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DKM-News: „Es gibt relativ gute Gründe, die gegen eine Eskalation sprechen“
09. Juli 2018

DKM-News: „Es gibt relativ gute Gründe, die gegen eine Eskalation sprechen“

Bert Flossbach ist Deutschlands bekanntester Vermögensverwalter. In diesem Jahr wird er erstmals in der Speaker’s Corner der DKM sprechen. Im Interview mit AssCompact hat er in Ausgabe 06/2018 einen kleinen Einblick in seine Einschätzung der Marktsituation rund um Handelskrieg, Zinswende und Co. gegeben.


Wie gefährlich ist die weltpolitische Lage für die Märkte?

Das lässt sich schwer sagen. Im Grunde ist das Umfeld nie einfach, zumindest gefühlt. Politische Krisenherde gibt es immer. Im Fokus steht bei Investoren derzeit sicherlich der Handelskonflikt zwischen den USA und China. Die große Frage ist, ob sich dieser Konflikt zu einem echten Handelskrieg ausweitet.

Und, wird er das?

Es gibt relativ gute Gründe, die gegen eine Eskalation sprechen: der chinesische Staatschef Xi Jinping beispielsweise. Er braucht ein vergleichsweise hohes Wachstum, um seinen Landsleuten den versprochenen Wohlstand zu liefern und so den sozialen Frieden zu erhalten, der seine Macht sichert. Er muss mögliche Vergeltungsmaßnahmen gegen die USA sehr vorsichtig dosieren.

US-Präsident Trump muss weniger Rücksicht nehmen …

Da wäre ich mir gar nicht so sicher. Donald Trump hat den Anstieg der Aktienkurse zur Chefsache gemacht und stets als Spiegelbild seines Erfolgs propagiert. Ein Abschwung an der Wall Street, der möglicherweise als „Trump-Crash“ bezeichnet würde, wäre eine persönliche Niederlage für ihn. Nicht zu vergessen, dass davon viele Unterstützer des Präsidenten betroffen wären – und zwar nicht nur seine reichen Freunde, sondern auch zig Millionen Amerikaner, deren Ersparnisse und Pensionsansprüche größtenteils in Aktien angelegt sind.

Welche Rolle spielt Europa im Konflikt?

Europa sitzt zwischen den Stühlen. Donald Trump hätte die Europäer in diesem Konflikt gerne an seiner Seite. Deshalb hat er der EU auch einen Aufschub bei den Zöllen auf Stahl und Aluminium gewährt. Für viele europäische Unternehmen ist China aber mittlerweile ein größerer Absatzmarkt, als die USA es sind. Sie würden deshalb nur ungern Partei ergreifen für eine der beiden Seiten. Keine angenehme Situation.

Was würde passieren, wenn keine der beiden Streitparteien zurücksteckt?

Protektionismus kennt letztlich nur Verlierer. Der Welthandel sinkt und die Preise steigen, weil die geschützte heimische Industrie ihre höheren Kosten an die Kunden weiterreichen kann, ohne Absatzverluste befürchten zu müssen. Um einige Tausend Stahlarbeiter zu schützen, werden Hunderttausende Jobs in anderen Branchen aufs Spiel gesetzt. Wenn die Regierung Unternehmen einen Schutzwall in Form von Importzöllen schenkt, macht es diese träge und ineffizient. Arbeitsplätze werden so langfristig nicht geschützt – im Gegenteil. Die Stahlverbraucher wiederum leiden unter höheren Kosten, die sie nur teilweise an ihre Kunden weiterreichen können, und büßen so an Wettbewerbsfähigkeit ein.

Wie wahrscheinlich ist es, dass die Situation bis zu ihrem Auftritt auf der DKM im Herbst 2018 eskalieren wird?

Auch wenn sich das Kräftemessen zwischen den USA und China zunächst fortsetzen dürfte, gehen wir nicht davon aus, dass es zu einem globalen Handelskrieg kommt. Die anhaltende Unsicherheit dürfte sich aber negativ auf Investitionsklima und Wirtschaftswachstum auswirken.

Bestseller und Flaggschifffonds Ihres Hauses ist seit Jahren der Flossbach von Storch – Multiple Opportunities. Wie ist er im aktuellen Umfeld aufgestellt?

Unser Fokus liegt nach wie vor auf Qualitätsaktien. Darunter verstehen wir Aktien von Firmen, die über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügen, verlässlich wachsen, wenig verschuldet und global aufgestellt sind. Wichtig ist uns zudem die Qualität des Managements. In einer sich immer rasanter entwickelnden Welt kommt dem Management eine immer größere Bedeutung zu. Bei Anleihen gehen wir opportunistisch vor – warten auf Gelegenheiten und versuchen sie zu nutzen, wenn sie sich ergeben. Ein wichtiger Bestandteil des Portfolios ist und bleibt Gold – die Währung der letzten Instanz. Wichtig ist zudem eine ausreichend bemessene Liquiditätsreserve. Sie verschafft uns die Flexibilität, auf Marktentwicklungen reagieren zu können.

