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„Aktuell drohen dramatische Verluste für Sparer und Anleger“
25. November 2019

„Aktuell drohen dramatische Verluste für Sparer und Anleger“

Rolf B. Pieper, Chefstratege der EFM Europäische Finanzmanufaktur, sieht aktuell große Gefahren für Erspartes und Vermögenswerte. Es gebe nicht nur eine große Gefahr, sondern Blasen über Blasen. Sparer sollten daher schnellstmöglich umschichten auf neue Spar- und Anlagekonzepte.


Rolf B. Pieper, Chefstratege der EFM Europäische Finanzmanufaktur, sieht aktuell große Gefahren für Erspartes und Vermögenswerte. Es gebe nicht nur eine große Gefahr, sondern Blasen über Blasen. Sparer sollten daher schnellstmöglich umschichten auf neue Spar- und Anlagekonzepte.


„Aktuell drohen dramatische Verluste für Sparer und Anleger“
Herr Pieper, in mehr als 35 Jahren haben Sie schon viele Marktsituationen analysiert. Wie stufen Sie die aktuelle Situation der Finanzmärkte ein?

In unseren Expertenveranstaltungen von „meet the experts – Beratercampus/Anlegercampus“ nimmt die Analyse der Märkte für unsere Berater und Kunden einen großen Raum ein. Ich habe schon sehr viele kleine und große Crashs erlebt. Aber aktuell sehe ich eine sehr große Fallhöhe – dramatische Verluste für Sparer und Anleger drohen.

Welche Gefahren sehen Sie konkret?

Blasen über Blasen. Die Rolle des Finanzwesens gegenüber der Realwirtschaft ist deutlich zu groß geworden. Immer neue Spekulationswellen werden erzeugt, es gibt zu viel vagabundierendes Kapital. Das erzeugt immer neue Spekulationswellen. Oft werden Risiken falsch eingeschätzt und es wird mit zu hohen Krediten gearbeitet – frisch aus der Druckpresse. Und wer ist am Ende der Dumme? Immer der Anleger und Sparer.

Worauf müssen sich die Sparer gefasst machen?

Der Sparer sitzt schon in der Zinsfalle. Er wird kalt enteignet. Seit Beginn der Niedrigzinsphase haben die privaten Haushalte mehr als 358 Mrd. Euro an Zinseinbußen erlitten. Der Staat verbucht hingegen 368 Mrd. Euro Zinsersparnisse. Das ist kein Zufall. Ich nenne das Enteignung. Sparen ist eine große deutsche Tugend, mittlerweile aber auch eine deutsche Krankheit. Es gibt keine Finanzbildung in Deutschland. Damit fängt es an.

Was müssen die Sparer ändern?

In erster Linie lieb gewonnene, nicht funktionierende, traditionelle Produkte aufgeben und Anlageverhalten ändern. 89% aller Anlageklassen waren 2018 weltweit im Minus. Bei einer statistischen Inflation von etwa 2% geht der Sparer noch immer zur Bank und lässt dort sein Geld zum Nullzins liegen, vielleicht demnächst mit Negativzinsen. Er hat einen Kaufkraftverlust und darf für gesparte 100 Euro am Ende des Jahres für 98 Euro einkaufen. Ein Irrsinn. Wenn man dann noch zugrunde legt, dass die statistische Inflation ja nicht die wahre Inflation ist, ist der Kaufkraftverlust um ein Vielfaches höher. Das Vorzeichen ist ein dickes Minus. Zusätzlich zahlen wir Deutsche die zweithöchsten Steuern auf der Welt.

Was sollen die Anleger genau tun?

Schnellstmöglich umschichten. In einer Welt der ausufernden Verschuldung ist es ganz schlecht, in Schuldtiteln gefangen zu sein. Festgeld, Tagesgeld, Bausparen, Lebensversicherungen, Staatsanleihen fußen auf Schulden. Der Anleger braucht Besitz und muss sich von Zinsmärkten und Volatilität unabhängig machen. Er muss raus aus der isolierten Produktlösung hin zum Konzept.

Wie kann das Konzept aussehen?

Gemeinsam mit der EFM Europäische Finanzmanufaktur habe ich ein Konzept entwickelt, das sich mit vier Themenbereichen beschäftigt: Liquidität, Rendite, Altersvorsorge und Werterhalt. Ich messe die Korrelation, kalkuliere die Risiken und suche passende Instrumente. Diesen neuen Ansatz nenne ich Triversifikation, denn die moderne Portfoliotheorie von Tobin und Markowitz hat einen großen Irrtum: Sachwerte kommen nicht vor. Zudem gibt es aktuell keinen risikolosen Zins. Bereits 2004 habe ich Sachwerte als Teil der Portfoliotheorie modelliert. Mit erstaunlichen Ergebnissen: Das Risiko sinkt und die Rendite steigt.

Wie profitieren Anleger davon?

