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So investieren Frauen im Vergleich zu Männern

Männer investieren häufiger in aktienbasierte, risikoreiche Anlagen als Frauen und empfinden dabei Freude. Das ist einer aktuellen Studie von Union Investment zu entnehmen. Frauen hingegen setzen eher auf risikoärmere Investments und glauben größtenteils, über wenig Fachwissen zu verfügen.

Das Marktforschungsinstitut Kantar hat im Auftrag von Union Investment untersucht, wo die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Geldanlage zu finden sind. Zu diesem Zweck hat Kantar 2.000 Personen online befragt, die Aktien, Aktienfonds oder Mischfonds besitzen oder einmal besessen haben. Dementsprechend ist die Studie nicht für die deutsche Gesamtbevölkerung repräsentativ, sondern lediglich für Personen, die aktienbasierten Anlagen nicht abgeneigt sind.

Spaß am Risiko und Vorsicht

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Geldanlage für Männer eher mit positiven Gefühlen assoziiert ist, während Frauen insbesondere bei risikoreichen Anlageformen mehr Vorsicht an den Tag legen. So kommt es, dass Männer Aktien sowie Fonds insgesamt aufgeschlossener gegenüberstehen.

Einzelaktien bei Männern hoch im Kurs

Besonders deutlich wird das beim Investment in einzelne Titel. 46% der befragten Männer geben demnach an, in Einzelaktien zu investieren. Bei Frauen behaupten das lediglich 22%. Ähnlich sieht es bei Aktienfonds aus. Auch in sie investiert knapp die Hälfte der Männer (48%), aber nur etwas mehr als jede dritte Frau (35%). Bei defensiveren Anlagen wie Bausparverträgen, Mischfonds und Sparkonten dreht sich die Geschlechterverteilung. Hier investieren Frauen häufiger als Männer.

Investitionsquote bei Frauen deutlich niedriger

Der Unterschied bei der Risikobereitschaft der Geschlechter drückt sich auch im Anteil des eigenen Finanzvermögens aus, der in risikoreichen Anlageklassen investiert ist. 54% der Männer haben mehr als ein Viertel ihres Vermögens in Aktien oder Fonds angelegt. Bei den Frauen sind es nur 34%. Bei den männlichen Befragten sind sogar 24% mit mehr als der Hälfte ihres Vermögens in aktienbasierte Anlagen investiert. Bei den Frauen jedoch nur 9%.

Zweifel und Vertrauen in das eigenen Anlagewissen

Ursächlich für diese Unterschiede und die Freude der Männer an aktienbasierten Anlagen ist unter anderem die Einschätzung des eigenen Wissens. Männer zweifeln das eigene Anlagewissen deutlich weniger an als Frauen. 56% der Frauen geben an, nur ein geringes Fachwissen in Bezug auf Geldanlage zu haben. Bei den Männern behaupten das nur 37%. Und auf den eigenen Kenntnisstand verlässt sich gerade einmal jede Fünfte (21%). Bei den Männern vertrauen hingegen 42% auf das eigene Investment-Know-how. (tku)

Bild: © adragan – stock.adobe.com

 

Rezession – Was bedeutet sie für Anlegerinnen und Anleger?

Die ökonomischen Zeichen stehen auf Sturm. Das Wort Rezession ist in aller Munde. Was genau bedeutet der Begriff, welche Begleiterscheinungen gehen häufig damit einher und wie können sich Anleger positionieren, um auch in Krisenzeiten zu bestehen?

Ein Artikel von Thorsten Schrieber, Vertriebsvorstand der DJE Kapital AG

Eine Rezession ist eine Phase wirtschaftlichen Abschwungs, die durch eine abnehmende Wirtschaftsleistung gekennzeichnet ist. Man spricht dann von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer Volkswirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig ist. Neben dem rückläufigen BIP gibt es noch weitere mögliche Kennzeichen, unter anderem fallende Börsenkurse, sinkende Produktion, ein abnehmendes Lohn­niveau oder zunehmende Arbeitslosigkeit. Jüngst zeigte sich etwa bei US-Staatsanleihen ein weiteres Zeichen, nämlich eine inverse Zinskurve: Papiere mit kurzen Laufzeiten warfen höhere Erträge ab als solche mit längeren Laufzeiten. Das ist insofern ungewöhnlich, als Investoren für eine längere Zinsbindung üblicherweise mehr Rendite fordern. Eine inverse Kurve gilt historisch als starkes Vorzeichen einer Rezession.

Warum ist eine Rezession ein volkswirtschaftliches Problem?

Eine Volkswirtschaft, die sich abkühlt und an Fahrt verliert, kennt viele Verlierer, vor allem die Beschäftigten im Niedriglohnsektor sowie Haushalte mit geringerem Einkommen. Viele Unternehmen werden zum Sparen gezwungen und versuchen, ihre fundamentalen Daten durch Personalabbau zu verbessern. Die Sozialsysteme werden durch eine steigende Arbeitslosigkeit belastet – abnehmender Konsum wiederum verringert staatliche Steuereinnahmen und die Umsätze der Unternehmen. Und: Nicht jedes Unternehmen überlebt einen solchen wirtschaftlichen Abschwung.

Ein Blick zurück

Die letzte Rezession gab es erst vor Kurzem, nämlich im Corona-Jahr 2020: Laut den Daten des Bureau of Economic Analysis wiesen exemplarisch in den USA die ersten beiden Quartale eine negative BIP-Entwicklung im Vorjahresvergleich auf. Durch eine größere monetäre und fiskalpolitische Anstrengung konnte die Rezession jedoch schnell gestoppt werden.

Auch Anfang der 1990er-Jahre rutschte die US-Wirtschaft in eine Rezession. Sie wurde ausgelöst durch die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, um die steigende Inflation zu bekämpfen. Anziehende Ölpreise trugen damals maßgeblich zur Inflationssteigerung bei. Wichtigster Preistreiber damals: der irakische Überfall auf Kuwait. Der sogenannte Ölpreis-Schock hielt rund neun Monate an, bis eine internationale Koalition unter Führung der USA Saddam Husseins Truppen zurückdrängen und die Ängste um die Ölversorgung auf­lösen konnte.

Wie wirkten sich Rezessionen auf die Aktienmärkte aus?

