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Crash-Professor Max Otte: „So skeptisch wie schon lange nicht mehr“
15. Januar 2015

Crash-Professor Max Otte: „So skeptisch wie schon lange nicht mehr“

Max Otte ist einer der bekanntestesten Finanzexperten Deutschlands. Der Crash-Professor, der einst die Finanzkrise im Vorfeld prognostiziert hatte, sieht mittlerweile wieder dunkle Wolken aufziehen. Vor allem die Vielzahl negativer Entwicklungen im vergangenen Jahr stimmt ihn betroffen. Anleger sollten dennoch nicht verzweifeln.


Herr Prof. Dr. Otte, Sie tragen den Spitznamen Crash-Professor. Wie wahrscheinlich steht der nächste Crash denn schon wieder unmittelbar bevor?

Ich bin jedenfalls so skeptisch wie schon lange nicht mehr. Im März 2009 habe ich die Devise „Vollgas für Aktien – besser wird’s nimmer“ ausgegeben. Das hat sich bisher als goldrichtig erwiesen. Gewalt, Willkür und willkürliche Preissetzungen zerstören aber zunehmend die Grundlage einer freien und fairen Marktwirtschaft.

Inwiefern?

Was im letzten Jahr passiert ist, hat mich schon betroffen gemacht. In der jüngeren Vergangenheit gab es leider zahlreiche Beispiele für eine zunehmende Aufweichung der gesamten Rechtsordnung: die Haircuts für Griechenland und Zypern, die sogenannte „Eurorettungspolitik“, der NSA-Skandal sowie der inszenierte Konflikt mit Russland und die damit verbundene Gleichschaltung der deutschen Presse. Oder wenn man sich ansieht, wie die Amerikaner die Schweizer Banken praktisch plattgemacht haben, indem man sie einfach an das eigene System angeschlossen hat. Die Arbeiten mittlerweile quasi als Erfüllungsgehilfen des US-Finanzministeriums. Ich halte mich zwar von Verschwörungstheorien fern, aber die großen Mächte machen nach wie vor Geopolitik. Und Geopolitik war schon immer ein schmutziges Geschäft.

Mit der Gewaltmaßnahme der Negativzinsen hat man zudem stark in das Vermögen der Bürger eingegriffen. Diese Politisierung, Beute- und Zwangsmentalität zieht sich durch die Märkte, und das nicht nur auf dem Ölmarkt, wo derzeit ein Preiskrieg herrscht. Im Gegensatz zu 2008 gibt es jetzt nicht nur eine, sondern eine Vielzahl an Entwicklungen, die langsam am Endpunkt angekommen sind. Dabei wurde schon viel Pulver verschossen. Und all das macht die Gefahr einer nachhaltigen Wirtschaftskrise so groß wie schon lange nicht mehr.

Also alles auf Sicherheit, sprich Cash?

Cash ist kein sicheres Asset. Vielleicht Dollars, aber auch in den USA sind die Schulden hoch. Insgesamt wird der klassische Sparer durch die Niedrigzinsen schleichend enteignet. Ich bleibe daher dabei, dass auch der normale Sparer dazu gezwungen ist, in Sachwerte zu gehen, vor allem Aktien.

Auch wenn es bei eventuellen Verwerfungen gerade dort kurzfristig ungemütlich werden dürfte?

Ja. Als Value-Investor mache ich ohnehin keine kurzfristigen Prognosen. Ich orientiere mich ausschließlich an dem grundlegenden Risikoprofil der Assetklassen sowie an der Bewertung der Einzeltitel.

Müssen Sparer heute Schmerzen aushalten können?

Ja. Schon der alte Kostolany hat aber gesagt, dass Geld an der Börse Schmerzensgeld ist. Erst kommen die Schmerzen, dann das Geld. Auch für meinen Fonds war 2014 kein angenehmes Jahr, weil wir stark auf Europa gesetzt haben. Aber irgendwann dreht das ganze wieder und wird einem mehr Freude bereiten.

Wie schafft man es die Schmerzen auszuhalten? Eine Salbe oder Pille gibt es ja nicht…

Bei meinem eigenen Geld ist mir das herzlich egal. Das ist aber anormal – viele Menschen sind stark beunruhigt, wenn die Kurse schwanken. Allerdings habe ich natürlich auch Fonds und damit Verantwortung für das Geld anderer Investoren. Da muss man sich und diese einfach immer wieder beruhigen und sich auf die Fakten konzentrieren. Bisher hatten wir zudem das Glück, dass der Fonds noch nie mehr als über einen Zeitraum von 18 Monaten kein Geld verdient hat. (mh)

 

Dies ist der erste Teil des AssCompact-Interviews mit Prof. Dr. Max Otte. Wo der Investmentexperte aktuell noch Chancen sieht und wie seine Einschätzung zu Gold oder auch den Aktien der deutschen Versicherer Allianz und Munich Re ausfällt, erfahren Sie im zweiten Teil.



Kommentare

von Steffen Wildt am 15.01.2015 um 13:38 Uhr
... macht mal wieder die Runde. Warum sollten niedrige oder gar keine Zinsen ein Problem sein für die Masse der Bevölkerung? Wenn es langfristig kaum Zinsen gibt und dadurch Unternehmensdarlehen gegen niedrige Zinsen gewährt werden gibt es einen positiven Effekt auf die Produktpreise. Diese können stabiler werden und enthalten einen geringeren Zinsanteil. Die Masse der Bevölkerung ist über die Preise des täglichen Einkaufs Nettozinszahler. Die einzigen Benachteiligten sind die Bezieher hoher Zinsbeträge aufgrund eines hohen Vermögens. Im Idealfall bräuchten auch Unternehmen keine Zinsen auf ihre Darlehen zahlen. Warum auch? Aber das wird dann ein anderes Thema, da müsste nämlich über eine Geldordnung nachgedacht werden.



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