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Start-up „motovio“: So können Unfallzahlen reduziert werden
05. Dezember 2018

Start-up „motovio“: So können Unfallzahlen reduziert werden

Die Plattform „motovio“ bietet Video-Onlinekurse zur Verkehrssicherheit. Kooperationen mit Kfz-Versicherern, die die motovio-Inhalte in ihre eigene App integrieren können, sind ins Auge gefasst. Langfristig sollen durch die Teilnahme an den Schulungen die Kfz-Schadenfälle reduziert werden. Interview mit den Gründern.


Die Plattform „motovio“ bietet Video-Onlinekurse zur Verkehrssicherheit. Kooperationen mit Kfz-Versicherern, die die motovio-Inhalte in ihre eigene App integrieren können, sind ins Auge gefasst. Langfristig sollen durch die Teilnahme an den Schulungen die Kfz-Schadenfälle reduziert werden. Interview mit den Gründern.


Start-up „motovio“: So können Unfallzahlen reduziert werden
Herr Sepetavc, stellen Sie Ihr Start-up „motovio“ doch bitte kurz vor.

DS: Wir bieten über unsere Plattform Onlinekurse zur Verkehrssicherheit an. Unser großes Ziel damit ist es, dass die Verkehrssicherheit auf deutschen Straßen höher wird, das Unfallrisiko gesenkt wird und die Versicherer weniger Schadenfälle regulieren müssen.

Wer sind die Köpfe hinter motovio?

DS: Sina Ronke ist Fahrlehrerin bei „Caesars Fahrschule“ in Mannheim und unsere „Chef-Entwicklerin“, was die Inhalte betrifft. Sie ist auch diejenige, die in den Videos zu sehen sein wird. Außerdem gehört mein Bruder Marc Sepetavc dazu, er ist für Marketing und Vertrieb zuständig. Ich selbst, Dominic Sepetavc, bin der geschäftsführende Gesellschafter und kümmere mich um die IT. Zudem unterstützt uns Prof. Dr. Jürgen Hilp, Leiter des Studiengangs BWL-Versicherung an der DHBW Heidenheim sowie Initiator und Leiter des Digitalisierungs-Circle.

Woher kommt die Idee fürs Start-up?

DS: Ursprünglich wollten wir mit der Fahrschulbranche zusammenarbeiten und den theoretischen Fahrunterricht digitalisieren, indem wir ihn online anbieten. Hier hat uns allerdings der Gesetzgeber einen Strich durch die Rechnung gemacht: Per Gesetz darf der Theorieunterricht nicht online stattfinden, er muss vor Ort in den Fahrschulen abgehalten werden. Gemeinsam mit der InnoWerft – den Start-up-Inkubator der Stadt Walldorf und der Firma SAP – haben wir die Idee im Herbst 2017 in Richtung Onlinetrainings und Nachschulungen weiterentwickelt. Wir haben auch an einem Start-up-Programm teilgenommen und dort unter 25 Teilnehmern den 5. Platz belegt. Seit Februar 2018 firmieren wir aktiv als motovio UG (haftungsbeschräkt).

Was ist der derzeitige Stand der Dinge, was ist in Planung?

SR: Im Juni gab es die ersten Videodrehs. Aktuell haben wir vier Videos über Verkehrssicherheit, drei real gedrehte und ein animiertes. Unsere Internetplattform, auf der man Kurse besuchen und anschließend einen Test über das Gelernte ablegen kann, steht ebenfalls: https://www.motovio.de/.

Weitergehen soll es mit Videos über die häufigsten Unfallursachen, Videos über den Umgang mit dem Fahrzeug an sich sollen folgen: Wann müssen die Winterreifen aufgezogen werden? Wie oft muss der Reifendruck gemessen werden? Was muss regelmäßig im Motorinnenraum kontrolliert werden? Auch Videos über Neuerungen in der StVO stehen auf dem Programm. Wir wollen die Palette so erweitern, dass wir die Videos irgendwann speziell auf den Nutzer einstellen können. Die Zuweisung soll altersabhängig geschehen und abhängig davon, wie lange man den Führerschein hat und wie sich der Fahrstil gestaltet.

Wie steht es um die Kooperation mit der Versicherungsbranche?

SR: Wir sind mit Versicherern im Gespräch, einige sind sehr interessiert. Wir möchten natürlich auch die Bedürfnisse der Versicherer erfahren, sodass wir individuell darauf eingehen und den Content unserer Onlineplattform entsprechend ausbauen können.

Wie würden Sie sich die Zusammenarbeit mit den Versicherern vorstellen und wo sehen Sie den Nutzen?

SR: Für Versicherungsnehmer besteht der Nutzen in der Auffrischung ihres Wissens. Dies sollte im Vordergrund stehen. Ein weiterer Nutzen wären die Boni, die die Versicherer für das Besuchen der Onlinekurse an ihre Kunden ausschütten sollten. Die Nutzer unserer Plattform hätten dann den großen Vorteil, dass Sie an ihrem Kfz-Versicherungsbeitrag sparen könnten.

Die Versicherer selbst sollen mithilfe unserer Plattform besser geschulte Versicherungsnehmer bekommen – mit dem langfristigen Ziel, die Unfallzahlen zu reduzieren. Auf jeden Fall sollen dadurch aber verantwortungsbewusstere Fahrer geschaffen werden. Das kann geschehen, indem das Wissen aus der Fahrschulzeit, die vielleicht schon länger zurückliegt, einfach aufgefrischt wird.

JH: Viele Versicherer, mit denen wir bisher gesprochen haben, sehen aber nicht nur den Schadenreduzierungseffekt bei der Sache, sondern auch den Imageeffekt für sich selbst: Motovio bietet ihnen ein tolles „Generation-Y-Marketingtool“.

Wie sehen die Kooperationsmöglichkeiten für die Versicherer konkret aus?

DS: Viele Versicherer sind bereits im Telematikbereich aktiv. Einige tracken hier nicht nur die gefahrenen Kilometer, sondern auch das Fahrverhalten des Versicherungsnehmers. Der „Score“, der dabei herauskommt, kann von den Versicherungsnehmern durch Teilnahme an unseren Onlinekursen stetig verbessert werden.

Wir stellen den Inhalt für die Versicherer bereit, die Versicherer könnten ihn in ihre eigene App integrieren. In den ersten Gesprächen hat sich dieser Wunsch vonseiten der Versicherer auch schon herauskristallisiert, da im Bereich Kfz mittlerweile fast jeder Versicherer seine eigene App hat.

JH: Denkbar wären für „motovio“ ansonsten der Auftritt mit eigener Plattform als White-Label-Lösung oder eigene Marke. Oder ein Auftritt als Start-up mit eigenem Risikoträger.

Können Sie sich für die Zukunft auch Kooperationen mit der Polizei vorstellen?

DS: Wir haben schon eine Kooperation mit der Kreisverkehrswacht Heilbronn. Und unsere Videos wurden auf dem Gelände der Verkehrswacht Karlsruhe gedreht, sie unterstützt uns dabei, dass wir das Gelände regelmäßig nutzen können. Wir denken auch an eine Kooperation mit dem UDV, der ja in seinen jährlichen Berichten auch immer erforscht, was unfalltechnisch im Moment besonders problematisch ist.

Foto: Sina Ronke, Dominic Sepetavc und Prof. Dr. Jürgen Hilp (v. l. n. r.)





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