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UBS übernimmt Credit Suisse für 3 Mrd. Franken

Die Credit Suisse, eine Schweizer Großbank, wird von UBS, einer anderen Schweizer Großbank, gekauft. Bei Credit Suisse herrschten schon länger größere finanzielle Probleme. Am Sonntag, 19.03.2023, wurde die Entscheidung bekannt gegeben.

Gerade einmal eine gute Woche ist es her, dass die Silicon Valley Bank in Kalifornien pleite gegangen ist (AssCompact hat die Geschehnisse darum zusammengefasst), da ertönte in der Finanzwelt der nächste Paukenschlag – diesmal allerdings in Europa. Am Sonntag, 19.03.2023, wurde bekanntgegeben, dass die UBS das Konkurrenzunternehmen Credit Suisse übernimmt – für 3 Mrd. Franken, was umgerechnet auch rund 3 Mrd. Euro entspricht.

Liquiditätsengpass bei Credit Suisse

Die Credit Suisse gilt laut Rating des „Financial Stability Board“ als eine der 30 global systemrelevanten Großbanken, hatte allerdings in den letzten Jahren immer mehr Verluste verbucht. Der Aktienwert war auf ein Rekordtief gesunken und große Teile der Kundschaft hatten Einlagen abgezogen – auch in mehrere Skandale war die Bank seit den 2000ern verwickelt. Wenige Tage vor der Schließung wollte sich die Bank bis zu 50 Mrd. Franken von der Schweizerischen Nationalbank leihen, wie mehrere Medien übereinstimmend berichteten.

„tagesschau.de“ meldet außerdem unter Berufung auf den „Tages-Anzeiger“, dass in der Führungsetage offenbar eine „Abzockermentalität“ geherrscht habe. Aus den Geschäftsberichten habe man ablesen können, dass die Bank seit 2013 kumuliert 3,2 Mrd. Franken Verlust gemacht hätte, während die Top-Manager im selben Zeitraum 32 Mrd. Franken an Boni mitgenommen hätten.

Übernahme durch UBS

Die direkte Konkurrentin der Credit Suisse, die UBS, wird die Schweizer Großbank nun also übernehmen – unterstützt von der Schweizer Nationalbank mit einem Darlehen von insgesamt bis zu 100 Mrd. Franken. Laut dem Schweizer Bundespräsident Alain Berset sei dies eine „sehr starke Lösung“. Ein unkontrollierter Absturz der Credit Suisse hätte unkalkulierbare Folgen für das Land und die internationale Finanzwelt gehabt, sagte Berset. ZDF-Finanzexperte Frank Bethmann äußert in einem Bericht auf „zdf.de“, dass solche dramatischen Entscheidungen am Sonntag kein Zufall seien. Es habe etwas passieren müssen, ehe die Märkte in ein paar Stunden in Fernost wieder öffnen. Die Übernahme wurde laut ZDF auch auf Drängen vonseiten der Politik und Aufsichtsbehörden beschlossen.

Durch den Zusammenschluss zwischen UBS und Credit Suisse soll nun ein Unternehmen mit einem verwalteten Vermögen über 5 Bio. US-Dollar entstehen, wie es in einer Mitteilung von UBS heißt. Rund 1 Bio. Euro beträgt die Bilanzsumme von UBS, die von Credit Suisse liegt bei etwas mehr als 500 Mrd. Euro. Durch die Akquisition entsteht ein Unternehmen, das größer sein dürfte als die Deutsche Bank.

UBS: „langfristiger nachhaltiger Wert für Investoren“

Die UBS verspricht in ihrer Mitteilung Vorteile für die Kunden beider Banken. Die Übernahme soll langfristig nachhaltigen Wert für die Investoren schaffen. Sie sei so strukturiert, dass der Wert der Credit Suisse erhalten bleibe. Weiterhin sollen die Kompetenzen in den Bereichen Wealth Management und Asset Management die Strategie von UBS unterstützen.

Notenbanken äußern sich positiv

Wie mehrere Medien melden, finden die Chefs der Notenbanken Gefallen an der Lösung. EZB-Präsidentin Christine Lagarde findet, dass die Entscheidungen der Schweizer Behörden „entscheidend für die Wiederherstellung geordneter Marktbedingungen und die Gewährleistung der Finanzstabilität“ seien. Auch Jerome Powell, Chef der Notenbank Fed in den USA, sehen in der Übernahme einen „Schritt zur Stützung der Finanzstabilität“.

BaFin: „stabil“ und „robust“

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) sieht, wie schon bei der SVB-Pleite, keine großen Gefahren auf das deutsche Finanzsystem zukommen. Dieses erweise sich „weiterhin als stabil und robust“, sagte ein Sprecher der BaFin auf Anfrage bei „tagesschau.de“. Auch das Bundesfinanzministerium betonte Medienberichten zufolge die Stabilität des deutschen Finanzsystems.

Doch ganz so „den Umständen entsprechend positiv“ gestimmt wie die Zentralbanken und die BaFin sind nicht alle. Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, gibt zu bedenken, dass aktuell niemand ausschließen könne, dass „die Turbulenzen im Bankensektor auch in Deutschland und Europa zu signifikanten Beeinträchtigungen bei Wachstum und Wohlstand führen“, so schreibt er in einer Mitteilung vom Montag. Denn Finanzkrisen seien „per Definition kaum vorhersehbar“. Seine größte Sorge sei derzeit, dass es zu einer Panik an den Kapitalmärkten komme, da niemand wisse, welche Banken noch in Schieflage geraten könnten.

DAX schwächelt – Gold steigt im Wert

Apropos Panik an der Börse: Der „Spiegel“ meldet, dass der DAX am Montagmorgen auf ein weiteres Tief seit Januar gefallen sei. Auch bei Banken und Versicherern habe es hohe Kursverluste gegeben. Vor allem habe es große Sorgen um Anlagen in milliardenschwere Anleihen der Credit Suisse gegeben. Dort sei ein Totalausfall absehbar, so der „Spiegel“. Die Aktien der Deutschen Bank und der Commerzbank lagen teilweise 9,8% bzw. 8,7% tiefer.

