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J.P. Morgan AM legt nachhaltigen Income-Fonds auf

Mit dem JPMorgan Investment Funds – Global Income Sustainable Fund hat J.P. Morgan AM einen neuen ertragsorientierten Mischfonds vorgestellt. Er setzt auf einen bewährten Multi-Asset-Income-Prozess, ergänzt ihn aber um drei Nachhaltigkeitsebenen.

J.P. Morgan Asset Management erweitert die Palette der ertragsorientierten flexiblen globalen Mischfonds um eine nachhaltige Variante. Der JPMorgan Investment Funds – Global Income Sustainable Fund wird wie der Income-Klassiker JPMorgan Investment Funds – Global Income Fund vom Portfoliomanagerteam unter der Leitung von Michael Schoenhaut und Eric Bernbaum verantwortet.

Nachhaltige Ertragschancen rund um den Globus

Auf Basis des seit mehr als zwölf Jahren etablierten flexiblen Multi-Asset-Income-Investmentprozesses identifiziert der Global Income Sustainable Fund die besten nachhaltigen Ertragschancen rund um den Globus. Um dies zu erreichen, werden einerseits Branchen ausgeschlossen, die als nicht nachhaltig gelten. Andererseits wird das Portfolio aktiv auf führende Unternehmen in den Bereichen Umwelt, Soziales und Governance (ESG) ausgerichtet.

Gezielte Ausschlüsse bestimmter Bereiche

Im zweiten Quartal 2020 wurde bereits für die Income-Strategie von J.P. Morgan Asset Management die vollständige ESG-Integration durchgeführt. Sie berücksichtigt damit wesentliche Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren im Investmentprozess. Im Global Income Sustainable Fund gibt es darüber hinaus normen- und wertbasierte Ausschlüsse von Sektoren, die nicht als nachhaltig angesehen werden. Dazu gehören Branchen wie Kohle und Atomkraft, Waffen, Tabak, Glücksspiel, Erwachsenenunterhaltung und Öl/Gas. Zudem werden Unternehmen ausgeschlossen, die gegen die „UN Global Compact“-Norm verstoßen. Und schließlich können Ausschlüsse auf Basis der ESG-Analysen der verschiedenen Investment-Teams erfolgen.

Fokus auf überdurchschnittliche Nachhaltigkeitswerte

Als dritte Nachhaltigkeitsebene legt das Management des Global Income Sustainable Fund einen besonderen Fokus auf solche Unternehmen, die überdurchschnittliche Nachhaltigkeitswerte ausweisen und beispielsweise helfen, die Energiewende zu gestalten. Um diese zu identifizieren nutzt das Management quantitative und qualitative Methoden sowie die globalen Research-Kapazitäten von J.P. Morgan Asset Management. Im Vergleich zum Durchschnitt des Multi-Asset-Income-Investment-Universums erzielt der Global Income Sustainable Fund damit ein höheres ESG-Rating und weist signifikant geringere CO2-Emissionen auf – derzeit liegt dieser Wert bei 68%. Die Überschneidung des nachhaltigen Income-Fonds mit dem Income-Klassiker solle nur rund 30% betragen, damit sich beide Fonds sinnvoll ergänzen. (mh)

Bild: © stokkete – stock.adobe.com

 

ETFs feiern starken Jahresauftakt

Passive Investments bleiben auch 2021 im Trend. Europaweit sammelten ETFs im Jahr mehr als 15 Mrd. Euro neue Gelder ein. Besonders gefragt waren nachhaltige Produkte. Das geht aus einem aktuellen Marktbericht von Lyxor hervor.

Lyxor hat den ETF Money Monitor für Januar 2021 veröffentlicht. ETFs verbuchten dem Markbericht zufolge im Januar Zuflüsse in Höhe von 15,3 Mrd. Euro. Davon entfielen 1,9 Mrd. Euro auf Fixed-Income-ETFs und 12,9 Mrd. Euro auf Aktien-ETFs. Die passiven Investmentfonds bleiben demnach weiterhin im Trend.

Nachhaltige ETFs besonders hoch im Kurs

Besonders stark waren im Januar nachhaltige Produkte gefragt. ESG-ETFs sammelten 8,6 Mrd. Euro ein. Das ist nicht nur mehr als die Hälfte der gesamten ETF-Zuflüsse, sondern auch der bisher zweitgrößte monatliche Zufluss der Geschichte. 7,2 Mrd. Euro entfielen dabei auf nachhaltige Aktien-ETFs, 1,4 Mrd. Euro auf ESG-Anleihen-ETFs. Breit angelegte ESG-ETFs stellen mit 83,3 von 96,5 Mrd. Euro des verwalteten Vermögens nach wie vor den Löwenanteil unter den ESG-ETFs. Sie verzeichneten auch über die letzten zwölf Monate mit 45,3 Mrd. Euro die meisten Zuflüsse.

Leichte Abflüsse aus Geldmarkt-ETFs

Neben nachhaltigen Produkten waren Smart-Beta-ETFs gefragt. Sie verbuchten im Januar Zuflüsse von 1,2 Mrd. Euro. Treiber für diese Entwicklung war laut Lyxor die Rotation in Value, die das Interesse der Anleger weckte. Geldmarkt-ETFs zählten hingegen zu wenigen Verlieren. Im Januar büßten sie unter dem Strich 0,2 Mrd. Euro ein. (mh)

Bild: © Aksana Kavaleuskaya – stock.adobe.com

 

vzbv warnt vor Greenwashing bei nachhaltigen Geldanlagen

Der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) hat ein Gutachten sowie eine Umfrage zur Wirkung nachhaltiger Geldanlagen veröffentlicht. Demnach ist kaum eine direkte Wirkung nachhaltiger Geldanlagen nachweisbar. Der vzbv fordert daher Maßnahmen gegen Vertriebsmissbrauch in Form von Greenwashing.

