein Wachstum verzeichnet, mit zusätzlichen Kapazitätserweiterungen in der Planung.

Weiterhin arbeite Raisin mit den Partnerbanken an der Automatisierung der Prozesse und ergreife gegebenenfalls Maßnahmen bis hin zum vorübergehenden Aussetzen des Angebots, heißt es beim Versicherungsjournal mit Bezug zum Handelsblatt. Man investiere verstärkt in Features, damit Kunden Änderungen im Kundenkonto eigenständig vornehmen könnten. Bei der Bewertungsplattform habe man nach wie vor einen positiven Score von 4,0. Auch gebe es derzeit keinen Verlust an Kunden, eher im Gegenteil: „Wir verzeichnen gerade das stärkste Wachstum unserer Firmengeschichte“, so Raisin. (mki)

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Technologie- und China-Aktien sind zurück

Die Agentur Scope Fund Analysis hat im Februar wieder 6.700 Fonds auf ihre Performance untersucht und bewertet. Bemerkenswert: Die Verlierer des vergangenen Jahres, chinesische Aktien und Aktien aus dem Bereich Technologie, führten das Feld an.

Auch in diesem Monat hat die Frankfurter Ratingagentur Scope Fund Analysis ihr aktuelles Rating zu insgesamt 6.700 analysierten Fonds veröffentlicht. Bei 269 Fonds verbesserte sich die Bewertung, 290 wurden heruntergestuft. Erstmals bewertet wurden 66 Produkte, davon erhielten 27 aktive Fonds auf Anhieb ein Top-Rating. Besonders an der Bewertung ist auch, dass China-Aktien und Technologie-Aktien das Feld anführten – nachdem sie im letzten Jahr als große Verlierer dastanden. Auch schnitten zum ersten Mal seit langer Zeit europäische Aktien wieder insgesamt besser ab als US-Titel, so Scope.

Carmignac Emergents mit deutlich stärkerer Performance

Der Schwellenländeraktienfonds Carmignac Emergents konnte in den vergangenen Monaten seine Performance deutlich verbessern. Erstmals seit Ende 2007 erhält er wieder das höchste Rating A. Aktuell setzt der Fonds stark auf chinesische Aktien, die mit einem Anteil von 40% im Portfolio deutlich höher gewichtet sind als beispielsweise im MSCI Emerging Markets. Die aktuellen Top-Positionen des mit etwa 40 Titeln recht fokussierten Portfolios sind Samsung Electronics mit 8,7%, Taiwan Semiconductor mit 6,7% und Eletrobras mit 6,1%.

Während die Risikokennzahlen im Peergroup-Vergleich gemischt ausfallen, ist Scope von der kurz- und langfristigen Performance überzeugt. Bspw. liegt der Fonds mit einer Fünfjahreswertentwicklung von 3,65% p. a. deutlich vor dem Peergroup-Durchschnitt von 0,2% p. a. Mit überdurchschnittlichen laufenden Kosten von 2,05% plus Performancegebühr ist der Fonds allerdings allgemein eine teure Wahl für Anleger, findet Scope.

Schwellenländerfonds von Goldman Sachs erhält B-Rating zurück

Nach zwei Monaten mit C-Rating erhält der Goldman Sachs Ems Eq Pf Base das Top-Rating B zurück. Auch hier sind chinesische Aktien leicht übergewichtet, wenn auch mit nur 36% leicht über dem Index. Generell seien die Abweichungen bei der Länderallokation im Fonds moderat. Die Hauptrenditequelle sei laut Scope die Aktienauswahl, wobei das Management mit einer gewissen Benchmarkorientierung vorgehe und über rund 120 Titel streue.

Die größten Titel Taiwan Semiconductor, Tencent und Samsung Electronics sind mit 8,5%, 6,0% und 5,0% gewichtet, jeweils zwischen einem und 2,2 Prozentpunkten höher als im MSCI Emerging Markets. Die Wertentwicklung des Fonds über fünf Jahre liegt mit 2,1% p. a. auf dem Niveau der Peergroup (2,0% p. a.). Über ein Jahr ist sie jedoch mit –17,39% gegenüber –10,6% deutlich schwächer. Auch hier fallen die Risikokennzahlen gemischt aus und die Kosten sind mit 1,94% „nicht gerade niedrig“, wie es Scope ausdrückt.

ETHNA-AKTIV verliert Top-Rating

Der ETHNA-AKTIV hat sein Top-Rating nach nur neun Monaten wieder verloren und rutscht per Ende Januar auf ein C-Rating ab. Die deutlich konservativere Ausrichtung des Fonds, die sich z. B. in der teilweise vollständig gehedgten Aktienquote (also gegen beispielsweise Kursschwankungsrisiken abgesicherte Aktien) gegen Jahresende 2022 äußerte, führte zwar zu geringeren Verlusten als in der Peergroup, doch im darauffolgenden Aufschwung war die Partizipation des Fonds ebenfalls geringer. Über fünf und drei Jahre steht der Fonds mit 0,11% und –0,67% p. a. deutlich besser da als seine Peergroup „Mischfonds Global konservativ“ mit –0,42% und –1,87% p. a.