Besonders lehrreich ist für langfristig orientierte Anleger nicht der Blick auf die maximalen Verluste während einer Rezession, sondern vielmehr auf die Erholung der Aktienmärkte danach. Die Statistik zeigt, dass der S&P 500 bei Bärenmärkten im Schnitt sechs Monate nach dem Tiefpunkt bei +25%, zwölf Monate danach sogar bei +36% notiert. Dem gegenüber steht ein durchschnittlicher Drawdown (der maximale Wertverlust bis zum Wiedererreichen des Ursprungswertes) von 34%.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den anderen Indizes. Der MSCI Europe liegt ein Jahr nach Bärenmarkt-Tiefpunkten im Schnitt bei einem Plus von 34%, während der Drawdown 32% beträgt. Und auch im Weltindex MSCI All Country World steht zwölf Monate nach einem Bärenmarkt eine Erholung von 32% einem Drawdown von 25% gegenüber. Sogar lang anhaltende Bärenmärkte, etwa während der Rezessionen Anfang der 2000er-Jahre (New-Economy-Blase) und während der großen Finanzkrise ab 2007, konnten sich mit etwas Distanz wieder erholen.

Nicht jeder Sektor ist gleich betroffen

Rezessionen sind herausfordernd für eine Volkswirtschaft, aber die Märkte haben sich historisch betrachtet bisher immer wieder erholt. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das vor allem eines: Ruhe bewahren. Nicht jede Aktie und nicht jedes Unternehmen leidet in einem solchen Negativszenario gleichermaßen. Schon auf Sektorebene werden Unterschiede deutlich. Die Automobilindustrie etwa muss mit durchschnittlich 61% maximalem Drawdown in Marktkrisen vergleichsweise hohe Verluste verkraften. Auch der Immobiliensektor wird mit einem durchschnittlichen Minus von 59% in Krisenzeiten stark gebeutelt. Als krisenresistenter erweisen sich hingegen Wirtschaftszweige, auf die Verbraucher auch in schweren Zeiten nicht verzichten können. Basiskonsumgüter wie Haushaltswaren und Lebensmittel führen das Feld mit einem maximalen durchschnittlichen Drawdown von nur 23% an. Auch der Gesundheitssektor steht in Krisenzeiten mit einem Drawdown-Durchschnittswert von 31%, zumindest relativ gesehen, besser da als viele andere Bereiche.

Was tun als Anleger?

Aktuell sind vor allem die anhaltenden geopolitischen Risiken, die weitere Verschärfung der Energiekrise sowie die Politik der Zentralbanken, die der Inflationsbekämpfung Vorrang vor Wachstum und Arbeitsmarkt einräumen, negative Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung. Wer das Risiko im Portfolio generell reduzieren möchte, kommt um eine aktive Steuerung nicht herum. Hierfür eignen sich defensive Aktien, eine höhere Cash-Quote, gegebenenfalls eine höhere Anleihenquote oder eine Goldbeimischung.

Flexible Mischfonds wie der DJE – Zins und Dividende können hier eine sinnvolle Lösung darstellen. Er ist ein weltweit unabhängig von Benchmark-Vorgaben anlegender Mischfonds und verfolgt den Absolute-Return-Gedanken mit dem Ziel, Verluste weitestgehend zu vermeiden. Durch differenzierte Gewichtung der Asset-Klassen Anleihen und dividenden- und substanzstarke Aktien versucht das Fondsmanagement einerseits, regelmäßige Zinseinkünfte zu generieren sowie andererseits eine möglichst anhaltend positive Wertentwicklung bei geringer Volatilität zu erzielen. Bei der Aktienauswahl wird auf stabile Dividendenzahlungen und darüber hinaus auf eine anlegerfreundliche Unternehmenspolitik mit Kapitalrückgaben und Aktienrückkäufen (Total Shareholder Return) Wert gelegt. Der flexible Investmentansatz des Fonds soll eine schnelle Anpassung an die sich stetig verändernden Marktgegebenheiten ermöglichen. Zur Verringerung des Risikos von Kapitalschwankungen sind mindestens 50% des Fondsvermögens dauerhaft in Anleihen angelegt. Das Aktienengagement beträgt mindestens 25% und ist auf maximal 50% begrenzt. Währungsrisiken werden je nach Marktlage abgesichert.

Fazit

Unabhängig davon, für welche Lösung sich Anleger entscheiden, gilt unterm Strich: Vollständig auszusteigen, kann im schlimmsten Fall sehr teuer werden. Denn: Die Börse klingelt bekanntlich weder zum Ausstieg noch zum Wiedereinstieg.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 10/2022, S. 54 f., und in unserem ePaper.

Bild: © funstarts33 – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Thorsten Schrieber

Russische Wertpapiere können umgewandelt werden

Für Anleger, die ihre russischen Wertpapiere bisher nicht loswerden konnten, besteht zumindest Hoffnung auf eine Teillösung. Die Hinterlegungsscheine für russische Aktien (DRs) können demnach laut Informationen der Verwahrgesellschaft Clearstream in Originalaktien umgewandelt werden.

Anleger, die noch immer russische Titel in der Form von Hinterlegungsscheinen halten, könnten bald eine Möglichkeit erhalten, ihre Wertpapiere umzutauschen. Das ist einer Mitteilung der Abwicklungs- und Verwahrgesellschaft Clearstream zu entnehmen, über die u. a. das Handelsblatt berichtete.

Umwandlungsanträge wieder möglich

Demnach nimmt Clearstream – ein Tochterunternehmen der Deutschen Börse – wieder Umwandlungsanträge für Hinterlegungsscheine russischer Aktien an. Diese Zertifikate namens Depository Receipts (DRs) werden an Börsen häufig stellvertretend für die Originalaktien gehandelt. Die Zertifikate werden von Banken (DR-Agenten) herausgegeben, die wiederum die Originalaktien verwahren.

Keine Gebühren für Übertragungen

Mit der russischen Zentralverwahrstelle sei man zu einer Übereinkunft gekommen, dass auf die Übertragungen von den DR-Agenten bzw. zu den DR-Agenten bis mindestens Ende 2022 keine Gebühren anfallen, somit keine Erträge für die russischen Institute anfallen und die westlichen Sanktionen somit technisch nicht verletzt werden.

Konditionen bei Zwangsverkauf unklar

Die Zeit drängt auch deshalb, weil der Umtausch binnen Jahresfrist durchgeführt werden muss. Ansonsten droht den Inhabern der DRs der zwangsweise Verkauf zu ungeklärten Konditionen.

Russische Titel nicht handelbar

Bereits seit Beginn der westlichen Sanktionen gegen Russland nach dessen Angriff auf die Ukraine sind russische Wertpapiere an europäischen Börsen kaum noch handelbar, wie AssCompact bereits Anfang März berichtete. Auch Fondsgesellschaften wurden russische Titel kaum noch los. Die großen Indexanbieter strichen den russischen Aktienmarkt komplett aus ihren Indizes und klassifizierten ihn als „nicht investierbar“. (tku)

Bild: © Feydzhet Shabanov – stock.adobe.com

 

Amundi lanciert weltweit anlegenden Artikel-9-ETF

Der größte europäische Vermögensverwalter, Amundi, hat einen ETF aufgelegt, der ein passives, nachhaltiges Investment sowohl in Industrie- als auch Schwellenländer ermöglichen soll. Dabei ist der ETF sogar als Impact-Fonds kategorisiert. Einziger Wermutstropfen: Darunter leidet die Diversifizierung.