Anders sieht es dagegen erneut beim „sicheren Hafen in finanziell unsicheren Zeiten“ aus, nämlich dem Gold. Die Feinunze kostete laut „Spiegel“ an der Londoner Rohstoffbörse zeitweise 2.009 US-Dollar – so viel wie seit etwa einem Jahr nicht mehr. (mki)

Bild: © Andreas Prott – stock.adobe.com

 

Vermögen im Private Banking stieg 2022 auf über 7 Bio. Euro

Die Unternehmensberatung zeb hat in ihrer aktuellen Studie zu Private Banking Zahlen zum verwalteten Vermögen von Kunden mit liquiden Einlagen über 500.000 Euro im Jahr 2022 veröffentlicht. Fazit: Trotz Krisen ist das Vermögen nicht unerheblich gestiegen.

2022 war ein von Krisen und Problemen erfülltes Jahr, was sich auch an der Wirtschaft und der Börse niedergeschlagen hat. Doch dem Wachstum im Private-Banking-Bereich hat dies offenbar keinen nennenswerten Abbruch getan, wie die aktuelle Private-Banking-Studie der Unternehmensberatung zeb zeigt.

Durchgehendes Vermögenswachstum im Private Banking

Das verwaltete Vermögen von Kunden mit liquiden Einlagen über 500.000 Euro ist im letzten Jahr in Deutschland trotz Einbruchs an den Kapitalmärkten gestiegen – auf ca. 7,2 Bio. Euro. Das entspricht einem Plus von etwa 4,8% gegenüber dem Vorjahr (ca. 6,9 Bio. Euro). Seit 2010 wachst das Vermögen in diesem Bereich durchgehend.

Den größten Anteil am Vermögensmix bildeten 2022 der Studie zufolge Immobilien mit 38%, knapp dahinter liegen mit 37% (unternehmerische) Beteiligungen. Dann folgt eine größe Lücke, denn erst mit 12% kommen Wertpapiere, mit 8% traditionelle (Bank-) Einlagen und schließlich Anlagen in Versicherungsprodukten mit 5%. Insgesamt seien die liquiden Vermögen Hochvermögender in Deutschland in den letzten fünf Jahren seit 2017 um durchschnittlich 6% pro Jahr gewachsen.

Axel Sarnitz, zeb-Partner und Mitautor der Studie, merkt an, dass sich der Vermögenszuwachs der Deutschen 2022 trotz Krisen fortgesetzt habe und die langfristige positive Wertentwicklung der Gesamtvermögen seit 2010 weder durch den Einbruch an den Kapitalmärkten, die abebbende Coronakrise oder den Ukrainekrieg beeinträchtigt worden sei. Vor allem die Anlageklasse Wertpapiere habe gegenüber dem Vorjahr leicht abgenommen, während die Vermögen in Immobilien leicht zugelegt hätten.

Vermögende Kunden bieten Anbietern Wachstumspotenzial

Im Detail ermittelten die zeb-Studienautoren für 2022 in den Segmenten Wealth Management (liquide Kundenvermögen von mehr als 3 Mio. Euro) und Private Banking (liquide Kundenvermögen von 500.000 bis 3 Mio. Euro) für Anbieter Ertragspotenziale von insgesamt 16,6 Mrd. Euro. 8,9 Mrd. Euro würden auf das Segment Wealth Management mit Einzelposten von 3,9 Mrd. für die Vermögensanlage, 4,1 Mrd. Euro für Finanzierungen und Immobilien, 0,5 Mrd. Euro für die Risikoabsicherung sowie 0,3 Mrd. Euro für sonstige Ertragspotenziale entfallen.

Dem Private Banking weisen die Studienautoren 2022 7,7 Mrd. Euro Ertragspotenzial zu. Vermögensanlagen taxieren sie hier mit 2,8 Mrd. Euro, Finanzierungen und Immobilien mit 3,9 Mrd. Euro sowie Risikoabsicherungen mit 0,8 Mrd. Euro und schließlich den Posten sonstige Vermögensanlagen mit 0,2 Mrd. Euro.

Positive Ergebnisentwicklung dank gewachsener Kundengelder

Für ihre Studie haben die zeb-Autoren zusätzlich zur generellen Entwicklung der Kundenvermögen neun traditionelle Privatbanken mit Firmensitz in Deutschland analysiert. Über einen Zeitraum von 2017 bis 2021 wurde die Entwicklung von Assets under Management AuM), Erträgen und Kosten ausgewertet sowie eine Fünfjahressimulation bis 2026 vorgenommen. Es zeigte sich, dass sich das Ergebnis der Privatbanken zwischen 2017 und 2021 trotz moderatem Ertragswachstum aufgrund des starken Zulaufs von Kundengeldern positiv entwickeln konnte. So sind die Assets und Management in diesem Zeitraum um jährlich durchschnittlich 10,8% gestiegen. Im gleichen Zeitraum stiegen die Erträge um jährlich 4,3%, die Kosten entsprechend um 3,6% sowie das Ergebnis der neun Banken durchschnittlich jährlich 7,2%. (mki)

Bild: © bht2000 – stock.adobe.com

 

Dritter ELTIF für Privatanleger von Neuberger Berman

Die US-amerikanische Investmentgesellschaft Neuberger Berman geht bereits mit ihrem dritten European Long Term Investment Fund (ELTIF) für Private Equity an den Start. Der Vorgängerfonds habe nach Unternehmensangaben sein Zielvolumen derweil deutlich übertroffen.