Auch die Risikokennzahlen fielen über drei Jahre mit einer Volatilität von 6,91% und einem maximalen Verlust von –9,29% im Vergleich zur Peergroup mit 7,17% und –10,15% besser aus. Dennoch bleibe es Scope zufolge abzuwarten, ob sich der Fonds mit seinem risikoaversen Ansatz in Kombination mit hohen laufenden Kosten von 1,87% und Performancegebühr langfristig gegenüber den Mitbewerbern durchsetzen kann.

Erholung im Januar

Im Januar 2023 war laut Scope Rating eine kräftige Erholung in allen Peergroups zu beobachten. Bis auf Geldmarkt USD lagen die 50 größten Peergroups allesamt im Plus. Insbesondere Technologieaktien beeindruckten mit einer Performance von fast 12% auf Monatsbasis, gefolgt von Aktien China und Aktien Deutschland mit jeweils rund 9%. Erstmals seit Langem haben europäische Titel insgesamt auf Jahressicht US-Aktien überholt. Außer der US-Währung, die sich gegenüber dem Euro abschwächte und damit Monatsverluste bei US-Dollar-Geldmarktfonds von –1,20% auslöste, gab es im Januar nur Gewinner, wobei kurz laufende Euro-Anleihen mit 0,63% und Aktien Gesundheitswesen Welt mit 0,77% zu den Schlusslichtern zählten.

Zum Scope Rating

Das Scope Fondsrating bewertet die Qualität eines Fonds innerhalb seiner Vergleichsgruppe. Das Rating reflektiert u. a. die langfristige Ertragskraft und die Stabilität der Fondsperformance sowie das Timing- und das Verlustrisiko. Aktuell bewertet die Ratingagentur Scope rund 6.700 in Deutschland zum Vertrieb zugelassene Investmentfonds. Das investierte Vermögen dieser Fonds summiert sich auf rund 4 Bio. Euro.

Das Fondsrating von Scope umfasst fünf Ratingstufen von A bis E. Als Top-Rating gelten A- und B-Ratings. Das A-Rating erhielten in der aktuellen Untersuchung 516 Fonds (7,7%), das B-Rating 1.794 Fonds (26,8%), das C-Rating 2.138 Fonds (31,9%), das D-Rating 1.629 Fonds (24,3%) und das E-Rating 616 Fonds (9,2%). (mki)

Weitere Information zum Scope Fondsrating für Februar 2023 gibt es hier.

Bild: © Edelweiss – stock.adobe.com

 

„Nachhaltige“ Fonds sind in Energiekrise CO2-lastiger geworden

Das Marktumfeld hat sich in den letzten Jahren immer wieder schlagartig verändert. Eine Studie der Finanzwende Recherche gGmbH zeigt nun, dass als nachhaltig eingestufte Fonds in der Energiekrise mehr Aktien fossiler Energieunternehmen gekauft haben.

Seit Februar 2022, als der russische Angriffskrieg auf die Ukraine startete, sind die Aktienkurse bei klimaschädlichen Ölkonzernen „durch die Decke gegangen“, wie die Finanzwende Recherche gGmbH in einer Mitteilung zu ihrer neuen Studie schreibt. In der Studie geht es um Investitionen, die nachhaltig eingestufte Fonds in fossile Energien getätigt haben – eben in Zeiten der Energiekrise, in der Energie alles andere als billig zu erlangen war und ist.

Als grün beworbene Investmentfonds seien dadurch und außerdem aufgrund der abgeschwächten Aktien der großen Gewinner in Corona-Zeiten (z. B. Google und Apple) in „eine Zwickmühle“ geraten. Und genau diese emissionsarmen Tech-Konzerne sorgten in den letzten Jahren für das gute Abschneiden der nachhaltigen Fonds.

Studie zu Investitionen nachhaltiger Fonds in der Energiekrise

Finanzwende hat die Portfolio-Bewegungen von mehr als 2.400 in Europa erhältlichen und als nachhaltig beworbenen Fonds zwischen Ende Dezember 2021 und Ende März 2022 ausgewertet. Mit Datenpunkten bis Dezember 2022 wurde weiter überprüft, ob es sich nur um eine sehr kurzfristige Entwicklung handelte.

Das Ergebnis der Studie sei kein Gutes, so Finanzwende. Denn als nachhaltig beworbene Fonds hätten in Reaktion auf die veränderte Marktsituation Aktien fossiler Unternehmen zugekauft und seien insgesamt CO2-lastiger geworden.

