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„Makler sollten Solvenzquoten zur Kenntnis nehmen, nicht mehr und nicht weniger“
31. Januar 2017

„Makler sollten Solvenzquoten zur Kenntnis nehmen, nicht mehr und nicht weniger“

Die klassische Rentenversicherung bleibt bei der Stuttgarter weiter im Angebot. Allerdings verliert sie im Neugeschäft deutlich an Bedeutung. Im Gespräch mit AssCompact erläutert Ralf Berndt, Vorstand Vertrieb und Marketing der Stuttgarter Versicherungsgruppe, warum die Altersvorsorge trotz schwierigem Zinsumfeld ein Wachstumsmarkt bleiben wird und warum der Versicherer nicht mit der Solvency-II-Quote werben will.


Die klassische Rentenversicherung bleibt bei der Stuttgarter weiter im Angebot. Allerdings verliert sie im Neugeschäft deutlich an Bedeutung. Im Gespräch mit AssCompact erläutert Ralf Berndt, Vorstand Vertrieb und Marketing der Stuttgarter Versicherungsgruppe, warum die Altersvorsorge trotz schwierigem Zinsumfeld ein Wachstumsmarkt bleiben wird und warum der Versicherer nicht mit der Solvency-II-Quote werben will.


„Makler sollten Solvenzquoten zur Kenntnis nehmen, nicht mehr und nicht weniger“
Herr Berndt, im Jahr der Bundestagswahl wird es weitere Diskussionen um Rente und Altersvorsorge geben. Ist das gut oder schlecht für die Beratung und das Vorsorgegeschäft?

Grundsätzlich ist es gut, wenn sich die Menschen mit Fragen zur Rente und Altersvorsorge beschäftigen. Die sozialen Sicherungssysteme werden bald an ihre Belastungsgrenzen stoßen. Schon heute reicht die gesetzliche Rente vielen Älteren nicht zum Leben. Wir als Stuttgarter führen dieses Jahr unsere „Initiative gegen Altersarmut“ weiter. Damit machen wir darauf aufmerksam, dass es sich lohnt, schon früh ans Alter zu denken.

Was heißt das für die bAV? Wie sehen Sie das Betriebsrentenstärkungsgesetz in Bezug auf die Vermittlung und Beratung?

Mit dem Betriebsrentenstärkungsgesetz wird zunächst einmal die betriebliche Altersversorgung gestärkt. Das ist sehr gut. Die finanzielle Förderung der Geringverdiener und der Freibetrag auf die Grundsicherung im Alter sind richtige Ansätze. Sie geben wichtige Impulse bei der Vermittlung. Beides, die Förderung der Geringverdiener und der Freibetrag auf die Grundsicherung im Alter, muss bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern beraten werden. Also bietet das bAV-Geschäft für die Versicherungsvermittler unserer Ansicht nach erhöhte Chancen.

Unabhängig von den Reformbestrebungen bleibt das Zinsdilemma ein Problem. Auch Sie mussten die Überschussbeteiligung weiter senken. Die Stuttgarter ist bekannt für die klassische Lebensversicherung. Können Sie daran festhalten?

Die klassische Rentenversicherung wird auch 2017 ein Produktbaustein in unserem Angebot bleiben. Allerdings gilt die Erkenntnis, dass in lang anhaltenden Niedrigzinszeiten die Balance zwischen Garantie und Renditechance zugunsten der Renditechance adjustiert werden muss. Aus diesem Grund spielte schon 2016 die klassische Produktvariante im Neugeschäft der Stuttgarter eine untergeordnete Rolle. So wurden gerade einmal ca. 18% des Neugeschäfts über unsere Klassiktarife geschrieben. Das im Januar 2016 neu eingeführte Indexprodukt index-safe hat aus dem Stand heraus bereits im ersten Jahr mit rund 16% den Anteil der Klassik fast erreicht. Wir gehen davon aus, dass dieser Trend im Jahr 2017 anhält und dass sich Klassiktarife im Neugeschäft branchenweit weiter rückläufig entwickeln werden.