Nachdem Neuberger Berman im Februar 2022 seinen zweiten europäischen Langzeitfonds (ELTIF) aufgelegt hatte (Private Equity für Privatanleger: Neuberger Berman startet Fonds) und dieser wohl eine hohe Nachfrage erfahren habe, legt das unabhängige US-Investmenthaus nun nach und bringt einen dritten Private-Equity-ELTIF für Privatanleger auf den Markt: den NB Direct Private Equity 2023 ELTIF. Damit will das Unternehmen einen noch besseren Marktzugang zu dieser Assetklasse schaffen.

Neuer ELTIF von Neuberger Berman

Der NB Direct Equity 2023 ELTIF investiert in unterschiedliche Arten von Private Equity mit einem Schwerpunkt auf Europa und Nordamerika. Das Portfolio ist nach Branchen, Unternehmensgrößen, Geschäftsmodellen und Lead Managern diversifiziert. Das Private-Equity-Team von Neuberger Berman, bestehend aus 280 Experten an zehn Standorten weltweit, verwaltet den Fonds. Die Mindestanlage für Anleger aus Europa beträgt 25.000 Euro. Das Kapital wird vollständig in Co-Investments angelegt.

Neuberger Berman weist in seiner Mitteilung darauf hin, dass potenzielle Investoren sich bewusst sein sollten, dass eine Anlage in den Fonds mit hohen Risiken verbunden sei, unter anderem mit Marktrisiken. Es könne nicht garantiert werden, dass die Anlage Erträge erzielt. Hinzu kämen rechtliche, steuerliche und aufsichtsrechtliche Risiken sowie Risiken durch die Hebelung und Kreditaufnahme des Fonds, den hohen Wettbewerb am Markt für Anlagemöglichkeiten, die Abhängigkeit von Schlüsselpersonen im Investmentmanagement, mögliche Interessenkonflikte, begrenzte Liquidität und die Langfristigkeit der Anlagen.

Eckdaten des NB Direct Private Equity 2023 ELTIF

Laut Neuberger Berman solle nur ein kleiner Teil des Gesamtportfolios in einem ELTIF angelegt werden. Ein ELTIF ist eine illiquide Langfristanlage mit einer Anfangslaufzeit von acht Jahren ab dem Final Closing. Das Board kann die Laufzeit um bis zu drei Jahre verlängern. Investoren können keine Anteile zurückgeben – der Fonds ist geschlossen. Die Haltedauer des Fonds ist fest und reicht bis zum Ende der Laufzeit. Weiterhin weist Neuberger Berman darauf hin, dass der Fonds Privatanlegern (mit Beratung) sowie professionellen Investoren angeboten wird. Mit einer Anlage werden allerdings keine Anteile an den Portfoliounternehmen erworben, sondern lediglich Anteile am Fonds.

Aller guten Dinge sind drei?

Mit dem neuen Fonds will Neuberger Berman an den Erfolg des zweiten ELTIFs NB Direct Private Equity Fund 2022 anknüpfen. Dieser konnte mit 210 Mio. Euro eingeworbenem Kapital sein ursprünglich geplantes Zielvolumen deutlich übertreffen. Bereits in 17 Unternehmen sei der Fonds investiert, so José Luis González Pastor, Managing Director bei Neuberger Berman. Das Kapital ihres ersten ELTIFs aus dem Jahr 2021 sei außerdem vollständig auf 27 Anlagen verteilt. Die Portfolios setzten auf wachstumsstarke Unternehmen, unter anderem aus den Sektoren Gesundheit, Bildung, IT, Dienstleistungen und Konsumgüter. (mki)

Bild: © Olivier Le Moal – stock.adobe.com

 

Aktive Fonds bleiben hinter ihren passiven Konkurrenten zurück

Im schwierigen Börsenjahr 2022 hatten die aktiven Fondsmanager die Gelegenheit, ihr Können zu beweisen – konnten diese allerdings nicht nutzen. Aktive Fonds performten weitläufig schwächer als ihre passiven Konkurrenten, wie das „European Active/Passive Barometer“ von Morningstar zeigt.

Rund alle halbe Jahre veröffentlicht das Finanzanalyseunternehmen Morningstar sein Aktiv-/Passiv-Barometer, in dem aktive und passive Fonds miteinander verglichen werden. Im März erschien der bereits zehnte Bericht. Fast 26.000 aktive und passive Fonds wurden auf ihre Performance im Jahr 2022 untersucht. Das verwaltete Gesamtvermögen lag bei etwa 5,1 Bio. Euro.

Und gerade bei fallenden Märkten hätte, so Morningstar, ein aktives Management bessere Chancen, durch den Markt zu navigieren, als eine passive Anlagestrategie. Der neue Bericht allerdings zeigt, dass die Lage letztes Jahr etwas anders verlief.

Aktive Fonds hinten dran

30,5% der aktiven Fonds in den 43 von Morningstar analysierten Kategorien übertrafen die Performance ihrer passiven Konkurrenten. Nur drei Aktienkategorien wiesen in diesem Zeitraum eine Erfolgsquote von 50% oder mehr für aktive Manager auf, heißt es im Aktiv-/Passiv-Barometer. Etwas besser trafen es jedoch die Manager im Bereich der festverzinslichen Wertpapiere. Aktive Anleihemanager konnten bei den steigenden Zinsen Wertpapiere mit kürzerer Duration kaufen und so das Zinsrisiko verringern. Die Duration ist die Empfindlichkeit des Kurses einer Anleihe gegenüber Zinsänderungen.

Passive Fonds, die Indizes mit allen Laufzeiten abbilden, seien Morningstar zufolge in dem Zinsumfeld eindeutig im Nachteil gewesen. In den zwölf Monaten bis Dezember 2022 lag die durchschnittliche Erfolgsquote für aktive Rentenmanager in den 23 von den Analysten untersuchten Kategorien bei 46%. Neun Kategorien wiesen eine Erfolgsquote von 50% oder mehr auf.