Weniger Investitionen in Tech, mehr in Energie

Zwischen Ende Dezember 2023 und Ende März 2022 kaufen viele als nachhaltig klassifizierte Fonds Aktien aus der Energiebranche. Die größten Abflüsse von Investments betrafen Aktien aus den Bereichen Technologie und Finanzen. Die Zukäufe im Bereich Energie seien vor allem der fossilen Branche zugutegekommen, nämlich 940 Mio. US-Dollar. Zum Vergleich: Die Investitionen in Aktien von Unternehmen im Bereich erneuerbare Energien fielen mit 138 Mio. US-Dollar deutlich geringer aus.

„Nachhaltige“ Fonds sind in Energiekrise CO2-lastiger geworden

Im Laufe des Jahres 2022 hätte sich die Verschiebung in Richtung fossile Energien fortgesetzt, so Finanzwende. Schon Ende Dezember 2021, also noch vor Eskalation des Krieges im Februar, sei der Anteil fossiler Energien am Gesamtportfolio der untersuchten Fonds dreimal so groß gewesen wie der von Erneuerbaren. Dennoch sei er bis Ende Dezember 2022 sogar auf das Zehnfache der erneuerbaren Investments angestiegen.

Kritik am „Greenwashing“

Finanzwende sieht derartige Investitionen sehr kritisch und sieht in der Klassifizierung der entsprechenden Fonds eine schwere Form des Greenwashings. Noch immer würden viele insbesondere große Energiekonzerne im Bereich der fossilen Energiequellen expandieren, was mit dem Pariser Klimaabkommen unvereinbar sei. Dass die neue geopolitische Situation ein Abweichen von bisherigen Anlagestrategien unausweichlich mache, will Finanzwende nicht gelten lassen, denn „niemand zwingt Fondsgesellschaften, diese Investitionen als ‚grün‘ oder ‚nachhaltig‘ zu klassifizieren“.

Insgesamt habe das Greenwashing vermeintlich nachhaltiger Fonds in Reaktion auf Tech-Flaute , Ukrainekrieg und Energiekrise zugenommen. Die untersuchten Aktienportfolios seien zwischen Ende Dezember 2021 und Ende März 2022 um 7,9% CO2-intensiver geworden. (mki)

Weitere Informationen zu der Studie gibt es hier.

Bild: © Franco Tognarini – stock.adobe.com; Grafik: © Finanzwende Recherche gGmbH

 

Infrastrukturanlagen als „Inflation-Hedge“

Der Nachholbedarf bei der Infrastruktur ist groß. Brücken, Straßen, Bahnstrecken, Netze – die Liste könnte den gesamten Beitrag füllen. Fakt ist: Viele Staaten erhöhen ihre Ausgaben massiv. Das treibt das Wachstum der Vermögensbasis von Infrastrukturunternehmen an. Welche Chancen bieten sich hier für Anleger?