Als nachhaltig beworbene Geldanlagen führen nicht automatisch zu mehr Nachhaltigkeit. Zu diesem Fazit kommt ein Gutachten der Wirtschaftswissenschaftler Prof. Dr. Marco Wilkens und Prof. Dr. Christian Klein im Auftrag des vzbv. Zwar können nachhaltige Geldanlagen demnach durchaus eine positive Wirkung entfalten. Wahrscheinlicher sind dabei indirekte Effekte, zum Beispiel, wenn Verbraucher über eine Geldanlage für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert werden.

Kaum direkte Effekte nachweisbar

Direkte Effekte über den Kapitalmarkt seien zwar auch möglich, aktuell aber kaum nachweisbar. Prinzipiell können sie über einen Verzicht auf Rendite durch Verbraucher erreicht werden, zum Beispiel, wenn in Folge der Geldanlage in bisher nicht rentable regenerative Energien investiert wird. Angebote der Finanzindustrie, die mit einem direkten Beitrag ihrer Anlageprodukte zu bestimmten Nachhaltigkeitszielen werben, und zugleich marktübliche Renditen versprechen, müssten demnach kritisch hinterfragt werden.

Erwartungen ein Stück weit naiv

„Nachhaltigkeit muss mehr sein als ein Werbeversprechen. Das gilt auch am Finanzmarkt. Deshalb ist es entscheidend, ob Geldanlagen tatsächlich zu mehr Nachhaltigkeit führen. Das Gutachten zeigt, dass die bisherigen Erwartungen zur Wirkung nachhaltiger Geldanlagen ein Stück weit naiv waren“, meint vzbv-Vorstand Klaus Müller. Die große Gefahr für Verbraucher sei, dass Anbieter das Grüne vom Himmel versprechen, ohne dass sich tatsächlich etwas bewegt. „Die Politik muss falschen Vertriebs- und Werbeversprechen deshalb einen Riegel vorschieben“, so Mülller.

Wirkung nachhaltiger Anlagen entscheidend

Der vzbv fordert, dass Anlagen nur als nachhaltig bezeichnet werden, wenn sie einen messbaren Beitrag zu Nachhaltigkeitszielen leisten. „Denn am Ende des Tages müssen Banken, Versicherer und Finanzvertriebe auch für ihre Nachhaltigkeitsversprechen haftbar gemacht werden können“, meint Müller. Nach Plänen der EU-Kommission müssen Verbraucher künftig bei Anlage- und Versicherungsberatungen gefragt werden, ob sie nachhaltig anlegen wollen. Aktuell ist jedoch noch unklar, unter welchen Umständen Finanzanlagen als nachhaltig bezeichnet werden dürfen. Der vzbv fordert, die gesetzliche Definition nachhaltiger Geldanlagen konsequent an der Wirksamkeit auszurichten. Das vorliegende Gutachten liefere dazu eine wissenschaftliche Fundierung.

Verbraucher mehrheitlich bereit, nachhaltig anzulegen

Parallel zum Gutachten veröffentlicht der vzbv eine beim Meinungsforschungsinstitut Kantar beauftragte, repräsentative Umfrage. Demnach ist die Mehrzahl der Verbraucher (53%) grundsätzlich bereit, ihr Geld nachhaltig anzulegen. Allerdings wollen fast vier von fünf Verbrauchern (79%) dabei nicht oder nur auf einen kleinen Teil der Rendite verzichten. Gleichzeitig haben 69% der Verbraucher die Erwartung, dass nachhaltige Geldanlagen wie Aktienfonds und Unternehmensanleihen einen messbaren Beitrag zur Erreichung von Nachhaltigkeitszielen leisten. (mh)

Bild: © cristianstorto – stock.adobe.com

 

Pictet lanciert Multi-Asset-Fonds für Schwellenländer

Pictet Asset Management sieht Schwellenländer gerade in einem Niedrigzinsumfeld langfristig als eine besonders attraktive Anlageregion an. Dieses Potenzial soll ein neu aufgelegter Multi-Asset-Fonds heben.

Der Schweizer Asset Manager Pictet hat sein Multi-Asset-Angebot mit der Auflage des Pictet-Emerging Markets Multi Asset ausgeweitet. Über den Fonds haben Anleger Zugang zum vollen Anlagespektrum in Schwellenländern. Er investiert in Aktien, Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Rohstoffe, Immobilien, Geldmarktpapiere und Währungen und startet mit einem Volumen von rund 50 Mio. US-Dollar, die in der Zeichnungsphase eingeworben werden konnten.

Langfristig besonders hohe Erträge zu erwarten

In einem Niedrigzinsumfeld erwartet Pictet Asset Management global insbesondere in Schwellenländern langfristig besonders hohe Erträge. Co-Manager der Strategie sind Shaniel Ramjee und Marco Piersimoni, die sich auf die bewährte Expertise und breiten Strukturen von Pictet Asset Management im Multi-Asset-Bereich stützen können. Ihr Investmentteam strebt die Maximierung des Renditepotenzials von Schwellenländern bei gleichzeitiger Kontrolle der für diese Region typischen Abwärtsrisiken an.

Höhere Volatilitätsniveaus

„Wir sind überzeugt, dass Schwellenländer Anlegern auf lange Sicht das größte Wertpotenzial bieten können. Allerdings weisen sie mitunter auch höhere Volatilitätsniveaus auf, was Anlegern das Timing und die Allokation des Vermögens auf verschiedene Anlageklassen erschwert“, kommentiert Olivier Ginguené, CIO der Einheit Multi Asset & Quantitative Investment, die Auflage des Pictet-Emerging Markets Multi Asset. Die neue Strategie soll den Anlegern den Prozess erleichtern, indem sie ihnen solche Entscheidungen abnimmt und die Erträge gleichmäßiger über Konjunktur- und Börsenzyklen verteilt. (mh)

Bild: © Björn Wylezich – stock.adobe.com

 

Insolvenzprognose für 2021? Schwierig.

Die Staatshilfen in Corona-Zeiten verzerren das tatsächliche Bild. Schwer zu sagen, wie es um Branchen und Unternehmen in Wirklichkeit steht. Entsprechend schwierig ist auch die Risikobewertung für einzelne Sparten und für Deutschland im Allgemeinen.

