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Union Investment zieht Bilanz zum Geschäftsjahr 2022

Trotz des schwierigen Marktumfelds hat die Fondsgesellschaft Union Investment das Geschäftsjahr 2022 nach eigener Aussage „gut gemeistert“. Insgesamt habe man zwar nicht an das Erfolgsjahr 2021 anknüpfen können, die Umsatzzahlen lagen aber durchgehend über denen von 2020.

<p>Die Frankfurter Fondsgesellschaft Union Investment informiert in einer Unternehmensmeldung über ihr Geschäftsjahr 2022. Vor allem sei dies durch die rasche Zinswende aufgrund der hohen Inflation gekennzeichnet gewesen. Das Unternehmen habe das Jahr aber trotz des schwierigen Marktumfelds „gut gemeistert“. Der Nettoabsatz konnte zwar keineswegs an das Ausnahmejahr 2021 (damals betrug der Nettoabsatz 40,5 Mrd. Euro) anknüpfen, lag mit 17,5 Mrd. Euro jedoch über dem des Jahres 2020, als die Pandemie ausbrach (15,1 Mrd. Euro).</p><p>Das verwaltete Vermögen belief sich Ende letzten Jahres auf 413,1 Mrd. Euro (2021: 454,1 Mrd. Euro; 2020: 385,9 Mrd. Euro), während das Ergebnis vor Steuern mit 694 Mio. Euro das zweitbeste in der Unternehmensgeschichte ist, so Union Investment. Besser lief lediglich 2021 mit 1,235 Mrd. Euro. Laut dem Vorstandsvorsitzenden Hans Joachim Reinke konnte man deutliche Zuflüsse und ein „robustes Neugeschäft“ verbuchen.</p><h5>Sparer gewöhnen sich an Krisen?</h5><p>Das Neugeschäft mit Privatkunden habe 2022 mit 10,7 Mrd. Euro (2021: 19,7 Mrd. Euro; 2020: 8,8 Mrd. Euro) den „Löwenanteil“ zum Absatz beigetragen, heißt es von Union Investment. Dies war zugleich der zweithöchste Nettozufluss im Privatkundengeschäft in der Unternehmensgeschichte. Der verwaltete Bestand privater Gelder belief sich auf 190,3 Mrd. Euro (2021: 209,0 Mrd. Euro; 2020: 173,8 Mrd. Euro).</p><p>„Unsere Wahrnehmung ist, dass private Anleger mit jeder Krise besonnener und resilienter werden“, kommentiert Reinke die Entwicklungen im Anlegergeschäft mit privaten Fondskunden. Die Zahl dieser konnte im letzten Jahr um 100.000 auf 5,8 Millionen ausgebaut werden.</p><h5>Hier wurde das meiste Geld angelegt</h5><p>Im Mittelpunkt des Anlegerinteresses standen erneut Substanzwerte. So flossen Aktienfonds 6,7 Mrd. Euro netto zu – 0,3 Mrd. Euro weniger als im Vorjahr, aber 2,9 Mrd. Euro mehr als 2020. Mischfonds verbuchten ein Neugeschäft von 2,6 Mrd. Euro (2021: 10,5 Mrd. Euro; 2020: 4,1 Mrd. Euro), und in Offene Immobilienfonds wurden 1,9 Mrd. Euro investiert – ein Minus von 0,3 Mrd. Euro zu 2021 bzw. 0,2 Mrd. Euro zu 2020. Während sich bei Rentenfonds Zu- und Abflüsse die Waage hielten, flossen aus Geldmarktfonds und wertgesicherten Produkten Mittel ab.</p><p>Stark nachgefragt wurden weiterhin nachhaltige Produkte. Allein im Privatkundengeschäft floss auch 2022 mehr als jeder zweite neu angelegte Euro in Fondslösungen nach Artikel 8 und 9 der Offenlegungsverordnung. Die Bestände in diesen Produkten beliefen der Mitteilung von Union Investment zufolge auf 122,3 Mrd. Euro.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Sparpläne bleiben beliebt--><h5>Sparpläne bleiben beliebt</h5><p>„Tragende Säule“ des Neugeschäfts sind einmal mehr die klassischen Fondssparpläne. So wuchsen die Zuflüsse aus regelmäßigen Zahlungen im Jahr 2022 auf 7,8 Mrd. Euro an. Hier lag der Wert sogar höher als 2021 (7,1 Mrd. Euro). 2020 waren es 5,6 Mrd. Euro. Mit den klassischen Sparplänen, den Riester-Sparplänen und dem VL-Sparen verwaltet Union Investment insgesamt 6,4 Millionen Fondssparpläne, 0,1 Millionen mehr als 2021 und 0,7 Millionen mehr als 2020.</p><h5>Neugeschäft bei institutionellen Kunden stieg im Lauf des Jahres an</h5><p>Bei rentenlastigen Portfolios institutioneller Kunden führte die Zinswende zu einem großen Handlungsbedarf, so Union Investment. Die höheren Zinsen belasteten zum einen die bilanziellen Bewertungen und die Risikobudgets. Außerdem benötigten einzelne Unternehmen krisenbedingt Liquidität und lösten dafür Positionen insbesondere im ersten Halbjahr 2022 auf. Ab der zweiten Jahreshälfte aber ging das Neugeschäft „spürbar“ nach oben. So investierten institutionelle Kunden hauptsächlich im Zuge der Zinswende wieder in Rentenwerte oder setzten auf Alternative Investments sowie Immobilien, um ihre Portfolios breiter aufzustellen. Insgesamt habe der Nettoabsatz mit institutionellen Kunden 2022 bei 6,8 Mrd. Euro gelegen. 2021 waren es satte 20,8 Mrd. Euro und 2020 6,3 Mrd. Euro. Der Bestand an institutionellen Geldern betrug zum Jahresende 222,8 Mrd. Euro (2021: 245,1 Mrd. Euro; 2020: 212,1 Mrd. Euro).</p><p>Alles in Allem werde der Kundenbedarf institutioneller Anleger immer individueller, erläutert Reinke. Ein Beleg dafür sei das unverändert starke Interesse an Spezialfonds. Dort seien in den vergangenen zwölf Monaten netto 12,7 Mrd. Euro an neuen Geldern zugeflossen. Aus institutionellen Publikumsfonds seien dagegen 5,0 Mrd. Euro abgezogen worden. (mki)</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Union Investment</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/CC1DFDC8-6DCE-4550-A4BE-80C4A17C9D38"></div>

 

Robert Halver: „Das Strohfeuer geht naturgemäß nicht so weiter“

Der Deutsche Aktienindex hat zum Anfang des Jahres nur so vor Energie gestrotzt. Gerade am europäischen Aktienmarkt gab es einen frischen Aufwind – trotz der wiederholten Leitzinserhöhungen. AssCompact hat sich bei Robert Halver, Marktanalyst bei der Baader Bank, zur aktuellen Lage an der Börse erkundigt.

Interview mit Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank AG
Herr Halver, ganz simpel gefragt: Der DAX boomt derzeit. In den ersten zwei Januarwochen hatte er seinen besten Jahresstart der Geschichte. Woran liegt’s?

Wir haben es mit massiven Nachholeffekten zu tun. 2022 war noch tiefe Trauer angesagt. Aber mit der Wiederöffnung von China als systemrelevant für die Weltwirtschaft bekommen deutsche konjunkturabhängige Aktien wieder Wind unter ihre Flügel. Und die Marktkapitalisierung lag ja bei vielen Titeln sogar in der Nähe der Substanzbewertung. Insbesondere US-Anleger haben sich auf unsere Industrieperlen gestürzt.

