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Fort- & Weiterbildung

Sichere Authentifizierung ist unerlässlich

Die Zwei-Faktor-Authentifizierung hilft beim Schutz von Benutzerkonten und Daten. Neben einem Passwort kommt eine weitere Sicherheitskomponente zum Einsatz. So auch bei easy Login, einer Initiative, die Versicherungsmaklern Zugang zu den Extranets der angebundenen Versicherer ermöglicht.

Ein Artikel von Marek Ullrich, Geschäftsführer der easy Login GmbH

Passwörter, mobileTAN, Zwei-Faktor-Login, QR-Codes, TOTP, … Nicht wenige schalten bei diesen Schlagworten direkt ab und springen lieber zu aufregenderen und vermeintlich wichtigeren Themen. Bequemlichkeit bei unliebsamen Themen ist nur menschlich, kann aber im Falle eines Angriffs auf die IT-Systeme schnell gefährlich werden. Denn dass eine sichere Zwei-Faktor-Authentifizierung nicht sexy, aber absolut notwendig ist, zeigen immer wieder Fälle von gehackten IT-Systemen – auch in der Versicherungsbranche.

Bei der Anmeldung zusätzlich zum Benutzernamen und Passwort noch einen zweiten Faktor eingeben: Muss das sein? Die Brancheninitiative easy Login findet: Ja. Denn sicher ist sicher.

easy Login: Ein Account für möglichst viele Versicherer

Ziel von easy Login ist es, Versicherungsmaklern einen sicheren und einheitlichen Einstieg in die Portale möglichst vieler Versicherer sowie den Zugriff auf deren BiPRO-Dienste mit nur einem Account zu ermöglichen.

Dafür bietet easy Login ein sogenanntes SSO-Verfahren (Single Sign-On) an. Das bedeutet, der Nutzer meldet sich einmal mit seinem Account bei easy Login an und gelangt dann ohne weitere Anmeldung in die Portale seiner bei easy Login freigeschalteten Versicherer.

Die sichere Anmeldung bei easy Login funktioniert mit einem TGIC-Account. Dieser setzt sich aus einer Benutzerkennung, einem Passwort und dem gewählten zweiten Faktor zusammen. Das kann entweder „mobileTAN“ oder „TOTP“ (Time-based One-time Password) sein.

Anmeldung via TOTP: Was ist das?

Um kurz auszuholen: Der Login mit mobileTAN ist vielen schon vom Onlinebanking ein Begriff. Man hinterlegt eine Handynummer und erhält anschließend einige Ziffern per SMS, um sich anzumelden oder eine Überweisung zu tätigen.

Nun gibt es aber die verschiedensten Gründe, warum das mobileTAN-Verfahren von einzelnen Nutzern als ungeeignet empfunden werden kann: unzuverlässiger Mobilfunkempfang am Bürostandort oder fehlende Diensthandys, um nur zwei Punkte zu nennen.

Hier hilft das TOTP-Verfahren: Bei dieser Login-Methode erhält der Nutzer einmalig einen QR-Code, der in einen sogenannten TOTP-Generator eingelesen wird. Als TOTP-Generator kommt zum Beispiel ein Hardware-Gerät der Firma REINER Kartengeräte GmbH & Co. KG infrage, aber auch Apps fürs Handy oder den PC sind verfügbar. Es wird für diese Login-Methode also nicht zwingend ein Mobil­telefon vorausgesetzt.

TOTP-Apps von easy Login: Einheitlich und aus deutscher IT-Hand

TOTP-Generatoren unterschiedlichster Art findet man in den App Stores zuhauf. Stellt sich die Frage: Braucht es für easy Login wirklich noch eigene TOTP-Apps? Ja und nein. easy Login-Nutzern steht es frei, auch andere unterstützte Apps für das Erzeugen eines TOTPs zu verwenden. Was für die easy Login-eigenen Apps spricht: Egal ob Windows-PC, Android-Handy, Macbook, Tablet oder iPhone – die easy Login-Apps laufen auf allen gängigen Endgeräten und Betriebssystemen und haben ein aufgeräumtes Design. Weiterhin sind die Apps deutschsprachig und enthalten auf easy Login-Nutzer zugeschnittene Anweisungen zum Einlesen eines QR-Codes.

Die Apps wurden von der renommierten deutschen Firma ecsec GmbH programmiert, einem spezialisierten Anbieter für Sicherheitslösungen in der IT, und zudem einer Sicherheitsprüfung unterzogen.

Zwei-Faktor-Authentifizierung für BiPRO

Die sichere Authentifizierung von easy Login kommt aber nicht nur für den Einstieg in die Portale von Versicherern zum Einsatz, sondern auch in BiPRO-Anwendungen. Eine davon ist der hauseigene easy Client, ein mittlerweile webbasiertes Tool zum Absprung in Versichererportale, Abholen digitaler Post, Tarifieren und mit Deeplink-Funktion. Der easy Client war schon seit 2012 als Software auf dem Markt und wurde letztes Jahr komplett überarbeitet, sodass Installation und manuelle Updates der Vergangenheit angehören. Die Webversion aktualisiert sich selbstständig. Sobald ein Nutzer angemeldet ist, kann er von jedem Endgerät und über jeden gängigen Browser auf die Versichererportale zugreifen und seine digitale BiPRO-Post abrufen.

Der neue easy Client bietet die innovative Funktion „Störung melden“. Tritt ein Fehler auf, zum Beispiel beim Postabruf, kann dieser sofort über den easy Client an die passende Abteilung beim Versicherer gemeldet werden. Der Versicherer kann dem Nutzer dann direkt im easy Client antworten. Und sollte das Problem nicht direkt beim Versicherer gelöst werden können, hat dieser jederzeit die Möglichkeit, easy Login und den Support des Softwareherstellers in die Kommunikation einzubeziehen.

Ziel dieser Funktion ist es, Zeit zu sparen, die betroffenen Parteien schnell miteinander zu vernetzen und Probleme effizient zu lösen. Und das kommt an: Nach nicht einmal einem halben Jahr Produktivbetrieb liegen die Nutzerzahlen des webbasierten easy Client schon jetzt oberhalb derer der alten Software.

Der easy Client wurde von der Düsseldorfer Firma b-tix programmiert, einem bekannten Anbieter für digitale Vernetzung in der Ver­sicherungsbranche.

easy Login im Maklerverwaltungsprogramm

Viele Makler nutzen bereits ein Maklerverwaltungsprogramm (MVP), um an die BiPRO-Post zu gelangen. Ist easy Login damit nicht überflüssig? Auf keinen Fall.