Zunächst mal findet ein Umdenken bei ihm statt. Wir zeigen ihm auf, dass wir Deutsche uns nach und nach entreichern. 2018 lag die weltweite Anlegerrendite bei 4,5%, die Deutsche bei 1,4%. Laut Europäischer Zentralbank liegt das durchschnittliche Vermögen der Deutschen auch deshalb bei 51.000 Euro. Bei den Spaniern sind es 183.000 Euro. Auch die Italiener haben mehr als das Dreifache und die Griechen mit 102.000 Euro immerhin das Doppelte. Das liegt an der deutschen Anlegermentalität. Der deutsche Sparer braucht ein Konzept, denn Konzept schlägt Produkt und Kondition. Dabei muss auch immer an Länderdiversifikation gedacht werden. Alles im Euroraum anzulegen, ist eine schlechte Idee.

Welche Länder empfehlen Sie?

Zuallererst das Naheliegende. Der Finanzplatz Liechtenstein bietet im schuldenfreien Umfeld abseits des Euros und fernab von ESM-Haftungsrisiken im Schweizer Frankenraum die höchste Sicherheit für Vermögenswerte. Das hat nichts mit Steuerlichkeit zu tun, vielmehr mit einem Schutzwall für Privatheit, Vermögen und Eigentum. Hier ist privates Eigentum das höchste Gut.

Zu welcher Portfoliostruktur raten Sie?

Vorwiegend zu allen Anlageklassen, die auch institutionelle Investoren nutzen. Deren Renditestruktur liegt bei angemessenem Ausfallrisiko im zweistelligen Bereich. Beispielsweise bieten Rohstoffe im physischen Besitz hervorragende Möglichkeiten. Wir nutzen aber auch andere Investmentgelegenheiten in anderen Ländern. Natürlich gehören auch enteigungsgeschützte Edelmetalle dazu. Sie sind das „bessere Geld“, schützen vor Inflation und sind bester Wertspeicher, aber kein Renditelieferant. Als Fluchtwährung haben sich seit 5.000 Jahren auch Edelsteine bewährt.

Unsere Orientierung holen wir uns bei Adam Smith. 1776 hat er es in seinem Buch „Der Wohlstand der Nationen“ auf den Punkt gebracht: die wichtigsten Renditefaktoren sind Arbeitskraft plus Kapital plus Rohstoffe plus Wissen. Die Rendite für deutsche Staatsanleihen ist auf ein neues Rekordtief gefallen. Alle Bundesanleihen bringen erstmals negative Renditen, das kann keine gute Idee für Anleger sein. Das Motto muss heißen: Knappheit ist der beste Nährboden für Rendite.

Auf welches Szenario müssen wir uns kurzfristig einstellen?

Es gibt nicht ein Szenario, sondern viele. Weltwirtschaft, Verschuldung, ungedeckte Geldvermehrung, Nullzins, Inflation, Bargeldverbot, Enteignung, Bankencrash, Demografie und die vielen Blasen liefern einen gefährlichen toxischen Cocktail. Und vielleicht auch Krieg. Aber nicht mit Waffen, das macht man heute anders – es geht um Wissen, Informationen und wertvolle Rohstoffressourcen. Ich will mich nicht bei den vielen Crashpropheten einreihen, dennoch kann es in den nächsten Monaten und Jahren zu großen Verwerfungen kommen. Übrigens: Alle großen Krisen dieser Erde fanden zum Jahrzehntewechsel statt: 1719/1720, 1929/1930, 1999/2000 und zuletzt 2008/2010.

Wie können sich Anleger und Berater informieren?

Bis zum Ende des Jahres planen wir noch 50 Veranstaltungen für Berater und Anleger. Beim Beratercampus und beim Anlegercampus von meet the experts können sich Interessenten informieren. Wir nennen diese Deutschlandkonferenzen. Unsere Strategien für Vermögensaufbau, Vermögensschutz, Investment und Wohlstandsstrategien stellen wir dort vor. Teilweise mit prominenter Unterstützung.

Dieses Interview lesen Sie auch in AssCompact 11/2019 auf Seite 88f und in unserem ePaper.

Bild: © pathdoc – stock.adobe.com


Rolf B. Pieper Rolf B. Pieper


Kommentare

von Wilfried Strassnig am 11.12.2019 um 18:28 Uhr
Da Aktien- Fonds- und ETFS Sondervermögen sind benötigt man den Finanzplatz Liechtenstein nicht unbedingt, er schadet allerdings auch nicht. Sehr wohl erzielen meine Kunden gegenüber direkter Fondsanlage höhere Gewinne. Aus steuerlichen Gründen-keine Abgeltungssteuer bei Umschichtungen, direkte Förderung bis 66% vom Nettoeinzahlungsbetrag, lebenslange Rente und Insolvenzschutz, ist der Vorteil offenkundig. Den größten Vorteil, hier nicht erwähnt, erfahren allerdings nur meine Kunden persönlich!


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