Wird der Aufwind am deutschen Aktienmarkt trotz Zinserhöhungen und Inflationssorgen weitergehen?

Das Strohfeuer geht naturgemäß nicht so weiter. Wenn die Anlagewelt in unseren deutschen Aktien investiert ist, wird es ruhiger. Zukünftig wird sich die Spreu vom Weizen trennen. Die einfachen Gewinne sind sozusagen gemacht. Jetzt klopfen die Anleger die Aktien auf fundamentale Substanz ab: „Nur die Harten kommen in den Garten." Und wenn diese stimmt und sich die allgemeine Wirtschaftslage nach derzeit vielversprechenden Frühindikatoren weiter stabilisiert, muss man sich um diese Werte keine Sorgen machen. Ich mag insbesondere die Ausrüstungsunternehmen. Denn in den letzten drei Jahren ist wegen Corona-Lockdown und Kriegsangst kaum investiert worden. Auf vorübergehende Konsolidierungen speziell im ersten Halbjahr muss man sich aber einstellen. Denn die Konjunkturerholung ist kein Schweinsgalopp.

Nach der Erhöhung des Leitzinses vonseiten der EZB und der Fed Anfang Februar machten DAX, Dow Jones und Nasdaq einen gehörigen Sprung nach oben. In der Regel aber sind Zinsanhebungen doch Gift für die Aktienmärkte. Wie also kommt diese Kursbewegung zustande?

Die Finanzmärkte erwarten, dass die Fed im Sommer mit der Zinserhöhungswelle durch ist. Die amerikanischen Notenbanker sprechen zwar hart im Ton von Inflationsbekämpfung, werden aber Milde im Handeln an den Tag legen. Denn Auftragskiller der US-Wirtschaft, die staatlich und privat mit biblischer Überschuldung zu kämpfen hat und insofern keine zu harte Zinspolitik verträgt, sind sie nicht. Worte sind also nicht Taten. Worte sollen aber die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer, also der Unternehmen und Konsumenten, mäßigen, damit die US-Notenbank weniger stark erhöhen muss. Natürlich könnte man die Inflation zinspolitisch auf 2% drücken. Doch fällt Amerika in eine tiefe Rezession.

Die EZB zögert derzeit nicht mit Zinsschritten nach oben. Wie wird sich das mittelfristig auf den europäischen Aktienmarkt auswirken?

Die EZB ist viel zu taubenhaft gewesen, ist viel zu spät auf den Zinserhöhungszug zur Bekämpfung der Inflation aufgesprungen. Das holt sie jetzt nach, indem sie ihr Falkenkostüm anzieht. Die Aktienmärkte sind froh, dass die EZB Inflation bekämpft wird. Denn sie frisst ja Kaufkraft und damit Wirtschaftswachstum auf. Aber aufgrund der Kraft des Faktischen – Überschuldung, immense Investitionen in Infrastruktur, Digitalisierung, Verteidigung und Klimaschutz – wissen sie auch, dass sie nicht zur Bundesbank 2.0 werden. Von daher wird sie trotz noch fortgesetzter Zinserhöhungen aber darauf achten, dass weder Leitzinsen noch Anleiherenditen real positiv werden. Denn dann kann die Inflation die für die gewaltigen Zukunftsaufgaben zu stemmenden Neuschulden der Euro-Länder nicht mehr künstlich auffressen.

Beim Blick in die USA ist also bei der Fed langsam ein Zurückschalten beim Zinserhöhungstempo zu erkennen. Was bedeutet das für die Aktienmärkte hüben wie drüben des Atlantiks?

Der Zins ist aus meiner Sicht entscheidender für die Aktien als die Konjunktur. Denn Zinspapiere sind die große alternative Anlageklasse zu Aktien. Und dabei ist die US-Notenbank grundsätzlich die „Mutter aller geldpolitischen Schlachten“. Was sie tut, hat weltweit immense Wirkung, auch in Europa. Zwar erwarten die Finanzmärkte, dass die Fed angesichts des noch eher nur zähen Inflationsrückgangs etwas länger als bislang gedacht restriktiv bleibt und zwei weitere Zinserhöhungen um jeweils 25 Basispunkte auf dann 5,25% durchführt. Dennoch ist das Ende der US-Zinswende absehbar. Vor allem aber wird die Zinssenkungsfantasie ab 2024 den Aktienmärkten guttun. Wenn die Zinsangst geht, kommen die Aktien.

Wann ist denn aus Ihrer Sicht eigentlich Schluss mit den Zinserhöhungen bei EZB und Fed?

Ich erwarte, dass die Fed vor der Sommerpause 2023 den Leitzinszenit erreicht. Die EZB wird diesen Zeitpunkt nach der Sommerpause erreichen.

Laut dem Deutschen Aktieninstitut gibt es derzeit so viele Aktionäre wie noch nie. Ein Mangel an Alternativen – oder steckt mehr dahinter?

Ich bin regelrecht glücklich, dass die junge Generation sich immer mehr für Aktien erwärmt. Sie begreifen, dass das klassische Zinssparen in Festgeldern oder deutschen Staatspapieren in Anbetracht nach Inflation negativer Renditen keine alternativlose Anlageform mehr ist. Aber um einen breiten, sozusagen „Volkskapitalismus“ zu erreichen, wobei große Bevölkerungsschichten in Aktien regelmäßig ansparen, muss der Staat nachhelfen. Dabei geht es nicht um läppische Erhöhungen der Sparerfreibeträge, sondern ein Anlagekonzept, das aktienbasiertes Sparen aus dem Steuer-Brutto fördert und dessen Erträge auch später steuerfrei bleiben. Wie will man ansonsten der drohenden Altersarmut entgehen? Der Sozialstaat Schweden hat es längst vorgemacht. Die deutsche Politik sollte ihre Scheuklappen endlich ablegen und statt ideologischem Gesundbeten der Rentenversicherung eine Altersvorsorge begünstigen, die den Namen verdient.

Bild: © Robert Halver bzw. © Smart Future – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Robert Halver

„Mischfonds aus Aktien und Mikrofinanz gibt es so noch nicht“

Impact-Fonds erzielen eine nachvollziehbare positive Wirkung für Natur und Gesellschaft. Ein auf Nachhaltigkeit spezialisiertes Maklerhaus hat den Versuch gewagt, einen eigenen Impact-Fonds am Markt zu starten. Über die Gründe und die Anlageziele hat sich AssCompact mit dem Geschäftsführer unterhalten.

Interview mit Gottfried Baer, Geschäftsführender Berater bei der MehrWert GmbH
Herr Baer, Sie selbst sind Geschäftsführer eines auf Nachhaltigkeit spezialisierten Maklerhauses. Warum sollten nachhaltige Anlageprodukte dennoch in jedes Beraterportfolio gehören?

Grundsätzlich ist eine Anlageempfehlung eines Finanzberaters natürlich immer basierend auf dessen Einstellungen, Erfahrungswerten und Markteinschätzungen, und diese können naturgemäß sehr unterschiedlich ausfallen. Nachhaltige Anlagemärkte wie erneuerbare Energien, neue Mobilität oder auch Bildung sind deshalb so interessant, weil sie zum einen klare Wachstumsmärkte abbilden und somit großes Ertragspoten­zial aufweisen. Zum anderen bieten sie aufgrund ihres positiven Impacts für Gesellschaft, Mensch und Natur zusätzlichen Sinn für die Anleger.