Auch im Verwaltungsprogramm müssen Logindaten hinterlegt werden, damit das Programm die BiPRO-Schnittstellen zu den Services der Versicherer ansprechen und zum Beispiel die digitale Post abholen kann.

easy Login bietet hierfür ein digitales Zertifikat an. Dabei handelt es sich um eine Datei, die im easy Login-Portal erstellt und danach in das Verwaltungsprogramm hochgeladen wird. Für die Nutzung der BiPRO-Services greift das MVP dann auf das Zertifikat zurück und kann so mehrere Versicherer gleichzeitig ansprechen, die über den easy Login-Account freigeschaltet sind und dieses Verfahren unterstützen. Auch so werden wieder mehrere einzelne Zugangsverfahren eingespart und über ein easy Login-Zertifikat gebündelt.

So sicher wie möglich, so kompliziert wie nötig

Andreas Vollmer, Versicherungsmakler und Vorstandssprecher des SSO e. V. – die Brancheninitia­tive Single Sign-On e. V., die hinter easy Login steht –, bringt es wie folgt auf den Punkt: „Es muss jetzt und auch in Zukunft das Ziel in Sachen Zwei-Faktor-Login sein: So sicher wie möglich und nur so kompliziert wie nötig.“ Dieses Ziel verfolgt easy Login konsequent weiter, um die langjährig anerkannte Position in der Versicherungsbranche auch in den kommenden Jahren auszubauen.

Über easy Login

easy Login ist eine Initiative für die Anmeldung an den Onlinediensten und BiPRO-Webservices von Versicherern. Seit 2010 erleichtert easy Login Ver­sicherungsmaklern so den Zugang zu den Extranets der Versicherer. Ergänzt wird das Angebot durch das BiPRO-Tool easy Client.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 03/2023, S. 94 f., und in unserem ePaper.

Bild: © Fabio Principe – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Marek Ullrich

IDEAL: Veranstaltungsreihe zu Pflegevorsorgeberatung

Für Vertriebspartner hat die IDEAL eine neue Beratungsinitiative gestartet. Dazu finden im März in verschiedenen Städten Expertenforen statt. Ziel ist, Vermittler bei der Integration des Themas Pflege in Vorsorgeberatungen zu unterstützen. Zielgruppe sind vor allem „Babyboomer“.

„Zum Thema Pflege wird seit Jahren viel diskutiert, aber leider immer noch viel zu wenig gehandelt. Das Ziel, Pflege in Deutschland würdig und finanzierbar zu gestalten, scheint weit entfernt. Gerade in den vergangenen Jahren sind die Kosten in der Pflege förmlich explodiert. Diese angespannte Situation verstehen wir als klaren volkswirtschaftlichen Auftrag an die Vermittler, das Thema Pflegevorsorge auf die tägliche Agenda zu setzen. Speziell die große Zielgruppe der Generation ‚Babyboomer‘ sollte so zum Zuhören und Handeln für die eigene Pflege motiviert werden“, erklärt Christoph Glinka, Bereichsleiter Vertrieb bei der IDEAL Lebensversicherung a.G., das definierte Ziel einer neuen Beratungsinitiative.

Pflege in Vorsorgeberatung einbauen

„Baby Boomer – boomt es auch bei Ihnen?“ heißt sie und soll Vertriebspartnern Unterstützung bieten, das Thema Pflege in ihre Vorsorgeberatung integrieren. Das neue Veranstaltungsformat „IDEAL ExpertenForum“ findet an 22 Standorten in ganz Deutschland den gesamten Monat März über statt. Laut IDEAL soll das Event Vermittlern Denkanstöße, Verkaufsansätze und Beispiele für Pflegevorsorgeberatung geben, z. B. auch durch Workshops. Es handelt sich um eine Weiterbildungsmaßnahme nach IDD. Der unabhängige Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit selbst bietet für die Absicherung des Pflegerisikos die IDEAL PflegeRente das IDEAL PflegeTagegeld an. (lg)

Bild: © Viacheslav Yakobchuk – stock.adobe.com

 

„Immer Respekt, niemals Angst, eine neue Aufgabe zu übernehmen“

„Respekt ist wichtig, Angst ist überflüssig“ – mit dieser Einstellung hat sich Andrea Brock, Hauptbevollmächtigte der QBE Europe, in ihrer beruflichen Karriere Herausforderungen gestellt. Im Interview spricht sie über ihre Arbeit in einem männerdominierten Umfeld, Frauen in Führungspositionen und die Unternehmenskultur bei QBE.

Interview mit Andrea Brock, Hauptbevollmächtigte der QBE Europe SA/NV
Frau Brock, zum heutigen Weltfrauentag möchten wir auch über Frauen in der Versicherungsbranche sprechen. Da hat sich doch in den letzten Jahrzehnten einiges getan …

Getan hat sich tatsächlich einiges – aber bei Weitem nicht genug. Da die Themen Frauenquote und Diversity beherrschende Themen des gesellschaftlichen Diskurses sind, habe ich manchmal das Gefühl, dass vielerorts gedacht wird: Nun reicht es aber mal langsam. Aber nur weil wir darüber sprechen und schreiben, sind wir noch lange nicht angekommen – da liegt noch ein langer Weg vor uns. Ich habe vor Kurzem in einem Geschäftsbericht aus 2020 folgendes gelesen: „Der Aufsichtsrat hat […] die Zielgröße für den Frauenanteil im Aufsichtsrat auf 0 bis 33,33% und die Zielgröße für den Frauenanteil im Vorstand auf 0 bis 20% festgelegt.“ Tatsächlich lag der Frauenanteil im Vorstand bei 0% – damit wurde die Zielgröße erreicht.

Als ich mir vor Kurzem auch noch mal einen Report vom Swiss Re Institute angeschaut habe, wurde mir nochmals bewusst vor Augen geführt, dass wir mit einer CEO-Quote im Bereich der Non-Life-Versicherungen von 5% weltweit sogar noch hinter Japan liegen – das zeigt womöglich, wie weit der Weg noch ist.

Aber woran, glauben Sie, liegt das?

Wie gesagt, nur weil wir darüber sprechen, haben wir das Problem ja noch lange nicht gelöst. Laut AGV lag der Anteil weiblicher Führungskräfte 2021 bei 29,8% – allerdings mit einer überproportionalen Gewichtung auf den Führungsebenen drei und vier. Über alle Level hinweg hat es 15 Jahre gedauert, den Anteil um zehn Prozentpunkte zu erhöhen – ein exponentielles Wachstum in den letzten fünf Jahren ist allerdings nicht zu erkennen, was man vielleicht aufgrund der Wahrnehmung des Themas vermuten sollte.

Das Bewusstsein ist da und es gibt auch Regulierungen. Und trotzdem braucht der Wandel noch Zeit?