Die staatlichen Corona-Maßnahmen helfen Unternehmen in der Krise, stellen die Situation, was mögliche Insolvenzen angeht, aber auf den Kopf. Laut einer Auswertung des Kreditversicherers Coface wären die Insolvenzen, basierend auf der alleinigen Konjunkturentwicklung, im Jahr 2020 um 9% zum Vorjahr gestiegen. Tatsächlich sind sie aber wohl um 15% gesunken – die staatlichen Stützmaßnahmen haben den eigentlichen Anstieg daher nicht nur ausgeglichen, sondern überkompensiert. Ein ähnliches Bild findet sich mit wenigen Ausnahmen in allen von Coface untersuchten Ländern wieder.

Marktkräfte außer Kraft gesetzt

Eine Insolvenzprognose für das laufende Jahr wird es daher nicht geben. Coface-Volkswirtin Christiane von Berg erklärt: „2020 hat gezeigt, dass klassische Insolvenzprognosen nicht mehr greifen. Sie werden mit Modellen errechnet, die funktionierende Marktkräfte unterstellen. Wenn der Staat, wie zum Beispiel in Deutschland, in den Markt eingreift, indem immer wieder die Insolvenzantragspflicht ausgesetzt wird und gleichzeitig Regierung und Zentralbank in nie dagewesenem Umfang die Wirtschaft unterstützen, sind Modellprognosen schlicht nicht mehr möglich.“ 

Etwas bessere Signale aus Auto- und Chemiebranche

Regelmäßig gibt Coface Risikoeinschätzungen für insgesamt 13 Branchen in 28 Ländern ab: In der aktuellen Bewertung wurden für Deutschland sowohl der Automotive- als auch der Chemiesektor besser bewertet. Im Falle der Automotive-Branche setzt Coface die Risikoeinschätzung von sehr hohem Risiko auf hohes Risiko. Der Einbruch verlangsamt sich, zudem fragen chinesische Kunden deutsche Premiummodelle verstärkt nach. Sorgen macht allerdings der Lieferengpass bei den für die Elektronik notwendigen Chips.

Positiver sieht es nach Ansicht von Coface für die Chemiebranche aus. Hier hat sich die Risikoeinschätzung von hohes auf mittleres Risiko verbessert. Als Zulieferer für das verarbeitende Gewerbe profitiert die Branche von Nachholeffekten. Die Stimmungsindikatoren für die deutsche Industrie zeigen zudem auf Wachstum, was auch die Chemiebranche mitziehen wird.

Keine Veränderung bei Risikobewertung für Deutschland

Bei der Bewertung der Länderrisiken gab es im vergangenen Jahr einen Erdrutsch. Und auch Anfang 2021 bleibt die Länderrisikoeinschätzung von Deutschland zunächst bei A3, der schlechtesten Note, die Deutschland in den letzten 20 Jahren zugewiesen bekam (Die Skala beginnt bei A1 und endet bei E). „Es gab im Verlauf der Pandemie Momente, in denen die Daten für eine bessere Länderrisikonote gesprochen hätten. Aber gerade der zweite Lockdown und die erneut einbrechende Konjunktur zeigen, dass man den Tag nicht vor dem Abend loben sollte. Erst wenn die Impfungen weit fortgeschritten sind und die Pandemie unter Kontrolle ist, ergibt eine Anhebung Sinn“, sagt Christiane von Berg. Die Länderrisikoeinschätzung von Coface spiegelt die Wahrscheinlichkeit von erhöhten Zahlungsausfällen in einem Land in den nächsten sechs Monaten wider. (bh)

Bild: © Danny – stock.adobe.com

 

„Kunstwerke sind langfristig erstklassige Investments“

Digitale Investments boomen. Finexity hat sich genau darauf fokussiert. Nach Immobilieninvestments bietet das FinTech nun auch Deutschlands erste digitale Investments in Kunst an. Warum sie auch in jedes Privatanlegerdepot gehören, erläutert Paul Huelsmann, Gründer und CEO von Finexity.

Herr Huelsmann, digitale Investments waren 2020 nicht zuletzt aufgrund der Corona-Pandemie auf dem Vormarsch. Können Sie das auch für Finexity bestätigen?

Ja. Wir sehen, dass mehr und mehr institutionelle Player in diesen Bereich gehen. Sobald der institutionelle Bereich noch stärker wird, wird es sich auch mehr und mehr im Privatanlegerbereich etablieren. Das ist sicher etwas, was uns auch 2021 umtreiben wird. Ich sehe vor allem drei große Themen in diesem Bereich.

Wie sehen diese aus?

Asset-Manager werden sich stark digitalisieren. Das betrifft insbesondere die Emittenten alternativer Investmentfonds, wo sich digitale Zeichnungsstrecken eta­blieren müssen und die digitale Verwaltung von Kunden die Kosten senken wird. Ein anderes Thema, das uns vor allem im Immobilienbereich beschäftigt, sind ESG-Kriterien. Der dritte Bereich sind digitale Assets. Sie sind die Zukunft. Institutionelle Anleger investieren derzeit stark im Bitcoin-Bereich, weil die Anlageklasse noch eine relativ niedrige Korrelation zum Aktienmarkt aufweist und dadurch eine gute Möglichkeit zur Diversifizierung bietet.

Finexity selbst hat zuletzt Deutschlands erstes digitales Kunstinvestment gestartet. Warum?

Wir schauen uns die Portfolios der ultra high-net-worth individuals und der institutionellen Anleger an und schauen, wie die ihr Kapital allokieren. Dabei sieht man, dass 44% und damit ein Großteil ihres Kapitals im illiquiden alternativen Bereich angelegt ist. Davon wiederum steckt ein Großteil im Immobilienbereich. Der Rest verteilt sich auf Private Equity, klassische Sachwerte oder auch Kunst und Oldtimer. Retail-Investoren haben allerdings vier Probleme, wenn sie in diese Märkte investieren wollen.

Welche?

