AssCompact suche
Home

Investment

Marcel Fratzscher erklärt die aktuellen Krisenzeiten

Auf der diesjährigen DKM hat der Präsident des DIW Berlin, Marcel Fratzscher, einen Vortrag über die aktuellen Krisenzeiten gehalten. In seinem Vortrag auf der großen Bühne der Speaker’s Corner ging es hauptsächlich um die Frage, inwiefern die Deutschen anders sparen – und warum vielleicht sogar falsch.

<p>Die Deutschen sparen außergewöhnlich viel, aber in mancher Hinsicht auch einfach nur außergewöhnlich. Das ist einer der Befunde, mit denen der Top-Ökonom Marcel Fratzscher seinen Vortrag auf der großen Bühne der DKM begann.</p><h5>Rezession unvermeidlich</h5><p>Lange Zeit galt Deutschland als kranker Mann Europas. Doch darauf folgte ein goldenes Jahrzehnt. Ist das nun vorbei? Ausgemacht sei das im Augenblick noch keineswegs. Deutlich sei laut Fratzscher jedoch, dass das exportorientierte Deutschland sich 2023 mit einer Rezession abfinden müsse. </p><h5>Fachkräftemangel sorgt für niedrige Arbeitslosigkeit</h5><p>Die Hoffnung bestehe jedoch darin, dass eine tiefere Rezession verhindert werden könne. Aktuell rechne man nur mit einem Minus von 0,3% bei der BIP-Entwicklung. Was jedoch nicht zu erwarten sei ist, dass die Arbeitslosigkeit wie in früheren Krisen nach oben schnellt. Noch immer suchten alle Sektoren händeringend nach Arbeitskräften, während zwei Millionen Stellen weiterhin unbesetzt blieben. </p><h5>Krisen zielen nach unten</h5><p>Zahlreiche Faktoren könnten die Krise jedoch auf mittlere Frist maßgeblich verschärfen, sofern sie sich realisieren sollten. Darunter die weitere Eskalation des Ukraine-Kriegs, ein weiterer Anstieg der Energiepreise oder auch Hungersnöte und Armutswellen. Was viele dieser Krisenfaktoren gemeinsam haben: Sie treffen gerade Menschen mit niedrigem Einkommen besonders hart.</p><h5>Hohe Vermögensungleichheit</h5><p>In Deutschland herrsche, so Fratzscher, in puncto Vermögen ohnehin schon eine außergewöhnlich hohe Ungleichheit. Hinzu komme jetzt aber noch die Inflation, die gerade Preisanstiege bei Produkten umfasse, die schlecht eingespart werden könnten – wie Energie und Nahrungsmittel. Aus diesem Grund erfahren Menschen mit niedrigem Einkommen eine drei- bis viermal höhere Inflation. </p><h5>Anders sparen heißt falsch sparen</h5><p>Wie kommt es aber zu dieser außergewöhnlichen Verteilung? Laut Fratzscher sparten die Deutschen zwar gern, aber alles in allem eher schlecht. Der Anteil an Immobilieneigentümern ist niedrig, die Quote derjenigen, die direkt in Aktien investiert sind, sei mit 11–12% sogar außergewöhnlich gering. Dabei würden Vermögen im Verhältnis zu Einkommen in Deutschland überhaupt nicht hoch besteuert. Ungewöhnlich sei auch die hohe Belastung des Arbeitseinkommens durch Sozialabgaben. Viele Länder setzten anders als Deutschland auf eine relativ hohe Besteuerung passiver Vermögenswerte – insbesondere die Grundsteuer sei hier zu nennen – und weniger drastisch auf die Einkommenssteuer.</p><h5>Inflation (vorerst) hier, um zu bleiben</h5><p>Nach dieser Herleitung der deutschen Sonderrolle, was Vermögen betrifft, wandte sich Fratzscher noch der Frage zu, wie lange die Inflation uns wohl noch erhalten bleiben könnte. Hier hatte der Ökonom zunächst keine positiven Nachrichten. Denn seiner Ansicht nach könnte es dauern, bis man sich in Deutschland wieder dem angepeilten Inflationswerte von 2% annähere. </p><h5>Mittelfristig 3-4% Inflation</h5><p>Für das kommende Jahr glaubt Fratzscher beispielsweise, dass die Inflation noch einmal 7–8% erreichen könnte. Auf die kommenden fünf Jahre sei die Sorge begründet, dass sich die Inflation bei 3–4% einpendele. Daran könnte auch die EZB nicht viel ändern. Denn im Augenblick handele es sich im Euroraum um 70% oder mehr importierte Inflation, die sich wenig um niedrige oder hohe Leitzinsen schere. Das nun entschlossene Handeln der EZB sei jedoch trotzdem richtig, meint Fratzscher. Immerhin könne nur so die Erwartung an eine Rückkehr zu niedrigen Inflationswerten in der Gesellschaft verankert bleiben. Das wiederum sei nötig, um das Anstoßen einer Lohn-Preis- bzw. Preis-Lohn-Spirale abzuwenden. </p><h5>Von der Bundesbank lernen, heißt siegen lernen</h5><p>Die gute Nachricht ist aber: 3% Inflation sind kein wirtschaftlicher Weltuntergang, so Fratzscher. Die ehrwürdige Bundesbank, die die Deutsche Mark zu einem Musterbeispiel von Hartwährung gemacht hatte, habe Zeit ihres Bestehens bis zur Einführung des Euro nämlich ebenfalls über 3% Inflation akzeptieren müssen. (tku)</p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/BB01C013-8218-4559-89D0-4919C0477517"></div>

 

Wird auf den Kryptowinter wieder ein Frühling folgen?

Nach einem lang anhaltenden Höhenflug sind Kryptowährungen in diesem Jahr tief gefallen. War das der Anfang vom Ende oder nur das tiefe Luftholen vor dem nächsten technologischen Sprung? Und für welche Einsatzzwecke ist die Blockchain noch geeignet? Antworten liefert Maik Jordt von Chainalysis.

Herr Jordt, in diesem Jahr gingen nahezu alle relevanten Kryptowährungen auf Talfahrt. Immer wieder ist auch vom Kryptowinter die Rede. Ist das der Anfang vom Ende der Asset-Klasse?

Wie in der Natur auch, folgt auch bei Kryptowährungen auf den Winter wieder ein Frühling. Denn gerade die führenden Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ether haben eine bereits recht hohe Akzeptanz und Reichweite. Hunderte Millionen Menschen nutzen diese Asset-Klasse bereits und trotz der momentanen Abkühlung wachsen diese Zahlen weiter.