Langfristig niedrige Erfolgsquote

Auch im US-Bericht hätten nur 43% der aktiven Fonds überlebt und im Jahr 2022 besser abgeschnitten als ihre durchschnittlichen passiven Konkurrenten. Alles in allem bleiben die langfristigen Erfolgsquoten aktiver Manager somit niedrig, urteilt Morningstar. In den zehn Jahren bis 2022 lag die Erfolgsquote aktiver Manager in fast zwei Dritteln der 72 untersuchten Kategorien der verschiedenen Anlageklassen unter 25%. Nur in drei Kategorien (Global Equity Income, UK Equity Income und Immobilien Schweiz) erreichte sie einen Wert von über 50%. (mki)

Bild: © Thomas Reimer – stock.adobe.com

 

„Wir lehnen einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab“

Bestrebungen, den Staat als Anbieter in der privaten Altersvorsorge zuzulassen, sind ein Irrweg, sagt Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des BVI. Wie eine Reform der privaten Altersvorsorge aussehen könnte und welche Position der BVI in der Debatte über ein mögliches EU-Provisionsverbot bezieht, erläutert der Verbandschef im Interview.

Interview mit Thomas Richter, Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI
Herr Richter, welche Bilanz zieht die Branche angesichts des Ukrainekriegs, der Energiekrise und der Zinswende für das Jahr 2022?

Die Fondsbranche war widerstandsfähig. Trotz der Marktturbulenzen flossen Fonds netto 66 Mrd. Euro neue Gelder zu. Die Stützen waren Spezialfonds, die das Kapital institutioneller Anleger verwalten, und die inzwischen große Zahl von Fondssparplänen. Das verwaltete Vermögen ging von Anfang bis Ende 2022 zwar um 12% auf 3.804 Mrd. Euro zurück. Im Schlussquartal standen die Zeichen aber wieder auf Erholungskurs. In Europa bestätigte der deutsche Fondsmarkt erneut seine Spitzenposition. Deutschland ist nach Angaben der EZB mit einem Anteil von 28% der größte Fondsmarkt in der EU und auch beim Wachstum in den letzten fünf Jahren führend.

Wie sah es beim Neugeschäft der offenen Publikumsfonds aus? Für welche Asset-Klassen lief es gut und für welche nicht?

Aus Publikumsfonds flossen im Gesamtjahr netto 4 Mrd. Euro ab. Das ist deutlich weniger ist als in den Krisenjahren 2008 mit 27 Mrd. Euro und 2011 mit 15 Mrd. Euro. Mischfonds und Immobilienfonds führten die Absatzliste mit Zuflüssen an. Auch das Neugeschäft der Aktienfonds war noch positiv. Hier standen hohe Zuflüsse in Fonds mit globalem Anlageschwerpunkt Abflüssen aus Fonds, die in Europa investieren, gegenüber. Bei Rentenfonds sorgten die steigenden Zinsen für deutliche Abflüsse.

In den letzten Jahren sind nachhaltige Investments verstärkt in das Interesse von Anlegern gerückt. Hat die Nachfrage 2022 angehalten?

Ja. Fonds, die die Transparenzanforderungen an Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung erfüllen, erhielten über 5 Mrd. Euro neue Gelder. Inzwischen entfällt mit 604 Mrd. Euro knapp die Hälfte des verwalteten Publikumsfondsvermögens auf solche Produkte.

Seit vielen Monaten wird viel über Greenwashing-Vorwürfe debattiert. Die EU-Behörden wollen nun mehr Klarheit schaffen. Was halten Sie von dem Vorhaben?

Wir unterstützen das Vorhaben der EU-­Behörden, gegen Grünfärberei vorzugehen. Angesichts der vielen offenen Fragen zur Auslegung der EU-Regulierung ist der aktuelle Fokus der Behörden auf eine breit angelegte Marktuntersuchung zu Verdachtsfällen jedoch zu früh. Bevor man von Verdachtsfällen spricht, müssen erst die Kriterien für nachhaltige Investitionen im Sinne der Offenlegungsverordnung geklärt werden.

Auf EU-Ebene wird noch ein wichtiges Thema für Ihre Branche erneut diskutiert: ein Provisionsverbot für Wertpapiere. Das finden Sie sicherlich nicht gut.

Stimmt. Ein Verbot von Provisionen nur für Wertpapiere ist nicht akzeptabel. Es verzerrt den Wettbewerb zwischen Wertpapieren und Versicherungen und schadet den Verbrauchern. Wir wollen, dass das Nebeneinander von Provisions- und Honorarberatung erhalten bleibt. Vor allem für Kleinanleger hat die Provisionsberatung Vorteile: Wer viel anlegt, zahlt viel, und wer wenig anlegt, zahlt wenig. Zudem bleibt die Beratung kostenfrei, wenn der Sparer nichts kauft.

Wären Sparer denn bereit, für eine Finanzberatung ein gesondertes Honorar zu bezahlen?

Nur wenige. Nach einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Kantar könnte sich das nur jeder sechste Deutsche vorstellen. Ein Provisionsverbot würde zu einer Beratungslücke bei Kleinanlegern führen. Viele Verbraucher würden weniger oder keine Beratung mehr in Anspruch nehmen. Das hätte zur Folge, dass sie sich – entgegen dem erklärten Ziel der EU-Gesetzgeber – von den Kapitalmärkten abwenden. Sie würden keine Finanzprodukte mehr kaufen oder dies ohne Beratung tun – mit entsprechend höherem Risiko.

Viele Fürsprecher eines Provisionsverbots verweisen in dieser Debatte gerne auf England oder die Niederlande, wo es keine Provisionen mehr gibt. Überzeugen Sie diese Vergleiche?