Der erste Punkt sind hohe Eigenkapitalanforderungen. Punkt Nummer zwei sind hohe Informationsasymmetrien zwischen Käufern und Verkäufern. Privatkunden können oft gar nicht einschätzen, ob solch ein Investment langfristig tragbar ist. Der dritte Punkt ist der Verwaltungsaufwand. Egal ob Immobilien, Kunstwerke oder Old­timer – man muss sich nach dem Kauf um vieles kümmern. Das geht von der Verwaltung über die Lagerung und Pflege bis hin zur richtigen Versicherung.

Und der vierte Punkt?

Der vierte Punkt ist die Flexibilität. Das ist vor allem in den Bereichen Kunst und Oldtimer ein wichtiger Aspekt. Man hat in der Regel nicht die Möglichkeit, heute in einen Andy Warhol zu investieren und ihn morgen wieder zu verkaufen. Zudem sind die Prämien, die auf den Kauf bezahlt werden, signifikant hoch.

Was heißt das konkret?

Bei großen Auktionshäusern zahlt der Käufer ein Aufgeld von bis zu 26%. Aus einem Kaufpreis von 100.000 Euro werden dann schon 125.000 Euro. Dann kommt noch Umsatzsteuer obendrauf. Im Kunstbereich gibt es darüber hinaus eventuell noch das sogenannte Folgerecht, das heißt einen Anspruch des Urhebers auf bis zu 4% des Verkaufspreises, sodass aus 100.000 Euro Kaufpreis schnell 135.000 Euro werden. Bis sich diese 35% amortisiert haben, dauert es Jahre. Der Markt ist schließlich nicht so volatil wie zum Beispiel Kryptowährungen, wo Wertschwankungen von 10% pro Tag an der Tagesordnung sind. Kunstwerke sind oft Vermögenswerte, die über mehrere Generationen im Familienbesitz gehalten werden.

Sind Kunstinvestments dennoch auch für Privatanleger grundsätzlich interessant?

Wir wollen Privatanlegern die Möglichkeit geben, wie sehr vermögende Anleger zu investieren. Und diese legen einen Teil ihrer Vermögen auch in Kunst an. Wir denken zudem immer langfristig, und langfristig sind erstklassige Kunstwerke gute Investments. Darüber hinaus kaufen wir nur zu exzellenten Konditionen und zahlen keine großen Prämien. Mit Andy Warhols „Vegetarian Vegetable“ aus der Serie Campbell‘s Soup II haben wir im Dezember 2020 auch das erste digitale Kunst­investment in die Tat umgesetzt.

Wie lief die Premiere?

Die Premiere lief sehr gut. Es war kein großes Projekt. Dennoch hat der Ankauf immerhin 50.000 Euro ausgemacht. Das Investment war innerhalb von 15 Minuten überplatziert. Das zeigt, dass unsere Kunden ein starkes Interesse an diesen Vermögenswerten haben, auf die sie sonst gar keinen Zugriff hätten.

Wie läuft der Kauf eines solchen Werkes ab?

Am Anfang aller Überlegungen steht die Frage: Was kaufe ich? Wir fokussieren uns auf sogenannte Blue-Chip-Künstler. Dazu gehört Andy Warhol zweifellos. Neben Banksy ist er derzeit der zweitliquideste Künstler der Welt.

Warum solche Künstler?

Es geht nicht darum, auf eine möglichst hohe Wertsteigerung zu setzen, weil ein noch wenig bekannter Künstler in den nächsten Jahren vielleicht den großen Durchbruch schafft. Unser Ziel ist es, mit einem professionellen Management eine kontinuierliche, langfristige Wertsteigerung zu erzielen. Wir haben großes Glück, dass wir durch einen Partner in London einen guten Zugang zu solchen Werken haben, der uns zudem dabei hilft, mögliche Fälschungen zu enttarnen und die Werke professionell zu verwalten. Gerade bei Kunst­werken ist die professionelle Lagerung wichtig. Der Andy Warhol liegt zum Beispiel in einem zollfreien Lager in London. Dort könnten sich ihn unsere Kunden mit entsprechender Voranmeldung sogar ansehen.

Wie schafft es Finexity, keine hohen Kaufprämien zahlen zu müssen?

Weil wir mit unserem Partner einen Vertrag haben, der ihm erst beim Verkauf eine Beteiligung am Verkaufserlös zugesteht. Damit sitzt er im selben Boot wie wir. Er hat wie wir und unsere Kunden ein Interesse an einer langfristigen Wertsteigerung und kümmert sich erst recht um den Kauf eines attraktiven Kunstwerkes zu einem guten Preis und um eine gute Bewirtschaftung nach dem Kauf. Wenn man Partner hat, die an dem gleichen Ziel arbeiten, kann das nur gut sein.

Wie funktioniert die technische Umsetzung der Kunstinvestments?

Möglich macht das wie bei allen Finexity-Objekten die Tokenisierung auf Blockchain-Basis. Die Tokenisierung senkt nicht nur die Kosten immens, sondern ermöglicht es zudem, die Objekte auf dem Zweitmarkt handelbar zu machen. Kunden haben die Möglichkeit, ihre Anteile zu verkaufen, ohne dass das Kunstwerk als Ganzes verkauft werden muss. Hierfür bauen wir gerade Market-Maker-Strukturen auf, damit Anleger zumindest mit einem gewissen Abschlag jederzeit aus dem Investment herauskommen, falls sie das Geld doch vorzeitig benötigen sollten.

Neben Kunst setzt Finexity auch auf Classic Cars. Sind die Hintergründe und Herausforderungen in diesem Bereich ähnlich?

Ja. Auch bei Automobilen haben wir einen externen Partner mit einer hohen Expertise und Erfahrung an Bord, der sich um Ankauf, Gutachten, Verwaltung, Lagerung, Versicherung und Co. kümmert. Mit ihm zusammen werden wir voraussichtlich noch im ersten Quartal 2021 das erste Projekt realisieren. Auch da starten wir mit einem kleineren Volumen. Wir konzentrieren uns darauf, das als Investment abzubilden und für Privatanleger investierbar zu machen.

