Interview mit Paulos Asbe, Head of Zurich Resilience Solutions – Zurich Gruppe Deutschland
Herr Asbe, ist Prävention eine Möglichkeit, das Geschäftsmodell „Versicherung“ zu erweitern?
Prävention ist mehr als eine Ergänzung – sie ist die konsequente Weiterentwicklung des Versicherungsgeschäfts. In einer Welt, in der Risiken komplexer, vernetzter und häufiger werden, reicht es nicht mehr aus, Schäden nur zu regulieren. Kunden erwarten Unterstützung entlang der gesamten Risikokette. Versicherer müssen vom reaktiven Schadenregulierer hin zum proaktiven Risikopartner werden – etwa durch Datenanalysen, Risiko-Services oder konkrete Präventionsangebote. Das ist auch ökonomisch sinnvoll, weil wir so Schäden reduzieren und Versicherbarkeit langfristig sichern.
Mit Zurich Resilience Solutions haben Sie eine eigene Einheit aufgebaut, die Unternehmen gezielt beim Risikomanagement und bei Präventionsmaßnahmen unterstützt. Seit wann gibt es diese Einheit und welcher Gedanke steht dahinter?
Wir sind in Deutschland seit 2021 im Einsatz. Der Bereich wurde geschaffen, um Industriekunden noch gezielter bei Risikopräventionsfragen zu unterstützen. Der zentrale Gedanke dahinter ist einfach: Mit ca. 60 Mitarbeitern helfen wir Unternehmen dabei, Risiken frühzeitig zu erkennen, besser zu verstehen und aktiv zu managen. Denn gerade bei komplexen Gefahren wie Cyber, Extremwetter oder Lieferkettenstörungen entscheidet Prävention darüber, ob ein Schaden beherrschbar bleibt oder existenzbedrohend wird.
Ist Prävention in der Gewerbeversicherung derzeit stärker akzeptiert als in der privaten Absicherung?
Ja, in der Gewerbeversicherung ist Prävention heute in der Regel stärker verankert – einfach weil der Nutzen dort unmittelbar messbar ist. Unternehmen haben klare Risikoverantwortlichkeiten und spüren sehr direkt, welche Auswirkung z. B. ein Cybervorfall haben kann: Produktionsstillstand, Lieferkettenbruch, Reputationsschaden. In diesem Umfeld wird Prävention schnell als betriebswirtschaftliche Notwendigkeit verstanden – nicht als Nice-to-have.
In der privaten Absicherung ist die Akzeptanz ebenfalls vorhanden, aber oft weniger ausgeprägt. Hier gewinnt Prävention vor allem dann an Relevanz, wenn sie einfach, konkret und im Alltag spürbar ist.
Welche Rolle spielen Daten, KI und neue Technologien für wirksame Prävention?
Sie sind der Schlüssel, um Prävention wirksam und skalierbar zu machen, und versetzen uns in die Lage, Risiken nicht nur rückblickend zu analysieren, sondern frühzeitig zu erkennen und konkret vorherzusagen.
Wir kombinieren Technologie mit Risikoexpertise und übersetzen Daten in konkrete Handlungsempfehlungen. So wird Prävention nicht abstrakt, sondern unmittelbar umsetzbar. Gerade bei Klimarisiken zeigt sich das sehr deutlich: Mit unserer Klimarisikoanalyse „Climate Spotlight“ können wir standortspezifisch analysieren, welchen physischen Klimarisiken Unternehmen ausgesetzt sind – etwa durch Stark-regen, Hitze oder Überschwemmungen – und daraus gezielte Maßnahmen ableiten.
Wie verändert sich durch diesen Wandel die Rolle von Maklern in der Gewerbeversicherung? Werden sie vermehrt zu Risiko- und Präventionsberatern?
Ja, die Rolle von Maklern entwickelt sich klar in diese Richtung. Mit zunehmender Komplexität der Risiken reicht es nicht mehr aus, nur passgenauen Versicherungsschutz zu vermitteln – Kunden erwarten zunehmend Orientierung im Umgang mit Risiken.
Gerade im Gewerbebereich werden Makler damit immer stärker zu Sparringspartnern für Risikomanagement und Prävention. Sie helfen, Risiken einzuordnen, priorisieren Handlungsfelder und können – gemeinsam mit Versicherern und spezialisierten Einheiten wie Zurich Resilience Solutions – konkrete Lösungen anstoßen.
Das stärkt auch ihre Position: Wer Prävention mitdenkt, schafft zusätzlichen Mehrwert und rückt näher an die strategischen Fragestellungen seiner Kunden heran.
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