Wer sein Geld passiv, nachhaltig und vor allem weltweit anlegen möchte, hat bei Amundi jetzt die Gelegenheit, das in einem einzigen Produkt umzusetzen. Denn mit dem Amundi MSCI ACWI SRI PAB UCITS ETF DR hat der größte europäische Vermögensverwalter einen Artikel-9-ETF aufgelegt, der neben 23 Industrieländern auch 24 Schwellenländer abdeckt.

SRI-Filter und Paris-aligned

Der ETF bildet den MSCI ACWI SRI Filtered PAB Index ab, der wiederum mehr als 500 Unternehmensbeteiligungen weltweit umfasst. Der ETF selbst enthält aktuell jedoch laut ExtraETF lediglich 451 Titel und weist laufende Kosten in Höhe von 0,2% p. a. auf.

Der SRI-Best-in-Class-Ansatz zielt darauf ab, dass sich pro Branche nur Unternehmen mit den höchsten ESG-Bewertungen aus dem zugrunde liegenden MSCI ACWI für den nachhaltigen Index qualifizieren.

Gleichzeitig ist der Index so konzipiert, dass er den Anforderungen der Paris-Aligned-Benchmark (PAB) Nachhaltigkeitsindizes der EU entspricht. Diese unterstützen in Übereinstimmung mit dem Pariser Abkommen das Ziel einer Netto-Null-Welt bis 2050 sowie der Begrenzung des globalen durchschnittlichen Temperaturanstiegs auf 1,5°C.

Filter reduzieren Diversifizierung

Der Haken? Wie stets bei der Anwendung von Nachhaltigkeitsfiltern leidet die Diversifizierung. Aus mehr als 2.850 Unternehmen im MSCI ACWI bleiben im MSCI ACWI SRI Filtered PAB Index nur noch besagte ca. 500 Titel übrig, von denen es dann wiederum ein Zehntel nicht in den Index schafft. Des Weiteren bleiben bei einem Produkt, das sich vom MSCI ACWI ableitet, naturgemäß Nebenwerte außen vor. Sofern Anleger also Small Caps beimischen wollen, um sich einem marktneutralen Portfolio anzunähern oder Nebenwerte sogar übergewichten wollen, um die Size-Prämie abzugreifen, reicht ein einzelnes Produkt dann doch nicht aus. (tku)

Bild: © lumerb – stock.adobe.com

 

CHECK24 übernimmt Einlagenvermittlung selbst

Der Vergleichsportalbetreiber CHECK24 hat seine Kooperation mit Raisin DS beendet, wie dem Branchendienst finanz-szene.de zu entnehmen ist. Für Raisin kommt es aber noch dicker: CHECK24 wird wohl selbst zum Einlagenvermittler und somit zum direkten Wettbewerber.

CHECK24 hat seine Kooperation mit dem Einlagenvermittler Raisin DS beendet. Das geht aus Recherchen des Branchendienstes finanz-szene.de hervor. Hinter den auf dem Vergleichsportal angebotenen Tages- und Festgeld-Angeboten steckte bisher die Whitelabel-Lösung des Einlagenvermittlers, der aus der Fusion von Raisin mit Deposit Solutions hervorgegangen war.

Neues Angebot auf CHECK24

Demnach sind die typischen Partnerbanken, an die Kunden von Raisin auch auf den eigenen Plattformen wie Weltsparen und Zinspilot vermittelt werden, mittlerweile aus dem Angebot von CHECK24 verschwunden. Stattdessen finden sich auf dem Vergleichsportal nun andere Anbieter, wie beispielsweise die maltesische Multitude Bank.

Vergleichsportalbetreiber macht Raisin Konkurrenz

CHECK24 nimmt die Vermittlung von Tages- und Festgeldangeboten nun wohl in die eigene Hand. Das ist insbesondere deshalb bedeutsam, da Raisin seit der Fusion mit Deposit Solution (mittlerweile: Raisin DS) ein Monopol in der Einlagenvermittlung zukam. Dieses Monopol wird nun durch den Einstieg des Vergleichsportalanbieters aus München durchbrochen. (tku)

Bild: © fotomek – stock.adobe.com

 

Stimmungsgetriebener Währungs- und Rohstofffonds

Die Vermögensverwaltung der Privatbank Berenberg hat einen neuen Fonds an den Start gebracht. Für die Anlagestrategie des Berenberg Sentiment Fund werden Nachrichten per KI ausgewertet, um Rückschlüsse auf die Stimmungslage von Investoren zu ziehen.

Berenberg hat seine Produktpalette an Investmentfonds erweitert. Der neu lancierte Berenberg Sentiment Fund nutzt einen hauseigenen Big-Data-KI-Ansatz, um von der Stimmungslage an den Märkten profitieren zu können. Für den Fonds werden laut Berenberg täglich mehrere hunderttausend globale, unstrukturierte Nachrichten in Echtzeit vollautomatisch analysiert und daraus Handelssignale generiert.

Auswertung von Nachrichten

Die konkrete Idee hinter der Anlagestrategie: Die Stimmung der Investoren auszuwerten, die für die Marktbewegungen von entscheidender Bedeutung ist. Diese Stimmung wiederum wird durch Nachrichten aus Unternehmen, Ökonomie, Politik, Gesellschaft oder Umwelt geprägt. So beeinflussen etwa politische Entwicklungen, Entscheidungen zu Handelsabkommen, Konflikte, Verschuldung, Zinsen oder Wahlen die Kapitalmärkte direkt bzw. indirekt.

Ableitung von Kauf- und Verkaufssignalen

Um sich also einen Überblick über die Stimmungslage der Anleger zu verschaffen, analysiert Berenberg Nachrichten nach vorher festgelegten Parametern, interpretiert sie mittels natürlicher Sprachverarbeitung (Natural Language Processing) und übersetzt die gewonnenen Daten unter Einsatz von mehrdimensionalen Filtern in Stimmungswerte. Anschließend werden per Algorithmus zugrunde liegende Muster erkannt und daraus Kauf- und Verkaufssignale abgeleitet, die wiederum in Investitionsentscheidungen umgesetzt werden.

„Die vergangenen Jahre sind durch eine starke Zunahme von unstrukturierten Nachrichten gekennzeichnet“, sagt Dr. Heiko Dankert, AI Research Lead bei Berenberg. „Gleichzeitig eröffnen steigende Datenverfügbarkeit und zunehmende Rechenleistung neue Möglichkeiten, diese enormen Datenmengen algorithmisch zu analysieren. Die daraus resultierenden Strategien erkennen Handlungsmuster, aus denen vollautomatisch Handelssignale abgeleitet werden.“

Für private und institutionelle Investoren

Den proprietären Ansatz und die zugrunde liegende Technik nutzt Berenberg bereits seit zwei Jahren zur Signalgenerierung im Währungsmanagement, woraus als Weiterentwicklung der Berenberg Sentiment Fund sowohl für private als auch institutionelle Investoren ins Leben gerufen wurde.