Können auch Vermittler von den digitalen Anlageobjekten bei Finexity profitieren?

Vermittler sind für uns ein wichtiges Thema. Wir haben daher ein Tippgebermodell, das sehr gut angenommen wird. Deshalb werden wir in diesem Bereich auch personell aufstocken, um weiterhin eine gute Betreuung zu gewährleisten.

Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 02/2021, Seite 58f. und in unserem ePaper.

Bild: © 4th Life Photography – stock.adobe.com

 
Ein Artikel von
Paul Huelsmann

JSS Sustainable Asset Management startet "Green Planet“-Strategie

Der Vermögensverwalter JSS Sustainable Asset Management, Tochtergesellschaft der J. Safra Sarasin-Gruppe, hat seine bestehende Wasser-Strategie weiterentwickelt zu „Green Planet“. Der bestehende Fonds „JSS Sustainable Equity – Water“ heißt künftig „JSS Sustainable Equity – Green Planet“.

JSS Sustainable Asset Management (JSS SAM) führt die „Green Planet“-Strategie ein, die in nachhaltige Themen investieren wird, die den grünen Wandel und den Schutz der Biodiversität unterstützen. Es handelt sich dabei um eine Weiterentwicklung der bestehenden Wasser-Strategie des Vermögensverwalters. Im Zuge dessen wird der bestehende Fonds „JSS Sustainable Equity – Water“ umbenannt in „JSS Sustainable Equity – Green Planet“. Wie JSS SAM, eine Tochtergesellschaft der J. Safra Sarasin-Gruppe, weiter mitteilt, baut die neue Strategie auf der Anlagephilosophie und dem Anlageansatz des Vorgängerfonds auf. Der Schutz des Ökosystems und der Wasserressourcen stellen nach wie vor einen ihrer Schwerpunkte dar. Zudem wird die Strategie auf andere Schlüsselthemen wie Ressourceneffizienz, neue Energien wie Solar- und Windenergie und Smart Mobility, also beispielsweise Wasserstoff, Elektrofahrzeuge oder Smart Cities fokussieren.

Verwaltet wird die „Green Planet“-Strategie vom bisherigen Anlageteam der Wasser-Strategie, das im Kern den Anlageprinzipien der Wasser-Strategie folgt. 2020 zählte der „JSS Sustainable Equity – Water“-Fonds zu den performancestärksten in seiner Morningstar-Vergleichsgruppe. Yohann Terry ist auch zukünftig Lead Portfolio Manager des „JSS Sustainable Equity – Green Planet“-Fonds. Komplettiert wird das Team von Daniel Lurch, der im vergangenen Jahr zu J. Safra Sarasin wechselte.

Der Anlageansatz identifiziert strukturelle „grüne“ Wachstumsthemen, die das Potenzial für langfristige Renditen aufweisen. Der Faktor Nachhaltigkeit ist in jedem Schritt des Anlageprozesses eingebunden. Der Fonds zeichnet sich nach wie vor durch ein benchmarkunabhängiges High-Conviction-Portfolio aus, das sich vorwiegend aus Small und Mid Caps zusammensetzt. (tk)

Bild: lovelyday12 – stock.adobe.com

 

DJE zieht Zehnjahresbilanz für globalen Mischfonds

Der globale Mischfonds DJE – Zins & Dividende PA feiert sein Zehnjähriges. Das nutzt der Vermögensverwalter DJE zu einer Zwischenbilanz: Demnach erzielte der Fonds eine jährlichen Rendite von 5,80% und liegt damit über Vergleichswerten.

Der globale Mischfonds DJE – Zins & Dividende PA feiert sein zehnjähriges Jubiläum. Seit Auflage im Jahr 2011 erwirtschaftete der Fonds eine positive Wertentwicklung von 75,55%. Dies entspricht einer jährlichen Rendite von 5,80% (Stand: 05.02.2021). Im Vergleich dazu lag der Durchschnitt der Morningstar-Peer Group „EUR Moderate Allocation – Global“ bei rund 3% p. a.

Verluste so weit wie möglich vermeiden

Der Fonds umfasste Anfang Februar rund 2,3 Mrd. Euro. Zur Strategie des Fondsmanagers Dr. Jan Ehrhardt gehört es, Verluste weitestgehend zu vermeiden. Das zeigte sich insbesondere in der Entwicklung im Frühjahr 2020, als der Fonds durch die frühzeitige Senkung des Aktienanteils nie mehr als 9,4% im Minus lag, während beispielsweise der Dax zeitweise mehr als 35% verlor. Aktives Management und Quotensteuerung hätten sich in der Krise erneut bewährt, kommentiert Ehrhardt die damalige Situation.

Investments in Anleihen und Aktien

Der global anlegende Fonds DJE – Zins & Dividende PA setzt auf eine strategische Gewichtung von renditeträchtigen Anleihen sowie dividenden- und substanzstarken Aktien. Wichtig für die Anleihenauswahl sind nach DJE-Aussagen neben den Zinszahlungen und einer hohen Zinsdeckung auch stabile Cashflows und eine gute Bonität. Bei der Aktienauswahl vor allem im Fokus: stabile Dividendenzahlungen und Cashflows sowie eine anlegerorientierte Unternehmenspolitik mit Kapitalrückgaben und Aktienrückkäufen (Total Shareholder Return). (bh)

Bild: Dr. Jan Ehrhardt, Fondsmanager des DJE – Zins & Dividende PA, © DJE

 

Gut beraten können in schwierigen Marktphasen

Kompetenz und Kommunikation in der Krise: In unsicheren Zeiten sind Finanzberater besonders gefragt. Wer seine Kunden souverän durch ein unsicheres Umfeld navigiert, schafft Vertrauen. Wie das geht, erklärt Lorand Soha, Sales Executive Deutschland und Österreich bei Vanguard.