Bewusstsein ja, Problemlösungen na ja… Wir werden diese Herausforderung nicht über Nacht oder in den kommenden Jahren lösen. Viele Unternehmen haben sich eigene Quoten gesetzt, die sie erfüllen wollen und Förderprogramme aufgelegt. Aber – und das ist mir ein echtes Anliegen – wir müssen dieses Thema als Branche angehen, weil unser weiblicher Talentpool nicht ausreicht. Wir müssen gemeinsam die Versicherungsbranche für Frauen attraktiver machen. Wenn ich mir heute Bereiche wie Risk Engineering oder Technische Versicherungen anschaue, sind das weiterhin fast ausschließlich männlich dominierte Bereiche. Daneben hat sich aber die Frauenquote bei Studierenden im Bereich Ingenieurwissenschaften auf 30% erhöht.

Aus diesem Grund habe ich gemeinsam mit einigen Kolleginnen aus der Branche 2022 das Netzwerk FidI – Frauen in der Industrieversicherung – gegründet. Mit mittlerweile fast 300 Mitgliedern wollen wir uns als Frauen in der Industrieversicherung der wichtigen Themen annehmen und uns untereinander vernetzen. Dabei geht es sowohl um Mentoring-Angebote zu verschiedenen Aspekten als auch um die Etablierung der Industrieversicherung als attraktiven Arbeitgeber für weibliche Nachwuchskräfte. Ein zentrales Thema unseres Austauschs ist dabei die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Getragen wird FidI von Versicherungen, Versicherungsmaklern und Industriekunden sowie dem Beitrag und Engagement aller Teilnehmerinnen.

In anderen Ländern scheint man in der Versicherungswirtschaft weiter zu sein. Können Sie das bestätigen?

Absolut. Wenn ich mir meine europäischen Kolleg:innen anschaue, sind mir diese bei den Diversity KPIs deutlich voraus. Im europäischen Management haben wir eine nahezu paritätische Besetzung unter der Leitung von Beatriz Valenti.

QBE ist weltweit tätig, was bedeutet das für die Unternehmenskultur, für Diversität und für Gleichstellung?

Bei uns ist die Unternehmenskultur integraler Bestandteil unsers Handelns und wir stellen sicher, dass das Thema Diversity über alle Hierarchieebenen hinweg gelebt wird. Ich weiß, dass das viele Unternehmen von sich behaupten – also hier einige konkrete Beispiele:

Wir haben konzerninterne Netzwerke wie etwa „QBE MIX“ – hier geht es darum, unsere Vielfalt zu vereinen, unsere Unterschiede zu feiern und das Bewusstsein für die ethnische Vielfalt innerhalb unserer Organisation zu schärfen.

Mitarbeiter:innen, die sich engagieren möchten, werden dafür entsprechend freigestellt, denn nur dann kann sichergestellt werden, dass das Thema auch die entsprechende Aufmerksamkeit bekommt.

Wie sieht denn Ihr eigener Lebenslauf aus und welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich hatte größtenteils das Glück, auf Vorgesetzte zu treffen, die mich gefördert und gefordert haben. Darüber hinaus hatte ich immer Respekt, aber niemals Angst, eine neue Aufgabe zu übernehmen. Respekt ist wichtig, Angst ist überflüssig. Dennoch bewege ich mich – und das gilt für die Industrieversicherung in Deutschland im Besonderen – immer noch in einem männerdominierten Umfeld. Hier würde ich mich freuen, wenn wir auf den gängigen Veranstaltungen deutlich weiblicher vertreten wären.

Wenn wir schon die Gelegenheit haben, mit Ihnen zu sprechen, wollen wir auch noch kurz über QBE in Deutschland reden. QBE dürfte nun etwas länger als 15 Jahre in Deutschland sein?

2022 waren es 15 Jahre – leider konnten wir das aufgrund der Corona-Restriktionen nicht so richtig zelebrieren – ich sehe uns daher als etablierten Versicherer in Deutschland. 2022 war für alle in der P&C Industrie eine besondere Herausforderung: Krieg in der Ukraine, Verhärtung der Rückversicherungsmärkte, Inflation und Konsolidierungen in der Marklerwelt – wir haben uns in diesem Umfeld sehr resilient gezeigt. 2023 liegt unser Fokus vor allem im Recruiting neuer Talente für unser Wachstum, den weiteren Ausbau unseres aktuellen Produktportfolios und dem Launch von Transportversicherungen in Deutschland.

Über Andrea Brock

Seit 2019 ist die studierte Betriebswirtin General Managerin bei QBE und leitet das Deutschlandgeschäft des Industrieversicherers. Sie hatte schon zuvor Führungspositionen bei Unternehmen wie AIG, Chubb und MS Amlin. 2021 übernahm sie zusätzlich interimistisch die Rolle des Executive Director Continental Europe. 

Bild: © Andrea Brock, QBE

 
Ein Interview mit
Andrea Brock

Zahlen zu Frauen, Finanzen und Führungskräften

Der Equal Pay Day und der Weltfrauentag geben auch alljährlich Anlass, die finanzielle und berufliche Situation von Frauen auf den Prüfstand zu stellen. Es werden diverse „Gaps“ und der Frauenanteil in Führungspositionen aufgezeigt. Auch Work-Life-Balance hängt mit dem Themenkomplex zusammen.

Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit, nehmen häufiger und längere Auszeiten für Care-Arbeit und haben seltener Führungspositionen inne. All das trägt zum Gender Pay Gap bei. Aber auch die Ursache des Gender Pension Gaps wird laut Statistischem Bundesamt (Destatis) darin gesehen.

Gender Pension Gap: 29,9%

Das geschlechtsspezifische Gefälle bei den Alterseinkünften liegt laut Destatis aktuell bei 29,9%. Knapp ein Drittel niedriger als die von Männern waren die Alterseinkünfte von Frauen durchschnittlich. Der Erhebung zu Einkommen und Lebensbedingungen (EU-SILC) 2021 zufolge hatten Frauen über 65 Jahre in Deutschland Alterseinkünfte in Höhe von 17.814 Euro brutto im Jahr. Männer dieser Altersgruppe bezogen 25.407 Euro brutto. Mit Alterseinkünften sind Alters- und Hinterbliebenenrenten und -pensionen sowie Renten aus individueller privater Vorsorge gemeint.