<h5>Ein Artikel von Peter Gorynski, Director Sales Retail für Deutschland bei Franklin Templeton</h5><p>Totgesagte leben länger – die Inflation und drastisch steigende Rohstoffpreise haben sich mit Wucht zurückgemeldet. Die gute Nachricht für Anleger gleich vorweg: Infrastruktur ist gegen erhöhte Inflation nur wenig anfällig. Doch woher kommt diese „Teflon-­Beschichtung“ des Segments? </p><p>Was für die einen ein Fluch ist, ist für die anderen ein Segen. Während viele Unternehmen steigende Preise nicht ohne Auswirkung auf die Nachfrage weitergeben können (Nachfrageelastizität), werden Grunddienstleistungen unabhängig von der Konjunktur oder einer Rezession nachgefragt – und dies selbst bei steigenden Preisen. So ist unser Verbrauch von Wasser, Strom und Wärmeenergie relativ konstant, anders als bei Luxuskonsumgütern, beim Urlaub oder bei anderen verzichtbaren Produkten und Dienstleistungen. Hier hängt die Nachfrage stark von der Stimmung der Konsumenten ab, und die steht natürlich in Zusammenhang mit der Konjunktur.</p><p>Und ein zweiter Grund, weshalb die Anlageklasse ein guter Infla­tionsschutz ist: Bei vom Nutzer bezahlten Anlagen gibt es meist langfristige Verträge und wenig Mengenrisiko. Die Preise sind vertraglich festgelegt, doch oft können sie an kurzfristige Inflationsbewegungen angepasst werden, ganz oder zumindest teilweise.</p><h5>Energiesicherheit erfordert neue Infrastrukturprojekte</h5><p>Franklin Templeton ist der Ansicht, dass Infrastrukturanlagen 2023 von mehreren makroökonomischen Faktoren profitieren werden. Erstens ist die Sicherheit der Energieversorgung weltweit derzeit der vorrangige Faktor bei politischen Entscheidungen. Um diese Sicherheit zu erreichen, müssen umfangreiche Infrastrukturprojekte umgesetzt werden. Die hohen Gaspreise und die Versorgungsengpässe durch den Angriffskrieg Russlands haben die Bedeutung von Energie­sicherheit und Energieinvestitionen aufgezeigt. Das begünstigt die Energieinfrastruktur, insbesondere in Europa, wo zusätzliche Kapazität erforderlich ist, um die russischen Öl- und Gaslieferungen zu ersetzen, sowie in den USA, wo – teilweise zur Deckung der zusätzlichen Nachfrage aus Europa – neue Vorkommen erschlossen werden.</p><h5>Verkehr und Kommunikation profitieren ebenfalls</h5><p>Auch im Verkehrsbereich steigt die Nachfrage nach neuer Infrastruktur. Grund dafür sind die sich ändernden Handelsrouten und Anpassungen der Lieferketten. Diese werden vorgenommen, um die Produktion wieder ins nähere Umfeld zu holen, sei es durch ihre Verlagerung ins Inland oder in die Region. Die Flughäfen haben immer noch Schwierigkeiten, an die Fluggastzahlen aus der Zeit vor der Pandemie anzuschließen, und dürften durch eine globale Rezession im Jahr 2023 einen weiteren Dämpfer erhalten. Außerdem zeigen die langfristigen Trends etwa für Geschäftsreisen, dass die Branche vor Herausforderungen steht. Im Bereich Kommunikationsinfrastruktur wird das 5G-Netz weiter ausgebaut, die 6G-Technologie entwickelt und daran gearbeitet, die Netzwerklatenz zu reduzieren. Dazu werden erhebliche Investitionen in Mobilfunkmasten-Unternehmen getätigt, in der Regel im Rahmen langfristiger inflations­gebundener Verträge. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Inflation Reduction Act bringt Rückenwind für Energieversorger & Co.--><h5>Inflation Reduction Act bringt Rückenwind für Energieversorger & Co.</h5><p>Werfen wir nun einen Blick auf die US-Haushaltspolitik: Der Inflation Reduction Act (IRA), der im August 2022 verabschiedet wurde, ist eine der bedeutendsten Errungenschaften der Klimagesetzgebung in der Geschichte der USA. Das Gesetzespaket wird Franklin Templeton zufolge ganze Branchen grundlegend verändern, insbesondere den Versorgungssektor und den Bereich erneuerbare Energien. Angesichts der zunehmend drängender werdenden Elektri­fizierung – mit mehr Ladeinfrastruktur für Elektroautos und mehr Solaranlagen auf den Dächern von Wohnhäusern und kleineren Gewerbeimmobilien – sind neue Umspannwerke, neue Transformatoren und verbesserte Leitungen für die Verteilnetze erforderlich. Dies hat sich bereits in den Investitionsplänen der Versorger für 2023 niedergeschlagen, ebenso wie in den Auftragsbüchern von Unternehmen, die an der Energiewende beteiligt sind. Unternehmen, deren Wachstumsprofil sich dadurch verbessert, sind zum Beispiel Anbieter von erneuerbaren Energieträgern, Energiespeichern und Bauteilen.</p><p>Eine wichtige makroökonomische Botschaft des IRA lautet: Alles spricht dafür, von nun an nur noch erneuerbare Energien auszubauen. Der Hauptgrund? Steuervorteile. Steuervergünstigungen für die Produktion von Solar- und Windenergieanlagen können bis 2032 oder bis zum Erreichen einer 75-prozentigen Verringerung der Treibhaus­gase – auf Grundlage der Zahlen von 2022 – angenommen werden. In jedem Fall ergibt sich daraus ein Rückenwind für Investitionen, der noch weit über ein Jahrzehnt anhalten wird. </p><p>US-Präsident Joe Biden will die Emissionen in den USA bis 2030 um 50% senken. Bis 2050 soll etwa die Hälfte des US-Stroms aus Solaranlagen stammen. Bis 2030 müssen fast 320 Mrd. US-Dollar in die Infrastruktur der Stromübertragung investiert werden, um die Nettoemissionen bis 2050 auf null zu reduzieren. Der dringende Bedarf an Infrastrukturausgaben bildet die Grundlage für das Wachstum im nächsten Jahrzehnt und darüber hinaus, und die ersten Schritte zum Erreichen dieser langfristigen Ziele werden jetzt unternommen.</p><h5>Infrastrukturunternehmen bieten Diversifikationsvorteile</h5><p>Die Marktunsicherheiten sind groß, aber Anleger sollten dennoch der Börse nicht den Rücken kehren, sondern bei Unternehmen, in die sie investieren, auf hohe Verlässlichkeit und Widerstandsfähigkeit der Einnahmen, Cashflows und Dividenden achten. Gelistete Infrastrukturunternehmen bieten einen „Inflation-Hedge“, da steigende Preise zu steigenden Erträgen führen können. Sie sind konjunkturunabhängiger als Unternehmen aus anderen Sektoren und, da es sich um notwendige Dienstleistungen handelt, auch in Krisenzeiten nachgefragt. Nicht zuletzt bieten Infrastrukturunternehmen Diversifikationsvorteile im Portfolio. Sie sind handfeste Vermögenswerte, die aufgrund der immensen Fördertöpfe von Regierungen über einen sehr langen Zeitraum sehr viel Geld verdienen werden.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 46 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Artinun – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/A4E71E33-9C31-4706-B7D7-F9D56C286C71"></div>