Währungen, Gold und Rohöl

Der Fonds wird von Nico Baum und seinem Team gemanagt und investiert in globale Makromärkte. Das Portfolio des Berenberg Sentiment Funds besteht aus Währungen (G-10) und Rohstoffen, insbesondere Gold und Rohöl. Alle Strategien sind gleich gewichtet, die Liquidität wird über einen Bond Floor oder Geldmarktinstrumente verwaltet. Die Fondswährung ist Euro. Auf Basis dieser Strategie wird, unabhängig von Marktzyklen, eine jährliche Rendite von 5% bei einer Volatilität von 5% angestrebt. Benchmark ist die Euro Short-Term-Rate. (tku)

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BlackRock-CEO glaubt an rasche Erholung Deutschlands

Der CEO von BlackRock sieht Deutschland gut aufgestellt, um sich nach einem Wirtschaftseinbruch schnell wieder zu erholen. Das geht aus einem Interview hervor, in dem Larry Fink auch seine Einschätzung zur Wahl in Italien teilt und erläutert, weshalb das Arbeiten aus dem Home-Office auf Dauer eine Katastrophe wäre.

Larry Fink, der Gründer und Chef des weltgrößten Vermögensverwalters, BlackRock, hat mehreren europäischen Zeitungen – darunter dem Handelsblatt – ein Interview gegeben. In dem Gespräch teilt der BlackRock-CEO seine Einschätzung zu zahlreichen aktuellen Ereignissen.

China in schlechter Verfassung

Unter anderem glaubt Fink, dass sich China aktuell in der schlechtesten wirtschaftlichen Lage seit 20 Jahren befindet. Auch um Europa sei es nicht gut bestellt, wenngleich langfristig Anlass für Optimismus bestehe. Einen anhaltenden wirtschaftlichen Abschwung fürchtet Fink für Europa nicht.

Deutschland wird sich schnell wieder erholen

Insbesondere Deutschland sieht der CEO gut aufgestellt. Auch wenn zunächst ein deutlicher Wirtschaftseinbruch hingenommen werden müsse, geht Fink von einer v-förmigen rasanten Erholung aus.

Vorsichtiger Optimismus für Italien

Auch der politische Rechtsruck in Italien lässt Fink relativ kalt. Seine hochrangigen Kontakte aus der italienischen Wirtschaft hätten ihm mitgeteilt, dass vorsichtiger Optimismus angebracht sei. Immerhin wachse die Wirtschaft Italiens aktuell schneller als die deutsche und auch das italienische Bankensystem sei mittlerweile in einer guten Verfassung. Einen Unsicherheitsfaktor stelle jedoch weiterhin die Frage dar, wie sich das Kabinett der künftigen italienischen Regierung zusammensetzen werde – insbesondere der Posten des Finanzministers sei hierbei von Bedeutung.

Home-Office dürfe kein Dauerzustand werden

Was Fink hingegen durchaus mit Sorge erfüllt, ist die Gefahr, dass das Arbeiten aus dem Home-Office ein Dauerzustand werden könnte. „Wenn das so wäre, wäre es eine Katastrophe“, meint der BlackRock-CEO. (tku)

Das komplette Interview kann hier auf handelsblatt.com nachgelesen werden.

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Privatanleger müssen 2022 Rekordverluste verschmerzen

Der digitale Vermögensverwalter Whitebox hat untersucht, wie es im ersten Halbjahr mit der Rendite für Privatanleger aussah. Das Ergebnis: Die Kleinanleger mussten Rekordverluste in Höhe von 213 Mrd. Euro hinnehmen. Laut Whitebox könnte nun aber ein guter Einstiegszeitpunkt gekommen sein.

Das erste Halbjahr 2022 war für die Vermögen von Privatanlegern in Deutschland ein Desaster. Das ergibt die zweite Auflage des Rendite Radars des Robo-Advisor-Anbieters Whitebox. Demnach haben Privatanleger in den ersten sechs Monaten des Jahres so viel Vermögen eingebüßt, wie noch nie seit Beginn der Erhebung der zugrunde liegenden Daten im Jahr 1999.

Rekordverluste

Das Minus bei den Privatanlegern belief sich auf stolze 213 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Selbst 2008, als die globale Finanzkrise ihren Höhepunkt erreicht hatte, waren im Gesamtjahr nur Verluste in Höhe von 115 Mrd. Euro angefallen.

Krieg, Inflation und drohende Rezession

„Die Zahlen führen uns die Dramatik der Entwicklungen im bisherigen Jahresverlauf nochmals drastisch vor Augen“, erklärt Salome Preiswerk, Gründerin und CEO von Whitebox. „Der Angriff auf die Ukraine, die hohe Inflation und die drohende Rezession haben deutliche Spuren an den Kapitalmärkten hinterlassen – und eben auch bei den Vermögen von Privatanlegern.“

Absturz nach Rekordjahr

Das Rekordminus folgt auf einen Rekordgewinn, denn im Jahr 2021 hatten deutsche Privatanleger erstmals mehr als 300 Mrd. Euro an Finanzerträgen erzielt. Nun aber ließen Kursverluste in Höhe von 267 Mrd. Euro die Gesamterträge abstürzen, so die Whitebox-Analyse. Daran konnten auch laufende Erträge aus Dividenden, Zinsen und anderen Ausschüttungen in Höhe von 54 Mrd. Euro nichts ändern.

Realrendite bei -12,2%

Entsprechend lag die Rendite privater Anleger im 1. Halbjahr 2022 über alle Anlageklassen hinweg bei −2,8% oder annualisiert bei −5,5%. Die annualisierte Realrendite, die auch die Inflation berücksichtigt, lag sogar bei satten −12,2%. Auch das ein Rekord. Seit Beginn der Datenerfassung waren die realen Verluste noch nie so drastisch ausgefallen.

Zweites Quartal 2022

Die Verluste im zweiten Quartal 2022 (131 Mrd. Euro) lagen zudem nochmals deutlich höher als im ersten Quartal (82 Mrd. Euro). Interessant: Es ist das erste Mal überhaupt seit dem Jahr 2009, dass Anleger in zwei aufeinander folgenden Quartalen Verluste verzeichneten. Selbst 2020, im ersten Jahr der Corona-Pandemie, gab es nur ein Verlustquartal.

