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„Das Risiko bei Anleihen wird maßlos unterschätzt“
29. Februar 2016

„Das Risiko bei Anleihen wird maßlos unterschätzt“

Die Verunsicherung und damit die Schwankungen an den Finanzmärkten sind auch in diesem Jahr groß. AssCompact bittet Investmentexperten um Orientierungshilfe in Form von Antworten auf fünf grundlegende Anlegerfragen. Diesmal mit Richard Zellmann, Geschäftsführer und Chefökonom der First Private Investment Management KAG mbH.


Herr Zellmann, gibt es am Anleihemarkt noch attraktive Zinsen bzw. Renditen?

Die meisten großen, liquiden Anleihemärkte sind weder mit einem attraktiven Kupon ausgestattet, noch lassen sie von heute aus Kurssteigerungen erwarten. Um Rendite zu bekommen, müsste man schon deutlich mehr Risiko in Kauf nehmen als bei Bundesanleihen. Allmählich tun sich in den Emerging Markets nach schwierigen Zeiten erstmals wieder selektiv Chancen im Anleihebereich auf. Das Segment kann aber immer nur eine Beimischung sein. Grundsätzlich gilt: Die häufig maßlose Überbewertung, insbesondere von Staatsanleihen, muss sich erst noch herumsprechen und sollte zu der Einsicht führen, dass man bei der Suche nach Rendite neue Wege gehen muss.

Was ist derzeit die größte Gefahr für die Finanzmärkte?

Es ist extrem viel Geld im System – einerseits. Andererseits sind viele Märkte nicht mehr ansatzweise so liquide wie noch vor einigen Jahren. Das hat unter anderem mit der Bankenregulierung zu tun. Banken können heute nicht mehr die Liquidität bei Wertpapiertransaktionen bereitstellen, wie es früher der Fall war. Diese Situation führt einerseits zu mitunter enormen Zuflüssen in manche Assetklasse. Wenn es dann jedoch mal zu Abflüssen kommt, wird dies kaum abgefedert. Die Volatilität steigt. Eines der wesentlichen Risiken ist insofern, dass der Markt aus sich selbst heraus übertreibt und irrationale Bewegungen zunehmen. Angetrieben werden könnten negative Trends meines Erachtens vor allem dann, wenn es zu einer tieferen Rezession in den USA käme. Allein eine Abwärtsbewegung in China reicht dagegen nicht aus, den Markt dauerhaft in die Knie zu zwingen.

Aktien gelten vielen Deutschen nach wie als zu riskant. Zu Recht?

Es gibt weder einen risikolosen Zins, noch risikolose Aktien. Insbesondere das Risiko bei Anleihen, vor allem Staatsanleihen wird maßlos unterschätzt, zumal dem Risiko keine adäquate Chance gegenüber steht. Das Risiko von Aktien wird dagegen meist isoliert betrachtet und daher überschätzt. Zu riskant ist nur etwas, das die eigene Risikoneigung überfordert und insbesondere keinen angemessenen Gegenwert liefert. So sollten Aktien immer zu einem individuell vernünftigen Anteil im Portfolio vorhanden sein, auf diese Weise lässt sich das Risiko steuern. Die langfristige Performance zeigt regelmäßig, dass es ganz ohne Aktien nicht geht. Allerdings ist es sinnvoll, regelmäßig, auch mal nach Tiefschlägen zu investieren anstatt zu einem bestimmten Zeitpunkt, schlimmstenfalls am Markthoch, einzusteigen.

Welche Sachwerte sind besonders attraktiv?

Im Verhältnis zu anderen Asset-Klassen sind sicher Aktien die attraktivsten Sachwerte. Hier macht es sich besonders bezahlt, nach Titeln mit hoher Bilanzqualität, robusten Dividenden und gleichzeitig günstiger Bewertung zu suchen. Diese findet man rund um den Globus, gerade Europa und wohl auch bald wieder Asien bieten sich besonders an. Bei Rohstoffen lohnt sich hier und da wieder ein erster Blick. Die verschiedenen illiquiden Segmente bei Sachwerten sind aus unserer Sicht selten attraktiv oder es existieren für den Privatinvestor kaum effiziente Investitionsvehikel. Im Bereich Erneuerbare Energien sehen wir interessante Opportunitäten, die Privatanlegern aber selten offenstehen.

Wie sieht für Sie der ideale Anlagemix aus?

Den einen idealen Anlagemix gibt es sicher nicht, zumal der immer von der Lebenssituation und vom Alter abhängt. Es gibt den etwas altbackenen Vorwurf an Privatanleger, sie hielten zu wenige Aktien. Das stimmt sicher, zumal auch die letzten Jahre unter Beweis gestellt haben, dass an guten Aktien kein Weg vorbeigeht. Es wird jedoch meist der Fehler gemacht, ausschließlich auf eine höhere Aktienquote zu drängen. Und das bei weniger beziehungsweise nicht mehr vorhandenem Puffer auf der Rentenseite – das kann fahrlässig sein. Bei klassischen Mischfonds passiert dieser Fehler allzu häufig und wurde auch in den letzten Monaten mehrfach bestraft. Der ideale Mix ist daher sehr breit gestreut und muss auch über Derivative versuchen, neue Wege zu gehen und neue Ertragschancen zu erschließen. Gerade für konservative Anleger ist es zudem wichtig, Absicherungen gegen Extremrisiken fest im Portfolio zu verankern, anstatt auf die nächste Krise zu warten. (mh)





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