<p>Krisen an den Kapitalmärkten sind nicht nur für die meisten Anleger eine Heraus­forderung. Sie bringen auch Finanzberater in eine schwierige Situation. Denn sie müssen ihre Kunden noch intensiver als üblich betreuen. Es geht darum, Vertrauen zu schaffen, Zuversicht zu vermitteln und gleichzeitig das Portfolio zu schützen. Insbesondere gilt es, Anleger vor reflexartigen Reaktionen auf ungünstige Marktentwicklungen zu bewahren. Denn diese sind selten förderlich, wenn es darum geht, langfristige Anlageziele zu erreichen.</p><p>So stehen Anleger, die im März zu Beginn der Corona-Krise übereilt aus dem Aktienmarkt ausgestiegen sind, heute in aller Regel schlechter da, als wären sie investiert geblieben. Zwar erholen sich die Börsen längst nicht immer so schnell wie in diesem Jahr. Dennoch gilt grundsätzlich, dass sich häufige Strategiewechsel infolge kurz- und mittelfristiger Marktentwicklungen fast nie auszahlen. </p><p>Damit Anleger auch in schwierigen Marktphasen Kurs halten und Turbulenzen trotzen, müssen ihre Berater die emotionalen Impulse verstehen, denen ihre Kunden ausgesetzt sind, wenn die Kurse fallen. Drei wesentliche psychologische Faktoren sind die Angst vor Kontrollverlust, die Überbewertung negativer Nachrichten und der sogenannte Rückschaufehler („Ich habe es ja schon vorher gewusst“).</p><p>Verstehen Finanzberater diese Verhaltensmuster ihrer Kunden, können sie gezielt Einfluss nehmen und sie ermutigen, an der gemeinsam entwickelten langfristigen Anlagestrategie festzuhalten. </p><h5>Kontrollverlust: Vertrauen ist gut</h5><p>Unberechenbare Situationen sorgen oft für ein Gefühl des Kontrollverlusts. Daraus entsteht schnell ein unmittelbarer Handlungsimpuls. Denn wer reagiert und etwas tut, gibt sich das Gefühl, das Heft des Handelns in der Hand zu behalten – unabhängig davon, wie sinnvoll die Reaktion tatsächlich ist. Bei der Kapitalanlage heißt das: Fallen die Kurse, wollen viele Anleger ihre Portfolios unmittelbar neu ausrichten. Auch wenn das selten eine gute Idee ist, sollten Berater diesen Impuls ernst nehmen und den Drang zu handeln nicht komplett ignorieren. </p><p>Gute Argumente dafür, den eingeschlagenen Kurs unverändert weiter zu verfolgen, werden nicht selten auf Unverständnis stoßen. Umso mehr kommt es darauf an, die Handlungsimpulse in eine Richtung zu lenken, die die langfristigen Anlageziele nicht gefährdet.</p><p>Bisweilen lässt sich das bereits durch eine Änderung des Blickwinkels erreichen. Wer Marktkorrek­turen passiv aussitzt, stellt sich schließlich gleichzeitig aktiv gegen die aktuell vorherrschende Marktmeinung. Damit geht ein Gefühl von Handlungsfähigkeit einher, das Berater noch unterstützen können, indem sie positives Feedback geben und einen Austausch mit anderen Anlegern fördern. Denn auch gegenseitige Bestätigung befördert das Gefühl, nicht im falschen Boot zu sitzen.</p><p>Reichen weder ein derartiger Perspektivwechsel noch der Verweis auf die Vorteile aus, die sich fast immer ergeben, wenn der Anleger an seiner langfristigen Ausrichtung festhält, sollten Berater die psychologischen Faktoren hinter dem Wunsch des Anlegers nach Veränderung respektieren. In diesem Fall gilt es, bei einer Neuausrichtung des Portfolios so behutsam wie möglich vorzugehen, um die vereinbarten Langfristziele nicht zu gefährden. Außerdem sollten Finanzberater mögliche Konsequenzen für den Fall aufzeigen, dass sich die Märkte ein weiteres Mal anders entwickeln als erwartet. </p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Negative Nachrichten: Einordnung hilft--><h5>Negative Nachrichten: Einordnung hilft</h5><p>Wenn die Kurse an den Finanzmärkten abstürzen, verfallen die Medien gern in Schwarzmalerei. Für viele Anleger sind entsprechende Negativschlagzeilen nur schwer auszuhalten – insbesondere wenn sie bereits Verluste erlitten haben. Eine Flut negativer Nachrichten bestärkt die ohnehin erhöhte Risikowahrnehmung der Anleger weiter – weitestgehend unabhängig von der Faktenlage. Folge ist häufig ein übereilter Ausstieg aus dem Markt. Berater sind in diesem Fall gefragt, die Nachrichten für den Anleger richtig einzuordnen. Manchmal reicht schon ein kleiner Anstoß, um ihn von einem ausgewogeneren Nachrichtenkonsum zu überzeugen. Auch ein Verweis auf frühere Marktkorrekturen und das entsprechende Medienecho kann hilfreich sein. </p><p>Darüber hinaus gilt es, die tatsächlichen Auswirkungen negativer Nachrichten auf die persönliche finanzielle Situation des Anlegers zu beleuchten. Inwieweit Veränderungen am Markt ihr Leben tatsächlich beeinflussen, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Finanzberater können ihre Kunden vor einer übertriebenen Personalisierung der Marktentwicklung bewahren, indem sie sie daran erinnern und darauf hinweisen, dass kurzfristige Kursverluste die lang­fristigen Ziele nicht gefährden.</p><h5>Rückschaufehler: hätte, hätte, Fahrradkette</h5><p>Tatsächlich weiß niemand, was morgen an den Märkten passieren wird. Neben Anlegern und ihren Beratern haben auch Aktienstrategen und Chefvolkswirte den Corona-Crash so wenig vorhersagen können wie etliche Marktkorrekturen zuvor. Im Rückblick allerdings haben sich viele Entwicklungen vermeintlich klar angedeutet, und viele Anleger wollen bereits im Voraus gewusst haben, wann der Dax die Talsohle erreicht, welche Fonds besonders gut laufen werden und an welchen Märkten man die höchsten Renditen erzielen kann. </p><p>Diese Sichtweise ist auf das aus der Psychologie bekannte Phänomen des Rückschaufehlers („Hindsight Bias“) zurückzuführen und stellt Berater vor eine ernste Herausforderung. Denn weil Anleger die Marktentwicklungen im Nachhinein genau kennen, stellen sie häufig die Empfehlungen infrage, die ihr Berater in un­sicheren Zeiten ausgesprochen hat. Hätten sie nicht stattdessen in die Top-Performer investieren können?</p><p>Hier gilt es, frühere Anlageentscheidungen gemeinsam mit dem Kunden angemessen und wo nötig kritisch zu bewerten und in einen Zusammenhang zu den formulierten langfristigen Anlagezielen zu setzen. Vollständig lässt sich der Hindsight Bias niemals ausschalten. Finanzberater, die ihren Kunden frühzeitig erläutern, dass Enttäuschungen ebenso zur Vermögensanlage gehören wie ein gewisses Maß an Unsicherheit, erleichtern ihnen aber den Umgang mit zwischenzeitlichen Verlusten und entsprechenden Emotionen maßgeblich.</p><p>Entscheidend ist auch hier, den Kunden an die Hand zu nehmen und ihm glaubwürdig zu erklären, dass kurz- und mittelfristige Marktentwicklungen seine langfristigen Anlageziele nicht gefährden. Tatsächlich bieten gerade schwierige Marktphasen die Gelegenheit aufzuzeigen, dass alternative Ansätze nicht zielführender gewesen wären, und das Bekenntnis zur gewählten Anlagestrategie zu erneuern.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 01/2021, Seite 58f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-01-2021/65164813&quot; target="_blank" >ePaper</a>. </p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © Shutter B – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/4F5A76D8-ADCE-43ED-8D6B-2C45B71A7F52"></div>