Eine repräsentative Umfrage von Fidelity International, die vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Kantar durchgeführt wurde, hat außerdem gezeigt, dass Frauen bei der Frage nach ihrem jährlichen Wunscheinkommen im Ruhestand einen deutlich niedrigeren Wert als Männer wählen. Als durchschnittliches Wunscheinkommen pro Jahr geben Männer 35.320 Euro an. Frauen hätten gerne 30.230 Euro. Allerdings rechnet nur jede vierte Frau (26%) damit, im Ruhestand ihr gewünschtes Einkommen tatsächlich zu erreichen, so das Umfrageergebnis. Zudem legen Frauen laut Fidelity nicht so viel fürs Alter zur Seite wie Männer. Warum sparen sie nicht mehr für die Rentenzeit? Als Grund nennen 42% der Frauen, dass ihnen das Geld fehle. Auch die Lebenserwartung wird oft nicht in die Rentenplanung einbezogen. Diese stelle Fidelity zufolge bei Frauen aufgrund ihrer längeren Lebensdauer jedoch eine entscheidende Größe dar. Der Umfrage nach denken viele nicht an die Kosten für eine eventuelle Langzeitpflege. Dies betrifft beide Geschlechter. Rund jede zehnte befragte Person berechnet diese in seine benötigten finanziellen Mittel für den Ruhestand mit ein.

„Es liegt nun an der Politik und der Finanzbranche, Lösungen aufzuzeigen, wie Frauen ihre gewünschte Rente erreichen können. Neben einer besseren finanziellen Allgemeinbildung in Deutschland benötigen wir auch konkrete Verpflichtungen, die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen zu schließen“, sagt Tina Kern, Head of Personal Investing & Advisory Operations bei Fidelity International in Deutschland.

Gender Gap Arbeitsmarkt: 39%

Anlässlich des Equal Pay Days teilt Destatis mit, dass die „Gender Gap Arbeitsmarkt“ im Jahr 2022 39% betrug. Sie setzt sich aus drei Größen zusammen, die in die Berechnung des Indikators einfließen: Bruttostundenverdienste, bezahlte Arbeitsstunden und Erwerbstätigenquoten. Neben der Verdienstlücke pro Stunde zeigt der „Gender Gap Arbeitsmarkt“ somit Unterschiede in der bezahlten monatlichen Arbeitszeit (Gender Hours Gap) und in der Erwerbsbeteiligung von Frauen und Männern (Gender Employment Gap) auf.

Frauenanteil unter Führungskräften: 29%

Ein weiterer, oft genannter Indikator ist der Anteil von Frauen unter Führungskräften. Auch dazu hat Destatis Zahlen parat: Im Jahr 2021 lag er in Deutschland bei 29%. Im Vergleich dazu beträgt der Frauenanteil unter allen Erwerbstätigen 47%. Destatis zufolge unterscheide sich der Anteil der weiblichen Führungskräfte je nach Branche deutlich. Im Bereich Erziehung und Unterricht beispielsweise beträgt er 67%, im Gesundheits- und Sozialwesen 61%, während im Bereich Unternehmensdienstleistungen lediglich 26% der Frauen Führungspositionen besetzen. Zu Führungspositionen zählt Destatis laut eigenen Angaben Vorstände und Geschäftsführerinnen oder Geschäftsführer kleiner Unternehmen, die Bereichsleitung großer Unternehmen sowie Führungskräfte in Handel, Produktion, Dienstleistung oder im Verwaltungsdienst.

KfW-Research hat auf Basis des repräsentativen KfW-Mittelstandspanels 2022 im Vorfeld des Internationalen Frauentags eine aktuelle Sonderauswertung veröffentlicht und teilt in dem Zusammenhang mit, dass es in Deutschland noch nie so viele kleine und mittlere Unternehmen mit einer Frau an der Spitze wie zurzeit gegeben habe. Von den rund 3,8 Millionen mittelständischen Betrieben werde jeder Fünfte (19,7%) von einer Chefin geführt. In Großunternehmen sieht es etwas anders aus: Der Anteil beträgt demnach 16,2% in den Vorständen der 101 größeren Unternehmen, die unter die Regelungen des zweiten Führungspositionengesetzes fallen.

Finanzielle Unabhängigkeit und Work-Life-Balance

Eine aktuelle Postbank Umfrage hat gezeigt, dass Frauen immer mehr Wert auf finanzielle Unabhängigkeit und berufliche Anerkennung legen. Zugleich bezeichnen sich aktuell auch 61% der Frauen als finanziell unabhängig. „Der Wandel der Rollenbilder zeigt sich gerade in der jüngeren Frauengeneration“, so Angela Stein, Abteilungsleiterin Vertriebsanalysen und Impulse bei der Postbank. Ein eigenes Einkommen und damit finanzielle Unabhängigkeit seien für viele mittlerweile ein hohes Gut. Viele kümmern sich zu Hause zusätzlich um Kinder oder pflegen Angehörige. Care-Arbeit wird üblicherweise nicht bezahlt und geht deshalb auch nur in geringerem Umfang mit Ansprüchen auf Sozial- und Rentenleistungen einher. Deshalb, heißt es von der Postbank, wäre es wichtig, dass künftig mehr Frauen in Vollzeit arbeiten können.

„Gleichzeitig legen immer mehr jüngere Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer Wert auf eine ausgewogene Work-Life-Balance“, sagt Stein. Als Zukunftsmodell nennt sie daher, dass beide Partner um die 30 Stunden pro Woche arbeiten und die Care-Arbeit untereinander aufteilen. Voraussetzung für so ein Modell sei allerdings, dass Kinderbetreuung und Pflegeangebote für Senioren flächendeckend sichergestellt sind. Auch Unternehmen müssten umdenken, beispielsweise sollten Mitarbeitende beider Geschlechter trotz reduzierter Arbeitszeit keine Nachteile für ihre Karriere befürchten müssen. (lg)

Bild: © smile – stock.adobe.com

 

Mental Health – wichtiges Thema in Krisenzeiten

Die psychische Gesundheit von Mitarbeitern wirkt sich unmittelbar auf die Arbeit aus: Gerade in unsicheren Zeiten ist es wichtig, die Menschen im Unternehmen durch Austausch und Kommunikation zu unterstützen. Wie gelingt es Finanzdienstleistern und Versicherern, die richtigen Schritte in die Wege zu leiten?

Ein Artikel von Christoph Drebes, Geschäftsführer der Mystery Minds GmbH

Um das emotionale Wohlbefinden der Deutschen ist es derzeit nicht gut bestellt. Zunächst die Pandemie, nun rapide steigende Inflationsraten, ein Krieg auf europäischem Boden und zunehmende wirtschaftliche Unsicherheiten: Diese Entwicklungen haben negativen Einfluss auf die Menschen genommen. So gaben in dem kürzlich veröffentlichten dritten Mental Health Report der Axa Versicherung 32% der Deutschen an, unter einer psychischen Erkrankung zu leiden. Besonders betroffen davon ist die Gruppe der jungen Frauen: 41% von ihnen ordnen sich dieser Kategorie zu. 67% der Befragten fühlen sich niedergeschlagen.