 
Ein Artikel von
Peter Gorynski

Finanzwissen um Kosten bei Geldanlage „unterirdisch“

Beim Thema Geldanlage wissen deutsche Sparer kaum etwas über vermeidbare Kosten, wie eine Studie der Gesellschaft für Konsumforschung zeigt. Demnach würden deutsche Sparer bei der Geldanlage „Milliarden“ verschenken.

Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), eines der größten Marktforschungsinstitute der Branche, hat im Auftrag des Finanzdienstleisters Rentablo eine repräsentative Studie zum Wissensstand deutscher Sparer über anfallende Kosten bei der Geldanlage durchgeführt. Befragt wurden Ende Januar 2023 1.003 Personen zwischen 18 und 74 Jahren, die rund 60 Millionen Bundesbürger in dieser Altersspanne repräsentieren.

Die Studienergebnisse zeigen, dass die Kenntnisse deutscher Sparer beim Thema Anlagekosten sehr zu wünschen übrig lassen – und sie sich dementsprechend einiges an Geld sparen könnten.

Schon Unkenntnis bei Zusatzkosten eines Girokontos

Zwar kennen 86% der Befragten noch die monatlichen Kosten ihres Girokontos. Doch es herrscht offenbar schon Unkenntnis bei den sonstigen Gebühren eines Girokontos, z. B. für Barabhebungen oder den SMS-Versand beim Online-Banking. Dort gaben laut Gfk nur noch 28% an, die Kosten in etwa zu kennen. Die laufenden Kosten einer eigenen Immobilie waren laut Umfrage ebenfalls noch etwa jedem Vierten (26,8%) vertraut, die einmaligen Kosten beim Immobilienkauf jedem Fünften (20,5%).

Beim Wertpapierdepot allerdings geht das Wissen deutlich runter: Die laufenden Gebühren kannten 15,6%, die Transaktionskosten etwa beim Aktienkauf nur noch 13,4%. Die Abschlusskosten eines Bausparvertrags kann etwa jeder Zehnte einordnen (11,2%).

Lebensversicherungen und Investmentfonds sind die großen Unbekannten

Ansonsten sei das Finanzwissen rund um die Kosten der Geldanlage, wie es Rentablo in seiner Mitteilung zur Untersuchung schreibt, „geradezu unterirdisch“. Die Abschlussprovisionen von Lebensversicherungen (7,2%) und Rentenversicherungen (6,2%) kenne nach eigener Einschätzung nicht einmal jeder Zehnte – und das, obwohl statistisch jeder Bundesbürger mindestens eine Lebens- oder Rentenversicherung habe.

Finanzwissen um Kosten bei Geldanlage „unterirdisch“

Bei der Kenntnis von Abschlussprovisionen (9,1%) und Bestandsprovisionen (7,6%) für Investmentfonds sieht es der Studie zufolge kaum besser aus. Laut Studieninitiator André Rabenstein von Rentablo könnten Fondssparer diese Kosten besonders einfach vermeiden und so ihre Rendite verbessern. Bei einem guten Fondsdiscounter könne man 100% Rabatt auf die Abschlussprovisionen bekommen und einen guten Teil der Bestandsprovisionen erstattet bekommen. Dies sei auch bei bereits gekauften Fondsanteilen möglich.

Bestandsprovision Fonds: 6 Mrd. Euro jedes Jahr

Derzeit haben die Privatanleger in Deutschland rund 1 Bio. Euro in gemanagten Fonds angelegt, meldet Rentablo. Der überwiegende Teil davon liege in Aktien- und Mischfonds. Bei einer durchschnittlichen Bestandsprovision von 0,56% ergebe dies rund 6 Mrd. Euro, die aktuell Jahr für Jahr an klassische Fondsvermittler wie Banken und Sparkassen fließen würden. Durch einmalige Abschlusskosten bei Fonds kommen pro Jahr laut Rentablo mindestens weitere 3 Mrd. Euro Kosten hinzu, die sich via Fondsdiscounter vermeiden lassen.

Nennenswert ist, dass bei Jüngeren (bis 29 Jahren) die Kenntnis der Fondskosten laut Befragung einige Prozentpunkte höher ist (11,5% und 12,3%).