 
Ein Artikel von
Lorand Soha

Schnelle taktische Anpassungen wichtig, wenn die Märkte fallen

Institutionelle Anleger wie etwa Versicherer kämpfen mit immer komplexeren Kapitalmärkten. Zugleich fehlen häufig passende Governance-Strukturen für ein solches Umfeld, sagt Olaf John, Commercial Leader of Investment Solutions Germany bei Mercer Global Investors Europe Ltd.

<h5>Herr John, Sie sind zum 01.10.2020 zu Mercer gewechselt. Was genau ist Ihre Aufgabe dort?</h5><p>Ich bin für den Bereich Investment Solutions verantwortlich. Invest­ment Solutions umfasst im Wesentlichen die Beratung und Umsetzung in Bezug auf die teilweise oder vollständige Auslagerung der Kapitalanlage institutioneller Investoren. Aus der Historie heraus sind wir sehr stark bei Einrichtungen der betrieblichen Altersversorgung engagiert. </p><h5>Was sind derzeit die größten Herausforderungen in diesem Bereich?</h5><p>Ganz aktuell natürlich alles rund um das Thema Corona. Die Herausforderung besteht insbesondere darin, wie man in einem solchen Umfeld der gestiegenen Unsicherheit in Zukunft agieren kann. Was haben wir gelernt? Wurden Marktchancen im April dieses Jahres genutzt? Waren bestehende Entscheidungswege geeignet, um schnell zu reagieren? Die Unsicherheit an den Kapitalmärkten wird aller Voraussicht nach bestehen bleiben. Daher ist es wichtig, die bestehenden Governance-Strukturen anzupassen und zu optimieren. </p><h5>Was genau meinen Sie damit?</h5><p>In so einem Umfeld braucht es Entscheidungsprozesse und Entscheidungsgremien, die es ermöglichen, schnell und systematisch zu reagieren. Der Trend geht vor diesem Hintergrund klar zur Professionalisierung und zum Outsourcing der Kapitalanlage, gerade im Bereich der betrieblichen Altersversorgung. Gerade in den unsicheren Zeiten von Corona müssen sich Unternehmen auf ihre Kernaufgaben konzentrieren und haben kaum Ressourcen, um die Kapitalanlage im Krisen­modus zu steuern. </p><p>Viele Anleger konnten die Marktverwerfungen im März und April dieses Jahres nicht nutzen. Nettokapitalflüsse in dieser Zeit zei­gen, dass Investoren zum Großteil noch gut aus dem Risiko bestimmter Anlageklassen kamen, aber dann den Wiedereinstieg in die Risiko-Assets nicht rechtzeitig schafften. Vom Tiefpunkt im März bis August stiegen Aktien, zum Beispiel der MSCI World, um etwa 50%. Wer also Risiko-Assets im März und April deutlich reduzierte und dann im folgenden Zeitraum nicht in solche investiert hatte, braucht jetzt Jahre, um diese Opportunitätskosten aufzuholen. </p><h5>Was ist unter ineffizienten Strukturen zu verstehen?</h5><p>Das kann sehr unterschiedlich sein. Es geht um Aufgabenteilung, Verantwortlichkeit und Umsetzungsgeschwindigkeit. Wenn die Märkte fallen, sind zum Beispiel schnelle taktische Anpassungen wichtig. Wenn aber erst verschiedene Aufsichtsgremien Entscheidungen treffen müssen, die nur einmal im Quartal tagen, ist das keine effiziente Governance-Struktur für schnelles Handeln.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Schnelligkeit ist das eine. Welche Folgen hat auch die gestiegene Komplexität der Kapital­anlage?--><h5>Schnelligkeit ist das eine. Welche Folgen hat auch die gestiegene Komplexität der Kapital­anlage?</h5><p>Die Komplexität der Geldanlage, die insbesondere seit der Finanz­krise vor gut einem Jahrzehnt stark zugenommen hat, führt dazu, dass vor allem institutionelle Anleger auf der Jagd nach Rendite vermehrt bei alternativen Anlageklassen suchen, wie insbesondere Private Markets. Um in diesem Bereich die richtigen Asset-Manager zu finden und dann zu überwachen, braucht es Expertise und Ressourcen. Da stellt sich dann schnell die Frage, ob dies besser intern oder extern gelöst werden kann (siehe Grafik). Ein großer Versicherer mag das auch gut selbst abdecken können. Bei kleinen und mittleren Unternehmen, deren Kernkompetenz eben nicht die Kapitalanlage ist, sieht das schon anders aus. </p><h5>Für wen ist ein externer Partner besonders interessant?</h5><p>Interessant ist eine externe Lösung für institutionelle Anleger mit limitierten Ressourcen und limitierter Expertise. Wenn Unternehmen die Kapitalanlage als Teil der Finanzierung ihrer betrieblichen Altersversorgung selbst durchführen, stellt sich irgendwann die Frage, wo die Kernkompetenzen liegen. In der Regel haben Unternehmen ein Kerngeschäft, das Priorität haben sollte, insbesondere in Krisenzeiten. Neben der gestiegenen Komplexität der Kapitalanlage machen ihnen auch die zunehmenden Anforderungen der Regulierung und des Berichtswesens zu schaffen. Diese Kombination führt dazu, dass immer mehr Unternehmen den Schritt zu einem externen Dienstleister suchen, anstatt die betriebliche Altersversorgung intern zu finanzieren. </p><h5>Und diesen bietet Mercer Investment Solutions Maßlösungen an?