Nein. In England, wo Provisionen seit zehn Jahren verboten sind, gibt es eine Beratungslücke. Die englische Finanzaufsicht FCA hat belegt, dass Sparer mit kleineren Anlagebeträgen faktisch von der Beratung ausgeschlossen sind und die Beratungskosten bei komplexeren Sachverhalten wie der Altersvorsorge unverhältnismäßig hoch sein können. Der Beratungsmarkt hat sich an Vermögen mit mindestens höheren fünfstelligen Pfundbeträgen ausgerichtet. Ähnliches gilt für die Niederlande. Dort sind Provisionen ebenfalls verboten, jedoch ist der Bedarf an privater Vorsorge und damit Anlageberatung aufgrund der starken betrieblichen Altersvorsorge gering.

Bleiben wir bei der Altersvorsorge. Viele Kundengelder fließen in Produkte, die in Fonds investieren. Welche Rolle kommt der Fondswirtschaft bei der Altersvorsorge hierzulande zu?

Die Fondswirtschaft ist der größte Verwalter von Altersvorsorgekapital. Die Menschen haben zwar oft über Kapitallebensversicherungen oder ihre Betriebsrente einen anderen Zugang, aber verwaltet wird letztlich ein großer Teil dieses Kapitals in Fonds. Laut einer Umfrage verwalteten unsere Mitglieder Mitte letzten Jahres 1.730 Mrd. Euro für Altersvorsorgezwecke. Das war knapp die Hälfte des von der Branche insgesamt verwalteten Vermögens. Diese Zahlen unterstreichen, dass Fonds der Motor der Altersvorsorge sind.

Der BVI ist ja auch Mitglied in der von der Regierung einberufenen Fokusgruppe private Altersvorsorge. Die Gruppe soll zwei Prüfaufträge bearbeiten. In einem der Aufträge geht es um einen öffentlich verantworteten Fonds mit einem kostengünstigen Angebot mit Abwahlmöglichkeit in der privaten Vorsorge. Das klingt sportlich.

Bestrebungen, den Staat als Anbieter in der privaten Altersvorsorge zuzulassen, sind ein Irrweg. In der sozialen Marktwirtschaft setzt der Staat die Regeln und ist Schiedsrichter. Sobald der Schiedsrichter selbst mitspielt, ist der Wettbewerb weder fair noch marktwirtschaftlich. Deshalb lehnen wir einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab. In allen Ländern mit staatlich organisierten Lösungen im Alterssicherungssystem sind diese nicht in der privaten Säule angesiedelt.

Im zweiten Prüfauftrag geht es um die gesetzliche Anerkennung privater Anlageprodukte mit höherer Rendite als Riester. Das ist doch eine Steilvorlage für Sie, oder?

Ja. Hierzu haben wir bereits Ende November letzten Jahres das Konzept des Fondsspardepots vorgestellt. Die starke Nachfrage nach Fondssparplänen ist Beleg für die Akzeptanz und Nutzung als Altersvorsorgeinstrument in der Bevölkerung. Kernelement unseres Konzepts ist ein Depot für Fondssparpläne, die ausschließlich für die Altersvorsorge abgeschlossen werden und mindestens bis zum Ende des 60. Lebensjahres laufen. Die Förderung erfolgt über einen gesonderten Freibetrag auf die bis zur Auszahlung erzielten Gewinne. Dieser Freibetrag wächst kontinuierlich mit der Anspardauer. Damit kann die Politik einen starken Anreiz zum renditeorientierten und langfristigen Sparen für die Altersvorsorge setzen.

 

„Wir lehnen einen Staatsfonds in der privaten Altersvorsorge ab“

 

So funktioniert das BVI-Fondsspardepot

Der Fondsverband BVI schlägt für die Reformierung der privaten Altersvorsorge ein sogenanntes Fondsspardepot vor.

Wird die Riester-Rente damit überflüssig?

Nein, unser Fondsspardepot hat mit der Riester-Rente nichts zu tun. Wir wollen eine neue Möglichkeit zum privaten Altersvorsorgesparen schaffen. Bei der Riester-Rente besteht allerdings dringender Reformbedarf. Sie hat trotz veralteter Rahmenbedingungen mit knapp 16 Millionen Verträgen eine hohe Verbreitung und gehört zu den erfolgreichsten geförderten Modellen in Europa. Durch die Zulagenförderung werden untere Einkommensgruppen erreicht. Vereinfachungen bei der Förderung könnten die Verbreitung in dieser Bevölkerungsgruppe ankurbeln. Ein wesentliches Hemmnis liegt jedoch in der gesetzlich vorgegebenen 100-prozentigen Garantiepflicht auf die eingezahlten Beiträge. Dem Sparer sollte es ermöglicht werden, ein attraktives Produkt ohne oder mit gewünschtem Garantieniveau zu wählen. Dies könnte die Regierung mit einem Federstrich umsetzen.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 03/2023, S. 48 ff., und in unserem ePaper.

Bild: © Stefan Gröpper Photography bzw. © peterschreiber.media – stock.adobe.com; Grafik: © BVL

 
Ein Interview mit
Thomas Richter

Deka wirft VW-Aktien aus nachhaltigen Anlageprodukten

Die Fondsgesellschaft Deka Investments entfernt einem Medienbericht zufolge die Volkswagen-Aktie aus ihren nachhaltigen Finanzprodukten. Der Entscheidung liegt eine kritische Bewertung der US-Ratingagentur MSCI zugrunde.

Wie die „Wirtschaftswoche“ am Donnerstag berichtete, zieht die Investmentbank Deka Investments eine klare Linie zwischen ihren nachhaltigen Anlageprodukten und den Aktien des Autokonzerns Volkswagen (VW). Deka-Fondsmanager sind nun nicht mehr dazu befugt, VW-Aktien in ihre nachhaltigen Produkte aufzunehmen.