Die aktuellen Kryptokurse spiegeln, wie andere Assetklassen auch, die derzeitige makroökonomische Lage und die politische Situation wider. Wir sehen auch eine gewisse Kopplung der Kursschwankungen von Bitcoin an führende Tech-Aktien. Die davor exorbitant hohen Kurse waren wiederum das Resultat eines sehr gehypten und überhitzten Marktes. Im Moment nehmen wir eher eine Seitwärtsbewegung in den Kursen wahr.

Im Blockchain-Technologie-Bereich haben wir generell in den letzten Jahren verschiedene Schwankungen erlebt, meistens haben Krisen oder Tiefpunkte wichtige Innovationen hervorgebracht. Bestes Beispiel dafür sind NFTs, die seit dem Bitcoin-Crash-Jahr 2017 extrem erfolgreich und weit verbreitet sind.

Welche Kryptowährungen werden Ihrer Meinung nach bestehen können?

Dies ist von verschiedenen Faktoren wie Akzeptanz, Reichweite und Anwendungsfall abhängig. Auch ihre jeweilige Sicherheit und Stabilität wird über den Bestand einer Kryptowährung maßgeblich mitentscheiden. In den heutigen Märkten reicht es nicht mehr nur aus, eine Kryptowährung zu emittieren, sondern diese muss sich auch von bereits bestehenden Kryptowährungen differenzieren. Bei den vielseitigen DeFi Anwendungsfällen sind Kryptowährungen lediglich ein – wenn auch wichtiges – Puzzlesteinchen eines ganzheitlichen Serviceangebotes. So ist es nicht die Kryptowährung alleine, die über den Fortbestand entscheidet, sondern die Kunden-Akzeptanz von und die Nachfrage nach den jeweiligen Services.

Die Kryptowährung mit der zweithöchsten Marktkapitalisierung, Ether, hat vor Kurzem auf ein neues Verfahren umgestellt. Dieser Prozess ging als „The Merge“ durch die Presse. Erklären Sie doch bitte kurz, was da passiert ist?

Die Ethereum-Blockchain hat ihren Konsens-Mechanismus von Proof-of-Work (PoW) auf Proof-of-Stake (PoS) umgestellt. Bei PoS wird von den sogenannten Validierern die native Kryptowährung der Blockchain eingesetzt, indem sie an einen Smart Contract gesendet wird. Dort bleibt sie zunächst gesperrt. Ein Validierer wird dann nach dem Zufallsprinzip ausgewählt, um jeden neuen Block zu bestätigen und die damit verbundene Belohnung zu erhalten. Im Fall von Ethereum müssen die Validierer 32 Ether einsetzen, um in diesem Prozess berücksichtigt zu werden und die Chance auf die Belohnung zu bekommen. Nutzer können aber auch mit einem geringeren Einsatz diese Belohnungen erhalten, indem sie einem Staking-Pool beitreten.

Beim PoW-Konsens-Mechanismus müssen die Miner ein Computer-Rätsel lösen, um bei der Validierung neuer Blöcke berücksichtigt zu werden. Dabei werden große Mengen an Rechenleistung und Strom verbraucht. PoS benötigt diese Rechenleistung nicht und ist dementsprechend deutlich umweltfreundlicher. Abgesehen von der Umweltfreundlichkeit glauben viele, dass der Wechsel zu PoS das Risiko einer übermäßigen Zentralisierung verringern kann, da die Rolle des Validierers jedem offen steht, der über ausreichend Ether verfügt und nicht nur denjenigen, die über eine teure Mining-Ausrüstung verfügen.

Bringt dieses „Proof of Stake“-Verfahren auch Nachteile mit sich?

Es gab und gibt zu den Vor- und Nachteilen beider Mechanismen einen sehr philosophisch geführten Diskurs. Insbesondere die Verfechter von PoW unterstellen PoS einen größeren Angriffsvektor und die Möglichkeit der Manipulierbarkeit. Wir als Blockchain-Analytics Company setzen hierbei keinerlei Präferenz und beteiligen uns nicht an einer Bewertung dieser Mechanismen.

Im August haben BlackRock und Coinbase eine Kooperation verkündet. Welche Bedeutung hat das Bekenntnis des größten Vermögensverwalters der Welt zu Cryptos für den Markt?

Es zeigt deutlich, wie wichtig diese Assetklasse bereits für viele führende Finanzdienstleister geworden ist, da deren Kunden Kryptowährungen mittlerweile aktiv nachfragen. Wenn Finanzdienstleister die Nachfrage in diesem Umfeld nicht bedienen können, werden ihre Kunden abwandern. Traditionelle Finanzdienstleister müssen mit innovativen und marktgerechten Services nicht nur Ihre bestehenden Kunden halten, sondern auch neue und jüngere Kundengruppen erreichen, um zukünftig im Markt bestehen zu können. Wenn sie dies “verschlafen”, steigt das Risiko, dass ganze Kundengruppen aus dem traditionellen Portfolio “herausaltern” und der Anbieter nach und nach seine Daseinsberechtigung verliert.

Die sich derzeit konsolidierenden und abgekühlten Märkte bieten aktuell eine gute Gelegenheit, mit Augenmaß die richtigen Dinge auf den Weg zu bringen, ohne gleich extrem skalieren und sehr hohe Nachfrage direkt bedienen zu müssen. Dies gibt Zeit und Luft für sinnvolle Projekte und Partnerschaften. Gleichzeitig sehen wir im Kontext dieser Partnerschaften eine gewisse Spezialisierung der Player in den Kryptomärkten. Jeder dieser Partner wird zukünftig seine Stärken ausspielen können ohne gleich zusätzliche Expertise in einem ihm ungewohnten Umfeld aufbauen zu müssen.

Die Blockchain-Technologie kann aber nicht nur für Kryptowährungen eingesetzt werden. Für welche weiteren Zwecke wird die Blockchain aktuell bereits eingesetzt und welche Einsatzzwecke sind absehbar möglich?

Die Blockchain ist im Grunde eine verteilte, gesicherte Datenbank und besitzt das Potenzial zur Veränderung zahlreicher Geschäftsmodelle. Zu den Vorteilen der Technologie zählt, dass alle Daten unmittelbar und verschlüsselt an das gesamte zugrunde liegende Netzwerk verteilt werden. Da die Blockchain dezentral organisiert ist, sind die gespeicherten Daten immer verifizier- sowie wiederherstellbar. Dadurch sind eine sehr hohe Ausfallsicherheit und zugleich Transparenz und Integrität gewährleistet. Da außerdem jede Transaktion im Blockchain-Netzwerk nachträglich analysiert werden kann, können die Beteiligten an einer Transaktion identifiziert und die jeweiligen Auswirkungen festgestellt werden.