Gute Einstiegsgelegenheit

„Das sollte Investoren trotz der weiterhin schwierigen wirtschaftlichen und politischen Gesamtsituation Mut machen“, erläutert Salome Preiswerk. „Die Aktienkurse steigen in aller Regel schon, bevor sich die Lage in der realen Wirtschaft wirklich bessert – und gerade Verlustphasen bieten oft die besten Einstiegsgelegenheiten, weil Anleger dann gute Unternehmen zu niedrigen Preisen erwerben können.“

Aktien und Fonds sorgen für den Großteil der Erträge

Whitebox selbst setzt im Einklang mit dieser Annahme auf ETF-basierte Value-Anlagestrategien. „Dabei verfolgen wir bewusst den Ansatz, auch bei kurzfristigen Rücksetzern investiert zu bleiben“, so Preiswerk. „Denn die Vergangenheit hat immer wieder gezeigt, dass Anleger in Phasen von Kursverlusten nicht nur aussteigen und damit reine Buch- zu echten Verlusten machen, sondern auch den Zeitpunkt für den Wiedereinstieg verpassen.“ (tku)

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Auf diese Kapitalanlagen wollen Versicherer verstärkt setzen

Die Kapitalanleger der Versicherer setzen verstärkt auf private Beteiligungen. Das geht aus einer Umfrage des Vermögensverwalters BlackRock hervor. Darüber hinaus experimentieren die Versicherer auch mit Anleihe-ETFs und planen, ihre Portfolios vermehrt auf Nachhaltigkeit zu trimmen.

Der größte Vermögensverwalter der Welt, BlackRock, hat sich unter den Kapitalanlegern der Versicherer umgehört und herausgefunden, welche aktuellen Herausforderungen die Versicherer in puncto Portfoliomanagement am meisten umtreiben. Die Ergebnisse hat BlackRock nun in seinem „Global Insurance Report“ veröffentlicht. Für den Bericht wurden 370 Kapitalanleger von Versicherungsunternehmen befragt, die in 26 Märkten tätig sind und ein verwaltetes Vermögen von fast 28 Bio. US-Dollar repräsentieren.

Bisherig Asset-Allokation wird in Frage gestellt

Laut dem Bericht planen aktuell 79% der befragten Versicherer, ihre langfristige strategische Asset-Allokation zu überdenken und 48% werden noch in diesem Jahr das Level ihrer Risikobereitschaft überprüfen.

Inflation treibt auch Versicherer um

Gefragt nach den aktuell größten Marktrisiken in der Anlagepolitik, nannten 60% der Versicherer die Inflation, gefolgt von der Volatilität der Vermögenspreise (59%) und der Liquidität (58%) im Markt.

Engagement in privaten Beteiligungen soll ausgeweitet werden

Um ihre Portfolios weiter zu diversifizieren, planen 87% der Studienteilnehmer im Laufe der kommenden beiden Jahre eine Erhöhung ihrer Investmentquote in privaten Beteiligungen. Auch bei liquiden Vermögenswerten wollen die Kapitalanleger aufstocken. 37% der Befragten beabsichtigen eine Allokation in Barmitteln, 31% favorisieren festverzinsliche Anlagen.

Rendite und Diversifizierung

„Die Versicherer haben nach wie vor einen anhaltenden Appetit auf Risikoanlagen, aber da wir von einer langen Periode stetigen Wachstums und Inflation zu einem neuen Regime erhöhter Makro- und Marktvolatilität übergehen, sind ihre Ziele dynamischer als die Suche nach Rendite oder allgemeiner Diversifizierung“, sagt Anna Khazen, Leiterin der Financial Institutions Group von BlackRock für die EMEA-Region. „Auf der Basis des gesamten Portfolios bewerten die Versicherer jetzt die Rolle neu, die jede Anlageklasse spielen muss, um die Widerstandsfähigkeit zu stärken.“

Nachhaltigkeitsziele werden wichtiger

Mehr als zwei Drittel der Umfrageteilnehmer gaben des Weiteren an, dass sie in den nächsten 24 Monaten wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich umfassende ESG-Ziele in ihren Portfolios umsetzen werden. Darüber hinaus gaben 85% an, dass sie sich wahrscheinlich oder sehr wahrscheinlich auf spezifische Klimaziele für ihr Portfolio festlegen werden. 62% sehen in nachhaltigkeitsbasierten Entscheidungsprozessen einen wichtigen Trend, der die Branche in den kommenden Jahren prägen wird.

Digitalen Wandel gestalten

Die digitale Transformation halten 65% der Versicherer für den wichtigsten Trend für die Versicherungsbranche in den kommenden zwei Jahren. Gleichzeitig gaben fast alle der Befragten an, Technologien wie KI, maschinelles Lernen, prädiktive Analytik, die Blockchain oder eine Kombination dieser Technologien zu nutzen Wobei prädiktive Analytik sowohl für die Verwaltung des Versicherungsgeschäfts als auch für das Anlagegeschäft eingesetzt würden.

Börsengehandelte Anleihefonds

Die befragten Versicherer treiben darüber hinaus auch die Einführung neuer Investmentansätze wie beispielsweise börsengehandelte Anleihen voran. Die Versicherer geben an, dass sie den Einsatz von ETFs für festverzinsliche Wertpapiere in ihren Portfolios erhöhen wollen, vor allem um Liquidität und Rendite zu verbessern. Acht der zehn größten US-Versicherer geben an, dass sie inzwischen Anleihe-ETFs einsetzen. BlackRock habe auch bereits 17 Versicherer in Europa, dem Nahen Osten und Afrika identifiziert, die in diesem Jahr zum ersten Mal ETFs eingesetzt hätten.

Über die BlackRock Global Insurance Survey

Die BlackRock Global Insurance Survey wurde 2022 zum elften Mal durchgeführt. Ziel der Umfrage ist, Einblicke in die Denkweise und Pläne der globalen Versicherungsbranche durch unabhängig durchgeführte Online- und Telefoninterviews mit leitenden Angestellten der Versicherungsbranche in aller Welt zu erhalten. (tku)

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Pangaea Life bietet Vermittlern einen Klimafonds zum Anfassen

Aquila Capital managt den Fonds Pangaea Life Blue Energy. Kunden der Pangaea Life, der Nachhaltigkeitsmarke der Bayerischen, investieren damit in Fonds wie erneuerbare Energien. Im AssCompact-Interview erfahren Vermittler die Hintergründe und werden zu einer digitalen Investmentreise eingeladen.

