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„Die Protokollierung bietet dem Berater auch Chancen“
15. September 2014

„Die Protokollierung bietet dem Berater auch Chancen“

Banken, Versicherungen und Finanzberater haben einer Studie des Bundesverbraucherschutzministeriums zufolge Nachholbedarf bei der Protokollierung von Beratungsgesprächen. Die Regierung plant daher die Regulierung zu verschärfen. Wäre das ein sinnvoller Schritt oder gibt es nicht bessere Lösungsansätze? Nachgefragt bei Michael Jensen, Executive Vice President bei Moventum.


Der jüngsten Studie des Verbraucherschutzministeriums zufolge geben Beratungsprotokolle das Beratungsgespräch nicht vollständig, richtig, verständlich und übersichtlich wieder: Keine der Dokumentationen entsprach den Anforderungen, zudem hatte lediglich jeder vierte Testkäufer überhaupt ein Protokoll erhalten. Was bedeutet das für den Kunden bzw. für den Berater im Zweifelsfall?

Unsere Erfahrung zeigt, dass eine korrekte und vollständige Protokollierung des Anlageberatungsprozesses von den meisten Beratern in der Tat noch immer als Herausforderung wahrgenommen wird. Dabei sind die Risiken, die mit einer unvollständigen oder gar fehlerhaften Protokollierung einhergehen enorm. Strafandrohungen wie Bußgelder, bis hin zum Lizenzentzug, sind nur eine Seite der Medaille. Viel schwerer wiegt, dass die Aufsichtsbehörden den schwarzen Schafen der Branche den Kampf angesagt haben und so auch der aufrichtige Berater bei Unregelmäßigkeiten leicht ins Fahrwasser dieser Bemühungen gerät und mit schwerwiegenden Strafen zu rechnen hat.

Dabei bietet eine korrekte und vollständige Protokollierung des Anlageberatungsprozesses dem Berater auch Chancen: Sie hilft dem Berater nicht nur vor dem rechtlichen Aspekt, um sich abzusichern und Missverständnisse mit dem Kunden zu vermeiden. Die Transparenz, die mit einem korrekten und vollständigen Protokoll einhergeht hilft dem Berater auch Vertrauen beim Kunden aufzubauen und sich sichtbar von anderen Akteuren in der Branche zu unterscheiden.

Wäre eine Verschärfung der Vorschriften sinnvoll oder nur ein zahnloser Tiger?

Natürlich verschlingt die Erstellung korrekter Protokolle bereits heute sehr viel Zeit und Ressourcen. In der Praxis entspricht die Dokumentation bereits in den wenigsten Fällen allen Anforderungen. Eine weitere Verschärfung der Vorschriften wird daran zunächst einmal nichts ändern, sondern wird einfach nur dazu führen, dass sich das Risiko für die Berater weiter erhöht.

Welche Lösungsansätze gibt es zum besseren Schutz des Kunden bzw. des Vermittlers?

Der unabhängige Berater wird zukünftig mehr und mehr auf das direkte, eigene Management der Kundengelder verzichten und fertige Vermögensverwaltungsdienstleistungen professioneller Anbieter nutzen. Dies bietet für ihn nicht nur den Vorteil, dass die Haftung grundsätzlich beim Vermögensverwalter liegt, sondern reduziert gleichzeitig auch drastisch den Aufwand bei der Protokollierung. Wir bei Moventum bieten den Beratern seit über zehn Jahren genau diese im Retailmarkt bewährten und hoch nachgefragten Lösungen an. (mh)



Kommentare

von Heinrich Bockholt am 16.09.2014 um 09:06 Uhr
Die Studie ist sehr lesenswert, man kann sich durchaus auf die wesentlichen 40 Seiten konzentrieren.
Nicht geklärt ist die Frage der Haftung, die am folgenden Beispiel erläutert werden soll:
Ein geschlossener Immobilienfonds veröffentlicht einen Prospekt und ein Vermögensinformationsblatt, abgestempelt von der Bafin und Wirtschaftsprüfern(WP), mit falschen Berechnungen z. B. zur Rendite und zur Plan-Gewinn- und Verlustrechnung, was leider schon häufig der Fall war.
Die Beratungsdokumentation des Vermittlers entspricht allen Anforderungen.
Die Frage;
Muss der Vermittler die Berechnungen des Produktgebers, der BaFin und der WP´s nachrechnen?
Haftet er für deren Fehler?
Muss er klüger sein als der Produktgeber, die BaFin und die WP´s zusammen?
Wenn ja, sind die BaFin und WP´s in diesem Prozess der Prospektgestaltung überflüssig.



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