VW-Aktien „nicht mehr investierbar“

„Volkswagen ist aus unserer Sicht nicht mehr investierbar, wenn es um nachhaltige Finanzprodukte geht“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, klar und deutlich gegenüber der Wirtschatfswoche. Am 04.11.2022 veröffentlichte die US-Ratingagentur MSCI einen Report, in dem von „Anschuldigungen wegen Zwangsarbeit in der Geschäftstätigkeit“ von VW die Rede ist. Dabei gehe es wohl in erster Linie um potenzielle Menschenrechtsprobleme in China.

In der Kategorie „Soziales“ erhielt VW daher die maximale Abwertung, die „Red Flag“. Die darin enthaltenen Unterrubriken „Arbeitnehmerrechte und Lieferkette“ und „Arbeitsbeziehungen“ wurden ebenso mit der Red Flag „prämiert“. Laut Speich gehe es bei dem MSCI-Report um mögliche Verstöße gegen den „Global Compact“, die Nachhaltigkeitsregeln der Vereinten Nationen definieren.

Keine VW-Investitionen mehr bei Deka

Die Wirtschaftswoche spekuliert, dass sich die schwerwiegenden Folgen für die VW-Aktie wohl in Grenzen halten könnten, da sich das Unternehmen größtenteils in den Händen von Ankeraktionären wie der Porsche-Piëch-Familie und des Landes Niedersachsen befinde. Probleme könne es allerdings bei der Geldbeschaffung geben. Speich zufolge sei VW als einer der größten Unternehmensanleiheemittenten „dringend angewiesen“ auf die Refinanzierung mittels Anleihen. Durch die Entwicklung könne VW bei der Refinanzierung „empfindlich getroffen“ werden.

VW im Gespräch mit MSCI

Nach Informationen der Wirtschaftswoche habe Volkswagen nach der Abwertung sofort versucht, mit MSCI ins Gespräch zu treten. Bisher sei die Ratingagentur aber nicht von ihrer Position abgewichen. Auf Anfrage der Wirtschaftswoche habe VW lediglich bestätigt, dass man sich im Gespräch mit MSCI befinde. (mki)

Bild: © nmann77 – stock.adobe.com

 

Das Comeback der Anleihen

2022 musste man an der Börse herbe Verluste einstecken. Doch mit steigenden Zinsen und einer sich etwas entspannenden Wirtschaftslage steht ein Comeback bevor. Alexis Renault, Leiter High Yield bei ODDO BHF AM, schildert, warum Anleihen in den Portfolios der Anleger wieder mehr Gewicht bekommen sollten.

Ein Artikel von Alexis Renault, Globaler Leiter High Yield bei ODDO BHF Asset Management

Das Jahr 2022 dürfte in vielerlei Hinsicht in die Geschichtsbücher eingehen. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte weitreichende Konsequenzen. Die Weltwirtschaft leidet noch immer unter den Folgen des resultierenden Angebotsschocks. Die stark angestiegenen Energiepreise und die in Mitleidenschaft gezogenen Lieferketten haben die Inflationsraten weltweit in die Höhe getrieben. In der Folge mussten die Zentralbanken die Zinsen schnell und massiv erhöhen, um die Nachfrage an das verringerte Angebot anzupassen. Kaufkraftverluste der Konsumenten, Produktions- und Investitionsrückgänge infolge der höheren Inflation und Zinsen sowie die anhaltenden Probleme in China haben weltweit zu einer Wachstumsverlangsamung und in der Folge zu deutlichen Verwerfungen an den Kapitalmärkten geführt.

Ein Jahr für hochverzinsliche Alternativen

Während über lange Zeit Anleihen von dem langfristigen Trend zu sinkenden Zinsen profitiert haben, hat der von den Zentralbanken zur Inflationsbekämpfung eingeleitete Zinsanstieg dem im letzten Jahr ein Ende gesetzt. Unabhängig von der Bonität mussten die Anleger 2022 deutliche Verluste hinnehmen. Laut unseren Analysen weisen Unternehmensanleihen mit den steigenden Zinsen nun aber möglicherweise wieder attraktive Bewertungen auf. Auch als diversifizierende Allokation in einem Portfolio bietet die Anlageklasse Vorteile. Für Anleger mit höherem Risikoappetit lohnt sich angesichts der hohen Volatilität am Aktienmarkt ein Blick auf hochverzinsliche Anleihen, sogenannte High-Yield-Bonds. Laut unseren Analysen sind Anleihen im High-Yield-Segment mit den steigenden Zinsen nun wieder attraktiv bewertet. Dort bieten sich Chancen wie seit vielen Jahren nicht mehr.

High Yield – eine wesentliche Anlageklasse für das Portfolio

Hochverzinsliche Anleihen sind längst kein Nischensegment mehr und erreichen in Europa ein Gesamtvolumen von mehr als 350 Mrd. Euro. High-Yield-Anleihen werden zur Finanzierung von Unternehmen aus einem breiten Spektrum von Sektoren verwendet, das von Industriegütern über Dienstleistungen bis hin zum Gesundheitswesen reicht. Mit mehr als 350 Emittenten ist der Euro-High-Yield-Markt auch gut diversifiziert.

Potenziell attraktives Risiko-Ertrag-Profil

Hochverzinsliche Anleihen werden von vielen Anlegern allgemein als riskante Anlageklasse angesehen. Das Risiko einer Anlageklasse lässt sich an den Schwankungen ihrer jeweiligen Wertentwicklung messen. Mittel- bis langfristig ist die Volatilität am High-Yield-Markt geringer als bei Aktien. Ein Grund dafür ist, dass die High-Yield-Anleihen eines Unternehmens in der Kapitalstruktur Vorrang vor dem Eigenkapital haben. Hochverzinsliche Anleihen haben auch tendenziell kürzere Laufzeiten und sind daher einem geringeren Zinsänderungsrisiko ausgesetzt als Investment-Grade-Anleihen. Angesichts der höheren Renditen und der kürzeren Duration bieten Euro-High-Yield-Anleihen unserer Analyse zufolge einen wesentlich größeren Puffer gegen steigende Renditen als Staatsanleihen oder auch Unternehmensanleihen guter Bonität.