Im Bereich nachhaltiger Kapital­anlagen differenziert sich die Produktlandschaft zunehmend. Vermehrt ist von Impact-Fonds die Rede. Was ist daran das Besondere?

Bei diesen Fonds geht man davon aus, dass sie tatsächlich eine nachvollziehbare positive ökologische/soziale Wirkung für die Natur und/oder Gesellschaft haben. Eine solche Wirkung muss dabei auch messbar sein: Im Gegensatz zu SRI-Fonds oder zu einem reinen ESG-Ansatz werden konkret Ziele beim Impact Investing fixiert und anschließend gemessen. Mit Impact-Fonds wird also versucht, einen ganz praktischen, messbaren Wandel mithilfe des Investments zu erzielen. Viele Menschen wollen heute genau dies in Verbindung mit ihrer Geldanlage sehen. Reine Ausschlusskriterien sind heute „Standard“ und werden von Kunden vorausgesetzt und erwartet.

Zum Jahreswechsel hat Ihr Maklerhaus den Impact-Fonds „Best of Green & Common Good“ auf den Markt gebracht. Was bietet dieses Produkt den Anlegern?

Das Besondere an diesem neuen Fonds ist, dass er versucht, einen hohen praktischen Impact zu erzielen, indem mithilfe einer Benefit-Fee und Teilen unserer Einnahmen ökologische/soziale Projekte in Deutschland mit hohem messbaren Impact finanziell unterstützt werden.

Außerdem bilden wir, wie es sonst in den üblichen Mischfonds der Fall ist, die Rentenseite nicht über Unternehmens- oder Staatsanleihen ab, sondern wir investieren an deren Stelle in Mikrofinanz. Einen Mischfonds mit der Kombination „Aktien und Mikrofinanz“ gibt es so am Markt noch nicht.

Warum launcht Ihr Maklerhaus überhaupt einen neuen Fonds und überlässt diese Aufgabe nicht den Fondsgesellschaften?

Wir beschäftigen uns seit 2010 mit Gründung der MehrWert GmbH ausschließlich mit dem Thema nachhaltige Geldanlagen. Nach zwölf Jahren erfolgreicher Arbeit trauen wir uns zu, mit unserer erlangten Expertise in dieser Positionierung einen eigenen Fonds auf den Markt zu bringen. Außerdem finden wir, ehrlich gesagt, nur wenige Fonds am deutschen Markt, die uns in Sachen Impact/Nachhaltigkeit inhaltlich überzeugen. Mit „Best of Green & Common Good“ setzen wir unseren eigenen hohen Anspruch an Impact ganz praktisch um. Dazu haben wir die MehrWert Asset Management GmbH im letzten Jahr gegründet und mit entsprechenden Fachleuten ausgestattet.

Die Website des Fonds bewirbt das Produkt als „kompromisslos wirkungsintensiv“. Welches Anlageziel verfolgt der neue Fonds?

Der Fonds ist ein offensiver Mischfonds der Risikoklasse 5. Das Anlageziel ist, eine Rendite zu erzielen, die im angemessenen Verhältnis zum Risiko steht. Wir haben zwei Zielgruppen für den Fonds im Blick:

1. Berater oder Finanzdienstleister, die Fonds anbieten möchten, die nachweislich kein Greenwashing unterstützen wollen und in puncto Nachhaltigkeit höchsten Ansprüchen gerecht werden möchten. Damit wird auch im Rahmen der Nachhaltigkeitspräferenzabfrage die Auswahl einfacher, weil man mit diesem Fonds als Anlageinstrument auch sehr hohen Nachhal­tigkeitsansprüchen von Kunden gerecht wird.

2. Kunden, die im Rahmen ihrer Geldanlage auch die Werte im Fonds vorfinden, die sie mit einem nachhaltigen Fonds tatsächlich in Verbindung bringen. Die Erwartung von Kunden ist nachweislich so, dass sie sich Werte aus der erneuerbaren Energien-, der Recycling-, der Biolebensmittel-, Bildungs-, neuen Mobilitätsbranche usw. vorstellen. Die typischen Konsum- und Tech-Werte, wie sie in vielen sonstigen nachhaltigen Fonds vorkommen, entsprechen in der Regel nicht den Vorstellungen eines nachhaltigen Investments dieser Kundenzielgruppe.

Sie erwähnen, dass die jährliche Rendite zwischen Anleger und Gemeinwohl-Projekten aufgeteilt wird. Was passiert im Falle von Verlusten? Werden die ebenfalls verrechnet?

Mit dem Fonds wollen wir echten praktischen Impact erzeugen. Der Kauf von nachhaltigen Unternehmen in Aktienform bringt nicht sehr viel Impact. Deshalb haben wir beschlossen, dass wir als MehrWert Asset Management GmbH von unseren Einnahmen aus dem Fonds 20% abgeben und dass mithilfe einer „Benefit-Fee“ auch die Anleger 20% ihrer Rendite dazugeben – vorausgesetzt, der Fonds weist eine positive Wertentwicklung aus. Die Kalkulation erfolgt anhand einer rollierenden High Watermark (Verluste werden hierbei gegengerechnet). Mit diesem Geld werden wir in positiven Jahren ganz gezielt ökologische und soziale Projekte in Deutschland auswählen und unterstützen, die auf externe Gelder angewiesen sind. Solche Projekte können von Vereinen, von Einzelpersonen, NGOs, Start-ups, Bildungseinrichtungen und Kultur-/Sozialprojekten initiiert sein und sie müssen mit ihrer Arbeit einen messbaren positiven Beitrag für Mensch und Natur leisten. Die Menschen hinter diesen Projekten können sich mithilfe eines Fragebogens auf der Homepage des Fonds dafür bei uns bewerben. Ein externes vierköpfiges Gremium wird dann die Verteilung der Gelder auf entsprechende Projekte auswählen. Auf der Homepage des Fonds werden wir ausführlich über diese Projekte berichten.

Insgesamt, so sind wir überzeugt, werden wir damit einen echten praktischen Impact erzielen. Für die Anleger wird es somit zum anfassbaren, praktischen und vor allem nutzenstiftenden Mehrwert.

In welche Titel investiert „Best of Green & Common Good“? Und wie läuft der Auswahlprozess der Titel, in die investiert werden soll, ab?

Wir investieren zu 70% in Aktien, 20% in Mikrofinanz und 10% in Cash. Die im „Best of Green & Common Good“ enthaltenen Aktien sollen mehr als nur nachhaltigen Ausschlusskriterien genügen. Deshalb sind wir proaktiv in Branchen vertreten, die ein hohes Rendite- als auch ein hohes Impactpotenzial besitzen. Deshalb investieren wir nicht in klassische Produktions- und Vertriebsunternehmen aus Konsumgüterbranchen, sondern in Unternehmen, die in zehn von uns ausgewählten Gemeinwohlbranchen agieren und positiven Wandel vorantreiben. Diese Branchen sind: erneuerbare Energien, Wasser, Bildung, neue Mobilität, Recycling, Gesundheitswesen, Holz-/Forstwirtschaft, grüne Finanzdienstleister, Biolandwirtschaft/-lebensmittel, Baustoffe/Energieeffizienz. Davon gibt es gut 100.000 börsennotierte Unternehmen. Unser Expertenteam analysiert anschließend alle Unternehmen der aus­gewählten Branchen mit verschiedenen erprobten Methoden darauf, wie leistungsfähig die Unternehmen wirtschaftlich sind und wie zukunftsfähig ihr Handeln ist. – Danach bleiben nur ca. 200 Unternehmen übrig. Anschließend verdient sich der Fonds das „Best of“, indem daraus die 35 ganzheitlich besten Unternehmen in puncto ökonomischer und nachhaltiger Leistungsfähigkeit ausgewählt werden, um ein ausgewogenes Portfolio mit maximalem Gemeinwohlimpact und aussichtsreicher Ertragschance zu gestalten.