Nun wirken sich mentale Belastungen in vielen Fällen direkt oder indirekt negativ auf die Arbeit aus: So können sich Mitarbeiter am Arbeitsplatz weniger gut konzentrieren, die Kreativität leidet und die Fehlerquote kann steigen. In der weiteren Konsequenz erhöht sich oft die Zahl der Fehltage und es drohen Burnout-Szenarien. Auch wirtschaftliche Auswirkungen sind für Unternehmen spürbar. Wie können Finanzdienstleister darauf reagieren und sich besser um ihre Mitarbeiter kümmern?

Probleme erkennen und ihnen entgegensteuern

Zu empfehlen ist es, Mental Health als strategische Aufgabe zu betrachten. Daher ist zunächst zu bewerten, in wie weit unter den Mitarbeitern mentale Belastungen vorhanden sind: Für die Evaluation eignen sich etwa Online-Umfrage-Tools. Darauf basierend lassen sich gezielte Maßnahmen entwickeln, um die mentale Gesundheit zu stärken. Ferner sollten Führungskräfte durch Weiterbildungen sensibilisiert werden, Anzeichen mentaler Belastungen in ihrem Team frühzeitig zu erkennen und angemessen zu reagieren. Unter dem Strich gilt es, eine von Verständnis und Offenheit geprägte Unternehmenskultur zu ermöglichen. Auf dem Weg dorthin können unterschiedliche Ansätze weiterhelfen.

Sinnvolle Maßnahmen zur Stärkung von Mental Health:
  • Führungskräfte-Trainings: Die Rolle von Vorgesetzten ist von erheblicher Bedeutung für das Wohlbefinden von Teams. Dabei spielen die Faktoren Führungsstil und Persönlichkeit gleichermaßen eine Rolle. Firmen ist anzuraten, dies im Blick zu behalten: So helfen Supervision und gezielte Weiterbildungen, zu reflektieren – und Leadership besser zu machen. Nicht zuletzt sollte vermittelt werden, wie Vorgesetzte psychischen Belastungen vorbeugen, sie im Bedarfsfall erkennen und wie sie angemessen darauf reagieren.
  • Trainings für Resilienz und Stressmanagement: Das Erlernen von Strategien zur Stressbewältigung kann helfen, den Beschäftigten zu einem entspannteren Umgang mit Herausforderungen zu verhelfen. Ein Setting ist sowohl in Einzel- als auch in Gruppensitzungen möglich. Allerdings darf nicht der Eindruck entstehen, dass Firmen solche Angebote unterbreiten, um die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten weiter zu erhöhen und somit „mehr aus ihnen herausholen zu können“.
  • Psychosoziale Betriebsberatung: Immer mehr Firmen bieten Beratungsgespräche mit erfahrenen Psychologen an. In der Regel werden dafür externe Dienstleister eingebunden. Hier kann Evaluation ebenso wie akute Krisenintervention stattfinden, auch langfristige Hilfsangebote sind möglich. Bei Bedarf werden Kontakte zu weiteren Akteuren wie Psychotherapeuten oder Beratungsstellen vermittelt.
  • Austausch zwischen Mitarbeitern: Neue Menschen kennenzulernen, ist – gerade in Zeiten hybriden Arbeitens – mehr als „nice to have“: Vielmehr entstehen durch ein erweitertes Netzwerk immer wieder neue Blickwinkel und neue Impulse – die Stimmung verbessert sich. „Blind Dates“ zum virtuellen Kaffee oder zum Mittagessen sind Ansätze, um Kollegen aus unterschiedlichen Bereichen oder Standorten miteinander ins Gespräch zu bringen. Softwarebasiert werden Kollegen „per Zufallsprinzip“ zugelost, um den Austausch zu fördern. Die Themen suchen sich die Akteure selbst aus – auch Schwierigkeiten können besprochen werden.
  • Workation-Angebote: Arbeit und Urlaub – das geht für viele Arbeitnehmer nicht zusammen. Doch einiges spricht dafür, dies zu ändern. Denn neue Umgebungen schaffen immer Freiraum. So können Angebote wie „eine Woche Arbeit am Meer für das gesamte Team“ viel bewirken: Die Stimmung verbessert sich, ebenso wie die Zusammenarbeit. Häufig rückt auch der „Purpose“ oft wieder stärker in den Vordergrund – ein nicht zu unterschätzender Faktor für die Motivation.
  • Auszeiten oder „Wellbeing Days“: Manche Unternehmen geben ihren Beschäftigten jeden Monat einen Tag frei. Wie die Zeit genutzt wird, bleibt dem Einzelnen überlassen. Ferner sind Impulse für eine gemeinsame Gestaltung solcher Tage unter Kollegen denkbar. Eine Option ist es, Mitarbeiter auch hier „per Zufallsprinzip“ zu vernetzen und so neue Verbindungen zu ermöglichen.

Die Auswirkung von Mental-Health-Maßnahmen im Hinblick auf Stimmung, Zusammenarbeit und ein „gutes Gefühl“ bei der Arbeit ist nicht zu unterschätzen. Dies gilt umso mehr, da das Wohlergehen des Teams auch verknüpft ist mit dem wirtschaftlichen Erfolg von Finanzdienstleistern und Versicherern. Sofern indessen deutlich wird, dass Mitarbeiter ernsthafte persönliche Sorgen haben, ist gezielte Unterstützung durch Führungskräfte oder einen Betriebspsychologen gefragt.

Weitere Informationen

Mystery Minds GmbH ist ein Anbieter von Software-as-a-Service (SaaS) Lösungen mit Sitz in München und ermöglicht es Mitarbeitern mittlerer und großer Unternehmen, sich mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen. Daraus resultiert für die gesamte Organisation die Chance auf bessere Zusammenarbeit. Damit verbundene Ziele sind der Abbau von Silos und die Etablierung einer zukunftsweisenden Unternehmenskultur.

Bild: © LAONG – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Christoph Drebes

Diese Vorteile hat eine persönliche Marke auf Social Media

Für einen Maklerbetrieb auf Social Media stellt sich irgendwann die Frage, ob der Makler sich dort auch persönlich zeigen sollte. Im Offline-Kundenkontakt ist das ganz natürlich. Und online? Leona Spauszus gibt Tipps, wie Makler ihre persönliche Marke auf Social Media aufbauen können.

Ein Artikel von Leona Spauszus, Social-Media- und Canva-Expertin

Fast jeder Makler stellt sich am Anfang die Frage, ob er sich persönlich, also mit seinem Gesicht, auf Social Media zeigen sollte oder ob er lieber anonym bleibt. Damals, als Makler in der Versicherungsbranche Kontakte überwiegend offline geknüpft haben, stellte sich diese Frage natürlich nicht. Kein Kunde hätte sich seinerzeit von einem Makler beraten lassen, der sein Gesicht in der Öffentlichkeit versteckt.