<h5>Herr Holste, Herr Mahrt, Ihre beiden Unternehmen haben sich der Nachhaltigkeit verschrieben. Wie sehr schmerzt Sie nun die – wenn auch vorläufige – Rückkehr der Regierung zu Gas, Kohle und eventuell auch Atom?</h5><p>Uwe Mahrt Ich habe das schon mehrmals erwähnt: Ich bin Baujahr 1965 und ich komme aus der „AKW – nein danke“-Bewegung. Dass nun Atomkraft und auch Gas nachhaltig sein sollen, finde ich sehr, sehr schwierig. Natürlich hängt es mit dem Krieg in der Ukraine zusammen, dass wieder auf diese Ressourcen zurückgegriffen wird. Aber Deutschland war da schon mal weiter. Auf EU-Ebene mag Atomkraft Zuspruch erhalten, aber beim deutschen Verbraucher wird das keine grüne Geschichte werden.</p><p>Insgesamt wäre es mir lieber, wir würden schneller auf alternative Investments und alternative Ressourcen zurückgreifen und – wie es Herr Habeck eigentlich auch möchte – sehr schnell die Erneuerbare- Energien-Projekte ausbauen. Übrigens auch in Deutschland, was nicht ganz so einfach ist. In Bayern etwa gilt Windkraft bei vielen noch als Teufelszeug.</p><h5>Herr Holste, bei Aquila Capital lesen wir überall von Dekarbonisierung. Auch davon bewegen wir uns wieder weg, oder?</h5><p>Christian Holste Davon kann keine Rede sein. Eine deutliche Mehrzahl der Investmentprodukte der Aquila Capital Gruppe tragen zur Dekar­bonisierung bei. Unsere Erneuer­bare-Energien-Projekte haben im Jahr 2021 über 1,8 Mio. Tonnen CO<sub>2</sub>eq vermieden und damit geholfen, 1,66 Mio. Haushalte mit grünem Strom zu versorgen. Ich spreche hierbei von indirekter Dekarbonisierung, das heißt, grauer Strom wird durch grünen Strom ersetzt. Daneben gibt es den Effekt der direkten Entziehung bzw. Abscheidung von CO<sub>2</sub> beispielsweise durch Waldinvestments oder Moore. Auch in diesem Bereich ist Aquila Capital tätig.</p><p>Mit dem Fonds, den wir für die Bayerische managen, haben wir momentan noch nicht in Wald investiert. Wenn wir ein passendes Projekt finden, muss sich eine Investition insbesondere bezüglich der Größe und der Rentabilität für das Portfolio eignen. Bisher ist das noch herausfordernd.</p><h5>Wie Herr Mahrt schon erwähnt hat, bekommen erneuerbare Energien eine bedeutendere Rolle. Lassen sich damit auch mehr Investitionsprojekte finden?</h5><p>CH Mit dem beschlossenen EU Green Deal erwarten wir zwar deutlich erleichterte Genehmigungsverfahren. Aber: Der Pangaea Life Blue Energy Fonds investiert bisher nicht in Deutschland. Das liegt vor allem an den niedrigen Renditen, die hierzulande erzielt werden können. Aufgrund des geringen Angebots und der entsprechend hohen Preise wirken lokale Investitionen derzeit beinahe wie Liebhaberei.</p><p>Wir haben ein gestiegenes Zinsniveau in Deutschland und in Europa. Dadurch nähern sich die fast risikofreien Zinssätze den Renditen an, die Projekte im Bereich erneuerbare Energien in Deutschland durchschnittlich einbringen. Dann ist es wenig sinnvoll für einen professionellen Kapitalanleger, ein komplexes operatives Projekt zu kaufen mit einer Zielrendite, die nur unwesentlich über beispielsweise einem Pfandbrief liegt. Deshalb sind wir mit dem Fonds international investiert, aktuell bei neun Projekten. Die Sonne scheint nun mal in Spanien mehr als in Deutschland. Und in Skandinavien gibt es mehr Wind. Wir haben in diesen Ländern höhere Renditen und gleichzeitig eine bessere Genehmigungssituation.</p><p>UM Christian hat gerade den Green Deal angesprochen. Auch Ursula von der Leyen hat als eine ihrer ersten Amtshandlungen gesagt, dass, wer Nettoempfänger von EU-Geldern ist, auch etwas für den Klimawandel tun muss. Klimaschutz spielt hier eine große Rolle.</p><p>Und wir haben einen Klimafonds. Und je mehr Robert Habeck darüber redet, dass es wichtig ist, dass man in Infrastrukturprojekte in Deutschland und in Europa investiert, umso besser ist das natürlich für uns. Auch für Vermittler und Vermittlerinnen wird es einfacher. Unser Klimafonds ist ein Investment, bei dem auch das Thema Risikomanagement eine wichtige Rolle spielt. Natürlich müssen sich Investoren darüber bewusst sein, dass eine Anlage in diesen alternativen Investmentfonds mit Risiken verbunden ist. Daher sollten Investoren vor einer Anlageentscheidung den Prospekt lesen, der alle der hiermit verbundenen Risiken beschreibt.</p><p>Ein Investment, das von der Regierung gefördert und gefordert wird, kommt jedoch an und spielt dem Sicherheitsdenken der Deutschen in die Hände. Die deutschen Kunden verstehen, dass die Bundesrepublik sich von fossilen Brennstoffen unabhängiger machen möchte, und die erneuerbaren Energien helfen dabei. Und es wird klar, dass eine Investition in Klimaschutz sinnstiftend ist.</p><h5>Wenn es mit Investitionen in Deutschland aber noch dauern wird, nehmen die Kunden euro­päische Investments an?</h5><p>UM Ja, mit Europa ist das kein Problem. Es ist auch sinnvoll, die Anlagen dort zu bauen, wo eben die Sonne scheint oder Wind weht.</p><p>CH Wir haben schon einige Projekte in Deutschland durchgespielt. Wir haben in Bayern ein wunderschönes Wasserkraftwerk, das auch gepasst hätte. Aber da wurde nachher so viel geboten, dass die Rendite in Richtung 2% gesunken ist, und im Zusammenhang mit der Inflation ist das nicht akzeptabel. Wir wollen sinnstiftend investieren, aber die Leute sollen natürlich dabei auch nicht ihr Geld verlieren. Im Gegenteil: In Zeiten des demografischen Wandels ist Rendite elementarer Teil von sozialer Nachhaltigkeit.</p><h5>Nach Waldinvestments sehen Sie sich auch weiterhin um?</h5><p>CH Ja, wir sondieren den Markt. Als Aquila Capital verwalten wir diesen Fonds treuhänderisch für die Bayerische und haben den klaren Auftrag, in grüne Technologien und Projekte für die Energiewende zu investieren. Und das umfasst vier Bereiche: Nummer eins ist die Erzeugung, also Sonne, Wind und Wasser, Nummer zwei sind Batterien und Speicher, Nummer drei ist Energieeffizienz und Nummer vier ist die Energieinfrastruktur. Das sind die wesentlichen Säulen der Energiewende, wie wir sie interpretieren. Was wir davon bisher noch nicht umgesetzt haben, ist Energieinfrastruktur. Das ist politisch nicht so leicht, denn da geht es um Kabel­netze, Hochspannungsnetze, Fernwärme und so weiter. Und schließlich kommt noch die aktive CO<sub>2</sub>-­Abscheidung und Speicherung hinzu, also Wald und Aufforstung. Das wäre dann eine fünfte Komponente. Bei der Erzeugung von Energie durch Sonne, Wind und Wasser müssen wir immer ausbalancieren.