</h5><p>Ja und wir eröffnen diesen Anlegern, ihre Kapitalanlageteams von opera­tiven Detailaufgaben zu befreien, damit diese sich auf höherwertige strategische Prioritäten konzentrieren können. Wir bieten den Unternehmen unter anderem an, in Private Markets zu investieren. Das ist für einige ein relativ neues Thema, aber für die Erfüllung der Rendite­erwartungen notwendig geworden. Dafür braucht man Expertise und Ressourcen, die Unternehmen meist nicht haben. Durch Outsourcing ist man in der Lage, ein gut diversifiziertes Private-Markets-Portfolio mit unterschiedlichen Strategien und mehreren Managern aufzubauen. Für einen mittelgroßen Investor wäre es schwer, das selbst aufzubauen, zumal der Aufwand, um die richtigen Partner zu finden, deutlich größer ist als im liquiden Bereich. Entsprechend bietet es sich gerade hier an, das Thema an einen externen Partner abzugeben. Wobei die Größe hierfür allein nicht maßgeblich ist. Auch große institutionelle Anleger, deren Kerngeschäft nicht die Kapitalanlage ist, wollen sich angesichts der gestiegenen Komplexität der Aufgaben nicht mehr zwangsläufig selbst mit allen Themen der Kapitalanlage beschäftigen.</p><!--text-long-pagebreak--><!--sub-title||Welche Rolle spielt ein gutes Risiko­management?--><h5>Welche Rolle spielt ein gutes Risiko­management?</h5><p>Vor dem Hintergrund, dass in fast allen Anlageklassen die zu erwartenden Renditen gefallen sind, muss knapper kalkuliert und effizienter investiert werden Deshalb gewinnt das Risikomanagement an Bedeutung. Man muss viel komplexer investieren, um die Renditen zu erreichen, die gebraucht werden, um die Versprechungen einzulösen. Auch das Risikomanagement muss heute flexible Ansätze verfolgen dürfen und auch taktisch aktiv eingreifen können. Vor dem Hintergrund von Corona ist hier beispielsweise das Stichwort Rebalancing zu nennen, das heißt man nutzt Marktverwerfungen ganz gezielt bei der taktischen Anpassung der Asset-­Allokation. Das ist definitiv ein Thema, das im Bereich des Risikomanagements zunehmen wird.</p><h5>Das klingt relativ komplex. Braucht man gerade deshalb einen ausgewiesenen Experten dafür?</h5><p>Die Märkte sind wie gesagt komplex geworden. Das erfordert auch passende Tools, um mit der gestiegenen Unsicherheit umgehen zu können. Mercer hat die Expertise und umfassende Ressourcen in diesen Bereichen. Wenn ein Unternehmen zum Beispiel in den Bereich der Private Markets mit einem überschaubaren Betrag investieren will, hat es – wenn überhaupt – nur Zugang zu sehr wenigen Strategien. Mit einem Partner wie Mercer, der viele Kundeninvestments bündelt, bekommen Investoren dagegen Zugang zu einer ganzen Reihe an Strategien. Dadurch ist eine viel breitere Diversifizierung möglich. </p><p class="zoombild" > <div class="zoomImage"><a href="http://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom_large/pu…; rel="prettyPhoto" title=""><img alt="Schnelle taktische Anpassungen wichtig, wenn die Märkte fallen" height="146" src="http://www.asscompact.de/sites/asscompact.de/files/styles/zoom/public/z…; typeof="Image" width="200" /><img class="zoomIcon" src="/sites/asscompact.de/themes/asscompact/gfx/zoom_icon.png" width="54"></a></div></p><h5>Ist das für einen Spezialisten wie Mercer Investment Solutions auch zu anderen Kosten möglich?</h5><p>Natürlich erreicht Mercer durch diese Bündelung der Kundengelder auch attraktive Konditionen. Noch viel wichtiger ist es aber, überhaupt den Zugang zu bestimmten Strategien zu bekommen. Oft braucht es dafür nicht nur Volumen, sondern auch langjährige Beziehungen, weil die Nachfrage deutlich größer als das Angebot ist. Mercer ist bereits seit über 20 Jahren im Bereich der Private Markets aktiv und hat bei den entsprechenden Anbietern eine andere Stellung als zum Beispiel eine kleine Versicherung, die erstmals in diesem Bereich investieren möchte.</p><p>Diesen Artikel lesen Sie auch in AssCompact 01/2021, Seite 56 f., und in unserem <a href="https://epaper.asscompact.de/asscompact-01-2021/65164813&quot; target="_blank" >ePaper</a>. </p><p><i class="font-twelve-italic" >Bild: © duncanandison – stock.adobe.com</i></p><div id="bbgreadlog-getimage"><img src="/bbgreadlog/getimage/11493DC3-61F1-41BD-8CD2-A14F929B61E2"></div>

 
Ein Artikel von
Olaf John