Wie stellen Sie trotz des strengen Selektionsprozesses ein gewisses Maß an globaler und sektoraler Diversifikation sicher?

Unser strenger ökonomischer und ökologischer Filterprozess bildet die Grundlage für ein sehr aussichtsreiches Portfolio. Wir sind hierbei in zehn verschiedenen Branchen, in 14 Ländern, in Growth- als auch in Value-Titeln und in unterschiedlichen Größen der Marktkapitalisierung investiert. Dies bildet eine solide Grundlage für eine entsprechende Diversifikation. Hinzu kommt noch der Anteil Mikro­finanz, der in der Regel keine Korrelation zu den Entwicklungen der Aktienmärkte aufweist.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 60 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Gottfried Baer, MehrWert GmbH

 
Ein Interview mit
Gottfried Baer

Nachhaltigkeitspräferenzen bei der Finanzanlagenvermittlung

Auch Finanzanlagenvermittler müssen nun ihre Kunden nach deren Nachhaltigkeitspräferenzen fragen. Das ändert einiges in der Beratung und in deren Vorbereitung. Zudem sollte darauf geachtet werden, dass auch tatsächlich ein einheitliches Verständnis von Nachhaltigkeit bei Kunde und Vermittler vorliegt.

Ein Artikel von Daniel Krüger, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht bei der AWADO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH, und Lena Ribbers, LL. M., Juristin bei der AWADO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat einen Referentenentwurf zur Änderung der Finanzanlagenvermittlungsverord­- nung (FinVermV) vorgelegt, wonach zukünftig Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern bei der Vermittlung von Finanzanlageprodukten durch den Berater bzw. Vermittler zwingend zu berücksichtigen sind.

Eine entsprechende Regelung gilt bereits seit August 2022 für Kreditinstitute. Finanzanlagenvermittler und Honorar-Finanzanlagenberater mit einer Erlaubnis nach §§ 34f bzw. 34h GewO sind bisher nicht unter diese Regelung gefallen, da die aktuelle Fassung der FinVermV einen starren Verweis auf die entsprechende EU-Verordnung beinhaltet. Die jüngste Erweiterung der EU-Verordnung um eine Nachhaltigkeitspräferenzabfrage hatte demnach nicht zur Folge, dass diese Änderung auch freie Finanzanlagenvermittler betrifft, da diese den Vorgaben der FinVermV unterliegen. Nun soll also die FinVermV so angepasst werden, dass der starre Verweis auf die EU-Verordnung aufgehoben und die EU-Verordnung stattdessen in ihrer jeweils geltenden Fassung Anwendung findet.

Der Bundesrat muss der Gesetzesänderung zwar noch zustimmen; eine Zustimmung gilt jedoch als sicher. Die neue Regelung tritt sodann am Tag nach ihrer Verkündung in Kraft.

Grundsätzliche Änderungen für Finanzanlagenvermittler

Was also ändert sich für Finanzanlagenvermittler? Knapp zusammengefasst: Die Nachhaltigkeitswünsche von Anlegern sind seitens der Anlagenvermittler bei der Anlageberatung aktiv anzusprechen und zu berücksichtigen. Die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage ist zwingender Bestandteil der Geeignetheitsprüfung; eine Unterlassung der Abfrage kann dazu führen, dass die Empfehlung eines Anlageprodukts für den Kunden ungeeignet ist und damit der Tatbestand der Falschberatung vorliegt. Neben möglichen Schadensersatzansprüchen, die im Falle einer Falschberatung die Folge sein können, kann auch ein Bußgeld drohen, da es sich bei der vorsätzlichen oder leichtfertigen Empfehlung eines ungeeigneten Produkts um eine Ordnungswidrigkeit handelt.

Vom magischen Dreieck zum magischen Viereck in der Beratung

Im Einzelnen: Durch die angekündigte Gesetzesänderung ist eine Abfrage der Nachhaltigkeitspräferenzen von Anlegern im Beratungsgespräch durch den Finanzanlagenvermittler verpflichtend. Um auf entsprechende Fragen und Wünsche des Kunden eingehen und ein Produkt empfehlen zu können, hat sich also der Anlageberater – sofern bislang nicht geschehen – bereits im Vorfeld mit der Thematik der Nachhaltigkeit in der Finanzbranche zu beschäftigen. Neben einem Grundverständnis für das Thema ist ein Überblick über das Marktangebot notwendig. Aus dem magischen Dreieck „Liquidität, Sicherheit und Rendite“, das den zentralen Ankerpunkt für die Anlageberatung darstellte, wird nun also das magische Viereck „Liquidität, Sicherheit, Rendite und Nachhaltigkeit“.

In einer Anlageberatung bedeutet dies konkret für den Finanzvermittler, die Kunden nicht nur nach deren Präferenzen für das Anlageziel Nachhaltigkeit zu befragen, sondern auch ihren Wissensstand in Bezug auf nachhaltige Geldanlagen zu ermitteln, um so mögliche Missverständnisse zu vermeiden und Wissenslücken schließen zu können. In vielen Fällen wird es bereits aufgrund der medialen Präsenz des Themas Nachhaltigkeit und einer entsprechenden Sensibilisierung vieler Anleger Anknüpfungspunkte für den Austausch zwischen Berater und Anleger geben. Ein solcher Austausch kann sehr hilfreich dabei sein, eine bedarfs- und präferenzengerechte Anlageberatung durchzuführen. Denn bei der nachhaltigkeitsorientierten Beratung ist entscheidend, dass ein gemeinsames Verständnis für die Nachhaltigkeitspräferenzen zwischen Kunde und Anlageberater entsteht. Auch wenn hiermit sicherlich tendenziell ein höherer Zeitaufwand bei der Beratung einhergeht, ergeben sich daraus Chancen für Finanzvermittler, weitere Zielgruppen zu finden sowie auf die Interessen und Wünsche bestehender Kunden noch genauer einzugehen.

Bedeutung für die Produktauswahl

Sorgfalt ist sodann bei der Empfehlung konkreter Produkte geboten. Denn nachhaltige Geldanlagen enthalten in ihren ausgewiesenen Anlagestrategien verschiedene Nachhaltigkeitsfaktoren. Dies können ökologische Aspekte, soziale Aspekte und Kriterien guter und nachhaltiger Unternehmensführung sein. Anlagestrategien können unter anderem die Investition in erneuerbare Energien – als ökologischen Aspekt – oder die Förderung des sozialen Wohnbaus – als sozialen Aspekt – enthalten. Falls keine systemgestützte Hausmeinung durch einen Vertriebspartner vorliegt, kann ein Abgleich zwischen den Kundenpräferenzen und der Anlagestrategie der Geldanlage für das passende Produkt zielführend sein. Die Informationsbereitstellung erfolgt dabei etwa über die Kapitalverwaltungsgesellschaften und Vermögensanlagenanbieter, die diese im Rahmen der Produktinformationen zur Verfügung stellen.