Das bekannteste und auch bereits etablierte Anwendungsbeispiel sind Finanztransaktionen. Neben dem Einsatz bei Kryptowährungen ist die Blockchain generell auch bei internationalen Zahlungen interessant. Da hier keine Intermediäre mehr nötig sind, können etwa Überweisungen schneller und kostengünstiger durchgeführt werden als über die bisherigen Kanäle der Finanzinstitute. Ebenfalls im Bereich Finanzen angesiedelt ist die Vermeidung von Geldwäsche. Da alle über die Blockchain laufenden Geschäfte den spezifischen Beteiligten zugeordnet werden können, könnte durch die entsprechende Speicherung aller Verträge in den jeweiligen Bereichen Geldwäsche zukünftig vermieden werden.

Weitere Blockchain-Anwendungen sind in allen Bereichen denkbar und sinnvoll, in denen vollständige End-to-End Transparenz und Verifizierbarkeit bei gleichzeitiger Datenverschlüsselung und -sicherheit benötigt werden. Dies betrifft beispielsweise Lieferketten, das Gesundheitswesen, Zertifikate und alle Arten von Identitätsmanagement.

Was für Konsequenzen könnte das für etablierte Unternehmen der Finanzbranche haben?

Vor allem die bestehenden konventionellen Banken müssen über neue und innovative Dienstleistungen nachdenken und diese schnell, sowie an die Bedürfnisse der Kunden angepasst, umsetzen. Dabei müssen sie gleichzeitig darauf abzielen, möglichst neue Kundengruppen zu erschließen. Tun sie das nicht, werden sie langfristig ihre Daseinsberechtigung an innovative Finanzdienstleister verlieren.

Wir erwarten daher, dass immer mehr Finanzinstitute Kryptowährungen in ihr Dienstleistungsangebot für private und institutionelle Kunden aufnehmen. Dabei geht es nicht nur um direkten Handel mit Kryptowährungen. Ein großes Entwicklungspotenzial sehen wir insbesondere bei Krypto-Investitionsprodukten wie Futures oder Derivaten. Hier haben Banken durch ihre bereits vorhandene Expertise aus ihrem bisherigen Geschäftsbetrieb Vorteile. Sie können ihre Kunden von Kryptowährungen profitieren lassen, ohne eine Verwahrungsinfrastruktur einrichten zu müssen. Der nächste Schritt könnten dann beispielsweise ETF-basierte Angebote sein.

Mittelfristig werden Banken und Finanzdienstleister ihren Kunden dann auch bei Kryptowährungen alle Services wie Tagesgeldkonten, Finanzierungen, Kreditkartenzahlungen oder Asset-Handel bieten, die bereits im bisherigen regulären Bankgeschäft etabliert sind. Die Schlüsselerkenntnis der bisherigen ersten Schritte in diese Richtung liegt für uns darin, dass die etablierten Unternehmen sich hierfür meist mit den in letzter Zeit neu entstandenen und auf Krypto spezialisierten Dienstleistern zusammentun sollten, um den größtmöglichen Vorteil aus beiden Expertisen zu ziehen.

Und was können die großen Player tun, um nicht abgehängt zu werden?

Deutsche Finanzinstitute müssen, im Rahmen einer generellen Strategie im Kontext digitaler Assets, das für Krypto-Dienstleistungen nötige Know-how schnellstmöglich aufbauen oder sich von außerhalb an Bord holen. Hierbei können externe Partner und Dienstleister wichtige Unterstützung bieten. Vor allem das Thema BaFin-Lizenz und die daraus resultierenden Anforderungen müssen möglichst frühzeitig angegangen und die neue Strategie in konkreten Projekten umgesetzt werden. Von initialer Bedeutung ist hierbei, insbesondere die Bereiche Due Diligence, Minimal Viable Product (MVP) oder Proof of Concept (PoC) rechtzeitig anzugehen, um die Voraussetzungen für einen stabilen und sicheren Service zu schaffen.

Über Chainalysis

Chainalysis ist ein Blockchain-Analyseunternehmen mit Hauptsitz in New York. Das Unternehmen hat es sich zum Ziel gesetzt, über Kryptowährungen und den Einsatz der Blockchain aufzuklären. Zu diesem Zweck stellt Chainalysis Informationen, Software-Lösungen, Forschungsergebnisse und vieles mehr bereit.

Bild: © Siarhei – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Maik Jordt

Morningstar führt Ratings zusammen

Morningstar wird ab dem zweiten Quartal 2023 seine zukunftsgerichteten Ratings zusammenführen und vereinheitlichen. Die zugrunde liegende Rating-Methodik bleibt jedoch unverändert. Auf das zurückblickende Morningstar Sterne-Rating hat die Änderung keinen Einfluss.

Das Analysehaus Morningstar überarbeitet seine zukunftsgerichteten Ratings für gemanagte Investmentprodukte: Das Morningstar Analyst Rating und das Morningstar Quantitative Rating für Fonds werden zu einem einzigen Rating zusammengefasst. Künftig lautet der Name des kombinierten Ratings dann Morningstar Medalist Rating. Die Änderung soll im zweiten Quartal 2023 erfolgen.

Aktuelle Methodik

Das Analysehaus führt Bewertungen von Fonds auf zwei Arten durch: Im Manager Research nehmen Analysten eine qualitative Bewertung vor. Die Bewertungen münden in das Analyst Rating, das die Abstufungen Gold, Silver, Bronze, Neutral und Negative hat. Um Investmentprodukte zu bewerten, die von den Analysten nicht abgedeckt werden, verwendet Morningstar algorithmische Techniken. Diese quantitativen Bewertungen bilden die Grundlage für das quantitative Rating, das die Abstufungen Gold, Silver, Bronze, Neutral oder Negative haben kann.

Vereinheitlichung

Durch das Zusammenführen der beiden bestehenden Ratings zum Medalist Rating wird Morningstar zu einer einheitlichen Ratingskala von Gold, Silver, Bronze, Neutral und Negative übergehen und das „Q“ aus den Ratings der quantitativ bewerteten Fonds entfernen.

Unter der Haube ändert sich nichts

Was sich hingegen nicht ändern wird, sind die zugrunde liegenden Methoden, nach denen die aktiven Investmentprodukte bewertet werden. Die Methodik des Analyst Rating und des Quantitative Rating bleibt unverändert – die drei Bewertungspfeiler: Fondsmanagement (People), Prozess (Process) und Fondsgesellschaft (Parent) werden weiterhin die Grundlage der Ratings bilden.