Social Media ist heutzutage ein Teil unserer Öffentlichkeit, der nicht wegzudenken ist. Eine digitale Welt, in der wir uns bewegen, parallel zur realen Welt. Gerade für jüngere Generationen hat diese digitale Welt eine Bedeutung, die der realen Welt in nichts nachsteht.

Es gibt Social-Media-Accounts, die ganz ohne Gesicht auskommen. Was macht diese Accounts so erfolgreich? Sie geben ihrer Marke eine Persönlichkeit. Auch Marken haben eine Persönlichkeit. Einer Marke „Leben einzuhauchen“, ist jedoch in der Regel ein langer und kostspieliger Prozess. Auf Social Media suchen sich Firmen u. a. Influencer, um der eigenen Marke eine Persönlichkeit zu geben.

Auch auf Social Media gilt der Grundsatz: Menschen kaufen bei Menschen. Der sogenannte „Social Proof“ ist hier ein wichtiger Faktor für den Vertrauensaufbau. Am Beispiel Instagram folgen hier ein paar Tipps, wie Makler eine persönliche Marke auf Social Media aufbauen können:

1. Passende Formate nutzen

Sogenannte Reels, Storys und Instagram-Live sind die Formate, die es ermöglichen, sich als Makler zu präsentieren. Wer Reels und Instagram-Live nicht mag, sollte auf jeden Fall Fotos von sich und seinem Team (z. B. in Canva) einbauen und sich regelmäßig in der Story zeigen.

2. Werte und Ziele teilen

Die eigene Meinung zu bestimmten Themen zu veröffentlichen, kann Followern dabei helfen, sich mit dem Makler auf Social Media zu identifizieren. Auch über die Ziele zu sprechen, die Makler gemeinsam mit Kunden erreichen wollen, schafft eine Verbindung.

3. Authentisch sein

Insbesondere jüngere Generationen haben oft nicht mehr die Erwartung, von jemandem in Anzug und Krawatte (oder Bluse und Rock) beraten zu werden. Authentizität wird hier mehr geschätzt als der Kleidungsstil.

4. Individuelles Design zeigen

Makler sollten sich im Design von anderen Maklern abheben. Damit wird nicht nur ein besserer Wiedererkennungswert erreicht. Ein Betrachter kann sich über ein ansprechendes Design schon in den ersten drei Sekunden mit dem Auftritt des Maklers identifizieren.

Ganz einfach lassen sich individuelle Inhalte (engl.: Content) für Social Media mit Canva erstellen. Wer Canva noch nicht kennt, kann Canva Pro unter diesem Partnerlink für zwei Monate testen.

Mehr zum Thema „Persönliche Marke auf Social Media“ erfahren Makler in diesem Instagram-Post, in dem eine kurze und leicht verständliche Zusammenfassung zu den Vorteilen einer persönlichen Marke als Makler auf Social Media zu finden ist.

Über die Autorin

Nach vielen Jahren im Vertrieb der Versicherungsbranche erstellt Leona Spauszus mit ihrem Unternehmen Leona Media Design zielgruppenorientierten Social-Media-Content für Makler, Versicherer und Finanzdienstleister. Sie ist offizieller Canva Creator und Canva Champion und hat mit bekannten Influencern zusammengearbeitet. Über den Instagram-Account leonamediadesign gibt sie regelmäßig Social-Media-Tipps für Makler.

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Bild: © leszekglasner – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Leona Spauszus

Versicherungen und Finanzen: Wer fördert Mitarbeiter am besten?

Welche Arbeitgeber aus Sicht der Öffentlichkeit viel für die Förderung ihrer Mitarbeiter tun, hat ServiceValue in Kooperation mit €URO untersucht. In der Kategorie „Versicherungen und Finanzen“ gewinnt eine Krankenkasse. Wie die Allianz und andere Anbieter abschneiden, zeigt AssCompact in einer Bildergalerie.

Bild: © Studio Romantic – stock.adobe.com

 
von
 

Digitalkongress Cyberversicherung: Wie die Risiken managen?

Vielseitige Einblicke und spannende Impulse zum Thema „Cyberversicherung“ lieferte am 23.02.2023 ein AssCompact Digitalkongress. Auf der Plattform DKM365 trafen sich Versicherer, Dienstleister und Makler. Demnach sind IT-Sicherheit und Prävention das Gebot der Stunde.

Der Markt der Cyberversicherungen befindet sich weiter im Umbruch. So war zuletzt vor allem von Vertragssanierungen, harten Renewals, Preiserhöhungen und Deckungsreduzierungen die Rede. Kein Wunder, waren doch sowohl die Schadenaufwendungen als auch die Angst vor Kumulrisiken insbesondere aufgrund von Ransomware-Attacken aufseiten der Versicherer gestiegen.

Nun ändert sich der Tonfall und in den Vordergrund rückt die Frage, wie Risiken gemeinsam sinnvoll gemanagt werden können. Und das war auch das Thema, das beim AssCompact Digitalkongress Cyberversicherung in der vergangenen Woche im Vordergrund stand: Es ging vor allem um IT-Sicherheit und Prävention. Wie sehr das Thema Makler und Maklerinnen beschäftigt, zeigte sich an der hohen Teilnehmerzahl von rund 1.100 und vor allem an den gut frequentierten Fragerunden im Anschluss an die einzelnen Vorträge.

Rolle der Versicherer und Makler für die Digitalisierung

Versicherungsmakler Achim Fischer-Erdsiek war es gleich zu Beginn des Kongresses wichtig, die Rolle der Versicherer und Versicherungsmakler für die Digitalisierung der deutschen Wirtschaft zu betonen. Soll heißen, einen Rückzug aus dem Gebiet darf es nicht geben. Das Erfassen und Managen von Risiken gehöre zu den unmittelbaren Aufgaben von Versicherern und Maklern, so der Cyberexperte der ersten Stunde. Im Interview mit AssCompact Chefredakteurin Brigitte Horn sprach er u. a. über die Analyse von Cyberrisiken, Fragebögen zur Risikoerfassung und Audits beim Kunden. Gleichermaßen betonte er, wie wichtig die Erarbeitung von Notfallplänen aufseiten der zu versichernden Unternehmen ist.

Neue Dynamik bei Produktentwicklungen

Gisa Kimmerle, Product Head Cyber bei Hiscox, wiederum informierte in ihrem Vortrag über die Dynamik, die die Veränderungen in die Produktentwicklung und Maklerunterstützung gebracht haben. Im vergangenen Herbst hat Hiscox eine pauschale Betriebsunterbrechungsdeckung für Unternehmen mit einem Jahresumsatz von bis zu 2,5 Mio. Euro auf den Markt gebracht. Auch über diese Neuerung referierte Kimmerle und stellte sich anschließend den Fragen des digital zugeschalteten Auditoriums.