Männer nach eigener Einschätzung besser informiert

Generell seien laut GfK-Studie Männer besser informiert – allerdings „nur“ nach ihrer eigenen Einschätzung. Selbstständige und Personen mit höherem Nettoeinkommen (ab 3.000 Euro im Monat) erklärten ebenfalls überdurchschnittlich oft, die Kosten der Finanzprodukte zu kennen.

Dass Frauen bei den Kosten unsicherer sind, ziehe sich durch die gesamte Studie, so Rabenstein. Der Grund hierfür könnte allerdings auch darin liegen, dass Frauen ihre eigenen Kenntnisse vorsichtiger einschätzen. Er rät zu mehr Finanzbildung. Wenn man sparen möchte, sollte man schon bei den Kosten der Geldanlage damit beginnen. Denn: „Ein gesparter Kosten-Euro ist genauso viel wert wie ein Rendite-Euro“, sagt der Rentablo-CEO. (mki)

Bild: © ra2 studio – stock.adobe.com

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Union Investment zieht Bilanz zum Geschäftsjahr 2022

Trotz des schwierigen Marktumfelds hat die Fondsgesellschaft Union Investment das Geschäftsjahr 2022 nach eigener Aussage „gut gemeistert“. Insgesamt habe man zwar nicht an das Erfolgsjahr 2021 anknüpfen können, die Umsatzzahlen lagen aber durchgehend über denen von 2020.

<p>Die Frankfurter Fondsgesellschaft Union Investment informiert in einer Unternehmensmeldung über ihr Geschäftsjahr 2022. Vor allem sei dies durch die rasche Zinswende aufgrund der hohen Inflation gekennzeichnet gewesen. Das Unternehmen habe das Jahr aber trotz des schwierigen Marktumfelds „gut gemeistert“. Der Nettoabsatz konnte zwar keineswegs an das Ausnahmejahr 2021 (damals betrug der Nettoabsatz 40,5 Mrd. Euro) anknüpfen, lag mit 17,5 Mrd. Euro jedoch über dem des Jahres 2020, als die Pandemie ausbrach (15,1 Mrd. Euro).</p><p>Das verwaltete Vermögen belief sich Ende letzten Jahres auf 413,1 Mrd. Euro (2021: 454,1 Mrd. Euro; 2020: 385,9 Mrd. Euro), während das Ergebnis vor Steuern mit 694 Mio. Euro das zweitbeste in der Unternehmensgeschichte ist, so Union Investment. Besser lief lediglich 2021 mit 1,235 Mrd. Euro. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Hans Joachim Reinke konnte man deutliche Zuflüsse und ein „robustes Neugeschäft“ verbuchen.</p><h5>Sparer gewöhnen sich an Krisen?</h5><p>Das Neugeschäft mit Privatkunden habe 2022 mit 10,7 Mrd. Euro (2021: 19,7 Mrd. Euro; 2020: 8,8 Mrd. Euro) den „Löwenanteil“ zum Absatz beigetragen, heißt es von Union Investment. Dies war zugleich der zweithöchste Nettozufluss im Privatkundengeschäft in der Unternehmensgeschichte. Der verwaltete Bestand privater Gelder belief sich auf 190,3 Mrd. Euro (2021: 209,0 Mrd. Euro; 2020: 173,8 Mrd. Euro).</p><p>„Unsere Wahrnehmung ist, dass private Anleger mit jeder Krise besonnener und resilienter werden“, kommentiert Reinke die Entwicklungen im Anlegergeschäft mit privaten Fondskunden. Die Zahl dieser konnte im letzten Jahr um 100.000 auf 5,8 Millionen ausgebaut werden.</p><h5>Hier wurde das meiste Geld angelegt</h5><p>Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses standen erneut Substanzwerte. So flossen Aktienfonds 6,7 Mrd. Euro netto zu – 0,3 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr, aber 2,9 Mrd. Euro mehr als 2020. Mischfonds verbuchten ein Neugeschäft von 2,6 Mrd. Euro (2021: 10,5 Mrd. Euro; 2020: 4,1 Mrd. Euro), und in Offene Immobilienfonds wurden 1,9 Mrd. Euro investiert – ein Minus von 0,3 Mrd. Euro zu 2021 bzw. 0,2 Mrd. Euro zu 2020. Während sich bei Rentenfonds Zu- und Abflüsse die Waage hielten, flossen aus Geldmarktfonds und wertgesicherten Produkten Mittel ab.</p><p>Stark nachgefragt wurden weiterhin nachhaltige Produkte. Allein im Privatkundengeschäft floss auch 2022 mehr als jeder zweite neu angelegte Euro in Fondslösungen nach Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung. Die Bestände in diesen Produkten beliefen der Mitteilung von Union Investment zufolge auf 122,3 Mrd. Euro.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Sparpläne bleiben beliebt--><h5>Sparpläne bleiben beliebt</h5><p>„Tragende Säule“ des Neugeschäfts sind einmal mehr die klassischen Fondssparpläne. So wuchsen die Zuflüsse aus regelmäßigen Zahlungen im Jahr 2022 auf 7,8 Mrd. Euro an. Hier lag der Wert sogar höher als 2021 (7,1 Mrd. Euro). 2020 waren es 5,6 Mrd. Euro. Mit den klassischen Sparplänen, den Riester-Sparplänen und dem VL-Sparen verwaltet Union Investment insgesamt 6,4 Millionen Fondssparpläne, 0,1 Millionen mehr als 2021 und 0,7 Millionen mehr als 2020.</p><h5>Neugeschäft bei institutionellen Kunden stieg im Lauf des Jahres an</h5><p>Bei rentenlastigen Portfolios institutioneller Kunden führte die Zinswende zu einem großen Handlungsbedarf, so Union Investment. Die höheren Zinsen belasteten zum einen die bilanziellen Bewertungen und die Risikobudgets. Außerdem benötigten einzelne Unternehmen krisenbedingt Liquidität und lösten dafür Positionen insbesondere im ersten Halbjahr 2022 auf. Ab der zweiten Jahreshälfte aber ging das Neugeschäft „spürbar“ nach oben. So investierten institutionelle Kunden hauptsächlich im Zuge der Zinswende wieder in Rentenwerte oder setzten auf Alternative Investments sowie Immobilien, um ihre Portfolios breiter aufzustellen. Insgesamt habe der Nettoabsatz mit institutionellen Kunden 2022 bei 6,8 Mrd. Euro gelegen. 2021 waren es satte 20,8 Mrd. Euro und 2020 6,3 Mrd. Euro. Der Bestand an institutionellen Geldern betrug zum Jahresende 222,8 Mrd. Euro (2021: 245,1 Mrd. Euro; 2020: 212,1 Mrd. Euro).</p><p>Alles in Allem werde der Kundenbedarf institutioneller Anleger immer individueller, erläutert Reinke. Ein Beleg dafür sei das unverändert starke Interesse an Spezialfonds. Dort seien in den vergangenen zwölf Monaten netto 12,7 Mrd. Euro an neuen Geldern zugeflossen. Aus institutionellen Publikumsfonds seien dagegen 5,0 Mrd. Euro abgezogen worden. (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Union Investment</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/CC1DFDC8-6DCE-4550-A4BE-80C4A17C9D38"></div>