Die historischen Ratings vor dem Veröffentlichungsdatum im Jahr 2023 bleiben getrennt und als historische Datenpunkte verfügbar.

Wichtiger Hinweis

Das neue Medalist Rating ersetzt nicht das bestehende Morningstar Sterne-Rating. Dabei handelt es sich um eine rückwärtsgewandtes, quantitatives Rating, das auf den nachlaufenden risikobereinigten Renditen der Fonds im Vergleich zu ihren Morningstar Kategorie-Peers beruht. Es zielt darauf ab, Fonds zuverlässig zu sortieren basierend auf ihrer vergangenen Performance. Im Gegensatz dazu ist das Morningstar Medalist Rating ein zukunftsorientiertes, vorausschauendes Rating, das versucht, die Fonds zu identifizieren, die die besten Chancen haben, in der Zukunft sehr gut zu performen. (tku)

Bild: © tadamichi – stock.adobe.com

 

Vivid Money übernimmt Kundenbestand von Nuri

Die Berliner Neobank Vivid Money hat angekündigt, den Kundenbestand der insolventen Krypto-Bank Nuri zu übernehmen. Die Nuri-Kunden werden demnach ab sofort an die Vivid-App weitergeleitet. Sie können sich dort ein Konto erstellen und ihr Guthaben direkt übertragen.

Die Konsolidierung im FinTech-Sektor geht weiter. Nachdem noch im Sommer das Altersvorsorge-FinTech Vantik aufgeben musste, erwischte es kurze Zeit später die Krypto-Bank Nuri, die einst unter dem Namen Bitwala bekannt geworden war.

Vivid übernimmt auch Nuri-Kunden

Nun gibt es eine weitere Parallele zwischen den beiden Unternehmensgeschichten. Wie bei Vantik bietet nun auch bei Nuri die Berliner Neobank Vivid Money an, die Kundenkonten weiterzuführen.

Vivid hat angekündigt, mit dem insolventen Unternehmen eine Vereinbarung getroffen zu haben. Demnach werden Nuri-Kunden ab sofort an die Vivid-App weitergeleitet und können dort mit wenigen Klicks ein Vivid-Konto erstellen und noch vorhandenes Guthaben direkt übertragen – das gilt auch für Kryptowährungen.

Verschiedene Benefits für Nuri-Kunden

Nuri-Kunden erhalten des Weiteren als Willkommensgeschenk einige Vergünstigungen wie beispielsweise zeitlich befristet kostenlosen Zugriff auf den Premium-Service Vivid Prime. (tku)

Bild: © fotomek – stock.adobe.com

 

So schmutzig investieren die größten deutschen Asset-Manager

Drei Umweltorganisationen haben untersucht, wie stark die größten deutschen Vermögensverwalter noch in Unternehmen investiert sind, die ihr Geld mit Kohle, Öl und Gas machen. Die Antwort: Sehr stark. Eines der vier untersuchten Unternehmen stellt diesbezüglich aber alle in den Schatten: die DWS.

Eine gemeinsame Studie der Umweltorganisationen Greenpeace, urgewald und Reclaim Finance hat die deutsche Fondsindustrie unter die Lupe genommen und eruiert, wie ernst es die vier größten Asset-Manager Deutschlands es mit ihrem Bekenntnis zum Klimaschutz nehmen.

Diskrepanz zwischen Worten und Taten

Der Bericht zeichnet ein düsteres Bild, demzufolge alle vier Anbieter umfängliches Greenwashing betreiben. Die Diskrepanz zwischen Bekenntnissen zum Klimaschutz und dem faktischen Umfang mit besonders klimaschädlichen, expandierenden Unternehmen des Sektors fossile Brennstoffe sei erheblich.

DWS investiert uneingeschränkt

Dabei haben sich alle vier Vermögensverwalter im Rahmen der Net Zero Asset Managers Initiative (NZAM) zur Unterstützung des Pariser 1,5-Grad-Ziels bekannt. Gleichzeitig hätten sich aber laut Bericht nur Allianz Global Investors (AGI), Deka Investments und Union Investment zumindest moderate generelle Beschränkungen auferlegt, was das Investment in Kohleunternehmen angeht – die DWS kann nicht einmal das aufweisen. Über eine Strategie zur Beschränkung der Investition in expandierende Öl- und Gasgeschäfte verfüge keines der untersuchten Unternehmen.

Die größten Klimasünder unter den Asset-Managern

Und auf welchen Gegenwert belaufen sich die Investitionen der Fondshäuser in klimaschädliche Unternehmen? Um das zu ermitteln, haben die Umweltorganisationen den Gegenwert aller Beteiligungen der großen deutschen Fondsgesellschaften an Kohle-, Öl- und Gasunternehmen aufsummiert – zumindest sofern die Unternehmen die Ausweitung ihrer Geschäftstätigkeiten im Sektor fossile Brennstoffe planen.

Demnach hält Deka Investments 1,5 Mrd. Euro an klimaschädlichen Beteiligungen. AGI kommt auf ca. 1,7 Mrd. Euro. Union Investment vereint auf sich den Gegenwert von 2 Mrd. Euro in klimaschädlichen Anlagen. Unangefochtener Spitzenreiter bei Investments in fossile Brennstoffe ist aber die DWS. Sie hält mit einem Gegenwert von ungefähr 7,8 Mrd. Euro mehr Anteile an klimaschädlichen Unternehmen als die anderen drei Fondshäuser zusammen. Zur Einordnung: Zusammen verwalten die vier Asset-Manager insgesamt ein Wertpapiervermögen von 2,3 Bio. Euro (Stand: September 2022).

Umweltorganisationen fordern Änderungen

Im Zuge der Berichtsveröffentlichung haben die Umweltorganisationen die Vermögensverwalter dazu aufgefordert, einen verbindlichen Plan für einen Investitionsstopp in Unternehmen des Sektors zu erarbeiten. Ziel müsse es sein, keine Neuinvestitionen mehr zu tätigen, Altbestände abzustoßen und auf Energieunternehmen Druck auszuüben, die aktuell bereits einen schrumpfenden Geschäftsanteil mit fossilen Brennstoffen ausweisen. (tku)

Bild: © TeamDaf – stock.adobe.com

 

Vanguard erweitert All-Cap-Produktpalette

Der Vermögensverwalter Vanguard nimmt zwei neue ETFs ins Angebot auf, mit denen die bestehende All-Cap-Produktpalette erweitert wird. Die ETFs und Indexfonds dieser Reihe investieren neben Large und Mid Caps auch in Nebenwerte und somit in eine außergewöhnlich hohe Zahl von Unternehmen.

