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23. November 2017
„Viele wissen nicht, was ein Versicherungsmakler ist“
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„Viele wissen nicht, was ein Versicherungsmakler ist“

Klaus-Peter Flosbach, der 15 Jahre im Finanzausschuss des Deutschen Bundestags saß, sprach in der vergangenen Woche auf dem 14. AfW-Hauptstadtgipfel über die Regulierung der Versicherungsvermittlung, Lobby-Arbeit und Provisionen. Seine Einschätzung in der Reihenfolge: zu viel, mehr davon, sind weiterhin ein Thema.

Die Bundestagssitzung, in der das IDD-Umsetzungsgesetz verabschiedet wurde, war auch seine letzte: Zuvor hatte sich Klaus-Peter Flosbach seit langem für eine maklerfreundliche Umsetzung der IDD eingesetzt. Der CDU-Politiker erklärte damals, dass Versicherungsmakler ein gesamtes Beratungspaket anbieten würden. Dazu gehöre analysieren, beraten, Deckungskonzepte entwickeln, Kunden betreuen und im Schadenfall begleiten. Hätte man den Maklern die Existenzberechtigung entzogen, wäre in Deutschland keine entsprechende Beratung mehr gewährleistet gewesen.

Keine Einheit im Versicherungsvertrieb

In der vergangenen Woche war Flosbach Gast beim AfW-Hauptstadtgipfel in Berlin und ließ noch einmal das IDD-Regulierungsverfahren Revue passieren. Er kam zu dem Schluss, dass man nun ausreichend reguliert habe und jetzt erst einmal wachsen und gedeihen lassen solle, was bisher reguliert wurde.

Er verwies aber auch noch einmal auf die vielen unterschiedlichen Interessen im Versicherungsvertrieb. So gingen freie Vermittler, Banken, Vertriebe und Versicherer nicht in eine Richtung. Die Versicherer hätten beispielsweise Ausnahmen bei den Beratungspflichten für den Direktvertrieb gefordert und die Banken hätten dafür plädiert, dass freie Vermittler unter BaFin-Aufsicht gehörten.

Mehr Lobbyarbeit von Maklerverbänden

Auch deshalb sei es wichtig, dass Versicherungsmakler ihre Lobbyarbeit fortsetzten, so Flosbach weiter. Es gäbe viele Politiker und Abgeordnete, die gar nicht wüssten, was ein Versicherungsmakler ist. Maklerverbände sollten die Interessen an die Parlamentarier herantragen, da diese oft erst spät, nach Durchlaufen durch die Ministerien, ins Spiel kämen und Informationen sogar manchmal erst nach den Verbänden erhalten würden.

Provisionen bleiben ein Thema

Flosbach geht davon aus, dass sich ein gutes System von Honorarberatung und Provisionsberatung entwickeln wird. Makler wie Berater müssten sich nun am Markt bewähren, ihre Qualität auch dokumentieren und das Geleistete an die Politik herantragen.

Dass mit dem LVRG II ein Provisionsdeckel kommen könnte, verwies Flosbach ins Reich der Spekulation. Seinem Wissen nach stehe noch gar nicht fest, wie die Evaluierung des LVRG ausfallen werde. Auch an ein mögliches Provisionsverbot über MiFID II glaubt Flosbach nicht, das Thema werde derzeit überhaupt nicht diskutiert. „Wir haben mit der Bundesregierung auf europäischer Ebene durchgesetzt, dass das Angebot der Provisionsberatung gilt. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein neuer Vorstoß von europäischer Seite dazu kommt", wird Flosbach vom AfW im Nachgang der Veranstaltung zitiert.

Provisionsdeckel wegen Interessenskonflikten?

Auf der AfW-Veranstaltung berichtete Verbandsvorstand Norman Wirth aber auch von einem Treffen der Vermittlerverbände bei der BaFin. Bei der Aufsicht sei demnach ein Deckel nicht vom Tisch. Man denke dort, um Interessenskonflikte in der Beratung zu vermeiden, über einen solchen Deckel nach. Sollte es so kommen, dann käme der Deckel nicht mit dem LVRG, sondern schon zuvor im Zuge der IDD-Umsetzung. (bh)

Foto: Die Teilnehmer des 14. AfW-Hauptstadtgipfels in Berlin. Vorne in der Mitte der AfW-Vorstand mit Norman Wirth, Matthias Wiegel, Frank Rottenbacher und der Bundestagsabgeordnete a.D. Klaus-Peter Flosbach. (Fotoquelle: AfW-Verband)