 

Robert Halver: „Das Strohfeuer geht naturgemäß nicht so weiter“

Der Deutsche Aktienindex hat zum Anfang des Jahres nur so vor Energie gestrotzt. Gerade am europäischen Aktienmarkt gab es einen frischen Aufwind – trotz der wiederholten Leitzinserhöhungen. AssCompact hat sich bei Robert Halver, Marktanalyst bei der Baader Bank, zur aktuellen Lage an der Börse erkundigt.

Interview mit Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG
Herr Halver, ganz simpel gefragt: Der DAX boomt derzeit. In den ersten zwei Januarwochen hatte er seinen besten Jahresstart der Geschichte. Woran liegt’s?

Wir haben es mit massiven Nachholeffekten zu tun. 2022 war noch tiefe Trauer angesagt. Aber mit der Wiederöffnung von China als systemrelevant für die Weltwirtschaft bekommen deutsche konjunkturabhängige Aktien wieder Wind unter ihre Flügel. Und die Marktkapitalisierung lag ja bei vielen Titeln sogar in der Nähe der Substanzbewertung. Insbesondere US-Anleger haben sich auf unsere Industrieperlen gestürzt.

Wird der Aufwind am deutschen Aktienmarkt trotz Zinserhöhungen und Inflationssorgen weitergehen?

Das Strohfeuer geht naturgemäß nicht so weiter. Wenn die Anlagewelt in unseren deutschen Aktien investiert ist, wird es ruhiger. Zukünftig wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Die einfachen Gewinne sind sozusagen gemacht. Jetzt klopfen die Anleger die Aktien auf fundamentale Substanz ab: „Nur die Harten kommen in den Garten." Und wenn diese stimmt und sich die allgemeine Wirtschaftslage nach derzeit vielversprechenden Frühindikatoren weiter stabilisiert, muss man sich um diese Werte keine Sorgen machen. Ich mag insbesondere die Ausrüstungsunternehmen. Denn in den letzten drei Jahren ist wegen Corona-Lockdown und Kriegsangst kaum investiert worden. Auf vorübergehende Konsolidierungen speziell im ersten Halbjahr muss man sich aber einstellen. Denn die Konjunkturerholung ist kein Schweinsgalopp.

