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18. Juli 2026
„Prävention ist keine alleinige Aufgabe der Versicherungsbranche“
„Prävention ist keine alleinige Aufgabe der Versicherungsbranche“

„Prävention ist keine alleinige Aufgabe der Versicherungsbranche“

Prävention gewinnt in der Versicherungsbranche an Bedeutung. Im Privatgeschäft steht vor allem die Wohngebäudeversicherung im Fokus: Hier können sowohl Versicherer als auch Kunden von Präventionsmaßnahmen profitieren. Wo sind die größten Herausforderungen? Und welche Rolle spielen Makler?

Interview mit Sebastian Etz, Risikoingenieur bei der R+V Versicherung
Herr Etz, ist Prävention eine Möglichkeit, das Geschäftsmodell „Versicherung“ zu erweitern?

Ja, definitiv. Angesichts zunehmender Naturgefahren, steigender Baukosten und komplexerer Risiken gewinnt Prävention erheblich an Bedeutung. Unser Anliegen ist, dass Schäden möglichst vermieden oder zumindest in ihren Auswirkungen begrenzt werden. Moderne Sensorik, datenbasierte Risikoanalysen und individuelle Schutzkonzepte für einzelne Gebäude bieten dabei große Chancen. Durch Prävention lassen sich aber nicht nur Schäden reduzieren, sie trägt auch zu einer langfristigen Stabilisierung von Prämien und Versicherbarkeit bei. Versicherungsschutz und Prävention müssen künftig noch stärker zusammen gedacht werden.

Die Wohngebäudeversicherung steht schon seit mehreren Jahren unter Druck – unter anderem durch steigende Schadenaufwendungen infolge von Naturgefahren. Welche Rolle wird Prävention künftig spielen, um das Geschäftsmodell stabil und bezahlbar zu halten?

Die Schäden durch Starkregen, Überschwemmung, Hagel oder Sturm nehmen spürbar zu. Gleichzeitig steigen Material- und Handwerkerkosten erheblich. Ohne wirksame Präventionsmaßnahmen wird es zunehmend schwierig, Versicherungsschutz dauerhaft wirtschaftlich und bezahlbar anzubieten. Aber: Prävention ist keine alleinige Aufgabe der Versicherungsbranche. Hier bedarf es einer gemeinsamen Initiative von Staat, Bürgern und Versicherern – dem Zusammenspiel von Politik, Kommunen, Bauwirtschaft, Wissenschaft, Versicherern und Eigentümern. Insbesondere bei bestehenden Gebäuden gibt es großes Potenzial – beispielsweise durch das fachgerechte Nachrüsten von Rückstausicherungen, hochwasserangepasste Sanierung oder Sicherung der Lichtschächte durch Abdeckungen.

Wo sehen Sie die größten Präventionsdefizite bei Wohngebäuden? Welche Maßnahmen könnten deutlich dazu beitragen, die Versicherbarkeit in Zukunft sicherzustellen?

Die größten Defizite sehen wir vor allem im Gebäudebestand. Viele Gebäude wurden in einer Zeit errichtet, in der heutige Naturgefahren und klimabedingte Risiken in dieser Form noch nicht berücksichtigt wurden. Häufig fehlen bei diesen Gebäuden grundlegende Schutzmaßnahmen gegen Starkregen oder Rückstau. Zudem besteht oftmals noch ein Informationsdefizit hinsichtlich individueller Risiken. Viele Eigentümer unterschätzen beispielsweise lokale Starkregenereignisse, insbesondere fernab klassischer Hochwassergebiete. Wichtige Maßnahmen sind zum Beispiel technische Objektschutzmaßnahmen, klimaangepasste Sanierungskonzepte, eine stärkere Berücksichtigung von Prävention in Bauvorschriften sowie eine bessere Risikotransparenz. Prävention sollte idealerweise bereits bei der Planung, Finanzierung und Sanierung von Gebäuden berücksichtigt werden.

Wo sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen, wenn es um Prävention in der Wohngebäudeversicherung geht?

Die größte Herausforderung besteht darin, Prävention dauerhaft im gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Handeln zu verankern. Viele Schutzmaßnahmen verursachen zunächst Investitionskosten, deren Nutzen erst bei einem Schaden sichtbar wird. Hinzu kommen Herausforderungen bei Datenverfügbarkeit, Risikobewertung und der zunehmenden Dynamik von Naturgefahren. Gleichzeitig braucht es mehr Bewusstsein dafür, dass Prävention ein gemeinschaftlicher Prozess ist. Aus meiner Sicht als Risikoingenieur wird künftig entscheidend sein, Risiken noch transparenter zu machen und Eigentümer praxisnah zu unterstützen. Prävention darf nicht als Einschränkung verstanden werden, sie ist eine Investition in mehr Sicherheit.

Welche Rolle spielen Makler bei diesem Wandel? Werden sie zunehmend zu Risiko- und Präventionsberatern für ihre Kunden?

In Zusammenarbeit mit unseren Vertriebspartnern unterstützen wir eine Vielzahl von Präventionsmaßnahmen, die sich stark an dem jeweiligen Bedarf der Kundengruppe ausrichten. Durch das zielgruppenspezifische Know-how von Maklern und Experten in unseren Fachabteilungen können Lösungen für Kunden geschaffen werden, die ansonsten nur schwer Versicherungsschutz finden würden.

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