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Nettotarife: Angebot steigt, Nachfrage stagniert, Reputationsrisiko bleibt
29. Januar 2016

Nettotarife: Angebot steigt, Nachfrage stagniert, Reputationsrisiko bleibt

Das Angebot an Nettotarifen, die keine Provisionen enthalten und sich deshalb für den Vertrieb gegen ein vom Kunden zu zahlendes Honorar eignen, hat einer aktuellen Studie zufolge in den vergangenen Jahren vor allem im Lebensversicherungsbereich zugenommen. Die Nachfrage blieb allerdings gering. Außerdem sehen die Studienautoren im unregulierten Honorarvertrieb ein Reputationsrisiko für die Branche.


Vor allem in der Lebensversicherung bieten deutsche Versicherungsunternehmen mehr Nettotarife an als noch im Jahr 2010. Das hat die aktuelle Untersuchung „Nettotarifangebot deutscher Versicherungsunternehmen“ des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln und der Fachhochschule Dortmund unter der Leitung von Prof. Dr. Sabine Wende und Prof. Dr. Matthias Beenken ergeben. Demnach erklärten 17 Lebensversicherer, dass sie solche Tarife vorhalten. In einer Vergleichsuntersuchung aus dem Jahr 2010 waren es nur zehn Unternehmen gewesen.

Im Gegensatz zum Angebot hat sich der Studie zufolge allerdings die Nachfrage nach solchen Tarifen, die keine Provisionen enthalten, sich deshalb für den Vertrieb gegen ein vom Kunden zu zahlendes Honorar eignen und vor allem von Versicherungs- oder Honorarberatern sowie von Versicherungsmaklern angeboten werden, in dem Fünfjahreszeitraum nicht spürbar vergrößert. Der Anteil dieser Tarife im Neugeschäft liegt unverändert im niedrigen Promille-Bereich.

Unregulierter Honorarvertrieb: Reputationsrisiko für Versicherungswirtschaft

Als bedenklich stufen die Studienautoren ein, dass die Unternehmen mit großer Mehrheit keinen Einfluss darauf nehmen, unter welchen Bedingungen den Kunden die Nettotarife angeboten werden. Dabei gibt es eine Reihe Gerichtsverfahren und Urteile des Bundesgerichtshofs, die zeigen, dass separate Vergütungsvereinbarungen keineswegs immer transparent und angemessen sind. Als Negativbeispiele nennt die Studie hier unter anderem die Höhe der geforderten Vermittlungshonorare und die Tatsache, dass der Kunde anders als bei Bruttotarifen im Fall frühzeitiger Vertragsstornierung die vereinbarte Vergütung meist nicht zeitanteilig zurückfordern kann. Auch erfolge oft keine hinreichende Aufklärung, wie sich eine einmalige Vergütung bei einem langfristigen Versicherungsvertrag auf dessen Kosten-/Nutzen-Verhältnis auswirkt, und wie sich dies mit Bruttotarifen vergleichen lässt. In einem vermehrten Absatz von Nettotarifen gegen separate, vom Vermittler vereinbarte Vergütung sieht die Studie daher ein Reputationsrisiko für die Versicherungswirtschaft: Betroffene Kunden werden im Streitfall kaum zwischen dem Versicherer und dem Honorarvermittler/-berater differenzieren, wenn sie sich unfair behandelt sehen.

Versicherer haben keine Vorbehalte

Die Untersuchung zeigt aber, dass die Versicherer trotz der seit Jahren anhaltenden Diskussion über die Vorteile einer Honorarberatung, die von der Großen Koalition gefördert wird, bisher meist noch keine eindeutige Haltung zu den damit verbundenen Konsequenzen entwickelt haben. Offensichtlich haben sie überwiegend nicht die Befürchtung, dass ihr Geschäfts- und Vertriebsmodell bei einem Systemwechsel bedroht wäre. Einen Nutzen können sie allerdings mehrheitlich auch nicht erkennen. So scheint es in erster Linie darauf anzukommen, ob die Nachfrage vonseiten der Kunden und ihrer Vermittler und Berater ansteigen wird. Unter wettbewerblichen Aspekten erwarten die Studienautoren dann eine Zunahme des Angebots.

Über die Studie

An der Befragung zur Untersuchung „Nettotarifangebot deutscher Versicherungsunternehmen“ haben insgesamt 44 Versicherungsunternehmen und -konzerne teilgenommen, die einen Marktanteil von 85% repräsentieren. Im Jahr 2010 waren es 49 Unternehmen, die allerdings nur 68% Marktanteil gesamt aufwiesen. (ad)



Kommentare

von Frank L. Braun am 29.01.2016 um 09:58 Uhr
Wie bekannt, muss der Köder dem Fisch schmecken. Ist das Produkt OK, benötigt der Hersteller natürlich auch die „Fische“ die danach hungrig sind. Da aktuell die wenigsten Vermittler einen neutrale Beratungsansatz auf Honorarbasis durchführen, wird es noch bis 2018 so bleiben. Erst, wenn der „Tsunami“ mit der Beweislastumkehr erkannt wurde, wird sich das in der Breite drastisch ändern.




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