Sicherheitscheck für KMU

Es gibt keine guten Risiken in der Cyberversicherung, so das Motto des Vortrags von Peter Bertram, Produktmanager Cyber, und Sönke Glanz, Underwriter Cyber bei der HDI Versicherung. Bei den beiden Cyberexperten drehte sich alles um Maßnahmen zur Informationssicherheit und um Krisenmanagement. Unter anderem stellten sie den Security Baseline Check vor, ein Sicherheitscheck für kleine und mittlere Unternehmen, der zusammen mit dem Sicherheitsdienstleister und HDI-Tochter Perseus entwickelt wurde. Rund um diesen und andere Checks entwickelte sich dann eine spannende Fragerunde, wo unter anderem darüber gesprochen wurde, wie verbindlich Checks dieser Art beim möglichen Abschluss der Cyberversicherung sind.

Verhandlungen ums Lösegeld

Was tun, wenn Hacker ein Lösegeld zur Freigabe zuvor verschlüsselter Daten erpressen wollen? Verhandeln, sagt Oliver Schneider, geschäftsführender Gesellschafter der RiskWorkers GmbH, die genau solche Verhandlungen mit Erpressern führt. Forderungen könnten so deutlich gedrückt werden und weiterer Schaden verhindert werden. Schneider betont, dass Aufwendungen für Lösegeldzahlungen häufig nur einen kleinen Teil des finanziellen Schadens ausmachen würden. Betriebsunterbrechung und Wiederanlaufkosten würden an der Stelle stärker zu Buche schlagen. Schneider betont, dass bei den Lösegeldzahlungen und Verhandlungen gesetzeskonform gehandelt werde. Generell geht er davon aus, dass die Bedrohungslage eher noch steigen werde.

Mehr Transparenz bei den Bedingungen

Im letzten Vortrag des Tages sprach Ole Sieverding, Geschäftsführer der CyberDirekt GmbH, über die Veränderungen von Policen und die neuen Sicherheitsanforderungen vor dem Abschluss einer Cyberpolice. Näher ging er auch auf Ausschlüsse und Bedingungen ein. Generell fordert er mehr Transparenz und verwies in dem Zusammenhang auch auf den Marktvergleich von Cyberdirekt.

 

Offen für Innovation? Potenziale von Open Insurance

Daten waren in der Versicherungsbranche schon immer ein elementares Wirtschaftsgut. Open Insurance bietet Versicherern, Vertrieben und InsurTechs große Chancen, das eigene Geschäftsmodell weiterzuentwickeln. Eine Bestandsaufnahme zum Status quo und den Potenzialen.

<h5>Ein Artikel von Thomas Kuckelkorn, Senior Manager Marketing, Kommunikation & Events beim InsurLab Germany e. V., und Julius Kretz, Bereichsleiter Marketing – Systeme & Plattformen bei der ALH Gruppe sowie Vorstand der Free Insurance Data Initiative (FRIDA) e. V.</h5><p>Das Aufkommen digitaler Plattformen führt branchenübergreifend verstärkt zu komplett datenbasierten Geschäftsmodellen – und damit zu neuen Möglichkeiten der Wertschöpfung. Mittels konsequenter Aggregation, Analyse und Interpretation von versicherungsbezogenen Daten lassen sich wichtige strategische Wettbewerbsvorteile erzielen. Das setzt jedoch eine andere Denkweise voraus. In der neuen, offenen Datenökonomie geht es darum, Produkte und Geschäftsmodelle zu generieren, die den Kunden einen Mehrwert bieten.</p><h5>Open Insurance: Einordnung und Definition</h5><p>Daten waren in der Versicherungsbranche schon immer ein elementares Wirtschaftsgut. Doch warum sollten gerade Versicherer Daten teilen? Verlieren sie dann nicht mühsam geschaffene Wettbewerbsvorteile? Nicht unbedingt, denn Daten werden nicht über, sondern für Kunden verwendet. Lösungs- und Mehrwertorientierung öffnen den Raum zur Optimierung der Prozesse, Verbesserung der internen Datenqualität, Verringerung von Transaktionsaufwänden und vor allem für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die auch aus der Versicherungsindustrie vorangetrieben werden.</p><p>Die Frage des Datenaustauschs lässt sich aber auch vice versa stellen: Warum sollten Dritte Daten mit der Versicherungsbranche teilen, zum Beispiel Daten aus dem Fahrzeug zum Fahrverhalten? Auch hier können multidirektionale Mehrwerte entstehen, indem die Customer Experience im Schadenfall erhöht oder Produkte auf das Verhalten bzw. die Risikosituation angepasst werden. Genau bei diesen Kernfragen setzt Open Insurance an. Open Insurance beschreibt den offenen und standardisierten Austausch von versicherungsbezogenen persönlichen und nicht-persönlichen Daten mithilfe von (offenen) Schnittstellen (APIs) sowie definierten Prozessstandards.</p><p>Es geht demnach um standardisierte und vernetzte Daten, die den Kunden das Leben komfortabler machen und zugleich Unternehmen der Versicherungsbranche neue Möglichkeiten bieten. Entscheidend ist letztlich, dass Kunden als „Datensouveräne“ selbst entscheiden, ob und wie sie ihre Daten zur Verfügung stellen.</p><h5>Status quo von Open Insurance</h5><p>Die Potenziale im Kontext des „Öffnens“ sind in anderen Bereichen bereits gelebte Praxis. So wird beispielsweise im Rahmen von Open Source Quellcode veröffentlicht und Entwicklern damit ermöglicht, neue Funktionen hinzuzufügen oder Fehler zu beheben. Letztendlich können damit innovative, neue Softwareprodukte entstehen und der „Urheber“ des Codes profitiert ebenfalls. Open Innovation, Open Science, Open Government und Open Data lassen sich als weitere Beispiele für die Entstehung von Innovation durch Offenheit nennen. Nicht zuletzt zeigt auch die Finanzbranche insgesamt mit der Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 (Open Banking), dass die Entwicklung innovativer und nutzerfreundlicherer Use-Cases gefördert werden kann. Kontoinformationen lassen sich im Rahmen der Bonität verwenden, in Apps lassen sich Konten aggregieren und bestimmte Ereignisse aus den Daten erkennen. Zugleich hat die PSD2 zu einer erhöhten Transaktionssicherheit sowie einem verbesserten Verbraucherschutz geführt.</p><p>Von einer vergleichbaren konkreten Regelung zur Öffnung von Daten für Dritte ist die Versicherungsbranche noch ein Stück entfernt. Um einen einheitlichen Rechtsrahmen zu schaffen, forciert die (inter-)nationale Gesetzgebung allerdings verstärkt die branchenübergreifende Öffnung von Datenschnittstellen. Zudem beschäftigen sich in Deutschland verstärkt bekannte Verbände und Initiativen mit der Idee hinter dem Begriff Open Insurance.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Veränderungstreiber--><h5>Veränderungstreiber</h5><p>Open Insurance ist zweifellos keine temporäre Erscheinung, sondern wird in den nächsten Jahren – vergleichbar zum Banking – die Entwicklung neuer Produkte, Services und Geschäftsmodelle begünstigen. Maßgeblich beeinflusst und vorangetrieben wird diese Entwicklung insbesondere vom Markt und den damit verbundenen Erwartungen der Kunden, wie man nicht zuletzt am Erfolg von PSD2 sieht. Auch der gesetzliche und regulatorische Druck aus Europa ist hierbei zu nennen. So leitet sich etwa aus der European Strategy for Data eine Data Finance Strategy der EU-Kommission ab. EIOPA griff dies 2021 mit einem Discussion Paper zu Open Insurance auf, in dem Mechanismen zum Datenaustausch im Sinne von Open Insurance ganz klar befürwortet werden. Überdies forciert die Datenschutzgrund­verordnung den Zugang zu Daten.</p><p>Nicht zuletzt fördern zudem vielversprechende innovative Anwendungsfälle die Verbreitung von Open Insurance, laut EIOPA Discussion Paper vor allem in den Bereichen Schadenmanagement, Pricing und Underwriting, (Post) Sales und Vertrieb. Auch Versicherungsvertriebe können hiervon direkt oder indirekt profitieren.</p><h5>Verschiedene Einsatzmöglichkeiten</h5><p>Ein konkreter Anwendungsfall ist beispielsweise die Altersvorsorgeberatung, in deren Rahmen mithilfe der Zustimmung der Kunden Bestandsdaten zu Verträgen in Echtzeit aggregiert und in der Folge ausgewertet werden könnten. Diese Ansätze sind auch im Bereich Claims oder Cyber denkbar. So könnten beispielsweise Daten zur Risikosituation eines Unternehmens, die heute bereits mithilfe von Assistance-Systemen gesammelt werden, für die Beratung und den Bestand genutzt werden. Des Weiteren lassen sich durch Open Insurance übergeordnete Themen wie parametrische Versicherungen fördern. In den USA gibt es erste Anwendungsbeispiele, unter anderem in Bezug auf Naturkatastrophen, Altersvorsorge, Gesundheitssystem und Kfz-Versicherung. Diese Use Cases gilt es weiterzuentwickeln. Dafür ist beispielsweise die deutsche Initiative Free Insurance Data (FRIDA e. V.) angetreten, die unter Berücksichtigung des Datenschutzes und der Datensicherheit Open Insurance aktiv fördert.</p><h5>Fazit: Eine Vision – vielversprechend</h5><p>Aktuell ist Open Insurance vor allem noch eine Vision, die der Förderung, Konkretisierung und (Weiter-)Entwicklung bedarf. Die Idee dahinter ist vielversprechend: eigene Wertschöpfungsketten für die Digitalisierung öffnen und mit neuen Produkten sowie Services Mehrwerte generieren – für Kunden, Versicherungsvertriebe, Versicherer und Innovatoren.</p><p>Open Insurance versetzt Fin- und InsurTechs in die Lage, eine wesentliche Rolle innerhalb der Wertschöpfung zu spielen, sich mit innovativen Lösungen und Plattformen zu positionieren sowie Teil eines digitalen Ökosystems zu werden. Versicherer hingegen können sich mittels Open Insurance als vertrauenswürdige, sichere Marktteilnehmer für Datenanalyse und Datenaggregation positionieren. Ob Datentransparenz und -vollständigkeit, neue Produkte, Services und Geschäftsmodelle auf Basis von Finanz- und Versicherungsdaten oder bessere und umfassendere Beratungsmöglichkeiten – die Potenziale von Open Insurance sind vielfältig. Diese gilt es nun zu nutzen.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2023, S. 92 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Thapana_Studio – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/D80FDBAD-32D1-4852-8A44-756092BDD828"></div>