Präferenzen oder keine Präferenzen

Kunden, die Nachhaltigkeitspräferenzen angeben, können zwischen den drei folgenden Aspekten wählen, wobei auch die Auswahl aller Aspekte möglich ist: einem positiven Beitrag zur Nachhaltigkeit gemäß der Offenlegungsverordnung, einem wesentlichen positiven Beitrag zur Umwelt gemäß der Taxonomieverordnung und der Vermeidung wesentlich negativer Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit (PAI). Geben Anleger „keine Präferenzen“ an, erfolgt keine Einschränkung der Produktauswahl für den Anlageberater. Eine Dokumentation der Abfrage ist dennoch erforderlich. Wird die Anlageberatung mit einem Bevollmächtigten durchgeführt, so kann dieser die Angaben zu den Nachhaltigkeitspräferenzen stellvertretend für den Kontoinhaber abgeben.

Fazit: Eine Chance für die Vermittlung

Die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage stellt also einen entscheidenden Einschnitt im Beratungsprozess dar. Neben der Kritik, die hier oftmals mitschwingt – etwa hinsichtlich des größeren Bearbeitungsaufwands oder der möglichen Unsicherheiten aufgrund mitunter noch bestehender Informationsdefizite –, sollte die nachhaltigkeitsorientierte Beratung jedoch auch als Chance betrachtet werden: Denn sie ermöglicht es Finanzanlagenvermittlern nicht nur, noch gezielter auf Kundenwünsche einzugehen und neue Märkte zu erschließen, sondern auch, sich bei entsprechendem Know-how deutlich von der Konkurrenz abzuheben.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 58 f., und in unserem ePaper.

Bild: © obeyleesin – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Daniel Krüger
Lena Ribbers, LL. M.

Jennifer Brockerhoff: „Öko-Kitsch muss endlich ein Ende haben“

Es gibt aktuell einige Entwicklungen, die die Finanzberatung rund um nachhaltige Geldanlagen beeinflussen. „Wer seinen Kundinnen und Kunden suggeriert, dass mit dem Kauf eines nachhaltigen Fonds oder ETFs die Welt gerettet sei, hat schon verloren“, meint Jennifer Brockerhoff. Wie tickt die junge Beratergeneration beim Thema Nachhaltigkeit?

Interview mit Jennifer Brockerhoff, Finanzberaterin und Inhaberin der Brockerhoff Finanzberatung
Frau Brockerhoff, im September 2022 ist Ihr neues Buch „30 Minuten – Nachhaltige Geldanlage“ erschienen. Entspricht diese Zeitspanne in etwa einem Beratungsgespräch über nachhaltige Investments?

Ein guter Scherz! Eine Beratung zu Vermögensan­lagen umfasst mehrere Termine, da kommt nun ein weiterer dazu, um die Komplexität des Themas Nachhaltigkeit adäquat zu erläutern.

Die wirtschaftlichen Rahmen­bedingungen bei Fragen rund um nachhaltige Geldanlage haben sich eingetrübt. Die hohe Inflation schränke die Sparbereitschaft in der Bevölkerung ein, heißt es. Was verspüren Sie davon in der Finanzberatung?

Eine Zurückhaltung bei der Neuanlage von Geldern war seit Beginn des russischen Angriffskrieges deutlich zu spüren, unabhängig davon, ob diese konventionell oder nachhaltig angelegt werden sollten. Bereits im Dezember ist die Anzahl an neuen Anfragen wieder vermehrt gestiegen, vor allem im Bereich nachhaltiger Investments.

Studien deuten an, dass das Thema „Nachhaltigkeit“ angesichts der Krisenstimmung aus Inflation, Krieg und Wirtschaftsflaute an Stellenwert verliert. Was stellen Sie bei Ihrer Kundschaft fest?

Wenn Sie kurzfristige Stimmungsbarometer meinen, mag das durchaus stimmen. Aktuelle Ereignisse lassen gerne den langfristigen Blick vorübergehend vernebeln. Die Anpassung der Wirtschaft an den bereits im Gang befindlichen Klimawandel bleibt die größte Herausforderung. Das treibt meine Kundschaft ebenfalls um, sodass ich bei ihr keine Veränderung des Stellenwertes feststellen kann – ganz im Gegenteil!

In diesem Zusammenhang sind die Erkenntnisse aus der Klimapsychologie hilfreich. Denn das innere Warnsystem des Menschen reagiert vor allem bei akuter Angst, Schock oder Panik. Der langsam, aber stetig voranschreitende Klimawandel erfüllt diese Kriterien nicht, sodass viele Menschen eher unterschwellig und unterbewusst besorgt sind.

Bei nachhaltigen Investments lässt sich zwischen privater Geldanlage einerseits und Altersvorsorgebausteinen andererseits unterscheiden. Welcher Bereich läuft wie gut?

Hier laufen beide Bereiche im Gleichschritt gut, obwohl die Auswahlmöglichkeiten bei der privaten Geldanlage deutlich größer sind.

Bei der privaten Geldanlage existieren nachhaltige Sparprodukte, Aktienfonds, ETFs und Anleihefonds. Worin investiert Ihre Kundschaft bevorzugt?

Meine Kundinnen und Kunden sind in der Regel langfristige Investoren, sodass Aktienfonds und ETFs in professionellen und gerne auch digitalen Vermögensverwaltungen bevorzugt werden.

Die Produkte der Anbieter berücksichtigen Nachhaltigkeitskriterien in unterschiedlicher Intensität. Wie streng darf die nachhaltige Geldanlage denn bei Ihrer Kundschaft sein?

Die Frage aller Fragen, die nicht kurz zu beantworten ist. Warum? Weil erst einmal ein Verständnis dafür geschaffen werden muss, was Nachhaltigkeit bei der Geldanlage überhaupt heißt. Wir haben eine regulatorische Definition sowie eine eigene subjektive Definition. Die wenigsten Kundinnen und Kunden haben eine konkrete Vorstellung von ihren Nachhaltigkeitspräferenzen. Das ist auch kein Wunder, denn Finanzen sind nach wie vor kein Schulfach, nachhaltige Finanzen ebenso wenig. Um dieses Thema gemeinsam mit meiner Kundschaft zu erörtern, habe ich vor Kurzem ein Schaubild erstellen lassen, mit den fünf Dingen, die man über nachhaltiges Investieren wissen muss. Zum Beispiel darüber, dass jede Asset-Klasse auch ganz unterschiedliche Wirkung erzielt.

Mehrere Produktgeber stufen aktuell ihre Artikel-9-Fonds auf Artikel-8-Fonds zurück. Viele Produkte sind damit über Nacht weniger „dunkelgrün“. Wie erklären Sie dieses Vorgehen Ihrer Kundschaft?

Fondsgesellschaften und Produktanbieter haben sich selbst keinen Gefallen getan, in dem sie die Klassi­fizierung in Artikel-6-, -8- oder -9-Fonds als eine Art Gütesiegel nach außen propagiert haben. Ich habe noch keinen einzigen Kunden bzw. noch keine einzige Kundin kennengelernt, der einen Fonds oder ETF nach dieser Klassifizierung auswählen wollte.

Diese Rückstufungen überraschen mich nicht und habe ich erwartet. Nachhaltigkeitsbanken hatten im Vergleich zu konventionellen Banken einen ehrlicheren Umgang mit der Klassifizierung, sodass sie von den Rückstufungen am wenigsten betroffen sind.

Macht sich bei Ihren Kundinnen und Kunden darüber auch Enttäuschung breit?