<p>Der gemessen an den Assets under Management zweitgrößte Vermögensverwalter der Welt, Vanguard, hat zwei neue Aktien-ETFs aufgelegt, mit denen die bestehende nachhaltig anlegende All-Caps-Produktpalette erweitert wird. Bei den beiden ETFs handelt es sich um ein Produkt, das einen Schwellenländer-Index nachbildet (Vanguard ESG Emerging Markets All Cap UCITS ETF) und eines, das Industrieländer im Pazifikraum abdeckt (Vanguard ESG Developed Asia Pacific All Cap UCITS ETF). </p><h5>Außergewöhnlich viele Aktienpositionen</h5><p>Das besondere an den All-Cap-Produkten von Vanguard ist die hohe Anzahl der enthaltenen Titel, die durch den Einschluss von Unternehmen mit niedriger Marktkapitalisierung (Small Caps) zustande kommt. Der bereits 2021 lancierte weltweit anlegende Vanguard ESG Global All Cap UCITS ETF enthielt Ende August 2022 insgesamt 5.853 Aktienpositionen. Kein anderer in Deutschland verfügbarer ETF weist auch nur annähernd so viele Titel auf. Auf dem zweiten Platz folgt mit großem Abstand (3.756 Positionen) ein weiteres Vanguard-Produkt: der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF.</p><h5>Gebührenstruktur und Indexanbieter</h5><p>Die neu lancierten Produkte weisen laufende Gebühren von 0,24% p.a. für den Vanguard ESG Emerging Markets All Cap UCITS ETF und 0,17% p.a. für den Vanguard ESG Developed Asia Pacific All Cap UCITS ETF auf. Die zugrunde liegenden Indizes kommen vom Indexanbieter FTSE Russell bereitgestellt. </p><h5>Nachhaltigkeitsmerkmale</h5><p>Wie bereits anhand der Fondsnamen abgelesen werden kann, handelt es sich bei den ETFs um Produkte, die ESG-Ausschlusskriterien anwenden. Ausgeschlossen werden beispielsweise Unternehmen der Branchen Schusswaffen, Tabak oder fossile Brennstoffe. </p><p>Die in Irland aufgelegte Vanguard-All-Cap-Produktpalette besteht mittlerweile aus folgenden erhältlichen ETFS: </p><ul><li>Vanguard ESG Global All Cap UCITS ETF</li><li>Vanguard ESG Emerging Markets All Cap UCITS ETF</li><li>Vanguard ESG Developed Asia Pacific All Cap UCITS ETF</li><li>Vanguard ESG Developed Europe All Cap UCITS ETF</li><li>Vanguard ESG North America All Cap UCITS ETF</li></ul><p>Zwei Produkte aus der Reihe werden aktuell ausschließlich über herkömmliche Indexfonds abgebildet: </p><ul><li>Vanguard ESG Developed World All Cap Equity Index Fund</li><li>Vanguard ESG Emerging Markets All Cap Equity Index Fund (tku)</li></ul><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Jo Panuwat D – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/C9C75D9C-410F-492F-B5A1-F81D91B46549"></div>

 

Privatanleger fahren Investments deutlich zurück

Im dritten Quartal 2022 haben 41% der Privatanleger ihre Investitionen reduziert, wie eine aktuelle Umfrage von eToro zeigt. Die Gründe variieren. Bei manchen Anlegern sind die gestiegenen Lebenshaltungskosten ursächlich, bei anderen wiederum geht die höhere Cash-Quote auf taktische Erwägungen zurück.

Die Social-Investing-Plattform eToro hat ihre aktuelle quartalsweise durchgeführte Umfrage unter 10.000 Privatanlegern veröffentlicht – darunter auch 1.000 deutsche Investoren. Der sogenannte „Retail Investor Beat“ kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die Privatanleger im dritten Quartal vor allem aufgrund gestiegener Lebenshaltungskosten in puncto Investitionen zurückhaltender waren.

Reduzierte Investitionen und weniger Vertrauen

Demnach haben 41% der Befragten ihre Investitionen in den vergangenen drei Monaten reduziert. Das spiegelt sich auch in einem Rückgang des Privatanlegervertrauens wider. Im Vergleich zum Vorjahresquartal ist der Anteil von Anlegern, die Vertrauen in die eigenen Investmententscheidungen haben, um 16 Prozentpunkte auf 64% gefallen.

Gestiegene Kosten oder Investitionsreserve

18% der Befragten gaben an, sich beim Investieren einzuschränken, um gestiegene Lebenshaltungskosten bewältigen zu können. 16% legen weniger an, um ihre Rücklagen zu erhöhen und einen Notgroschen in der Hinterhand zu haben. 12% der Umfrageteilnehmer hingegen hoffen auf eine Gelegenheit, den Markt zu timen. Sie erhöhen ihre Cash-Quote, um im Falle einer Erholung stärker investieren zu können.

Positive Aussichten

Trotz der aktuell schwierigen Marktlage könnte für die Privatanleger das Tal aber bereits durchschritten sein. Für das vierte Quartal planen nämlich nur noch 31% der Befragten, ihre Investitionen einzuschränken. Die anderen 69% hingegen rechnen damit, den gleichen Betrag wie im dritten Quartal oder mehr zu investieren. (tku)

Bild: © Andrey Popov – stock.adobe.com

 

Kapitalmärkte: Die Deglobalisierung wird kommen

Unruhige Zeiten an den Kapitalmärkten treiben auch Flossbach von Storch um. Angesichts von Deglobalisierung, Dekarbonisierung und dem demografischen Wandel sieht Philipp Vorndran insbesondere die ökonomische Zukunft Europas mit Sorge. Auch der chinesische Kapitalmarkt ist keine sinnvolle Alternative.

Interview mit Philipp Vorndran, Kapitalmarktstratege bei Flossbach von Storch
Herr Vorndran, im Ukraine-Krieg ist noch kein Ende absehbar, die Notenbanken straffen ihre Geldpolitik zunehmend und China laviert immer noch mit coronabedingten Lockdowns herum. Sind die fetten Jahre an den Kapitalmärkten auf absehbare Zeit vorbei?

Meiner Meinung nach sind die fetten Jahre tatsächlich vorbei. Ich bin zwar nach wie vor überzeugt, dass eine Kapitalanlage, die sich stark auf Unternehmens­beteiligungen konzentriert, weiterhin zwischen 6 und 8% Bruttorendite pro Jahr erwirtschaften kann. Das ist bei einer Inflationsrate von 8% aber natürlich eine ganz andere Hausnummer als in den vergangenen Jahren.