 

Das Comeback der Anleihen

 

Grafik: Volatilität von Aktien und Hochzinsanleihen im Vergleich

Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für zukünftige Erträge.

Geringe Korrelation mit anderen Anlageklassen

Eine weitere wichtige Frage ist, ob die Beimischung einer Anlageklasse die Diversifizierung des Portfolios verbessert. Hierzu müssen Anleger die jeweilige Korrelation mit anderen Anlageklassen analysieren, d. h. ob sie sich mehr oder weniger im Gleichlauf entwickeln. Hochzinsanleihen korrelieren in geringerem Maße mit Aktien, und die Korrelation mit Staatsanleihen liegt sogar bei nahezu null. Dies liegt daran, dass die Rendite einer Hochzinsanleihe im Wesentlichen durch die Risikoprämie bestimmt wird, die von der Fähigkeit des Unternehmens abhängt, seine Schulden zu bedienen, und nicht sehr empfindlich auf Zinserhöhungen reagiert. Daher trägt eine Beimischung von Hochzinsanleihen zur Diversifizierung eines Multi-Asset-Portfolios bei.

Integration von Hochzinsanleihen ins Portfolio

Wie Aktien, Staatsanleihen und Investment-Grade-Unternehmensanleihen sind Hochzinsanleihen daher eine wichtige Anlageklasse für Anleger. Diese sollten jedoch beachten, dass Investitionen in Hochzinsanleihen das Risiko eines Kapitalverlusts mit sich bringen. Für den Anlageerfolg ist daher ein stringenter Investmentansatz entscheidend, der auf den folgenden Säulen beruht:

  • Fundamentale Kreditanalyse zur Bewertung der Qualität eines Unternehmens und seiner Fähigkeit, Schulden zu bedienen und zurückzuzahlen
  • Ein gut diversifiziertes Portfolio mit mehr als hundert Emittenten aus verschiedenen Wirtschaftszweigen
  • Eine rigorose Verkaufsdisziplin, um die Qualität eines Portfolios aufrechtzuerhalten und jede Verschlechterung bei der Qualität ausgewählter Unternehmen zu antizipieren
„Buy & Maintain“

Potenziell attraktiv ist der Markt für spekulative Hochzinsanleihen auch in Form von Laufzeitstrategien, die gegenüber einer Direktanlage in Anleihen zwei Vorzüge bieten: eine gute Kalkulierbarkeit der zu erwartenden Endfälligkeitsrendite und eine diversifizierte Auswahl an Titeln im Portfolio. Das ermöglicht es Anlegern, das Verhalten einer Anleihe nachzubilden und gleichzeitig von einem hohen Maß an Diversifizierung sowie von den Ressourcen der Verwaltungsgesellschaft zu profitieren, um im Rahmen einer „Buy and Maintain“-Strategie Qualitätsemittenten auszuwählen und die Positionen anzupassen, wenn sich die Lage eines oder mehrerer Unternehmen verschlechtert.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 03/2023, S. 54 f., und in unserem ePaper.

Bild: © vegefox.com – stock.adobe.com; Grafik: © BofA, ODDO BHF AM GmbH, per 12/2022

 
Ein Artikel von
Alexis Renault

DWS startet offenen europäischen Infrastrukturfonds

Die DWS hat die Auflegung eines neuen Infrastrukturfonds angekündigt, über den auch Privatkunden investieren können. Weiterhin gibt die DWS eine Unterlassungserklärung zu irreführenden Werbeaussagen ab, die im Zuge einer Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg eingefordert wurde.

Premiere für die DWS: Der Frankfurter Vermögensverwalter hat nun einen neuen Fonds „DWS Infrastruktur Europa“ im Angebot. Mit diesem sollen nicht nur institutionelle Investoren, sondern in erster Linie auch deutsche Privatkunden in konkrete Infrastrukturprojekte in Europa investieren können. Möglich mache dies das im August 2021 in Deutschland in Kraft getretene Fondsstandortgesetz.

Der Fonds sei, so die DWS in einer Mitteilung, das erste Angebot der angekündigten Familie von Investmentlösungen der DWS, die sich auf verschiedene Aspekte der europäischen Transformation konzentriert.

DWS Infrastruktur Europa

Der als offenes Infrastruktur-Sondervermögen konzipierte DWS Infrastruktur Europa investiert in nicht-börsennotierte Infrastrukturprojekte und -unternehmen, die entsprechende Projekte entwickeln und betreiben. Schwerpunkt des Fonds sind Projekte zu erneuerbaren Energien im EU-Raum, denen zur Diversifizierung Infrastrukturanlagen aus den Sektoren Digitalisierung, Versorgungswirtschaft oder Projekte, die auf umweltfreundlichen und nachhaltigen Transport gerichtet sind, beigemischt werden können.

Gemanagt wird der Fonds, neben einem „bestens vernetzten DWS-Team“, wie es in der Mitteilung heißt, von Dr. Peter Brodehser, der seit Herbst 2022 die Infrastrukturexpertise der DWS in Frankfurt aufgebaut hat und weiterhin ausbaut.

Anlagemöglichkeit für Privatkunden

Aufgrund sehr hoher Mindestanlagesummen waren direkte Investitionen in konkrete Infrastrukturprojekte bislang vornehmlich institutionellen Investoren vorbehalten. Mit dem Fondsstandortgesetz von August 2021 kann die DWS den DWS Infrastruktur Europa nun als offenes Infrastruktur-Sondervermögen auflegen. Dann sind auch Beiträge ab 50 Euro möglich. Der empfohlene Anlagehorizont ist mit mindestens drei bis fünf Jahren mittel- bis langfristig.