 Sie sprechen Gold an. Das Edelmetall haben Sie schon mal als eine der besten Antworten auf die Fragen der Finanzwelt bezeichnet, das vom fallenden Vertrauen in Notenbanken, Politik und das Finanzsystem profitiert. Gilt diese Einschätzung weiterhin?

Gold ist für uns eine Versicherung. Eine Versicherung gegen die uns bekannten und unbekannten Risiken des Finanzsystems, insbesondere die langfristigen Folgen der ultralockeren Geldpolitik – was ist, wenn die Menschen irgendwann das Vertrauen in die Notenbanken und damit das Papiergeldsystem verlieren? Gold gehört unseres Erachtens in jedes breit aufgestellte Portfolio. An dieser Einschätzung hat sich nichts geändert.

Gehen Sie denn davon aus, dass das Vertrauen irgendwann verloren geht?

Wir sind keine Untergangspropheten. Trotzdem: Niemand kann mit Sicherheit sagen, wie das Notenbankexperiment ausgehen wird. Ob es irgendwann aus dem Ruder läuft. Die Versicherung Gold ist da ein wichtiger Baustein. Sollten wir sie nicht brauchen – umso besser.

Wie wahrscheinlich ist eine Zinswende in den nächsten Jahren und Jahrzehnten?

Unwahrscheinlich. Wir sollten uns darauf einstellen, dass es zumindest in der Eurozone keine Zinswende geben wird, weil die Konsequenzen eines kollabierenden Finanzsystems politisch nicht tragbar wären. Zu viele Schuldner sind inzwischen auf extrem billiges Geld angewiesen. Dies gilt nicht nur für die Eurozone, sondern auch für Großbritannien und andere europäische Länder, vor allem für Skandinavien, wo die private Verschuldung Rekordniveaus erreicht hat – und natürlich für Japan, wo jüngere Menschen schon gar nicht mehr wissen, was Zinsen überhaupt sind.

Was ist mit den USA?

In den USA sieht es auf den ersten Blick anders aus. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen ist von 1,4% auf inzwischen rund 3% gestiegen, was gemessen am nominalen Wirtschaftswachstum und angesichts der erwarteten Konjunkturimpulse der US-Steuerreform immer noch sehr niedrig ist. Ein deutlicher Renditeanstieg in den USA würde aber die Zinsausgaben für den mit 108% des Bruttoinlandsprodukts hochverschuldeten Staat weiter aus dem Ruder laufen lassen. Jedes Prozent mehr an Zinsausgaben kostet die USA rund 200 Mrd. Dollar. Das Potenzial für einen Anstieg der US-Zinsen und -Anleiherenditen ist also begrenzt.

Flossbach von Storch hat jüngst eine Privatanlegerkampagne gestartet. Warum?

Die Inflation bedroht die Altersvorsorge einer ganzen Generation, weil deren Erspartes überwiegend zinslos auf Sparbuch oder Tagesgeldkonto herumliegt. Wir wollen helfen, das zu ändern – Sparer zu Anlegern machen. Die Menschen zumindest für das Problem sensibilisieren. Das eigene Vermögen ist schlicht zu wertvoll, um es schutzlos der Inflation auszuliefern.

Für Erstanleger hat FvS mit dem Flossbach von Storch – Der erste Schritt zudem einen Fonds für Erstanleger auf den Markt gebracht. Wie unterscheidet er sich vom Flossbach von Storch – Multiple Opportunities?

Der Fonds investiert überwiegend in Anleihen, die Aktienquote ist auf 15% begrenzt. Das Portfolio ist also wesentlich defensiver ausgerichtet als beim Multiple Opportunities. Ein, wie der Name sagt, erster Schritt für Sparer – raus aus Sparbuch und Festgeld, hin zu einem breiter aufgestellten Vermögen. Der Fonds soll Brücke sein in die Welt der Geldanlage, um dort erste, positive Erfahrungen machen zu können.

Vielen Dank für das Gespräch.
Neuigkeiten rund um die Leitmesse

Noch sind es über drei Monate bis zur DKM 2018, die vom 23. bis 25.10.2018 in Dortmund stattfindet. Auf www.asscompact.de erhalten Sie wöchentlich Neuigkeiten zur Leitmesse. Mehr Informationen gibt es außerdem auf www.die-leitmesse.de.





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