Werden Sie dann in den nächsten Monaten Ihren Schwerpunkt auf die Indexpolice setzen?

Mit Sicherheit. Aber auch unser hervorragend laufendes Drei-Topf-Hybrid-Produkt performance-safe sowie unsere Biometrie-Produkte werden weiterhin Schwerpunkte im Vertrieb sein. Wir legen großen Wert auf einen gesunden Produkt-Mix.

In wenigen Monaten werden die ersten Versicherer mit der Solvency-II-Quote werben. Wie wird sich die Stuttgarter verhalten? Fitch erwartet, dass ihre Quote nach Berücksichtigung von Übergangsmaßnahmen deutlich über 100% liegen wird.

Auch wir werden unsere Solvency-II-Quote entsprechend der gesetzlichen Vorgaben bis spätestens 19.05.2017 veröffentlichen. Wir werden jedoch nicht damit „werben“, denn die Solva-II-Quote als Maßstab für die Finanzkraft eines Versicherers ist unserer Ansicht nach mit Vorsicht zu behandeln. Darauf haben auch verschiedene unabhängige Experten hingewiesen, zum Beispiel die Ratingagentur Fitch. Die vermeintlich einfache Standardformel, die die meisten Versicherer anwenden, hat so viele Einflussmöglichkeiten, dass sich die Ergebnisse nicht vergleichen lassen. Sie bietet deshalb nur sehr eingeschränkt Orientierung in der Beratung. Makler sollten unserer Meinung nach die anfänglichen Solvenzquoten zur Kenntnis nehmen, nicht mehr und nicht weniger. Denn eine gute Solvenzquote bedeutet noch keine Sicherheit.

Wie schwer wird es allgemein für die Lebensversicherer, zum Beispiel mit Blick auf die Zinszusatzreserve, und damit auch für die Vermittlung von Lebensversicherungen?

Die anhaltende Niedrigzinsphase und die Belastungen durch die Zinszusatzreserve werden die deutschen Lebensversicherer noch Jahre intensiv beschäftigen. Beides wirkt sich auf Produkte und Bilanzen aus. Richtig ist aber auch: Die private Lebens- und Rentenversicherung bleibt ein Wachstumsmarkt. Die gesetzliche Absicherung reicht nicht aus, das ist eine Tatsache. Die Branche muss sich weiter der gesellschaftlichen Herausforderung einer drohenden Altersarmut stellen. Vielen Menschen ist immer noch nicht bewusst, dass für eine ausreichende Altersvorsorge eine Ergänzung durch die private oder betriebliche Altersvorsorge unverzichtbar ist. Seit einigen Jahren beobachten wir einen Trend zu neuen Produkten mit alternativen Garantien, um unseren Kunden in Zeiten andauernder Niedrigzinsen mehr Renditechancen zu bieten. Dieser wird sich weiter fortsetzen. Gleichzeitig wird es darauf ankommen, trotz aller Herausforderungen den Kollektivgedanken zu erhalten, um Langlebigkeit weiter verlässlich abzusichern.

Wir bei der Stuttgarter haben die wichtigsten Weichen bereits gestellt: Wir haben unsere Kosten unter Kontrolle. Wir haben moderne und leistungsstarke Produkte wie index-safe und performance-safe. Und wir haben hoch motivierte Mitarbeiter, mit denen wir unsere Geschäftspartner und Kunden sicher in die Zukunft begleiten werden.



Kommentare

von Norbert Wichmann am 31.01.2017 um 11:27 Uhr
Herr Berndt, welcher Arbeitnehmer wird denn unter den heutigen Gegebenheiten eine betriebl. Direktversicherung, sollte er diese selbst finanzieren, noch abschließen? 20% Pauschalsteuer, eine Doppelverbeitragung an die Krankenkassen und nochmals ca. 18,5% nach Kapitalauszahlung, keine Rentenansprüche für die Beitragsleistungen, machen doch diese Versicherung zu einen Riesenminusgeschäft für den Arbeitnehmer!! Die Gewinner -> die Arbeitgeber,die Krankenkassen und die Rentenversicherungsanstalt!


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