</p><p>Wir haben zum Beispiel ein Windprojekt in Polen. Das war ein Anliegen der Bayerischen, da es für sie ein wichtiger Zielmarkt ist. Polen hat eine schlechte Klimabilanz und hat von der EU klare Zielvorgaben bekommen, die CO<sub>2</sub>-Bilanz des Landes zu verbessern. Dort haben wir mit 20 MW ein relativ großes Projekt umgesetzt. Um innerhalb der Erzeugungsarten zu diversifizieren, haben wir dann zum Beispiel eine PV-Anlage in Südeuropa gebaut. Der Gedanke dahinter: Die Sonne scheint im Sommer stärker, im Herbst und Winter ist mehr Wind. Wasserkraft erreicht vor allem im Frühjahr einen wesentlichen Teil der Produktion. Das bei der Auswahl unserer Projekte zu berücksichtigen, hat sich im Fonds bewährt.</p><p>Wir haben aber auch höchstwahrscheinlich die Chance, in Norwegen weitere Wasserkraftwerke zu kaufen. Das wäre uns ein Anliegen, weil diese Energieform bisher im Fonds unterrepräsentiert ist. Bislang haben wir ein Wasserkraftwerkportfolio in Nord-Portugal, wo es interessanterweise mehr regnet als in Hamburg. Wir setzen außerdem gerade ein Projekt in Litauen um. Und wir werden sicherlich in der Zukunft ein Projekt in Asien angehen.</p><h5>Haben Sie über ETFs nachgedacht, Herr Mahrt?</h5><p>UM Wir wollen auch einen Social Impact haben. Mit ETFs bauen Sie keine Krankenhäuser und pflanzen keine Bäume. Was wir neben dem Blue Energy Fonds gemacht haben, ist, dass wir denPangaea Life BlueLiving Fonds aufgelegt haben, einen nachhaltigen Immobilienfonds. Aber der Start mit Blue Energy im Jahr 2017 war aus unserer Sicht schon eine Pionierleistung. Die Bayerische war schon seit jeher sehr stark in Sachwerte investiert, beispielweise in Immobilien in München. Und auch jetzt gehen wir mit Aquila Capital den Weg langfristiger Investments. Wir halten die Projekte, die Aquila Capital umsetzt, 25 bis 30 Jahre. Wir sehen das alles als sehr robust und stabil an. Wir sind ein Lebensversicherer und die Bayerische ist als Gesellschaft über die Pangaea Life hinaus auch mit investiert. Und wie Sie wissen, müssen wir auch Garantien erwirtschaften über 4% hinaus. Windparks beispielsweise erzielen kontinuierlich Rendite und entsprechende Einnahmen.</p><h5>Der Fonds ist relativ konservativ. Bei einem Handelsblatt-Ranking wurde er trotzdem für die Chancen-Risiko-Entwicklung ausgezeichnet.</h5><p>CH Es wurden dabei aus meiner Sicht drei Kriterien bewertet. Zunächst die Performance, dann die Nachhaltigkeit der Performance und schließlich das portfoliospezifische Risiko. Der Fonds befindet sich in der Risikoklasse drei, was einem niedrigen Risiko entspricht. Also gab es in diesem Jahr Fonds, die besser performt haben, die aber beispielsweise dafür ein deutlich höheres Risiko eingegangen sind.</p><p>Ich kann mich erinnern, dass wir selbst zu Beginn des Fonds keinen negativen Nettoinventarwert hatten – was sonst bei solchen Fonds üblich ist. Wir haben damals der Bayerischen gegenüber eine Performance-Garantie ausgesprochen. Wir hätten auf unsere Investment-Fee verzichtet, wäre der Fonds unter 100 gefallen. Dazu kam es aber nicht, wir haben gut gearbeitet bei der Auflegung und konnten jedes Jahr noch etwas obendrauf legen. Vergangenes Geschäftsjahr hatten wir eine Wertentwicklung von 10,88% für die thesaurierende Anteilsklasse B nach Abzug von Gebühren und vor Abzug individueller Steuern – überdies können wir die Zahlen auf Kundenanfrage auch für jedes Jahr seit der Fondsauflegung zur Verfügung stellen. Und auch aktuell sehen die Ergebnisse sehr vernünftig aus. Das ist natürlich auch dem Umfeld und den gestiegenen Strompreisen geschuldet.</p><h5>Der Fonds geht gegen die all­gemeine Entwicklung?</h5><p>CH Andere Märkte haben gelitten. Wenn Sie Strom verkaufen, dann profitieren Sie, wenn die Strompreise steigen. Da kommen wir zu dem Punkt Inflationsschutz. Stellen Sie sich vor, Sie haben einen garantierten Strompreis über 20 Jahre. Wenn der Strompreis steigt, haben Sie als Produzent nichts davon. Diese staatlich garantierte Einspeisevergütung gibt es noch partiell. Bei den meisten unserer Projekte haben wir sogenannte PPAs, das sind Power Purchase Agreements (Stromabnahmeverträge), also Verträge beispielsweise mit den Stadtwerken oder mit großen Industrieunternehmen, die uns Strom abkaufen und diesen Strom für mehrere Jahre von uns garantiert bekommen. Damit sind einige Teile der Erlösströme garantiert, aber andere Teile eben auch nicht. Und die Teile, die nicht über diese PPAs gesichert sind, profitieren von höheren Strompreisen. Das heißt, wir haben damit einen Inflationsschutz in unseren Projekten. Jetzt wird es ein bisschen technisch.</p><p>Wir müssen diesem Instinkt widerstehen, immer alles absichern zu wollen. Denn wenn ich alle meine Strompreise absichere, habe ich keinerlei Inflationsschutz mehr. Wenn die Strompreise steigen, bin ich auf die niedrigeren Preise fixiert. Aber die Mischung aus gesichertem und ungesichertem Stromerlös gibt einerseits Schutz und eröffnet andererseits Renditemöglichkeiten. Ich möchte einerseits mindestens 4% verdienen, auf der anderen Seite möchte ich aber auch von diesem Inflationsschutz profitieren. Bei uns sind aktuell über 70% der Produk­tion abgesichert, der Rest nicht. Darüber machen wir uns viele Gedanken, denn wir wollen sichergehen, dass wir die Policy der Pangaea Life erfüllen und die 4% Mindestrendite erfüllen. Deshalb müssen wir vorsichtig austarieren und auch mal mit der Bayerischen diskutieren.</p><h5>Als Lebensversicherer sehen Sie da vermutlich anders darauf, Herr Mahrt?