Diese Zeit kommt nicht wieder?

Diese Dekade liegt hinter uns. Geprägt durch die Globalisierung hatten wir extrem positive Auswirkungen über die Ausnutzung von Skaleneffekten. Da waren eben 7% Bruttorendite im MSCI World drin. Klar müssen wir da noch Gebühren und Steuern abziehen. Die dampfen das dann eher in Richtung 5% – aber diese 5% hatten Anleger brutto für netto. Gute Unternehmen können aber auch von Inflation profitieren – also die Umsätze steigern. Irgendjemand muss ja schließlich die Preise anheben, sonst hätten wir keine Inflation.

Was zeichnet solche guten Unternehmen aus?

Diese Unternehmen bieten zum einen Produkte an, auf die nicht beliebig verzichtet werden kann. Zum anderen müssen sie ihre Kosten unter Kontrolle halten. Aber selbst für Anleger, die in robuste Unternehmen investieren, gilt: Real bleibt deutlich weniger Rendite übrig. Und in Wahrheit ist das Bild ja noch viel düsterer. Wie viel Prozent seines Vermögens hält der Deutsche denn in realen Werten wie Unternehmensbeteiligungen? Da sprechen wir von 0 bis 25%. Das ist natürlich unter den aktuellen Umständen katastrophal.

Reagieren die Notenbanken aber nicht bereits?

Bei fast zweistelliger Inflationsrate ist eine Zins­anhebung um 0,75 Prozentpunkte nun wirklich nicht besonders ergiebig. Und selbst wenn Anleger künftig wieder 0,5% Zins auf dem Festgeldkonto erhalten, trägt das hinten und vorne nicht nennenswert zum Werterhalt des eigenen Vermögens bei.

Die hohe Inflation ist doch aber hauptsächlich angebotsseitig begründet, oder? Stichworte: Energieknappheit und abgerissene Lieferketten.

Da sind wir bei Flossbach von Storch ganz anderer Meinung. Der Auslöser der Inflation ist unserer Ansicht nach ganz klar die Ausweitung der Geldmenge. Ohne Geldmengenausweitung geht nichts in puncto Inflation. Und insbesondere die Maßnahmen der Zentralbanken gegen die Corona-Pandemie haben noch einmal zu einer gigantischen Steigerung der Geldmenge geführt. Die Lieferkettenproblematik und die Angebots-Nachfrage-Situation, die nicht nur bei der Energie in Schieflage ist, waren da natürlich noch weitere Faktoren.

Wie geht es Ihrer Ansicht nach weiter?

Wir werden jetzt in großem Maße Zweitrunden­effekte sehen. In den USA haben wir schon seit einigen Quartalen Arbeitskosten, die um 7% p. a. wachsen. Auch in Europa wird es nicht mehr um 1, 2 oder 3% in den Lohnverhandlungen gehen. Da stehen andere Werte vor der Tür. Und dann folgt das, was wir als 3D-Inflation bezeichnen. Das sind die strukturellen Preisanstiege durch die Faktoren Dekarbonisierung, Deglobalisierung und Demografie. Die Faktoren sind nahezu selbsterklärend. Wir wollen unseren Energieverbrauch reduzieren, damit die Welt ein angenehmer Ort bleiben kann. Wir möchten unsere Abhängigkeiten verringern und – populistisch ausgedrückt – weniger vom Chinesen oder Russen kaufen. Das belastet aber die zuvor angesprochenen Skaleneffekte der Globalisierung. Und nicht zuletzt fehlen aufgrund des demografischen Wandels links und rechts Fachkräfte. Das bedeutet höhere Kosten – insbesondere für Europa, wenngleich die Japaner und die Chinesen ähnliche Probleme haben. Übrigens trifft auch die Dekarbonisierung Europa härter als andere Weltgegenden. Die Amerikaner scheren sich nämlich relativ wenig um CO2-Zertifikate. Die USA haben auch kein Problem mit der Demografie und durch den aufwertenden Dollar importieren sie Deflation. In Europa das Gegenteil. Deshalb wird die EZB auch nicht durchgreifen können. Es gibt hier andere Themen, die die Relevanz der Geldwertstabilität massiv überlagern.

Meinen Sie damit das wirtschaftliche Nord-Süd-Gefälle innerhalb des Euroraums?

Unter anderem. Wenn wir uns anschauen, was Christine Lagarde als ihren Aufgabenbereich definiert hat, bekommt man das Gefühl, ESG und Gender Diversity wären relevanter als das Thema Geldwertstabilität. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das sind politisch relevante und wichtige Punkte. Im Aufgabenfeld einer Notenbank haben sie meiner Meinung nach aber nichts zu suchen. Mit dieser Meinung stehe ich wahrscheinlich aber ziemlich alleine da.

Wie ernstzunehmend ist die Gefahr einer Deglobalisierung aber überhaupt angesichts immer weiter kletternder Handelsvolumen – auch zwischen den USA und der Volksrepublik China?

Berechtigte Anmerkung. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass die Deglobalisierung kommen wird. Der Wettbewerb zwischen den USA und China um die Rolle als Führungsmacht der Welt wird sich noch weiter verschärfen. Die Unternehmen haben dagegen überhaupt keine Lust auf Deglobalisierung. Sie streben danach, ihre Gewinne zu maximieren, und da sind Skaleneffekte genau das, was sie haben wollen. Aber die Unternehmen sehen sich auch mit politischen Fakten konfrontiert. Es geht nicht allein darum, ob sie Güter nach Russland liefern wollen oder nicht, sondern auch darum, ob das politisch oder gesellschaftlich akzeptiert würde. Die Politik und auch die Medien werden den Unternehmen immer mehr Bürden auferlegen.

Was für eine Welt erwartet uns geostrategisch in den kommenden Jahren?

Wir gehen davon aus, dass wir einen Eisernen Vorhang 2.0 bekommen. Die Welt wird sich aufteilen zwischen dem Westen – hauptsächlich bestehend aus den USA und Europa – und dem Osten, der hauptsächlich von China dominiert werden wird. Zur Einflusssphäre Chinas wird dann auch der Vasallenstaat Russland gehören. Putin ist definitiv Juniorpartner in dieser Konstellation – mehr nicht. Und Europa wird von dieser Aufteilung besonders hart getroffen werden, denn sie bedroht massiv unser Geschäftsmodell. Gerade für Deutschland – selbst wenn wir mittlerweile nicht mehr Exportweltmeister sind – ist der globale Handel extrem wichtig.