 
Ein Artikel von
Julius Kretz
Thomas Kuckelkorn

E-Learning-Anbieter gründet Versicherungen-Netzwerk

Mit der Gründung eines Versicherungen-Netzwerks will GoodHabitz den Austausch von Erfahrungen rund um digitale Weiterbildung in Versicherungsunternehmen fördern. 13 Versicherer sind bereits Teil des Netzwerks. Neben Produkt- und Dienstleistungsschulungen geht es auch um Soft Skills.

Der E-Learning-Anbieter GoodHabitz hat ein Netzwerk zur Förderung und zum Austausch von Erfahrungen und Expertise rund um digitale Weiterbildung in Versicherungsunternehmen gestartet. Durch den digitalen Umbruch, der überall stattfindet, bestehe ein Weiterbildungsbedarf bei den Mitarbeitenden, bei dem es nicht nur um Produkt- und Dienstleistungsschulungen, sondern auch um Soft Skills geht, heißt es von GoodHabitz. Daher werden dort Schwerpunkte gelegt auf persönliche Weiterentwicklung, digitale Veränderungen sowie Austausch von Erfahrungen und Expertise.

Bereits 13 Versicherer machen mit

Bereits 13 Versicherer sind Teil des neu gegründeten Versicherungen-Netzwerks. Seit Ende 2022 gehören ihm u. a. folgende Versicherungen an: R+V Allgemeine Versicherung AG, die Bayerische, die HDI AG, SIGNAL IDUNA, Helvetia Versicherungen, Öffentliche Versicherung Braunschweig und die Stuttgarter Versicherung.

Austausch unter Versicherern fördern

GoodHabitz-Coach Nadine Pohle ist Organisatorin und Leiterin des Netzwerkes und meint: „Die Idee war, unsere Kundinnen und Kunden mit ähnlichen Interessen und Herausforderungen zusammenzubringen und so den Austausch zu fördern: Wie gehen andere Versicherungen das Thema Weiterbildung an? Welche Best Practices gibt es in der Branche? Wie können wir unsere Mitarbeitenden zu einem neuen, selbstgesteuerten Lernen motivieren?“ Durch die digitalen Lernformate sollen die Mitarbeitenden befähigt werden, flexibler auf Marktveränderungen zu reagieren und sich für die Zukunft besser aufgestellt fühlen.

Treffen auf Bildungsmesse im Mai

Zudem müssen viele Angestellte in der Versicherungsbranche jedes Jahr Weiterbildungsstunden absolvieren. Auch dazu findet innerhalb des Netzwerks ein regelmäßiger Austausch der Versicherungen statt. Sie stellen z. B. sicher, dass für dieselben Kurse die gleichen Bewertungen verwendet werden. Auf der Bildungsmesse Learntec trifft sich das Netzwerk vom 23. bis 25.05.2023 darüber hinaus vor Ort in Karlsruhe. (lg)

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