Europa in der Investitionspflicht

Laut DWS müsse Europa in den kommenden Jahrzehnten erhebliche Investitionen tätigen, um seine Volkswirtschaften umzugestalten, externe Abhängigkeiten von außen zu verringern und eine nachhaltige Industrielandschaft aufzubauen, wenn der Kontinent seinen derzeitigen hohen Lebensstandard sichern und die Grundlagen für künftigen Wohlstand schaffen will. Auf den DWS Infrastruktur Europa sollen neue Investmentlösungen der DWS folgen, die nicht nur bereits identifizierte Transformationsbereiche abdecken, sondern Anlegern auch die Möglichkeit bieten sollen, gezielt in verschiedene Anlageklassen zu investieren.

DWS gibt Unterlassungserklärung wegen Greenwashings ab

Weiterhin gab die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg am Mittwoch, 08.03.2023, bekannt, dass die DWS eine Unterlassungserklärung wegen irreführender Werbeaussagen abgegeben habe. Die Verbraucherzentrale hatte im Oktober 2022 beim Landgericht Frankfurt am Main Klage gegen die DWS eingereicht, nachdem sie auf eine erste Abmahnung wegen Greenwashings vorerst nicht reagiert hatte.

Hintergrund der Abmahnung war u. a. eine Werbung für den DWS Invest ESG Climate Tech Fonds. Darin wurde damit geworben, Anleger würden mit ihrem Fondsvermögen zu 0% in Unternehmen aus bestimmten kontroversen Sektoren wie Kohle oder Rüstungsgüter investieren. Nach Auffassung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sei diese Werbung irreführend gewesen, weil nicht transparent erläutert werde, wie die DWS zu diesen Angaben gelangt.

Werbung wird unterlassen

Am 07.03.2023 hat die DWS nun die geforderte Unterlassungserklärung abgegeben und sich somit dazu verpflichtet, die beanstandete Werbung ab dem 22.03.2023 zu unterlassen. Im Rahmen der Klage der Verbraucherzentrale wäre vor dem LG Frankfurt ein Verhandlungstermin am 10.03.2023 angesetzt gewesen. Dieser ist nun hinfällig. Die Verbraucherzentrale verkündet in ihrer Mitteilung, dass sie die geänderte Werbung „zu gegebener Zeit“ erneut prüfen werde. (mki)

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So hat die ETF-Branche 2022 in Europa performt

ETFs erfreuen sich weltweit immer größerer Beliebtheit. In einem in jeglicher Hinsicht schwierigen Jahr 2022 hatte die Börse einen schweren Kampf auszutragen. Wie hat sich die europäische ETF-Branche in dem Zeitraum geschlagen? AssCompact hat die wichtigsten Zahlen in einer Bildergalerie zusammengefasst.

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Schroders erweitert mit erstem ELTIF Zugang zu Private Assets

Die britische Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders Capital bringt ihren ersten europäischen langfristigen Investmentfonds an den Start, den Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023. Der Fonds operiert gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung.

ELTIFs, oder auch „europäische langfristige Investmentfonds“, sind geschlossene Investmentvehikel, die Privatanlegern einen besseren Zugang zu Private Markets-Investitionsbereichen mit langfristigem Kapitalbedarf, wie Infrastruktur und Immobilien, sowie zu kleinen und mittleren Unternehmen ermöglichen sollen. So schreibt der hauptsächlich in London sitzende Vermögensverwalter Schroders Capital, der nun seinen ersten ELTIF auf den Markt bringt – den Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023.

Schroders reagiert damit wohl auf die vom EU-Parlament beschlossene Änderung der Verordnung über ELTIFs. Bislang konnten Privatanleger nur in ELTIFs investieren, wenn sie über ein freies Vermögen von 100.000 Euro oder mehr verfügten - und dann auch nur mit einer Mindestanlagesumme von 10.000 Euro. Diese Anforderungen entfallen nun mit dem Beschluss des EU-Parlaments. Auch auf Vermittlerseite werden die Abfrage-, Aufklärungs- und Dokumentationspflichten vereinfacht, indem sie den Vorgaben der EU-Wertpapierdienstleistungsrichtlinie MiFID II angepasst werden.

Schroders Capital mit Artikel-8-ELTIF

Der Schroders Capital Private Equity ELTIF 2023 werde sich laut Schroders auf Private Equity-Buyout- und Wachstumsinvestitionen im unteren und mittleren Marktsegment konzentrieren. Der Fokus liege dabei auf europäischen Firmen. Allerdings will Schroders bei dem Fonds die Flexibilität aufrechterhalten, auch in außereuropäische Unternehmen mit einem hohen operativen Engagement in Europa zu investieren.

Bei diesen Unternehmen handle es sich in der Regel um qualitativ hochwertige, in Familienbesitz befindliche oder von Gründern geführte Unternehmen, die einen Partner für ihre nächste Wachstumsphase suchen. Der ELTIF soll in den Bereichen Industrie Unternehmensdienstleistungen, Konsumgüter, Technologie und Gesundheitswesen investieren. Der Zeithorizont sei Schroders zufolge dabei mittel- bis langfristig und liege zwischen drei und sieben Jahren. Der Fonds weist ökologische und/oder soziale Merkmale gemäß Artikel 8 EU-Offenlegungsverordnung auf, wie Schroders meldet.

Private Assets für Privatanleger

In erster Linie wolle man mit dem Fonds Privatanlegern einen besseren Zugang zu Private Assets bieten. Karine Szenberg, Head of Europe bei Schroders, findet, dass die „soliden Erträge und Diversifizierungsverteile“ von Private Assets einem breiteren Spektrum von Anlegern verfügbar gemacht werden sollten. Alexander Prawitz, Leiter der Schroder Investment Management (Europe) S.A., German Branch, sieht die Assetklasse der Private Equity als „nach wie vor komplex! An, beobachte aber auch in Deutschland und Österreich ein wachsendes Interesse daran. Daher brauche die private Anlegergruppe die zusätzliche Unterstützung durch einen „erfahrenen Asset Manager“.

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