Wenn die Musik künftig in den USA und China spielt und Europa in vieler Hinsicht eine schlechte Ausgangslage hat, sollten Anleger ihr Geld dann nicht hauptsächlich auf die aufstrebende Volksrepublik und die weiterhin mächtigen USA setzen?

Die USA sind zweifellos weiterhin attraktiv. Zu China hingegen: Wenn Anleger Werte wie Nachhaltigkeit, Menschenrechte und Demokratie hochhalten wollen, haben sie in China nichts zu suchen – ebenso wenig wie in Russland. Als die Ukraine von Putin und seinen Truppen überfallen wurde, haben uns viele unserer Kunden gefragt, wie wir nun mit den russischen Positionen im Portfolio umgehen. Wir hatten aber gar keine. In so ein Rechts- und Politiksystem zu investieren, konnten wir unseren Kunden nicht zumuten.

Und wie ist das in Bezug auf China im Portfolio von Flossbach von Storch?

In China waren die Missstände lange nicht so offensichtlich wie in Russland. Bis zur Präsidentschaft von Xi Jinping hatte sich China deutlich in Richtung westliches Wertesystem entwickelt. Davon ist heute nicht mehr viel übrig – spätestens seit der Aufdeckung des Umgangs mit der Minderheit der Uiguren besteht daran kein Zweifel mehr. Ich beschäftige mich auch persönlich sehr intensiv mit China, ich liebe die chinesische Kultur und spreche auch die Sprache ein bisschen. Nichtsdestotrotz war ich immer sehr vorsichtig, was Investments in China betrifft. Wir haben das Gewicht chinesischer Titel in unseren Portfolios mittlerweile auch deutlich reduziert.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 10/2022, S. 56 f., und in unserem ePaper.

Bild: Philipp Vorndran, Flossbach von Storch

 
Ein Interview mit
Philipp Vorndran

So investieren Frauen im Vergleich zu Männern

Männer investieren häufiger in aktienbasierte, risikoreiche Anlagen als Frauen und empfinden dabei Freude. Das ist einer aktuellen Studie von Union Investment zu entnehmen. Frauen hingegen setzen eher auf risikoärmere Investments und glauben größtenteils, über wenig Fachwissen zu verfügen.

Das Marktforschungsinstitut Kantar hat im Auftrag von Union Investment untersucht, wo die Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei der Geldanlage zu finden sind. Zu diesem Zweck hat Kantar 2.000 Personen online befragt, die Aktien, Aktienfonds oder Mischfonds besitzen oder einmal besessen haben. Dementsprechend ist die Studie nicht für die deutsche Gesamtbevölkerung repräsentativ, sondern lediglich für Personen, die aktienbasierten Anlagen nicht abgeneigt sind.

Spaß am Risiko und Vorsicht

Die Studie kam zu dem Ergebnis, dass die Geldanlage für Männer eher mit positiven Gefühlen assoziiert ist, während Frauen insbesondere bei risikoreichen Anlageformen mehr Vorsicht an den Tag legen. So kommt es, dass Männer Aktien sowie Fonds insgesamt aufgeschlossener gegenüberstehen.

Einzelaktien bei Männern hoch im Kurs

Besonders deutlich wird das beim Investment in einzelne Titel. 46% der befragten Männer geben demnach an, in Einzelaktien zu investieren. Bei Frauen behaupten das lediglich 22%. Ähnlich sieht es bei Aktienfonds aus. Auch in sie investiert knapp die Hälfte der Männer (48%), aber nur etwas mehr als jede dritte Frau (35%). Bei defensiveren Anlagen wie Bausparverträgen, Mischfonds und Sparkonten dreht sich die Geschlechterverteilung. Hier investieren Frauen häufiger als Männer.

Investitionsquote bei Frauen deutlich niedriger

Der Unterschied bei der Risikobereitschaft der Geschlechter drückt sich auch im Anteil des eigenen Finanzvermögens aus, der in risikoreichen Anlageklassen investiert ist. 54% der Männer haben mehr als ein Viertel ihres Vermögens in Aktien oder Fonds angelegt. Bei den Frauen sind es nur 34%. Bei den männlichen Befragten sind sogar 24% mit mehr als der Hälfte ihres Vermögens in aktienbasierte Anlagen investiert. Bei den Frauen jedoch nur 9%.

Zweifel und Vertrauen in das eigenen Anlagewissen

Ursächlich für diese Unterschiede und die Freude der Männer an aktienbasierten Anlagen ist unter anderem die Einschätzung des eigenen Wissens. Männer zweifeln das eigene Anlagewissen deutlich weniger an als Frauen. 56% der Frauen geben an, nur ein geringes Fachwissen in Bezug auf Geldanlage zu haben. Bei den Männern behaupten das nur 37%. Und auf den eigenen Kenntnisstand verlässt sich gerade einmal jede Fünfte (21%). Bei den Männern vertrauen hingegen 42% auf das eigene Investment-Know-how. (tku)

Bild: © adragan – stock.adobe.com

 

Rezession – Was bedeutet sie für Anlegerinnen und Anleger?

Die ökonomischen Zeichen stehen auf Sturm. Das Wort Rezession ist in aller Munde. Was genau bedeutet der Begriff, welche Begleiterscheinungen gehen häufig damit einher und wie können sich Anleger positionieren, um auch in Krisenzeiten zu bestehen?

Ein Artikel von Thorsten Schrieber, Vertriebsvorstand der DJE Kapital AG

Eine Rezession ist eine Phase wirtschaftlichen Abschwungs, die durch eine abnehmende Wirtschaftsleistung gekennzeichnet ist. Man spricht dann von einer Rezession, wenn das Bruttoinlandsprodukt (BIP) einer Volkswirtschaft in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen im Vergleich zum Vorjahr rückläufig ist. Neben dem rückläufigen BIP gibt es noch weitere mögliche Kennzeichen, unter anderem fallende Börsenkurse, sinkende Produktion, ein abnehmendes Lohn­niveau oder zunehmende Arbeitslosigkeit. Jüngst zeigte sich etwa bei US-Staatsanleihen ein weiteres Zeichen, nämlich eine inverse Zinskurve: Papiere mit kurzen Laufzeiten warfen höhere Erträge ab als solche mit längeren Laufzeiten. Das ist insofern ungewöhnlich, als Investoren für eine längere Zinsbindung üblicherweise mehr Rendite fordern. Eine inverse Kurve gilt historisch als starkes Vorzeichen einer Rezession.

Warum ist eine Rezession ein volkswirtschaftliches Problem?