Keineswegs. Wer ehrlich kommuniziert, was nachhaltige Geldanlagen heute leisten können und was nicht, fährt bzw. berät am besten. Da wären wir beim Stichwort Impact, also die Wirkung nachhaltiger Geldanlagen. Wie entsteht Wirkung und was ist der Unterschied zwischen direkter und indirekter Wirkung – ein hochspannendes Thema! Wer seinen Kundinnen und Kunden suggeriert, dass mit dem Kauf eines nachhaltigen Fonds oder ETFs die Welt gerettet sei, hat schon verloren. Daher meine eindringliche Bitte: Der Öko-Kitsch muss endlich ein Ende haben!

Und welche Gütesiegel und andere Hilfestellungen nutzen Sie, um den Nachhaltigkeitsanspruch eines Finanzprodukts einschätzen zu können?

Das FNG-Siegel des Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) sowie die mittlerweile mehr als 600 Nachhaltigkeitsprofile für Fonds bieten eine gute Grund­lage. Der Eco­Reporter bewertet seit 1999 eine Vielzahl von nachhaltigen Produkten wie Konten, Fonds, ETFs, Aktien und Direktbeteiligungen sowie öffentliche Portale wie Faire Fonds oder MeinFairMögen sind außerdem gute Recherchemöglichkeiten.

Auch die Einführung der ESG-­Abfragepflicht für Versicherungsvermittler im August 2022 wurde lautstark debattiert. Spätestens ab Sommer 2023 gilt sie auch für Finanzanlagenvermittler. Für wie praktikabel halten Sie die Vorgabe für die Beratung?

Jeder Anfang ist mühselig und anstrengend. Als ich vor zwei Jahren das erste Mal von der verpflichtenden Abfrage von Nachhaltigkeitspräferenzen erfuhr, war ich begeistert. Diese Begeisterung hat sich in der Zwischenzeit schnell gelegt, denn die Umsetzung finde ich suboptimal. Es kollidiert massives Unwissen seitens der Kundschaft zum Thema Nachhaltigkeit mit sehr technischen Eingruppierungskriterien. Ohne Grundlagenwissen wird die an Nachhaltigkeit interessierte Kundschaft womöglich alle Präferenzen ankreuzen mit dem Ergebnis, dass kein Produkt zur Auswahl übrig bleibt. Oder schlimmer noch, dass das Produkt nicht zur Risikobereitschaft des Kunden bzw. der Kundin passt. Ich gehe davon aus, dass die aktuellen Erfahrungswerte zu Anpassungen führen werden. Denn nur eine praktikable Umsetzung dient der Sache.

Sie selbst gewannen den Jungmakler Award 2012. Welche Relevanz genießt Nachhaltigkeit heutzutage in der jüngeren Beratergeneration?

In Gesprächen mit jüngeren Kollegen und Kolleginnen ist deutlich zu spüren, dass Nachhaltigkeit kein einfaches Add-on in Beratungsalltag ist, sondern ein zunehmend fester Bestandteil. Bereits im Maklerbetrieb wird auf einen sinnvollen Umgang mit Ressourcen geachtet, Mobilität flexibler umgesetzt und dadurch auch unnötige Kosten eingespart.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 52 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Jennifer Brockerhoff bzw. © Chinnapong – stock.adobe.com

 
Ein Interview mit
Jennifer Brockerhoff

Thomas Schüßler von der DWS ist Fondsmanager des Jahres

Seit 2005 managt Thomas Schüßler von der DWS den Fonds „DWS Top Dividende“. Jetzt wurde er für seine Arbeit mit einem Goldenen-Bullen-Award prämiert. Auch bei der Kategorie „Fondsinnovation des Jahres“ konnte sich die DWS freuen.

Wie die DWS in einer Pressemitteilung meldet, gab es für die DWS beim diesjährigen Goldenen-Bullen-Award, der jährlich vom Münchner Finanzen Verlag vergeben wird und als eine der wichtigsten Auszeichnungen der deutschen Fondsbranche gilt, gleich zweimal Grund zur Freude. Thomas Schüßler wurde zum „Fondsmanager des Jahres 2023“ gekürt. In der Kategorie „Fondsinnovation des Jahres“ gewann das Team hinter dem Fonds „DWS Invest ESG Women for Women“.

Thomas Schüßler ist Fondsmanager des Jahres

Seit Oktober 2005 verwaltet Thomas Schüßler den DWS Top Dividende. Laut der DWS-Mitteilung habe er den Fonds seither durch unterschiedliche Börsenphasen gesteuert. 2008 konnte er die Verluste für die Anleger begrenzen. Das Jahr 2022 schloss er mit einer „schwarzen Null“ ab, so lobte die Jury aus Fondsexperten von Börse Online, Euro und Euro am Sonntag den langfristigen Anlageerfolg. Schüßler habe auch dann an seinem vorsichtigen Anlagestil festgehalten, als ein offensiverer Anlagestil höhere Zuwächse versprochen hätte, aber auch mit einem höheren Risiko für Rückschläge verbunden gewesen wäre.

Fondsinnovation des Jahres: 2. Platz für DWS

In der Kategorie „Fondsinnovation des Jahres“ gab es für die DWS die Silbermedaille, konkreter für das zwölfköpfige Fondsmanagerinnen-Team hinter dem DWS Invest ESG Women for Women. Der Aktienfonds legt laut DWS ein besonderes Augenmerk auf soziale Aspekte, also etwa darauf, wie Unternehmen mit Blick auf Themen wie Gleichberechtigung und Chancengleichheit und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie abschneiden.

Auf AssCompact-Nachfrage teilt der Finanzen Verlag mit, dass der 1. Platz in der Kategorie „Fondsinnovation des Jahres“ an den boerse.de-Technologiefonds der boerse.de Vermögensverwaltung GmbH ging. (mki)

Bild: © DWS Group

 

„Schließen aus, dass unser Gold aus Konfliktgebieten kommt“

Edelmetalle haben auch ihre schmutzigen Seiten. Abhilfe für ethisch orientierte Anleger kann ein nachhaltiges Investment in Edelmetalle schaffen. Welcher Impact damit zu erzielen ist und wie die Qualitätssicherung erfolgt, erläutert ein Händler von fair gewonnenen Edelmetallen.

Interview mit Florian Harkort, Inhaber und Geschäftsführer der Fairever GmbH
Gold verkörpert für viele Menschen etwas Schönes und Begehrtes. Was sind denn die Schattenseiten dieses Edelmetalls?

Weltweit sind Millionen von Menschen vom Kleinbergbau abhängig, doch die Bedingungen sind vielerorts prekär. Kinderarbeit ist keine Seltenheit und der Lohn reicht meistens nicht aus, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Hinzu kommen die Auswirkungen auf die Umwelt. Um Gold von Gestein zu trennen, wird Quecksilber oder Cyanid verwendet und die giftigen Stoffe gelangen häufig ungefiltert ins Grundwasser.

Fairever tritt als Händler von fair gewonnenen Edelmetallen wie Gold und Silber auf. Wie entwickelt sich gegenwärtig die Nachfrage in der Bevölkerung?

Gold zeichnet sich dadurch aus, dass es besonders zu Krisenzeiten seinem Ruf als stabile Wertanlage gerecht wird. Angesichts der allgemeinen Stimmung werden auch Fairtrade-Goldbarren stärker nachgefragt als in den vorangegangenen Jahren.

Der Welthandel mit Gold wird in der Regel mit Goldbarren abgewickelt. Woher kommt das Gold, das Fairever handelt?