</h5><p>UM Als Versicherung schauen wir natürlich immer auf das Thema Sicherheit. Wir haben Kunden teilweise 60 Jahre lang. Das ist eine Herausforderung. Aber genau deshalb bin ich dankbar, dass wir so robuste Konstrukte haben. Und das hat auch das Handelsblatt so gut bewertet. Am Markt gibt es aktuell starke Schwankungen aufgrund von Corona und dem Krieg gegen die Ukraine, aber diese Volatilität machen wir nicht mit. Bei uns ist es so, dass zwar keine Renditen durch die Decke schießen, aber kontinuierlich Renditen erwirtschaftet werden. Und die liegen über dem, was wir ursprünglich erwartet hatten. Ich habe immer gesagt, dass wir mit dem Fonds keine zweistelligen Renditen erwirtschaften können, aber kontinuierlich 7% erreichen. Und heute stehen wir sogar deutlich besser da.</p><h5>Was passiert, wenn die Strom­preise fallen?</h5><p>CH Aufgrund des Umfelds erwarten wir nicht, dass es zu markanten Problemen kommen sollte. Falls die Strompreise wieder fallen sollten, wird das den Fonds natürlich beeinflussen. Wir erwarten dann jedoch nur eine Korrektur, die wenige Prozentpunkte in der Fondsentwicklung ausmachen wird. Aber es ist so: Wir produzieren Strom und dieser Strom wird verkauft. Gegen die Einnahmen der Projekte laufen teilweise variable Kosten für den Betrieb. Wir haben eine niedrige Fremdkapitalquote, sodass ein Projekt nicht durch den Kapitaldienst gefährdet wird. Der Rest ist Gewinn und kann an den Fonds ausgeschüttet werden.</p><p>UM Gut, das ist auch meine These von vorhin. Wir erzielen mal ein bisschen mehr, mal ein bisschen weniger Rendite, aber erneuerbare Energien sind konstant vorhanden.</p><h5>Der Management-Aufwand scheint ziemlich hoch zu sein. Wie sieht es mit den Fondskosten aus?</h5><p>CH Wir haben eine Quote von rund 1%. Die Bayerische hat hier noch mal nachverhandelt und uns ein bisschen was abgetrotzt. Bedenken Sie bitte: So einen Fonds zu managen, hat wenig Skalierungseffekte. Bei einem Aktienfonds haben Sie hohe Skalierungen, die bei zunehmender Größe in die Nähe von 100% gehen. Mehr Aktien eines Unternehmens zu kaufen, ist so gut wie kein Aufwand. Wir schätzen, dass bei uns die Skalierung maximal bei 20 bis 25% liegt. Warum? Weil wir physische Projekte betreuen. Da muss jemand hin, der sie anschauen und warten muss. Die Arbeit, die wir machen, ist im Grunde eine umfassende Handwerksarbeit.</p><p>UM Uns war wichtig, dass wir eine institutionelle Form auflegen und dass der Kleinanleger ebenso wie auch der Großanleger gemeinsam an den Investitionen partizipiert. Das ist auch ein nachhaltiger Faktor. Die Gebühren liegen bei 1,23% p. a. Die Kosten decken den Versicherungsmantel und das Fondsmanagement ab. Weitere Informationen zu den Gesamtauswirkungen der Kosten auf die Höhe ihrer Investitionen und die erwarteten Erträge finden Anleger auch im zugehörigen Prospekt. Transparenz ist an der Stelle ein wichtiger Aspekt.</p><h5>Wenn wir nun auf den Vertrieb sehen: Versicherungsmakler müssen nun Nachhaltigkeits­präferenzen abfragen. Inwiefern sind sie bei Vermittlung des Fonds auf der sicheren Seite?</h5><p>UM Wir haben hier tatsächlich einen großen Vorteil. Unser Klimafonds wird aller Voraussicht nach die höchste Taxonomie-Einstufung erhalten. Das kann man zwar noch nicht hundertprozentig sagen, aber ich freue mich über das Thema Taxonomie. Und ich denke, dass uns das auch in Sachen Vertrieb Schub geben wird. Klimaschutz steht ganz oben auf der Agenda, und daher kommen uns die Brüsseler Richt­linien entgegen.</p><h5>Nun hat nicht jeder Vermittler oder jede Vermittlerin einen Herrn Holste oder Herrn Mahrt an der Seite, um die Themen rund um Strompreise und Ähnliches zu erklären. Was raten Sie für die Beratung?</h5><p>UM Wir haben eine digitale Investmentreise entwickelt. Dafür haben wir an mittlerweile 9.000 Vermittler eine Virtual-Reality-Brille verschickt und begeben uns einmal monatlich mit ihnen auf die Reise, sodass der Vermittler sich die Assets ansehen kann. Transparenz ist ein wichtiges Thema in der Taxonomie und wir zeigen ganz genau, wo wir investiert sind. Das ist wirklich interessant. Sie laufen sozusagen am Wasserkraftwerk entlang und können alles mit der Brille verfolgen. Und wenn Sie das auch mal den Kunden erleben lassen, dann ist das eine großartige Story. Ich mache das manchmal in der bAV-Beratung, wo der Personalchef selbst sieht, worin er seine Mitarbeiter investieren lässt. Die Wind- und Solarparks sind wunderschön, so zumindest mein ästhetisches Empfinden.</p><p>Aquila Capital baut auch soziale Projekte um die Anlagen herum auf. Zum Beispiel ist in Spanien ein altes Schloss wieder errichtet worden und eine Windmühle aus dem 16. Jahrhundert in Portugal. In Norwegen wurden Nordic-Walking-Strecken gebaut, damit die Bevölkerung im Windpark wandern kann.</p><p>CH Wir wollen auch die Gemeinde und Bürger rund um die Projekte mitnehmen. Die Begeisterung für solche Anlagen ist nicht immer gleich da. Daher sehen wir im Kaufpreis ein Budget vor, das wir für soziale Projekte einsetzen können. In Norwegen wird dann auch schon mal die Gemeinde zum Grillen eingeladen. Darauf legen wir großen Wert.</p><h5>Die digitale Investmentreise</h5><p>Pangaea Life bietet Vermittlern eine Virtual-Reality-Brille an, damit diese mit ihren Kunden eine digitale Investmentreise durch die Assets des Pangaea Life Blue Energy Fonds machen und die Investitionen im 360-Grad-­Format erleben können. Interessierte Vermittler können sich auf der Website von Pangaea Life über den Button „360° Investmentreise“ anmelden und bei Abfrage den Gutschein-Code „AssCompact“ eingeben.</p><p>Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 09/2022, S. 62 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/de/profiles/53e4066999da-asscompact/editio…; target="_blank" >ePaper</a>.</p><p>Bild: © Aquila Capital, Pangaea Life</p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/D7602B69-3999-4CB3-97FD-64B334ED161F"></div>

 
Ein Interview mit
Christian Holste
Uwe Mahrt