Nach der Erhöhung des Leitzinses vonseiten der EZB und der Fed Anfang Februar machten DAX, Dow Jones und Nasdaq einen gehörigen Sprung nach oben. In der Regel aber sind Zinsanhebungen doch Gift für die Aktienmärkte. Wie also kommt diese Kursbewegung zustande?

Die Finanzmärkte erwarten, dass die Fed im Sommer mit der Zinserhöhungswelle durch ist. Die amerikanischen Notenbanker sprechen zwar hart im Ton von Inflationsbekämpfung, werden aber Milde im Handeln an den Tag legen. Denn Auftragskiller der US-Wirtschaft, die staatlich und privat mit biblischer Überschuldung zu kämpfen hat und insofern keine zu harte Zinspolitik verträgt, sind sie nicht. Worte sind also nicht Taten. Worte sollen aber die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer, also der Unternehmen und Konsumenten, mäßigen, damit die US-Notenbank weniger stark erhöhen muss. Natürlich könnte man die Inflation zinspolitisch auf 2% drücken. Doch fällt Amerika in eine tiefe Rezession.

Die EZB zögert derzeit nicht mit Zinsschritten nach oben. Wie wird sich das mittelfristig auf den europäischen Aktienmarkt auswirken?

Die EZB ist viel zu taubenhaft gewesen, ist viel zu spät auf den Zinserhöhungszug zur Bekämpfung der Inflation aufgesprungen. Das holt sie jetzt nach, indem sie ihr Falkenkostüm anzieht. Die Aktienmärkte sind froh, dass die EZB Inflation bekämpft wird. Denn sie frisst ja Kaufkraft und damit Wirtschaftswachstum auf. Aber aufgrund der Kraft des Faktischen – Überschuldung, immense Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Verteidigung und Klimaschutz – wissen sie auch, dass sie nicht zur Bundesbank 2.0 werden. Von daher wird sie trotz noch fortgesetzter Zinserhöhungen aber darauf achten, dass weder Leitzinsen noch Anleiherenditen real positiv werden. Denn dann kann die Inflation die für die gewaltigen Zukunftsaufgaben zu stemmenden Neuschulden der Euro-Länder nicht mehr künstlich auffressen.

Beim Blick in die USA ist also bei der Fed langsam ein Zurückschalten beim Zinserhöhungstempo zu erkennen. Was bedeutet das für die Aktienmärkte hüben wie drüben des Atlantiks?

Der Zins ist aus meiner Sicht entscheidender für die Aktien als die Konjunktur. Denn Zinspapiere sind die große alternative Anlageklasse zu Aktien. Und dabei ist die US-Notenbank grundsätzlich die „Mutter aller geldpolitischen Schlachten“. Was sie tut, hat weltweit immense Wirkung, auch in Europa. Zwar erwarten die Finanzmärkte, dass die Fed angesichts des noch eher nur zähen Inflationsrückgangs etwas länger als bislang gedacht restriktiv bleibt und zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte auf dann 5,25% durchführt. Dennoch ist das Ende der US-Zinswende absehbar. Vor allem aber wird die Zinssenkungsfantasie ab 2024 den Aktienmärkten guttun. Wenn die Zinsangst geht, kommen die Aktien.

Wann ist denn aus Ihrer Sicht eigentlich Schluss mit den Zinserhöhungen bei EZB und Fed?

Ich erwarte, dass die Fed vor der Sommerpause 2023 den Leitzinszenit erreicht. Die EZB wird diesen Zeitpunkt nach der Sommerpause erreichen.

Laut dem Deutschen Aktieninstitut gibt es derzeit so viele Aktionäre wie noch nie. Ein Mangel an Alternativen – oder steckt mehr dahinter?

Ich bin regelrecht glücklich, dass die junge Generation sich immer mehr für Aktien erwärmt. Sie begreifen, dass das klassische Zinssparen in Festgeldern oder deutschen Staatspapieren in Anbetracht nach Inflation negativer Renditen keine alternativlose Anlageform mehr ist. Aber um einen breiten, sozusagen „Volkskapitalismus“ zu erreichen, wobei große Bevölkerungsschichten in Aktien regelmäßig ansparen, muss der Staat nachhelfen. Dabei geht es nicht um läppische Erhöhungen der Sparerfreibeträge, sondern ein Anlagekonzept, das aktienbasiertes Sparen aus dem Steuer-Brutto fördert und dessen Erträge auch später steuerfrei bleiben. Wie will man ansonsten der drohenden Altersarmut entgehen? Der Sozialstaat Schweden hat es längst vorgemacht. Die deutsche Politik sollte ihre Scheuklappen endlich ablegen und statt ideologischem Gesundbeten der Rentenversicherung eine Altersvorsorge begünstigen, die den Namen verdient.

Bild: © Robert Halver bzw. © Smart Future – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Robert Halver