Wir können zu 100% ausschließen, dass unser Gold aus Konfliktgebieten kommt. Anders als andere Goldhändler beziehen wir direkt aus verantwortungsvollem Kleinbergbau, ohne jegliche Zwischenhändler. Es handelt sich bei unseren Lieferanten um unabhängig zertifizierte Minen in Kolumbien und Peru, mit denen wir in engem Kontakt stehen.

Welchen Impact leistet ein Investment in fair gehandeltes Gold am Ort der Förderung konkret?

Es ist ein Bestandteil des Fairtrade-Standards für faires Gold, dass die Minen mindestens 95% des täglich durch die Londoner Bullion Market Association bekannt gegebenen Goldpreises gezahlt bekommen. Zusätzlich erhalten sie eine Prämie, die ausschließlich dazu verwendet wird, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Mineure zu verbessern. Beispiele für den Einsatz der Prämie sind die Beschaffung von Solarpanels, um warme Duschen zu ermöglichen, oder der Bau einer Kantine.

Gemeinwohlorientierten Impact gibt es nicht zum Nulltarif. Wie wirkt sich der faire Handel auf den Goldpreis bei Fairever im Vergleich zum Weltmarktpreis aus?

Die zusätzliche Prämie, die bereits im Endkundenpreis inkludiert ist, beträgt 2.000 US-Dollar pro Kilogramm Feingold. Hinzu kommen höhere Kosten für Logistik, Lizenzierung und die von konventionellem Gold getrennten Raffinations- und Herstellungsprozesse. Der aktuelle Verkaufspreis von Fairtrade-Goldbarren ist damit etwa 10% bis 15% höher als der Preis von Goldbarren aus konventionellem oder recyceltem Gold, das unter unbekannten Bedingungen abgebaut wurde.

Wie stellt Fairever die hohen Standards an die Abbau- und Förderbedingungen sicher?

Wir haben den großen Vorteil, mit gemeinnützigen Organisationen wie Fairtrade und der Alliance for Responsible Mining zusammenzuarbeiten. In deren Auftrag werden regelmäßige Audits von Kontrollinstitutionen wie zum Beispiel FLOCERT durchgeführt.

Persönliche Besuche bleiben allerdings ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit, um selbst einen Eindruck von den Bedingungen vor Ort zu erhalten. Wenn wir dann mit eigenen Augen sehen, wie sich nicht nur die Mine, sondern auch die Gemeinschaft um die Mine herum seit Beginn der Fairtrade-Zertifizierung weiterentwickelt hat, dann wissen wir, wozu wir jeden Tag aufs Neue aufstehen und für unsere Vision eines fairen Kleinbergbaus kämpfen.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 62, und in unserem ePaper.

Bild: © Florian Harkort, Fairever

 
Ein Interview mit
Florian Harkort

Fonds für Konsumentenkredite als nachhaltig eingestuft

Der Alternative Investmentfonds nordIX European Consumer Credit Fonds der nordIX AG erfüllt die Nachhaltigkeitsanforderungen gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung. Der Fonds ist auf europäische Konsumentenkredite spezialisiert.

nordIX European Consumer Credit Fonds – so lautet der Name des ersten deutschen Fonds für europäische, digital vermittelte Konsumentenkredite. Er wird von dem Fixed Income Spezialisten nordIX AG verwaltet wurde nun als sogenannter Artikel-8-Fonds gemäß der Offenlegungsverordnung der Europäischen Union eingestuft. So werden Fonds eingestuft, die ökologische und/oder soziale Merkmale (ESG) konsequent bei ihren Investitionsentscheidungen berücksichtigen.

Das bedeutet die Einstufung für Investoren

Wie es in der Mitteilung der nordIX AG heißt, hätten die Investoren durch die Klassifizierung nach Artikel 8 die Sicherheit, dass nordIX im Rahmen des Portfolio- und Risikomanagements Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigt. So werden im Selektionsprozess für den nordIX European Consumer Credit Fonds Kreditplattformen konsequent ausgeschlossen, die Wucherzinsen verlangen oder Waffen, Alkohol, Drogen oder Tabak finanzieren. Darüber hinaus achtet das Fondsmanagement darauf, dass die Plattformen die Inkasso-Standards analog zu den Standards des Bundesverbands für Inkasso und Forderungsmanagement einhalten. Wenn Kreditplattformen ihren Schwerpunkt auf die Finanzierung nachhaltiger Projekte setzen, werden diese bei der Anlageselektion bevorzugt.

Für nordIX sei ESG-Integration ein Element der Portfolio-Optimierung. Ergänzend zu den Kennzahlen der Kreditnehmer bezieht das Fondsmanagement des nordIX European Consumer Credit Fonds systematisch Nachhaltigkeitsaspekte in den Investmentprozess ein, mit dem Ziel, das Rendite-Risiko-Profil des fonds zu verbessern.

Über den nordIX European Consumer Credit Fonds

Der nordIX European Consumer Credit Fonds ist ein Alternativer Investmentfonds, der in europäische Konsumentenkredite von Market Place Lending (P2P)-Plattformen und „Buy Now Pay Later“-Anbietern investiert. Der Schwerpunkt des im April 2021 aufgelegten und ersten deutschen Fonds, der sich auf digital vermittelte Konsumentenkredite fokussiert, liegt dabei auf der Eurozone. Die Laufzeiten der Konsumentenkredite liegen je nach Land im Durchschnitt zwischen 18 und 60 Monaten.

Neben der Laufzeit der Darlehen und einer breiten Diversifikation steht bei der Selektion der erworbenen Kredite das Verhältnis von Ausfallwahrscheinlichkeit und Zins im Mittelpunkt der Analyse des Fondsmanagement. Das Fondsvermögen des im Jahr 2021 aufgelegten Fonds beläuft sich aktuell auf rund 69 Mio. Euro. (mki)

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Nachhaltiger Fondsmarkt trotzt dem schwierigen Umfeld

Trotz Ukraine-Krieg, Inflation und Zinswende ist der Markt für nachhaltige Kapitalanlagen 2022 weiter gewachsen. Diese Bilanz hat nun der Fondsverband BVI gezogen. Auch die ESG-Abfragepflicht oder die Umklassifizierungen bei Artikel-9-Fonds haben der Dynamik nichts anhaben können.

Trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds mit deutlichen Kursverlusten bei Aktien und Anleihen (AssCompact berichtete: BVI: So lief 2022 für die Fondsbranche) ist das verwaltete Vermögen von Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen gemäß der EU-Offenlegungsverordnung im Jahr 2022 deutlich gewachsen. Das hat der deutsche Fondsverband BVI mitgeteilt. Demnach betrug das Fondsvermögen zum Jahresende 739 Mrd. Euro, was einem Anstieg von rund 12% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.

Fast die Hälfte des Publikumsfondsvermögens besitzt Nachhaltigkeitsmerkmale

Über das Gesamtjahr hinweg betrachtet gab es laut BVI vor allem im ersten (+4,9%) und vierten (+6,1%) Quartal deutliche Zuwächse beim Fondsvermögen. Dagegen wurden im zweiten (–2,2%) und dritten Quartal (–3,4%) beeinflusst vom Beginn des Ukraine-Krieges sowie der kräftig anziehenden Inflation größere Vermögensabflüsse bei Publikumsfonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen registriert. Bei Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen entfallen laut BVI 135 Mrd. Euro auf Spezialfonds für institutionelle Investoren, bei denen die Anlagestrategie meist individuell zwischen Fondsgesellschaft und Anlegern ausgestaltet werden. Den Löwenanteil machen aber eindeutig Publikumsfonds mit einem Volumen von inzwischen über 600 Mrd. Euro aus. Damit entfallen 47% des gesamten Publikumsfondsvermögens auf Artikel-8/9-Produkte. Bei Einführung der Offenlegungsverordnung im März 2021 waren es noch 25%, erläuterte der BVI in einer Pressemitteilung.