Eine Volkswirtschaft, die sich abkühlt und an Fahrt verliert, kennt viele Verlierer, vor allem die Beschäftigten im Niedriglohnsektor sowie Haushalte mit geringerem Einkommen. Viele Unternehmen werden zum Sparen gezwungen und versuchen, ihre fundamentalen Daten durch Personalabbau zu verbessern. Die Sozialsysteme werden durch eine steigende Arbeitslosigkeit belastet – abnehmender Konsum wiederum verringert staatliche Steuereinnahmen und die Umsätze der Unternehmen. Und: Nicht jedes Unternehmen überlebt einen solchen wirtschaftlichen Abschwung.

Ein Blick zurück

Die letzte Rezession gab es erst vor Kurzem, nämlich im Corona-Jahr 2020: Laut den Daten des Bureau of Economic Analysis wiesen exemplarisch in den USA die ersten beiden Quartale eine negative BIP-Entwicklung im Vorjahresvergleich auf. Durch eine größere monetäre und fiskalpolitische Anstrengung konnte die Rezession jedoch schnell gestoppt werden.

Auch Anfang der 1990er-Jahre rutschte die US-Wirtschaft in eine Rezession. Sie wurde ausgelöst durch die restriktive Geldpolitik der US-Notenbank Federal Reserve, um die steigende Inflation zu bekämpfen. Anziehende Ölpreise trugen damals maßgeblich zur Inflationssteigerung bei. Wichtigster Preistreiber damals: der irakische Überfall auf Kuwait. Der sogenannte Ölpreis-Schock hielt rund neun Monate an, bis eine internationale Koalition unter Führung der USA Saddam Husseins Truppen zurückdrängen und die Ängste um die Ölversorgung auf­lösen konnte.

Wie wirkten sich Rezessionen auf die Aktienmärkte aus?

Besonders lehrreich ist für langfristig orientierte Anleger nicht der Blick auf die maximalen Verluste während einer Rezession, sondern vielmehr auf die Erholung der Aktienmärkte danach. Die Statistik zeigt, dass der S&P 500 bei Bärenmärkten im Schnitt sechs Monate nach dem Tiefpunkt bei +25%, zwölf Monate danach sogar bei +36% notiert. Dem gegenüber steht ein durchschnittlicher Drawdown (der maximale Wertverlust bis zum Wiedererreichen des Ursprungswertes) von 34%.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in den anderen Indizes. Der MSCI Europe liegt ein Jahr nach Bärenmarkt-Tiefpunkten im Schnitt bei einem Plus von 34%, während der Drawdown 32% beträgt. Und auch im Weltindex MSCI All Country World steht zwölf Monate nach einem Bärenmarkt eine Erholung von 32% einem Drawdown von 25% gegenüber. Sogar lang anhaltende Bärenmärkte, etwa während der Rezessionen Anfang der 2000er-Jahre (New-Economy-Blase) und während der großen Finanzkrise ab 2007, konnten sich mit etwas Distanz wieder erholen.

Nicht jeder Sektor ist gleich betroffen

Rezessionen sind herausfordernd für eine Volkswirtschaft, aber die Märkte haben sich historisch betrachtet bisher immer wieder erholt. Für Anlegerinnen und Anleger bedeutet das vor allem eines: Ruhe bewahren. Nicht jede Aktie und nicht jedes Unternehmen leidet in einem solchen Negativszenario gleichermaßen. Schon auf Sektorebene werden Unterschiede deutlich. Die Automobilindustrie etwa muss mit durchschnittlich 61% maximalem Drawdown in Marktkrisen vergleichsweise hohe Verluste verkraften. Auch der Immobiliensektor wird mit einem durchschnittlichen Minus von 59% in Krisenzeiten stark gebeutelt. Als krisenresistenter erweisen sich hingegen Wirtschaftszweige, auf die Verbraucher auch in schweren Zeiten nicht verzichten können. Basiskonsumgüter wie Haushaltswaren und Lebensmittel führen das Feld mit einem maximalen durchschnittlichen Drawdown von nur 23% an. Auch der Gesundheitssektor steht in Krisenzeiten mit einem Drawdown-Durchschnittswert von 31%, zumindest relativ gesehen, besser da als viele andere Bereiche.

Was tun als Anleger?

Aktuell sind vor allem die anhaltenden geopolitischen Risiken, die weitere Verschärfung der Energiekrise sowie die Politik der Zentralbanken, die der Inflationsbekämpfung Vorrang vor Wachstum und Arbeitsmarkt einräumen, negative Einflussfaktoren auf die wirtschaftliche Entwicklung. Wer das Risiko im Portfolio generell reduzieren möchte, kommt um eine aktive Steuerung nicht herum. Hierfür eignen sich defensive Aktien, eine höhere Cash-Quote, gegebenenfalls eine höhere Anleihenquote oder eine Goldbeimischung.

Flexible Mischfonds wie der DJE – Zins und Dividende können hier eine sinnvolle Lösung darstellen. Er ist ein weltweit unabhängig von Benchmark-Vorgaben anlegender Mischfonds und verfolgt den Absolute-Return-Gedanken mit dem Ziel, Verluste weitestgehend zu vermeiden. Durch differenzierte Gewichtung der Asset-Klassen Anleihen und dividenden- und substanzstarke Aktien versucht das Fondsmanagement einerseits, regelmäßige Zinseinkünfte zu generieren sowie andererseits eine möglichst anhaltend positive Wertentwicklung bei geringer Volatilität zu erzielen. Bei der Aktienauswahl wird auf stabile Dividendenzahlungen und darüber hinaus auf eine anlegerfreundliche Unternehmenspolitik mit Kapitalrückgaben und Aktienrückkäufen (Total Shareholder Return) Wert gelegt. Der flexible Investmentansatz des Fonds soll eine schnelle Anpassung an die sich stetig verändernden Marktgegebenheiten ermöglichen. Zur Verringerung des Risikos von Kapitalschwankungen sind mindestens 50% des Fondsvermögens dauerhaft in Anleihen angelegt. Das Aktienengagement beträgt mindestens 25% und ist auf maximal 50% begrenzt. Währungsrisiken werden je nach Marktlage abgesichert.

Fazit

Unabhängig davon, für welche Lösung sich Anleger entscheiden, gilt unterm Strich: Vollständig auszusteigen, kann im schlimmsten Fall sehr teuer werden. Denn: Die Börse klingelt bekanntlich weder zum Ausstieg noch zum Wiedereinstieg.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 10/2022, S. 54 f., und in unserem ePaper.

Bild: © funstarts33 – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Thorsten Schrieber