Einführung der ESG-Abfragepflicht hatte kaum Folgen

Mit der Einführung der ESG-Abfragepflicht im Vertrieb von Versicherungsanlageprodukten im August 2022 haben sich die Rahmenbedingungen im Kleinanlegersegment nochmals markant verändert. Seitdem dürfen an Kunden mit Nachhaltigkeitspräferenzen nur noch Produkte vertrieben werden, die entweder die wichtigsten nachteiligen Auswirkungen auf bestimmte Nachhaltigkeitsziele (PAI) in der Anlagestrategie berücksichtigen oder einen Mindestanteil nachhaltiger Investitionen bzw. Investitionen im Sinne der EU-Taxonomie vorsehen, erinnert der BVI. Doch wegen fehlender verbindlicher Berechnungsmethoden sei unter anderem die Bestimmung der nachhaltigen Investitionen auf Fondsebene schwierig, merkt der BVI an. Für die Zusage von Taxonomiequoten sei z. B. die Datenlage in vielen Fällen noch nicht ausreichend. Allerdings hätten diese Unsicherheiten auf Basis der aktuellen Zahlen den Nettoabsatz bei Publikumsfonds kaum beeinträchtigt, resümiert man beim Fondsverband. So lag im Jahr 2022 das Neugeschäft bei Fonds mit Nachhaltigkeitsmerkmalen bei über 5 Mrd. Euro, während aus Fonds ohne Nachhaltigkeitsmerkmale im Jahresverlauf rund 9 Mrd. Euro abflossen.

Über 20% der Artikel-9-Fonds wurde im Jahresverlauf zurückgestuft

Aufhorchen ließen auch die Rückstufungen von Nachhaltigkeitsfonds der Produktgeber in der zweiten Jahreshälfte 2022. Diese Umklassifizierungen waren wegen der anhaltenden Unsicherheit über die Auslegung der EU-Regulierungen notwendig geworden. Allerdings ohne größere Folgen für den deutschen Fondsmarkt, wie der BVI mitteilte. „Zwar haben die Fondsgesellschaften im zweiten Halbjahr 2022 über 20% der vormals als Artikel-9-Fonds eingestuften Produkte (die zu mindestens einem Nachhaltigkeitsziel beitragen) zurückgestuft. Gleichzeitig wurden aber bei jedem zehnten zuvor als nicht nachhaltig klassifizierten Fonds Nachhaltigkeitsmerkmale aufgenommen“, schreibt der BVI in der Mitteilung. Insgesamt seien demnach in Deutschland nun rund 6.000 Publikumsfonds bzw. Anteilscheinklassen mit Nachhaltigkeitsmerkmalen verfügbar. (as)

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Zuflüsse in Schwellenländer- und Europa-Aktien stark gestiegen

Der Vermögensverwalter BlackRock hat seinen Marktreport zu den Zu- und Abflüssen in ETFs und ETPs im Januar 2023 veröffentlicht. Auch wenn das Neugeschäft sinkt, erfreuen sich Schwellenländer- und europäische Aktien immer mehr an Beliebtheit.

Im Januar 2023 machte sich in den Marktausblicken der Vermögensverwalter ein vorsichtiger Optimismus breit. Gerade die im weiteren Verlauf des Jahres abschwächende Inflation ließ die Herzen etwas höherschlagen – die erneute Anhebung des Leitzinses bei der Europäischen Zentralbank sollte man dabei aber natürlich nicht vergessen.

Und auch wenn das weltweite Neugeschäft mit börsengehandelten Indexfonds (ETFs) und anderen börsengehandelten Produkten (ETPs) den vierten Monat in Folge gesunken ist, zeigt sich eine kleine Euphorie bei europäischen und Schwellenländeraktien, wie der Marktreport des US-Vermögensverwalters BlackRock zeigt.

Neugeschäft erneut gesunken

Konkret ist das Neugeschäft auf 62,6 Mrd. Dollar gesunken. Zwar gab es einen leichten Anstieg bei Zuflüssen bei ETPs auf festverzinsliche Wertpapiere (von 28,3 Mrd. Dollar im Dezember 2022 auf 28,7 Mrd. Dollar im Januar), doch die Zuflüsse bei Aktien-ETPs reduzierten sich deutlich von 43,1 Mrd. Dollar im Dezember auf 32,8 Mrd. Dollar.

Den größten Nettoabfluss seit April 2022 musste die Allokation in US-Aktien-ETPs verzeichnen. Dort gab es im Januar Abflüsse von insgesamt 1,7 Mrd. Dollar. Bei US-Aktien-ETPs deuten die sektoralen Zuflüsse auf eine selektive Risikobereitschaft hin. Rohstoff-ETPs führen mit 0,9 Mrd. Dollar (der höchste Monatswert seit März 2022) die Zuflüsse an, gefolgt von ETPs auf Industrieunternehmen mit einem Zufluss von 0,8 Mrd. Dollar. Die Gewinner des Jahres 2022 hatten einen schwierigen Monat mit Abflüssen aus dem Gesundheitswesen (–1,0 Mrd. Dollar) und der Technologiebranche (–0,1 Mrd. Dollar).

Hoher Zuwachs in Europa

Die Zuflüsse in europäische Aktien-ETPs stiegen dagegen im Monatsverlauf erheblich und erreichten mit 7,3 Mrd. Dollar die größten Zuwächse seit Januar 2022. Die Zuflüsse betrafen vor allem in den USA notierte ETPs auf europäische Aktien, was eine Verlagerung der Aufmerksamkeit der Anleger über den heimischen Markt hinaus verdeutlicht, so BlackRock.

ETPs auf Investment-Grade-Anleihen verzeichneten mit 12,6 Mrd. Dollar im Januar die drittgrößten Zuflüsse seit Beginn der Aufzeichnungen und den höchsten monatlichen Nettozufluss seit Juni 2020. Diese positive Stimmung übertrug sich auf den Bereich der Hochzinsanleihen. Hier stiegen die Zuflüsse auf ETPs im Januar deutlich auf 2,4 Mrd. US-Dollar und konnten damit die Abflüsse aus dem Dezember (–0,9 Mrd. Dollar) ausgleichen.

Aufwind bei den Schwellenländeraktien

Die Zuflüsse in ETPs auf Schwellenländeraktien stiegen im Januar auf insgesamt 15,9 Mrd. Dollar, den höchsten Stand seit einem Jahr. China war mit Zuflüssen in Höhe von 6,4 Mrd. Dollar das herausragende Land unter den Einzelengagements. Die Zuflüsse in US-notierte chinesische ETPs stiegen auf 2,1 Mrd. Dollar und damit im Monatsvergleich um das 3,5-fache und den höchsten Stand seit Juni 2022.

Die Zuflüsse in nachhaltige ETPs, die in Europa und den USA notiert sind, beliefen sich auf 4,8 Mrd. Dollar. Die EMEA-Region („Europe, Middle East and Africa“) steigerte ihre Zuflüsse von 4,3 Mrd. Dollar im Dezember auf 5,7 Mrd. Dollar im Januar, während die Nettoabflüsse in den USA mit –855 Mio. Dollar noch höher waren als im Vormonat (–100 Mio. Dollar). (mki)

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